Der Schleier der Welt

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    Als Kyra vor drei Jahren ihre Zulassung als Privatdetektivin bekam und ihre eigene Detektei eröffnete, hatte sie sich alles ein wenig einfacher vorgestellt. Auch wenn sie gewusst hatte, dass das Leben keine Krimiserie ist, hatte sie sich doch mehr erwartet als untreue Ehepartner, der Verfolgung von Papierspuren und dann lange Durststrecken. Entsprechend ist sie immer wieder froh, wenn sie einen Fall bekommt, der etwas anderes ist – und sei es nur das auffinden von ehemaligen Schulfreunden.


    Genau damit beauftragt sie ein junger Anwalt, der nach Abschluss seines Studiums gerade nach Edinburgh zurückgekehrt ist. Kyra soll eine ehemalige Klassenkameradin von ihm finden, Tina Wallace, nachdem diese vor drei Jahren den Kontakt plötzlich abgebrochen hat. Kyra beginnt die Ermittlungen und muss bald feststellen, dass mehr hinter der Sache steckt, als ein Umzug oder verletzte Gefühle: Offenbar hatten Tina und ihrer Freunde ein gefährliches Geheimnis...



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    Kyra Hare, 27. Nach einem abgebrochenen Journalismus- oder besser gesagt Literaturstudium, mit dem Ziel Journalistin zu werden, hat sie vor drei Jahren ihre Zulassung als Privatdetektivin gemacht. Sie musste jedoch schnell feststellen, dass das reale Leben kein Detektivroman ist – aufgeben will sie deshalb aber noch lange nicht! Immerhin gibt es jemanden, dem sie etwas beweisen muss.


    Watson, 7. Kyras Schoßhund. Was soll man schon über ihn sagen? Er ist vollkommen verzogen, leicht übergewichtig, kann nicht gut mit anderen Tieren und ist – sozusagen – ziemlich vorlaut. Er ist Kyras bester Freund, metaphorische Schulter zum Ausheulen und zudem ein absoluter Feigling.


    Jason O'nelly, 27. Kyras Mitbewohner und bester Freund seit dem Studium. Anders als Kyra hat er sein Studium abgebrochen und arbeitet nun als Freelancer für diverse Zeitschriften. Seine Leidenschaft gehört allerdings Geistern, Kryptiden, Aliens und Verschwörungstheorien, weshalb er oft damit beschäftigt ist deren Existenz beweisen zu wollen.


    Molly Steward, 28. Inspector bei der Police Scotland und Kyras Exfreundin. Sie ist eine Karrierefrau, wie sie im Buche steht, ist ordentlich, organisiert und in vielerlei Hinsicht das absolute Gegenteil von Kyra. Auch wenn sie vor einem halben Jahr Schluss gemacht hat, sorgt sie sich noch immer um Kyra und fühlt sich, wohl oder übel, für sie verantwortlich.


    Maria Turner, 28. Gerichtsmedizinerin. Eine ehemalige Schulfreundin und Klassenkameradin von Tina Wallace. Als sie von Kyras Ermittlungen erfährt, entschließt sie sich ihr zu helfen, in der Hoffnung ihre alte Schulfreundin wiederzusehen.


    Tina Wallace, 28 (?). Floristin. Sie besaß einen eigenen Blumenladen namens „Merigold“. Vor drei Jahren brach sie den Kontakt zu allen ehemaligen Schulfreunden ab und verschwand beinahe über Nacht aus der Stadt. Nun ist Kyra beauftragt, sie ausfindig zu machen.


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    Nachdem ich die Geschichte ja schon länger angekündigt habe, hier nun mein aktuelles Großprojekt: A Hare Amoung Wolves, beziehungsweise der erste Band davon.


    Es handelt sich dabei um eine Detektiv-Serie mit Fantasy- und Actionelementen, wenngleich man vor allem ab dem zweiten Band fraglos auch sagen könnte, dass es sich um eine Fantasy-Serie mit einigen Detektivelementen handelt. ;)


    Ich schreibe die Geschichte zusammen mit meinem Freund, Seki, der hier nicht angemeldet ist, sich aber genau so wie ich über jede Art von Rückmeldung freut. Die Idee, Storyplanung und natürlich die Charaktere sind vollkommen Gemeinschaftsarbeit und auch viele der Dialoge sind inhaltlich in Teamarbeit entstanden – allerdings bin ich der eigentliche „Autor“ im Sinne der geschriebenen Texte.


    Die Reihe wird später mehrere Bände umfassen, die ich jedoch in einzelnen Threads hochladen werde, um es nicht zu unübersichtlich zu gestalten. Der erste Band wird voraussichtlich 31 Kapitel beinhalten, zuzüglich ein oder zwei Kurzgeschichten, die inhaltlich während der Zeit des ersten Bands spielen, aber wahrscheinlich in meinem Einzelwerke-Topic gepostet werden, um Verwirrung zu vermeiden. ;)


    Viel mehr weiß ich hier nicht zu sagen, außer: Viel Spaß mit der Geschichte! :)


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    Kommen wir zu den generischen Informationen über die Geschichte.


    Fangen wir mit dem Rating an. Wenn ich frei entscheiden sollte, würde ich die Geschichte ab 14 Jahren empfehlen. Wenn ich mich an bestehende Altersfreigaben halten sollte, würde ich es auf FSK12/PG13 setzen. Die Geschichte beinhaltet etwas Gewalt, jedoch nicht graphischer Natur, sowie Andeutung von sexuellen Inhalten. Nichts davon ausführlicher, als man es in diversen Jugendbüchern zu lesen oder einem Standard-Blockbuster zu sehen bekommen würde.


    Dann haben wir noch die Genre:


    Das Hauptgenre im ersten Band ist Mystery (im Sinne einer Detektivgeschichte). Immerhin geht es in erster Linie um einen Fall, der aufgeklärt werden soll.


    Außerdem haben wir Fantasy als Genre, da Kyra im Rahmen ihrer Ermittlungen über einige magische Dinge stolpern wird.


    Ebenfalls wird es an einigen Stellen Action geben, wie auch – natürlich – Drama, in Form von Kyras Charakterkonflikten.


    Zuletzt sei noch gesagt das mehr oder weniger leichte Dosen von Girls Love vorkommen, da Kyra noch immer etwas Gefühle für ihre Exfreundin hat. Es gibt allerdings keine Girls Love Romanze in diesem Band.



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    Kapitel 1:

    Tina Wallace


    Kapitel 2:
    Schulfreunde


    Kapitel 3:
    Mondsüchtig


    Kapitel 4:
    Sean Wright


    Kapitel 5:
    Der Trossachs


    Kapitel 6:
    Unter Wölfen


    Kapitel 7:
    Flucht


    Kapitel 8:
    Bildrauschen


    Kapitel 9:
    Nächtlicher Besuch


    Kapitel 10:
    Rückkehr in den Wald



    E-Book (epub) zum Download:
    Kapitel 1-10


    Kapitel 11:Die Jagd


    Kapitel 12:
    Professor Sterling


    Kapitel 13:
    Überwachung


    Kapitel 14:
    Der Stein der Helden


    Kapitel 15:
    Verhandlungen


    Kapitel 16:
    Klingonentod


    Kapitel 17:
    Drogenrausch


    Kapitel 18:
    Wiedersehen macht Freude


    Kapitel 19:
    Das Treffen


    Kapitel 20:
    Perspektivenwechsel



    E-Book (epub) zum Download:
    [folgt]

    Kapitel 21:
    Spurensuche


    Kapitel 22:
    Wolfsgeheul




  • Vorwort


    Und hiermit präsentiere ich stolz das erste Kapitel und den Anfang des „Abenteuers“ :) Das erste Kapitel vom ersten (richtigen) Band von „A Hare Amoung Wolves“, unserer Urban Fantasy-Reihe. Ich – beziehungsweise wir, da es ja ein Gemeinschaftsprojekt ist – freuen uns über jeden, der den Weg hierher gefunden hat.



    Im ersten Band werdet ihr – zusammen mit Kyra – erst einmal die Welt kennen lernen. Ich/wir wünsche/n euch viel Spaß dabei und hoffe/n, dass euch gefällt und würden uns natürlich sehr über Feedback freuen!



    Kapitel 1: Tina Wallace



    Es war bereits beinahe Mittag, als Jason in die Küche geschlurft kam. Er schien noch nicht besonders wach zu sein und war noch in Boxershorts und T-Shirt gekleidet.
    Kyra saß am Tisch, trank einen Tee mit Milch und spielte auf ihrem Handy herum. Es war ihre „Mittagspause“, wenn man es so nennen wollte, denn immerhin hatte sie seit letzter Woche keinen neuen Auftrag bekommen.
    Deshalb spielte sie nur gedankenverloren auf ihrem Handy herum und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als Jason sich mühselig zur Kaffeemaschine schleppte.
    „Du solltest mehr feiern“, meinte sie, da sie genau wusste, dass seine Müdigkeit nicht etwa von einer wilden Party stammte, sondern viel eher darin begründet war, dass sein üblicher Tag irgendwann um die Mittagszeit anfing und in den frühen Morgenstunden endete.
    „Ach, Klappe“, erwiderte er überaus freundlich und schaltete die Kaffeemaschine an.
    Die Maschine war seine. Zwar war es nicht so, als würde Kyra nicht auch ab und zu einen Kaffee trinken, doch zumeist bevorzugte sie einen starken Earl Grey. Man musste sich immerhin bemühen ein paar Klischees zu entsprechen, sagte sie sich.
    Wie zumeist saß Watson unter dem Tisch vor ihrem Füßen. Sie hatte den Berner Sennenhund natürlich gefüttert, doch sobald er halbwegs gesättigt gewesen war, hatte er sich wieder an seinen Lieblingsort zurückgezogen.
    Als der Kaffee durchgelaufen war setzte sich Jason mit einer großen Tasse in der einen, seinem Tablet in der anderen Hand ihr gegenüber und begann offenbar im Internet zu browsen, während er den vermutlich sehr starken Kaffee trank.
    Kyra schwieg, da es generell eine bessere Idee war, Jason vor dem ersten Kaffee nicht zu sehr zu nerven. Stattdessen startete sie Candy Crush und spielte für eine Weile.
    Sie kannte Jason noch aus dem Studium. Ihrem abgebrochenen und seinem abgeschlossenen Studium – ja, sie hatte sich diesbezüglich nicht unbedingt mit Ruhm betrachtet, doch einmal ehrlich: Während sie als Privatdetektivin arbeitete, verdiente er damit Geld Artikel für fragwürdige Magazine, die unter anderem von der Existenz Bigfoots und dem regelmäßigen Besuch der Erde durch Außerirdische überzeugt waren. Also hatte sie im Vergleich doch nicht so viel falsch gemacht, oder?
    „Na, ist irgendwer wieder von Aliens entführt worden?“, fragte sie stichelnd, als er sich den zweiten Kaffee geholt hatte.
    Er schenkte ihr einen wenig amüsierten Blick. Allerdings kannte er diese Sticheleien mittlerweile nur zu gut und war entsprechend gut darin geworden, sie zu ignorieren. „Nein. Niemand. Aber es gibt eine neue Sichtung von Nessie.“ Er drehte das Tablet so, dass sie ebenfalls sehen konnte und gab einen kurzen Clip wieder, der aus Kyras Sicht wenig mehr als ein paar Wellen auf einer auch ansonsten nicht wirklich stillen Seeoberfläche zeigte.
    „Wahnsinn“, murmelte sie trocken.
    Jason verdrehte nur die Augen. „Du wirst schon sehen“, meinte er vielsagend. „Irgendwann wirst du schon sehen…“
    „Vielleicht solltest du mehr normale Nachrichten lesen“, erwiderte sie.
    Darauf zuckte er nur mit den Schultern. „Zu deprimierend.“
    „Wohl war…“ Sie seufzte. Sie konnte ihm zumindest dahingehend nicht widersprechen.
    „Und, wann bekommst du den nächsten Job?“, meinte er nun und drehte somit den Spieß um. Während sie ihn damit aufzog, wie albern sie seine Verschwörungstheorien fand, konnte er sich nicht immer Bemerkungen dazu verkneifen, wie flau ihre Joblage zumeist aussah.
    „Jeden Augenblick“, erwiderte sie daher nur spitz. „Woran arbeitest du im Moment eigentlich? Erfahrungsberichte über Bigfoot?“
    Nun war sein Blick geringschätziger. „Nein, meine liebe Mitbewohnerin. Ich habe gerade ein viel interessantere Geschichte. Hast du schon vom Biest des Trossachs gehört?“
    Natürlich hatte sie das nicht! Immerhin war sie in solchen Foren nicht unterwegs. „Erleuchte mich.“
    „Im Trossachs wurde bereits in den letzten Jahren mehrfach ein Monster von einem Wolf gesehen“, erwiderte er und gab etwas auf seinem Tablet ein. „Ich recherchiere die Geschichte. Sichtungen des Biests gehen bestätigt zumindest bis zu Zeiten vor dem zweiten Weltkrieg zurück. Aber es gibt gälische Legenden aus der Gegend über ein Ungeheuer, dass in der Gegend bei Nacht gesichtet wurde, die zumindest bis 1638 zurückgehen.“
    „Na, und was ist deine Theorie dazu?“, fragte Kyra mit hochgezogener Augenbraue. „Aliens? Bigfoot?“
    „Unsinn“, erwiderte Jason. „Das Biest wird als vierbeinig und wolfsartig beschrieben. Also handelt es sich entweder um eine bisher unentdeckte Art, eine Züchtung oder vielleicht eine Art von Feenwesen, die sich in dieser Gestalt manifestiert.“
    „Feenwesen, eh?“
    „Ich gebe ja offen zu: Die anderen Theorien sind wahrscheinlicher.“ Er trank einen Schluck Kaffee. „Vielleicht ist es einfach eine Geschichte, wie in Gévaudan damals. Nur das sich hier eine Population erhalten konnte. Wer weiß…“ Erneut drehte er das Tablet zu ihr um, dieses Mal war eine Seite mit verschiedenen Fotos aufgerufen. „Bilde dir deine eigene Meinung.“
    Etwas ungläubig scrollte Kyra durch die Bilder. Die meisten waren verwackelt und in vielen der Fotos war das Bildrauschen so stark, dass kaum etwas zu erkennen war. Es ließ sich jedoch tatsächlich zwischen Unterholz und Bäumen etwas, dass definitiv nach einem großen hunde- oder vielleicht auch wolfsartigem Tier mit dunklem Pelz aussah. Genug zu erkennen war jedoch nicht.
    „Was meinst du?“, fragte Jason, als sie ihm das Tablet zurückgab.
    „Ich meine, wahrscheinlich irgendetwas wie eine Schäfer-Huskymischung. Die werden manchmal so dunkel“, erwiderte Kyra unbeeindruckt. „Und die Bildqualität ist einmal wieder beschissen. Komisch, dass es von so etwas nie gute Bilder gibt.“
    Jason sah sie leicht beleidigt an. „Das ist ein Teil des Mysteriums!“, widersprach er. „Wenn das Biest in der Nähe ist, spinnen elektrische Geräte herum. Bilder – auch einfache Bilder vom Wald – haben auf einmal Nebel oder Rauschen im Bild. Wieder ein Punkt, der für Feen sprechen würde.“
    „Uhum“, machte Kyra nur. Sie stand auf und ging zur Anrichte hinüber, um sich weiteres Wasser in die Tasse zu geben. „Ich bin in meinem Arbeitszimmer…“
    Arbeitszimmer, eh?“, meinte Jason. „Das klingt so, als würdest du darin arbeiten.“
    „Ja ja“, murmelte sie nur, da sie wusste, dass sie diese Bemerkung wahrscheinlich verdient hatte.
    Sie ging in ihr Arbeitszimmer zurück, gefolgt von Watson, der einmal wieder so dicht bei ihren Knöcheln lief, dass sie aufpassen musste nicht über ihn zu stolpern. Zurück in ihrem Arbeitszimmer ließ sie sich auf ihren Schreibtischstuhl fallen, während Watson sich mit einem Laut, der wie ein entspanntes „Huff“ klang, in sein Körbchen fallen ließ.
    Kyra seufzte. Jason hatte in einer Hinsicht Recht: Viel Arbeiten tat sie nicht. Was würde sie für einen neuen Fall geben – und sei es nur ein untreuer Ehemann.
    Doch anstatt etwas konstruktives zu tun, öffnete sie YouTube und verbrachte die nächste halbe Stunde mit Videos über dusselige Hunde und ungeklärten Kriminalfällen von vor zwei Jahrhunderten.
    Es war mitten in einem solchen Video, dass das schrille Klingeln ihres Festnetztelefons, sie aufspringen ließ. Es war ihr Bürotelefon, was hieß, dass entweder jemand die falsche Nummer hatte oder vielleicht – ganz vielleicht – es einen Job für sie gab!
    „Privatdetektei Hare“, sagte sie schnell in den Hörer des schon etwas älteren Telefons. „Was kann ich für Sie tun?“
    „Guten Tag“, erwiderte eine Männerstimme am anderen Ende der Leitung. „Mein Name ist Thomas Rowe, ich wollte fragen, ob Sie Zeit für einen Termin haben.“ Der Mann sprach mit fester Stimme und erstaunlich wenig Dialekt, was Kyra einen Geschäftsmann vermuten ließ.
    „Warten sie einen Moment“, sagte sie, um so zu tun, als würde sie Termine nachschauen. „Heute Nachmittag um 14Uhr hätte ich einen Termin oder wäre das zu früh für sie?“
    „Nein, dass passt mir wunderbar“, erwiderte der Mann.
    „Sehr schön. Darf ich fragen, worum es geht?“
    „Ich suche jemanden“, erwiderte der Mann. „Eine alte Freundin von mir. Ich habe sie vor ein paar Jahren aus den Augen verloren und ich hoffe, dass Sie mir helfen können, sie zu finden.“
    „Natürlich“, sagte Kyra. „Wenn Sie Bilder der Person haben und vergleichbares, bringen Sie sie doch bitte mit.“



    Kurz vor zwei saß Kyra in freudiger Erwartung an ihrem Schreibtisch. Sie hatte schon mehrfach ihr Namensschild auf dem Tisch zurecht gerückt. Ein richtiger Fall und auch noch jemand, der vorher anrief. Sie fühlte sich gleich ein ganzes Stück professioneller.
    Davon einmal abgesehen, dass der Fall interessanter klang, als die üblichen Fälle – also betrügerische Ehepartner überführen und eventuell verlorene Gegenstände ausmachen – die einen guten Anteil ihrer üblichen Arbeit ausmachten, brauchte sie auch dringend einen neuen Fall, wenn sie am Ende des Monats genug Geld für die Miete übrig haben wollte.
    Ach, was hätte sie nur dafür getan, als Berater der Polizei angestellt zu werden, doch irgendetwas sagte ihr, dass dies nicht so schnell passieren würde.
    Endlich schrillte die Türklinge durch die kleine Wohnung und ließ Watson, der in seinem Körbchen neben ihrem Schreibtisch lag, seinen Kopf heben ließ.
    Schnell stand sie auf und ging zur Tür, um den Buzzer zu betätigen. Eine Gegensprechanlage hatten sie immer noch nicht, doch es würde wohl ihr Klient sein. Thomas Rowe hatte er am Telefon gesagt.
    Sie öffnete die Wohnungstür und wartete hier, während die Schritte auf der Treppe hörte.
    Sie wohnten in dem Haus zusammen mit ihrer Vermieterin, der alten Mrs. Morrs, die leider bei weitem nicht so cool war, wie eine Mrs. Hudson. Weder kochte sie Tee, noch tat sie sonst viel, außer in ihrer Wohnung zu sitzen, fernsehen zu schauen und was auch immer mit ihren vier Katzen zu machen, die man meist bis hier oben roch.
    Der Mann, der die Treppe hochkam, schien nicht wesentlich älter zu sein, als sie selbst. Sie schätzte ihn auf allerhöchstens dreißig Jahre ein. Er war groß gewachsen und schien recht kräftig zu sein. Sein kurzes Haar war hellbraun, beinahe blond, und sein Bart glatt rasiert.
    „Ms. Hare?“, fragte er, als er sie sah.
    „Ja“, erwiderte sie und streckte ihm die Hand entgegen.
    Er ergriff die Hand und drückte sie relativ fest. Sein Auftreten wirkte selbstbewusst. „Thomas Rowe“, sagte er überflüssiger Weise.
    „Kommen Sie rein“, meinte Kyra und trat zur Seite, um ihn in den Flur der Wohnung zu lassen. „Sie können ihren Mantel an der Garderobe aufhängen.“ Sie nickte in die Richtung des Jackenständers, der auf halber Höhe des Flurs stand.
    „Danke“, erwiderte er und hänge den dunklen Filzmantel, den er trug, auf.
    Unter dem Mantel trug er einen Anzug. Außerdem hatte er eine lederne Aktentasche bei sich, weshalb Kyra von einem Bürojob ausging. Vielleicht war er auch Anwalt, überlegte sie. Zumindest würde es zu seinem Auftreten passen.
    „Folgen Sie mir“, forderte sie ihn auf und ging zu ihrem Arbeitszimmer hinüber, das hinter der zweiten Tür auf der linken Seite des Flurs lag. Anders als die anderen Türen hier, hatte es eine Tür, die zwar zum Teil hölzern war, jedoch eine Glasauslassung, die den größten Anteil der Fläche ausmachte. Das Glas war milchig und hatte – im besten Stil alter Noir Filme – die Worte „Detektei Kyra Hare„ in schwarzen Buchstaben aufgeklebt.
    „Kommen Sie rein“, meinte sie und öffnete die Tür. „Sie können sich bereits setzen. Wollen Sie vielleicht einen Tee?“
    „Gern“, erwiderte Mr. Rowe und kam ihrer Aufforderung nach.
    „Warten Sie einen Moment“, sagte sie und ging in die Küche, um kurz etwas Wasser aufzukochen.
    Nach etwa zwei Minuten, kam sie mit zwei Tassen Earl Grey in ihr Arbeitszimmer zurück, wo Mr. Rowe bereits auf einem der beiden hölzernen Stühle auf der Klientenseite des Schreibtischs Platzgenommen hatte.
    Kyra fiel auf, dass er eine kleine Mappe aus seiner Tasche hervor geholt hatte. Offenbar war er vorbereitet.
    „Hier“, meinte sie und stellte die eine Tasse vor ihn hin.
    „Danke“, antwortete er und schien zu warten, dass sie sich ebenfalls hinsetzte.
    Watson schaute ihn derweil an, schien allerdings soweit zu desinteressiert, um aufzustehen. Vielleicht war er auch zu müde. Was auch immer es war, Kyra war dankbar dafür, da es nicht besonders professionell wirkte, wenn Watson einmal wieder ihren Klienten ansprang oder alternativ anknurrte, je nachdem ob er beschloss, jemanden zu mögen oder nicht.
    Sie setzte sich selbst hin und sah Rowe an. „Erzählen Sie doch einmal, was es genau ist, das ich für Sie tun kann. Sie sagten am Telefon etwas, dass Sie eine Schulfreundin suchen?“
    „Genau“, erwiderte er und öffnete die Mappe vor sich. „Ihr Name ist Tina Wallace.“ Damit holte er ein paar Fotos aus einer Klarsichtfolie hervor und legte sie ihr hin.
    Die Fotos schienen noch allesamt aus der Zeit vor Digitalbildern zu stammen. Eins war ein Klassenfoto, auf dem das Gesicht eines vielleicht sechzehnjährigen braunhaarigen Mädchens eingekreist war. Ein anderes zeigte drei Jugendliche: Dasselbe braunhaarige Mädchen, ein anderes, dunkelhaariges und etwas molliges Mädchen und ein Junge, der offenbar ein jüngerer Thomas war. Ein drittes Bild zeigte nur die beiden Mädchen, ein viertes dieselben drei Jugendlichen, dieses Mal etwas älter, mit einem weiteren, mediterran aussehenden Jungen. Ein viertes zeigte die drei mit drei anderen Jugendlichen: Einem blonden Jungen, der eine auffällige Narbe auf seiner Stirn hatte, die selbst auf dem alten Bild deutlich zu sehen war, einem Mädchen, mit kürzeren schwarzen Haaren und einem weiteren, sehr normal wirkenden und etwas hageren Jungen mit kurzem braunen Haar.
    Kyra betrachtete die Bilder. „Das ist Tina, nehme ich an?“ Sie zeigte auf das Mädchen mit den langen braunen Haaren.
    „Genau“, erwiderte er. „Das ist Tina. Das Bild ist auf einer Klassenfahrt ihm zehnten Jahrgang aufgenommen worden.“ Er zeigte auf das Klassenfoto. „Die anderen Bilder sind etwa aus derselben Zeit. Nur das hier ist fast zwei Jahre später aufgenommen worden, kurz vor unserem Abschluss.“ Er holte ein weiteres Bild aus einer Klarsichtfolie hervor – dieses war auf einem DinA4 Blatt ausgedruckt worden und offenbar digital aufgenommen worden. Es zeigte ebenfalls eindeutig Tina, offenbar im Wald, während einer Wanderung. Sie lachte. „Das hier habe ich online gefunden. Auf ihrem Facebook Profil.“
    „Ich gehe entsprechend davon aus, dass es nicht möglich war, sie über Facebook zu erreichen?“, meinte Kyra und sah sich das Bild genauer an.
    Darauf schüttelte Rowe nur den Kopf. „Ihr Account ist schon seit beinahe zwei Jahren inaktiv.“
    Sonst wäre er wohl auch nicht hier, dachte sich Kyra und seufzte. „Fangen wir erst einmal von vorne an: Woher kennen Sie Tina? Ich nehme an aus der Schule?“
    „Ja“, antwortete er. „Wie gesagt, wir waren Klassenkameraden und wir waren damals befreundet. Ich habe in London studiert und wir hatten für eine ganze Weile noch Kontakt. Wir haben Briefe geschrieben, wissen Sie? Sie mochte solche alten Sachen. Wir haben uns auch einige Male getroffen, wenn ich in Edinburgh war. Doch vor etwa drei Jahren wurden die Briefe weniger und haben dann schließlich ganz aufgehört.“
    „Haben Sie welche von den Briefen?“, fragte Kyra. Immerhin konnte man manchmal Dinge zwischen den Zeilen lesen.
    Allerdings mochte sie die Geschichte soweit nicht, da es doch alles etwas seltsam klang und bereits ein unguter Verdacht in ihr aufkeimte.
    „Ja, hier sind zwei von ihren Briefen“, erwiderte er. „Kopien. Ich habe es mir herausgenommen, ein paar Dinge auszuschwärzen.“
    Kyra nickte nur und nahm die Briefe entgegen. Sie stellte fest, dass die Handschrift recht kantig wirkte für die Schrift einer Frau. Die meisten Frauen neigten zu runderen Buchstaben. Dafür war die Schrift erstaunlich fließend und weniger von Druckbuchstaben geprägt. Allerdings las sie die Briefe erst einmal noch nicht, sondern wandte sich viel eher der nächsten Frage zu: „Gibt es irgendeinen möglichen Grund, warum Ms. Wallace den Kontakt mit Ihnen meiden könnte?“
    Er schüttelte nur den Kopf. „Nein. Ich kam eigentlich immer gut mit ihr aus. Ich habe auch mit einigen Klassenkameraden geredet und offenbar war sie auch beim letzten Klassentreffen nicht dabei.“
    Erneut nickte Kyra nur. „Nun gut.“ Sie sah auf die Bilder. „Ich nehme an, dies sind weitere Freunde von Ihnen?“
    „Ja.“ Er zeigte auf das erste Bild. „Das hier sind Tina, Maria und ich. Das heißt Maria Turner – eine andere Klassenkameradin und gute Freundin von Tina.“ Er zeigte auf das Bild, mit dem mediterran aussehenden Jungen. „Das hier war Pavlo, ein Austauschschüler aus Spanien, der in der elften mit uns in der Klasse war.“ Dann das Bild, auf dem die sechs Jugendlichen standen. „Das hier waren drei andere Freunde von Tina. Die kamen von einer anderen Schule, aber wir waren einmal mit ihnen zusammen wandern.“
    „Sie erinnern sich nicht mehr an die Namen?“, fragte Kyra.
    Rowe schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich. Nur dass das andere Mädchen einen ähnlichen Namen wie Tina hatte. Auch irgendetwas mit Ti am Anfang. Tia oder so?“
    Kyra schrieb alles auf einem kleinen Block auf. Vielleicht fand sie bei den drein ja eine Antwort auf die Frage? Wobei sie sie dafür erst einmal würde finden müssen.
    „Was können Sie mir sonst noch über Tina erzählen?“, fragte sie schließlich. „Wie war sie charakterlich, als sie noch Kontakt mit ihr hatten? Wissen Sie irgendetwas über ihre Familie? Was hat Sie nach der Schule gemacht?“
    Für einen Moment überlegte Rowe, ehe er antwortete: „Nun, sie war sehr lieb, wenngleich oft ein wenig zurückhaltend. Sie hatte etwas an sich, dass andere oft eingeschüchtert hat. Ich kann es nicht so wirklich in Worte fassen. Wenn man sie nicht kannte, konnte man meinen, sie wäre irgendwie aggressiv. Aber ja, das war sie nicht. Sie war nett. Sie mochte es rauszugehen, zu wandern… Und sie mochte Blumen. Sie hat nach der Schule einen Blumenladen aufgemacht, auch wenn ich nicht mehr darauf komme, wie er hieß. Marygold, glaube ich. Und ja, ich habe schon danach gesucht, aber offenbar ist der Laden zu.“ Er machte eine Pause und schien noch einmal nachzudenken. „Ihre Familie… Ich weiß nicht viel. Ihr Vater war Handwerker und sie lebte wohl mit ihm allein. Soweit ich weiß hatte sie keine Geschwister und von ihrer Mutter hat sie nie erzählt.“
    „Also war die Mutter tot? Oder die Eltern geschieden?“, schloss Kyra.
    „Ich weiß es nicht“, gab Rowe zu. „Wie gesagt, sie hat nicht drüber geredet.“
    Kyra nickte und notierte sich auch dies auf ihrem Block, ehe sie Rowe noch einmal ansah. „Gibt es sonst noch etwas?“
    Daraufhin schob er nur die Mappe zu ihr hinüber. „Ich habe noch ein paar Sachen gesammelt. Es ist nicht viel, aber vielleicht hilft es Ihnen.“
    „Ich werde es mir anschauen.“ Kyra blätterte kurz durch die Mappe, die unter anderem einen Zeitungsartikel und eine Seite aus einem Abschlussbuch zu enthalten schien. Sie würde sptäer Zeit haben, alles in Ruhe durchzulesen. Also schlug sie die Mappe zu und sah Rowe an. „Ich werde mir den Fall ansehen, wenn Sie wollen.“ Sie nahm einen Vertrag aus ihrem Schreibtisch und reichte ihm die Unterlagen. „In dem Fall würde ich Sie bitten, sich das hier durchzulesen und einmal zu unterschreiben. Sie bekommen eine Kopie. Meine Raten stehen auf der letzten Seite.“
    Er nickte und begann den eher kurzen Vertrag, der gerade einmal vier Seiten beinhaltete, zu studieren. Schließlich, als er auf der letzten Seite war, sah er sie an. „Haben Sie einen Stift?“
    Kyra reichte ihm einen Kugelschreiber, der neben ihrer Tastatur lag. „Sie wissen, dass es sein kann, dass ich am Ende nichts finde, ja?“, meinte sie dann vorsichtig. „Oder, dass Sie das Ergebnis nicht mögen werden.“
    „Wie meinen Sie?“ Rowe hielt inne und sah sie fragend an.
    Kyra seufzte. Sie war sich ziemlich sicher, dass er sehr wohl verstanden hatte. „Es könnte sein, dass ich Tina Wallace nicht finden kann oder zu dem Ergebnis komme, dass sie beispielsweise tot ist. Ihnen ist klar, dass Sie mich in diesem Fall trotzdem für meine Arbeit bezahlen müssen, ja?“ Sie hatte schon genug Klienten gehabt, die mit diesem simplen Konzept überfordert schienen: Nur weil es – aus welchem Grund auch immer – keine Ergebnisse gab oder die Ergebnisse nicht gefielen, hieß es nicht, dass sie ihre Arbeit nicht gemacht hatte. So stand es auch im Vertrag – sie hatte dennoch mehr als einmal ihr Gehalt einklagen müssen.
    „Natürlich“, erwiderte Rowe und räusperte sich, ehe er unterschrieb.
    „Gut“, meinte Kyra. Sie nahm den Vertrag zurück, unterschrieb selbst und gab ihm dann den Durchschrieb. „In dem Fall werde ich mich dann daran machen die Angelegenheit zu bearbeiten. Es kann ein bis zwei Wochen dauern, bis ich Ergebnisse habe. Haben Sie eventuell eine Nummer für mich, wo ich mich bei etwaigen Rückfragen melden kann?“
    „Natürlich.“ Er nahm sein Portemonnaie aus seiner Tasche und reichte ihr dann eine Visitenkarte.
    „Danke.“ Kyra betrachtete die Karte. Anwaltskanzlei. Sie hatte es doch gewusst.



    Sechs Stunden später saß Kyra erneut an ihrem Schreibtisch. Jedoch hatte sie nicht etwa den ganzen Tag hier verbracht, sondern hatte viel mehr bereits einige Recherchen bezüglich Tina Wallace angestellt.
    Natürlich hatte sie zuerst die simpelsten Methoden versucht, auch wenn sie Rowe für intelligent genug hielt, diese selbst schon probiert zu haben: Sie hatte Tina im Telefonbuch gesucht und nicht gefunden. Sie hatte sich außerdem davon überzeugt, dass es tatsächlich kein Profil auf Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk unter dem Namen gab.
    Zwar hatte sie dabei zwei, drei Tina Wallaces gefunden, doch passte keine zu den Bildern, die sie von Rowe bekommen hatte oder war auch nur annährend im selben Alter.
    Außerdem hatte sie nach Maria Turner gesucht, jener anderen Schulfreundin Tinas von der Rowe erzählt hatte. Diese hatte sie auf Facebook gefunden und ihr eine Nachricht geschrieben – bisher stand eine Antwort jedoch noch aus.
    Dies hatte gesamt nicht besonders viel Zeit in Anspruch genommen.
    Danach war sie zur Bibliothek gefahren, um durch die Zeitungsarchive zu blättern. Damit hatte sie dann vier Stunden verbracht. Neben Erwähnungen von Tina selbst hatte sie dabei speziell nach Artikeln von gefundenen Jane Does in Edinburgh und der näheren Umgebung geschaut. Immerhin konnte es sehr gut sein, dass Tina tot war, auch wenn es seltsam schien, dass sie offenbar nie vermisst gemeldet worden war.
    Doch auch wenn es in den vergangenen Jahren gesamt drei Jane Does gegeben hatte, so passte keine vom Alter auf Tina.
    Dafür hatte sie zumindest eine alte Werbung aus dem Stadtanzeiger gefunden für einen Blumenladen Marygold, ganz wie Rowe gesagt hatte. Die Inhaberin schien tatsächlich Tina gewesen zu sein. Zumindest hatte sie damit die Adresse des mittlerweile offenbar geschlossenen Ladens und konnte mit etwas Glück den Vermieter ausfindig machen.
    Vielleicht konnte sie so mehr herausfinden.
    Etwas erschien ihr soweit seltsam: Wenn man Rowe glauben konnte, hatte Ms. Wallace einige Freunde gehabt. Sie hatte außerdem den Laden besessen, also wie konnte sie so wenig Spuren hinterlassen haben? Egal ob sie von sich aus gegangen oder entführt worden war, selbst wenn sie gestorben war… Jemand sollte es wissen oder sie vermissen.
    Seufzend sah Kyra auf ihr Handy. Sie konnte Molly anrufen. Molly würde vielleicht mehr wissen, könnte ihr eventuell sagen, ob je jemand eine Vermisstenmeldung aufgegeben hatte.
    Dann jedoch schüttelte sie den Kopf. Sie hatte noch genug andere Ansätze. Erst einmal konnte sie hören, was andere zu sagen hatten. Der Vermieter, etwaige Familienmitglieder, Maria Turner, vielleicht die Lehrer ihrer Schule – wenn sie das nicht weiter brachte, konnte sie immer noch Molly fragen.
    Sie rief die Webseite der Highschool von Rowe und Wallace auf und notierte sich die Nummer. Um diese Zeit konnte sie dort niemanden mehr erreichen.
    Dann machte sie sich daran, die Unterlagen, die sie sich kopiert hatte, einzuscannen und in den Ordner, den sie für den Fall angelegt hatte. Heute würde sie nicht mehr viel tun können, abgesehen davon einen Bericht zu schreiben.
    Gerade, als sie die ersten paar Zeilen geschrieben hatte, fing ihr Telefon an zu klingeln. Es war ihr Diensttelefon, ein relativ normales, modernes Telefon und das einzige Festnetz, das sie in der Wohnung hatten.
    Seltsam für diese Zeit, doch Kyra ging dran. „Detektei Kyra Hare, was kann ich für Sie tun?“, fragte sie.
    „Hier spricht Maria Turner“, erwiderte eine Stimme am anderen Ende der Leitung. „Liege ich richtig damit, dass Sie mich via Facebook angeschrieben haben?“
    „Ja“, erwiderte Kyra. „Das tun Sie. Ich nehme an, Sie haben meine Nummer aus dem Internet?“
    „Korrekt“, erwiderte Ms. Turner. „Ich dachte, ich rufe Sie an. Das macht es einfache Dinge zu erklären.“
    „Sicher.“
    Die Frau hatte eine sehr sanfte Stimme, wie ihr auffiel. „Also, was kann ich für Sie tun? Sie haben geschrieben, dass es um Tina Wallace geht.“
    „Genau“, sagte Kyra. „Ich wurde beauftragt Sie ausfindig zu machen.“ Sie holte wieder ihren Notizblock hervor. „Sagen Sie, hätten Sie morgen vielleicht Zeit für ein persönliches Treffen? Das würde es einfacher machen, alles zu erklären.“



  • Von dieser Arbeit hast ja immerhin schon seit Monaten berichtet. Nun ist sie also da. Gut, gut, mal sehen.
    Man hat vorher schon sehr deutlich gespürt, dass du sehr viel Herzblut in die Sache hineinsteckst und soweit ich das jetzt gelesen habe, hat es sich gelohnt. Deine Beschreibung klingt so, als hättest du dich vorher über den Alltag eines Detektivs informiert? Es ist ja relativ bekannt, dass man als Detektiv meistens mit ein paar Fällen von möglichem Ehebruch auskommen muss, aber die geschäftlichen Details und die Ermittlungstaktik, waren doch sehr glaubhaft. War das also recherchiert, oder hast du dir einfach nur genügend Gedanken gemacht?
    In einer meiner nächsten Storys werde ich auch über das Berufsleben meiner Heldin schreiben und ich hoffe das bekomme ich auch so gut hin. Oder besser, lol.


    Na, ich wollte ehrlich gesagt versuchen, irgendeine Schwäche auszumachen, damit ich dir mit meiner Post auch ein bisschen helfen kann. Aber der Start ist wirklich gut gemacht, wie man es von einem Krimi im Laden erwartet. Was noch... Ah ja, ich kenne mich mit Krimis sehr gut aus. Ja, das wars. Die von Agatha Christie sind immer mehr auf den Schockeffekt ausgelegt, während deine nach dem ersten Kapitel mehr nach etwas aussieht, was na ja, nicht versucht den Leser auszutricksen, sondern etwas echter sein will.
    Kann man jetzt aber natürlich noch nicht sagen.
    Der Anfang erinnert vom Stil her mehr an Columbo, wobei ich mir gerade die Werbung nicht verkneifen kann, sorry.
    Nun ja, ich mag Krimis und das soll heißen, ich bin gespannt wie du dich schlägst und wie sich deine Arbeit von den der ganz großen abhebt. Toi, toi.

    Der erste Band wird voraussichtlich 31 Kapitel beinhalten

    31 Kapitel? Dann kommt ja noch einiges auf uns zu. Logisch, sollte ja ein vollständiger Roman werden.

    „Danke“, antwortete er und schien zu warten, dass sie sich ebenfalls hinsetzte.

    Argh. Solche kleinen feinen Details geben einer Handlung einen ruhigen glaubhaften Tuch. Ich finde es sehr schön gemacht, aber wo setzt man an, wenn man sich solche Phrasen ausdenkt? Mein Hirn führt immer automatisch von Nebensächlichkeiten weg. >.<

  • Antwort


    @Sunaki:
    Vielen lieben Dank für den Kommentar, wir (aka ich und mein Freund, für alle, die sonst anfangen zu glauben, ich würde nun im Plural Majestatis von mir reden) haben uns sehr darüber gefreut! :3 Insbesondere darüber, dass du nichts zu bekritteln gefunden hast. *hüstel* Äh, ja, hehe. :P Wir haben uns viel Mühe gegeben!




    Vorwort



    Wie angekündigt kommt das zweite Kapitel eine Woche später :3


    Kyra sieht sich nun damit konfrontiert, dass es offenbar kaum jemanden gibt, der in der letzten Zeit Kontakt mit Tina Wallace hatte - was ein paar Vermutungen näher legt, jedoch auch dafür sorgt, dass sie ein wenig an sich zweifelt.


    Außerdem lernt ihr in diesem Kapitel einen weiteren Charakter, der auf Dauer wichtig sein wird, kennen: Maria Turner. (Der heimliche Liebling meines Freundes, glaube ich. :D)


    Viel Spaß! Und wir freuen uns natürlich weiterhin über Feedback!


    Kapitel 2: Schulfreunde


    „Ich weiß nicht, was ich Ihnen sonst noch erzählen soll“, meinte Mrs. Hemmington und sah Kyra über ihren Küchentisch hinweg an.
    Sie saßen in der relativ kleinen Küche der Wohnung, in der Mrs. Hemmington gemeinsam mit ihrem Mann lebte. Da dieser geschäftlich unterwegs war, hatte Kyra allerdings nur die ältere Dame getroffen, als sie hergekommen war – nicht unbedingt zu ihrem Nachteil, da Mrs. Hemmington ein recht gutes Gedächtnis hatte, was ihre aktuellen und ehemaligen Mieter anging.
    Tatsächlich war sie die Vermieterin der Ladenfläche gewesen, auf der einst dasMarygold gewesen war, und – wie sich herausgestellt hatte – auch der Wohnung über dem Laden, in der Tina Wallace zur damaligen Zeit gelebt hatte.
    Die Frau war bereits etwas älter, Kyra schätzte sie ende 50, und hatte relativ kurzes, lockiges Haar, das sie ganz offenbar schwarz gefärbt hatte. Es war allerdings lang genug nachgewachsen, als dass Kyra graue Ansätze erkennen konnte. Ihr Gesicht war faltig, aber freundlich.
    „Sie sagten, Ms. Wallace wäre sehr plötzlich ausgezogen“, meinte Kyra mit Blick auf ihre Notizen. „Wie ist das genau geschehen?“
    Mrs. Hemmington überlegte für eine Weile, während Kyra einen weiteren Schluck Tee trank und sich in der Küche ein wenig umsah.
    Die gesamte Küche war im Stil der 80er Jahre gehalten und wahrscheinlich seither auch nicht mehr groß verändert worden. Sie war klein dafür, dass Mrs. Hemmington und ihr Mann offenbar Immobilien besaßen, doch vielleicht hatte es ja einen besonderen Grund, dass sie in dieser Wohnung geblieben waren.
    „Nun, also vor drei Jahren, es müsste im Juli gewesen sein, habe ich einen Brief von Ms. Wallace bekommen, in dem sie erklärte, dass sie zu ihrer Mutter ziehen würde“, erzählte Mrs. Hemmington dann etwas langsam, da sie offenbar versuchte, sich an Details zu erinnern. „Ich war ein wenig überrascht, weil sie nie von ihrer Mutter geredet hat…“
    „Haben Sie versucht Ms. Wallace zu erreichen?“, fragte Kyra
    „Natürlich habe ich das“, erwiderte die ältere Dame. „Aber ihr Handy war immer aus.“
    Nur schwer unterdrückte Kyra sich ein Seufzen. Suchte sie zu sehr Bestätigung ihrer ersten Theorie oder war wirklich etwas daran? Denn alles in allem klang es mit jedem Stückchen Information mehr und mehr danach, als sei Tina gestorben und jemand hatte ihren Tod verschleiert.
    „Hatte sie denn keine Kündigungsfrist?“
    „Natürlich hatte sie das und sie hat bis zur Frist auch weiterhin die Miete überwiesen“, erwiderte Mrs. Hemmington.
    „Was ist mit ihren Möbeln gewesen? Hat sie die vorher aus der Wohnung und dem Laden geholt?“, fragte Kyra weiter. Immerhin war dies ein guter Hinweis darauf, ob sie wirklich gegangen oder tatsächlich „verschwunden“ war.
    Mrs. Hemmington schüttelte den Kopf. Ihre Miene war etwas besorgt. „Nein. Sie hat in ihrem Brief geschrieben, dass ein paar Freunde von ihr kommen, um die Möbel abzuholen und das diese einen Schlüssel haben.“
    Als sie in ein kurzes Schweigen verfiel, hakte Kyra nach. „Und?“
    „Nun, etwa eine Woche nach dem Brief sind drei andere junge Leute vorbei gekommen“, erwiderte Mrs. Hemmington. „Eine junge Dame und zwei Herren. Schienen in etwa Tinas, also Ms. Wallaces Alter zu sein. Es war“ – sie verstummte für einen Moment, da sie offenbar nicht das richtige Wort fand – „seltsam. Mr. Polty mochte die drei auch nicht.“
    Mr. Polty war der kleine Mops des Ehepaars Hemmington: Ein hässliches, missmutiges Tier, wenn man Kyra fragte. Doch hatte Mrs. Hemmington ihr erzählt, dass der Hund Tina am Anfang so gar nicht gemocht hatte, worauf sie sich offenbar bezog.
    „Können Sie die drei in etwa beschreiben?“, fragte Kyra.
    „Hmm.“ Wieder überlegte die ältere Dame für eine Weile. „Also das Mädel war erstaunlich kräftig, dunkles Haar. Einer der beiden Jungen war recht unauffällig, der andere…“ Sie zögerte, während sie sich offenbar besser zu erinnern versuchte. „Hatte eine ziemlich finstere Aura. Und eine Narbe auf der Stirn.“
    Dieses Mal konnte Kyra sich das Seufzen nicht verkneifen. Sie holte ihr Smartphone raus und suchte das Bild, dass sie abfotografiert hatte, in ihrer Galerie. „Sind die drei zufälliger Weise auf diesem Bild zu sehen?“
    Mrs. Hemmington nahm ihr das Handy ab und sah mit zusammengekniffenen Augen drauf. Dann nahm sie die Brille, die an einem Band um ihren Hals hing und setzte sie auf. „Ja, hier. Die drei am rechten Rand.“
    Natürlich, dachte sich Kyra. Sie hätte es wissen müssen. Doch sie durfte nicht zu vorschnellen Schlüssen springen, ermahnte sie sich. Dennoch kam sie nicht umher: Die drei waren definitiv verdächtig. Und wenn sie nicht direkt etwas mit dem Verschwinden Tinas zu tun hatten, so wussten sie – da war sich Kyra sicher – mehr. Wieso sonst hatten sie ihre Möbel geholt?
    Sie musste wirklich zusehen, dass sie die Namen der drei herausfand. Denn „Tia oder so“ half ihr dahingehend nicht weiter. Nun, in eineinhalb Stunden würde sie sich mit Maria treffen, die ebenso auf dem Bild mit den drein zu sehen war. Also blieb ihr die Hoffnung, dass diese sich vielleicht noch an die Namen erinnern konnte.
    „Vielen Dank“, sagte sie zu Mrs. Hemmington und schenkte ihr ein Lächeln. „Das hilft mir schon weiter.“
    „Gerne“, erwiderte die ältere Frau. „Ich frage mich ja auch, was mit Tina passiert ist. Wie gesagt, sie war ein nettes Mädchen… Wäre traurig, wenn sie auf Abwege geraten wäre oder so…“ Ihre Stimme wurde leiser und sie ließ ein Seufzen hören.
    „Nun, ich werde sehen, was ich noch herausfinde“, erwiderte Kyra, sie stand auf, als ein Winseln aus dem Flur des Gebäudes zu hören war.
    Mrs. Hemmington sah zur Küchentür. „Mr. Polty?“, fragte sie.
    „Watson“, murmelte Kyra, die bereits ahnte, was da los war. Sie stand auf und ging raschen Schrittes zur Küchentür hinüber, um in den Flur zu schauen, wo sie ihre Vermutung bestätigt fand: Offenbar in einem Anflug von Heißhunger – oder vielleicht auch nur seiner leichten Fresssucht – hatte Watson sich über den Futternapf des Mops hergemacht und diesen, wahrscheinlich auf dessen Protest hin, mit einer Pfote gegen den Boden gedrückt. Da Watson locker vier Mal so groß wie der Mops war, konnte dieser nun nicht mehr tun, außer zu versuchen rückwärts von Watson fort zu kommen.
    „Watson!“, rief Kyra warnend aus, woraufhin der Berner Sennen sie nur mit großen Augen ansah.
    Sie hätte ihn besser erziehen sollen – doch dafür war es nun bei weitem zu spät.


    Dankbarer Weise hatte sich Mrs. Hemmington über den Vorfall mehr amüsiert, als aufgeregt. Nun, sie hatte versprochen, dass sie sich melden würde, wenn sie den Brief finden würde, damit Kyra sich eine Kopie machen konnte.
    Ein Teil von Kyra war mittlerweile geneigt zur Polizei zu gehen, denn es gab mehr als genug Hinweise darauf, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Doch wenn sie zur Polizei gehen würde, dann könnte es ihre eigene Ermittlung gefährden – und das unter der Voraussetzung, dass die Polizei sie ernst nahm.
    Sie seufzte, während sie vor einer Ampel stand und ungeduldig darauf wartete, dass diese grün wurde.
    Natürlich hatte sie immer noch die Möglichkeit Molly anzurufen. Molly hätte Zugriff auf sämtliche Jane Doe Berichte, würde schauen können, ob es eine etwaige Leiche gab, die auf Tinas Beschreibung passte und konnte eventuell sogar recherchieren, ob es andere Vorfälle gab, die eventuell mit Tina zu tun hatten… Aber nur weil sie es konnte, erinnerte sich Kyra, bedeutete das nicht, dass sie es tun würde. Wahrscheinlich würde Molly stattdessen sagen, dass sie wieder einmal zu voreilig war, dass es ihr Wunsch war, einen echten Kriminalfall zu ermitteln, der sie zu voreiligen Sprüngen kommen ließ.
    Hatte sie damit Recht? Kyra wusste es nicht. Vielleicht war Tina ja wirklich zu ihrer Mutter gezogen. Vielleicht… Warum fühlte sich der Gedanke so falsch an?
    Watson ließ ein leises Bellen hören und riss Kyra damit gerade Rechtzeitig ins Hier und Jetzt zurück, um zu sehen, wie die Ampel endlich auf Grün sprang.
    Sie drückte aufs Gaspedal und schaltete, um wieder anzufahren, während sie sich kurz umsah um sich zu orientieren. Maria Turner hatte sie gebeten, sie am Royal Edinburgh Hospital zu treffen, wo sie offenbar arbeitete. Von allem, was Kyra ihrem Facebook-Profil hatte entnehmen können, war Ms. Turner eine Gerichtsmedizinerin irgendeiner Art.
    Kyra war sich ziemlich sicher, dass auch sie wenig neues berichten konnte, aber vielleicht gab es ja irgendetwas, dass zumindest eine andere Perspektive auf die ganze Geschichte warf.
    Wieder beruhigte sie sich. Sie hatte gerade erst mit den Ermittlungen angefangen und Fälle wie dieser brauchten schnell einmal zwei Wochen oder mehr, bis sie vernünftige Ergebnisse mit sich brachten. Doch egal wie sehr der rationale Teil ihres Gehirns sich dies in Erinnerung rief, so konnte er doch nicht ihr Bauchgefühl zu Schweigen bringen, dass bereits davon überzeugt war, dass sie es weder mit einem einfachen Fall verlorenen Kontaktes, noch mit einem einfachen Vermisstenfall zu tun hatten, sondern mit Mord.
    Das Krankenhaus erschien auf der Ausschilderung am Rand der Straße und wenig später fuhr Kyra mit ihrem hellblauem MGB auf den Parkplatz des Krankenhauses. Natürlich fand sie keinen Abstellplatz auch nur in der Nähe des Eingangs, was bedeutete, dass sie über den halben Parkplatz laufen musste. Zum Glück regnete es nicht, doch wenn sie zu den dunklen Wolken aufsah, die den Himmel mehr und mehr bedeckten, würde sie keine Wette aufnehmen, dass es dabei blieb.
    Dennoch kam sie trockenen Fußes ins Krankenhaus hinein. Sie war allein, da sie Watson im Auto zurückgelassen hatte. Es war kühl genug, dass er dort warten konnte und ihrer Erfahrung nach, waren Hunde in Krankenhäusern genau so wenig gestattet, wie jedes andere Tier.
    Sie ging zum Schalter in der Eingangshalle des Krankenhauses. Immerhin hatte sie keine Ahnung, wo man Ms. Turner hier finden sollte – oder die Pathologie, wenn man schon dabei war.
    „Guten Tag“, grüßte eine ältere Dame mit kurzen grauen Haaren sie und sah sie an. „Kann ich Ihnen helfen?“
    „Ähm, guten Tag“, erwiderte Kyra. Sie zögerte. „Ähm, ich glaube schon.“ Sie sah sich noch einmal in der Eingangshalle um. „Also ich habe einen Termin mit Ms. Maria Turner aus der Pathologie.“ Dabei konnte sie nur hoffen, dass Ms. Turner tatsächlich dort arbeitete.
    „Natürlich“, entgegnete die Frau und hatte schon den Hörer eines Telefons in der Hand. „Einen Moment.“
    Die Hände in den Taschen ihres Ledermantels vergraben wartete Kyra, etwas auf ihren Fersen auf und ab wippend, bis die Frau auflegte und sie anlächelte. „Ja, gehen sie bitte durch.“ Sie gab ihr eine kurze Beschreibung des Weges.
    Kyra bedankte sich und machte sich auf den Weg.
    Wenn man sich Fernsehserien ansah, konnte man meinen, dass Privatdetektive und Gerichtsmediziner irgendwie ständig miteinander arbeiteten. Kyra konnte dies jedoch nur verneinen. Sie hatte bisher nur zwei Mal direkt mit Gerichtsmedizinern zu tun gehabt – denn Kriminalfälle waren meistens Sache der Polizei. Da sie bisher nur vier Mal als Berater von der Polizei angestellt worden war, nicht in der festen Datei stand und bei ihren bisherigen Aushilfen bei der Polizei nur mit kleinen Aufgaben geholfen hatte, hatte sie so keinen Kontakt gehabt.
    Tatsächlich waren beide der Gerichtsmediziner, die sie soweit kennen gelernt hatte, von Verwandten des etwaigen Verstorbenen beauftragt worden. Die Fälle waren sehr ähnlich gewesen: Familien, die den Selbstmord eines Geliebten angezweifelt und damit tatsächlich richtig gelegen hatten.
    Kurzum: Mit der Arbeit in der Serie „Sherlock“ hatte ihr Arbeitsalltag wenig zu tun, was sie zugegebener Maßen ab und an etwas enttäuschte. Einmal hatte sie eigentlich gehofft einmal einen echten Bösewicht stellen zu können, aber das „böseste“, mit dem sie soweit zu tun gehabt hatte, war Bruce Fraser, auch bekannt als „The Snake“, der Boss einer lokalen Drogengang, mit wenig Einfallsreichtum, was seinen kriminellen Straßennamen anging. Dann wiederum passte der Name nur zu gut, wenn Kyra bedachte, dass sich Fraser soweit aus jeder Strafe irgendwie herausgewunden hatte.
    Und während Kyra sich sicher war, dass er Morde begangen hatte, so hatte weder sie, noch die Polizei es ihm je nachweisen können.
    Sie hatte mit ihm nur zu tun gehabt, weil einer seiner Leute einem Teenager Drogen vertickt hatte und eine besorgte Mutter sie engagiert hatte, um die Spur der Drogen zurückzuverfolgen.
    Doch deswegen war sie nicht hier. Sie war hier wegen der offenbar verschwundenen oder sogar toten Tina Wallace und wegen Maria Turner, die vielleicht etwas wusste.
    Sie fand den Gang, an dessen gläserner Zugangstür in dicken Lettern „Pathologie“ stand. Sie holte tief Luft und ging hindurch, um sich umzusehen. Hatte Ms. Turner hier ein eigenes Büro? Kyra war sich nicht ganz klar, ob sie fest hier arbeitete oder für die Polizei oder irgendwen und nur bei Bedarf hierher kam.
    Sie hatte jedoch das Bild der Dame gesehen, also vielleicht konnte sie sie erkennen. Zumindest hoffte sie es.
    Soweit kam es jedoch gar nicht. Gerade war Kyra den halben Gang hinabgewandert, als sie beinahe mit einem jungen, hageren Mann zusammenstieß, der mit einer Kaffeetasse in der Hand durch eine Tür zu ihrer Rechten kam. Nach seinem weißen Kittel zu urteilen, arbeitete er hier.
    „Oh, Entschuldigung“, murmelte sie und schreckte zurück.
    Er lächelte. „Mein Fehler.“ Er musterte sie. „Suchen Sie etwas?“
    „Äh, ja, ich hatte einen Termin mit Ms. Maria Turner“, erwiderte Kyra schnell. „Wissen Sie zufälliger Weise, wo ich sie finden kann?“
    „Oh, natürlich“, antwortete er. „Kommen Sie kurz.“ Er drehte sich weg und ging sicheren Schrittes zu einer der schweren, weißen Schiebetüren hinüber und öffnete sie ein Stück. „Warten Sie einen Moment.“ Er steckte den Kopf in den Raum hinein.
    Kyra konnte etwas an ihm vorbei sehen. Offenbar handelte es sich um einen der Schauräume, da hier einige metallene Liegen, ganz wie sie sie aus Fernsehserien kannte, aufgestellt waren. Auf einer lag ein nackter, halb unter einem grünen Tuch bedeckter Körper – tot, wie Kyra annehmen musste. Sie sah jedoch nur die Füße der Leiche.
    „Maria?“, fragte der junge Mann. „Hier ist so ein Mädel. Sie sagt, sie hat einen Termin mit dir.“
    „Oh, Ms. Hare?“, erwiderte dieselbe Stimme, die Kyra am Vortag schon am Telefon gehört hatte.
    Der Mann zog den Kopf aus dem Zimmer heraus und sah zu Kyra. „Sind Sie Ms. Hare?“
    Schnell nickte Kyra. „Ja. Kyra Hare, Privatdetektivin. Ich hatte mit Ms. Turner bereits telefoniert.“
    Zur Bestätigung, dass er verstanden hatte, steckte er seinen Kopf wieder in das Zimmer hinein. „Ja, das ist sie wohl.“
    „Kannst du sie in die Kaffeeküche bringen, Daniel?“, fragte die Stimme. „Ich komme dann gleich.“
    „Sicher“, erwiderte der Mann und wandte sich damit wieder Kyra zu, während er die Tür hinter sich schloss. „Sie haben ja gehört… Äh, ja, darf ich Sie zur Kaffeeküche eskortieren?“
    „Natürlich“, meinte Kyra und folgte dem Mann erneut, wenig überrascht, dass er sie zu dem Raum führte, aus dem er vorher gekommen war.
    Bald saß sie an dem recht kleinen Tisch in der schmalen Kaffeeküche mit einer Tasse Tee vor sich und tippte auf ihrem Handy herum, während sie auf Ms. Turner wartete, die jedoch erst zehn Minuten später kam. Nun, man konnte so eine Obduktion nicht einfach so unterbrechen, nahm Kyra an.
    Sie sah auf, als die Tür zur kleinen Küche geöffnet wurde und sah die Frau, deren Bilder sie schon auf Facebook gesehen hatte, hindurchkommen.
    Die Frau hatte leicht welliges, braunes Haar, dass sie zu einem Knoten gebunden hatte, aus dem jedoch einzelne Strähnen herausfielen, ähnlich, wie auch bei Kyra, deren Haare jedoch wieder zu einem einfachen Zopf gebunden waren – sie hatte nie einen ordentlichen Knoten hinbekommen.
    Ms. Turner war etwas mollig. Nicht dick, jedoch auch deutlich nicht dünn. Bauch und breitere Hüften zeichneten sich deutlich unter dem grünen Pullover ab, als sie ihren Kittel auszog.
    Sie lächelte Kyra zu. „Entschuldige, dass ich Sie habe warten lassen“, meinte sie und ging mit ausgestreckter Hand auf sie zu. „Maria Turner.“
    Kyra schenkte ihr ein zurückhaltendes Lächeln. „Kein Problem“, erwiderte sie. „Ich muss Ihnen danken, dass wir uns so rasch treffen konnten.“
    „Das ist doch Selbstverständlich“, erwiderte die Frau. „Ich sehe, Sie haben schon einen Tee. Stört es Sie, wenn ich mir eben noch einen Kaffee koche?“
    „Nein.“ Kyra schüttelte den Kopf und beobachtete Ms. Turner, wie sie sich streckte, um eine Tasse aus einem Schrank, der über der metallenen Spüle hing, zu holen, und diese dann in einer Nespresso-Kaffeemaschine positionierte. Sie fischte ein Pad aus einem Karton neben der Maschine und machte sie dann an.
    Dankbarer Weise liefen diese Maschinen schnell durch, so dass sie sich schon eine Minute später vor Kyra setzte. „Nun, dann erzählen Sie doch bitte: Was kann ich für Sie tun? Was ist mit Tina? Ich habe schon ewig nichts mehr von ihr gehört…“
    „Das habe ich befürchtet“, murmelte Kyra, ehe sie sich zurückhalten konnte.
    „Wieso?“, fragte Ms. Turner und sah sie überrascht an. „Ist Tina in Schwierigkeiten?“
    „Ich weiß es nicht“, erwiderte Kyra. „Ich wurde von Thomas Rowe angeheuert.“ Sie war nur dankbar, dass er ihr erlaubt hatte, offen über ihn als Auftragsgeber zu sprechen – doch dann wiederum gab es hier wohl keinen Grund es zu verbieten. „Sie waren zusammen mit ihm in einer Klasse, oder?“
    „Ja, genau“, antwortete Ms. Turner und lächelte. „Er hatte lange ein Auge auf Tina…“ Dann seufzte sie. „Also, wie kann ich Ihnen helfen?“
    Kyra verbrachte die nächsten paar Minuten damit, Ms. Turner kurz zu erklären, was sie bereits wusste, und sich etwaige Informationen bestätigen zu lassen. Tina war mit ihnen zur Schule gegangen. Sie war relativ spät auf ihre Schule gewechselt und hatte bei ihrem Vater gelebt.
    Auch Ms. Turner hatte nie etwas von der Mutter gehört, vermutete ihrerseits jedoch, dass sie wohl abgehauen sei. Jedenfalls hatte sie die Reaktion des Vaters so gedeutet, als sie ihn einmal gefragt hatte.
    „Wann hatten Sie das letzte Mal mit Ms. Wallace Kontakt?“, fragte Kyra, die erneut ihren Block in der Hand hatte, um mitzuschreiben.
    „Sommer vor drei Jahren“, erwiderte Ms. Turner.
    „Haben Sie damals irgendetwas von ihr gehört, bevor der Kontakt abgebrochen ist?“, fragte Kyra weiter, auch wenn sie die Antwort bereits erahnte.
    Ms. Turner schüttelte den Kopf und trank einen Schluck Kaffee. „Ich fürchte nicht.“ Sie seufzte. „Allerdings hatte ich auch in den zwei Jahren davor wenig Kontakt mit ihr, weshalb ich gedacht habe… Nun, Sie wissen, wie das ist, nicht? Man verliert sich aus den Augen.“
    Daraufhin nickte Kyra. Natürlich kannte sie es auch. Verflucht, von ihren Freunden aus Highschoolzeiten hatte sie seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr gehört. Aber dennoch war es hier doch seltsam, dass offenbar niemand mehr Kontakt mit Tina Wallace gehabt hatte, vor allem wenn man bedachte, wie plötzlich dieser Kontakt abgebrochen war.
    „Glauben Sie, dass ihr etwas passiert ist?“ Ms. Turners Stimme klang ernsthaft besorgt.
    „Ich weiß es nicht“, erwiderte Kyra wahrheitsgemäß. „Vielleicht ist sie auch einfach weggezogen.“ Wirklich war sie davon jedoch weiterhin nicht.
    Ms. Turner schien dies aus ihrer Stimme hören zu können – etwas, das Kyra ärgerte – denn sie nickte stumm und mit einem ernsten Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Gibt es denn noch etwas, dass ich tun kann, um Ihnen zu helfen?“
    „Vielleicht“, erwiderte Kyra. „Was können Sie mir über Ms. Wallace in der Schule erzählen?“
    „Hmm, nun, nicht viel mehr als sie wahrscheinlich schon wissen. Sie hatte zuerst wenig Freunde, weil sich viele von ihr eingeschüchtert gefühlt haben. Aber sie war nett, hilfsbereit, wenngleich oftmals etwas zurückhaltend. Und sie war oft krank. Sie hat alle paar Wochen gefehlt. Fast jeden Monat.“ Ms. Turner lachte verlegen, wenngleich keinerlei Freude in dem Lachen mitklang. „Na ja, vielleicht erinnere ich mich da auch nicht richtig, aber zumindest kam es mir so vor. Manchmal hat sie eine ganze Woche oder mehr am Stück gefehlt.“
    „Haben Sie sie jemals gefragt, was sie hatte?“, erkundigte sich Kyra.
    Ms. Turner nickte bedächtig. „Ja. Sie hat jedoch nur gesagt, es sei etwas chronisches und dass sie nicht darüber reden wolle. Sie sagte, irgendetwas mit den Nerven.“
    Kyra nickte und notierte sich das. Vielleicht gab es eine Möglichkeit Informationen von Tina Wallaces Versicherung zu bekommen?
    Da fiel ihr jedoch noch etwas anderes ein. „Sagen Sie… Sie sind damals auf die Broughton gegangen, oder?“
    Zur Antwort nickte Ms. Turner erneut und leerte dann ihre Kaffeetasse.
    „Wer war Ihre Lehrerin?“, fragte Kyra.
    „Mrs. Cairns“, antwortete Ms. Turner sofort.
    Kyra sah sie an – ganz offenbar hatte die Medizinerin tatsächlich ein ausgezeichnetes Namensgedächtnis. Sie jedenfalls konnte sich nicht so leicht an die Namen einer Lehrerin aus der Highschool erinnern und das obwohl sie sich etwas auf ihr Gedächtnis einbildete. Schnell schrieb sie den Namen auf. Vielleicht konnte ihr die Lehrerin noch etwas neues erzählen.
    Dann jedoch kam ihr noch eine Idee. „Sagen Sie, Ms. Turner“, meinte sie und rief den Galerieordner ihres Handys auf, „können Sie mir sagen, wer diese vier sind?“ Sie rief das Bild von Tina, Rowe, Ms. Turner und den vier anderen Jugendlichen im Wald auf. Wenn sie in ihrer Einschätzung von Ms. Turners Namensgedächtnis richtig lag, konnte sie eventuell Glück haben.
    Wie auch Mrs. Hemmington zuvor nahm Maria das Handy und schaute sich das Bild an. Anders als Mrs. Hemmington jedoch fing sie ganz von allein an, mit einigen Gesten näher in das Bild zu Zoomen – anders als die alte Vermieterin war sie, wie auch Kyra, mit Technik aufgewachsen.
    „Ja, an die erinnere ich mich“, meinte sie dann. „Freunde von Tina. Sie waren häufiger dabei, wenn wir am Wochenende wandern waren. Haben aber wenig mit uns, also Thomas und mir, gesprochen.“ Sie runzelte die Stirn. „Ich kann mich ehrlich gesagt kaum an ein längeres Gespräch auch nur mit einen von ihnen erinnern.“
    Erneut schrieb Kyra mit: „Unter sich geblieben. Wenig gesprochen.“ Nicht das es ihr viel brachte. „Wissen Sie noch Namen? Irgendetwas, womit ich die vier ausfindig machen könnte?“
    „Vornamen“, meinte Ms. Turner. „Die Mädchen waren Tia – ich weiß nicht, wie genau geschrieben – und… Ich glaube Alice oder Alica. Die beiden Jungen… Der Braunhaarige heißt Matt, der mit der Narbe Sean… Erneut, ich weiß nicht, wie geschrieben“, fügte sie hinzu, als sie sah, dass sich Kyra eine entsprechende Notiz machte: „Shawn/Shaun/Sean?“ Wieso musste es so viele Schreibweisen desselben Namens geben.
    „Die Nachnamen weiß ich leider nicht mehr“, meinte Ms. Turner. „Wie gesagt, ich habe einfach wenig mit ihnen zu tun gehabt.“
    „Das ist mehr, als ich erhofft habe“, erwiderte Kyra. „Irgendetwas anderes über die vier?“
    „Lassen Sie mich überlegen.“ Ms. Turner stand auf, um sich einen weiteren Kaffee zu kochen. Dabei hatte sie erneut die Stirn in Falten gelegt, während sie offenbar nachdachte. „Also, ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden anderen Mädchen und dieser Sean auf die Forrester High School gingen. Dieser Matt war auf irgendeiner besseren Schule…“ Sie schwieg kurz. „Ich weiß aber nicht mehr welche. Sorry. Sein Vater war nur irgendwie reich oder so, glaube ich. Tina sagte mal so etwas. Also dass sein Vater Einfluss habe.“
    Auch das schrieb Kyra sich mit. „Was ist mit dem Verhalten der vier? Also abgesehen davon, dass sie meistens unter sich blieben?“
    „Hmm…“ Erneut schwieg Ms. Turner kurz. „Schwer zu sagen. Also Tia schien immer die offenste von ihnen zu sein. Die wenigen Gespräche, die ich hatte, waren meist mit ihr. Bei Matt… Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob er überhaupt einmal gesprochen hat. Die anderen beiden waren oft auf Konflikt aus. Vor allem dieser Sean… Er hat einige Male Streit angefangen und er hatte diese Art… Sie kennen vielleicht diese Leute, bei denen man sich denkt, dass man sich besser fernhält.“
    „Ah“, machte Kyra nur und schrieb das mit. Sie erinnerte sich erneut, keine zu vorschnellen Schlüsse zu ziehen.
    „Glauben Sie, dass die vier etwas damit zu tun haben, dass Tina nicht mehr antwortet?“, fragte Ms. Turner, obwohl sie sicher schon die Antwort wusste.
    „Ich glaube“, erwiderte Kyra, „dass die vier vielleicht das ganze aus einem anderen Blickwinkel beleuchten können.“


    Drei Stunden war Kyra erneut zuhause. Sie hatte Ms. Turner, die zuletzt sie noch gebeten hatte, sie einfach Maria zu nennen, versprechen müssen, sich zu melden, wenn sie noch irgendwelche Fragen hatte. Auch hatte Ms. Turner gefragt, ob Kyra sie über die Ermittlung am laufenden halten könne.
    An sich sträubte sich ein Teil von Kyra dagegen – immerhin machte sie hier vorrangig ihren Job. Doch Ms. Turner, Maria, schien tatsächlich besorgt um ihre ehemalige Schulfreundin zu sein. Außerdem arbeitete sie ohnehin daran. Nun, vielleicht würde sie auch einfach Rowe bitten, es an Maria weiterzuleiten.
    Zumindest hatte die Medizinerin ihr versprochen, sie anzurufen, wenn ihr noch etwas einfiel. Vielleicht hatte Kyra ja Glück – aber so ganz glaubte sie es nicht.
    Von den Namen der Lehrerin und der vier seltsamen Freunde von Tina Wallace hatte Maria ihr wenig neues erzählen können. Eben dasselbe wie alle anderen auch: Tinas Aura, dass sie wenig über sich selbst geredet hatte, dass sie Natur und Blumen sehr gemocht hatte, oft um andere bemüht war… Leider hatte auch Maria in dem Jahr bevor Tina verschwunden war immer weniger Kontakt mit ihr gehabt. Offenbar war sie oft nicht am Blumenladen gewesen und hatte auch nicht auf Anrufe reagiert.
    Während Kyra missmutig auf ihren Rechner starrte, überlegte sie, was für Erklärungen es geben konnte und ob sie etwas übersah. Denn aktuell war ein Teil ihres Bewusstseins zu sehr in der „Jugendgang, irgendwas ist schiefgegangen, Mord, Vertuschung“ hängen geblieben.
    Nun, mit dem Namen der Schule und den Vornamen konnte sie eventuell mehr über diese seltsamen „Freunde“ herausfinden. Doch das würde einiges an Recherche erfordern. Vorher wollte sie eine Sache machen, die eventuell etwas direkter wäre: Die Lehrerin anrufen, beziehungsweise die Broughton High School, in der Hoffnung sich an Mrs. Cairns durchstellen lassen zu können. Vielleicht konnte diese ihr ja noch etwas sagen – zum Beispiel den Namen von Tinas Eltern. Immerhin waren dies Daten, die die Schule haben sollte, oder?
    Doch etwas sagte ihr, dass es nicht ganz so einfach sein würde, dass es hier etwas gab, was sie komplett falsch einschätzte.


  • Es ist immer schön Kommentare zu kriegen, nicht? Gut, dann versuche ich mal mich irgendwie nützlich zu machen.


    Also gut, wo will dieses Kapitel also hin? Mal schaun, mal schaun.
    Die Protagonistin wird aktiver und fängt jetzt an mit den Leuten persönlich zu reden. Natürlich ist es noch zu früh für spezielle Ermittlungstaktiken wie "Erhalte eine Info und gibt nur ein Stück davon weiter", oder "Wenn sich jemand anders verhalten hat als sonnst werden Detektive immer hellhörig".
    Stattdessen möchte sie einfach mehr über den Bekanntenkreis erfahren, wie diese heißen und wie man sie findet, oder wie lange die Personen welche sie bereits fand keinen Kontakt mehr zu ihr hatten und solchen einfachen Kram, ist ja Standard.
    Kurz, alles was helfen könnte sie aufzuspüren.
    Nein, im Rahmen der Ermittlungen passiert relativ wenig. Wegen dem Vorfall mit den Möbeln glaubt sie daran, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelt. Schonmal ein wertvoller Hinweis.
    Hierbei störe ich mich etwas daran, dass Mr. Hare gleich an Mord und nicht an Entführung denkt. Mag aber daran liegen, dass sie sich einen spannenderen Fall wünscht, kommt aber sehr direkt rüber.
    Außerdem bestätigen sich die Aussagen ihres Auftraggebers über den Charakter der Zielperson.
    Das mag unscheinbar sein, war in einigen Romanen die ich so gelesen habe war das im späteren Verlauf durchaus relevant.
    Frei nach dem Lehrsatz "Glaub nie einer Information, wenn sie nicht von zwei Personen bestätigt wurde, so unwichtig sie auch erscheinen mag."


    Nnnnn, Markierfunktion ich hasse dich. Warum markierst du nicht wenn ich es dir sage, ich dein Herr?


    Zurück zur Kritik. Neben der äußeren Welt geht es natürlich auch um das Innenleben der Beteiligten Charaktere, insbesondere der Detektivin.
    Die beiden Frauen werden recht schnell und einfach beschrieben. Da gibt nichts dran auszusetzen.
    Auf Mrs. Turner wirst du später sicher noch genauer eingehen.
    Bei Kyra hingegen hat man nochmal wiederholt, was in Kapitel 1 thematisiert wurde. Schnippischer Mitbewohner, überfordert mit dem Hund, beruflich frustriert, soweit klar. Das ist in Ordnung, es hilft zu unterscheiden was nun eine bloße Laune war die ihr kurz im Kopf rum schwirrte und was permanent zu ihrem Charakter gehört.
    Aber ich denke es wird auch nerven, wenn sie anfängt sich noch öfters so zu wiederholen und die nächsten 4 Kapitel darüber jammert.


    Sie wohnten in dem Haus zusammen mit ihrer Vermieterin, der alten Mrs. Morrs, die leider bei weitem nicht so cool war, wie eine Mrs. Hudson.

    Eine aktuelle Popkulturreverenz hat den natürlichen Nachteil, dass sie nach ein paar Jahren wieder unverständlich sein könnte.
    Ist kein Kritikpunkt, sollte man nur bedenken.


    woraufhin der Berner Sennen sie nur mit großen Augen ansah.
    Sie hätte ihn besser erziehen sollen – doch dafür war es nun bei weitem zu spät.

    Warum nimmt sie ihn überhaupt mit? Sie will ja bekanntlich möglichst seriös auftreten.
    Ist auch keine Kritik, ist mir nur aufgefallen. Es kann auch helfen, nette alte Damen abzulenken, damit sie lockerer werden und gesprächiger, aber es geht auch so.

    da sie Watson im Auto zurückgelassen hatte. E

    Wie hier.

    Kyra konnte dies jedoch nur verneinen. Sie hatte bisher nur zwei Mal direkt mit Gerichtsmedizinern zu tun gehabt – denn Kriminalfälle waren meistens Sache der Polizei.

    Hier lernt man was. Und wieder erkennt man das du dich schlau gemacht hast. Oder er, oder ihr, kommt aufs selbe raus.

    Tatsächlich waren beide der Gerichtsmediziner

    Bist du sicher dass das Grammatisch passt? Ich glaube das "der" ist dort fehl am Platz.
    Also, ich will nur helfen und mache auch genügend kleine Fehler. Ich sag nur.


    Oh und Ms. ist tatsächlich eine geläufige Abkürzung, wer hätte das gedacht, wow.

    Sie hatte zuerst wenig Freunde, weil sich viele von ihr eingeschüchtert gefühlt haben. Aber sie war nett, hilfsbereit, wenngleich oftmals etwas zurückhaltend. Und sie war oft krank. Sie hat alle paar Wochen gefehlt. Fast jeden Monat.“

    Das klingt nach Foreshadowing. Schonmal ein netter kleiner Hinweis.
    Die Hinweise bisher sehen schon nach was aus. Unscheinbar aber wir sind schonmal ein Stück weiter.

  • Bah, ist mir wieder einer zuvorgekommen... Aber ich hatte die Hälfte schon fertig, daher bring ich das jetzt auch zu Ende.


    Hallo!


    Nachdem ich ja heute auch das zweite Kapitel gelesen habe, könnte ich mal einen Kommentar dalassen. Um es ganz ehrlich zu sagen, bin ich bisher von der Geschichte ziemlich begeistert, auch wenn es vielleicht schwierig ist zu sagen, warum. Zunächst einmal mag ich halt sowieso das Genre der Detektivgeschichte, auch wenn ich in letzter Zeit leider viel zu wenig in der Richtung gelesen habe. Eigentlich habe ich generell viel zu wenig gelesen, aber egal. So gesehen kommt mir diese Geschichte wohl gerade recht, haha. Was mir hier dann gleich positiv aufgefallen ist, ist das organisierte und methodische Vorgehen von Kyra, welches man in der Form wohl auch in der Realität erwarten würde.
    Dabei ist es auch interessant zu sehen, wie sich dann allmählich die Informationen sammeln - sie sind zwar gemessen am Ziel der Aufspürung von Tina Wallace immer noch bei weitem nicht ausreichend, aber der Fortschritt ist gut sichtbar, so führte ja das Gespräch mit Maria Turner zumindest zu mehr Informationen über diese vier anderen (verdächtigen) Personen. Und diesen Fortschritt finde ich schlicht sehr gut ausbalanciert - nicht zu viel, dass es unrealistisch wirken würde oder die Spannung gleich weg wäre und nicht zu wenig, dass man Gefahr laufen würde, das Interesse ein bisschen zu verlieren. Ist einfach genau richtig und ich bin auch schon gespannt, was noch kommt - natürlich richtet man als Leser, der ja schon im Vorfeld ein bisschen etwas über diese Geschichte lesen durfte, zwangsläufig das Augenmerk auf diese Stelle richtet:

    Und sie war oft krank. Sie hat alle paar Wochen gefehlt. Fast jeden Monat.

    Spontan würde ich annehmen, dass sich hinter diesem kleinen Fakt noch so Einiges verbirgt. Gewagte Schlussfolgerung, ich weiß. Und dann fragt man sich vielleicht auch, warum Tina Wallace denn auf die Schule von Rowe und Turner gewechselt hat - denn ein Schulwechsel wird ja nicht grundlos vollzogen, oder?
    Jedenfalls bin ich gespannt, was sich dann noch so alles im Gespräch mit der Lehrerin ergeben könnte.
    Und wo ich schon bei Zitaten bin... Die Details sollen bei einer Detektivgeschichte ja immer sehr wichtig sein.




    Okay, das war's dann wohl fürs Erste... Wie gesagt, ich bin schon gespannt auf das nächste Kapitel und freue mich darauf, es lesen zu können. Ach ja: Aus Gewohnheit habe ich jetzt vielleicht an einigen Stellen nur dich angeredet und nicht euch. Man interpretiere das "du" also einfach immer so, dass es sich auf jeden beziehen kann, der ein Recht hat, sich angesprochen zu fühlen.

  • Hallo ihr zwei,
    da wollte ich ursprünglich nur mal kurz ins Forum gucken, wurd von eurem Titel quasi magisch angezogen und kann einfach nicht anders, als einen Kommi zu schreiben ^-^


    Startpost
    Ich werd diesen Punkt mal nur kurz anschneiden, denn ich denke ihr wisst selbst, dass der Startpost schön und übersichtlich gestaltet ist. Nur die Platzierung des Vorworts irritiert mich ein wenig. Dass der Klappentext an erster Stelle steht, macht noch recht viel Sinn, da man als potentieller Leser so direkt am Anfang des Posts herausfinden kann, ob die Geschichte einen ansprechen könnte oder nicht. Aber warum dann als nächstes Charaktervorstellungen, das Vorwort und danach nochmal Informationen über die Geschichte kommen, macht für mich von der Reihenfolge her nicht so viel Sinn. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir Steckbriefe eigentlich nie vorher durchlese, weswegen ich das Vorwort und die Information über die Welt als wichtiger erachte und die Charaktervorstellung daher ans Ende gepackt hätte. Zumindest "Information" und "Charaktere" gehört für mich eher zusammen, da in diesen Punkten explizit Inhalte zu dieser Teil der Geschichte stehen, währen man im Vorwort noch allgemeinerer Informationen erhält.
    Ach ja, und ich finde es ein wenig Schade, dass direkt im Startpost steht, dass Kyra zwar noch ein paar Gefühle für ihre Ex-Freundin hat, aber es da keine Romanze in der Richtung gibt. Ich kann einerseits verstehen, dass so etwas erwähnt wird für die Leute, die so etwas überhaupt nicht mögen, allerdings ist das halt schon ein kleiner Spoiler und nimmt die "passiert zwischen ihnen noch was oder nicht"-Gedanken vorweg.


    Kapitel 1
    Direkt am Anfang eine Kleinigkeit: die Wortwiederholung "spielt auf ihrem Handy" ist ein wenig unschön und kann vielleicht könnte man mein zweiten Mal "beschäftigte sich mit ihrem Handy" oder so nehmen, um die Wiederholung zu vermeiden.
    Dass ihr Hund Watson heißt gefällt mir und passt zu ihrem Gedanken zuvor, dass man sich immerhin bemühen muss, um ein paar Klischees zu entsprechen. Dadurch, dass sich das dann nicht nur auf den Earl Grey bezieht sondern sich auch im Rest der Geschichte widerspiegelt, wird das Gesamtbild etwas abgerundet.
    Bei dem Abschnitt über ihr abgebrochenes Studium steh "sie hatte sich diesbezüglich nicht unbedingt mit Ruhm betrachtet", was mich kurz hat stocken lassen, da mir "mit Ruhm betrachten" nicht wirklich geläufig ist und ich eher erwartet hatte, dass da "mit Ruhm bekleckern" stehen würde.
    Der Dialog zwischen Jason und Kyra gefällt mir auf jeden Fall sehr gut. Er lässt sich gut lesen und hat zumindest mich ab und zu zum schmunzeln gebracht. Zudem erfährt man darüber direkt zu Beginn einiges über Kyra, Jason, ihre Lebensumstände und die Beziehung zwischen beiden. Das gibt ein erstes Bild vom Kyras Leben und hilft dabei, dass sich der Leser in ihre Welt einfinden kann.
    Was mir bisher ebenfalls gut gefallen hat ist das Einbinden von Kleinigkeiten nebenbei. So wird am Anfang erwähnt, dass sie Candy Crush Saga spielt, was die Geschichte ein wenig greifbarer macht, weil man dieses Spiel einfach kennt (wenn man versteht, was ich damit sagen will ^^"). Aber auch dass sie beim Telefonat kurz wartet, damit der Eindruck entsteht, sie hätte keinen leeren Terminkalender, bringt einem Kyras Welt ein wenig näher und macht sie gleichzeitig noch sympatisch, weil ihr Verhalten einem vertraut ist.
    Bisher frage ich mich nur: Wie finanziert sie ihr Leben? Ich meine klar, sie arbeitet selbstständig als Detektivin, aber verdient sie damit genug? Immerhin scheint sie öfters Flauten zu haben. Dass sie in einer WG wohnt, passt da zwar ganz gut, weil das in der Regel günstiger ist, aber reichen dann ab und zu Aufträge, um ihr Leben zu finanzieren?
    Ah okay, direkt im nächsten Abschnitt wird die Sache mit ihren Finanzen dann auch angesprochen, also ist der vorherige Punkt mit seinen Fragen damit hinfällig geworden ^^"
    "und ließ Watson, [...], seinen Kopf heben ließ." Ich glaube, zu siehst selbst, welches Wort da zu viel ist.
    Oje, wenn man Katzen bis in eine Wohnung oben drüber riechen kann, ist das nicht sonderlich angenehm. Ich frag mich, ob das nicht auch schon einige potenzielle Kunden abgeschreckt hat, die spontan vorbei kamen...
    Spielt das Ganze eigentlich in England? Zumindest die Namen der einzelnen Figuren würden dafür sprechen. Während Watson nicht unbedingt was über den Standort aussagt, weil der Name dafür viel zu bekannt ist, sprechen beispielsweise Jason und Mrs. Morrs eigentlich schon sehr für diese Vermutung.
    "die zwar zum Teil hölzern war, jedoch eine Glasauslassung, die den größten Anteil der Fläche ausmachte." Hier fehlt noch ein "besaß" am Ende.
    Wenn Kyra die Bilder sieht, sind die Beschreibungen der ganzen unbekannten Personen etwas erschlagend. Sicherlich werden die Personen auf den Bildern noch eine Rolle spielen und diese Beschreibungen sind vielleicht erste Hinweise, mit denen man später bereits Vermutungen über Identitäten von Personen machen kann, aber abgesehen von Tina und Thomas sind das ganze fünf weitere Personen, die alle kurz angerissen werden, was ein bisschen viel auf einmal ist.
    Hah, es spielt in Edinburgh, ich hatte also tatsächlich recht, was das Land angeht ^-^
    Kurz darauf wird zwar ein bisschen was zu den Personen auf den Bildern erklärt, was den ersten Eindruck vom Erschlagen sein etwas abmildert, aber vielleicht nicht ganz so viele Personen auf einmal, währen mir auch sehr recht gewesen.
    Ein kleines, schönes Detail ist auch, dass Kyra den Beruf ihres Klienten an seinem Aussehen erraten hat. Das passt einfach zu einem Detektiv und vermittelt auch mit solch kleinen Sätzen ein glaubhaftes Bild von ihr bzw. ihrer Berufswahl.
    Sehr schön finde ich auch, wie ihr erstes Vorgehen bei dem neuen Fall beschrieben wird. Ihre Arbeit wird realistisch dargestellt und die einzelnen Schritte, Überlegungen für weitere Schritte, etc. sind logisch und gut nachvollziehbar. Ich muss gestehen, daran im Telefonbuch zu suchen, hätte ich überhaupt nicht gedacht, aber ich schätze, ich würde auch keine gute Detektivin abgeben. Von daher ist es nur positiv, dass solch vermeintlich triviale Sachen überprüft werden und Kyra da einfach gründlich ist.
    Wer ist Molly? Der Name wird plötzlich einfach so genannt und man erfährt sogar, dass Molly Kyra weiterhelfen könnte. Da fragt man sich natürlich, wieso Kyra es vermeiden möchte, ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn es sich vermeiden lässt. Ist irgendetwas zwischen den beiden vorgefallen? Verlang Molly immer direkt eine Gegenleistung für ihre Hilfe, sodass es für Kyra günstiger wäre, es ohne zu schaffen? Ich bin auf jeden Fall darauf gespannt, was man über diese Molly später noch erfahren wird.
    Dass sich Maria Tuner am Ende des Kapitels gemeldet hat, ist natürlich eine spannende Wendung. Sie hätte Kyra immerhin nicht antworten müssen oder sich erst später melden können. Aber sie meldet sich ziemlich zeitnah und ruft direkt an, anstatt kurz zu schreiben, was sicherlich bequemer wäre. Das zeigt eigentlich schon, dass mehr hinter der ganzen Sache stecken könnte, als es bisher den Anschein hat.


    So, über ne Woche später hab ich den Kommi dann endlich auch mal zu Ende geschrieben (falls das Vorwort etwas komisch klingt: er wurde tatsächlich bereits angefangen, als das Kapitel keine 3 Stunden draußen war, als ich in der Uni gerade Zeit hatte). Bitte entschuldigt, dass ich das zweite Kapitel bisher noch nicht kommentiert hab, aber da ich die nächsten Tage nicht dazu kommen werde, dachte ich mir, ich kann den bisherigen Kommi einfach schon mal posten. Das zweite Kapitel werde ich aber sicherlich auch noch irgendwann kommentieren, denn bisher gefällt mir die Geschichte sowohl vom Inhalt als auch vom Schreibstil sehr.
    Oh, und ich hab die anderen Kommentare übrigens nicht gelesen, also entschuldigt bitte, wenn sich was doppeln sollte ^^"
    Liebe Grüße,
    Caroit

  • So viel Feedback. *glotz* Okay, wir sind beeindruckt - und freuen uns natürlich auch ziemlich darüber :3 Erhöht irgendwie auch den Druck, denn jetzt wollen wir nicht enttäuschen. (Gut gesagt, wenn die Geschichte eigentlich schon fertig ist :P)


    Danke auf jeden Fall an euch drei! :D


    Ich hatte mal in die Regeln geschaut und Kommentar-Antworten darf man wohl als eigenen Post schreiben. Deswegen habe ich mir gedacht (ja, dieses Mal ich), dass wir das schon jetzt die Antworten schreiben - nicht zuletzt, damit der Post am Mittwoch (an dem ich arbeiten muss *seufz*) nicht ewig lang wird. :P


    Fangen wir also an.


    @Sunaki:

    Es ist immer schön Kommentare zu kriegen, nicht?

    Ist es definitiv. Speziell bei Herzblutprojekten wie diesem hier. Ich meine, wir schreiben die Geschichte durchaus ja, einfach weil es Spaß macht so ein Projekt zusammen zu schreiben. Aber trotzdem. Feedback freut (und sei es nur in der Form von Likes) - und gerade Seki, also mein Freund, hat sich unglaublich gefreut. Wie gesagt, für ihn ist es die erste Geschichte, die er online veröffentlicht. :)


    Insofern noch einmal Danke :3


    Hierbei störe ich mich etwas daran, dass Mr. Hare gleich an Mord und nicht an Entführung denkt. Mag aber daran liegen, dass sie sich einen spannenderen Fall wünscht, kommt aber sehr direkt rüber.

    Nun, hierzu möchten wir uns äußern: Die Sache ist, dass das ganze drei Jahre her ist und nach drei Jahren ist die Wahrscheinlichkeit meist größer, dass es Mord war, keine Entführung, jedenfalls bei erwachsenen Personen. Erwachsene, die plötzlich "verschwinden", tauchen entweder nach einer Weile wieder auf, sind aus eigenem Antrieb verschwunden oder halt tot. Ja, es gibt auch andere Fälle, aber es ist tatsächlich - zusammen mit der "aus eigenem Antrieb verschwunden", was Kyra natürlich langweilig fände - wahrscheinlicher als eine Entführung.
    (Ich habe sehr, sehr viel über Vermisstenfälle gelesen und wenn sind es normal Kinder, die tatsächlich für Jahre entführt wurden - da diese relativ "leicht" gefügig gemacht werden können. Deswegen geht auch die Polizei meist von Verschwinden aus eigenem Antrieb, Mord oder einem Unfall (im Sinne von: Person ist nicht nach Hause gekommen, ist vielleicht in einen Fluss gefallen o.ä.) aus, wenn IRL Erwachsene verschwinden und keine Erpressung vorliegt, sowie nichts von einem Stalker bekannt ist. ;) Ja, manchmal, gerade bei jungen Frauen, stellt sich auch anderes heraus - aber das sind eben doch eher Seltenheiten.)


    Außerdem bestätigen sich die Aussagen ihres Auftraggebers über den Charakter der Zielperson.
    Das mag unscheinbar sein, war in einigen Romanen die ich so gelesen habe war das im späteren Verlauf durchaus relevant.
    Frei nach dem Lehrsatz "Glaub nie einer Information, wenn sie nicht von zwei Personen bestätigt wurde, so unwichtig sie auch erscheinen mag."

    Wir sind hier tatsächlich über die positive Anmerkung erleichtert. Hatten eine Diskussion, ob es abschreckend sein könnte, wenn dieselbe Information zwei, drei Mal vorkommt. ^-^



    Eine aktuelle Popkulturreverenz hat den natürlichen Nachteil, dass sie nach ein paar Jahren wieder unverständlich sein könnte.

    Ich gebe offen zu, ich (Alaiya) mag es ja Popkultur-Referenzen reinzubringen. :P Davon wird es auch noch mehr geben. Allerdings finde ich Sherlock Holmes relativ harmlos in der Hinsicht - immerhin ist das seit über 100 Jahren ein Phänomen. :P


    Bist du sicher dass das Grammatisch passt? Ich glaube das "der" ist dort fehl am Platz.
    Also, ich will nur helfen und mache auch genügend kleine Fehler. Ich sag nur.

    Ups. ^^" Ich muss glaub ich noch mal aufmerksamer drüber gehen. (RS geht am Ende auf meine Kappe.)





    @Thrawn:

    Nachdem ich ja heute auch das zweite Kapitel gelesen habe, könnte ich mal einen Kommentar dalassen. Um es ganz ehrlich zu sagen, bin ich bisher von der Geschichte ziemlich begeistert, auch wenn es vielleicht schwierig ist zu sagen, warum. Zunächst einmal mag ich halt sowieso das Genre der Detektivgeschichte, auch wenn ich in letzter Zeit leider viel zu wenig in der Richtung gelesen habe.

    Das freut uns wirklich sehr :3
    Haha, derweil macht es uns allerdings auch ein wenig nervös, wie du die Kapitel sehen wirst, bei denen die Detektivarbeit nicht im Vordergrund steht. @.@



    Gewagte Schlussfolgerung, ich weiß.

    WIE KOMMT IHR NUR ALLE DARAUF?! *hust* *hust*


    Habt ihr eigentlich eine Ahnung, wie schwer es war, eine Formulierung zu finden, die halbwegs natürlich wirkt?! @.@



    Mehr eine kosmetische Sache, aber die Anführungszeichen sind halt unten.

    Kek. Das kommt davon, wenn man die ganze Zeit in einem Programm schreibt, das nur " kennt und dann mit "Search and Replace" anhand von Satzzeichenkombis drüber geht. (Ich schreibe beim Ausschreiben der Geschichte fast immer in Write or Die, wo ich keine Möglichkeit habe ordentliche deutsche Satzzeichen zu machen.) :P



    zufälligerweise

    Ich bin echt verwirrt, dass diese Sachen alle zusammengeschrieben werden. Mal schauen, ob ich mir das angewöhnen kann. Deutsch ist manchmal komisch, was solche Sachen angeht... @.@ Aber danke für das darauf Aufmerksam machen. Das wusste ich wirklich noch nicht.



    immer nur drei andere Personen auf diesem Bild (neben Rowe, Turner und Wallace, folglich insgesamt sechs), also die beiden Jungs und das Mädchen, das zunächst noch "Tia oder so" hieß? Somit wäre jetzt hier plötzlich ein weiteres Mädchen auf dem Bild, welches vorher nicht erwähnt wurde und daher... Ja. Also wie gesagt, sollte ich da was übersehen haben, wäre es mir echt peinlich und täte mir auch leid (wäre dann ja auch ein ziemlich mieser Leser), aber auch nach mehrmaligem Lesen habe ich da jetzt nichts gefunden, was das für mich aufklärt, von daher...

    Ich glaube das habe ich im ersten Kapitel übersehen. So ein gewisser Automatismus, auf dessen Ursache ich einmal nicht eingehe. *hüstel*
    Aber im zweiten Kapitel mit vier Jugendlichen ist richtig. @.@



    Ach ja: Aus Gewohnheit habe ich jetzt vielleicht an einigen Stellen nur dich angeredet und nicht euch.

    Ist schon okay ;)


    Danke noch einmal für das Feedback! :D




    @Caroit:


    da wollte ich ursprünglich nur mal kurz ins Forum gucken, wurd von eurem Titel quasi magisch angezogen und kann einfach nicht anders, als einen Kommi zu schreiben ^-^

    Das freut uns :D Doppelt so, weil wir eeeeeeeewig nach einem Titel für den ersten Band gesucht haben, der nicht zu 0815 klingt. @.@



    Aber warum dann als nächstes Charaktervorstellungen, das Vorwort und danach nochmal Informationen über die Geschichte kommen, macht für mich von der Reihenfolge her nicht so viel Sinn

    Also meine Logik (die Reihenfolge habe ich verbrochen) war folgende: Story und Charakter sind tatsächliche inhaltliche Informationen, Vorwort und Genre sind "Meta" Informationen. Deswegen habe ich es - in meinen Augen "Inhalt-Inhalt-Meta-Meta" gegliedert. Vielleicht erklärt es das ein bisschen. ^-^



    Bei dem Abschnitt über ihr abgebrochenes Studium steh "sie hatte sich diesbezüglich nicht unbedingt mit Ruhm betrachtet", was mich kurz hat stocken lassen, da mir "mit Ruhm betrachten" nicht wirklich geläufig ist und ich eher erwartet hatte, dass da "mit Ruhm bekleckern" stehen würde.

    War auch so gemeint. Müssen wir beide überlesen haben. @.@ Sorry.



    Was mir bisher ebenfalls gut gefallen hat ist das Einbinden von Kleinigkeiten nebenbei. So wird am Anfang erwähnt, dass sie Candy Crush Saga spielt, was die Geschichte ein wenig greifbarer macht, weil man dieses Spiel einfach kennt (wenn man versteht, was ich damit sagen will ^^")

    Wir verstehen. :P Und es freut uns. Dieses Einbringen von aktuellen "Phänomenen" ist so eine Sache, die - so habe ich bemerkt - ja sehr unstritten ist unter Autoren, weil es eben dafür sorgt, dass man manche Dinge in ein paar Jahren nicht mehr verstehen könnte. Aber wir mögen es beide eigentlich sehr, da es eben die Geschichte in der aktuellen Zeit und Kultur verankert.



    Wie finanziert sie ihr Leben? Ich meine klar, sie arbeitet selbstständig als Detektivin, aber verdient sie damit genug? Immerhin scheint sie öfters Flauten zu haben. Dass sie in einer WG wohnt, passt da zwar ganz gut, weil das in der Regel günstiger ist, aber reichen dann ab und zu Aufträge, um ihr Leben zu finanzieren?

    Darüber habe ich mir wieder ein paar Gedanken gemacht. ^-^ Zur Erklärung: Bei ihren Raten muss Kyra etwa fünf/sechs Tage im Monat arbeiten, um die Miete und Steuern zahlen zu können. Miete ist für sie daher meist (manchmal dann nicht) noch möglich, solange sie in der WG ist. Wie viel danach noch zum Essen, für Auto und der gleichen übrig ist, ist immer die andere Frage. @.@
    Jap, das heißt auch, dass sie eigentlich einen recht angenehmen Lebensstil haben könnte, wenn sie denn etwas erfolgreicher wäre. (Und sie nimmt für einen Privatdetektiv in Schottland noch relativ wenig.)




    Spielt das Ganze eigentlich in England?

    Hah, es spielt in Edinburgh, ich hatte also tatsächlich recht, was das Land angeht ^-^


    So manch ein Schotte wäre ja über die Aussage empört :P 
    (Ja, ich weiß, wir Deutschen neigen dazu, England mit Großbritannien gleichzusetzen. Aber gerade die Schotten distanzieren sich doch gern von den Engländern und Walisern. Kyra sieht sich dankbarer Weise vor allem als Britin. Daher fühlt sie sich auch nicht schlecht dabei, Earl Grey zu trinken. ;))



    Ich muss gestehen, daran im Telefonbuch zu suchen, hätte ich überhaupt nicht gedacht, aber ich schätze, ich würde auch keine gute Detektivin abgeben.

    Wir machen auch einen kleinen "Punkt" daraus, ein wenig die... Ähm... Informationssammlungen, die es in der modernen Welt so gibt, mit einzubeziehen. Speziell nachdem ich mich gegenüber meinem Freund darüber ausgelassen habe, dass gerade im Urban Fantasy Bereich diese Dinge immer wieder ignoriert werden (oder fadenscheinige Erklärungen gesucht werden, warum der Hauptcharakter nicht einfach mal Googeln kann). So etwas wird noch ein paar mal vorkommen. :P



    Bitte entschuldigt, dass ich das zweite Kapitel bisher noch nicht kommentiert hab, aber da ich die nächsten Tage nicht dazu kommen werde, dachte ich mir, ich kann den bisherigen Kommi einfach schon mal posten.

    Ist kein Problem :) Der Kommentar war ja auch sehr ausführlich und wir haben uns sehr darüber gefreut. Danke noch einmal! :3

  • Vorwort


    So~
    Und damit geht es weiter. Wie immer gibt es Mittwoch das Update.
    Ich bin übrigens am Überlegen neben den Kapiteln, wie ich sie hier habe, auch noch epub-Dateien anzubieten. Was würdet ihr davon halten? Ich wurde nämlich danach gefragt und sehe ja durchaus auch den Sinn: Ebook lesen ist angenehmer, als am PC zu sitzen. Nicht zuletzt, da man mit dem Ebook einfacher rauskann. ^-^ Daher dachte ich mir... Nun.
    Auf jeden Fall geht es weiter, mit dem Fall, der Kyra allmählich die Nerven raubt...


    Viel Spaß!




    Kapitel 3: Mondsüchtig


    Es gab irgendetwas an Schulen, das bei Kyra generell für Unwohlsein sorgte. Vielleicht waren es einfach nur schlechte Erinnerungen an ihre Schulzeit – nicht das diese außergewöhnlich schlecht waren, aber gern war sie eigentlich nie zur Schule gegangen – doch das änderte nichts daran, dass sie ihre Schultern hochgezogen hatte, als sie durch die verlassenen Hallen der Broughton High School ging.
    Es wäre vielleicht verständlicher gewesen, dass sie sich so unwohl fühlte, wäre es ein altes Schulgebäude gewesen, doch das Gebäude der Broughton war relativ neu.
    Sie war nur dankbar, dass Watson neben ihr ging, da man dank der späten Uhrzeit dankbarer Weise nichts dagegen gesagt hatte, dass er das Schulgebäude betrat.
    Es war zwei Tage her, dass sie sich mit Maria getroffen hatte. Am Vortag hatte sie sich bereits einmal mit Mrs. Cairns getroffen, doch es hatte einen schriftlichen Antrag und die Zustimmung eines Anwaltes gebraucht, um die Unterlagen zu bekommen, die sie gewollt hatte: Tina Wallaces Einträge im Schulverzeichnis – alles von Fehlzeiten, Verwarnungen, fehlenden Hausaufgaben und sonstigen Notizen, die irgendein Lehrer irgendwann in ein Klassenbuch geschrieben hatte, hin zu den einfachen tabellarischen Daten, die die Schule gesammelt hatte – sowie eine Kopie eines Aufsatzes, den Tina während ihres letzten Schuljahres geschrieben hatte.
    Auch wenn Kyra keine Profilerin war, so hoffte sie doch, sich Anhand von Tinas Handschrift ein Bild machen zu können – einmal ganz davon abgesehen, dass sie noch auf den Brief von Mrs. Hemmington hoffte.
    Einen erstaunlich dicken Stapel Papier an ihre Brust gedrückt, schritt sie nun schnellen Schrittes einen Gang in der Schule hinab, während ihre Schritte ihrer Meinung nach viel zu laut von den Wänden wieder hallten. Doch zumindest war Watson ruhig und wenn sie bedachte, wie schreckhaft der große Hund normaler Weise war, so war diese Tatsache beruhigend.
    Es war kurz nach Sieben am Abend und da es später September war, es ohnehin den ganzen Tag bewölkt gewesen war und die Sonne wohl ohnehin gerade untergegangen war, herrschte Zwilicht in den Gängen, in denen ein guter Teil der elektrischen Lichter bereits ausgestellt war.
    Eigentlich wusste Kyra nicht wirklich, was sie überhaupt mit den Unterlagen der Schule wollte – immerhin hatte Tina ihre Schulausbildung vier Jahre, bevor sie den Kontakt mit Rowe und Maria unterbrochen hatte, abgeschlossen. Sicher würde es ihr hoffentlich helfen, vielleicht noch ein wenig mehr über den Charakter des Mädchens herauszufinden, jedoch konnte sie auf nicht viel mehr hoffen, oder?
    Mrs. Cairns hatte ihr, als sie sie befragt hatte, wenig neues erzählt. Mittlerweile hatte sie den Eindruck, die Geschichte schon auswendig zu kennen: Tina konnte einschüchternd wirken, wenn man sie das erste Mal traf. Irgendetwas an ihrer Art, ihrer Ausstrahlung. Wenn man sich jedoch die Mühe machte, sie kennen zu lernen, war sie ein liebes, hilfsbereites, wenngleich etwas zurückhaltendes Mädchen gewesen. Das hatte sie nun von jedem gehört, den sie befragt hatte.
    Mrs. Cairns hatte erwähnt, dass Tina ein paar Mal mit anderen Schülern aneinander geraten war und sich manchmal hatte leicht provozieren lassen, aber es waren meistens Streitereien gewesen. Nichts schlimmeres, hatte die Lehrerin gesagt, und Tina hätte sich danach zumeist entschuldigt.
    Vielleicht sollte sie noch ein paar ehemalige Klassenkameraden aufsuchen, mit denen Tina nicht so gut klar gekommen war? Sie schielte auf die Papiere in ihren Armen. Vielleicht fand sie ja so jemanden.
    Wie sagte man noch? „Wenn man etwas über jemanden herausfinden wollte, sollte man seine Feinde fragen.“
    Vielleicht…
    Kurz vor dem Ausgang des Schulgebäudes blieb Watson stehen und richtete seine Ohren auf. Er schien verunsichert zu sein und ließ ein sehr, sehr leises Knurren hören.
    Kyra zuckte zusammen.
    Als fühlte sie sich nicht schon unwohl genug!
    „Was ist denn, Junge?“, fragte sie. Immerhin waren sie ganz allein in der Eingangshalle der Schule.
    Watson starrte nur auf den Ausgang, die Ohren angelegt.
    Noch einmal sah Kyra sich um und sah mit zusammengekniffenen Augen auf den Ausgang. Auf dem Vorplatz der Schule waren die Laternen bereits angesprungen, weshalb sie sich recht sicher war, auch dort niemanden zu sehen. Vielleicht trieb sich draußen einfach ein Fuchs herum?
    „Komm, Watson“, meinte sie und ging weiter auf die Ausgangstür zu.
    Weiterhin knurrte Watson. Erst als Kyra die Glastür erreicht hatte, ließ er ein kurzes Wimmern hören, folgte ihr dann aber zurückhaltend.
    Seufzend und weiterhin nervös öffnete Kyra die Tür und ging über den Hof der Schule. Bemüht, die Papiere, die nur lose in einer Mappe lagen, nicht zu verlieren, kramte sie in ihrer Manteltasche nach dem Autoschlüssel, während sie zum MGB hinüberlief. Watson drückte sich an ihr Bein, so dass sie beinahe über ihn stolperte.
    „Angsthase“, flüsterte sie lächelnd und hätte ihn gestreichelt, hätte sie die Hände nicht voll gehabt.
    Da zuckte sie zusammen. Ein kalter Schauer rann ihren Rücken hinunter und brachte sie dazu, sich instinktiv umzusehen.
    Sie war doch nicht so allein, wie sie geglaubt hatte. Da stand jemand an der Ecke des Gebäudes und sah sie fraglos an. Eine ungewöhnlich große Gestalt mit Hut, Sonnenbrille und ungewöhnlich blasser Haut. Das konnte nicht sein!
    Kyras Herz begann zu rasen. Es war drei Wochen her, dass sie diese Gestalt das letzte Mal gesehen hatte. ¹
    „Fuck“, murmelte sie und beschleunigte ihre Schritte.
    Das bildete sie sich nur ein, sagte sie sich. Dennoch zitterten Hände, als sie die Tür ihres Wagens aufschloss und sich dabei zwang, sich nicht noch einmal umzudrehen.
    Watson sprang auf die Rückbank und fing sofort an, mit angelegten Ohren in die Richtung der Gestalt zu bellen.
    Kyra sprang in den Wagen und schlug die Tür zu, bevor sie sich erlaubte, sich umzusehen. Die Gestalt kam in langen Schritten auf sie zu.
    Oh nein, sie wollte nicht wissen, was der Typ machen würde, wenn er sie erreichte.
    So schnell sie konnte, startete sie den Wagen und fuhr los, ohne sich noch einmal umzusehen.
    Sie wusste nicht, wer dieser Mann war. Kindermörder, einfach nur ein Perverser oder etwas ganz anderes. Sie wollte es auch gar nicht herausfinden. Selbst ihre eigentlich ausgeprägte Neugierde war still, was diesen Kerl anging – sie wusste genug: Er war seltsam, gruselig und irgendwie unnatürlich. Mehr musste sie nicht wissen, selbst wenn sie wusste, dass es irrational war.


    Erleichtert seufzte Kyra auf, als sie zwanzig Minuten später in eine hell erleuchtete Wohnung kam und die Tür hinter sich schloss.
    Watson schien diese Erleichterung zu teilen, denn er bellte laut auf, rannte einmal kurz den Flur auf und ab, ehe er in die Küche verschwand, um Jason zu begrüßen und dann etwas zu trinken.
    „Da bist du ja wieder“, begrüßte ihr Mitbewohner, der in Jogginghose und Tanktop am Herd stand und offenbar Würstchen briet, und wandte sich ihr kurz zu. „Was ist dir denn passiert? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.“
    „Kein Geist, nur ein Creep“, erwiderte Kyra, während sie ihren Mantel auszog und über die Garderobe im Flur warf. Sie fischte ihr Handy aus der Manteltasche und nahm dann die Unterlagen, die sie auf dem Schuhschrank abgelegt hatte und brachte sie kurz in ihr Arbeitszimmer, bevor sie zu Jason in die Küche zurückkehrte.
    „Und hier hatte ich schon Hoffnung“, scherzte dieser, als sie sich hinsetzte. „Solltest du einmal einen Geist sehen…“
    „Ich weiß, dann mache ich ein Foto für dich“, erwiderte sie nicht ganz ohne Sarkasmus. Sie lachte leise. „Ich kann auch gern, um ein Autogramm bitten.“
    „Ha ha“, meinte Jason nur trocken.
    Kyra seufzte und streichelte abwesend Watsons Kopf, als der Hund von seinem Wassernapf zu ihr hinüberlief und seine Schnauze auf ihrem Knie ablegte. Schließlich sah sie wieder zu Jason. „Hast du zufälliger Weise auch ein paar Würstchen für mich?“
    „Wieso wusste ich nur, dass du das Fragen wirst?“, erwiderte Jason. Er wandte sich ihr zu und zeigte ihr die Pfanne. „Ich habe ein paar für dich mit gemacht.“
    „Danke.“ Sie lächelte. „Bester Mitbewohner.“
    „Ja ja“, murmelte er. „Du weißt, dass du mal wieder mit dem Einkaufen dran bist.“ Seine Stimme hatten einen leicht frustrierten Tonfall.
    Kyra biss sich auf die Unterlippe – es wäre schön, mehr Geld zu haben – nickte dann aber. Immerhin würde der aktuelle Fall noch eine Weile dauern, was bedeutete, dass sie für diese Zeit beschäftigt war und Geld bekommen würde. „Ist ja gut. Mache ich morgen früh.“ Als er ihr einen Blick zuwarf, fügte sie hinzu: „Versprochen.“
    „Gut, gut…“ Er wendete die Würste und öffnete den Deckel eines Topfes, in dem offenbar Kartoffeln kochten.
    Noch einmal ging Kyra ihre Nachrichten durch und überlegte, ob sie die Unterlagen heute noch durchsehen sollte. Sie hatte heute soweit sieben Stunden – inklusive der Fahrtzeiten – mit dem Fall verbracht, wenngleich ohne neue Informationen irgendeiner Art. Entweder also, sie arbeitete jetzt weiter daran oder am nächsten Tag.
    Zugegebener Maßen frustrierte sie der Mangel an Fortschritten, zumal sie Rowe noch einen Bericht schreiben musste. Sie hasste es, etwaigen Klienten solche „Nichts neues, aber ich arbeite dran“ Berichte zu schreiben, da diese immer mit dem unguten Gefühl einher gingen, den Fall eventuell zu verlieren.
    „Wie wäre es, wenn du den Tisch deckst“, schlug Jason etwas spitz vor.
    Kyra seufzte. „Natürlich“, murmelte sie und stand auf, um zu tun, was er sagte.
    „Aus deinem missmutigen Blick entnehme ich, dass es mit dem Fall nicht wirklich voran geht“, stellte Jason einige Minuten später fest, als sie mit gefüllten Tellern am Tisch saßen.
    Sie zuckte nur mit den Schultern und grummelte, während sie auf einem Stück Wurst herumkaute. „Nicht wirklich…“
    „Irgendetwas, womit ich helfen kann?“, bot er an, auch wenn sie wusste, dass es nur ein pro Forma Angebot war. Er hasste es durch Akten zu wühlen, sofern er nicht erwartete, Hinweise auf Geister oder Kryptiden in diesen zu finden.
    Sie schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich“, erwiderte sie nuschelnd, noch bevor sie geschluckt hatte.
    „Okay…“ Er aß weiter und für eine kurze Weile herrschte Schweigen.
    Wie immer gab Kyra Watson ein Stückchen Wurst ab, was dieser mit einem lauten Bellen begrüßte.
    „Du verwöhnst ihn zu sehr“, meinte Jason nur amüsiert – zum wahrscheinlich tausendsten Mal, seit sie zusammen lebten.
    „Ach, das hat er sich verdient“, entgegnete sie lächelnd.
    „Das sagst du immer…“
    Kyra zog einen Schmollmund und dachte kurz nach, ehe sie beschloss, das Thema zu wechseln. „Wie sieht es denn bei dir aus? Mit deinem Bericht und so? Schon – was war es? – das Biest von wo auch immer gefunden?“
    Über den zynischen Tonfall, der ihre Worte begleitete, verlor Jason nur ein Seufzen. „Das Biest vom Trossachs“, meinte er dann mit Nachdruck. „Und ich habe die letzten Tage an einem Artikel für den Stadtanzeiger gearbeitet, daher… Nicht wirklich viel. Will aber am Wochenende zum Park fahren. Wenn du mitkommen willst...“
    Sie sah ihn an. „Beim aktuellen Wetter? Ich verzichte.“
    „Wie du meinst.“ Jason zuckte mit den Schultern. „Wahrscheinlich würde deine Aura das Tier eh vertreiben“, stichelte er dann.
    „Ja ja“, antwortete sie nur trocken. „Und jedes Mal wenn ich 'Ich glaube nicht an Feen' sage, stirbt eine, eh?“
    Jason grinste. „So in etwa.“
    Manchmal war Kyra durchaus gespannt, ob Jason wirklich einmal etwas finden würde – und sei es nur eine neue Tierart. Dann jedoch erinnerte sie sich daran, dass es speziell hier auf den Inseln wohl wenig neues zu Entdecken gab und Jason definitiv nicht das Geld hatte, den Dschungel von Thailand zu erforschen, also vielleicht doch eher nicht.
    Etwas gemein fühlte sie sich ja schon, auch wenn ihr Mitbewohner ein dickes Fell hatte. Immerhin waren diese Kryptiden, Geister und was sonst noch, seine Leidenschaft. Doch für sie blieb es Unsinn. Sie war zu rational – und bis es keinen unumstößlichen Beweis gab…
    „Nun, wenn du doch etwas findest, kannst du mir ja das Bild zeigen“, meinte sie schließlich.
    „Oh glaub mir“, meinte Jason. „Die Gelegenheit würde ich mir nicht entgehen lassen.“ Wieder grinste er sie an. „Und dann wirst du zugeben müssen, dass du Unrecht hattest.“
    Sie lächelte matt. „Das werden wir dann sehen.“


    „Nein, ich habe leider noch nichts neues“, wiederholte sich Kyra, während sie mit Rowe telefonierte. „Ich habe Ihnen ja bereits gesagt, dass so etwas zwei Wochen, vielleicht sogar länger dauern kann.“
    Der junge Mann klang frustriert. „Ich weiß“, sagte er mit Nachdruck. „Ich meine nur… Gar nichts?“
    „Nur den Brief der Vermieterin, den ich in der Email angehängt hatte“, erklärte Kyra. „Es tut mir leid. Ich versuche Ms. Wallaces Mutter ausfindig zu machen, vielleicht wissen wir dann mehr.“ Dabei verschwieg sie ihm jedoch, dass sie noch immer keine Ahnung hatte, wie sie Tina Wallaces Mutter finden sollte.
    Rowe holte tief Luft.
    Kyra war sich nicht sicher, ob es ein Seufzen war.
    „In Ordnung.“ Zumindest schien er weniger wütend, als frustriert zu sein. Der Fall war interessant und wenn man das näher rückende Ende des Monats bedachte, war Kyra in mehr als einer Hinsicht interessiert daran, den Fall zu behalten.
    „Ich werde Ihnen Bescheid sagen, sobald ich irgendetwas neues habe“, erklärte sie noch einmal bemüht freundlich. „Aber wie ich Ihnen gesagt habe, es kann zwei Wochen oder mehr dauern.“
    „Ja.“ Rowe klang tatsächlich enttäuscht, aber verständnisvoll. „Kann ich vielleicht irgendetwas tun, um den Prozess zu beschleunigen?“
    Kyra nickte und holte ihren Block hervor, während sie den Telefonhörer zwischen Ohr und Schultern klemmte. „Können Sie sich zufälliger Weise noch an Klassenkameraden erinnern, die nicht besonders gut mit Tina ausgekommen sind?“
    Eine kurze Pause am anderen Ende der Leitung. „Lassen Sie mich überlegen.“
    Wenige Minuten später hatte sie drei Namen auf dem Block stehen und saß wieder vor ihrem Bildschirm, um wieder in ihre vorherige Arbeit reinzukommen.
    Es war Abend, einen Tag nachdem sie die Unterlagen der Schule bekommen hatte. Kyra hatte ihren Tag damit verbracht, mit einem großen Becher – nun, wenn sie ehrlich mit sich war, war es ein kleiner Eimer – Pudding an ihrem Schreibtisch gesessen und die Daten durchgearbeitet.
    Zuerst hatte sie sich den Aufsatz angeschaut. Der Inhalt war nicht wirklich interessant: Eine Analyse irgendeines alten Gedichtes. Genau die Sachen aus dem Unterricht, die Kyra immer am furchtbarsten gefunden hatte. Doch deswegen hatte sie sich den Aufsatz nicht geben lassen. Sicher, wäre sie eine Psychologin gewesen oder hätte auch nur ein wenig Ahnung von Persönlichkeitsanalyse gehabt, hätte sie vielleicht auch einiges aus dem Aufsatz ziehen können, doch das war nun einmal nicht der Fall.
    Dennoch: Nutzlos war es nicht gewesen. Denn sie hatte ihn gebraucht, um die Handschrift mit der Handschrift des Briefes, den sie am frühen Nachmittag von Mrs. Hemmington abgeholt hatte, zu vergleichen.
    Das hatte sie zumindest zu einem Ergebnis gebracht: Sie war sich sehr, sehr sicher, dass der Brief nicht von Tina geschrieben worden war. Sicher, zwischen dem Aufsatz und dem Brief lagen mehr als fünf Jahre, aber für gewöhnlich änderte sich in dem Alter die Handschrift nicht mehr so sehr – und die Schrift war deutlich anders.
    Während die Buchstaben im Aufsatz deutlich verbunden waren und eher geschwungen wirkten, war die Schrift des Briefes eher gedrängt geschrieben. Auch sie waren verbunden, doch wirkten die Buchstaben höher und an den oberen und unteren Enden, die im Aufsatz eher abgerundet waren, spitz zulaufend. Auch jene kleine Verschnörkelung am Ende von den Kleinbuchstaben der Ns, Ms und Hs, die sich im Aufsatz zeigte, fehlte im Brief beinahe komplett. Nur an ein paar Stellen zeigten sie sich, beinahe so, als hätte jemand mehr schlecht als recht versucht, Tinas Handschrift zu imitieren.
    Sprich: Sofern sich Tinas Handschrift nicht komplett verändert hatte, war der Brief nicht von ihr geschrieben worden. Auch wenn es Kyra zwang zu fragen, warum derjenige, der den Brief gefälscht hatte, ihn nicht am Computer geschrieben und ausgedruckt hatte. Man hätte vielleicht eine Unterschrift fälschen müssen, aber es wäre weit weniger aufwändig gewesen – und weniger auffällig – als dieser Brief.
    Was auch immer… Sollte sie am Ende gezwungen sein, den Fall der Polizei zu übergeben, konnte sie zumindest den Brief als einen möglichen Beweis für möglicherweise kriminelle Vorgänge vorbringen.
    Doch mit dem Handschriftenvergleich, den sie, auch wenn sie die notwendigen Formalien nicht kannte, schriftlich festgehalten hatte, hatte sie nur einen Teil des Tages verbracht.
    Den Rest hatte sie damit zugebracht, sämtliche Daten, die sie von der Schule bekommen hatte – teilweise Ausdrucke, teilweise handschriftliche Verweise – in ein Programm zu übertragen, soweit vorhanden, inklusive Datum. Das Programm erlaubte es, Einträge nach verschiedenen Kriterien zu sortieren – um verschiedene Blickwinkel auf die Daten zu erhalten.
    Mittlerweile war es sechs Uhr und Kyra hatte nun etwas mehr als vier Stunden damit verbracht, die Daten zu digitalisieren. Sie wusste nicht einmal genau, was sie zu finden hoffte, jedoch gehörte auch diese Arbeit mit zu ihrem Job. So wie es im Moment aussah, würde sie ohnehin noch einige Zeit hiermit verbringen.
    Sie konnte am nächsten Tag versuchen, die anderen Klassenkameraden ausfindig zu machen und anfangen zu schauen, ob sie diese seltsamen „Freunde“ von Tina finden konnte. Dabei blieb ihr nur zu hoffen, dass die Namen, die Maria ihr genannt hatte, stimmten. Soweit war der einzige Ansatz, der ihr dazu eingefallen war, jedoch, zur Forrester High zu fahren, und sich zwischen den Lehrern umzuhören.
    Auch wenn sie die Daten noch nicht ganz übertragen hatte, so konnte sie doch sagen, dass Maria in einer Hinsicht recht gehabt hatte: Tina war wirklich oft krank gewesen. Sogar ihre Schätzung hatte ganz gut gestimmt, denn bis zum zweiten Jahr Tinas an der Schule, hatte Kyra keinen Monat gefunden, in dem Tina nicht gefehlt hatte.
    Einige Male, hatte sie gleich zwei oder drei Wochen gefehlt, war zur Schule zurück gekommen, nur um zwei Wochen später schon wieder abwesend zu sein.
    Bei solchen Zeiten ging Kyra davon aus, dass ein Jugendlicher entweder schwänzte oder eine chronische Krankheit hatte. Zu gern hätte sie die Krankenakten von Tina Wallace gesehen, doch auch wenn sie am Morgen eine Anfrage zur in den Schulunterlagen vermerkten Krankenkasse geschickt hatte, rechnete sie nicht damit in weniger als einer Woche eine Antwort zu bekommen, sofern diese keine Rückfrage für weitere Unterlagen war. Vor allem war es eher unwahrscheinlich, dass sie Zugriff auf die Akten bekam – immerhin arbeitete sie gerade weder für die Polizei, noch für einen direkten Verwandten der jungen Frau.
    Einen Versuch wäre es dennoch wert. Wenn sie wirklich krank gewesen war, konnte das der Grund für ihr Verschwinden sein? War sie der Krankheit erlegen oder vielleicht in ein besseres Klima gezogen?
    Warum konnte sie es nicht ernsthaft in Erwägung ziehen?
    Sie hatte aus den Unterlagen zumindest einige weitere nützliche Informationen gezogen: Den Namen von Tinas Vater – Benjamin Wallace – die Adresse, an der Tina damals gewohnt hatte, sowie die Namen einiger Mitschüler, mit denen Tina aneinander geraten war.
    Was ebenfalls interessant war, dies musste Kyra zugeben, war, dass ganz offenbar Tinas schulische Leistungen nicht einmal schlecht gewesen waren. Sie hatte nicht die Zeugnisse, aber einige Vermerke guter Hausaufgaben. Nur mündlich hatte sie sich offenbar nicht besonders gut beteiligt.
    Sie legte ein weiteres Blatt beiseite, um die Informationen der nächsten Seite zu übertragen.
    Watson lag in seinem Körbchen neben ihrem Schreibtisch und hatte seinen Kopf auf den Vorderpfoten abgelegt. Er hatte zwischendurch bei ihr gehockt und hatte auf ihren Schoß gesabbert, doch mittlerweile war er gelangweilt und starrte nur ins Leere, offenbar halb eingeschlafen.
    Laut der Zeitanzeige am unteren rechten Bildschirmrand war es schon recht spät und als sie schließlich die gut zwanzig Seiten, die Tinas letzte drei Schuljahre beschrieben, durchgearbeitet hatte, lehnte sie sich zurück und betrachtete den letzten Teil der Datei.
    Sie streckte sich und überlegte, was sie aus den Daten nun ziehen konnte. Irgendwie musste sie an jene breiten Korkwände denken, die Charaktere in Thrillern häufig nutzten, um Verbindungen zu visualisieren. Und dann war es Moriaty, dachte sie sich grimmig, zweifelte doch aber daran, dass ein fiktionaler Bösewicht, der über die Jahrzehnte hinweg von den vielen, vielen Verfilmungen zu etwas gemacht wurde, dass er nie gewesen war, etwas mit dem Verschwinden von Tina Wallace zu tun gehabt hatte.
    Sich schob sich nacheinander drei weitere Löffel Vanillepudding in den Mund. Sie begann an den Spalten herumzuspielen und die Daten nach unterschiedlichen Informationen zu sortieren. Sie ließ sich nur die negativen Einträge anzeigen, nur die positiven, dann die Krankmeldungen. Sie sortierte diese nach Länge. Dann ging sie dazu über, die Einträge rauszufiltern, die davon handelten, dass Tina mit einem Mitschüler aneinander geraten war. Auch dies war nicht selten gewesen, wenngleich es tatsächlich nur selten mehr als einfache Streitereien gewesen waren. Nur zwei Mal war vermerkt, dass sie Handgreiflich geworden war.
    Verflucht. Das alles brachte sie doch nicht weiter! Wenn sie nicht bald einen weiteren, brauchbaren Hinweis fand, würde sie noch verrückt werden!
    Ihr Handy klingelte und ließ sie zusammenzucken. Sie sah auf das Gerät und sah eine nicht eingespeicherte Nummer auf dem Bildschirm. Vielleicht ein Rückruf von einem der potentiellen Zeugen?
    Sie ging dran. „Kyra Hare am Apparat“, sagte sie.
    „Hallo Kyra“, erklang eine nicht unbekannte, weiche Stimme, die Kyra als die Maria Turners erkannte.
    „Oh, Ms. Turner“, antwortete sie, ehe sie sich verbesserte: „Ich meine Maria.“ Sollte sie einen möglichen Zeugen wirklich duzen? „Rufst du aus einem bestimmten Grund an?“ Halb hoffte sie auf irgendwelche neuen Informationen.
    „Vorrangig wollte ich hören, wie es läuft“, meinte Maria.
    Sollte sie nicht wissen, dass man eigentlich in einer Ermittlung nicht über Entwicklungen reden sollte. Auf der anderen Seite natürlich war der Fall soweit zumindest offiziell keine kriminelle Ermittlung. „Nicht viel neues, nein“, erwiderte sie. „Ist dir noch etwas neues eingefallen?“
    „Ja und nein“, antwortete Maria. „Zum einen habe ich noch einmal drüber nachgedacht: Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Name des anderen Mädchens Alicia war, wenn dir das irgendetwas bringt, so ohne den Nachnamen.“
    Kyra notierte sich dies. „Ich schau mal.“ Dabei war sie sich bewusst, dass – wenn sie nach der Beschreibung von Mrs. Hemmington ging – dieses Mädchen, also Alicia, wenn der Name richtig war, nicht dabei gewesen war, als Tinas vermeintliche Freunde Laden und Wohnung leergeräumt hatten. Hatte ihre Abwesenheit einen bestimmten Grund gehabt? War sie vielleicht – Kyra konnte sich nicht davon abhalten „auch“ zu denken – tot? Hatte sie sich von dieser Gruppe getrennt? Vielleicht eine weitere Herangehensweise an die Fragestellung. „Danke“, sagte sie zu Maria. „Noch irgendetwas?“ Sie wollte nicht zu flehend klingen, war sich aber nicht zu sicher, ob es ihr gelang.
    Gelangweilt und ohne wirkliche Erwartung klickte sie derweil weiter über die Spalten im Programm, als ihr noch etwas anderes ins Auge fiel. Sie rief ein richtiges Kalenderprogramm auf.
    „Eine Sache könnte ich dir noch anbieten“, erwiderte Maria. „Mir ist eine Sache noch eingefallen.“ Sie zögerte kurz. „Kleine Erklärung: Ich gehe am Wochenende meistens mit meiner Tochter wandern.“
    „Uhum“, machte Kyra, während sie die Daten mit Wochentagen und etwaigen Feiertagen verglich-.
    Ihr war aufgefallen, dass Tinas Fehlzeiten zwar nicht regelmäßig waren, aber sie tatsächlich mindestens einmal im Monat gefehlt hatte – und seien es nur ein, zwei Tage – und dabei meistens immer gut alle vier Wochen. Das bedeutete nicht, dass sie dazwischen nicht gefehlt hatte, noch, dass sie dabei immer dieselben Fehlzeiten hatte, aber es war eine seltsame Auffälligkeit.
    Sie begann die Daten einzeln Kalender nachzuschlagen, während Maria fortfuhr: „Wir sind ein paar Mal im Trossachs wandern gewesen und ich habe dabei einige Male zumindest Tia, Sean und Matt gesehen. Nicht jedes Mal und so häufig waren wir nicht da. Aber sicher vier, fünf Mal.“
    „Trossachs?“, fragte Kyra, während sie schaute, ob irgendwelche besonderen Feiertage irgendeiner Religion oder es sonst Gemeinsamkeiten zwischen den Daten gab.
    Irgendwo klingelte etwas. Eine Erinnerung. Sie hatte „Trossachs“ in den vergangenen Tagen schon einmal gehört.
    „Waldgebiet“, erklärte Maria. „Nationalpark. Etwa sechzig Kilometer im Westen von Edinburgh.“
    „Ah“, murmelte Kyra. „Mein Mitbewohner hat davon erzählt.“ Das Biest des Trossachs. Genau, das war es gewesen.
    „Was ich vorschlagen wollte: Wenn du magst, kannst du am Wochenende ja mitkommen“, sagte Maria. „Vielleicht hast du Glück und triffst zumindest einen der drei. Keine Ahnung, ich nehme an, die sind in irgendeinem Verein da. Naturschutz oder so etwas?“
    Kyra seufzte. Blind durch einen Nationalpark zu laufen, war vielleicht Jasons Vorgehensweise, wenn er nach irgendwelchen Ungeheuern suchte, aber eigentlich würde sie es bevorzugen, die Adresse von einem der drei zu ermitteln und anzurufen oder direkt vorbei zu fahren. „Wenn ich in den nächsten Tagen hier nicht weiter komme, dann komme ich garantiert darauf zurück“, meinte sie. Vielleicht auch ansonsten, überlegte sie. Denn vielleicht konnte sie eine Auszeit im Grünen durchaus gebrauchen. „Danke.“
    „Gerne“, antwortete Maria und man konnte ein Lächeln aus ihrer Stimme heraushören, als Kyra inne hielt.
    Sie gab drei weitere der Daten ein, glich die Ergebnisse dann mit den Daten in ihrer Datei ab. „Seltsam…“, murmelte sie unwillkürlich, als ihr eine Gemeinsamkeit der verschiedenen Daten auffiel.
    „Was?“, fragte Maria neugierig.
    Kyra gab weitere zwei Datensets ein. Ebenfalls Treffer. „Sag mal. Weißt du ob Tina irgendeiner Neoheidnischen Religion oder so etwas angehört hat?“
    „Puh.“ Für eine Weile war Maria still und schien nachzudenken. „Wir haben nie über Religion geredet. Insofern… Keine Ahnung.“ Sie schwieg kurz. „Ich habe immer angenommen, dass sie nicht wirklich religiös ist. Wieso?“
    „Huh“, machte Kyra. Sie würde noch einige der anderen Daten durchgehen müssen, um sicher zu gehen, dass es stimmte. Aber es war ansonsten ein seltsamer Zufall. „Weißt du wirklich nicht, warum Tina so oft krank war?“ Vielleicht hatte es auch gesundheitliche Gründe.
    „Nein“, erwiderte Maria. „Wie gesagt, sie hat darüber nicht geredet. Wieso?“
    Kyra seufzte und schüttelte den Kopf, auch wenn sie wusste, dass die andere es nicht sehen konnte. „Ich habe nur eine seltsame Sache festgestellt. Kann aber nur ein Zufall sein.“
    „Was denn?“, fragte Maria nun deutlich neugierig.
    „Ich erzähle es dir später, wenn ich mir sicher bin“, meinte Kyra nur. „Ähm. Ist es okay, wenn ich dich einfach in den nächsten Tagen zurückrufe?“ Sie wollte es nun wissen, doch es war leichter, den Kalender durchzuschauen, wenn sie zwei Hände hatte, um den Computer zu bedienen.
    „Äh, sicher.“ Maria klang etwas verunsichert. „Alles in Ordnung?“
    „Ja, alles bestens“, erwiderte Kyra. „Danke noch einmal für deine Hilfe.“ Sie wollte eigentlich nicht wirken, als ob sie sie abwimmelte. „Ruf mich an, wenn dir noch etwas einfällt. Ansonsten… Wie gesagt, ich ruf dich in den nächsten Tagen zurück, ja?“
    Maria schien leise zu seufzen. „Ja. Okay.“
    „Schönen Abend dir noch“, sagte Kyra schnell. „Bye.“
    „Dir auch.“
    Kyra legte auf und rief die anderen Daten im Kalenderprogramm auf. Sie gab nicht alle der Fehlzeiten an, sondern nur jene, die auf das Abstandsmuster passten. Im ersten Jahr traf es komplett zu, im zweiten ebenfalls. Und als sie das dritte Jahr durch hatte, war sie sich sicher: Tina Wallace hatte von einer Ausnahme, als eine Examenszeit in den Zeitrahmen gefallen war, immer während Vollmond gefehlt, wenn dieser nicht ans Wochenende gefallen war.
    Also… Was? Ihre erste Vermutung war irgendeine seltsame Religion gewesen, an der Vollmondtage irgendwie heilig waren. Ansonsten? Eine Krankheit? Hatte sie vielleicht eine Schlafstörung gehabt? Kyra konnte sich nicht vorstellen, dass es komplett ein Zufall war.
    Vielleicht war Tina Wallace auch ein Werwolf, meinte eine aberwitzige Stimme in ihrem Hinterkopf.
    Ja, sicher. Sie vertrieb den Gedanken wieder. Vielleicht verbrachte sie echt zu viel Zeit mit Jason. Oh, Jason hätte mit diesem Fall sicherlich seinen Spaß, wenn sie ihn nur lassen würde. Weshalb sie es nicht tat.
    „Oh man“, stöhnte sie und legte ihre Stirn auf ihren Händen ab, was Watson mit einem neugierigen leisen Jaulen aufsehen ließ.
    Sie seufzte und sah ihn an. „Es ist nichts, Watson“, meinte sie und streckte die Hand aus, was Watson dazu brachte, aufzustehen und seine Schnauze dagegen zu pressen.
    Nichts war beruhigender als die uneingeschränkte Liebe eines Hundes.
    „Ich brauche echt Pause von diesem Fall“, meinte sie.
    Sie holte tief Luft und streichelte ein wenig über Watsons Kopf, während sie nachdachte. Es war beinahe Acht und vielleicht sollte sie es für den Tag gut sein lassen. Doch dann wiederum… Sie wollte den Tag nicht auf einer Verschwörungstheorie beenden.
    Mit einem weiteren Seufzen machte sie einen Beschluss. Einen Ansatz würde sie an diesem Tag noch probieren.
    Sie rief ein Telefonbuch auf. Benjamin Wallace. Der Name sollte nicht so häufig sein.
    Tatsächlich fand sie ihn auf Anhieb nur zwei Leute mit dem Namen in Edinburgh und Umgebung und der eine schien ein Unternehmer zu sein, der mit genau 40 Jahren etwas zu jung war, um Tinas Vater zu sein. Also blieb noch der andere Benjamin Wallace – sofern der Richtige im Telefonbuch eingetragen war und überhaupt noch in Edinburgh lebte – der zumindest mit seinem Alter von 49 Jahren, alt genug sein sollte. Tina sollte jetzt immerhin gerade 28 sein.
    Dieser Mr. Wallace lebte nicht in Edinburgh direkt, sondern in einem der Vororte, aber Kyra konnte es immerhin versuchen.
    Sie nahm ihr Heimtelefon und wählte.
    Es klingelte. Einmal, zwei Mal, sechs Mal, acht Mal. Kyra war schon kurz davor aufzugeben, als jemand abhob.
    „Wallace hier“, sagte eine müde Männerstimme.
    „Guten Abend“, sagte Kyra schnell. „Hier Detektei Kyra Hare. Spreche ich mit Benjamin Wallace?“
    „Das tun Sie wohl“, erwiderte der Mann mit wenig Enthusiasmus und auch einem gewissen Misstrauen in der Stimme. „Was verschafft mir die Ehre?“
    „Ich habe nur eine kurze Frage“, meinte Kyra und versuchte vorsichtig zu sein, wohl wissend, dass es ein sensibles Thema sein konnte, wenn sie mit ihrer Vermutung Recht hatte. „Es geht um Tina Wallace. Sie sind der Vater von Tina Wallace, oder?“
    Schweigen am anderen Ende der Leitung. Sie hörte nur Rauschen.
    Für einen Moment wartete sie, ehe sie noch einmal nachfragte. „Mr. Wallace?“
    Dann, plötzlich, sprach er und etwas Dunkles lag in seiner Stimme, das sie nicht einordnen konnte: „Rufen Sie hier nicht wieder an.“ Damit legte er auf.
    Kyra starrte auf den Telefonhörer in ihrer Hand, während Watson sie mit schief gelegten Kopf ansah. Was zur Hölle sollte das bedeuten? „Ich nehme das als ein 'Ja'“, murmelte sie, während sie den Hörer zurück auf die Gabel legte. Etwas sagte ihr, dass er nicht drangehen würde, wenn sie es direkt noch einmal versuchte.
    „Verdammt“, murmelte sie. Irgendetwas war hier absolut nicht in Ordnung. Irgendetwas… Vielleicht sollte sie doch Molly anrufen und den Fall der Polizei übergeben. Vielleicht… Doch würde man ihr glauben?
    Sie seufzte. „Lass uns rausgehen, Watson“, sagte sie und ging zur Tür, die Pfoten des Hundes hinter sich auf dem Parkett hörend. Vielleicht kam ihr an der frischen Luft noch eine gute Idee.


    http://imgur.com/Ak9Dinf.png


    ¹ Kyra ist auf diesen „seltsamen Mann“ schon einmal getroffen. Wie dieses Treffen abgelaufen ist, erfahrt ihr in der Pilotgeschichte:
    Der unsichtbare Freund“. Diese werde ich wahrscheinlich (zumindest die erste Hälfte) nächste Woche Freitag, 23.06., in meinem
    Shortstory Topic Pieces hier online stellen. Wer die Geschichte vorher lesen will, findet sie soweit auf Animexx. ;) Aktuell sogar
    auf der Startseite, da die Geschichte in den YUAL ist. Hier aber der Link.

  • OK, was haben wir denn da. Das erste Kapitel das in Richtung Fantasy geht.
    Der Anfang und das Ende beschäftigen sich noch mit dem Fall, während der Mittelteil etwas ruhiger ist und ein bisschen von ihrem Verhältnis zu ihrem Mitbewohner zeigt. So wirklich befreundet scheinen die mir ja nicht zu sein, dafür sah man dass sie auch mal nett zueinander sein können. Wäre denke ich auch zu altern geworden, wenn sie kein gutes Wort füreinander übrig gehabt hätten.


    Das mit den Mondzeiten hätte vielleicht einen stärkeren Eindruck gemacht, wäre da nicht der Kapiteltitel gewesen.
    Ich bin da etwas zwiegespalten, denn ich bin wirklich sofort darauf gekommen, als erwähnt wurde dass sie sich immer zur selben Zeit krank meldete. Andererseits weißt der Titel schon darauf hin und wenn man von vornherein weiß, dass Fantasy zu den Maingenres gehört, kann man es sich denke ich auch sofort zusammenreimen. Trotzdem wollte ich das mal noch erwähnen, weil ich es etwas schade fand.


    Also insgesamt kommt mir dieses Kapitel etwas länger vor, kann aber auch nur Einbildung sein.

    Sie wusste nicht, wer dieser Mann war. Kindermörder, einfach nur ein Perverser oder etwas ganz anderes. Sie wollte es auch gar nicht herausfinden. Selbst ihre eigentlich ausgeprägte Neugierde war still, was diesen Kerl anging – sie wusste genug: Er war seltsam, gruselig und irgendwie unnatürlich. Mehr musste sie nicht wissen, selbst wenn sie wusste, dass es irrational war.

    Hier flippt sie ja total aus. Findest du die Stelle nicht zu krass? Zumal er kein Kindermörder sein wird, wenn sie extra anmerkt, dass er sie zu verfolgen scheint.
    Ihr Verhalten an sich war vermutlich das sicherste was sie tun konnte, da er sie scheinbar zu stalken scheint, aber die Reaktion war schon ziemlich stark.
    Als sie dann Zuhause ist, scheint sie sich aber nicht mehr damit zu beschäftigen.

    „Nichts neues, aber ich arbeite dran“ Berichte zu schreiben, da diese immer mit dem unguten Gefühl einher gingen, den Fall eventuell zu verlieren.

    Kann mir sehr gut vorstellen, dass es unangenehm ist sowas immer wieder schreiben zu müssen. Manche Menschen bleibt anderen nicht gerne was schuldig und den Job möchte sie ja auch nicht verlieren.

    Nur an ein paar Stellen zeigten sie sich, beinahe so, als hätte jemand mehr schlecht als recht versucht, Tinas Handschrift zu imitieren.

    Das ist eine interessante Stelle. Ja, warum nicht einfach einen Text per Computer? Mir fallen da drei Dinge ein.
    Erstens, der "Mörder" hatte keinen Zugang zu einem Computer
    Zweitens, der Autor wollte, dass man den falschen Brief durchschaut
    Und drittens, man kann sicher sagen, dass es sich nicht um einen Profi handelt und vermutlich nicht um eine organisierte Gruppe, da die Handschrift sonnst deutlich besser gefälscht worden wäre.

    Krankenakten von Tina Wallace gesehen, doch auch wenn sie am Morgen eine Anfrage zur in den Schulunterlagen vermerkten Krankenkasse geschickt hatte, rechnete sie nicht damit in weniger als einer Woche eine Antwort zu bekommen, sofern diese keine Rückfrage für weitere Unterlagen war.

    Es wäre natürlich interessant gewesen zu wissen, ob sie bestimmte speziellere Medikamente nehmen würde. So käme man vielleicht auf gewisse Einkäufe und das wiederum ist eine Spur.

    Dann ging sie dazu über, die Einträge rauszufiltern, die davon handelten, dass Tina mit einem Mitschüler aneinander geraten war. Auch dies war nicht selten gewesen, wenngleich es tatsächlich nur selten mehr als einfache Streitereien gewesen waren. Nur zwei Mal war vermerkt, dass sie Handgreiflich geworden war.

    Was mir als Leser in den Sinn kommt ist, warum haben sie sich gestritten und was mich noch mehr interessiert, waren es verschiedene Schüler, oder immer die selben?

  • So, dann will ich auch mal was zu dem neuen Kapitel sagen.
    Zunächst einmal kam ich mir nach dem Lesen ein wenig wie ein Idiot vor, weil ich aus Versehen "Mordsüchtig" statt "Mondsüchtig" gelesen habe, lol. Und dann dachte ich natürlich, dass es in irgendeiner Weise ziemlich heftig wird, was sich dann nicht so ganz erfüllte. Als ich dann schließlich noch einmal auf den Titel schaute, konnte es natürlich nur eine Reaktion geben: :patsch:
    Ähm, ja. Vielleicht ist das mitunter ein Grund, warum mein eigenes Detektivbüro pleite ging. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den Fall des verschwundenen Mixers nie aufklären konnte.
    Jedenfalls, allmählich laufen wohl ein paar Fäden zusammen, was nicht verwundert, da Kyras Arbeit in diesem Kapitel wohl weniger darin besteht, diverse Leute zu besuchen als die bisherigen Informationen auszuwerten. Nun begegnet sie also beim Verlassen der Schule diesem merkwürdigen Kerl. Ich muss sagen, dass ich ein wenig verwundert war, wie sie direkt annimmt, dass der Typ ihr etwas Böses will, aber dafür gab's ja die Fußnote und nachdem ich die Pilotgeschichte auch gelesen hatte (die war übrigens auch echt gut geschrieben und vor allem sehr spannend), war das soweit okay für mich. Man braucht aber wohl schon diesen Kontext.
    Allerdings ist dieser merkwürdige Mann natürlich eine interessante Figur. Man weiß nicht viel, aber ... Groß, blass und wenn man seine Kleidung mal bedenkt ... Es kann natürlich Zufall oder halt nur dem Umstand geschuldet sein, dass der Kerl möglichst nicht erkannt werden will, aber wenn einer dauernd Mantel, Hut und Sonnenbrille trägt, dann drängt sich schon die Vermutung auf, dass diese Person irgendwie eine Abneigung gegen Sonnenlicht hat. Muss wie gesagt nicht sein und ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber auch wenn ich bedenke, dass seine Fortbewegungsart ebenso wie der Mann selbst als merkwürdig und unnatürlich beschrieben wurde, so scheint es nicht ganz unvernünftig, ihn nicht als einen (gewöhnlichen) Menschen zu betrachten und vielleicht denkt man auch in eine ganz konkrete Richtung, aber ... Ja. Vermutungen, Vermutungen ...
    Jedenfalls, nachdem sie dann schließlich doch noch heil zu Hause angekommen ist, folgt dann ein weiteres kleines Gespräch mit ihrem Mitbewohner, ähnlich dem Anfang von Kapitel 1. Es trägt zwar nicht wirklich was zu dem Fall bei, hilft aber sicher noch einmal, die beiden Charaktere und ihr Verhältnis zueinander mehr zu verstehen. Zusätzlich finde ich diese kleine Stelle ganz interessant:

    „Irgendetwas, womit ich helfen kann?“, bot er an, auch wenn sie wusste, dass es nur ein pro Forma Angebot war. Er hasste es durch Akten zu wühlen, sofern er nicht erwartete, Hinweise auf Geister oder Kryptiden in diesen zu finden.

    Zwar ist vorerst noch nicht damit zu rechnen, dass er ihr bei dem Fall helfen wird, aber in gewisser Weise wird hier das Fundament dafür gelegt, dass er es irgendwann tun könnte - nämlich wenn sich dann doch irgendwann herausstellt, dass magische Wesen bei der ganzen Sache eine Rolle spielen. Etwas Ähnliches wird ja später noch einmal angedeutet, als Kyra die Daten analysiert.
    Dann also ein kurzes Telefonat mit Rowe - war wohl zu erwarten, dass er sich noch einmal nach den Ergebnissen erkundigen möchte, auch wenn sie ihn per E-mail auf dem Laufenden hält.
    Anschließend dann also die Auswertung der bisherigen Dokumente und Informationen, wobei sich dann ja in Bezug auf den Brief an Mrs. Hemmington schon etwas ergibt, da die Handschrift nicht vollkommen mit der von Tina übereinstimmt, sie also diesen Brief nicht geschrieben zu haben scheint. Dabei wird natürlich die Frage aufgeworfen, warum sich dann die Person, welche den Brief geschrieben hat, sich überhaupt diese Mühe macht, also nicht einfach einen Brief ausdruckt und dann schlicht die Unterschrift fälscht. Mir persönlich würde da eine mögliche Erklärung einfallen und sie bezieht sich auf das, was Rowe über Tina gesagt hat, nämlich dass sie sich gegenseitig Briefe geschrieben haben und sie solche alten Sachen mochte. Dementsprechend hätte jemand, der einen Brief so verfassen will, wie sie es getan hätte, es für zu notwendig erachten können, ihn handschriftlich zu verfassen, weil es sonst möglicherweise auch bzw. mehr Verdacht erregt hätte. Und das wiederum würde dann darauf hindeuten, dass wer auch immer den Brief geschrieben hat, Tinas Angewohnheiten kannte, was aber, wenn diese anderen Personen von dem Foto dahinterstecken sollten, wofür es sicherlich Anhaltspunkte gibt, nichts wirklich Neues wäre, da diese sicher über sie Bescheid wussten. Es gibt noch ein paar andere Sachen, über die man hier spekulieren könnte - aber ich warte mal lieber ab, ehe ich zu vorschnell schlussfolgere.
    Weiter also. Ms. Turner ruft also an und gibt Kyra auch eine weitere Spur, der sie nachgehen kann bzw. eine Möglichkeit, die Freunde von Tina aufzuspüren. Ich muss sagen, hier war ich ein bisschen verwundert. Mit dem Gedächtnis ist es natürlich immer ein wenig schwierig, aber wenn mich jemand nach den Namen von einigen Personen gefragt und ich die hin und wieder - wenn eben auch selten - gesehen hätte, dann würde ich mich direkt daran erinnern, glaube ich. Also fand ich es ein wenig seltsam, dass ihr das erst später einfällt, auch wenn ich jetzt nicht sagen würde, dass mich das jetzt sonderlich gestört hätte.
    Jedenfalls, etwas vielleicht noch viel Wichtigeres fällt Kyra während des Telefonats selbst auf - ziemlich clever, wie sie das Muster bei den Fehlzeiten erkennt, auch wenn wir wohl alle diesen Gedanken schon hatten. Natürlich hat ein Leser aber auch mehr Informationen und so denkt Kyra eben an eine neoheidnische Religion, was von ihrem Standpunkt aus betrachtet auch verständlich ist.
    Und dann - es hat natürlich immer etwas auf fiese Art Doppeldeutiges, wenn man sagt, dass man das Ende besonders mochte, aber genauso war es hier eben, weil ich fand, dass der Anruf bei Tinas Vater (? - Ist ja noch nicht restlos bestätigt) dem Kapitel einen wunderbaren Abschluss mit schön geheimnisvoller Wirkung gab. Hat mir echt sehr gut gefallen.



    So ... Dann warte ich mal auf das neue Kapitel. ;)


    P.S.: Insbesondere auch nachdem ich die Pilotgeschichte gelesen habe, mag ich Watson mittlerweile echt gerne, zumal er auch ein gutes "Frühwarnsystem" ist.
    P.P.S.: Höre ich aus dieser Stelle

    Und dann war es Moriaty, dachte sie sich grimmig, zweifelte doch aber daran, dass ein fiktionaler Bösewicht, der über die Jahrzehnte hinweg von den vielen, vielen Verfilmungen zu etwas gemacht wurde, dass er nie gewesen war, etwas mit dem Verschwinden von Tina Wallace zu tun gehabt hatte.

    etwa einen leichten Hauch von Kritik heraus? Ach, da fällt mir gerade auf, da steht "Moriaty", nicht "Moriarty".
    P.P.P.S.: Ihr braucht übrigens nicht nervös zu sein, wenn die Detektivarbeit irgendwann weniger im Vordergrund steht. Ich bin mir sicher, ich werde mich damit anfreunden können. ;)

  • Huhu!


    Ich wollte ja schon lange mal was lesen, das du geschrieben hast, Alaiya. Aber irgendwie waren viele deiner Geschichten entweder Fanfictions oder sie haben einiges an Vorwissen benötigt oder es war Romance (was nicht unbedingt mein Genre ist ._.) und daher bin ich bisher nicht dazu gekommen. Umso mehr freut es mich, dass du A Hare Among Wolves jetzt hier veröffentlichst. Ich weiß ja schon durch deine Posts das ein oder andere über die Geschichte, daher fiel mir der Einstieg nicht schwer (ich bin schrecklich lesefaul, rip).


    Jetzt aber zum Schleier der Welt. Ihr habt es echt gut hinbekommen, mich für das Schicksal von Tina Wallace zu interessieren. Die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, lässt einen wirklich mitfiebern. Die Detektivarbeit von Kyra ist sehr relatable und detailliert. Man merkt, wie viel Recherchearbeit da hineingeflossen ist und das macht die Immersion sehr leicht. Die Charaktere sind super glaubwürdig und auch sympathisch. Sie wirken differenziert, mehrdimensional. Ich mag es, wie man das Gefühl bekommt, dass sich das Girl aus der Pathologie mit Kyra anfreunden will. Sie wirkt nicht einfach wie eine Zeugin mit der man redet und die dann vergessen wird. Die Beziehung zwischen Kyra und Jason, die irgendwie geschwisterlich wirkt. Die Beziehung zwischen Kyra und ihrem Hund. Ihr habt es wirklich gut hinbekommen, dass man sich schon nach Kurzem in das Leben von Kyra hineinversetzen kann und man ein wenig von der Buntheit darin erkennt und sich für die Charaktere interessiert. Man spürt die Dynamik in den Beziehungen schon nach kurzer Zeit.


    Etwas, das mich etwas gestört hat, waren die vielen Stolperstellen im Text in Form von Rechtschreib-, Tipp- und Ausdrucksfehlern. Alleine im ersten Kapitel sind da über 25. Das sind zu viele! Man wird jedes Mal kurz aus der Geschichte geworfen, wenn man einen davon sieht. Thrawn hat bereits einige von denen aufgelistet, deswegen verzichte ich jetzt mal darauf.


    So, jetzt möchte ich mal etwas auf Kyra zu sprechen kommen. Ich weiß nicht, was euer Ziel war, wie sie rüberkommen soll, wie sie wirken soll. Was für einen Eindruck man von ihr bekommen soll. Aber ich sage euch jetzt mal, wie sie auf mich wirkt. Ich finde sie total cute. Sooo cute. Es gibt für mich einfach etliche kleine Details, die sie süß wirken lassen. „Sonst wäre er wohl auch nicht hier, dachte sich Kyra und seufzte.“ Sie seufzt vor einem Klienten, der ihr gerade erklärt hat, dass der Facebook Account einer Freundin von ihm seit zwei Jahren inaktiv ist. Während sie sich kurz davor gedanklich darüber beschwert hat, dass ihr Hund sie manchmal unprofessionell wirken lässt. Uff!
    Später dann ärgert sie sich, dass Maria aus ihrem Tonfall ihre Stimmung herauslesen konnte. Und sie ärgert sich, dass sie keine spannenden Kriminalfälle untersuchen kann. Sie ist in ihrer Arbeit total gewissenhaft und wandert mit ihren Gedanken immer wieder ab. Auf mich wirkt das alles irgendwie niedlich, im positiven Sinn. Aber es hat natürlich auch Konsequenzen. In der Geschichte gibt es immer wieder Referenzen zu Sherlock Holmes. Sie hat keine überlegene, kühle, selbstbewusste oder geniale Aura, wie sie Holmes in vielen seiner Geschichten oder Adaptationen umgibt. Dementsprechend vergleicht man sie unterbewusst oder bewusst genau mit Holmes, und diesen Vergleich verliert sie. Ich gebe daher zu, dass sie auf mich nicht so super kompetent wirkt, obwohl sie bisher noch keinen großen Fehler gemacht hat. Sie ist nicht unbedingt leicht ernst zu nehmen, und die Tatsache, dass sie selber von sich sagt, dass auch die Polizei oder Molly sie vermutlich nicht ernst nehmen werden, wenn sie mit dem Fall an sie tritt, hilft da nicht unbedingt.
    Ich finde das gut, um ehrlich zu sein, da es sie menschlicher und sympathischer wirken lässt. Sie mag sie sehr gern. Ich kenne bisher keine Detektivgeschichten, in denen der Hauptcharakter so einen fast schon unsicheren Charakter hat. Beispielsweise, wie oft sie sich selbst zurückhalten muss, um nichts zu überstürzen, weil sie ständig annimmt, dass das Girl, das sie sucht, längst tot ist. Immerhin sagte ja schon Holmes selber „It is a capital mistake to theorize before one has data“, ein Ratschlag, den sie zwar zu befolgen versucht, dabei aber ziemlich eindrucksvoll versagt.
    Auch wie sie mit ihrem Auftraggeber gesprochen hat, nachdem sie schon ein paar Tage ermittelt hatte. Sie hatte Angst davor, den Auftrag zu verlieren, weil sie keine „Ergebnisse“ gefunden hatte. Und erklärt ihm dann komplett offen und umschweifend, dass sie nichts hat. Und entschuldigt sich dann sogar dafür. Ich glaube, so ein Verhalten ist so ziemlich die beste Methode, den Fall dann auch wirklich zu verlieren. Ich denke, besser wäre es, sich in so einem Gespräch auf die Zukunft zu konzentrieren: Was sind die Optionen, die noch verbleiben? Was hat sie in den nächsten Tagen vor? So kann man ein Update geben und das Gefühl des Vorankommens beim Klienten auslösen, ohne dass er dadurch enttäuscht ist. Dass sie stattdessen so deutlich macht, dass sie nix hat, und dann sich angreifbar macht indem sie sich entschuldigt, lässt sie wiederum menschlicher wirken, aber um ehrlich zu sein finde ich es nicht so verwundernswert, dass sie nicht sonderlich viele Aufträge bekommt.
    Auch dass sie bei Tina Wallace eher daran denkt, dass sie eine Werwölfin ist als daran, dass sie einfach unter besonders starken Menstruationsbeschwerden leidet, fand ich irgendwie endearing. Aber wo das zur Sprache kommt: Spätestens als Maria nochmal die gleiche Beschreibung zu Tina abgegeben hat wie der Klient, war irgendwie klar, dass es sich bei Tina um einen Werwolf handeln muss. Ich glaube, das ist sogar klar, wenn man nicht wirklich Hintergrundwissen zu eurer Geschichte hat. Das Problem ist, dass vor allem bei Detektivgeschichten das Interesse an kleinen Details verloren geht, sobald man sich als Leser relativ sicher ist, die Antwort für das Mysterium zu kennen. Unabhängig davon, ob Tina eine Werwölfin ist oder nicht, geht dadurch meiner Ansicht nach etwas an Spannung verloren. Falls jetzt im nächsten Kapitel aufgelöst werden sollte „Oh, sie ist eine Werwölfin“ oder falls andere Spannungsbögen hinzukommen, wäre das denke ich kein großes Problem, aber bei einer längeren Flaute würde ich das etwas schade finden. Eine Gegenmaßnahme wäre, einfach nicht ganz so überdeutlich mit den Hints zu sein. „Sie hatte zuerst wenig Freunde, weil sich viele von ihr eingeschüchtert gefühlt haben. Aber sie war nett, hilfsbereit, wenngleich oftmals etwas zurückhaltend. Und sie war oft krank. Sie hat alle paar Wochen gefehlt. Fast jeden Monat.“ Dieses „Fast jeden Monat“ könnte man beispielsweise einfach ersatzlos streichen. Es sei denn natürlich, ihr wollt dass man als Leser sofort vermutet, dass sie ein Werwolf ist.


    Ich freue mich jedenfalls darauf weiterzulesen. Ich frage mich, wie sich Kyra entwickeln wird. Ob sie so bleibt wie sie ist, ob sie eher badass oder gefühlskälter wird, ob sie vllt sogar noch mehr in Richtung cute gehen wird. Sie ist bisher mein Lieblingscharakter, weil sie irgendwie einfach echt wirkt und viel weniger abgehoben bzw unnatürlich als viele andere typische Detektive. Ich hoffe ja, dass Tina Wallace noch lebt und Kyra bald auf sie treffen wird. Ich denke mal auch, das wird ein Schlüssel zur Charakterisierung von Kyra sein. Wenn Tina nicht mehr lebt, dann hatte Kyra von Anfang an mit ihrer Vermutung bzw ihrem Gefühl recht, was sie bestärken wird, und das obwohl sie keine wirklichen Anhaltspunkte hatte, die das wirklich glaubhaft machten. Liegt sie mit ihrer Vermutung falsch, dann lässt sie das insgesamt wieder etwas weiter schwächeln. Beides fänd ich interessant und ich bin irgendwie gespannt darauf, was ihr daraus machen werdet. Insofern freue ich mich schon auf die nächsten Kapitel :D

  • Antwort


    Dieses Mal gibt es keinen extra Antwortpost, da zwei der drei Kommentare ohnehin einen Tag vor dem nchsten Kapitel reingekommen sind - und ich will hier nicht zu sehr spammen!


    Wieder aber erst einmal Danke an euch alle drei für die lieben Kommentare :3 Wir haben uns wieder sehr gefreut.


    Entschuldigt bitte, dass die Antworten eventuell etwas kürzer ausfallen. Ich liege gerade mit Fieber im Bett und mir geht es heute echt hundeelend :totumfall: Blöde Sommergrippe!


    Übrigens: Gibt es hier jemanden, der sich als Betaleser anbieten würde? Denn ja, wie @Thrawn & @Alice durchaus angemerkt haben: Ich kann gut jemanden gebrauchen, da ich einfach furchtbar schlecht darin bin, in meinen eigenen Texten (sofern sie nicht ein, zwei jahre alt sind) alle Fehler zu finden. Und da Seki, also mein Freund, es mit der Rechtschreibung auch nicht so hat... Leider hat von meinen klassischen Betalesern dank Arbeit und RL aktuell auch niemand Zeit. @.@


    Aber gut. Kurz zu den einzelnen Antworten.





    Soweit erst mal zu den Antworten @.@ Wie gesagt: Tut mir leid, dass die alles in allem nicht so ausführlich ausgefallen sind. Krank. X.x


    Vorwort


    Okay, dieses Kapitel mag mein Liebling unter den ersten 10 sein. Vor allem weil Sean seinen ersten Auftritt hat und ich ihn einfach mag. (Er ist übrigens einer der Charaktere, die größtenteils auf Sekis Kappe gehen). Hehe. Aber ja, ich mag das Kapitel.


    Davon abgesehen, als kleines Preview: Nächste Woche geht es dann langsam Richtung Wald. ;) Was sie da machen werden, sage ich aber nicht.


    Sean Wright


    Es war tatsächlich ein angenehmer Nachmittag. Zur Abwechselung einmal, dachte sich Kyra, da es beinahe das ganze Wochenende durchgehend geregnet hatte.
    Noch immer arbeitete sie an dem Fall, den sie von Thomas Rowe bekommen hatte. Sprich: Noch immer versuchte sie Tina Wallace zu finden. Dies bedeutete mittlerweile jedoch viel eher, dass sie versuchte, herauszufinden, wie und wann Tina Wallace gestorben war.
    Seit dem Anruf bei Benjamin Wallace war sie sich ziemlich sicher, dass Tina tot war. Ihr Vater verheimlichte irgendetwas – etwas, das ihn mit Bitterkeit gefüllt hatte. Sicher, an sich wäre es möglich, dass er verbittert war, da Tina sich entschieden hatte, mit ihrer Mutter zu leben, vielleicht auch weggelaufen war, aber das Bild, was sich hier ergab, sprach mehr und mehr für einen Todesfall.
    Zuerst einmal hatte Tina vermeintlich sämtliche Kontakte – dies hatten Kyra mittlerweile auch einige andere Klassenkameraden, die mit ihr in Kontakt gestanden hatten, bestätigt – von einem Tag auf den anderen vor knapp drei Jahren abgebrochen. Das an sich war schon seltsam. Niemand hatte eine Nachricht bekommen, die sagte, dass sie fort zog, dass sie erst einmal nicht mehr zu erreichen war oder dergleichen. Gar nichts. Was für einen Grund hätte sie gehabt, so zu handeln, wenn sie wirklich fortgezogen wäre? Selbst wenn sie irgendwohin gezogen war, wo es kaum oder keinen Zugriff aufs Internet hatte, wäre es doch normal gewesen, einen Posting wie „Werde für eine Weile ohne Internet sein, wundert euch nicht! Alles in Ordnung!“ auf Twitter oder Facebook zu posten, aber von allem, was Kyra gehört hatte, waren die Accounts nur von einem Tag auf den anderen deaktiviert worden.
    Dann war da die Sache mit der Wohnung. Der Brief war nicht von Tina geschrieben worden, auch da war sich Kyra sicher. Wer hätte einen Brief fälschen sollen und warum, wenn Tina einfach weggezogen war? Warum hatte sie ihn dann nicht selbst geschrieben?
    Das abweisende und ausweichende Verhalten des Vaters sprach ohnehin Bände. Wenn etwas passiert war, dann wusste er davon. Kyra wettete, dass er wusste, was mit ihr passiert war. Nur warum hatte er es nicht gemeldet? Hatte er etwas damit zu tun gehabt? Wurde er erpresst?
    Kyra hatte gehofft, vielleicht noch etwas über die Mutter herausfinden zu können. Doch Fehlanzeige. Sie hatte es mittlerweile geschafft, die Geburtsurkunde von Tina in die Finger zu bekommen – es war bürokratisch mehr als aufwendig gewesen – und dort einen Eintrag auf „Mutter: unbekannt“ gefunden. Unbekannte Mutter? Wie sollte so etwas verdammt noch mal möglich sein?
    Noch immer kämpfte sie mit sich selbst, ob sie den Fall nicht der Polizei übergeben sollte. Sie hatte mittlerweile genug Hinweise, als dass die Polizei anfangen sollte, zu ermitteln, oder?
    Diese Frage war, was sie aktuell am meisten an ihrer Situation hasste. Denn soweit hatte sie damit nichts zu tun gehabt. Immerhin: Wie oft kam es denn auch schon vor, dass man als Privatdetektiv plötzlich über einen eventuellen Mordfall stolperte? Zumindest ohne direkt dafür angestellt zu werden...
    Sicher, sie war über Drogengeschäfte, Einbrüche und Erpressungsversuche mehr oder weniger durch Zufall gestolpert, doch da war es eine einfache Sache gewesen. Sie hatte Fotos gemacht und diese waren später als Beweise genutzt worden.
    Hier war es allerdings anders. Sicher, viele Umstände waren verdächtig und der Brief war sicher ein Beweis dafür, dass irgendetwas nicht stimmte, doch als jemand, der Tina nicht gekannt hatte…
    Sie konnte nicht einmal sagen, ob es wirklich nur ihre Unsicherheit diesbezüglich war, die sie zurückhielt oder die Tatsache, dass sie ahnte, wie Molly reagieren würde. Selbst wenn sie es nicht über Molly meldete, sondern direkt zur Polizei ging, würde ihre Exfreundin sicher davon mitbekommen – und wahrscheinlich davon überzeugt sein, dass Kyra wieder irgendeiner Verschwörungstheorie erlegen war.
    Deswegen war sie auch an diesem Dienstag noch nicht bei der Polizei gewesen und saß nun stattdessen in ihrem Wagen, der auf der Straßenseite einer recht breiten Straße in Silverknowes im Südwesten von Edinburgh geparkt war.
    Von hier aus hatte sie den Eingang eines achtstöckigen Apartmenthauses bestens im Blick.
    Mit der Hilfe der Namen und dem Namen der Schule, die sie von Maria bekommen hatte, hatte sie es schließlich geschafft, die Identitäten von jenen anderen Freunden Tinas herauszufinden. Nun, abgesehen von diesem Matt, bei dem sie noch immer nicht wusste, auf welche Schule er gegangen war und daher noch immer im Dunkeln tappte. Matts und Matthews waren alles andere als selten in der Stadt.
    Doch sobald sie einmal bei der Forrester High gewesen war, war es erstaunlich einfach gewesen, zumal sie ja nichts hatte wissen wollen, als die Namen. So wusste sie nun, dass die drei, die die Forrester besucht hatten, Thia Bishop, Sean Wright und Alicia Turrell hießen. Zu Kyras Überraschung waren sie nicht einmal aus demselben Geburtsjahr. Alicia, die in Tinas Alter gewesen war, war ein Jahr älter gewesen als Thia, während Sean Wright zwei Jahre jünger war.
    Das Haus, dass sie nun beobachtete, war offenbar wo Sean Wright wohnte – zumindest wenn das Telefonbuch damit recht hatte. Ganz sicher war sie sich diesbezüglich nicht, da die Nummer, die unter seinem Namen eingetragen war, zu einer toten Leitung geführt hatte.
    Natürlich hätte sie auch einen der anderen drei versuchen können anzurufen, zumindest, wenn sie einen von ihnen im Telefonbuch gefunden hätte. Doch auch nachdem sie die Suche auf die nächsten größeren Städte und diverse Kleinstädte ausgeweitet hatte, hatte Kyra weder Alicia Turrell, noch Thia Bishop finden können, obwohl sie davon ausgehen musste, dass sie nicht zu weit vom Trossachs entfernt lebten, wenn sie regelmäßig dort waren. Bei diesem Matt fehlte ihr der volle Name und damit auch eine Möglichkeit seine Adresse ausfindig zu machen.
    Also blieb ihr nur Sean Wright.
    Zugegebener Maßen war sie nicht wirklich heiß darauf, mit diesem Typen aneinander zu geraten. Immerhin hatte sie am Vortag mit einigen der Lehrer gesprochen und zu sagen, dass er ein Problemkind gewesen war, drückte es wohl milde aus.
    Während sie keine schriftlichen Unterlagen gesehen hatte, so hatten ihr die Geschichten gereicht: Er war vom Alter von 13 Jahren beinahe regelmäßig mit Mitschülern aneinander geraten, hatte die ein oder andere Prügelei angefangen, war sogar zwei Mal mit der Polizei aneinander geraten – Kyra hatte sich bereits notiert, sich darum zu bemühen, Einsicht in sein Vorstrafenregister zu bekommen – hatte oftmals gefehlt, hatte, kaum dass er 16 gewesen war, abgebrochen und war für ein schlechtes Gemüt bekannt gewesen. Kurzum: Eine furchtbar sympathische Person.
    Diese Geschichten waren zugegebener Maßen auch der Grund, warum Kyra, auch wenn sie hätte klingeln können, lieber hier draußen im Auto saß und darauf wartete, dass er entweder nach Hause kam oder das Haus verließ. Sie wollte nicht unbedingt die Wohnung eines fremden, offenbar gewalttätigen Typen betreten, den sie zudem auch noch des Mordes verdächtigte, um ihn über die vermeintlich Ermordete auszufragen. Nein, danke! Da blieb sie lieber draußen, wo es mehr als genug Zeugen geben sollte, im Fall der Fälle.
    Sie wollte sich dahingehend auch nicht auf die Meinung von Mr. Collins, der ehemalige Klassenlehrer von Wright, verlassen, der ihr – nachdem sie Horrorgeschichten von drei anderen Lehrern gehört hatte – beteuert hatte, dass er davon überzeugt war, dass Wright nur unverstanden und unterfordert war. Ja, dass sagten sie gern über solche Problemkinder. Aber nein, da interessierte es sie nicht, wie gut und ausführlich Wright seine Hausaufgaben gemacht hatte, und dass seine Klausurenleistungen trotz der Fehlzeiten, denn auch die anderen drei hatten verdächtiger Weise oft gefehlt, gut gewesen waren. Jemand der gewalttätig mit anderen einander geriet hatte, wenn man sie fragte, sehr wahrscheinlich einen schlechten Charakter – zu wahrscheinlich, als dass sie dahingehend ein blindes Risiko eingehen wollte, nur weil ein gutmütiger alter Lehrer das meinte.
    So hatte sie nun schon knappe eineinhalb Stunden hier verbracht, in ihrem Auto und den Eingang im Blick behaltend, während Watson auf dem Beifahrersitz saß und interessiert vorbeikommenden Leuten nachsah. Er hatte schon den ein oder anderen Bellanfall bekommen, als ein anderer Hund vorbei gekommen war.
    Davon abgesehen war es jedoch ruhig gewesen.
    Die Sonne schien bereits den gesamten Nachmittag, was es im Auto auch ohne laufenden Motor angenehm warm, jedoch nicht zu heiß machte.
    Sie seufzte und fragte sich, mit einem kurzen Blick auf ihr Handy, ob Wright heute noch erscheinen würde. Bisher hatte sie nicht herausfinden können, was er beruflich machte, wäre bei allem, was sie von der Schule gehört hatte, nicht verwundert, wenn er arbeitslos wäre oder Drogen vertickte.
    Gelangweilt wandte sie sich kurz ihrem Hund zu. „Was meinst du, Watson: Werden wir Mr. Wright hier noch zu Gesicht bekommen?“
    Im Moment, in dem er merkte, dass ihm zumindest ein Teil ihrer Aufmerksamkeit galt, begann Watsons Schwanz zu wedeln. Er bellte laut.
    „Ja, langsam zweifle ich auch dran“, murmelte Kyra seufzend.
    Ein erneutes Bellen.
    Für einen Moment überlegte sie und sah noch einmal zur Uhr. Es war kurz nach Vier. „Was meinst du: Wir warten hier noch eine halbe Stunde und wenn wir dann nichts neues haben, machen wir erst mal einen Spaziergang?“
    Ein begeistertes Bellen war dieses Mal die Antwort. Das Wort „Spaziergang“ erkannte er tatsächlich.
    „Ja, das habe ich mir gedacht“, erwiderte sie, kraulte seine Schnauze und seufzte. Sie hatte viel zu viele, viel zu ausführliche Gespräche mit ihrem Hund. Verflucht, sie brauchte echt wieder mehr Freunde.
    Nach fünf weiteren Minuten legte sich Watson auf dem Beifahrersitz hin. Etwas, das verboten aussah, wenn man die Größe des Hundes bedachte. Dennoch schaffte er es irgendwie, dass alle Beine unter ihm waren.
    „Angeber“, murmelte Kyra und sah ihn an, ehe ihr Blick wieder zum Hauseingang wanderte.
    Sie hasste es vor einem Haus zu warten, wenn sie nicht wusste, ob die Person zu sehen sein würde und überhaupt in der Stadt war. Es gehörte zu ihrem Job, aber es war definitiv der langweiligste Teil davon – nun, einer der langweiligeren Teile.
    Sie war schon kurz davor den Spaziergang mit Watson vorzuziehen, als dieser plötzlich seine Ohren aufstellte und sich aufrichtete. Er sah ebenfalls aufmerksam zum Hauseingang hinüber, der sich einen Moment später öffnete.
    Mit hochgezogener Augenbraue sah Kyra zu Watson hinüber. „Kluger Junge“, lobte sie ihn, als sie eine Gestalt, die, wenn sie nach der recht breit gebauten Statur und den kurzen, dunkelblonden Haaren ging, sehr nach Wright aussah, selbst wenn Fotos von vor neun Jahren das beste waren, wonach sie gehen konnte. Nun, er sollte nicht so schwer zu erkennen sein.
    Sie öffnete die Fahrertür zu ihrer Rechten und stieg aus, um zu ihm hinüberzugehen, während er sich auf den Weg die Straße hinunter machte. Watson sprang hinter ihr aus dem Wagen, nur um nach ein paar Schritten wie angewurzelt stehen zu bleiben.
    Kyra warf ihm einen verwirrten Blick zu, als sie merkte, dass der Hund die Ohren angewinkelt hatte.
    Er entwickelte langsam eine ernstzunehmende Paranoia, schien ihr.
    Nun, wie sie Watson kannte, würde er ihr folgen, sobald sie nur weit genug entfernt war.
    Sie beschleunigte ihren Schritt, um mit dem jungen Mann aufzuschließen, der, die Hände in den Taschen einer Jeansjacke vergraben, wahrscheinlich auf dem Weg zu einem Supermarkt oder dergleichen war.
    „Mr. Wright?“, fragte sie mit erhobener Stimme.
    Er reagierte nicht, sondern schritt nur weiter voran.
    Kyra musste beinahe in ein widerwilliges Joggen verfallen, um mit ihm Schritt zu halten. „Mr. Wright“, wiederholte sie noch lauter. „Ich möchte mit Ihnen reden.“
    Der junge Mann drehte sich zu ihr um und sah sie mit funkelnden Augen an. „Was?“
    Es war eindeutig der Mann, den sie als Jungen auf dem Foto zusammen mit Rowe, Tina und Maria gesehen hatte. Er hatte dieselbe Narbe auf der Stirn, die lang genug war, um sofort ins Auge zu fallen, zumal er sich nicht bemühte, sie unter seinen Haaren, die er stattdessen in einem recht kurzen Igelschnitt trug, zu verstecken.
    Neben der Narbe waren es jedoch seine Augen, die die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein wütendes, kaltes Glänzen lag in diesen, als er sie musterte.
    „Mein Name ist Kyra Hare“, erwiderte sie mit fester Stimme. Sie sah ihn an, doch etwas – ein Instinkt mehr, als ein richtiger Gedanke – in ihr sagte, dass es besser war, sich umzudrehen und zu gehen. „Ich bin Privatdetektivin und ich bin…“
    „Privatdetektivin, eh?“, unterbrach er sie und musterte sie kühl.
    Sie fühlte sich, wie ein Reh im Licht eines Scheinwerfers. Für einen Moment hatte sie das Gefühl ganz an Ort und Stelle zu gefrieren.
    „Und was will eine Privatdetektivin von mir?“ Da war etwas gefährliches an ihm.
    Es brauchte einige Willenskraft, um seinem Blick stand zu halten, doch am Ende schaffte sie es. „Das wollte ich gerade sagen“, presste sie hervor. „Ich bin auf der Suche nach Tina Wallace.“
    Etwas flackerte in seinem Blick auf, verschwand jedoch schnell. Er sagte nichts, sah sie nur an.
    „Ich weiß, dass Sie in Ihrer Schulzeit mit ihr befreundet waren“, fuhr Kyra fort.
    „Das war vor mehr als sieben Jahren“, erwiderte er, seine Stimme tief, doch unsicher. Er log. Nicht, dass sie es nicht auch so gewusst hätte.
    „Vor drei Jahren haben Sie mit Thia Bishop und einem 'Matt' die Wohnung und den Laden von Tina Wallace ausgeräumt, als diese fortgezogen ist“, fuhr Kyra fort, auch wenn sie diese Version noch immer nicht glaubte. Sie wollte es aussehen lassen, als ob sie diese Version glaubte, nur um zu sehen, ob er sich in seiner Aussage widersprach.
    „Und?“, fragte er kühl.
    „Ich möchte wissen, wohin sie gezogen ist“, erwiderte Kyra. „Mehr nicht.“
    „Sie ist zu ihrer Mutter gezogen“, antwortete er, doch erneut mit jenem Ton in der Stimme, der eher klang, als wäre diese Aussage einstudiert. Zumindest klang er anders als zuvor. Das Funkeln in seinen Augen wurde jedoch deutlicher, seine Aura gefährlicher.
    Ein Teil von Kyra begann ihre Chancen zu berechnen. Er war gute eineinhalb Kopf größer und definitiv kräftiger als sie. Watson, der sich hinter einem der geparkten Wagen versteckt hatte, wenngleich Hinterteil und Schwanz noch immer zu sehen waren, würde ihr wahrscheinlich keine Hilfe sein. „Und wo ist das?“
    „Skandinavien“, sagte er. „Keine Ahnung. Schweden, Norwegen, was weiß ich? Habe ewig nichts mehr von ihr gehört, okay?“ Er wandte sich halb zum gehen. „Also frag jemand anderen, ja?“ Er drehte sich um. Für ihn war das Gespräch gelaufen, doch so einfach gab Kyra nicht auf.
    „Was ist mit ihrer Mutter?“, fragte sie. „Ihr Name?“
    Er ging weiter, wandte ihr aber noch einmal den Kopf zu, dieses Mal mit einem deutlichen, beinahe animalischen Knurren in der Stimme. Eine Warnung? „Weiß ich nicht“, erwiderte er. „Kennst du die Namen der Eltern von Schulfreunden, von denen du seit drei Jahren nichts mehr gehört hast?“
    Was Kyra am meisten hasste, war, dass sie ohne Polizeiunterstützung keinerlei Möglichkeiten hatte, ihn aufzuhalten und zu einer Aussage zu zwingen. Sie wusste, dass es besser war, ihn gehen zu lassen. Wenn sie falsch lag, hatte er Recht und wusste wirklich nicht mehr. Wenn sie richtig lag, dann war er gefährlich und sie sollte sich nicht so offen mit ihm anlegen. Verflucht, wenn sie das Funkeln in seinen Augen sah, war sie schon verdammt nahe daran ihn über seine Grenze zu stoßen, und dann?
    Sie war auf offener Straße, aber wenn sie Pech hatte, brachte ihr das auch nichts, sollte er auf sie losgehen.
    Wäre sie vernünftig gewesen, hätte sie sich abgewandt. Wäre sie vernünftig gewesen, hätte sie wohl versucht, nach Thia Bishop zu suchen und Wright in Ruhe gelassen. Vielleicht war sie auch vernünftig, doch nicht so sehr, wie dass sie dickköpfig war.
    „Wissen Sie, was ich glaube, Mr. Wright?“, fragte sie und setzte ihm mit einigen langen Schritten nach.
    Er wandte sich erneut zu ihr um, jedoch erneut ohne Worte.
    Sie wusste, dass sie das, was sie nun tat, nicht machen sollte. „Ich glaube, Tina Wallace ist tot“, sagte sie und bemühte sich, sich nichts von ihrer langsam aufkommenden Angst anmerken zu lassen. „Ich glaube, Tina Wallace ist vor drei Jahren gestorben und sie und ihre Freunde haben etwas mit ihrem Tod zu tun!“
    Für einen Moment glaubte sie, ein echtes Knurren zu hören, als er sich mit einer flüssigen Bewegung zu ihr herumfuhr und sie beim Kragen ihres Mantels packte. „Hör mir zu, Spürnase“, zischte er. „Du mischt dich in Dinge ein, die dich nichts angehen, okay?“ Er packte ihren Kragen fester und sie konnte die Kraft in seinem Arm spüren. Der Typ war stark.
    Watson kam aus seinem Versteck hervorgesprungen und näherte sich ihnen zumindest auf gut drei Meter, laut kläffend und knurrend.
    „Wir sind auf offener Straße, Mr. Wright“, erwiderte sie laut, in der Hoffnung, dass es jemand auf sie aufmerksam wurde. „Wenn Sie mir jetzt etwas tun, wird Sie das in Probleme bringen.“
    Er funkelte sie nur weiter an, ließ sie dann aber los. „Halt dich da raus“, sagte er stattdessen nur langsam. „Und lass mich verflucht noch mal in Ruhe.“ Damit wandte er sich ab und ging weiter, während Kyra für einen Moment nichts hervor brachte.
    Ihr Herz raste. Ja, für einen kurzen Augenblick hatte sie tatsächlich Angst gehabt, dass er ihr etwas tun würde. Verflucht, der Typ war wirklich gefährlich – da war sie sich sicher.
    Als er etwa zehn Meter entfernt war, hörte Watson auf zu knurren und kam stattdessen zu Kyra hinüber, um mit einem leisen Winseln seine Schnauze gegen ihre Hand zu drücken.
    Sie wusste genau, was er ihr sagen wollte und wahrscheinlich hatte er Recht.
    Sie sollte sich wirklich an die Polizei wenden. Zur Hölle, „Dinge, die dich nichts angehen“ war wohl das klischeehafteste Verbrechersprech für „etwas Kriminelles“, das ihr so einfiel. Er hatte praktisch gerade zugegeben, dass hier etwas Illegales vor sich ging.


  • Denn ja, wie @Thrawn & @Alice durchaus angemerkt haben: Ich kann gut jemanden gebrauchen, da ich einfach furchtbar schlecht darin bin, in meinen eigenen Texten (sofern sie nicht ein, zwei jahre alt sind) alle Fehler zu finden. Und da Seki, also mein Freund, es mit der Rechtschreibung auch nicht so hat... Leider

    Haha, ich würde dir bei dem Problem ja genauso aushelfen, aber ich glaube ich bin noch schlimmer als dein Freund.
    Die ganzen Fehler da oben habe ich total übersehen.

    ist übrigens einer der Charaktere, die größtenteils auf Sekis Kappe gehen

    Der Charakter baut ziemlich viel Druck auf, er hat etwas aufwühlendes und übt eine sehr starke Körpersprache aus.
    Passend, wenn man daran denkt, dass Tiere stärker mit dem Körper agieren. Es ist auf jeden Fall interessant zu wissen, welche Charaktere auf wessen Kappe gehen. So kann man versuchen ein bisschen zu beobachten wie sie sich stilistisch unterscheiden.

    Dies bedeutete mittlerweile jedoch viel eher, dass sie versuchte, herauszufinden, wie und wann Tina Wallace gestorben war.

    Ich bin mir wirklich nicht sicher damit, aber ich glaube das Komma zwischen dem versuchte und dem herauszufinden ist unnötig.

    würde ihre Exfreundin sicher davon mitbekommen – und wahrscheinlich davon überzeugt sein, dass Kyra wieder irgendeiner Verschwörungstheorie erlegen war.

    Die erste Erwähnung der Exfreundin. Also ist sie bei der Polizei? Demnach haben sie sich wohl bei der Arbeit kennen gelernt, passiert laut Statistiken ja immerhin sehr oft. Freue mich sie später zu sehen. Laut den letzten Sätzen könnte Hare als nächstes ins Polizeirevier gehen und dann hätten wir vielleicht schon die Gelegenheit dazu sie kennenzulernen.

    Sie hatte viel zu viele, viel zu ausführliche Gespräche mit ihrem Hund. Verflucht, sie brauchte echt wieder mehr Freunde.

    Das war eine sehr witzige Stelle, gefiel mir. Der Hund steht wirklich gerade sehr stark im Vordergrund.

    Zur Hölle, „Dinge, die dich nichts angehen“ war wohl das klischeehafteste Verbrechersprech für „etwas Kriminelles“, das ihr so einfiel. Er hatte praktisch gerade zugegeben, dass hier etwas Illegales vor sich ging.

    Sie weiß was der Leser denkt. Hättest dus nicht erwähnt, hätte mich seine Ausdrucksweise etwas gestört.
    Vielleicht solltest du auch schreiben "es geht sie nichts an", denn vorhin hatte er "dich" gesagt.

  • Also zunächst mal gute Besserung, Alaiya. :x Ich hoffe du erholst dich schnell wieder!

    Und mir persönlich kam es auch zu sneaky vor, ansonsten auf einmal später einen Werwolf aus dem Hut zu zaubern, ohne vorher effektiv darauf hin zu weisen.

    Ja, es geht auch nicht unbedingt darum, keine Hinweise zu geben. Eher, dass man die Hinweise, die man gibt, etwas vertuscht, sodass es nicht komplett nach Werwolf schreit. Ihr gebt ja schon Foreshadowing was Werwölfe angeht durch Jason. Ich verstehe natürlich das Dilemma: Es ist problematisch, wenn die ersten paar Kapitel eine Detektivgeschichte versprechen und die Lösung für das Mysterium dann ein Werwolf ist, auf den der Leser nicht hätte kommen können. Das könnte man eventuell durch Lampshade Hanging etwas abgeschwächt werden, dass sie sich vielleicht später, wenn sie es rausfindet, selber ärgert und sagt "wie hätte man das rausfinden sollen?" oder so. Eine andere Variante wäre, dass man im Prolog oder im ersten Kapitel etwas klar Übernatürliches zeigt. Beispiel: Sie geht betrunken nach Hause, sieht eine Fee. Sie schiebt es am nächsten Morgen auf den Alkohol oder kann sich nicht mehr daran erinnern. Oder man schreibt einen Prolog mit komplett anderen Charakteren, die später vllt mal wichtig sind, und da passiert dann was übernatürliches oder so. So weiß man als Konsument, worauf man sich einstellen kann und es wirkt nicht mehr so Random, wenn am ende ein (gut geforeshadowter) Werwolf des Rätsels Lösung ist. Das sind jetzt nur ein paar random Gedanken zu dem Thema.


    Zum neuen Kapitel:
    Arme Kyra, lol. Und uff, wie useless Watson an der Stelle ist XD Kann mir aber schon vorstellen, dass man als Hund nicht so viel Lust hat sich mit nem Werwolf anzulegen, die sind von der Theorie her ja mindestens schonmal eine Klasse gefährlicher. Soso, Molly ist also ihre Ex-Freundin. Jetzt ergibt es auf einmal Sinn, wieso sie so lange gezögert hat, sich an die Polizei zu wenden (ich hatte die kurzen Charakterbeschreibungen bis eben nicht gelesen).
    Je mehr ich von Kyras Arbeit lese, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass Detektivarbeit nichts für mich wäre. So einfach auf der Straße fremde Leute konfrontieren ist eine Sache, die ich mich niemals trauen würde, lol. Ich kann auch verstehen, wieso sie so viel Angst hatte. Allerdings bin ich mir in gewisser Weise unsicher, was die Schilderung der Gedanken von Kyra in der Szene angeht, kurz bevor sie Wright anspricht bzw auch während des Gesprächs. Es wirkt so, als würde sie minutiös abklappern, was er alles tun könnte, versuchen, sich auf jede Kleinigkeit vorzubereiten, halt einen "Plan" für alles zu entwickeln. Ich denke mal, wenn ich jemandem Gegenüber stehe, den ich für einen Mörder halte und der ein gutes Stück größer und stärker ist als ich, und ich ihn mit solchen Dingen konfrontiere, dann würde mir vor allem Adrenalin durch den Kopf rauschen. Ich denke nicht, dass ich so genau im Detail darüber nachdenke, wo mein Hund ist, wie hoch die Chance ist dass er mir hilft, versuchen zu berechnen wie groß die Chance ist dass mich der andere Typ angreift usw … ich würde, denke ich, einfach Angst haben und versuchen mich darauf zu konzentrieren einfach die nötigen Worte rauszubringen.
    Ich bin nicht weiblich und mir ist klar, dass die Dynamik zwischen einem Typen, der doppelt so groß ist wie ein Girl nochmal eine ganz andere ist. Insofern will ich nichtmal direkt sagen, dass es unrealistisch ist, dass sie so detailliert darüber nachdenkt. Aber ein anderer Aspekt ist die Sprache: Ihr verwendet so einige Sätze damit auf, die Situation genau detailliert zu beschreiben, was imo etwas die Dynamik rausnimmt. Ich denke, wenn ihr das etwas simpler macht, in prägnanten Sätzen, die daraufhin mehr emphasis auf den Dialog ziehen, würde mehr Spannung aufkommen.
    Als Beispiel:
    Ein Teil von Kyra begann ihre Chancen zu berechnen. Er war gute eineinhalb Kopf größer und definitiv kräftiger als sie. Watson, der sich hinter einem der geparkten Wagen versteckt hatte, wenngleich Hinterteil und Schwanz noch immer zu sehen waren, würde ihr wahrscheinlich keine Hilfe sein. „Und wo ist das?“
    Dass sie ihre Chancen berechnet, steckt im Prinzip schon im nachfolgenden Satz drin, muss daher nicht erwähnt werden. Betont eben einfach, dass er besonders groß ist. „Der Mann bäumte sich vor ihr auf. Kyra bekam ein mulmiges Gefühl.“ Dieses mulmige Gefühl hat der Leser dann auch. Dazu sagen, wie groß er ist, verstärkt das dann. Anstelle zu beschreiben, was Watson tut, kann man schreiben, dass sich Kyra vergeblich hilfesuchend nach ihm umsieht. Je nachdem, ob ihr wollt, dass Kyra auch nach außen hin ängstlich wird, könnte man sie vor ihrem Satz „Und wo ist das?“ nochmal schlucken lassen. Oder anmerken, dass sie eine belegte Stimme hat, vielleicht „belegter als ihr lieb war“. Ich habe das jedenfalls oft, dass ich merke, dass meine Stimme unsicher wird, obwohl ich eigentlich standhaft sein möchte. Vielleicht schaut sie sich auch nach den anderen Menschen in der Straße um und erkennt, dass keiner von denen Notiz von ihr nimmt.
    Naja jedenfalls, worauf ich hinaus will: In solchen Szenen, die wirklich spannend sein soll, hilft es denke ich, die Gedanken und Berechnungen etwas auszulassen und stattdessen sich auf die physischen und psychischen Reaktionen zu berufen, die man in Angstsituationen hat.


    Nun mal etwas Spekulation von meiner Seite was Tina Wallace angeht. Aus den bisherigen Informationen vermute ich mal folgendes über ihren Verbleib:

    • Sie war eine Werwölfin und hatte einige befreundete Werwölfe. Sie war krank.
    • Irgendwann unterlag sie der Krankheit (oder starb an einem Unfall).
    • Ihr toter Werwolf-Körper sollte nicht in die Hände eines menschlichen Mediziners gelangen, damit die Unterwelt nicht auffliegt.
    • Ihre Werwolf-Familie und Werwolf-Freunde verschleiern daher ihren Tod und tun so, als sei sie weggezogen.

    Falls ich nichts wichtiges übersehen habe, ergibt denke ich dieser Ablauf den meisten Sinn bzw hat die höchste Wahrscheinlichkeit. Dass die drei eine Werwölfin getötet haben, mit der sie befreundet waren, und Wright und co. somit wirklich Mörder sind, ist zwar theoretisch möglich, aber unwahrscheinlicher, als dass sie einfach eines natürlichen Todes bzw durch einen Unfall gestorben ist. Auch ergibt die Reaktion des Vaters bei dieser Auslegung Sinn: Er hat seine Tochter durch eine Krankheit verloren und ist traurig deswegen. Dann ruft eine Privatdetektivin an, die zu den Menschen gehört und von Werwölfen nichts wissen darf. Es gibt in der Situation wirklich nicht den geringsten Grund, mit ihr zu reden.
    Aus diesem Standpunkt heraus wirkt Wright auf mich einfach nicht böse. Er ist ein Werwolf, der ein Menschenleben lebt und versucht unterzutauchen, der eine Freundin verloren hat. Daher finde ich ihn mit dem Wissen, das ich bisher habe, einfach nicht unbedingt bedrohlich. Daher kann ich zwar nachvollziehen, wieso Kyra Angst vor ihm hat, weil aus ihrer Perspektive ein Mord tatsächlich wesentlich wahrscheinlicher ist, habe aber selbst beim Lesen nicht das Gefühl gehabt, dass da eventuell gleich was schlimmes passiert. Ich will darauf hinaus, dass das wieder eine Stelle ist, wo man als Leser etwas weniger das Gefühl von Spannung hat, als man haben würde, wenn man nicht wüsste, dass es sich um Werwölfe handelt. Vielleicht sehe das ja auch nur ich so, aber so ging es mir jedenfalls hier beim Lesen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt befürchtet, dass Kyra jetzt wirklich was schlimmes passieren könnte.
    Vergleicht man das mit der letzten spannenden Szene mit diesem Creep, vor dem sie weggefahren ist, war das ganz anders. Da habe ich wirklich mitgefiebert und war sehr gespannt. Ich habe die Prequel-Story nicht gelesen, aber dieses Unbekannte und Gefährliche, was der Typ da an sich hatte, hat echt Spannung erzeugt.
    Ich will mal ein Beispiel geben, wie diese Spannung auch bei dem Treffen mit Wright hätte aufkommen können. Ich weiß, dass das bestimmt so gar nicht in eure Geschichte passen wird, es geht mir nur darum, den Sachverhalt zu verdeutlichen. Nehmen wir an, ich habe Recht, und Wright und Tina und ihr Vater sind Werwölfe. Kyra ruft den Vater an, stellt sich vor, er weiß daher dass sie Privatdetektivin ist und wie sie heißt. Er macht sich sorgen, dass sie etwas rausfindet, meldet sich also bei Wright, der in der Nähe wohnt, er solle sie doch bitte ausfindig machen und ihr auf den Zahn fühlen.
    Daraufhin begibt er sich zu einer späten oder frühen Stunde direkt zu Kyra nach Hause. Sie ist allein. Sie macht ihm auf, hat natürlich den Verdacht, dass er ein Mörder ist, aber was soll sie in der Situation machen? Sie ist neugierig, und wenn jemand, den sie vergeblich gesucht hat, plötzlich bei ihr aufkreuzt, will sie zumindest wissen, was es auf sich hat. Also lässt sie ihn rein. Watson verzieht sich sofort in ein anderes Zimmer und fängt an ängstlich zu jaulen. Kyra bekommt ein mulmiges Gefühl, aber jetzt ist es zu spät. Wright wirkt interessiert an ihren Ermittlungen und will helfen, aber auf eine Weise, die beim Leser und bei Kyra den Eindruck erweckt, als wäre es nur Scharade. Der Leser vermutet, dass er ein Werwolf ist. Die Dynamik in der Szene wäre dann eine völlig andere und man wäre als Leser, der vermutet, dass es sich um einen Werwolf hatte, nicht weniger besorgt um Kyra sondern eher noch viel mehr um sie besorgt - vllt sogar nach dem Motto, dass sie die wahre Gefahr, in der sie sich befindet, gar nicht kennt.
    Wie gesagt, das passt vermutlich nicht in eure Geschichte, ich wollte nur ein Beispiel bringen, wie man Spannung extra für Leser erzeugen kann, die vielleicht mehr wissen als der Hauptcharakter selbst.


    Oh man, ich will echt wissen, was mit Tina passsiert ist. Ich frage mich ja, ob ihr dieses Problem nur als Einstieg nehmt, der Kyra in die Welt des Verborgenen bringen soll, oder ob sich der Fall Tina tatsächlich als Hauptspannungsbogen durch die gesamte Geschichte ziehen soll. So bisschen wie in Harry Potter, wo Voldemort schon am Anfang vorkam und erst am Ende besiegt wurde. Oder ob ihr halt dann einen neuen Handlungsbogen einführt, sobald Tina gefunden wurde bzw ihr Schicksal aufgeklärt ist. Interessant wäre es natürlich, wenn Tinas Verbleib selbst in ihrem Werwolf-Umfeld ein Mysterium ist und Kyra da reinrutscht. Mich erinnert das ganze mittlerweile so ein bisschen an Rachel Amber aus dem Spiel Life is Strange. Solche Geschichten haben echt was fesselndes an sich. :D

  • Antwort



    Ich bin mal so frei und antworte heute schon, damit ihr nicht bis Mittwoch warten müsst (und weil ich wahrscheinlich Mittwoch dafür nicht so viel Zeit haben werde) :)


    Also ja. Wie immer einmal DANKE @Sunaki und @Alice


    Dann zu den Antworten im einzelnen :3


    __________________________________

    @Sunaki:


    Ja, Sean ist sehr körperlich, wenn es auf Konfrontationen geht. Daher zieht er Probleme beinahe auch magisch an *seufz*


    Es ist auf jeden Fall interessant zu wissen, welche Charaktere auf wessen Kappe gehen. So kann man versuchen ein bisschen zu beobachten wie sie sich stilistisch unterscheiden.

    Die komplette Liste, der soweit erschienenen Charaktere wäre:

    • Kyra (meine)
    • Jason (meiner)
    • Watson (geteilt)
    • Maria (Seki)
    • Sean (Seki)

    Die meisten kleinen Nebenrollen macht auch er, wenn wir die Dialoge planen. Außer Polizei, die meistens dann doch ich mache. :3


    Die erste Erwähnung der Exfreundin. Also ist sie bei der Polizei? Demnach haben sie sich wohl bei der Arbeit kennen gelernt, passiert laut Statistiken ja immerhin sehr oft.

    Ja und ja.
    Also Ja, sie ist Polizistin, und Ja, sie hat Kyra so kennen gelernt. Über die Geschichte wird es irgendwann auch noch eine kürzere Story geben. Mal schauen :3



    Der Hund steht wirklich gerade sehr stark im Vordergrund.

    Ja :3 Weil Watson der beste ist!
    *will ein Berner Sennen Emoji*



    Vielleicht solltest du auch schreiben "es geht sie nichts an", denn vorhin hatte er "dich" gesagt.

    Ups. Danke :3
    Das liegt daran, dass wir die Dialoge auf Englisch vorschreiben (da die Charaktere ja Briten sind) und wenn ich die Geschichte ausschreibe auf Englisch übersetze. Ich ärgere mich da an ein paar Stellen mit dem "Du" und "Sie" rum, da sich das "Du" an ein paar stellen besser anfühlt, man im deutschen aber sicherlich "Sie" sagen würde. @.@
    Warum muss das die deutsche Sprache so kompliziert machen?! :(



    ____________________________________


    Ja, es geht auch nicht unbedingt darum, keine Hinweise zu geben. Eher, dass man die Hinweise, die man gibt, etwas vertuscht, sodass es nicht komplett nach Werwolf schreit.

    Persönlich muss ich sagen: Ja, ich glaube ich werde den Dialog mit Maria an der Stelle (also einmal im Monat) überarbeiten. Allerdings würde ich wohl dennoch dabei bleiben, die Sachen mit den Klassenbüchern drin zu lassen, da es einfach logisch gesehen Sinn macht, dass Kyra diese Information findet.


    Der Fokus wechselt ohnehin bald - selbst wenn Kyra (so viel sag ich mal) noch eine Weile braucht, um ernsthaft die Verbindung herzustellen.


    Was die Sache mit dem Prolog angeht: In rein literarischen Medien finde ich ja, dass so etwas nicht wirklich funktioniert. Also ich kenne zwar ein paar Beispiele, wo man so etwas hatte (also einen offenen magischen Prolog oder ein Prolog, wo man schon etwas von der späteren Action sieht durch Charaktere, die vielleicht, vielleicht auch nicht später noch vorkommen), wo es mir gefallen hat. In Filmen, Serien oder auch Manga, wo man visuell das ganze kommunizieren kann, finde ich es durchaus angenehm, aber in Büchern gefällt es mir persönlich einfach nicht, weshalb ich das auch selbst nicht, bzw. nicht mehr (in meiner Jugend hatte ich so ein paar Beispiele) machen werde. @.@




    Kann mir aber schon vorstellen, dass man als Hund nicht so viel Lust hat sich mit nem Werwolf anzulegen, die sind von der Theorie her ja mindestens schonmal eine Klasse gefährlicher.

    Man solle sich mal vorstellen, wenn Watson reden könnte. Der hat aktuell mehr Ahnung, was los ist, als Kyra...




    Soso, Molly ist also ihre Ex-Freundin. Jetzt ergibt es auf einmal Sinn, wieso sie so lange gezögert hat, sich an die Polizei zu wenden

    Jap. Und ihr werdet später auch noch sehen, was das Problem zwischen den beiden ist...




    Allerdings bin ich mir in gewisser Weise unsicher, was die Schilderung der Gedanken von Kyra in der Szene angeht, kurz bevor sie Wright anspricht bzw auch während des Gesprächs. Es wirkt so, als würde sie minutiös abklappern, was er alles tun könnte, versuchen, sich auf jede Kleinigkeit vorzubereiten, halt einen "Plan" für alles zu entwickeln.

    Das kann ich vielleicht ganz gut erklären. Also was ich mir dabei gedacht habe: Kyra versucht zu rationalisieren, um nicht in Panik zu verfallen. Sprich, es ist ihre Art mit Panik umzugehen (oder zumindest versucht sie das), dass sie sich versucht mit rationalen Überlegungen über die Situation abzulenken. Daher denkt sie halt über all diese Dinge nach, da sie sonst wahrscheinlich nach den ersten paar Worten weggerannt wäre. :P





    Wir sagen es einfach mal so: Du liegst bei einigen Punkten sehr richtigen, bei einigen komplett daneben. Was sagen wir natürlich nicht. Fufufufufu~ (Okay, Manga-Lach-Lautmalerei sehen in festlicher Schrift ausgeschrieben komisch aus.)


    Übrigens: Wright ist tatsächlich gar nicht mal so ungefährlich. Weil er ein gewisses... Problem hat.


    Man, es ist schwer auf einige Sachen zu antworten, ohne viel zu verraten. @.@



    Daher... Ähm, sind wir dann an dieser Stelle auch erst einmal ruhig. Danke noch einmal für den Kommentar. Nimm uns die kurze Antwort nicht krumm, ja? Wollen nicht zu viel verraten xD

  • So, bevor dann wohl das neue Kapitel kommt, will ich mal was dazu sagen. Da ich übrigens gelesen habe, dass du morgen nicht so viel Zeit hast, musst du dich bitte nicht verpflichtet fühlen, zwangsläufig morgen zu antworten.
    Jedenfalls, die Entwicklung des Falls geht weiter voran. Nachdem ja das Telefongespräch mit dem Vater wenig gebracht hat, sucht Kyra die Konfrontation mit einer der anderen Personen, die vielleicht mehr wissen. Okay, vielleicht sucht sie erst einmal noch nicht die Konfrontation, aber die lässt sich schließlich nicht vermeiden. Dass etwas faul an der ganzen Sache ist, dürfte wohl nun endgültig klar sein, wenn man die heftige Reaktion bedenkt und sich auf Kyras Einschätzung verlassen kann, nach der die ganze Geschichte auswendig gelernt klingt. Ich bin echt ziemlich gespannt darauf, wie sie angesichts des doch leicht ernüchternden Ergebnisses nun weitermacht. Sie könnte sich natürlich an die Polizei wenden, da mittlerweile wie gesagt schon Einiges dafür spricht, dass etwas nicht stimmt. Aber wenn sie das nicht tut oder aber damit keinen Erfolg hat, könnte sie ja immer noch auf eigene Faust weiter ermitteln. Es wäre dann möglich, dass sie vielleicht doch noch die anderen ausfindig macht - sie hat da ja noch den Hinweis von Maria, welche die fraglichen Personen öfter gesehen hat - und sich dann an diese wendet, allerdings ist wohl nicht unbedingt damit zu rechnen, dass diese offener mit ihr reden würden, wenn alle mit drin hängen. Sie könnte natürlich auch Sean dauerhaft beobachten, allerdings kennt er sie ja jetzt und ist quasi gewarnt, somit wäre das etwas riskant.
    Aber dennoch bin ich neugierig, was am Ende herauskommen wird. Gut, offenbar soll irgendetwas vertuscht werden - Tinas Vater wollte nichts erzählen und Sean tischt eine anscheinend auswendig gelernte Geschichte auf. Die Frage stellt sich dabei aber schon, ob diese Vertuschung wirklich das vollkommen eigenständige Werk der mutmaßlich Beteiligten ist. Ich gebe zu, dass ich hier natürlich ein wenig im Blick habe, was du an anderer Stelle geschrieben hast: Dass generell die Existenz bestimmter Wesen in dieser Welt in großem Stil verheimlicht wird. Da könnte es nämlich sehr gut sein, dass sich eine höhere Stelle in die Angelegenheit eingemischt hat und es noch immer tut. Dann wiederum müssten Tinas Vater und Sean vielleicht nicht einmal versuchen, ein eigenes Verbrechen oder so zu vertuschen, sondern könnten auch (zusätzlich) dazu gezwungen werden und/oder Angst haben. Andererseits bereitet mir dann Tinas Brief wieder ein bisschen Kopfzerbrechen, weil bei Einmischung einer geheimen Behörde oder Ähnlichem die möglicherweise irgendjemanden hätten haben können, der die Handschrift besser fälscht. Ich meine, sie müssten ja sicher oft Dokumente fälschen. Äh, ja. Sind nur Gedankenspiele. Da fällt mir ein: Wenn eine höhere Stelle verwickelt wäre, warum dann alles wie einen Umzug aussehen lassen? Warum nicht, keine Ahnung, sagen, sie starb in einem Verkehrsunfall, Beweise fälschen und gut ist? Wäre vielleicht einfacher gewesen und hätte ein eventuelle Suche nach der Person, wie Kyra sie ja nun vornimmt, schneller beendet. Aber Tinas Bekannte wären allein hierzu natürlich nicht so gut in der Lage gewesen. Also waren sie es vielleicht auch allein. Trotzdem könnten sie Angst vor bestimmten Leuten haben, je nachdem, was sie da genau vertuschen ... Argh.
    Also, was ist passiert bzw. was könnte passiert sein? Mir würden jetzt einige (wenig konkrete) Dinge einfallen - vielleicht irgendeine Art von Unfall, vielleicht wurde Tina auch "gesehen" und dann ist etwas Schlimmes passiert und infolgedessen musste man eben alles verheimlichen ... Wobei es dann ja auch noch Alicia gibt, der vielleicht das Gleiche widerfahren ist wie Tina, was auch immer das war. Gleichzeitig kann man vielleicht überlegen, warum die anderen sich wohl öfter im Trossachs aufhalten bzw. was der "Verein" genau ist, in dem die da sind. Vielleicht einfach eine Art Zusammenschluss von, nun, "besonderen" Menschen? Aber gleichzeitig könnte man auch meinen, dass die sich da vielleicht auch aufhalten, weil sie etwas (oder jemanden? :ahahaha: ) beschützen oder bewachen. Okay, an der Stelle kam mir wohl etwas aus Rebels in den Sinn ... Ich hatte kurz den Gedanken, dass vielleicht Tina in einer Werwolfsgestalt festgehalten sein könnte und sich nicht mehr zurückverwandeln kann oder so, aber ich weiß ja nicht einmal, ob das überhaupt mit den Regeln vereinbar wäre, die du dir für die Welt ausgedacht hast.
    Aber naja, mir fehlen irgendwie allgemein noch Hinweise, um eine Theorie zu entwickeln, hinter die ich mich stellen kann. Oder ich übersehe sie, das kann natürlich auch immer sein. Daher breche ich die Spekulationen an dieser Stelle mal wieder ab.
    Ansonsten ... Kyras Vorgehen mag am Ende mit der Konfrontation ein wenig sehr stürmisch wirken, aber es ist interessant zu sehen, wie sie sich zumindest gegen potentielle Gefahren dadurch absichert, dass sie das Gespräch in der Öffentlichkeit sucht. Nebenbei fällt mir auch auf, dass sie es richtig macht und ihn immer weiter siezt, obwohl er anfängt, sie zu duzen. Ich meine, das ist natürlich irgendwo auch höflich und so, aber es erhöht ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer Auseinandersetzung Umstehende zur Hilfe eilen, weil sie sich dann sicher sein können, dass das keine Auseinandersetzung unter Freunden ist oder so (was eben immer wahrscheinlicher erscheint, wenn die Beteiligten sich duzen).
    Wirklich helfen kann Watson hingegen in der Situation aber anscheinend nicht. Irgendwie wird er mir dadurch immer sympathischer, haha.
    Und insgesamt ... Ich bin immer noch sehr gespannt darauf, wie es schlussendlich weitergeht und wie die Frage, was mit Tina denn nun genau passiert ist, beantwortet werden wird. Insofern freue ich mich aufs nächste Kapitel, das ich dann hoffentlich morgen lesen kann. Mal gucken, wie Kyra weiter vorgeht.


    Bis dahin also.


  • Antwort


    @Thrawn:
    Lang wird die Antwort dann dieses Mal nicht (vielen Dank für dein Verständnis dahingehend!), aber ich wollte es mir dennoch nicht nehmen lassen, von uns beiden aus ein liebes "Dankeschön" da zu lassen und noch einmal anzumerken, dass es wirklich Spaß macht eure ganzen Vermutungen zu lesen :) Hehe~
    Ich habe jetzt auch einmal im ganzen Dokument die ... mit einem geschützten Leerzeichen versehen. Aber man... Es sieht für mich so falsch aus @.@


    Vorwort


    Davon einmal abgesehen: Jetzt sind wir beim fünften Kapitel und ich kann direkt schon einmal sagen, dass dieses Kapitel und die nächsten beiden wesentlich direkter a

    neinander anschließen. Sprich: Dass sie direkt ineinander übergehen, ohne das Zeit dazwischen vergeht. Warum? Das werdet ihr sehen ;)
    Jedenfalls kommt ab hier die Geschichte ein wenig in Schwung - vor allem ab dem nächsten Kapitel.


    Im Kapitel selbst habe ich mich beim Schreiben bemüht, dem Wald eine alltägliche, aber auch etwas mysteriöse Atmosphäre zu geben. Ich hoffe, das kommt rüber.


    Das alles gesagt: Viel Spaß mit dem Kapitel :D



    Kapitel 5: Der Trossachs


    Eineinhalb Stunden später kehrte Kyra zu ihrer Wohnung zurück. Sie hatte eingekauft, war im Tiermarkt gewesen, um ein paar der Leckerlis zu holen, die Watson so gerne mochte, und hatte nicht bei der Polizei angerufen. Genauer gesagt, hatte sie die Zeit damit verbracht, sich einzureden, dass sie daheim Molly anrufen konnte, um mit ihr zu sprechen, doch nachdem sie den Kühlschrank eingeräumt hatte, war ihr noch immer nicht danach zu mute.
    Sie hatte kaum handfeste Beweise, dass hier irgendetwas vor sich ging. Vielleicht sollte sie noch etwas warten. Vielleicht sollte sie sich bemühen, Thia Bishop oder vielleicht auch diesen Matt ausfindig zu machen. Vielleicht …
    Die Wahrheit war, dass sie einfach nicht erwartete, dass ihr jemand glaubte. Vor allem nicht Molly.
    Sie klopfte an Jasons Zimmertür, unter der Licht hervorschimmerte.
    „Herein?“, meinte er und sie öffnete die Tür.
    „Ich wollte nur Bescheid sagen: Ich war einkaufen“, sagte sie, während es Watson war, der den Kopf in das Zimmer steckte.
    Jason saß an seinem Schreibtisch, der schräg gegenüber der Tür gelegen war, und drehte sich herum. „Wir machen also Fortschritte, eh?“
    „Ha ha“, erwiderte Kyra trocken und zog Watson an seinem Halsband etwas zurück, da sie wusste, dass Jason es nicht mochte, wenn der Hund durch seinen Raum tollte.
    „Jetzt könntest du mich noch schockieren und mir sagen, dass du dich mal um Abendessen für uns beide kümmerst“, meinte Jason.
    „Wenn du ganz lieb 'bitte' sagst.“ Sie grinste ihn herausfordernd an.
    „Hmm“, machte er nachdenklich. „Wann hast du das letzte Mal nett darum gebeten?“ Ihre Blicke trafen sich und er verdrehte die Augen. „Nun, gehe ich mit gutem Vorbild voran: Würdest du, meine allerliebste Kyra, bitte auch für mich Abendessen vorbereiten?“
    Sie musterte ihn. „Ich will mal nicht so sein, mein allerliebster Jason.“
    „Vielen herzlichen Dank“, antwortete er und wandte sich halb wieder seinem Laptop zu.
    Für einen Moment sah Kyra ihn an. „Und, was macht das Biest des“ – wie hieß dieser blöde Wald noch gleich? – „Trossachs?“
    „Ein paar interessante Dinge“, erwiderte Jason. „Ich werde morgen rüberfahren, um mich mit einem Fischer zu treffen, der sagt, dass er häufiger was am Ufer des Lochs sieht.“
    „Aha“, murmelte sie. „Dann pass' auf, dass der große, böse Wolf dich nicht frisst.“ Sie wandte sich ab. Es war beinahe fünf und damit vielleicht keine schlechte Zeit um Abendessen zu machen – etwas, das bei ihr meistens mit „Aufbackpizza in den Ofen schieben“ gleichzusetzen war – als ihr etwas einfiel. „Sag einmal. Hättest du etwas dagegen, wenn ich die Tage – vielleicht am Wochenende mal – mit zum Trossachs komme?“
    „Ähm, nein, nicht wirklich.“ Überrascht sah er sich noch einmal zu ihr um. „Was hast du vor?“
    Kyra zuckte nur mit den Schultern und holte ihr Handy raus, um Maria anzurufen. „Nichts wirklich. Ich habe nur die Hoffnung, Zeugen für meinen Fall zu finden.“


    Es war früher Samstag Morgen, als sie am Straßenrand vor dem Haus, in dem Maria Turner lebte, vorfuhren. Wenn man Kyra gefragt hätte, hätten sie gute zwei Stunden später losfahren können, doch Maria hatte nicht gefragt und stattdessen beschlossen, dass sie um sieben in der früh aufbrechen würden. Immerhin war der Nationalpark eine bis eineinhalb Stunden Autofahrt von Edinburgh entfernt.
    „Also“, meinte Jason, während er mit der Beifahrertür kämpfte, die einmal wieder klemmte. „Du kennst diese Frau von dem Fall, den du ermittelst?“
    „Jap“, erwiderte Kyra, die ihm die Situation schon mehrfach erklärt hatte. Sie öffnete die Fahrertür und stieg aus. „Ich hoffe, dass ich eventuell ein paar Zeugen dort finden kann.“
    „Aha.“ Mit einem Ruck bekam er die Tür auf und stieg aus, während Kyra den Fahrersitz vorklappte um Watson herauszulassen, der sich neugierig umsah und direkt zur Kante von Marias Garage lief, um einen offenbar besonders interessanten Geruch zu erkunden.
    Sie gingen zur Tür des schmalen, relativ alten Reihenhauses und klingelte, nur damit Maria ihnen kurz darauf mit einem strahlenden Lächeln öffnete.
    Sie trug bereits eine recht feste Hose und einen Fließpullover – wenn man das kühle, klamme Wetter bedachte, sicher keine schlechte Idee – und hatte ihre Haare zu einem Zopf geflochten. „Ah, da seid ihr ja. Wir sind schon bereit.“
    „Guten Morgen“, erwiderte Kyra nur trocken.
    „Oh, entschuldige.“ Kurz legte Maria ihr die Hand auf die Schulter. „Guten Morgen. Es freut mich, dass ihr da seid. Wollt ihr noch kurz mit rein oder sollen wir gleich losfahren?“
    Jason sah fragend zu Kyra, sagte aber dann: „Wir haben noch nicht gefrühstückt.“
    „Oh, wir auch nicht“, entgegnete Maria. „Das machen wir auf dem Weg.“
    „In Ordnung.“ Kyra sah sie vorsichtig an. Es war ihr ein Rätsel wie jemand an einem Samstag um sieben so viel Energie versprühen konnte.
    Maria nickte. „Wunderbar. Dann wartet kurz.“ Sie drehte sich um. „Kali! Wir können los!“
    Man hörte Schritte und eine Tür zum Flur wurde geöffnet. Ein Mädchen mit dunkler Haut, Kyra schätzte sie um die 15 Jahre alt, betrat den Flur und sah zu ihnen. „Hallo!“ Sie nickte ihnen zu, ehe sie begann sich ein paar feste Schuhe, die im Flur unter der Garderobe standen, anzuziehen.
    „Das ist meine Tochter Kali“, erklärte Maria. „Das hier sind Kyra, Watson und …“ Sie sah zu Jason.
    „Jason O'neil“, erwiderte Jason. „Ihr Mitbewohner.“ Mit dem Daumen zeigte er auf Kyra, die für einen Moment Maria anstarrte.
    Sie wusste, dass Maria 28 Jahre alt war, ein Jahr älter als sie selbst. Aber Kali, deren dichtes, dunkles Haar kunstvoll geflochten war, war mindestens 14, eher 15 oder 16. Also … Was? Natürlich kannte sie auch die Geschichten von Teenagerschwangerschaften, aber eigentlich hatte sie nicht den Eindruck gehabt, dass Maria der „Typ“ dafür wäre.
    „Freut mich“, meinte das Mädchen, dessen Vater Inder gewesen sein musste, und streckte Kyra die Hand entgegen.
    Kyra ergriff die Hand. „Mich auch …“ Sie war eindeutig verwirrt.
    Wenig später stellte sich jedoch heraus, dass die Situation gar nicht so dramatisch war, wie Kyra sie interpretiert hatte. Denn als sie einmal in den dunklen Kombi, den Maria fuhr, saßen, bekam sie recht schnell eine Erklärung auf ihre unausgesprochene Frage: Maria hatte zwar tatsächlich früh geheiratet, war mittlerweile aber geschieden. Sie hatten damals ein Kind adoptieren wollen, was damals jedoch nicht geklappt hatte. Stattdessen hatten sie Kali, die damals neun gewesen war, als Pflegekind bekommen und Maria hatte sie schließlich adoptiert, auch wenn ihre Ehe in die Brüche gegangen war.
    Kali, die mit Jason und Watson zusammen auf der Rückbank des Combi saß, schien ein aufgeschlossenes Mädchen zu sein. Zumindest mochte Watson sie sofort und hatte bereits nach einigen Minuten Fahrt seinen Kopf auf ihrem Schoß abgelegt. Während Kyra noch brauchte, um wach zu werden, redete das Mädchen bereits über Leute in ihrer Schule, Filme und Dinge, die sie im Fernsehen gesehen hatte.
    Auf halben Weg nach Glasgow machten sie bei einem Bäcker mit einem kleinen Café halt. Maria erklärte, dass sie hier immer frühstückten, wenn sie in der Gegend von Glasgow wandern gingen. Da es ihr empfohlen wurde trank Kyra widerwillig einen Kaffee, statt einem Tee, fühlte sich danach zumindest jedoch wacher.
    Es war beinahe halb zehn, als sie am Naturschutzgebiet des Queen Elizabeth Parks ankamen und dort auf einen Parkplatz, direkt an einem Wanderweg, fuhren.
    „Dann schauen wir mal“, meinte Jason zuversichtlich und nahm seine Umhängetasche mit dem Kameraequipment, die er die ganze Zeit auf den Schoß gehalten hatte, aus dem Wagen und warf sie sich über die Schulter.
    „Was hast du damit vor?“, fragte Kali neugierig, als er seine Kamera bereit machte und bereits mit einem Objektiv ausstattete.
    Kyra verdrehte die Augen. „Er möchte ein Monster fotographieren.“
    Das junge Mädchen sah sie verwirrt an. „Ein Monster?“
    „Kein Monster“, protestierte Jason. „Das Biest des Trossachs!“
    „Also für mich klingt das ein bisschen nach einem Monster“, erwiderte Maria lachend, während sie Jason und Kyra in die Richtung eines Wanderweges navigierte.
    Watson war ganz außer sich. In einem Wald war er seit einer ganzen Weile nicht mehr gewesen. Kaum, dass er aus dem Auto heraus war, rannte er zum nächsten Baum, erleichterte sich und markierte dann noch sein Territorium, ehe er schnüffelnd die Bäume am Rand des Parkplatzes entlang lief.
    Das Schild, dass darauf aufmerksam machte, dass Hunde hier nicht ohne Leine laufen sollten, ignorierte Kyra gekonnt. Immerhin hätte Watson wohl eher Angst vor einem Vogel oder einem Hasen, als dass er ihn jagen würde. Schlimmstenfalls würde er sie anbellen.
    „Kein Monster!“, erwiderte Jason derweil. „Eine Art Wolf. Oder ein Wolf. Es gibt mehrere Berichte, dass Leute hier im Wald Wölfe gesehen haben.“
    „Wir haben noch nie einen gesehen, oder, Mum?“, meinte Kali und wandte sich ihrer Mutter zu.
    „Nein.“ Maria lachte. „Auch wenn ich Geschichten gehört habe.“ Dann zuckte sie mit den Schultern. „Aber ich glaube, wenn es hier Wölfe gäbe, hätte der Park damit schon lange geworben.“
    „Nicht wenn sie keine klaren Beweise haben“, erwiderte Jason. „Immerhin ist das Parkgebiet fast 2000 Quadratkilometer groß. Genug Platz für ein oder zwei Rudel sich zu verstecken, zumal Wölfe sich zumeistens von Menschen fern halten. Es könnte allerdings auch sein, dass es keine Wölfe sind, sondern …“ Und wieder fing er mit seinen Verschwörungstheorien an.
    Während Kali mit einer Mischung aus Interesse und Amüsement Jasen lauschte, seine Theorien hinterfragte und schließlich eine Unterhaltung über echte Wölfe mit ihm begann, sah Kyra zu Maria, die mit strammen Schritt neben ihr lief.
    „Glaubst du wirklich, dass wir Thia und die anderen hier treffen werden?“ Noch immer kam ihr diese Idee wie das greifen nach Grashalmen vor.
    „Vielleicht, vielleicht auch nicht“, erwiderte Maria und seufzte. „Wie gesagt, wir haben sie ein paar Mal hier gesehen. Und vielleicht …“
    Kyra biss sich kurz auf die Lippe, als Watson einen Stock vom Wegesrand aufhob und ihn zu ihr brachte. Er wedelte mit dem Schwanz und sah sie erwartungsvoll an. „Na, dann lauf mal, Junge“, meinte sie und warf den Stock ein wenig voran, um dem Hund zuzusehen, wie er hinterhersprintete. „Ich hoffe nur, Narbengesicht macht keine Probleme.“
    „Wer?“, fragte Maria.
    „Dieser Sean Wright“, murmelte Kyra. Der Typ war ihr ernsthaft gruselig gewesen. „Wie gesagt. Hat mich beinahe angegriffen.“
    Maria nickte. „Hast du sonst noch eine Spur gefunden?“
    Kyra seufzte. „Nein. Ich habe keinen Zugriff auf die Krankenakten bekommen. Tinas Vater blockt mich ab. Und an den Ämtern habe ich auch nichts neues Erfahren. Noch besser: Ich habe versucht ihren alten Hausarzt zu finden und selbst der ist offenbar mittlerweile an einem Herzinfakt oder so gestorben.“
    Maria nickte nur und beobachtete, wie Watson mit dem Stock zurückkam und darauf wartete, dass Kyra ihn erneut warf. „Kyra?“, sagte sie schließlich langsam.
    Kyra sah zu ihr. Ihre Stimme klang bedrückt und etwas ließ Kyra ahnen, was als nächstes kommen würde? Sie wandte sich Kali zu. „Magst du einmal für Watson werfen?“
    Die Augen des Teenagers leuchteten auf. „Klar!“ Sie bückte sich und schlug auf ihre Oberschenkel. „Komm hierher, Watson. Komm her. Ich spiel mit dir.“
    Fragend sah Watson zu Kyra, doch als sie nichts sagte, rannte er schwanzwedelnd zu ihr hinüber.
    „Kannst du mir sagen, was dein Hund gegen mich hat?“, grummelte Jason derweil. Watson ignorierte ihn meistens.
    Doch Kyra antwortete ihm nicht, lächelte nur und zuckte mit den Schultern, während Kali den Stock warf.
    „Was ist?“, fragte Kyra schließlich, als sie sicher war, dass die Jugendliche ihnen nicht mehr zuhörte.
    „Es ist Tina“, erwiderte Maria. „Glaubst du, dass mit ihr alles in Ordnung ist?“ Die Sorge in ihrer Stimme verriet, dass sie es selbst nicht wirklich glaubte. Jedenfalls nicht mehr.
    Für einen Moment zögerte Kyra. „Ich bin mir nicht sicher“, sagte sie schließlich. „Aber … Etwas sagt mir, dass sie tot ist.“ Sie sah zu Maria. „Ich habe keinen Beweis. Doch genau so wenig habe ich Beweise, dass sie noch lebt, dass sie – wie sie sagen – zu ihrer Mutter gezogen ist.“ Eigentlich sollte sie nicht mitten in einer Ermittlung darüber reden, doch sie wusste, dass Maria sich sorgte. Und so gern sie sie auch beruhigt hätte, so kam es ihr doch falsch vor, sie anzulügen, nachdem sie sich bemüht hatte, ihr zu helfen. „Der Brief an ihre Vermieterin war gefälscht.“
    Maria nickte nur, etwas wie Bitterkeit in ihrer Miene. „Ich verstehe“, murmelte sie. „Seit du zu mir gekommen bist, hatte ich so etwas befürchtet.“
    „Ich habe keine Beweise dafür“, wiederholte Kyra noch einmal. „Es ist eine Vermutung. Weiter nichts. Ich hoffe, dass sich etwas anderes herausstellt …“
    Ein weiteres Nicken, dann ging Maria, die für einen Moment stehen geblieben war, weiter. „Hoffen wir, dass wir Thia und die anderen finden. Vielleicht hast du Recht.“
    „Ja.“ Kyra folgte ihr und beobachtete Kali, die erneut den Stock für Watson warf.
    Sie gingen weiter, ohne dass Maria das Thema noch einmal ansprach, und Kyra, die ohnehin nicht scharf darauf war, darüber zu reden, war nur zu froh, über erfreulichere Themen zu sprechen. Und sei es nur die Abwesenheit von irgendwelchen Wölfen, Bestien oder anderen übernatürlichen Wesen, auf die Jason gehofft hatte.
    Die Wanderung war relativ unereignisreich. Sie redeten, Watson tobte sich aus und um die Mittagszeit machten sie auf einem Rastplatz halt, um zu Essen, ehe sie einen Bogen schlugen, um der Wanderroute zu folgen, die sie am Ende wieder zum Parkplatz zurückführen würde.
    Auch wenn das Wetter einmal wieder trüb und bewölkt war, waren sie nicht die einzigen Wanderer, die unterwegs waren. Sie trafen einige andere Wanderer, angefangen von Studenten und Familien, hin zu Touristen und Rentnern – von denen ein altes Ehepaar sich nicht helfen konnte, über Watson und den Mangel seiner Leine zu meckern, nachdem er sie angebellt hatte. Von Sean, Thia, Matt und Alicia sahen sie jedoch nichts.
    Davon abgesehen gab es zwei Momente, in denen Kyras Hund plötzlich stehen blieb und sich dem Wald zuwandte, ehe er anfing zu bellen und knurren, Ohren erneut angelegt und die Zähne gebleckt.
    Beide Male spähte Kyra in den Wald, sah jedoch nichts.
    „Es ist nichts, Junge“, meinte sie das zweite Mal und kniete sich neben den Hund. „Da ist nichts. Wahrscheinlich nur ein Hase.“ Sie strich ihm durch das Fell.
    „Warum sollte er einen Hasen anknurren?“, fragte Kali, woraufhin Kyra nur seufzte.
    „Weil er ein Angsthase ist.“
    Nach dem zweiten Mal jedoch war Watson ruhig – nun, so ruhig wie Watson, der sich immer wieder gerne bellend in Gespräche einmischte, nun einmal war – selbst wenn Kyra auf dem Rückweg zum Parkplatz bemerkte, dass er nicht mehr so aufgeregt vorweg lief, wie er es noch zwei Stunden zuvor war. Doch auch wenn es ihr auffiel, ging sie davon aus, dass er langsam müde wurde. Immerhin war er so lange Ausflüge zu Fuß nicht gewohnt und die neue, fremde Umgebung war sicherlich auch ansonsten anstrengend, da es so viele neue Eindrücke zu verarbeiten gab.
    Selbst Kyra musste feststellen, dass sie langsam aber sicher dankbar dafür wäre, wieder im Auto zu sitzen und ihre Beine hochlegen zu können. Während sie daran gewöhnt war, lang an einer Stelle rumzustehen oder herumzulaufen, auch wenn nicht in einem Wald, so war sie nach dieser Wanderung doch deutlich ermüdet und fühlte sich dank den herbstlichen Temperaturen und der herrschenden Klammheit zudem verkühlt.
    Während sie über ein warmes Bad fantasierte, das sie nehmen konnte, wenn sie wieder daheim wären, fiel ihr Watson jedoch erneut auf. Während er noch immer etwas vor ihnen oder neben Kali gelaufen war, ließ er sich nun langsam zurückfallen und blieb nahe bei Kyra, die Ohren erneut angewinkelt.
    „Was ist denn heute mit dir los, Junge?“, fragte Kyra und bückte sich im gehen etwas, um ihm kurz über den Kopf zu streichen.
    Ein kurzes, gedämpftes Bellen war Watsons Antwort.
    „Hier gibt es nichts gefährliches“, meinte sie zu ihm. „Allerhöchstens Füchse.“
    „Und das Biest!“, warf Jason halb scherzhaft ein.
    „Ja ja“, murmelte Kyra.
    Sie hatten beinahe wieder den Parkplatz erreicht, als Watson komplett stehen blieb und ein leises Wimmern hören ließ. Mittlerweile hatte er auch den Schwanz eingezogen und sah beinahe schon schockiert nach Vorne.
    „Was ist denn, Watson?“, fragte nun auch Kali und hockte sich vor ihn. „Wir sind doch fast wieder da.“ Sie wollte ihn streicheln, doch er zog seinen Kopf zurück.
    „Watson, komm“, meinte Kyra. „Wir sind gleich am Auto.“
    Er bellte und Kyra holte ein Leckerli aus der Gürteltasche heraus. „Hier, komm, Watson.“ Sie ging ein paar Schritte voran und hielt ihm das Leckerli hin, um ihn zu sich zu locken.
    Watson blieb stehen und sah sie an, beinahe, als wolle er ihr etwas mitteilen. Ein weiteres Wimmern.
    „Komm schon, Junge“, meinte sie. „Es ist alles in Ordnung.“ Sie machte einen Schritt auf ihn zu. „Komm, hier.“ Wieder hielt sie ihm das Leckerli erneut hin, doch noch immer ignorierte er es.
    Trotz einiger Überredung wollte Watson sich nicht bewegen. Irgendetwas – und Kyra konnte einfach nicht sagen, was es war – schien ihn zu verängstigen, aber das machte keinen Sinn. Hier war nichts. Da es Herbst war und ein guter Teil der Blätter bereits gefallen war, konnte man recht tief in den Wald hinein sehen und Kyra konnte nichts erkennen. Kein Hase, kein Reh, kein Fuchs und sicherlich auch keinen Wolf. Vielleicht gab es irgendwo einen Hasen, der sich gut versteckte, aber so wie sich Watson verhielt, erschien ihr dies nicht realistisch. Er war ein Feigling, aber nicht so ein Feigling. Roch er vielleicht etwas?
    „Jetzt komm schon“, flüsterte Kyra und strich seinen Hals entlang. „Schau doch, es ist alles in Ordnung. Sei ein guter Junge, ja?“ Sie hielt ihm das Leckerli ganz vor die Schnauze und schließlich fraß er. Es brauchte jedoch noch immer einige Überredung von Kyra, aber auch ihren Begleitern, um ihn dazu zu überreden, die letzten dreihundert Meter zum Parkplatz zurückzulegen.
    Doch erst als sie bei dem beinahe komplett leeren Parkplatz ankamen, musste Kyra feststellen, dass es vielleicht wirklich etwas gewesen war, das Watson gesehen oder gehört hatte.
    „Was zur Hölle …“, murmelte Maria, als sie auf den dunklen Kombi zuging und die Fahrertür offen stehen sah.
    Erneut blieb Watson stehen, doch für den Moment ging Kyra zu Maria hinüber.
    „Was ist passiert, Mum?“, fragte Kali verwirrt und blieb ein paar Schritte vom Auto entfernt stehen.
    Die Tür war augestemmt worden, soviel war Kyra klar, auch wenn ihr nicht ganz klar war, warum die Alarmanlage nicht aktiv war. Vorsichtig spähte sie in den Wagen hinein, beinahe damit rechnend, dass das Radio, beziehungsweise der Bordcomputer fehlte. Doch nichts dergleichen. Stattdessen lagen jedoch die Inhalte des Handschuhfachs und auch von Kalis Rucksack, den sie zurückgelassen hatte, über den Boden des Wagens verteilt.
    „Ruf die Polizei“, sagte Kyra und sah sich zu Maria um. Sie machte ein paar Fotos von der aufgebrochenen Tür auf ihrem Handy, während auch Jason zu ihnen kam.
    „Das sieht nicht nach einem Brecheisen aus“, murmelte er und strich die parallelen Kratzer, die im Lack an der Tür, knapp oberhalb des Schlosses, geblieben waren. Er holte seine Kamera hervor und machte ebenfalls Bilder. „Das sieht aus wie Krallen.“
    Kyra biss sich auf die Lippen. Die Wahrheit war, dass sie ihm zustimmte. Es sah aus, als hätte jemand nicht mit einem Brecheisen die Tür aufgerissen, sondern mit vier langen Krallen – und ein vierteiliges Brecheisen hatte sie noch nie gesehen.
    Watsons Bellen riss sie aus ihren Gedanken. Sie fuhr herum.
    Watson stand am Rand des Parkplatzes und bellte – wie schon auf dem Rückweg hierher – den Waldrand an.
    Kyra wandte sich ihm zu. „Ruf die Polizei“, sagte sie noch einmal zu Maria. „Ich schaue, was er hat.“ Damit ging sie an Jason vorbei und lief zu Watson hinüber, der weiter den Wald ankläffte.
    Immer wieder leicht vor und zurück trippelnd, als wäre er nicht sicher, ob er auf die Gefahr, die er bemerkt hatte, zulaufen und angreifen oder ob er lieber fliehen wollte. Auch wenn er kein mutiger Hund war, wusste Kyra, dass er sie beschützen oder es zumindest versuchen würde.
    „Was ist denn los?“, fragte sie ihm, als sie sich erneut neben ihn hockte und ihn unter dem Halsband kraulte.
    Watson sah sie nicht an, sondern starrte nur mit gebleckten Zähnen in den Wald.
    „Was ist denn?“ Sie folgte seinem Blick, der in den Wald gerichtet war.
    Alles was da zu sein schien, waren Bäume, Laub auf dem Boden, einzelne Blätter, die noch an Bäumen und Büschen hingen, und Nebel, der in der Entfernung zwischen den Baumstämmen hing. In der Entfernung war zwischen all den Bäumen und Büschen wenig zu erkennen, doch da war nichts. Oder?
    Eine Bewegung in der Ferne.
    Kyra kniff ihre Augen zusammen. Da war eine Gestalt. Eine menschliche Gestalt. Sicher gute hundert Meter vom Parkplatz entfernt. Sie schien hierher zu schauen, sie zu beobachten. War es die Person, die in den Wagen eingebrochen war?
    „Verdammt“, murmelte Kyra und stand auf. Es war vielleicht eine dumme Idee, doch sie wollte wissen, was vor sich ging. Sie wusste, dass, wenn sie vermeintlichen Einbrecher nicht identifizierte, war die Chance ihn zu fassen beinahe gleich null.
    Plötzlich nahm Watson ihr die Entscheidung ab, als er auf einmal los sprang und in den Wald sprintete.
    „Bleib hier, Watson!“, rief sie. Dann lief sie los.
    „Was ist los?“, hörte sie die Stimme von Jason hinter sich.
    „Ich will etwas nachsehen“, rief sie nur und lief in den Wald hinein, auch wenn ihre ohnehin müden Beine protestierten.
    Sie sah eine Bewegung in der Ferne. Die Gestalt. Sie rannte. Da war wirklich jemand.



  • Die Tür war augestemmt worden


    Braucht eine 15 Jährige wirklich wegzuhören? Außerdem, ich will das nicht überinterpretieren, denn um seine Freunde sorgt man sich ja, aber mir kommt es fast so vor als liefe etwas zwischen Maria und Tina. Würde die zerbrochene Ehe erklären.


    Das aufgebrochene Autor weist darauf hin, dass der Werwolf kein Mensch zu Wolf ist, wie in einigen Medien, sondern der typische Hybrid.
    Wäre das kein übernatürlicher Krimi würde ich übrigens auf eine Gartenkralle tippen. (oder wie das Werkzeug genau heißt.)



    Also, wenn die anderen rätseln rätsle ich auch mal. Auch weil ich sonnst nicht viel zu sagen hatte.
    Also du erwähnst immer wieder, dass Kyra glaubt sie sei Tod. Bei Agatha Christie wäre das ein Hinweis auf das Gegenteil.
    Da das der Anfang von mehreren Bändern sein soll, frage ich mich natürlich wohin es führen sollte. Du willst ja neben dem mystischen Teil weiterhin einen Krimi schreiben. Andererseits ist es von einer Storytechnischen Seite aus auch völlig ausreichend, wenn die Auflösung des Falles gleich dem aufdecken des Werwolfgemeimnisses ist.
    Fürs erste würde ich vermuten, dass sie tot ist.


    Einem meiner oberen Poster muss ich übrigens widersprechen. Ich denke nicht, dass Tina krank war und ich schätze auch, dass ihr Vater vermutlich kein Werwolf war. Vielleicht nur weil mir die Vorstellung wie ein Vater damit umgeht sehr gefällt. Man könnte es als Metapher sehen. An sich gibts ja keine Hinweise darauf, ob er einer ist, oder nicht, nur ist sicher, dass er von der Identität seiner Tochter weiß. Ich hoffe der Charakter taucht nochmal auf.


    Ich würde sagen, ich bin jemand der sehr gut darin ist Infos zu sammeln, aber nichts damit anfangen kann. Von daher frage ich mich auch; Wer wusste, dass sie gerade jetzt, gerade hier auftauchen wird? Wer kannte ihren Wagen? Und Was hat er gesucht, Beweismaterial, oder etwas anderes? Oder wollte er ihren Ausweis? Und wenn er den braucht, wozu wenn er doch den Wagen kannte und sogar wusste wann sie dort auftauchen?


    Und davon abgesehen, was genau ist die Motivation des Auftraggebers? Wollte er vielleicht auf den Mord aufmerksam machen? Oder hat er vor sie, oder die anderen Werwölfe zu fangen, oder auszunutzen?


    Und Maria ist sie wie ich denke wirklich intim mit ihr geworden, oder möchte sie wirklich nur wissen, was aus einer alten Freundin geworden ist? Möglicherweise hat sie sogar ein Motiv und möchte sichergehen, dass man nicht zu viel über all das herausfindet.
    Aber das ist vielleicht zu hoch gestochen.

  • Da ich nicht weiß, ob ich Mittwoch Zeit habe, eine Antwort zu schreiben, dachte ich, ich kümmere mich jetzt eben darum. :)


    Wie immer Danke, @Sunaki! :D

    Braucht eine 15 Jährige wirklich wegzuhören?

    Nun, du willst einer Jugendlichen nicht unbedingt aufhalsen, dass es eventuell einen Mord an jemanden gab, den sie nicht mal wirklich kannten. Weil Jugendliche ja doch sehr viel darüber nachdenken.




    Das aufgebrochene Autor weist darauf hin, dass der Werwolf kein Mensch zu Wolf ist, wie in einigen Medien, sondern der typische Hybrid.

    Ich will hier nicht zu viel sagen - vor allem, weil du es dir schon sehr bald vielleicht noch denken kannst - aber unsere Werwölfe haben, wenn man so möchte, eine bestimmte besondere Fähigkeit. :D Wir hatten nämlich eine ganze Weile darüber diskutiert, wie wir die Werwesen generell darstellen und haben uns am Ende halt entschieden ein wenig kreativ zu sein.




    Gartenkralle

    Ich glaube du meinst einen Rechen. :3




    Also, wenn die anderen rätseln rätsle ich auch mal.

    Hihi. Das macht uns soweit mit am meisten Spaß: Euch rätseln sehen. Es ist wirklich interessant, wie nahe einige an der Sache dran sind.


    Wir können dir auch sagen, dass du soweit mit am nächsten dran - jedenfalls in bestimmten Punkten.


    Aber ja, wie gesagt, das macht gerade sehr viel Spaß. Haha, es ist auch für mich (also Alaiya) sehr interessant, da ich bisher bei keiner Geschichte so wirklich Spekulation hatte. Aber gut, das mag natürlich daran liegen, dass dies die erste "Krimi"mäßige Geschichte ist, die ich geschrieben habe, bzw. an der ich mitgeschrieben habe.


    Vor allem sind einige Theorien sehr interessant, da sie auch über verschiedene Webseiten hinweg schon genannt wurden :3