Sternenhimmel [Update 09.08.18]


  • (Original)









    So zahlreich wie die Sterne am Himmel, so vielfältig und grenzenlos können die kreativen Schöpfungen eines Menschen sein.







    Willkommen!





    Hallo, geneigter Leser! Schön, dass Du dich hierher verirrt hast. Ich möchte nicht behaupten, eine Autorin zu sein, deren Werke sich mit den funkelnden Ziersteinen des Himmelskleides vergleichen lassen. Doch ich mag dieses Bild, die Atmosphäre, die es kreiert - träumerisch, die Gedanken schweifen lassend, so verhält sich mein Geist dabei. Nun hoffe ich, dass auch Du, lieber Leser, Dich von dieser Stimmung mitreißen lässt und vielleicht sogar Gefallen an dem ein oder anderen Text findest.



    Themen





    Die Themengebiete werden äußerst unterschiedlich sein. Schreibübungen, Gedankenspiele, Experimente - hier wird sich allerlei bunt vermischtes Zeug wiederfinden. Im Allgemeinen werdet ihr aber in einer kurzen Beschreibung in der Übersicht ein paar Informationen erhalten.



    Übersicht










    Benachrichtigungen
    (Nicht wundern, ich habe diese Liste ersteinmal "resettet", weil sie schon sehr veraltet war. Wer gern drauf möchte, möge sich noch einmal melden :))


    Copyright
    TextDie Rechte der Werke liegen bei mir, die der verwendeten Fandoms bei ihren jeweiligen Urhebern. Weiterverarbeitung ist ausschließlich mit meiner Erlaubnis erlaubt. Das Zitat zu Beginn ist selbst zusammengestellt.
    GrafikenTitelbild: Quelle ist darunter verlinkt.Lila Top-Beleber-Sprite: Grundlage von Pokewiki, Umfärbung von mir

  • Thermophylai



    Stille.
    Eine grauenhafte Stille umwehte die rauen Gipfel des Parnassos und vereinigte sich mit der alles durchdringenden Dunkelheit zu einem entsetzlichen Grauen, das so manch empfindsamem Gemüt durch alle Glieder fahren könnte.
    Kalliope schlang die grobe Wolldecke, die sie aus ihrer Kammer mitgenommen hatte, fester um sich. Obwohl das Gestirn der Sonne bereits seit mehreren Monden seine Herrschaft über den Erdenkreis angetreten hatte und auch in der Nacht nicht gerade milde Temperaturen herrschten, fröstelte sie. Die Luft roch nach den würzigen, frischen Gewächsen der sonnigen Zeit, und wirkte normalerweise sehr belebend auf die junge Frau, die aber zur Zeit keinen Sinn für die feinen Nuancen dieses herrlichen Potpourris hatte.
    Denn etwas stimmt nicht.
    Die Priesterin strich mit sanften, liebevollen Berührungen über eine schlichte, aber farbenprächtige Darstellung, die den Sims des Fensters im Haus der Gottesdienerinnen zierte, an dem sie stand. Das einfache, aber mit umso beeindruckenderer Kunst ausgeführte Werk zeigte eine verhältnismäßig riesige, geflügelte Schlange und einen im Vergleich dazu kleinen, unscheinbar wirkenden Mann, der ihr trotzig mit Pfeil und Bogen entgegentrat - der Kampf des Gottes Apollon gegen die sagenumwobene Python.
    Verträumt verweilten Kalliopes schlanke, weiche Finger auf der detailliert ausgeführten Darstellung ihres Gottes. Wer sich länger in der Nähe seines Heiligtums aufhielt, konnte deutlich die Energie spüren, die diesen Ort durchströmte und direkt unterhalb des heiligen Priesterthrons aus dem Boden trat, um die Jünger des mächtigen Gottes mit Bildern der Vorsehung zu entlohnen. Dann sah sie wieder hinaus, hinaus in die sternenlose Nacht. Die Quartiere der Dienerinnen und Diener des Gottes mit dem silbernen Bogen lagen getrennt voneinander zu beiden Seiten etwas abseits des Heiligtums, wie Leibwächter, die ihren Schutzbefohlenen emsig zu bewachen versuchten.
    Kalliope sah die geisterhaften Leuchtpunkte, die rund um die große Säulenhalle des Tempelbaus auf der Anhöhe flackerten. Feuer, die ewig brennen sollten und von denen jedes eine unterschiedliche Bedeutung hatte. Sie waren Garanten für Freiheit, Frieden, Recht, die Heiligkeit des Ortes – und einiges mehr.
    Wie sehr sie doch hoffte, dass sie sich irrte.
    Plötzlich zerriss ein Schrei die Stille, und die Priesterin fuhr erschrocken zusammen. Ihr war, als müsse ihr Herz zerspringen, und sie hockte sich zusammengekauert unter den Fenstersims. Dann wieder dieser Schrei - und plötzlich verlangsamte sich ihr Herzschlag. Dafür dröhnte er immer stärker und umso lauter in ihren Ohren, während sie realisierte, was das tatsächlich für ein Schrei es gewesen war.
    "Ein Adler ..."
    Plötzlich erstarrte sie vor Entsetzen und hob mit Mühe und Anstrengung den Blick wieder gen Orakelstätte.
    Zwei der Flammen flackerten bedrohlich, und ihr Herzschlag setzte erneut aus, als sie nachrechnete, um welche es sich handelte.
    Das eine Feuer stand für Frieden. Und das andere für Freiheit.


    *------*------*


    Sanft rauschte das seichte Wasser des Eurotas unter ihren Füßen dahin, während die verstreuten, kleinen Steinchen in ihre bloßen Sohlen stachen. Doch sie genoss das Gefühl: Das die Füße umschmeichelnde, sacht dahinrauschende Nass, die Kälte, die von ihren Zehen in ihre Füße kroch und sie langsam taub werden ließ – und das belebende Gefühl, wenn das warme Blut wieder hineinströmte. Intensiv spürte sie jede Unebenheit, jedes Detail, über das sich ihre Füße bewegten.
    Hier war das Leben.
    Sie schloss die Augen und sog die warme, flirrende Sommerhitze in ihre Lungen, füllte sie fast bis zum Bersten und ließ sie langsam wieder entweichen. Sie duftete nach Wasser, jenem kaum wahrnehmbaren, feuchten Geruch, der vor allem an Gewässern stark bemerkbar ist, nach den frischen Blüten eines Olivenbaumes, der dicht am Ufer stand und deren Wurzeln bis ins Wasser reichten. Dann schlug sie die Augen auf.
    An den Ufern des verzweigten Flusses, der das Stadtgebiet ihrer Heimatpolis im Osten begrenzte, wuchs allerlei Grün, Büsche, Sträucher, kleinere Bäume – wenn man die richtige Stelle fand, war dies ein Ort tiefen Friedens. So wie hier, wo natürliche Felswände und dichter Bewuchs eine kleine, abgeschottete Bucht der Zurückgezogenheit geschaffen hatten.
    Lerca strich sich das noch am Morgen fein frisiert gewesene Haar hinters Ohr und schritt mit eleganten Bewegungen durch das kühle Nass. Wie ein schneeweißer Kranich setzte sie vorsichtig einen Fuß vor den anderen und stakste durch das seichte Flussbett, den hübschen Kopf mal in diese, mal in jene Richtung gewandt – all die alltäglichen Dinge bewundernd, die andere gar nicht wahrnahmen.
    Ihr lockiges, rabenschwarzes Haar wurde nur mit Mühe von einer goldenen Spange zusammengehalten, damit es nicht in wilden, unbändigen Wogen um ihre Schultern floss, und das feine, weiße Leinenkleid, das sich schlicht an ihren Körper schmiegte und jede ihrer Bewegungen verfolgte – dies alles gab ihr fast einen übernatürlichen Schein. Als schreite nicht ein Mensch durch die sanften Wellen des lakedaimonischen Flusses, sondern als sei eine Göttin hinabgestiegen zu den Menschen und wandle in ihren Spuren.
    Sie schloss abermals die Augen und lauschte nun den unzähligen Geräuschen, die durch die schmale, kaum auffindbare Bucht zwischen den Felswänden flüsterten: Das verführerische Säuseln des Windes, das rhythmische Rauschen des Flusses zu ihren Füßen, das Zittern der unzähligen grünen Zweige, Blätter, Halme – und gelegentlich auch die Rufe einiger Tiere, die sie zum Teil auch hätte bestimmen können, wäre sie daran näher interessiert gewesen.
    Plötzlich schlang sich ein kräftiger Arm von hinten um ihre Taille und Lerca kreischte so erschrocken auf, dass ihre Stimme von den rauen Felswänden widerhallte wie das Schreien der um Futter streitenden Möwen am fernen Meer. Sie wehrte sich verbissen gegen die titanengleiche Umklammerung, doch als sie ein dunkles, raues Lachen dicht an ihrem Ohr hörte, wurden ihre Bewegungen schnell langsamer und ihre Gegenwehr verebbte so abrupt, wie sie aufgeflammt war. Ihr Herzschlag jedoch beschleunigte sich nur.
    Denn sie kannte diese Stimme.
    „Na na, meine Liebe“, säuselte der Mann hinter ihr wie ein zarter Windhauch in ihr Ohr. Ein aufregendes, heißes Kribbeln kroch ihre Wirbelsäule empor. „Du weißt doch, dass mich das nur noch … wütender macht.“
    Lerca schloss die Augen, als er, der kein Geringerer als ihr eigener Ehemann war, sie noch fester an sich drückte und den Duft ihres nicht mehr ganz so frisch frisierten Haares einsog.
    „Wo sind denn deine Männer“, fragte Lerca mit gespielter Entrüstung, jedoch ohne sich von ihrem Gatten zu lösen, „ich dachte, du wärst eher mit ihnen verheiratet als mit mir …“
    Wieder dieses raue, verführerische Lachen.
    „Meine Männer sind meine Männer. Wir speisen zusammen, wir trainieren zusammen, wir kämpfen zusammen. Aber du bist meine Frau.“
    Nun wandte Lerca sich um und sah dem Mann ins Gesicht, von dem sie einst eigentlich nie große Hoffnungen gehabt hatte, ihm je auch nur nahe kommen zu können.
    Schulterlanges, ebenso wie ihres durchlocktes schwarzes Haar, das zu einem Knoten im Nacken gebunden war. Diese unendlich Tiefen, blauen Augen, die direkt in die Tiefe der Seele zu blicken schienen und die gleiche Farbe wie die ihre hatten. Diese schlanken, langen Finger, die über ihr Rückgrat fuhren, diese kräftigen, durch vieles Training gestählten Muskeln – Lerca durfte das Musterbild eines spartanischen Mannes ihr Eigen nennen. Dessen Wahl ohne für sie ersichtlichen Grund auf Lerca gefallen war, wofür sie den Göttern noch immer danken könnte, würde sie von deren Existenz überzeugt sein.
    Er lächelte sie an, mit einer Sanftheit, die er sich nur ihr gegenüber erlauben konnte. Denn trotz der postulierten Gleichheit unter allen Vollbürgern der lakedaimonischen Polis, trotz der Brüderlichkeit, die unter ihnen herrschte – er hatte ein unglaubliches Ansehen, das nicht zuletzt auf seine Stellung zurückzuführen war. Und das bedingte, dass er seine Mannhaftigkeit, Unnachgiebigkeit, Stärke, nicht einen Moment durch einen noch so winzigen Umstand gefährdet sehen durfte. Doch etwas bröckelte heute an der sonst so kraftvollen Fassade des spartanischen Kriegers …
    „Was hast du?“, fragte Lerca leise, der gerade die unglaubliche Sorge aufgefallen war, die ihrem Mann ins Gesicht geschrieben stand und offensichtlich an dessen Seele nagte.
    Dieser schwieg einen Moment. Normalerweise hielt er Lerca so gut aus den politischen Angelegenheiten heraus, wie es eben ging. Allerdings würde dies vermutlich bald ohnehin nicht mehr möglich sein.
    „Es gibt Gerüchte“, begann er, doch dann brach er ab und schwieg erneut. Lerca wagte nicht, sein Schweigen von sich aus zu unterbrechen, obwohl sie es kaum noch ertrug. Die Spannung und vor allem Anspannung zerrissen ihr das Herz und die darin befindliche Seele, doch sie verhielt sich still. Ob aus Angst vor dem, was er ihr womöglich zu sagen hatte oder davor, er könnte wütend werden, wusste sie nicht zu sagen.
    Schließlich hob der in einen roten Umhang aus grobem Stoff gehüllte Krieger den Blick gen Himmel, als flehe er die Götter um Unterstützung an. Oder suche einfach nur irgendeine Form des Rates. Doch weder Zeus Chronion noch die anderen unsterblichen Götter neigten ihr Antlitz zur Erde. Wie so oft war der einzelne, unwürdige Mensch auf sich allein gestellt.
    Lercas Gegenüber seufzte schwer, und mit einem Mal wirkte er wie von schweren Lasten erdrückt, die das Maß seiner Jahre weit überstiegen und ihn sehr viel älter aussehen ließen, als er eigentlich war.
    Die kluge, junge Frau witterte, dass ihre Chance gekommen war, und hakte mit aller Vorsicht, die sie trotz ihrer Neugier aufbringen konnte, nach: „Gerüchte …?“
    „Ja“, antwortete ihr Mann schließlich, wenn auch noch immer zögernd. Eine weitere, lange Pause entstand, in der Lerca nicht einmal das geringste Detail ihrer Umgebung noch fähig war, wahrzunehmen. So konzentriert versuchte sie, in den Zügen ihres Gatten etwas von dem zu lesen, das er so hartnäckig zurückhielt. Mit hartem Gesichtsausdruck und einer Stimme, die unheilschwanger zwischen ihnen hing wie der Dunst des Atems in einer eisigen Winternacht, sagte er schließlich: „Es wird Krieg geben.“
    Lerca runzelte irritiert die Stirn. „Und weiter?“, erwiderte sie verwirrt. „Willst du mir noch sagen, dass es morgen gewittern wird?“
    Plötzlich stieß der zuvor noch so liebevoll Gehaltene grob von sich und fuhr sie an: „Du hast doch nicht die geringste Ahnung!“
    Das war weit heftiger, als es beabsichtigt gewesen war, und Lerca stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihren Mann an, als hätte er sie gerade mit der scharfen Scheide seines Schwertes bedroht.
    Er seufzte. Seine Stimme wurde milder, doch sein Gesicht blieb hart wie Stein, als er einen Schritt auf sie zuging und flüsterte: „Nicht irgendein Krieg, Lerca. Dieses Mal geht es nicht um Aufstände, Eroberungszüge oder Nachbarschaftsstreitigkeiten!“
    Er rang mit den Händen und wandte sich ab, als müsse er sich sammeln – so kannte Lerca ihn nicht. Es musste etwas wirklich Ernstes im Gange sein, das an seiner Seele nagte und seinen Verstand zerfraß.
    Vorsichtig näherte sie sich ihm, die Sorge überdeckte den Schrecken über den vorigen Ausbruch. Sie legte sacht eine ihrer zarten, feinen Hände auf seine muskulöse Schulter. Deutlich konnte sie die Anspannung spüren, die jede Faser seines großen, wohlgebauten Körpers durchzog.
    „Wer?“, fragte sie schlicht, doch im Grunde fürchtete sie die Antwort. Wenn ein Mann wie er sich derart aus der Fassung bringen ließ, was für ein unvorstellbarer Krieg musste ihnen da bevorstehen? Ein Zusammenschluss aller Poleis der Hellas gegen ihr geliebtes Sparta? Sie schüttelte den Kopf, das war einfach dumm. So gewaltig konnte das ‚Problem‘ nun doch nicht sein.
    Durfte es nicht sein.
    Als er weitersprach, sah er sie nicht an, sondern starrte in den feuchten, von ihren Schritten gezeichneten Sand zu seinen Füßen. „Die Bedrohung kommt nicht aus den hellenischen Städten“, sagte er schließlich mit belegter Stimme, die eine Spur Zorn erkennen ließ, „obwohl einige von uns nicht ganz unschuldig an der Situation sind.“
    Plötzlich drehte er sich zu ihr um, so schnell, dass Lerca abermals erschrak, doch er packte sie bei den Armen und hielt sie fest – nicht so sehr, dass es weh tat, aber dicht an der Grenze des Unangenehmen.
    „Es sind diese Barbaren“, flüsterte er in bedrohlichem, von dunklen Vorahnungen durchzogenen Tonfall. „Die Perser. Die elenden Perser haben uns den Krieg erklärt.“
    Lercas Herzschlag setzte einen Moment aus, dann begann sie die Tragweite dessen zu realisieren, was ihr Mann gerade gesagt hatte. Ein erneutes Kribbeln durchfuhr ihren gesamten Körper, doch diesmal hatte es rein gar nichts Angenehmes: Es war das pure Grauen.
    Sie hatte zwar aufgrund ihres Geschlechts nie eine private Ausbildung genießen dürfen, doch war sie weder auf den Kopf gefallen, noch ging ihr die Fähigkeit abhanden, die um sie herum wachsam aufgeschnappten Informationen in ihrem Kopf anzuordnen und zu deuten. Sie wusste zwar nicht viel über das seltsame, weit entfernte Land irgendwo jenseits des Meeres, doch was es war, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren: Es war ein Reich, das alle Vorstellungskraft sprengte. Sowohl in seinen Ausmaßen, als auch in seinem Einfluss und seinem Reichtum und seiner Macht. Fast wie ein vages Gespenst aus einer alten Sage.
    „Wir werden … Sparta wird … gegen die Perser Krieg führen? Wieso, warum? Das ist doch Wahnsinn!“, stammelte sie energisch, wobei die Worte in ihrer Panik so schnell aus ihrem Mund sprudelten, dass sie ihre Zunge kaum zu berühren schienen.
    Ihr Mann schnaufte. „Sag das den gottverdammten Idioten, die sich und die gesamte Hellas in Gefahr gebracht haben, weil sie sich gegen Persien auflehnen mussten. Ich bin zwar selbst kein Feigling, aber auch längst kein solcher Dummkopf … aufgrund der Unternehmungen ihrerseits sind jetzt wir alle in Gefahr.“
    Er schwieg und sah sich in der kleinen Bucht um, die ihm wie ein Ort des Friedens in all dem Chaos erschien, so unwirklich – und so göttlich, in gewisser Art und Weise.
    Lerca schwieg. Ein Krieg gegen eines der mächtigsten Reiche der Welt? Sie waren stark, und unter der Führung ihrer Heimatpolis Sparta waren die vereinten griechisch Sprechenden, die freien Menschen dieser Welt, gewiss eine der zu fürchtensten Mächte des Erdenkreises – aber sich gegen Persien zum Kampf stellen? Selbst ohne großartige militärische Kenntnisse war ihr bewusst, dass die Chancen nicht allzu gut für eine derartige Unternehmung standen.
    Die zuvor extrovertierte Panik war einem hilflosen Schrecken gewichen, und sie hatte den Blick zu Boden gesenkt. Plötzlich fasste sie eine starke, aber unendlich und unerträglich sanft unter ihr Kinn geschobene Hand und zwang sie, den Blick in die dunklen, unergründlich tiefen Seen seiner Augen zu richten.
    „Verlier nicht den Mut“, sagte er mit einem Lächeln, das seine Sorgen nur schlecht verbergen konnte. Doch noch etwas Neues hatte sich in seine Züge geschlichen. So etwas wie Zuversicht – ein kleines bisschen Hoffnung.
    „Ich habe zusammen mit meinen Beratern einen Plan ausgearbeitet, der sie aufhalten kann. Aber mein werter Herr Mitregent hat Bedenken bezüglich des Zeitpunktes … wie auch immer. Ich muss abreisen. Und zwar noch heute.“
    Diese plötzliche Erklärung versetzte ihr einen beinahe größeren Stich als der Schrecken des herannahenden Krieges. „Wohin?“, war ihr schlichter, ungläubiger Kommentar – war die Bedrohung etwa schon so nah?
    „Sorge dich nicht, noch steht der Kampf nicht vor der Tür“, sagte er, die ihre Gedanken erraten hatte. „Nein, in die Schlacht werden wir noch nicht ziehen – ich und ein paar andere Würdenträger werden uns aufmachen, das Orakel aufzusuchen und uns die Zeichen für die Unternehmung deuten zu lassen.“
    Lerca atmete hörbar aus. Zwar hielt sie von allerlei vagen religiösen Zeichen und Deutungen nicht viel, die ihr aller Leben ganz konkret bestimmen sollten, aber wenigstens bedeutete das noch keinen sofortigen Kampfbeginn. Noch nicht.
    Er nahm ihre Hände und sah ihr abermals tief in die Augen. „Keine Angst, ich werde bald zurückkehren. Und dann werden die Perser sich wünschen, dass Hades sie bereits in seinen kalten, unnachgiebigen Klauen hielte.“
    Lächelnd küsste er seine Frau auf die Stirn, und Lerca schloss mit einem warmen Gefühl im Herzen, dessen sie sich nicht erwehren konnte, die Augen. Als sich die warmen, unglaublich weichen Lippen wieder von ihrer feuchten Haut lösten, seufzte sie auf – dieser Moment, einer der wenigen wertvollen, die sie in ihrer Erinnerung hatte, hätte ihretwegen ewig dauern können.
    Die Hand zum Abschied erhoben, drehte ihr Mann sich um und verließ die Bucht, während Lerca zurückblieb, die Hände vor der Brust verschränkt und den Kopf voller rasender Gedanken.
    Leonidas, einer der beiden Könige Spartas, verließ den Ort, ohne sich noch einmal umzuwenden.


  • (by Loroqueen)


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    Der Persephone-Mythos


    Sanft strichen die flüchtigen Finger des Windes über das satte, lebendig grüne Gras. Jeden einzelnen Halm bewegten sie mit so großer, beinahe zärtlicher Sorgfalt, dass man meinen könnte, den Anklang einer fernen Liebe zu spüren.
    Ein Sesokitz, das aufgeregt über die Wiese galoppierte, vernahm dies nicht. Seine starken, schlanken Beine schienen den Boden unter den gespaltenen Hufen kaum zu berühren, und das gelbe Haarbüschel auf seinem Kopf wippte aufgeregt hin und her.
    Persephone lachte. Ihre jugendliche Stimme schallte über das weite Grün, während sie eifrig dahinpreschte, nur ihrem eigenen Vergnügen nachjagend.
    Als sie schließlich erschöpft zum Stehen kam, betrachtete sie ihre Umgebung. Zwischen den saftigen, weiten Hügeln war sie weiter vorangeprescht als jemals zuvor, den heimischen Wald weit hinter sich lassend. Stolz reckte sie die kleine, rehgleiche Stupsnase in die Höhe. Ihr wunderschönes, kirschblütenfarbenes Rückenfell, das auch ihre Ohren bedeckte, strahlte im Licht der untergehenden Sonnenscheibe und verlieh ihr ein erhabenes, göttliches Aussehen.Gerade wollte sie umkehren und heimischen Gefilden zustreben, als ein starkes Kribbeln im Nacken sie erstarren ließ.
    "Hallo, meine Schöne", flüsterte es plötzlich dicht an ihrem Ohr.


    "Persephone!", schallte ein lautes, gebieterisches Rufen durch die lebendigen Flure des immergrünen Waldes. Demeter, die mit göttlichen Kräften gesegnete Kronjuwildkuh, durchwanderte gemessenen Schrittes ihr Reich. Mit wachsamem Blick sah sie sich um, denn obwohl sie jeden Winkel ihres sich stets verändernden Territoriums kannte, so gelang es ihrer übermütigen Tochter doch immer wieder, sich ihrer Aufmerksamkeit zu entziehen. Ein unruhiges Gefühl griff dieses Mal jedoch nach dem Herzen der gewaltigen, Leben und Fruchtbarkeit verheißenden Göttin, und ihr kurzer Schwanz wedelte nervös hin und her.
    Demeter schüttelte energisch ihr majestätisches Haupt, dessen wechselhaftes Geweih zur Zeit mit zarten, rosanen Blüten geschmückt war. Haselnussbraunes Fell überzog beinahe den ganzen Körper des Hirschpokémon, dessen majestätische Erscheinung jedes Wesen vor Ehrfurcht erstarren ließ.
    "Sollte ich Vater um Hilfe bitten?", flüsterte sie leise. Es war ihr nicht gerade Recht, den Herrn der Götter, den Herrscher im Donnergebälk Zeus, wegen einer solchen Kleinigkeit aufzusuchen. Doch ihr ungutes Gefühl ließ ihr keine Ruhe - noch nie hatte sie so lange gebraucht, um ihre Tochter zu finden, normalerweise spürte sie sehr genau, wo diese sich befand.
    Erneut schüttelte Demeter ihr prächtiges Geweih und stampfte fest mit einem ihrer Hinterläufe auf den unebenen Waldboden.
    "Was rede ich denn da?", sprach sie mit fester Stimme. "Wenn ich meine Tochter nicht finden kann ... dann muss ich wohl meine werte Verwandtschaft um Unterstützung bitten." Mit mulmigem Gefühl im Herzen strebte sie nun der ursprünglichen Heimat weit im Norden zu – den klüftigen Höhen des heiligen Berges Olympos.


    Fasziniert spazierte Persephone durch die felsigen Tiefen des unterirdischen Reiches, das den Namen seines Herrn trug. Sie hatte sich die Unterwelt immer als einen trostlosen, paradoxerweise seelenlosen Ort vorgestellt, den nur die schaurigen Schatten verblichener Wesen durchzogen. Tatsächlich überzog Feuchtigkeit die rauen, felsigen Wände mit einem schmierigen Film, und die weiten Gänge und Hallen wurden von dämmrigem blauen Licht unbekannter Herkunft erfüllt. Doch gerade diese unstete, wenig greifbare Düsternis zog Persephone magisch an.
    Sie wusste nicht genau, was Hades von ihr gewollt hatte. Das Hundemon hatte sie nur mit seinen unergründlichen, leuchtend roten Augen angesehen, bis sie vor Scham den Blick hatte senken müssen. Mit ausgesucht freundlichen Worten und einem zum Dahinschmelzen warmen Lächeln hatte er sie dazu eingeladen, ihm zu folgen. Gern war sie dem tiefschwarzen Totengott mit der feuerroten Schnauze und den elfenbeinfarbenen Auswüchsen auf dem Rücken sowie den großen, gewundenen Hörnern auf dem Haupt gefolgt – zu faszinierend war er ihr erschienen, um lange widerstehen zu können.
    Nun erkundete sie allein die verschlungenen Pfade des Totenreichs. Warum Hades plötzlich verschwunden war, nachdem er ihr gestattet hatte, sich nach Belieben umzusehen, vermochte sie nicht zu sagen ... doch die Neugier war schon immer der stärkste Antrieb des jungen Pokémon gewesen, also hatte sie sich völlig von dem ganz eigenen Zauber dieses Ortes vereinnahmen lassen und erforschte unermüdlich jede Höhle und jeden Gang auf ihrem Weg.
    Plötzlich drang ein eigenartiges Geräusch an ihre feinsinnigen Ohren. Sacht zunächst, sich doch beständig in ihren Gehörgängen sammelnd und immer stärker werdend. Sie versuchte angestrengt, die Klänge zuzuordnen. Plätschern, Rauschen, irgendwo dort hinten, hinter der nächsten Biegung ... und der plötzlich stärker gewordene, modrigfeuchte Geruch, der in ihre sensible Stupsnase drang ...
    Wasser?
    Die kleinen, zierlichen Hufe Persephones verursachten ein seltsam hallendes, klackerndes Geräusch, das mehrfach von den unebenen Wänden des Felsenganges zurückgeworfen wurde, als sie ihren Weg fortsetzte. Als sie um die Biegung bog, stellte sie völlig verblüfft fest, dass sie recht gehabt hatte.
    Vor ihr breitete sich die bislang größte steinerne Halle aus, die sie gesehen hatte. Doch genauere Details entzogen sich ihrem Blick, denn er wurde von etwas ganz anderem in Anspruch genommen ...
    In Mitten des Rundes fraß sich ein gewaltiger Fluss durch das Gestein zu ihren Füßen, dessen unstete Oberfläche das schummrige Licht der Unterweltpflanzen in einem magischen Lichtertanz an die Wände reflektierte - es wirkte fast so, als würden diese selbst aus Wasser bestehen und jeden Moment ins Nichts zerfließen.
    Wie benebelt ging Persephone nun auf das Objekt zu, das sie in diesem Moment am Meisten anzog. So unglaublich es war: Am Ufer des mehrere Steinwurf breiten Stromes wuchs ein Baum! Ein kleiner nur, an einem solchen Ort jedoch umso unwirklicher und wunderlicher. Als das junge Sesokitz nah genug herangekommen war, stellte es auch fest, dass sogar einige Früchte an den ansonsten kahlen, schmalen Ästen wuchsen – und von denen eine dicht zu ihren Füßen lag. Sie beschnüffelte das seltsame Ding, das sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die Farbe konnte sie in dem schattigen Licht kaum erkennen, nur die äußere Gestalt eröffnete sich ihr. Das beerenartige Gewächs hatte einen rundlichen, etwas in die Länge gezogenen Körper mit einem kleinen Rest Stiel am einen Ende. Das andere war sehr markant gezeichnet durch zackige Auswüchse an der Schale, die den Blick auf einen dunkleren, süß duftenden Kern freigaben.
    Da sie keinerlei Giftiges wittern konnte und auch ein wenig hungrig war, leckte sich Persephone schnell über die Lippen und biss dann vorsichtig in die überraschend weiche Schale der Frucht hinein. So süß ...
    Das tausendfach verstärkte Donnern von Hufen auf Gestein ließ sie plötzlich herumfahren, und aus dem gleichen Gang, den auch sie genommen hatte, stürmte plötzlich ihre Mutter Demeter in die Höhle. Wie die wütende, heranbrausende Flut wirkte die zornige Göttin – Persephone schluckte nervös. Doch plötzlich schob sich ein Schatten vor ihr Sichtfeld, der noch dunkler als die umgebenden Fetzen der Finsternis zu sein schien.
    "Hades!", brüllte Demeter, und ihr wildes Geschrei schien die Grundfesten der Unterwelt selbst zu erschüttern. Den Herrn der Toten ließ das jedoch vollkommen kalt.
    "Ich grüße dich, Demeter", sprach er mit rauer, sanfter Stimme und jagte Persephone erneut einen Schauer über den Rücken. Sein schmaler, in einen pfeilartigen Zacken endender Schwanz hing direkt vor ihrer Nase in der plötzlich sehr drückend erscheinenden Luft. "Du kommst uns besuchen?", fuhr er mit einem Funkeln in den Augen und einem charmanten Lächeln fort, was jedoch nur bewirkte, dass die Göttin vor ihm nun vollends die Fassung verlor.
    "Uns? Was fällt dir ein! Gib mir sofort meine Tochter zurück!"
    "Ich bedaure", erwiderte Hades in einem Tonfall, der alles andere als Bedauern ausdrückte, "aber das ist leider nicht möglich."
    Mit wissendem Lächeln trat er einen Schritt zur Seite und gab damit den Blick auf die verdutzt dreinschauende Persephone frei. Erleichtert wollte Demeter gerade auf sie zugehen, als ihr Blick auf die angebissene Frucht zu Boden fiel.
    "Nein", hauchte die Hirschkuh und trat angsterfüllt einen Schritt zurück. "Granabeeren! Du hast sie nicht gegessen ...!" Demeter schluckte, vor Schreck fast erstarrt.
    "Die Granabeere", sinnierte Hades. "Ein erstaunliches Ding, nicht wahr? Wer einmal von ihr isst, ist gebunden an diesen Ort - und an mich."
    Demeter fand erstaunlich schnell die Sprache wieder. Mit vor Wut verzerrter und gefrorener Stimme knurrte sie: "Das wirst du bereuen, du Hund!"
    "Das glaube ich kaum", erwiderte Hades kühl. Ein überlegenes Lächeln umspielte seine schmale Hundeschnauze.
    Ohnmächtig vor Verzweiflung spürte Demeter Tränen, schwer wie Eisenkugeln, in sich aufsteigen.
    "Dann werde ich meinen Segen von der Erde nehmen", schwor sie mit zittriger Stimme. "Nichts wird mehr wachsen, alles wird eingehen – dann wird Vater dich in Stücke reißen, wenn ihm die Grundlage für seine geliebten Opfergaben entzogen wird!“
    Hades schien nachdenklich. Allerdings nur einen kurzen Moment.
    "Ich bedaure", wiederholte er, und seine Stimme klang bedrohlich, wie rollende Felsen, "aber die Granabeere bindet sie. Sie ist nun kein Geschöpf der Oberwelt mehr - sie ist jetzt mein!“
    Mit einem Blick, der selbst Felsen in Flammen aufgehen lassen könnte, verlieh er seinen Worten Nachdruck.
    „Doch vielleicht wäre ein Kompromiss in deinem Sinne – ein halbes Jahr verweilt sie hier, an meiner Seite. Den Rest des Sonnenlaufes kann sie bei dir verbringen."


    So geschah es. In der Zeit, die Persephone bei ihrem Gatten verbringt, zerfressen Kummer und Trauer das Herz der Demeter, und alles Grüne geht ein, die ganze Welt versinkt in kaltem, leblosen Schlaf. Erst, als ihre Augen die Tochter wieder erblicken, erhellt sich das Herz der Göttin, und alles Leben erwacht aus seiner quälenden, gnadenlosen Starre.


    Das ist die Geschichte der Jahreszeiten.




  • Hey Kleio :)
    Da ich gerne mal bei den Einzelwerken stöbere ist mir deines auch nicht verborgen geblieben auch das du keinerlei Rückmeldung bekommen hast (in Form eines Kommis), weswegen ich mir dachte dir einfach mal einen zu hinterlassen. Ich hoffe ich kann dir in irgend einer Form helfen und vielleicht Anregung mit auf den Weg geben.~


    Zu deinem Startpost kann man nicht viel sagen, er ist ordentlich gestaltet, wobei du zu den einzelnen Punkten nicht viel geschrieben hast, aber einerseits ist es ja jedem das seinem ob er bereits in seinem Startpost viel schreiben möchte. Wobei ich aber sagen muss das du es bereits mit wenigen Worten und Sätzen schaffst, dein Topic zu beschreiben und auch einige Aspekte über dich (wie das mit den Träume^^). Auch das Bild finde ich sehr schön gewählt und passt auch zu deinem träumerischen Titel, der mich auch selber sehr anspricht. Ich liebe die Sterne und finde es immer wieder faszinierend, in dem dunklen Himmel kleine Lichter zu entdecken die die Dunkelheit ein Stück weit erhellen.



    Termophylia
    Uuh griechische Mythologie, ich selbst als Griechin bin auch ein Stück weit in den Mythen bewandert, ich liebe selber sehr Geschichte und Historische Ereignisse, weswegen es selber – nicht nur durch meine Nationalität – sondern vielmehr auch durch eigenes Interesse etnstanden ist, mich näher damit zu befassen. Wobei ich anmerken muss, das ich schon denke, das es ein „Muss“ ist, als Griechin ein bisschen etwas darüber zu wissen...^^ Aber nun gut, kommen wir zum eigentlichen.
    Allgemein hast du eine schöne Art zu schreiben, vor allem deine Beschreibungen waren sehr detailliert, aber haben dennoch nicht zu sehr von dem Geschehen abgelenkt, sondern waren ausführlich, dennoch aber auch in wenigen Worten vorstellbar beschrieben. Die Anfangsszene hat mich auch zudem etwas nachdenklich gemacht, ich selber kenne mich an sich nicht so gut aus mit dem Perser-Krieg (auch wenn ich hier etwas zu weit der Handlung vorausgehe, da erst später in deiner Kurzgeschichte darüber berichtet wird), aber kann es sein das die Flammen welche am Ende flackerten und für Friede und Freiheit stehen, so etwas wie eine Vorversagung des Endes wird? Jedenfalls wenn ich so recht darüber nachdenke und noch im Wissen bin, das die Spartaner damals gesiegt haben, wenn auch viele ausgelöscht worden sind, es dennoch aber gegen ihre Gegner geschafft haben, welche zudem auch deutlich in der Mehrzahl waren. Aber als ich zu Ende laß, kam mir dieser Gedanke, ob dies eine Verheißung auf den Sieg sein konnte. Jedenfalls wäre es meine Interpretation dessen.^^
    Die nächste handelt von Lecra, zunächst dachte ich das es sich um die Priesterin/Muse handelt, aber später kam mir natürlich die Erkenntnis das es eine andere Frau ist. Wiederum dachte ich das ihr Mann – Leonidas – Apoll wäre, da er erwähnte es machte ihn nur noch wütender, wenn sie sich wehrte. Mich erinnerte es sehr an diesen Gott, vor allem weil er dafür bekannt ist, Frauen aufzusuchen und besonders die Jagd nach solchen liebt, welche vor ihm flüchten (dazu fällt mir auch die Göttlich-Trilogie ein, welche auch von griechischen Götter handelt und konkreter gesagt um den trojanischen Krieg...Vielleicht sagt es dir was?).
    An deinem Schreibstil fand ich es vor allem beeindruckend, wie du die Übergänge gestaltet hast, zwischen Beschreibungen und Dialogen. Es wirkte überhaupt nicht gezwungen sondern fließend und sehr natürlich auf mich, was an sich (zumindest für mich) eine nicht so ganz einfache Sache ist, ein Gespräch zu gestaltet, dennoch aber immer mal wieder etwas auf das äußere einzugehen, damit dieses auch echt wirkt, als seien da wirklich zwei solche Menschen die sich unterhalten. Besonders dieses Merkmal ist mir bei deinem Werk aufgefallen und mir gefällt es auch, das du immer wieder offene Fragen stellst bzw. nicht sogleich alles preisgibst, sondern auch den Leser ein Stück weit im Dunkeln lässt und durchaus seine Neugierde wecken kannst (jedoch kann ich in dieser Hinsicht nur für mich sprechen) und diesen zum weiterlesen anlockst. Auch hat die Atmosphäre deiner Geschichte etwas ruhiges, dennoch aber gibt es viele Ansätze dafür, das dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist.


    Der Persephone-Mythos
    Eine schöne Nacherzählung, wobei ich mir zu beginn nicht ganz sicher war, ob es dann auch ernsthaft klingen mag, wenn Pokémon die Götter ersetzten, aber wer sagt das Pokémon nicht ernst sein können. Schließlich gibt es auch hier einige Autoren, welche das Gegenteil einem zeigen. Dennoch konnte ich mir nur schlecht vorstellen wie man so etwas angeht, aber in dieser Hinsicht, hast du mich sehr überzeugt.^^ Du hast eine schöne Nacherzählung geschrieben, aber trotzdem deine eigene Individualität mit ein fließen lassen, wenn man bedenkt das du auch einige Sachen, die in dem „Original“ vorhanden war, wie das Persephone entführt wurde und erst durch Zeus Eingreifen, welches aber sichtlich zu spät war, eine Einigung erzielt werden konnte, das Persephone im Sommer und Frühling zu ihrer Mutter darf und in den anderen beiden Jahreszeiten, wieder hinabsteigen musste zu ihrem Gatten. Aber selbst mit solchen Abänderungen, war es dennoch nicht schlecht, wohl eher ganz im Gegenteil.
    Die Wahl deiner Pokémon, die als solche die Götter repräsentieren sollen, war gut getroffen und haben auch sehr ins Bild gepasst. Wenn auch die Handlung anfangs noch sehr zaghaft voranging, beschleunigte es sich umso mehr im Laufe der Geschichte, zumindest hatte es für mich diesen Anschein. Auch das Hades schnell einen Kompromiss finden konnte (wohl fürchtete er sich ein bisschen vor dem Zorn der Göttin Demeter oder hatte genug Respekt vor den Gefühle einer Mutter...). Zwar wünschte ich mir du vielleicht ein bisschen mehr Dialoge auch von Seiten des Sesokitz geschrieben hättest, die du auch sehr naiv dargestellt hast, aber dieser Charakterzug auch sehr zu dem Pokémon passt. Diesen Punkt hättest du meiner Meinung nach, auch etwas ausarbeiten können, wenn es auch eher eine Kleinigkeit ist, wenn man sich das Ganze ansieht, das sonst schön beschrieben wurde. Ich finde das du die Elemente einer Mythologie gut miteinbezogen hast, dennoch auch etwas von dir in diesem Werk eingeflossen hast und intelligent mit Pokémon kombiniert hast. (=



    Ich hoffe ich konnte dir vielleicht etwas weiterhelfen, wobei ich wenig Kritik äußern konnte um das auch wirklich zu tun.^^ Aber dennoch hoffe ich das du dich über meinen Kommentar freust und würde gerne bei weiteren Veröffentlichungen deiner Werke benachrichtigt werden.

  • Hallihallo, du meine erste Kommentatorin! o^-^o


    Tut mir Leid, dass ich zum Antworten so lange gebraucht habe x3


    Also, los geht’s!


    Zitat

    Ich liebe die Sterne und finde es immer wieder faszinierend, in dem dunklen Himmel kleine Lichter zu entdecken die die Dunkelheit ein Stück weit erhellen.


    Jaa … es ist ein beruhigender Anblick, nicht?


    Zitat

    Uuh griechische Mythologie, ich selbst als Griechin bin auch ein Stück weit in den Mythen bewandert, ich liebe selber sehr Geschichte und Historische Ereignisse, weswegen es selber – nicht nur durch meine Nationalität – sondern vielmehr auch durch eigenes Interesse etnstanden ist, mich näher damit zu befassen.


    Ohh, coole Sache! Das ist auch mein großes Interessengebiet, mal schauen, wie weit wir noch übereinkommen^^
    Aber die Sprache der alten Griechen ist höllisch, da preise ich das Neugriechische, von dem unser Dozent sagt, dass es die Akzente abgeschafft habe … /OT


    Zitat

    [...] aber kann es sein das die Flammen welche am Ende flackerten und für Friede und Freiheit stehen, so etwas wie eine Vorversagung des Endes wird? Jedenfalls wenn ich so recht darüber nachdenke und noch im Wissen bin, das die Spartaner damals gesiegt haben, wenn auch viele ausgelöscht worden sind, es dennoch aber gegen ihre Gegner geschafft haben, welche zudem auch deutlich in der Mehrzahl waren. Aber als ich zu Ende laß, kam mir dieser Gedanke, ob dies eine Verheißung auf den Sieg sein konnte. Jedenfalls wäre es meine Interpretation dessen.^^


    Hmmmm jein^^
    Die Kämpfe an den Thermophylen wurden gar nicht gewonnen, erst bei Plataiai (soweit ich mich erinnere) wurden die Perser von einer Koalition verschiedener Poleis weit genug zurückgeschlagen, dass es sich für sie nicht mehr lohnte, ihre Invasionspläne weiter zu verfolgen.
    Die Flammen hier sollen einfach die bevorstehende Bedrohung verdeutlichen, von der aus Sicht der Protagonisten ja nicht absehbar ist, wie es enden wird. So wie das Feuer vom Erlöschen bedroht ist, sind es auch die Werte Frieden und Freiheit (wobei letzteres deutlich wichtiger ist).


    Zitat

    Wiederum dachte ich das ihr Mann – Leonidas – Apoll wäre, da er erwähnte es machte ihn nur noch wütender, wenn sie sich wehrte. Mich erinnerte es sehr an diesen Gott, vor allem weil er dafür bekannt ist, Frauen aufzusuchen und besonders die Jagd nach solchen liebt, welche vor ihm flüchten (dazu fällt mir auch die Göttlich-Trilogie ein, welche auch von griechischen Götter handelt und konkreter gesagt um den trojanischen Krieg...Vielleicht sagt es dir was?).


    Ich kenne die Reihe zwar nicht, habe aber vor, mal reinzushcnuppern.
    Ja, Apollon … gibt es da nicht diese Geschichte mit der Nymphe, der er hinterherrennt? Der Gott des silbernen Bogens jedenfalls diente hier nicht als Inspiration, wenn das auch ein schöner Ansatz gewesen wäre … ich wollte eher eine leidenschaftliche Beziehung andeuten^^


    Zitat

    An deinem Schreibstil fand ich es vor allem beeindruckend, wie du die Übergänge gestaltet hast, zwischen Beschreibungen und Dialogen. Es wirkte überhaupt nicht gezwungen sondern fließend und sehr natürlich auf mich, was an sich (zumindest für mich) eine nicht so ganz einfache Sache ist, ein Gespräch zu gestaltet, dennoch aber immer mal wieder etwas auf das äußere einzugehen, damit dieses auch echt wirkt, als seien da wirklich zwei solche Menschen die sich unterhalten.


    Oha, vielen herzlichen Dank! Was du beschreibst, ist etwas, das ich bei anderen Autoren unheimlich schätze: Federleichtes, kaum Wahrnehmbares, das einem ein gewisses Gefühl von Realität in der Geschichte gibt. Ich habe mich immer staunend gefragt, wie man so etwas hinbekommt, und dann sagst du mir, mir sei so etwas gelungen? Wow, vielen Dank, du ahnst nicht, wie sehr mich das freut :DDDDD




    Besonders nett finde ich von dir btw, dass du dir die Zeit genommen hast, beide bislang ausgestellten Werke zu begutachten. Mal schauen, was du noch so zu sagen hast!


    Zitat

    Eine schöne Nacherzählung, wobei ich mir zu beginn nicht ganz sicher war, ob es dann auch ernsthaft klingen mag, wenn Pokémon die Götter ersetzten, aber wer sagt das Pokémon nicht ernst sein können.


    Ja, das wirkt zunächst seltsam, nicht? Zumal die griechische Mythologie i.d.R. alles andere als jugendfreundlich ist (Zeus, der alte Haudegen besonders …) und damit mit einem doch sehr jugendlastigen Themengebiet (→ Pokémon) kollidiert – und ich meine, gerade der Persephone-Mythos, wenn man sich die verwandtschaftlichen Beziehungen so vergegenwertigt …
    Jedenfalls ist diese Mischung nicht zufällig entstanden: Das war eine Abgabe zu einem SpritingXFF-Collab mit dem Thema ''Sagen und Mythen in Pokémongestalt'' (oder ein ähnlicher Titel). Falls du selbst schreibst, mach ruhig mal bei diesen und regulären Wettbewerben mit, das macht irre viel Spaß!


    Zitat

    [...] aber trotzdem deine eigene Individualität mit ein fließen lassen, wenn man bedenkt das du auch einige Sachen, die in dem „Original“ vorhanden war, wie das Persephone entführt wurde und erst durch Zeus Eingreifen, welches aber sichtlich zu spät war, eine Einigung erzielt werden konnte, das Persephone im Sommer und Frühling zu ihrer Mutter darf und in den anderen beiden Jahreszeiten, wieder hinabsteigen musste zu ihrem Gatten. Aber selbst mit solchen Abänderungen, war es dennoch nicht schlecht, wohl eher ganz im Gegenteil.


    Leider weiß ich gerade nicht so ganz, was du mit ''Änderungen'' meinst – so, wie ich den Mythos kenne, geht er ja genau so. Nur, dass ich Hades mehr habe locken lassen als einen konkreten Zwang zu beschreiben (das wäre für diese Plattform imo doch etwas zu hart gewesen). Oder meintest du genau das (in jedem Fall danke für das Lob, das freut mich x3)?


    Zitat

    Zwar wünschte ich mir du vielleicht ein bisschen mehr Dialoge auch von Seiten des Sesokitz geschrieben hättest, die du auch sehr naiv dargestellt hast, aber dieser Charakterzug auch sehr zu dem Pokémon passt. Diesen Punkt hättest du meiner Meinung nach, auch etwas ausarbeiten können, wenn es auch eher eine Kleinigkeit ist, wenn man sich das Ganze ansieht, das sonst schön beschrieben wurde.


    Du glaubst nicht, wie viel ich gekürzt habe … ich wollte eigentlich noch eine Szene mit Demeter und Zeus auf dem Olymp einfließen lassen, aber die musste der Wortbegrenzung des Wettbewerbes zum Opfer fallen x(
    Aber an Näheres zu Persephone habe ich tatsächlich nicht gedacht. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass sie in diesem Mythos eine sehr passive Rolle hat: Sie wird ja im Grunde nur hin und her geschoben, ohne, dass sie selbst großartig in Erscheinung tritt. Man könnte jetzt gutwillig sagen, dass dieses Fehlen den Charakter unterstreicht (der sich während der Zeit als Hades' Gattin imo grundlegend ändert …), aber ich denke eher, dass ich in diesem Fall schlicht und einfach darüber hinweggekommen bin, weil sie eben in dieser Geschichte auch ursprünglich sehr unbeteiligt ist.


    Auf jeden Fall vieeeeeeeee[...]eeelen Dank für das viele Lob – du führst mich fast in Versuchung, ein reines Mythos-Topic hieraus zu machen, aber ich glaube, ich halte mir das thematisch doch noch etwas offen. Dass du weiterlesen willst, wenn ich mal wieder etwas kleineres schreibe, finde ich wunderbar und trage dich liebend gern als Leser ein (wenn du denn noch willst) :3


    Liebe Grüße,


    Sheo ~

  • Hallo Sheo,


    es ist schon eine Weile her, dass wir uns geschrieben haben und ich dachte mir, da du eine Feedback-Meldung aufgegeben hast und ich dir eigentlich auch noch etwas für das Shiny-Flunkifer damals schulde (danke nochmal für deine Mühen, ich rechne dir das hoch an!), möchte ich dir auch gleich eine Rückmeldung zu deinem Topic geben. Speziell werde ich wohl auf Thermophylai eingehen, aber alles der Reihe nach.


    Da wollte ich eigentlich etwas zum Aufbau des Startposts sagen und plötzlich fällt mir doch der Sternenstaub über dem i im Titel auf! Eigentlich eine kleine Sache, die nicht sofort auffällt es macht auch auf seine Art einen "süßen" bzw. liebevollen Eindruck, wenn man das nun mit dem Header kombiniert sieht. Überhaupt hast du dich sehr schlicht gehalten, was das Design anbelangt und besonders bei so manch überladenem Startpost mit zu vielen Tabmenüs und dergleichen ist das eine wahre Wohltat zu sehen. So gesehen gibst du dir kaum eine Blöße und zeigst allein schon hier mit deinen Formulierungen auf, dass du dich in deinem Element befindest. Alles Wichtige ist vorhanden und die Tabelle mit Kurzinformationen ist sehr hilfreich, falls man gezielt nach Geschichten sucht. Die einzige Sache, die mir einfallen würde, ist, dass sich hier meines Erachtens zu viele Leerräume befinden und durch die daraus resultierende Streckung wirkt es, als wolltest du die Kürze der Informationen verbergen. Wie gesagt, das ist nur mein Eindruck und wenn es dir so gefällt, dann ist das absolut in Ordnung. Und hatte ich schon erwähnt, dass ich den Titel mag? Jetzt weißt du es auf jeden Fall!


    Nun aber zur Geschichte, Thermophylai. Erst einmal eine Frage an dich: Bei einer Suche in Wikipedia kam ich auf Thermopylen, während du Thermophylen schreibst. Darf ich annehmen, dass beides gültig ist und letzteres wohl durch die Umschrift entsteht?
    Aber zurück zur Geschichte. Wie schon erwartet, du legst tatsächlich von Anfang an mit sehr plastischen Beschreibungen und abwechslungsreichen, teils wirklich schönen Umschreibungen los und kannst damit gleich einmal so manches Leserherz umgarnen und quasi fangen, damit sie weiterlesen möchten. Es hat auch etwas durchaus Spannendes an sich, mit solch einem Ausblick, ich nenne es einmal Prophezeihung, zu beginnen, da man selbst noch nicht abschätzen kann, wovon der Plot im Endeffekt handeln wird. Zweifellos wird es aber mit diesen beiden Feuern zu tun haben, die zu flackern begonnen haben. Und da ich mit der Materie kaum vertraut bin, stellen sich mir schon einmal einige Fragen, wie etwa, wie viele dieser Feuer es geben mag - immerhin möchte man zumindest eine grobe Vorstellung davon haben - und auch, ob der Adler damals in der Antike eine bestimmte Bedeutung hatte. Kalliope schien zumindest so, als würde sein Schrei auf etwas Bestimmtes hinauslaufen.
    Ein kleiner Szenenwechsel läutet dann quasi den Anfang vom Ende ein, wie man später erfahren sollte. Auch hier hast du sehr geschickt ein ruhiges Szenario für den Anfang gewählt, in dem du in deinen Beschreibungen aufgehst und sie so malerisch wie nur irgend möglich darstellst. Das macht es für den Leser leichter, sich gewisse Dinge vorzustellen und überhaupt in einer Kurzgeschichte kann dies unangeahnte Wege bereiten. Auch wenn ich mich persönlich nach einiger Zeit etwas mit dieser Ausführlichkeit übersättigt fühlte, weil das doch viel ist, womit man konfrontiert wird, so passt diese Ausdrucksart durchaus für eine Erzählung aus dieser Zeit und das hast du auch später in den Dialogen gezeigt. Überhaupt wirken Lerca und Leonidas sehr vertraut, menschlich und necken sich mit einer guten Prise Sarkasmus, was zwischendurch auf seine Weise aufweckend wirkt. Der weitere Verlauf, in dem er dann seine Vermutungen preis gibt, ist dir gut gelungen, manches Mal mit Längen, aber sehr interessant ausgeschmückt. Der Schluss wirkte hingegen etwas abgehakt; vielleicht hätte hier noch eine kleine Bemerkung Lercas verholfen, die Szene ausklingen zu lassen, denn im Grunde verabschiedet sie sich kaum. Die Namensoffenbarung am Ende kam wenig überraschend, da Spartaner und Perser ohnehin auf Leonidas schließen ließen. Trotz allem aber eine sehr nette Vorgeschichte.


    Wie gesagt, es gibt eigentlich kaum etwas zu bemängeln an deiner Geschichte und vermutlich habe ich ohnehin zu viel um den heißen Brei geredet. Einige Dinge sind mir noch aufgefallen, die erläutere ich etwas weiter unten noch genauer. Für den Moment belasse ich es aber dabei und hoffe, dass dich die Kritik zufrieden gestimmt hat. Vielleicht liest man sich ja schon bald wieder.


    ~Rusalka


  • Hi, Snake!


    In der Tat hatten wir lange keinen Kontakt und ich glaube, wir sollten uns nochmal unterhalten, du weißt schon ~


    Zunächst einmal vielen Dank, dass du dich des Topics so schnell und gründlich angenommen hast^^


    Was den Stern angeht: Im Prinzip ist das aus der Not heraus so entstanden. Ein lila beim Top-Beleber harmoniert imo besser mit dem Header, aber schön, dass das gut ankommt!


    Zitat

    Überhaupt hast du dich sehr schlicht gehalten, was das Design anbelangt und besonders bei so manch überladenem Startpost mit zu vielen Tabmenüs und dergleichen ist das eine wahre Wohltat zu sehen.


    Danke erstmal! Ich hatte damals lange überlegt, wie ich das Ganze gestalte, und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass es auf diese Weise am Besten ist. Zum einen, weil es für die Texte kein thematisches "Dach" geben sollte und ein größerer Designkomplex da schwierig ist bzw. durcheinander wirken könnte. Zum anderen steht die Werkeübersicht so im Mittelpunkt, was ich recht angenehm finde.
    Du sprichst später von den Leerräumen. Ich kann den Eindruck nachvollziehen, das Problematische aber war, dass das Ganze zusammengestaucht viel zu gequetscht gewirkt hätte. Darum habe ich lieber ein bisschen Luft gelassen als alles aufeinander zu schichten^^


    "Thermopylen", hm ... ich kenne es nur mit phi, vielleicht gibt es verschiedene Schreibweisen. Ich vermute, dass die mit pi auch mehr Sinn ergibt (pylos = Tor, Pforte). Es ist auch möglich, dass ich da ein anderes Wort im Kopf hatte und das gemixt habe, aber ich finde das in diesem Fall nicht schlimm - ah, mir fällt wieder ein, was der Grund ist: Meine Dozenten Sprachen das, wenn die Rede darauf kam, immer mit phi aus. Naja, letztendlich ist das eine Kleinigkeit - zwar rechtschreibtechnisch vermutlich nicht ganz korrekt, aber nennen wir es einfach so: Vom klang her hat das phi eine 'erzählerischere' Wirkung, finde ich. Mit Pi klingt es so sehr nach Säulen (kA, wie ich das ausdrücken soll x3).


    Die Feuer sind eine Gedankenspielerei von mir - ich wüsste jetzt nicht, dass es solche Symbolfeuer neben dem drogenbenebelten Orakel in Delphi gegeben hat, aber ich fand es passend.
    Wenn du möchtest, kann ich dir meine Gedanken dazu geben, die auf die geschichtlichen Hintergründe abzielen. Wichtig als Kurzinformation ist, dass eine große Bedrohung bevorsteht und es für 'die Griechen' nichts Wichtigeres gab als ihre (politische) Freiheit.
    Der Adler ist ein Symbol für Zeus bzw. generell gern als göttliches Zeichen genommen worden (u.a. schon in der Odyssee). Dass er in Zusammenhang mit den flackernden Flammen erscheint, soll das Omen noch stärker erscheinen lassen (und schicksalhafter weil 'göttlich beglaubigt', aus Kalliopes Sicht).


    Übersättigt, ja ... wäre das ein vollständiger Roman geworden, hätte man da vermutlich auch einiges herausnehmen müssen. Ich muss da generell mal mehr drauf achten, danke x3 (man hat eben immer so viel, was man unterbringen will *seufz*)


    Hm ... ja, eine Bemerkung Lercas wäre auch noch nett als Abschluss gewesen, oder zumindest ein Gedanke, das ist wahr.
    Die Offenbarung Leonidas' am Ende, jaaaaa. Mir war schon immer klar, dass das wenig überraschend rüberkommt, gerade durch "300" u.Ä. Ich glaube, ich wollte auch einfach nur das Doppelkönigtum nochmal deutlich einfließen lassen (weil ich es immer schade finde, dass Leonidas als einziger König Spartas dargestellt wird) ... und mir gefiel das als Schlusssatz trotzdem. Große Hoffnung, dass das jemanden überrascht, hatte ich eigentlich gar nicht x3


    Ich habe mich sehr über den Kommi gefreut, vielen Dank! Ich werde die Anmerkungen vom Spoiler noch ausbessern. Demnächst möchte ich die Geschichte von Ares und Aphrodite nacherzählen, falls du daran Interesse hast ... :)


    lg


    ~ Sheo

  • Ein Schicksal


    Ein Weinen hallt durch tiefe, dunkle Nacht
    Die Lavendelstadt schläft, ganz ohne Acht.
    Es hört kein Mensch das laute Klagen dort
    Ein Kind sucht seine Mutter - sie ist fort.


    Gehüllt in tiefes Schwarz, so kamen sie
    Die Mutter rief noch laut: "Mein Kind, nun flieh!"
    Sie raubten Leben, keines blieb verschont
    Das Kind lief weg - vom Berg, wo es gewohnt.


    Nun sitzt es hier, hat kein' mehr außer sich
    Ganz tief ins Herz bohrt sich der starke Stich.
    Bis dicht zur Stadt ist er gekommen nun
    Hat keine Kraft noch Ahnung, was zu tun.


    Ihn Schrecken Schritte aus der Trauer auf
    Ein alter Mann kommt von der Stadt herauf.
    Doch jenes Kind ist schwach und kann nicht fort
    Und jener Mann erreicht jetzt diesen Ort.


    Er stutzt und sieht des Kleinen Schmerz
    Es trauert ihn und rührt sein Herz.
    Mit freundlich' Stimm' verspricht er Mut:
    "Tragosso, es wird alles gut"




  • Guten Morgen ^^


    Ich dachte mir, ich gebe einen Kommentar ab und lasse mich ein bisschen über dein Gedicht aus. Eines vorweg: ich bin auch kein Profi, was das Schreiben von Gedichten angeht, aber ich will trotzdem versuchen das, was du niedergeschrieben hast, für mich zu definieren, zu interprtieren und zu kommentieren.


    °°°

    "Ein Schicksal"
    Der Anfang des Gedichts ist noch sehr undurchschaubar und leicht abstrakt gehalten. Man bekommt eine Beschreibung, was vor sich geht, kann die Situation aber nicht einordnen und lässt sich von den nachfolgenden Versen geradezu mitreißen. Man bezieht das Geschehene dabei unwillkührlich eher auf eine menschliche Mutter und deren Kind, und eben nicht auf zwei Pokémon, die gewaltsam getrennt wurden. Dies erfährt man praktisch erst später, wenn man endlich den genauen Überblick erhält. Finde ich aber gut so.
    Du baust also schon im Vorfeld eine große Spannung auf, die vor allem in der zweiten und dritten Strophe ihren Höhepunkt findet und dann langsam abflaut. Damit lässt du dem Leser die Möglichkeit, sich an die neue Situation anzupassen, ohne große Sprünge zu machen.


    Die Thematik selbst ist natürlich sehr traurig und durch die aufkommende Gewalt sehr dramatisch. Zwar hälst du dich in deiner Wortwahl sehr vereinfacht und gehst nicht ins Detail, aber man spürt als Leser, dass Furchtbares geschieht und man um das "Kind" bangt. Du bringst es in Kurzform auf den Punkt und dies verursacht ein unbehagliches Gefühl, welches aber spätestens innerhalb der vierten Strophe, als der alte Mann dazu kommt, ein allmähliches Ende findet. Man spürt sofort, dass von eben jenem keine Gefahr ausgeht und dass er helfen kann.


    Und da kommt auch der Umbruch. Wo zuerst die Spannung und dieses Grauen im Vordergrund standen, werden diese mit der letzten Strophe ausgemerzt. Allen voran durch die letzten beiden Sätze. Tragossos Trauer schwingt stark im Gedicht mit, als aber der alte Mann dazu kommt und dem jungen Pokémon Mut zu spricht, verfliegen alle negativen Gefühle und man spürt einen Hauch von Wärme.
    Gerade der letzte Satz versprüht förmlich einen großen Hoffnungsschimmer für das Tragosso und als Leser hat man nun das Gefühl, dass wirklich alles gut wird und dass es keine Angst mehr zu haben braucht.


    °°°


    So, dass wär's erstmal von mir. Ich habe eigentlich nichts an deinem Gedicht auszusetzen. Es ließt sich wirklich flüssig, hat eine sehr gute Spannungskurve und auch die Thematik sagt mir zu. Alles in allem eine saubere und solide Arbeit.

    "Wie beim Kartenspiel kommt es auch im wirklichen Leben darauf an,
    das Beste aus dem zu machen, was einem gegeben wurde,
    anstatt sich über ein ungünstiges Blatt zu beschweren und mit dem Schicksal zu hadern."


    [Astor, Pokémon - Schwarze Edition]

    Nur noch sporadisch im BisaBoard.

    Einmal editiert, zuletzt von Foxhound ()

  • Hey, @Foxhound`71!


    Entschuldige die späte Antwort.


    Es ist nett, dass du dich des Gedichtes trotzdem angenommen hast - mal schauen, was ich dir so antworten kann :)
    So viel Lob, danke! Ich finde Lyrik immer sehr anstrengend zu schreiben und bin daher froh, wenn das Ergebnis sich in etwa so auswirkt, wie beabsichtigt!
    Ich fand es schon immer faszinierend, sich Gedanken über die "unerzählten" Geschichten/Aspekte der Pokémonwelt Gedanken zu machen, in diesem Fall die Geschichte des einsamen Tragossos (bzw. im Grunde des Lavandia-Geistes) aus den ersten Pokémonspielen. Dementsprechend ist der Mann am Ende auch Mr. Fuji, der das verwaiste Tragosso dann bei sich aufnimmt :)



    Vielen Dank nochmal für deinen Kommentar! Ich freue mich wirklich sehr, dass dir das Gedicht Gefallen hat!


    Liebe Grüße,


    Sheo ~

  • Sehnsucht


    Mit warmem Blick schaut das Himmelsauge herab und spendet mit seinen langen, feurigen Wimpern Leben.
    Fast kann ich das Rauschen des murmelnden Meeres hören, aufseufzendes Krachen, wenn die mächtigen Wellenbrecher gegen steile Küstenwände schlagen und in Myriaden funkelnder Kristallsplitter zerspringen.
    Fast kann ich den würzigen, erdigen Duft wahrnehmen, der die grünen Lungen des Planeten durchzieht, saftige Wiesen und Felder umweht.


    Fast.


    Aber ich sehe.
    Menschen, Pokémon, ständiges Kämpfen, Lachen, Leben - Sterben. Das ewige Chaos, dem diese Welt unterworfen ist.


    Ob das auf mich zutrifft?
    Ich lebe hier, einem verzerrten Gegenstück eurer Welt.
    Mein Name, längst vergessen.


    Ich bin Giratina.



  • Dämmerung




    Ein – Aus. Ein – Aus.
    Mit tiefen Atemzügen sog Lydia die frische, nach Laub und Feuchtigkeit duftende Luft des Waldes in ihre Lungen. Nervosität war kein Ausdruck für das, was die junge Frau in diesem Moment empfand.
    Schritt für Schritt schien sie sich langsamer zu bewegen, als hätte sich die Luft um sie herum plötzlich in zähen Brei verwandelt - als versuchten unsichtbare Spinnenweben, sie aufzuhalten und zur Umkehr zu bewegen. Da hatte sie so lange gewartet, so lange gebraucht, um die notwendigen Studiengebühren aufzutreiben, und dann war sie zu aufgeregt, um den Weg zu Ende zu bringen? Niemals!
    Energisch stieß die Schwarzhaarige die Luft aus ihren Lungen, ergriff trotzig die schmalen Riemen ihres schwarzen Rucksacks und setzte mit festen, entschlossenen Schritten ihren Weg fort.
    Zarte Böen streichelten das feinfingrige Laubwerk über ihrem Kopf, was ein tanzendes Lichtspiel auf den gepflegten Pfad zauberte, den schon so viele vor der jungen Frau beschritten hatten. Das zitternde Rascheln des fein gewebten, grün leuchtenden Baldachins klang fast wie ein Lachen – als wollte dieser verfluchte Zauberforst ihre Unsicherheit verspotten!
    Dragonvale … die berühmte Akademie für Zauberkunst … sie umgab der immer lichter werdende Wald und war das langersehnte Ziel der angehenden Studentin. Dort wollte sie hin, schon seit sie ein kleines Mädchen gewesen war – seit der ihr teuerste Mensch auf der Welt fortgegangen war …
    Lydia strich sich die zu ihrem langen Mantel passende kirschrote Strähne, die die rechte Seite ihres kurzen Haarbewuchses zierte, aus den Augen und hielt einen Moment inne. Ihr Herzschlag donnerte wie eine rasende Centaurusherde durch die knöchernen Weiten ihres Brustkorbes – warum war sie nur so nervös?
    Unwillkürlich schob sich ihr linker Mundwinkel zu einem sanften Lächeln in die Höhe. Sie griff nach dem ledernen Beutel, der stets an ihrer Seite baumelte, und fischte den wertvollsten Gegenstand heraus, den sie besaß …
    Kühl und beruhigend lag das runde, goldene Kleinod in ihrer Handfläche – schlagartig schien alle Aufregung wie fortgeweht. Vorsichtig fuhr sie mit ihrem Finger die feingliedrigen, im Kreis angeordneten Verzierungen nach und betrachtete gedankenversunken die winzigen Einhörner aus blendend hellem Mondstein, die zwischen ihnen eingelassen waren.
    „Celeste...“, flüsterte sie leise, und ihr Lächeln wurde breiter. Wie lange war es her, dass ihre beste Freundin mit ihrem Vater fortgezogen war, als dieser die Stelle als Leiter der Dragonvale-Akademie angenommen hatte? 10 Jahre? Es kam Lydia wie eine Ewigkeit vor. Und ebenso lange besaß sie nun diesen wunderschönen Talisman – ein Zeichen der ewigen Freundschaft, die sie und Celeste sich nun vor gefühlten Äonen geschworen hatten.
    Mit neuer Zuversicht erfüllt verstaute sie das uhrenförmige Schmuckstück wieder in ihrem Beutel, wischte die mit einem leichten Schweißfilm überzogenen Hände an ihrer anthrazitfarbenen Hose ab und begann, den letzten Hügel zur größten Magielehranstalt der Welt emporzusteigen. Jetzt schienen die Geräusche des Waldes sie nicht mehr zu verspotten: Ein sanftes Lüftchen vermischte das nun wie ein ermutigendes Flüstern klingende Rascheln mit anderen Geräuschen der Umgebung und trug sie vorsichtig streichelnd an ihre Ohren. Zusammen mit dem zarten Plätschern des sich unweit des Weges dahin schlängelnden Baches und dem bunten Zwitschern verschiedenster Vogelarten ergab sich eine einzigartigen Symphonie, die sie ihrem Ziel noch schneller entgegenzuschubsen schien und ihren Schritt wie auch ihren Geist aufs Neue beflügelte.
    Allmählich wichen die Kastanien und Ahornbäume weiter zurück, als würden sie den Weg räumen und vor dem majestätischen Anblick zurücktreten, der Lydia auf der Kuppe der Erhebung erwartete. Dort unten, mitten in einem Talkessel, umgeben von saftig-grünen Hügeln und mystischen Wäldern, lag sie nun endlich vor ihr.
    Die Dragonvale-Akademie.
    Ihre Wangen glühten, als sie den erhabenen Anblick, der sich ihr bot, bis ins kleinste Detail in sich aufzusaugen versuchte. Die mächtigen Wasserfälle, die in der Ferne in die Tiefe donnerten, glitzerten wie Vorhänge aus Myriaden feinster Kristalle und bildeten eine magische Hintergrundkulisse für diesen verzauberten Ort, an dem sie ihre Freundin wiedersehen und den Grundstein für ihre Zukunft legen würde. Die unzähligen Türme des Instituts reckten sich wie die versteinerten Äste eines uralten Baumes hoch in den Himmel, so verschnörkelt und miteinander verwoben, dass Lydia sich staunend fragte, wie solch ein märchenhaftes Gebilde nur von Menschenhand errichtet worden sein konnte. Und wie riesig die Akademie war! Aber sie musste ja auch hunderte von Schülern beherbergen, die hier Leben und Lernen teilten, wie Celeste ihr einmal stolz in einem ihrer Briefe geschrieben hatte.
    „Dann wollen wir mal!“, rief Lydia voller Vorfreude aus, alle Unsicherheiten wie weggeblasen, und begann das letzte Stück ihres Weges. Hin zu ihrer Freundin – und ihrer Zukunft.
    Rückblickend hätte ihr wohl schon zu diesem Zeitpunkt auffallen müssen, dass etwas nicht stimmte. Doch in Lydias Kopf spukten zu viele Gedanken wild durcheinander, und so gelangte sie schließlich völlig ahnungslos auf dem mit hellen Kieselsteinen bestreuten Vorhof an, der bei jedem Schritt unter ihren Stiefeln knirschte. Staunend legte sie den Kopf in den Nacken, um ihr neues, sich in schwindelerregende Höhen schraubendes Zuhause in Augenschein zu nehmen. Doch noch bevor sie auch nur einen Bruchteil der reich verzierten Fassade genauer hatte betrachten können, begann ihr Nacken vor Anstrengung und Beugung zu schmerzen, und sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder den irdischeren Dingen zu. In Mitten des großen Sammelplatzes ragte ein aus hellem Stein gefertigter Brunnen in die Höhe, der gut zweieinhalbmal so hoch war wie sie selbst. Lächelnd streckte das Mädchen mit den kohlenschwarzen Haaren eine Hand nach den glitzernden Perlen aus, die mit ihrem sanften Hinunterplätschern wie eine winzige Nachbildung ihrer im Hintergrund brüllenden Verwandten erinnerten, und genoss das kühlende Gefühl auf ihrer Haut.
    Ich warte am Eingang auf dich!
    Die begeisterten Worte aus dem letzten Brief der weizenblonden Celeste tauchten vor Lydias innerem Auge auf. Verwirrt blinzelte sie. Ein kaum wahrnehmbarer Windhauch strich um ihre Beine und kroch unter ihren Mantel, bis hinaus in ihren Nacken, und ließ sie frösteln. Ein Gefühl der Unruhe überkam sie, dass sie sich nicht erklären konnte.
    „Celeste … solltest du nicht hier sein?“, fragte die junge Frau sich, doch es war auch weit und breit niemand zu sehen, den sie um Auskunft hätte bitten können. „Vielleicht habe ich mich geirrt … vielleicht wartet sie nicht vor der Akademie, sondern in der Eingangshalle.“ Sie schrieb die zurückkehrende Nervosität der Tatsache zu, dass sie ihrem Ziel nun so nah war, und näherte sich nun kopfschüttelnd der breiten Treppe, die hinauf zu den riesigen Eingangstoren führte. Sie nahmen fast die gesamte Höhe des Hauptgebäudes ein, als müssten sie den legendären Drachen selbst Einlass gewähren, die der Zauberschule ihren Namen gegeben hatten. Silbern glänzende Flugechsen waren es auch, die die meeresblauen Flügeltüren zierten – wie stumme Wächter, die Unbefugten den Zutritt verwehren würden, sollten sie es wagen, das Reich der Zauberkunst ungefragt betreten zu wollen.
    Im Schatten des überwältigenden Gebäudes angekommen, das sich vor ihr in den Himmel schraubte, atmete Lydia noch einmal tief durch, bevor sie den magischen Mechanismus betätigte, der direkt auf Brusthöhe angebracht war. Lautlos und langsam, viel zu langsam für die angehende Zauberstudentin, gaben die Tore fast zögerlich den Weg ins Innere frei.
    Wie sollte sollte sie ihren neuen Kameraden gegenübertreten? Ruhig und vorsichtig oder lieber offen und mit entwaffnender Herzlichkeit?
    Sie entschied sich für die offensivere Variante.
    „Guten Tag!“, rief Lydia, die sich ungeduldig durch den entstehenden Spalt ins Innere schob. „Ich bin neu hier, und-“
    Sie erstarrte. Celeste hatte einmal geschrieben, dass die Akademie so voller Leben sei, dass es schwer wäre, ein ruhiges Fleckchen zu finden. Was kein Wunder bei der Vielzahl von Lehrenden und Lernenden war, die sich innerhalb dieser heiligen Hallen bewegten.
    Lydia hatte erwartet, dass sie warmes, herzliches Lärmen empfangen würde, unterbrochen von einer freudig rufenden und auf sie zustürmenden Freundin, gefolgt von einem tränenverschleierten Wiedersehen.
    Celeste war nicht da. Und nicht nur das: Es herrschte Totenstille.
    Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen.



  • Weltennebel




    „Los, Washakwil, Sturzflug!“
    Ein paar kräftige Schläge in rotbraun und stahlblau, um Kraft für die befohlene Attacke zu sammeln. Dann schoss der majestätische Adler mit kampfeslustigem Geschrei und halsbrecherischer Geschwindigkeit auf den Boden zu.
    Sein Gegner, ein für gewöhnlich anmutiges Irokex, hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Der bisherige Kampf hatte die Energie des Halunkenpokémon bereits fast aufgezehrt, und es schien ratlos, wie es sich gegen diesen brutalen Angriff verteidigen sollte. Keuchend kniff der ansonsten souverän wirkende Kämpfer immer wieder die Augen zusammen und versuchte schon gar nicht mehr, das kornfarbene Beinfell auf Hüfthöhe zu halten, das nur noch lose um die orangen Beine baumelte.
    Der Trainer des krallenbewehrten Flugpokémon grinste indes siegessicher, die Augen auf seinen immer schneller der Erde zurasenden Partner fixiert. „Komm schon, mach den Schlappschwanz fertig!“, rief er siegeshungrig, wobei ihm seine rot-weiße Ligakappe vor Aufregung von der schwarzen Stoppelmähne zu rutschten drohte.
    Sein Gegner hatte die Arme verschränkt und schien von der aussichtslosen Lage kaum Notiz zu nehmen. Beide Trainer kämpften mit ihrem letzten Pokémon und die Entscheidung konnte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Vor allem dann nicht, wenn man den Zustand und den strategischen Nachteil des Kampf-Unlicht-Kriegers bedachte.
    Nur noch wenige Augenblicke, dann würde der Kühnheitsadler auf den Tanzgecko treffen und diesen wie einen Spielball ins Aus der Bewusstlosigkeit schleudern.
    Außer …
    „Irokex, Sandwirbel!“, rief dessen Trainer plötzlich. Im letzten Moment peitschte das Taschenmonster mit dem kirschroten Kopfkamm seinen Schwanz auf den staubigen Boden. Die aufstobende, sandfarbene Wolke erwischte das Washakwil mitten im Flug und zwang es, seinen Angriff mangels Sichtkontakt abzubrechen, doch es war bereits zu spät. Alles hektische Flügelschlagen half nichts: Mit einem Krachen, das ernsthaft an der Gesundheit des bunt gefiederten Vogels zweifeln ließ, kollidierte er mit dem aufgewühlten Boden und rollte unkontrolliert über das Kampffeld.
    Als er schwer atmend liegen blieb und sich kaum noch rührte, streckte der Irokextrainer triumphierend die Faust in die Luft und begab sich zu seinem erschöpft in sich zusammensinkenden Kampfgefährten. Der junge Besitzer des Greifvogels hingegen holte sein Monster knurrend in den Ball zurück. Wortlos und mit vor Wut Pokéball-roten Wangen stampfte er in Richtung Pokémon Center davon.
    Ambrogio lächelte kühl. Eine amüsante Vorstellung, zweifelsohne … und doch Zeitverschwendung.
    Die Hände in den Taschen seiner Jeans verborgen, stieß sich der schmal gebaute Junge von dem Baum ab, an den gelehnt er das Kräftemessen der beiden Tierzähmer verfolgt hatte. Langsam schritt er um die Vielzahl von Trainingsfeldern herum, die man außerhalb der Stadt für die Besitzer dieser wunderlichen Kampfeswesen angelegt hatte. Beinahe jedes war in Beschlag genommen worden, und viele seltsame Kreaturen gingen sich auf alle erdenklichen Arten an die Kehle. Hier hieb ein Hase mit eisig glitzernden Pfoten auf eine Gift geifernde Schlange ein, dort spie ein Drache einen rauschenden Wasserschwall gegen ein hektisch zurückscheuendes Flammenpferd. Sogar solch absurde Paarungen wie eine Muschel und etwas, das wie eine schwebende Eiswaffel aussah, konnte er ausmachen.
    Noch verstand er diese eigenartige Welt mit ihren noch eigenartigeren Kreaturen nicht gänzlich, doch das würde sich schon noch ergeben. Was hatte er auch für eine Wahl ...
    Unwillkürlich wanderten seine Gedanken zurück zu seinen früheren Reisen, die ihn über die Grenzen seiner Welt hinaus geführt hatten. Durch die Hölle war er bereits gegangen, hatte sich dem geflügelten Teufel auf seinem zerklüfteten Berg gestellt, jeden erdenklichen Albtraum durchstehend. Er hatte fremde Meere befahren müssen, auf der Jagd nach einem schwarzen Schatten mit kräfteverzehrender Macht. Jeder Aufbruch führte ihn in eine neue, fremde Welt, jede absurder als die vorige, und jedes Mal war er gezwungen, sich neuen, schmerzlichen Prüfungen zu unterziehen. Auf dieser seiner dritten Reise ging es noch vergleichsweise ruhig zu, ja man konnte sie geradezu als erholsam bezeichnen, verglichen mit vergangenen Torturen. Doch Ambrogio wusste mit eisenharter Klarheit, dass dieser Zustand nicht ewig andauern würde. Seine Aufgabe, sein aufgezwungener Lebenszweck, war es, sich Fähigkeiten anzueignen, die die Vorstellungskraft der meisten Menschen weit überstiegen. Erst dann, wenn er erfolgreich gewesen war, konnte er in seine eigene Welt zurückkehren. Dorthin, wo er Zuhause war … und zu weiterem Leid und Schmerzen.
    Der Junge hielt inne und schloss die Augen. Er musste tief durchatmen, um diese grausigen Gedanken und die Ausweglosigkeit seiner Lage zu verdrängen. Zwar wurde er mit jedem Mal, da seine Peiniger ihn in den Strudel von Zeit und Raum stießen, stärker, doch bezahlte er stets einen hohen Preis dafür – der Grund, warum sie diese Experimente mit ihm machten, statt selbst die strapazenreichen Reisen anzutreten. Nicht nur war der Übertritt in ein fremdes Universum allein ungemein qualvoll, die in der Fremde lauernden Gefahren musste er stets allein bestehen. Und sollte er einmal nicht zurückkehren, wen würde das kümmern? Seine Qualen würden so schnell kein Ende finden, das war jedenfalls gewiss - zu unersättlich war die Machtgier derer, die ihn eigentlich beschützen, die seine Familie hätten sein sollen ...
    'Irgendwann werden sie bezahlen ...', dachte der nach außen hin Stille und eher Unscheinbare verbissen. 'Nur noch drei oder vier Kreise, dann ist ihr Experiment vollendet … und ihr Untergang besiegelt. Ich werde sie alle vernichten … dann werden wir ja sehen, wer über wen verfügt ...'
    Ein Geräusch wie aus weiter Ferne riss ihn aus seinen tosenden Gedanken.
    Ambrogio blinzelte und brauchte einen Moment, um aus der finsteren Welt seines Geistes in die Realität zurückzufinden. Ihm gegenüber stand ein Mädchen, ein paar Jahre jünger als er selbst, dessen lange schwarze Haare zu einem wilden, unordentlichen Zopf geflochten waren. Scheinbar hatte sie ihn angesprochen, denn sie starrte ihn mit in die Hüften gestemmte Fäusten und verärgert gerunzelten Brauen an. „Hörst du schwer?“, keifte sie frech und taxierte den Älteren mit drohendem Blick.
    Kühl musterte er die Göre in ihren zerrissenen Hosen und schlabbrigem weißen T-Shirt. Ein zähnefletschendes Tier war auf ihrem Oberteil abgebildet … ein Wolf vielleicht? Irgend etwas mit Magma … oder war es Fiffie? Er konnte sich die Namen dieser hirnlos auf einander einprügelnden Bestien nicht einprägen, aber eigentlich war das auch nicht von Belang. Wichtig war nicht, welche Namen sie trugen. Er hatte nur zu lernen, wie man sich ihre Kraft zu Nutze machen konnte ...
    Der Anflug eines Lächelns schlich sich auf sein Gesicht, und Ambrogio strich sich elegant eine Strähne seines saphirblauen Haares aus dem Gesicht.
    „Ich wahr wohl in Gedanken. Was wolltest du noch gleich, Kleine?“, erwiderte er mit gefährlich sanfter Stimme. Sein Gegenüber schien plötzlich zurückweichen zu wollen, als spürte das Mädchen instinktiv, dass etwas mit diesem ruhigen, unscheinbaren Jungen nicht stimmte. Doch noch gewann der offensichtlich überragende Stolz die Oberhand.
    „Na, kämpfen, du Idiot“, gab die deutlich Kleinere patzig zur Antwort, doch sie konnte ein leichtes Zittern in ihrer Stimme nicht verbergen. Etwas an der kühlen, unnatürlich gelassenen Ausstrahlung des schmalgesichtigen Jungen bereitete ihr Unbehagen, das war deutlich zu sehen.
    „Verunsichere ich dich?“, fragte Ambrogio mit vor Leichtigkeit schwebender Stimme. Im Inneren kicherte er vergnügt – er würde dieses kleine Biest spüren lassen, was es hieß, sich mit ihm anzulegen. Eigensinnige Geister zu brechen war eine der wenigen Belustigungen, die er sich gelegentlich gönnen konnte.
    Er strich beinahe zärtlich über die schwarze Augenklappe, die seinen rechten Seelenspiegel verbarg und die Aufmerksamkeit der Trainerin auf sich gezogen zu haben schien. „Hab keine Angst“, fuhr er schließlich fort, begierig darauf, eben jene zu nähren, „ich beiße schon nicht. Du möchtest mich also herausfordern? Gut. Heute ist ein langweiliger Tag, ich sollte mir endlich etwas Vergnügen gönnen. Nur zu, geh voraus!“
    Nun gar nicht mehr so selbstsicher wie noch Minuten zuvor, stakste das Mädchen langsam voran, auf den nächsten freien Kampfplatz zu. Eisige Stille senkte sich wie ein unheilbringendes Leichentuch zwischen dem geheimnisvollen Jungen und dem mittlerweile schreckerfüllten Mädchen herab. Das, was wie eine herausfordernde Kampfansage hatte klingen sollen, verließ nur noch mühsam gestammelt das Gehege ihrer Zähne.
    „Nur, weil … also, damit du weißt, gegen wen de gleich in den Staub gehen wirst: Ich bin … ich heiße- verdammt, mein Name is' Reika. Und welch'n Namen kann … kann ich auf dein' Grabstein ritzen?“
    Ein leises kufufufufufu entrang sich Ambrogios Kehle, woraufhin das Mädchen seinen Blick hastig wieder auf ihre Füße heftete, als hätte sie erneut aller Mut verlassen. Diese dritte Sphäre schien doch ein wenig Amüsement für ihn bereit zu halten.
    „Namen sind Schall und Rauch, nicht mehr als neblige Schleier“, sinnierte er und beobachtete, wie sie sich mit jedem seiner Worte mehr versteifte. Oh wie er es genoss, mit ihrem Geist zu spielen, bis er unter seinem Druck zerbrechen würde!
    Doch noch wollte er das Unvermeidliche ein wenig hinauszögern, den Spaß verlängern. Also beschloss er, auf die Frage seines künftigen 'Trainingspartners' näher einzugehen.
    Ambrogio Estraneo war der Name, den er trug, so lange er denken konnte. Doch der gehörte zu einem leidvollen, verhassten Leben. Sobald seine Rache Gestalt annahm, würde er ihn zusammen mit seiner sechs-mal-verfluchten Famiglia in Schreien und Leid ertränken.
    Doch ein neuer schwebte bereits in seinem Geist, einer, der die Herzen seiner Feinde eines Tages mit Angst und Schrecken erfüllen sollte.
    „Aber wenn du darauf bestehst“, fuhr er schließlich fort. „Nenn mich einfach … Mukuro Rokudo.“



  • Deception




    Krieg. Für Menschen sind schon ein paar Jahre seiner finsteren Herrschaft eine Ewigkeit. Doch für die Bewohner des Planeten Cybertron, deren Lebenszyklus ungleich länger ist, wäre einer solchen Dauer nur mit einem müden Lächeln zu begegnen. Äonen lang hatten die erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den grundsätzlich friedliebenden "Autobots" und den gewaltbereiten "Decepticons" gewütet, bis sie den Heimatplaneten der riesigen, roboter-ähnlichen Lebensformen in ein unbewohnbares Ödland verwandelt hatten. Doch auch, wenn Cybertron verloren war und seine Bewohner, gleich welcher Zugehörigkeit, durch die Weiten des Alls streifen mussten, war der Krieg nicht vorbei.
    Nicht nur zwischen Autobots und Decepticons.


    Mit einem lauten Krachen schlug Starscream auf dem Boden der Brücke des fliegenden Kriegsschiffes auf und schlitterte dabei noch ein gutes Stück weiter durch die Kommandozentrale. Hastig versuchte er, sich wieder aufzurappeln, bevor sein Meister zum nächsten Schlag ausholen konnte.
    „M-mein Lord, bitte, ich versichere Euch, es war nicht meine Schuld!“, rief er und hob in einem verzweifelten Versuch, weitere Blessuren abzuwehren, die langen Arme vor sein Gesicht. „Die Soldaten, die ich zur Verfügung hatte, waren unfähig, sie-“
    „Ach, wirklich, Starscream?“, entgegnete Megatron, der Anführer der Decepticons, mit dunkler und vor Sarkasmus triefender Stimme. Gefährlich langsam schritt er auf seinen Stellvertreter zu. „Zwanzig hervorragend ausgebildete Flieger unter deinem Kommando sollen Schuld gewesen sein, dass du ein paar jämmerliche Autobots nicht hast zur Strecke bringen können? Dass sie entkommen konnten, mit einem mächtigen Relikt als Siegestrophäe?“ Der ehemalige Gladiator richtete die schwere Kanone, die an seinem rechten Arm befestigt war, mit gnadenlosem Blick auf den sich am Boden windenden Starscream. „Deine Unfähigkeit ist wieder einmal beispiellos!“, fügte er kühl hinzu.
    „Meister, nein!“, kreischte der Vizeanführer entsetzt und beeilte sich, eine unterwürfige Haltung anzunehmen. „Ich versichere Euch, es wird nicht wieder vorkommen –bitte!“
    Einen Moment noch ließ der wuchtige, schwer gepanzerte Mech seinen glühend roten und doch eiskalten Blick auf der Figur vor ihm ruhen, dann senkte er seine Waffe und ließ einen tiefen Seufzer seinen stahlgrauen Lippensegmenten entweichen.
    "Dein Glück ist, dass du mir lebend mehr Vorteile bringst als tot", versetzte Megatron mit abschätzigem Blick, "aber du solltest meine Geduld trotzdem nicht überstrapazieren. Sei gefälligst ein bisschen nützlicher - das nächste Mal wirst du nicht so billig davonkommen, mein Lieber!"
    Ohne seine "Rechte Hand" eines weiteren Blickes zu würdigen, wandte Megatron sich ab und stampfte kräftigen Schrittes aus dem Kontrollzentrum.
    Starscream rappelte sich mühsam auf und streckte die langen, schlanken Glieder - bis er plötzlich mitten in der Bewegung innehielt.
    "Was glotzt ihr so blöd?", fauchte er die umstehenden Soldaten an, die das Schauspiel mit großem Interesse verfolgt hatten. Nun jedoch bemühten sie sich, sich hastig wieder ihren Aufgaben zuzuwenden - oder sich eine zu suchen, um dem Zorn des gedemütigten Kommandanten zu entgehen.
    Wütend verließ Starscream den Raum. Als die sich automatisch schließende Tür surrend hinter ihm zusammenfuhr, konnte er bereits ein erneut einsetzendes Tuscheln hören. Der schmale, in verschiedenen Grautönen lackierte Cybertronier schnaubte. Er hatte schon immer um den Respekt der Truppen kämpfen müssen - bei einer auf Stärke und Macht ausgerichteten Truppe wie den Decepticons, denen beinahe jedes Mittel zum Erreichen ihrer Ziele Recht war, hatte man es als 'Leichtgewicht' eben nicht einfach. Und die ständigen Züchtigungen durch das monumentale Oberhaupt der Streitmacht machten es nicht gerade besser.
    Vorsichtig fuhren seine Krallenfinger über die frischen Kratzer, die Megatron ihm zum Geschenk gemacht hatte. Ein grimmiges Knurren entfuhr seiner stählernen Kehle. Wie sehr er das alles hasste!
    "Eines Tages, Megatron", schwor er und ballte die Hände zu Fäusten, "eines Tages wirst du bezahlen, dann werde ich endlich meinen wohlverdienten Platz auf deinem Thron ..."
    Plötzlich hielt er inne und lauschte. Auf diesem Schiff konnte man nie wissen - Megatrons Kommunikationsoffizier, "die Augen und Ohren der Decepticons", war auf Überwachung spezialisiert und wenig entging seinem feinen Spürsinn. Das hatte Starscream bereits ein ums andere Mal zu spüren bekommen, wenn mal wieder einer seiner Pläne zur Übernahme der Herrschaft über die Truppen durch wohl platzierte Informationen bei Megatron gescheitert waren.
    "... aufgeben und ... durch deine Hand den Lohn für meine Mühen empfangen", fuhr er daher fort. Es wäre naiv zu glauben, dass diese Kehrtwende seiner Rede ihm viel nützen würde, wenn jemand sie mitangehört hätte. Schlimmer wäre aber immer noch gewesen, seine Gedanken zu Ende zu bringen. Wenn er an die Strafe nach seinem letzten Putschversuch dachte ...
    Starscream langte unbewusst nach einem der dreieckigen Flügel, die aus seinem Rücken ragten. Beim letzten Mal hatte Megatron ihm eines der geliebten Instrumente seiner Flugkunst beinahe ausgerissen. Der Bordarzt hatte mehrere Rotationen gebraucht, um ihn wieder zusammenzuflicken.
    Grimmig setzte Starscream seinen Weg fort. Sein scharfer Verstand arbeitete bereits an neuen Plänen, neuen Verwicklungen, die ihm einen Vorteil verschaffen könnten - aber für's erste brauchte er etwa anderes. Die Soldaten, denen er auf dem Weg durch das gewaltige Kriegsschiff der Decepticons begegnete, warfen ihm neugierige Blicke durch die leuchtenden Sehschlitze zu. Doch niemand wagte es, ihn anzusprechen. Der Flurfunk hatte sich also schon wieder selbstständig gemacht und die Neuigkeiten wie ein Lauffeuer verbreitet.
    'Wenn auch nur einer von ihnen es wagt, etwas zu sagen', dachte Starscream, 'werde ich ihm eigenhändig das Spark aus der Brust reißen!'
    Der Vorfall, der zu seiner Bestrafung geführt hatte, war nicht einmal seine Schuld gewesen. Was konnte er dafür, wenn die ihm zur Seite gestellten Truppen unfähig waren? Was konnte er dafür, wenn sie sich einfach besiegen ließen? Oder nicht genug Grips hatten, dass Artefakt in Sicherheit zu bringen? Anstatt auf seinem Befehl zu beharren, die Stellung zu halten und die Autobots, ihre erbitterten Gegner in diesem ewigen Krieg, fertig machen zu wollen, hätten sie doch selbst nachdenken können!
    Ärgernis flackerte in den glühend roten Optiken auf, die die fleischlichen Bewohner dieses wässrigen Planeten "Augen" nennen würden. Natürlich befolgten die Soldaten seine Befehle, er war immerhin die Nummer zwei innerhalb der Rangfolge der Armee. Aber wirklichen Respekt hatten sie nicht vor ihm. Seine Autorität verdankte er einzig und allein Megatrons Billigung ...
    Wütend schlug Starscream seine metallene Faust gegen die eigentlich stabile Wand des Ganges und hinterließ eine unförmige Delle, die irgendein niederer Rangträger würde ausbessern müssen.
    Nichts könnte ihm momentan gleichgültiger sein. Eines Tages würden sie alle einzig seinem Befehl unterstehen und vor ihm niederknien. Eines Tages würde er endlich triumphieren!
    Ein hämisches Grinsen schlich sich langsam auf die Züge des Cybertroniers. Ja, irgendwann ... irgendwann würde er bekommen, was er verdiente. Worauf er schon hinarbeitete, seit er sich Megatrons Armee angeschlossen hatte ...


    Einige Windungen und Gänge später hatte Starscream endlich sein Ziel erreicht. Ungeduldig tippte er den erforderlichen Sicherheitscode in das Tastenfeld ein und wartete darauf, dass sich die Schleusentür vor ihm auftun würde. Endlich glitten die Flügel der großen Schiebetür quälend langsam auseinander, beinahe, als wollte selbst das Schiff ihn verhöhnen. Doch Starscream schob den Gedanken beiseite.
    Als der Weg endlich frei war, schlug ihm sogleich eine heulende Brise der irdischen Winde entgegen. Zum überwiegenden Teil Stickstoff, rief er aus den komplexen Schaltkreisen seines Gehirns ab.
    "Ein Wunder, dass diese lästigen, menschlichen Bazillen noch atmen", schnaubte er. Doch auch um diesen Problemfaktor würde er sich später Gedanken machen.
    Eigentlich sollte man meinen, dass die Winde in diesen Höhen, die das Kriegsschiff Nemesis durchstreifte, den fast schon zierlichen Starscream von den Füßen hätten reißen müssen. Tatsächlich jedoch umschmiegten sie ihn wie kleine Kätzchen, und mit geschlossenen Optiken trat er an den Rand der Plattform.
    Ja ... das war es.
    Er hob einen seiner elegant geschnittenen Füße und ließ sich nach Vorne fallen - hinein in ein Meer aus rostfarbenen Wolken.
    Während der Fallwind pfeifend durch seine Akustiksensoren fuhr, schlug er die Tragflächen auf seinem Rücken zurück und die verschiedenen Körperteile rutschten unter scharfem Knacken und lautem, stählernen Reiben in die richtigen Positionen.
    Innerhalb von Sekunden war die Transformation perfekt, und statt des fallenden, roboter-artigen Geschöpfes schwebte nun ein einsatzbereiter Kampfjet am beinahe nächtlichen Himmel.
    Ja ... hier war es.
    Hier war er frei.
    Mit donnernden Triebwerken katapultierte sich Starscream in eine Drehung nach der anderen, ließ sich fallen und stieg rasant wieder in ungeahnte Höhen empor.
    Hier war er in seinem Element.
    Und eines Tages würde seine Zeit kommen.
    Eines Tages.




  • Na Kollegin! Ich dachte mir, dass ich dir mal einen kleinen Kommi hinterlasse, weil du schon seit einiger Zeit keinen mehr bekommen hast! Ich hoffe einfach mal, das du dich darüber freust und ich dir auch ein wenig weiterhelfen kann. Im Übrigen habe ich etwas länger darüber nachdenken müssen, zu welchem Werk ich dir eigentlich einen Kommentar verfasse, weil ich mehrere ansprechend fand, aber letztendlich ist es auf Deception hinausgelaufen... einerseits weil ichs vom Wettbewerb kannte und andererseits weil ichs einfach total faszinierend finde. Aber nun gut, langweile ich dich mal nicht weiter mit meinem Vorgelaber.


    Deception
    Der erste englische Titel - wenn ich das so richtig sehe - in deinem Topic! Und well, es ist ein Einworttitel. Ich liebe Einworttitel! Aber irgendwie erwähne ich das in jedem Kommentar, sollte ich mir langsam mal abgewöhnen, weils langsam wohl schon so ziemlich jeder mitbekommen haben dürfte, haha... Aber nun gut, das spielt aktuell ja keine Rolle. Jedenfalls finde ich persönlich, dass gerade englische Titel so viel Interpretationsfreiraum lassen, einfach weil man sie zwar "stur" übersetzt, aber es da doch Unterschiede gibt. Worte können ja mehrere Bedeutungen haben und das finde ich einfach immer wieder interessant, weswegen ich manchmal selbst auch gern englische Titel verwende. Gerade bei "deception" ist das ja - mehr oder weniger - der Fall. Im Prinzip ist es ja der Betrug, kann allerdings auch in Richtung Täuschung gehen und man merkt: es passt Beides wunderbar zu deinem Werk. Gewissermaßen ist ein Betrug ja eine Täuschung, haha. Wobei mich das unweigerlich zur Frage bringt, ob auch jede Täuschung ein Betrug ist... ~
    Dein Text ist in kleinere Teile getrennt; zunächst wäre da erst einmal der kursive Teil, der als eine Art Einleitung fungiert und dem Leser hilft, ein allgemeines Verständnis für die Welt zu finden. Mag das sehr gern! Hätte mir hier im Nachhinein nur irgendwie mehr gewünscht (ja, es war für einen Wettbewerb und da gibt es eine Wortbegrenzung, aber generell eben! ^^), einfach weil du da hättest mehr rausholen können, wenn du mich fragst. Die Tatsache, dass du nicht sonderlich viele Namen erwähnen wolltest, rechne ich dir im Übrigen hoch an - denn ja, mit Namen allein kann man nicht sonderlich viel anfangen, weil sie einen gegenstandslos einfach nur verwirren und nichtssagend sind. Darüber hinaus finde ich aber, dass du das in deinem Werk echt gut gelöst hast! Aber dazu komme ich etwas weiter unten nochmal. Jedenfalls... der kursive Text als solches ist dir gelungen. Ich würde ihn auch gar nicht mal so sehr zum eigentlichen Inhalt zählen, da es ja wie gesagt eher eine Hinführung zum Thema ist, sollte man das Fandom nicht kennen. Finde sowas in den meisten Fällen immer sehr schön zum Lesen; auch in diesem Fall, da du nicht den Fehler gemacht hast, es zu "überfüllt" zu gestalten und dich in einer Inhaltsangabe verläufst, was oftmals passiert, wenn man solche Einschübe in Werken konstruiert.
    So nächster Part. Ohne irgendeine Vorwarnung wird man direkt ins Geschehen katapultiert. Sowas mag ich auch sehr, da man als Leser erst mal gar nicht weiß, was da eigentlich abgeht oder was Sache ist, haha. Man muss aufmerksam lesen und auch mal seinen Kopf anstrengen; das mag ich einfach total gerne. Das ist nicht so like ... "Ja, lieber Leser und jetzt passiert das, danach das und wusstest du schon, das ...?" Finde es zumeist relativ ermüdent, wenn ich sowas lese. Aber gut, da dir das nicht passiert ist, muss ich darauf ja auch nicht weiter eingehen, haha. Insgesamt ist der Inhalt nicht sonderlich lang - man bekommt mit, wie ein Charakter über sich selbst sinniert und erfährt, was er vor hat. Übrigens... irgendwie amüsant, dass du die Sicht eines Bösewichts wählt, der innerhalb der Reihen des "eigentlichen" Antagonisten ist. Das gibt dem Ganzen (um mal auf das Wettbewerbsthema zu sprechen zu kommen) etwas unglaublich Ironisches, was einfach nur genial ist. *lach*
    Aber ja, auch schon der nächste Punkt: Starscream (hab erst mal Starcream geschrieben und mich gewundert, warum das auf einmal so komisch aussieht xD). Ich kenne mich mit dem gesamten Fandom nicht aus - gebe ich zu. Aber innerhalb deiner Abgabe ist mir Starscream einfach unglaublich "sympathisch" geworden. Okay, vielleicht das falsche Wort, aber ich finde diesen Charakter, nur mit dem was ich von deinem Werk kenne, einfach unglaublich interessant! Mich würde ja mal interessieren, ob das eher so ein Sidecharakter ist oder ob man von ihm tatsächlich mehr mitbekommt? Je nach dem könnte ich mir halt echt vorstellen, wirklich mal in das Fandom einzutauchen, weil ich Starscream echt interessant vom Charakter her finde! Übrigens ist das ein sehr großes Lob von mir, da ich für mich entschieden habe, dass Charaktere das wichtigeste in einer Geschichte (egal, ob lang oder kurz) sind und wenn diese gut ausgearbeitet sind und/ oder gut dargestellt werden, es einfach viel interessanter und aufregender zu lesen ist. Zwar hast du den Charakter nicht selbst entworfen, aber du hast ja aus seiner Sicht geschrieben, was wiederrum bedeutet, dass du ihn mir "vorgestellt" hast, haha - und das ist dir einfach wunderbar gelungen mit dem was du schriebst! Ich muss sagen, dass mir dir Anteil an Gedanken zu wörtlicher Rede bishin zu Umgebungsbeschreibungen echt gut gefallen hat. Es hat das Ganze wirklich sehr authentisch wirken lassen. Möchte da eigentlich gar nicht so sehr drauf rumreiten, aber das hat mir echt gut gefallen, lol.
    Das Ende des Werkes ist... gut. Es rundet das Ganze ab und passt auch gut in das bisherig Geschriebene rein, keine Frage. Aber auch hier hätte ich mir mehr gewünscht. Dass du da noch etwas mehr rausholst, vlt. nochmal mit einem kursiven Teil eine Art Rahmen bildest und auf den Start eingehst. Innerhalb einer Wettbewerbabgabe (und der zeitlichen Begrenzung *lach*) ist das natürlich immer so eine Sache, aber nachträglich hätte man da vlt. noch mal was machen können. Besonders diese Rahmenbildung zum Anfang hin hätte sicherlich nochmal ganz andere Gedanken aufgeworfen oder vertieft. Aber nun gut, das kann ich an der Stelle nur spekulieren, haha. Verstehe mich nicht falsch: das Ende von dir ist gut! Besonders die unbeantworteten Fragen (die nicht mal als solche gestellt werden, sondern eher zwischen den Zeilen stehen) geben dem ganzen allein schon eine echt schöne Tiefe. Aber wie gesagt, eventuell hätte da auch noch ein bisschen mehr kommen können.


    So, das war es an der Stelle auch von mir und diesem Kommentar (ha ha). Ich hoffe einfach mal, dass du dich über etwas Feedback gefreut hast! Jedenfalls: viel Spaß beim weiteren Schreiben und man liest sich ja sowieso. ♥
    ~ Liz

    ________________ஜ۩۞۩ஜ________________

    »Be the chaos you want to see in the world.«

    - Mollymauk

  • [tabmenu][tab=Vorwort]Hi Sheo :3
    Ich finde ja, das klingt irgendwie mehr nach einem Spitznamen, also belasse ich es dabei. Du kannst mich ja auch Misana nennen, wie es dir beliebt. c;
    Ich hab mir schon vor zwei Monaten überlegt, dass ich dein Drabble "Sehnsucht" mal kommentieren könnte, heute kam ich dann auf die Idee, es etwas unkonventionell zu machen. Immerhin gibt es bei der FF-Challenge eine Aufgabe, einen Kommentar in Gedichtform zu schreiben. Und ich dachte mir, du kannst damit sicher etwas anfangen.^^ Ich entschuldige mich übrigens für die teils nicht ganz so schöne Form und die Reime, die so wirken, als gäbe es sie nur der Reime wegen. Ich mein schon alles so. Ach und so nebenbei: Dein Startpost und vor allem dein Header ist toll. *_*
    ~ShiraSeelentau
    [tab=FF-Challange-Kommi ;3]Die Sonne scheint vom Horizont
    Besieht sich dort das Leben.
    Und du schreibst absolut gekonnt,
    Was es dort könnte geben.
    Das Auge ist ein schönes Bild
    Und mir noch völlig neu,
    Umso schöner, wirkt es wild
    Und feurig und doch scheu.
    Und wenn man es sich so bedenkt,
    Ist es nicht nur der Reim,
    Die Sonne die das Leben schenkt,
    Ist ebenfalls sein Keim.


    Wunderschön des Meeres Bild,
    So eindrucksvoll gemalt,
    Murmelnd, seufzend, wie auch wild
    Und glitzernd, wie es strahlt.
    Ich liebe ja das Meer so sehr,
    Die Sehnsucht weckst du auf;
    Auch Giratina will noch mehr,
    Doch kommt es nie hinauf.


    Das Mitleid kommt dann stärker noch,
    Erwähnst der Erde Duft,
    Wie schön ist der Gedanke doch
    Der süßen Frühlingsluft.
    Doch immer ist da dieses Fast,
    Betonst du’s jetzt nochmal.
    Das Fast, es wirkt zu tiefst verhasst,
    Es ist die schrecklich‘ Qual.
    Gefangen an dem einen Ort,
    Wo man doch alles sieht;
    Aber niemals ist man dort,
    Wo all dies auch geschieht.


    Das ew’ge Chaos nennst du es,
    Das mag es durchaus sein,
    So wie das Leben, Ruhe, Stress,
    Gemeinsam und allein.
    Mich stört allein ein ein’zges Wort,
    Das „ständige“ beim Kampf,
    Sonst ist immer nur eines dort,
    Das zweite wie ein Krampf.


    Niemand weiß, was dort geschieht,
    In dieser Gegenwelt,
    Ob alles das, was man hier sieht,
    Dort einmal Einzug hält.
    Du sagst es nicht, lässt nur die Frage,
    Wie es dort wohl ist.
    Doch es stimmt wohl, wenn ich sage,
    Dass Giratina es vermisst.


    Sein Name längst vergessen ist,
    Gewürdigt wird es nicht,
    Doch fehlte es, ihr alle wisst,
    Dass dann die Welt zerbricht.
    Ein grausam‘ Leben muss das sein,
    Von Sehnsucht so geplagt;
    So fühlt man sich doch plötzlich klein,
    Wenn man nur „Alltag“ sagt.


    Ich mag das Drabble, jeden Satz,
    Jeden Absatz, denn es passt,
    Alles hat hier seinen Platz
    In der Sehnsucht. Immer fast.
    [/tabmenu]

  • Es ist beschämend, wie lange diese Antwort jetzt gebraucht hat, aber ich hoffe, ihr seht mir das nach.



    @Kräme




    @Shiralya



    Ich hoffe, ich kann dieses Topic in Zukunft etwas mehr beleben. Ich hoffe trotz der Wartezeit auf eure Kundentreue, liebe Freunde :3

  • Ein neuer Tag, ein neuer Kommentar! Wenn ich mir schon mal eine Pause von meiner Hausarbeit gönne, dann kann ich wenigstens etwas machen, woran ich wirklich Spaß habe! Und wenn mich meine müden Augen nicht täuschen, wurde "Weltennebel" zumindest in diesem Topic noch nicht kommentiert, Glück für mich, denn diese Kurzgeschichte sagt mir auch vom Titel her am meisten zu, wunderschön mysteriös und mit viel viel Spielraum schon vorher ein bisschen die Fantasie ausschweifen zu lassen!


    Weltennebel


    Zitat

    Katekyo Hitman Reborn aka Reborn! und Pokémon

    Wie es der Zufall so will, bin ich sogar mit beiden Fandoms vertraut. Okay, man sollte meinen mit Pokémon sollte ich in diesem Forum sowieso vertraut sein, aber nach meinem Kommentar, den ich gestern verfasst habe ich mir aufgefallen, dass ich kaum noch Erfahrung mit dem Kommentieren von Pokémon-Geschichten habe. Ich würde mich wundern, wenn ich nicht sogar das ein oder andere Pokémon aus der Geschichte googlen muss.


    Der Einstieg direkt mitten in eine Kampfszene - aufregend! Kampfszenen sind für mich persönlich immer noch ein Thema, dass ich in meinen eigenen Texten gerne umschiffe, weil sie echt nicht einfach zu schreiben sind. Du löst das ganze meiner Meinung nach sehr gut. Ziemlich genau zeitdeckend läuft der Kampf quasi in Echtzeit ab, wirkt aber keinesfalls gehetzt, sondern durch die vielen kleinen Details richtig lebhaft. Trotz des schnellen Ablaufs lässt sich die Szene wunderbar vor dem inneren Auge visualisieren.
    In der Kampfszene haben mich vor allem zwei Dinge überzeugt:


    Zitat

    Keuchend kniff der ansonsten souverän wirkende Kämpfer immer wieder die Augen zusammen

    Wenn man zumindest einen Rocky-Film gesehen hat, dann hat man das Bild vor Augen, wie der Boxer in der letzten Runde außer Atem auf wackelnden Beinen steht und die Augen kaum mehr offen halten kann. Finde ich in dieser Situation persönlich sehr schön übertragen und lässt den Kampf wirklich fast schon menschlich wirken.
    Außerdem fand ich die Dopplung von "grinste indes siegessicher" und "rief er siegeshungrig" sehr gelungen. Obwohl ja Wortdoppler an sich eher zu den Dingen zählen, die man vermeiden sollte, funktioniert das ganze hier ziemlich gut, weil es zeigt, dass das Washakwil und sein Trainer auf der exakt gleichen Wellenlänge laufen, mit der selben Motivation in den Kampf gehen und sich quasi blind verstehen.


    Ein weiteres Lob geht daran raus, dass du so viele Farben unterbringen konntest, ich musste tatsächlich zweimal über den Absatz drüberlesen, damit ich mir aktiv all die Farben erklären konnte, die ich unterbewusst schon in mein inneres Bild eingebaut hatte. "Rotbraun, stahlblau, kornfarben, orange, rot-weiß, schwarz, kirschrot, sandfarben" und schließlich "Pokéball-rot". Ich bin sowieso der Meinung, dass man farbliche Beschreibungen schnell mal übertreiben kann, aber die sind hier fast schon beiläufig mit eingeflossen, sodass sie eigentlich nur dazu beitragen, das Bild des Kampfes immens zu bereichern.


    Ich finde es auch nett, wie du die Kategorien der Pokémon "Kühnheit" und "Halunke" (ja, die habe ich dann tatsächlich googlen müssen) dazu benutzt, die beiden Pokémon zu beschreiben, damit du nicht immer Washakwil und Irokex sagen muss. Das hast du die meiste Zeit sowieso gut umgangen, die einzige Formulierung an der beim Lesen ein bisschen hängen geblieben bin ist "Kampf-Unlicht-Krieger", das las sich für mich dann umständlicher, als es hätte sein müssen. Aber das nur als winziger Kritikpunkt am Rande dieser sonst extrem gut gemachten Kampf-Szene!


    Und dann kommt die erste Überraschung der Geschichte: Der Kampf war im weitesten Sinne nicht einmal relevant für die Story selbst! Der Protagonist hat ihn sich einfach nur angeschaut und im nächsten Moment schon hinter sich gelassen. Da fiebert man im einen Moment als Leser quasi selbst noch bei dem Kampf mit, dessen Ergebnis so wichtig scheint, nur damit er im nächsten Absatz als "Zeitverschwendung" abgetan wird. Hatte beim Lesen eigentlich nicht damit gerechnet, vom Protagonisten über zwei Ecken für mein emotionales Investment in die Story kritisiert zu werden :D
    Jetzt wird auch direkt das Crossover zu Reborn! deutlich, denn der Protagonist Ambrogio hat nicht die geringste Ahnung, dass er sich überhaupt Pokémon gegenüber sieht.


    Als ich angefangen habe, über Ambrogios Vergangenheit zu lesen, hatte ich teilweise das ungute Gefühl, hierbei an den standardmäßigen "edgy" Charakter geraten zu sein, besonders dunkel, überlegen und unberechenbar stark. Gott sei dank hat man dann doch noch was ein seiner Motivation erfahren und dem ganzen Charakter wurde eine menschlich-reale Seite verpasst. Er ist also doch kein 08/15-böse-und-zu-cool-für-alles Charakter sondern ein gepeinigtes Opfer eines grausamen Experimentes der sich selbst immer wieder aufopfert, um auf seine Freiheit hinzuarbeiten. Nach dem ersten Schockmoment also ein durchaus interessanter Charakter, über den man gerne mehr erfahren würde, auch wenn man Ähnliches nicht schon aus Reborn! kennt.




    Zitat

    die seinen rechten Seelenspiegel verbarg

    Seelenspiegel als anderes Wort für Auge finde ich zwar an sich schön und ich habe das Wort auch selbst oft genug benutzt, aber meiner Meinung nach fällt es von der Art her hier aus dem Umfeld heraus. Seelenspiegel ist in meinen Augen (hah, Augen) ein Wort, bei dem eine sehr poetische Stimmung mitschwingt, aber in diesem Moment ist der eigentliche Text en ich lese ja überhaupt nicht poetisch, sondern mehr sachlich. Insofern stört dieses eigentlich sehr schöne Wort hier eher.


    Naja und dann wechselt Amrogio auf die komplette Psycho-Schiene. Ein unschuldiges Mädchen so bewusst quälen zu wollen, einfach weil es das letzte bisschen Spaß ist, der ihm noch bleibt macht einem dann vollends klar, dass in seinem Kopf schon eine ganze Weile etwas zerbrochen sein muss. Sonst würde er sich nicht auf der einen Seite darüber beklagen, von seiner "Familie" gepeinigt zu werden, nur um dann auf der anderen Seite grundlos Psychospiele mit unschuldigen Kindern zu führen. Alles in allem finde ich den Charakter trotz einiger Startschwierigkeiten sehr gut gemacht, von einem persönlichen Standpunkt aus kann ich mich aber nicht mit ihm anfreunden :D


    Was am Ende aber wieder wunderbar durchkommt, gerade wenn man auf den Anfang zurückbringt, ist dein unglaubliches Talent dazu, Atmosphäre zu erzeugen!



    Zitat

    Eisige Stille senkte sich wie ein unheilbringendes Leichentuch zwischen dem geheimnisvollen Jungen und dem mittlerweile schreckerfüllten Mädchen herab.

    Das hier ist eine absolut geniale Formulierung, wahrscheinlich sogar die beste, die ich in letzter Zeit gelesen habe!
    Und damit ist das ganze dann eine schöne, runde Sache, Kampf am Anfang und "Kampf" am Ende, ich mag es sehr, wenn Geschichten gewissermaßen einen Bogen schlagen.
    Ganz am Ende natürlich noch die Belohnung für diejenigen, denen das Fandom was sagt mit der "Enthüllung" des Namens, den man eigentlich mit jedem Wort und jedem Detail über Ambrogio schon vorhersehen konnte.


    Noch mal zusammenfassend bestichst du in deinem Schreibstil ganz klar durch die Stimmungen, die du in deinen Szenen vermittelst. Hier liegt meiner Meinung nach (ich kenne ja jetzt nur diesen einen Text von dir) deine größte Stärke und die spielst du auch gekonnt aus!
    Wäre das jetzt im Wettbewerb hätte ich gesagt Aufgabenstellung Crossover mit Bravour erfüllt, mit gefiel die Herangehensweise, dass es ein Crossover im reinsten Sinne war und es auch innerhalb der Geschichte zwei getrennte Welten sind und nicht, dass Charaktere des einen Fandoms schon von vornherein in der anderen Welt leben.


    Zu guter Letzt bleibt mir eigentlich nichts mehr zu sagen außer: Ich bin Fan :D

  • Hey, @Nexy!


    Danke für deinen Kommentar, es hat mich sehr gefreut, dass du dich der damaligen Crossover-Wettbewerbsabgabe angenommen hast^^




    Ich bin Fan

    :blush::blush::blush:
    Das ehrt mich sehr, herzlichen Dank! Ich bin zwar selbst nicht wirklich zufrieden mit diesem Text, allerdings musste ich das damals einfach thematisieren, weil es so herrlich passte: Der Protagonist meiner Abgabe liefert in seiner Stammserie über eine Aussage zur Herkunft seiner Fähigkeiten ja die perfekte Vorlage für einen Crossover, das musste ich einfach irgendwie verwursten!



    Noch einmal: Vielen, ganz lieben Dank für deinen wohlwollenden Kommentar - das erfreut mein Autorenherz und motiviert einen ungemein!


    Liebe Grüße,


    ~ Sheo

  • Mit gebrochenen Flügeln



    Ihr Atem zitterte, als sie sich mit zusammengepressten Augen gegen die raue Wand fallen ließ. Wie das flatternde Laub eines Baumes, das in einer Sturmböe tanzt.
    Hastig saugte sie die Luft in ihre Lungen, doch nur mit mäßigem Erfolg: Jeder Sog nährte es nur – das Verlangen nach mehr. Der Wunsch – überhaupt etwas zu bekommen. Dieser dumme, vergebliche, schmerzerfüllte Wunsch.
    Wütend und verzweifelt biss sie die Zähne zusammen, während sich hitzige Tränen einen Weg über die sanften Züge ihres Gesichtes bahnten.
    Warum nur … und wieso …


    Eigentlich hatte der Abend harmlos begonnen. Eine kleine Feier unter Freunden, mehr nicht. Ausgelassenheit, Spaß, Freude – seit langem hatte sie sich nicht mehr so gut gefühlt. So beflügelt, so frei – so wohl, unter den Menschen, die ihr etwas bedeuteten. Denen sie etwas bedeutete.
    Er war auch gekommen. Ein wenig später als sie, sie hatte ihn zuerst nicht bemerkt. Bis sie sein Lachen ganz in der Nähe wahrgenommen hatte und Schreck wie ein Blitz in ihre Glieder gefahren war.
    Unwillkürlich hatte sie den Kopf geschüttelt. Es war vorbei. Sie hatte alles hinter sich gelassen, diesen Schmerz, das Grauen dieses widerlichen Gefühls – sie hatte das Feuer gelöscht, die Glut zertreten. Und doch … ein Funke blitzte nun auf in der Dunkelheit, entzündet von Erinnerungen. An längst vergessene Wärme …
    Nein, das durfte sie nicht zulassen. Nicht wieder, nicht noch einmal. Denn wie könnte sie das ertragen – erneut? Sie war stark. Sie würde der Versuchung widerstehen, sich erneut jenem sehnsüchtigen und zugleich wehleidigen Gefühl hinzugeben.
    Doch immer, wenn sie ihn lachen gehört … wenn seine Stimme wie ein milder Windhauch ihr Ohr gestreift, wenn sie gesehen hatte, wie begeistert er sich seinen Freunden widmen konnte … mit jedem Wort, dass er nicht mit ihr gesprochen hatte, waren alte Wunden neu aufgerissen. Mit jeder freudigen Bemerkung, die er an andere gerichtet hatte, war erneut ein Teil von ihr wie brüchiges Glas zersprungen.
    Mit tiefen, sehr tiefen Zügen hatte sie versucht, Leben in ihren Körper zu saugen und das Brodeln in ihrem Inneren zu ignorieren. Sie hatte es doch bereits geschafft gehabt. Sie konnte, durfte sich nicht erneut übermannen lassen!
    Doch immer, wenn sie an diesem Tag das Gespräch gesucht, wenn sie sich dazugesellt und versucht hatte, wenigstens ein wenig von dem zu bekommen, was sie niemals haben konnte, wenigstens einen Hauch – schlug er sie mit Schweigen. Er war fröhlich und lustig, doch seine Wärme richtete er auf andere; kaum ein Wort gönnte er ihr, unnahbar und kühl, als würden sie sich kaum kennen. Als hätte sie nie etwas verbunden, weder Freundschaft noch auch nur ein Quäntchen Sympathie.
    Und mit jedem Moment war die Erkenntnis wie bitteres Gift in ihre Seele gesickert: Sie hatte doch verloren. Schon wieder.
    Der Schmerz schlug ihr die Wahrheit ins Gesicht wie eine schallende Ohrfeige: Die vergeblichen Gefühle waren nie ganz verschwunden.
    Sie liebte ihn noch immer.


    Aus hitzigen Rinnsalen wurden eilig fließende Bäche. Unterdrücktes Schluchzen begleitete ihre innere Qual und sie fragte sich, immer und immer wieder: Warum. Warum konnte sie nicht einfach vergessen?!
    Sie war geflohen, hatte all die Zurückweisung und Ignoranz nicht mehr ertragen. War sie wirklich so wenig wert? Nicht einmal … ein kleines bisschen … Sympathie …?
    Sie schluckte, ein schwerer Klos rutschte langsam ihren Hals hinunter. Die Kühle der Nacht hatte sie wärmstens empfangen, als sie aus dem Haus geeilt war. Das war um so vieles besser zu ertragen als der Frost in seiner Nähe.
    Warum nur, warum …
    Plötzlich hörte sie leise Schritte in der Dunkelheit. Hätten Geräusche eine Persönlichkeit, könnte man sie als schüchtern beschreiben, so bedacht näherten sie sich ihr. Da wurde ihr bewusst, wie kopflos sie gewesen war, und verfluchte sich selbst – zum wiederholten Male, dieses Mal jedoch aus anderen Gründen. Ängstlich öffnete sie die Augen ...
    Von allem, was sie hier draußen hätte heimsuchen können, hätte sie eines sicherlich nicht erwartet: Dass er es sein könnte. Dass er es wäre, der durch die Finsternis auf sie zuschritt und das Herz in ihrer Brust zum Flattern brachte, als würde er einen Schwarm bunter Schmetterlinge aus ihrer Ruhe schrecken.
    Oder Motten, die hoffnungsvoll auf das Licht zuschweben – um elend zu verbrennen.
    Ihre Kehle wurde zunehmend trockener, das Schlucken fiel ihr schwer. Was wollte er hier draußen? Hatte er nach ihr gesucht? Und dann der bittere Gedanke, dass das niemals so sein würde. Warum sollte auch …
    Immer stärker schälten sich seine Umrisse aus der Dunkelheit, und je klarer sie sah, desto heftiger glühten ihre Wangen, wie im Fieber. So ein krankes Gefühl – Gift und Medizin zugleich, sie könnte schreien vor Verzweiflung und Frust und Zorn!
    Was wollte er nur?
    Doch eine Antwort auf die stumme Frage in ihren flehenden Augen blieb er schuldig. Er schwieg. Immer näher kam er ihr, und mit jedem Schritt breitete sich eine feine Gänsehaut unaufhaltsam über ihren Körper aus. Schauer liefen in heiß-kalten Wellen ihren Rücken hinunter, ihre Nackenhaare stellten sich in Aufregung und Nervosität auf.
    Was wollte er?
    Langsam, quälend langsam schritt er auf sie zu. Die Zeit schien sich zu dehnen, als würden sie sich in sich verdichtendem, immer zäher werdenden Nebel bewegen.
    Was wollte ...
    Er stand vor ihr. Wie in Zeitlupe hob er den Arm. Sie zuckte innerlich zusammen und sah auf. Seine Gesichtszüge wirkten ernst, wie sie es gewohnt war, wenn er mit ihr umging – doch gleichzeitig lag noch etwas anderes darin, etwas, das sie nicht benennen konnte. Irritiert und beinahe instinktiv wollte sie zurückweichen, doch die grobe Mauer hinter ihr drückte sich bereits gegen ihren Rücken. Fast, als wollte sie sie ihm entgegenschieben.
    Was-
    Seine Hand berührte ihre Wange, wischte über die salzigen Tränen, die ihre Haut benetzt hatten. Wie von selbst schmiegte sie ihr Gesicht hinein. Und es passte makellos, wie bei einem Puzzlestein, der perfekt in einen anderen greift. Wie für einander bestimmt. Doch … es sollte doch nicht sein …
    Oder …?
    Er verringerte den Abstand zwischen ihnen weiter. Kam dichter, immer dichter, bis sich ihre Oberkörper fast berührten, nur ein Hauch, der sie jetzt noch voneinander trennte. Und je näher er kam, desto wilder und lauter schlug das verräterische Ding in ihrer Brust. Das Blut rauschte in ihren Ohren, kaum etwas nahm sie noch war – sie war gefangen. Gefangen in diesem Moment.
    Seine Nähe umhüllte sie wie ein schützender Mantel, auf einmal fühlte sie sich geborgen und … wohl. Spürte die Wärme seiner Haut auf der ihren. Spürte, wie die andere Hand sich sacht auf ihre Taille legte und bedächtig herum strich, bis sie in ihrem Rücken zum Ruhen kam.
    Und keine Sekunde ließ er ihren Blick dem seinen entfliehen, nahm sie gefangen – sie konnte sich nicht entziehen.
    Sein Kopf neigte sich behutsam zu ihr hinunter, sie spürte lauen Atem über ihr Gesicht streicheln und hörte das Geräusch tiefen Luftholens – war das … seine eigene Aufregung?
    In den halb geschlossenen Augen glaubte sie, ein Funkeln wahrzunehmen … ein Spiegel der Sehnsucht, die sie selbst schon so lange verspürte? Am Rande nahm sie seine samtenen Lippen war, die sich bedacht den ihren näherten …
    Ein Moment des Zögerns – ihr Inneres war zum Bersten gespannt. Plötzlich verkrampfte sich alles in ihr, eine lähmende Starre wie von einem donnernden Blitzeinschlag.
    Einen Moment standen Lunge und Herz völlig still.
    'Du magst mich doch gar nicht', dachte sie verzweifelt. 'Was tust du nur … mit mir. Du willst mich doch gar nicht … du bist kalt wie Eis, jetzt lässt du mich hoffen, doch wirst mich hängen lassen, wie du es schon vorher getan hast. Aber-'
    Schmerz, Bitterkeit, Sehnsucht und Hoffnung tanzten wie ein verheerender Wirbelsturm durch ihre Seele. Ihre Haut prickelte wie von nadelfeinem Regen besprenkelt.
    Und dann …
    Beinahe zaghaft legen sich seine Lippen auf die ihren, ein kaum hörbarer Seufzer entschlüpft dem Mund. Weich wie frisch geschälte Mandarinenspalten, versuchend süß, fest, fordernd, verheißend – Funken sprühen wie ein leuchtend buntes Feuerwerk.
    Die bitteren Stimmen waren nicht verschwunden, Bedenken und Angst lauerten noch immer in den Schatten ihres Geistes. Doch für diesen einen Moment, brennend vor Sehnsucht und glühend vor Hoffnung, schweigen alle Bedenken.
    Hier. Und jetzt.