God Stone

  • Na, du Keks? Wird Zeit, dass ich dir auch mal einen Kommi dalasse, was? :)


    Also was mich zuerst beeindruckt, ist die optische Gestaltung der Geschichte - und vor allem, dass alles (?) davon selbstgemacht ist! Gleichzeitig ist das Ganze aber schlicht gehalten, man wird nicht überladen mit zu vielen Elementen und Farben. Sehr, sehr angenehm!


    Jetzt noch ein paar Worte zu Kapitel 9! :3


    Bin gespannt, was die zwei Spezialisten noch alles erleben! Ich hoffe, du hast noch Spaß am Schreiben! :3


    lg


    ~ Sheo

  • Tolles Kapitel. Dann kann ich meine Bearbeitung fer rihfassunf des Aktes 2 und 3 in die Tonne kloppen

    "Das Leben selbst vergeht. Die Taten derer die du getan hast aber werden je nachdem wie Erfolgreich jene waren, nicht vergessen werden. In unglücklichen Fällen können Ärzte wie Hua Tuo können einen gar Unsterblich machen. Tja, seit meinem Unfall mit Hua im Jahre 120 lebe ich seit 90 im Aussehen eimes 30 Jährigen. Auch wenn mein Alter von 1929 Jahren etwas gewöhnungsbedürftig ist.", Lynneth Bucherstede, Lu Bus Bruder (25.02.2019)



  • Resharp erwachte, als Gladis quengelnde Stimme durch das verlassene Schlaflager hallte, begleitet von regelmäßigen „Klikk“-Lauten.

    Das soll Frühstück sein? Lieber fress' ich 'nen Stein!“

    Müde blinzelte es auf. Das Gladiantri stand in einiger Entfernung neben einem flachen Krater und schien mit dem Klikk zu argumentieren, das jedoch keine Reaktion auf ihre Beschwerden zeigte.

    „Morgen, Gladi“, gähnte das Reshiram und stützte sich auf seine Flügel. Ein unangenehmes Ziehen erinnerte es an seine Verletzung, und mit seinem unversehrten Arm stieß es sich rasch ab, um auf die Füße zu kommen. „Was ist denn los?“, fragte es dann. „Du hast etwas von Frühstück gesagt?“

    „Urgh, wenn du diese Matsche so nennen willst“, motzte Gladi, verschränkte die Arme und drehte sich von der Mulde weg. Neugierig schlurfte Resharp zu ihr herüber. Ein erdiger, leicht fauliger Geruch drang in seine Nase, und instinktiv verzog es das Gesicht.

    „Was … ist das?“, fragte es und starrte die Pfütze an, aus der eine Art Pflanze herauswucherte, die wohl den Großteil des Wassers aus einem kleinen Teich aufgesogen hatte.

    „Vitalkraut“, antwortete das Klikk. „Klikk. Wächst bevorzugt auf feuchtem Grünstein. Klikk. Dient Caesurio als nahrhafte Notration.“

    „Das Schrottvieh kann ja doch noch reden!“, rief Gladi empört. „Aber wenn ich sag, dass das Zeug aussieht, als hätt's 'n Deponitox ausgekotzt, schaltet's auf stumm.“

    „Es sieht wirklich nicht sehr lecker aus“, stimmte Resharp zu und beugte sich über den Teich. „Und die Caesurio haben das wirklich gegessen?“

    „Positiv. Vitalkraut ersetzt ausbleibende Jagderfolge. Klikk.“

    „Hoffentlich gab's damals genug Beute“, murmelte Gladi.

    „Ich … werde mal einen Bissen nehmen“, sagte Resharp zögerlich und unterdrückte den Drang, vorher noch einmal an dem Gewächs zu riechen. Vorsichtig riss es ein Blatt von der mit Wasser durchtränkten Pflanze ab und begann langsam zu kauen.

    „Reshi, du …“, machte Gladi und hielt ihren Würgreiz zurück.

    „Hm, eigentlich“, nuschelte das Reshiram und schluckte, „eigentlich ist es nicht so schlimm. Es ist ein bisschen bitter. Aber nicht so schrecklich, dass es gleich wieder raus will.“ Erneut biss es ein Stück ab, doch diesmal ein größeres. Gladi starrte ihren Freund ungläubig an. Dann jedoch meldete sich ihr Magen mit einem Grummeln.

    „Is' ja gut“, grummelte sie leise zurück, kniete sich neben dem Drachen hin und spießte einen für sie mundgerechten Happen auf ihrer Handklinge auf. So saßen sie einige Minuten schweigend da und stopften so viele Blätter in sich hinein, wie sie vertrugen. Glücklicherweise hatte das Klikk nicht gelogen, als es das Vitalkraut als nahrhaft bezeichnet hatte, und obendrein war es auch sehr sättigend. So mussten sich die beiden nicht allzu viel von der bitteren Pflanze antun.

    „Sowas will ich nie wieder futtern“, murmelte Gladi und leckte sich die Lippen in einem Versuch, den Geschmack aus ihrem Mund zu kriegen. „Und was jetzt?“

    Resharp beugte sich noch einmal vorsichtig über die Mulde und trank einen Schluck aus der Pfütze. „Ich will mich hier noch weiter umsehen“, sagte es dann. „Hier könnte es ja noch Hinweise geben, die wir nur noch nicht gefunden haben.“

    Das Gladiantri nickte und ging voraus, tiefer in den Raum hinein. Je weiter sie nach hinten gelangten, desto vereinzelter und auch größer wurden die steinernen Betten – Resharp vermutete, dass diese den ranghohen Persönlichkeiten vorbehalten waren. Schließlich passierten sie das letzte und größte, und dahinter ging der Boden in eine nach rechts gerichtete Schräge über, der sie folgten.

    „Wow“, hauchte das Reshiram staunend. Im Schein eines riesigen Elektrolithen an der Decke glitzerte geheimnisvoll ein unterirdischer See, in dem ganze Schwärme von winzigen, beinahe durchsichtigen Fisch-Pokémon ihre Runden zogen. Am Ufer auf beiden Seiten befand sich eine seltsame Konstruktion, die es nicht deuten konnte. Fasziniert sah es sich diese an.

    „Zurücktreten“, sagte das Klikk, das ihnen nach wie vor folgte, unvermittelt. Hastig machte Resharp einen Schritt nach hinten, und das Metall-Pokémon schwebte in eine seitliche Öffnung und drehte seine beiden Teile in einem gleichmäßigen Rhythmus. Ein lautes Krachen fuhr durch das mechanische Objekt, das ganz offensichtlich seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten nicht mehr benutzt worden war, und langsam und ruckartig senkte sich eine breite Brücke, bestehend aus zwei Metallschienen, an denen Holzbretter befestigt waren, nach unten.

    „Wie ham die das gemacht?“, fragte Gladi und starrte das Schauspiel ungläubig an.

    „Klikk. Brücke nicht betreten, bis der Senkvorgang beidseitig abgeschlossen ist. Klikk klikk.“ Nun löste sich das Klikk wieder aus seinem Platz in der Maschine und schwebte rasend schnell zum anderen Ufer, wo es das Gleiche tat wie eben. Mit einem metallisch dröhnenden „Klong“ schnappten die beiden Brückenhälften ineinander und bildeten einen selbst nach dieser langen Zeit noch stabil aussehenden Weg über das Wasser.

    „Ich weiß ja nich' …“, murmelte Gladi und setzte zögerlich einen Fuß auf das Gestell, zog diesen dann jedoch misstrauisch wieder zurück.

    „Tut mir leid, Gladi, wir müssen. Ich glaube nicht, dass ich schon wieder fliegen kann“, sagte Resharp. „Aber wenn es mich aushält, dann hält es dich auch aus. Lass mich mal probieren.“

    Das Gladiantri trat einen Schritt zur Seite und ließ das Drachen-Pokémon vorbei. Behutsam setzte dieses einen Fuß vor den anderen, verlagerte immer mehr Gewicht auf die Brücke, deren morsches Holz zwar einige ächzende Laute hören ließ, aber nicht nachgab. Bestätigend nickte es Gladi zu.

    „Okay, is' gut“, nuschelte sie immer noch nicht ganz überzeugt und folgte ihm vorsichtig. „Jetzt aber nich' brutzeln“, sagte sie und klammerte sich an Resharps Schwanzspitze fest. So überquerten sie langsam, aber sicher den Höhlensee und erreichten nach kurzer Zeit die andere Seite. Während Gladi nur erleichtert durchatmete, wandte sich Resharp nun interessiert an das Klikk.

    „Wann und wie haben die Caesurio diese Brücke denn gebaut? Die ist so viel komplizierter als die in ihrem anderen Versteck.“

    „Klikk klikk“, ratterte es sofort. „Caesurio ließen sich vor 97 Jahren, drei Monaten und zwölf Tagen in der Elektrolithhöhle nieder. Klikk. Caesurio bauten ihr Lager auf und errichteten mit Hilfe von Klikk Schutzmechanismen. Klikk.“

    „Ähm … du hättest es mir nicht auf den Tag genau sagen müssen“, sagte das Reshiram leicht überfordert. Als Information hätte ihm „vor knapp einem Jahrhundert“ völlig ausgereicht, doch das metallene Pokémon schien so einfach nicht zu funktionieren. „Jedenfalls … du hast ihnen ganz allein damit geholfen? Mit deinem Wissen, oder wie?“

    „Weitere Modelle von Klikk waren an Caesurios Projekt beteiligt. Klikk arbeiteten mechanische Vorgänge aus und dienten Caesurio als Werkzeug. Klikk.“

    „Keine hundert Jahre?!“, hallte Gladis Stimme plötzlich, und als Resharp sich nach ihr umdrehte, war sie nirgends zu sehen. Offenbar hatte sie sich schnell von dem morschen Gestell entfernen wollen und war ein Stück vorausgegangen. Schnell folgte Resharp ihrem Ruf und holte sie ein. Noch während es sich ihr näherte, deutete sie mit fuchtelnden Bewegungen auf die Wand hinter sich. „Und da waren sie dann plötzlich voll im Retro-Fieber, hä?“

    Verwirrt richtete das weiße Pokémon seinen Blick auf das, was sie ihm zeigen wollte: Verblichene Wandmalereien, die ganz offensichtlich Caesurio darstellten. Caesurio, die vor einem Artgenossen in blauer Rüstung salutierten, der seine Arme nach oben ausbreitete, scheinbar um etwas in Empfang zu nehmen – eine Kugel mit drei goldenen Kerben, die über seinen Händen schwebte. Und oberhalb der ganzen Szene befand sich Reshiram, das schützend seine Flügel ausbreitete.

    „Bin das … ich?“, fragte Resharp leise.

    „Der Drache? Wohl kaum. Der Stein? Volle Punktzahl“, sagte Gladi. „Der Blaue da is' Bisharp. Und solche Bilder“, sie fuchtelte erneut mit ihrem Arm, „gab's vor 'nem Jahrtausend. Nix mit 97 Jahren und drölf Monaten.“ Sie stemmte die Arme in die Hüften und wandte sich an das Klikk. „Na dann erklär mal, Schrottvieh. Was hat'n dein Bolzenhirn dazu zu sagen?“

    „Klikk … klikk …“, ratterte es.

    „Naaaa?“ Das Gladiantri sah es herausfordernd an.

    „Klikk … Keine Informationen gefunden“, antwortete es schließlich. „Durchsuchte Informationsspeicher von 100 Jahren.“

    „Dann grübel noch 'n bisschen weiter!“, verlangte Gladi.

    „Eingabe: Suche fortsetzen. Klikk. Fehler: Speicherkapazität erreicht. Informationsspeicher von 100 Jahren erneut durchsuchen?“

    „Nein, danke“, sagte Resharp schnell, bevor Gladi das Klikk noch weiter auszuquetschen versuchte. „Gladi, es ist vielleicht eine Art Maschine, aber trotzdem ein Pokémon. Vielleicht gibt es Klikk einfach noch nicht länger und … die Caesurio waren schon früher einmal in dieser Höhle.“ Als es den letzten Teil aussprach, kam ihm plötzlich der Gedanke, dass Scalp die Caesurio von damals näher an der Heimat vermutet hatte. Konnten die Wandmalereien etwas damit zu tun haben? „Ich will nachsehen, ob wir noch mehr davon finden können. Die hier erzählt ja offensichtlich die Geschichte meiner Geburt. Es könnte ja sein, dass sie etwas anderes aufgemalt haben, was uns zumindest in die richtige Richtung schickt.“

    Schulterzuckend ließ Gladi von ihrem Verhör ab und spazierte weiter in die Richtung, in die der Tunnel führte. „'kay, bist der Boss, Reshi.“

    „Gladi …“, seufzte Resharp und folgte ihr.


    Zuerst fanden sie keine weiteren Malereien, nur wenige Elektrolithen, die für surreale Lichtverhältnisse sorgten. Ein bisschen sehnte sich Resharp wieder zurück ans Tageslicht, doch vorher musste es unbedingt zumindest diesen Teil der Höhle erkunden. Es hatte Kizan und allen anderen Caesurio sein Versprechen gegeben und war fest entschlossen, dieses auch zu erfüllen.

    Mit einem Mal bestätigte sich seine Vermutung von vorhin, denn plötzlich fiel ihm eine weitere Zeichnung ins Auge.

    „Da!“, riefen es und Gladi gleichzeitig. Einen Moment lang starrten sich beide grinsend an, dann eilten sie hin, um sie sich näher anzusehen. Abgebildet waren zwei Caesurio mit seltsamen Bemalungen auf den Gesichtern und Rüstungen, die vor einem Baum niederknieten, dessen Äste wirkten, als tanzten sie miteinander. Etwas, das wohl eine leuchtende Aura darstellen sollte, umgab die Szene.

    „Kannst du mir sagen, was das ist, Gladi?“, fragte der Drache.

    Gladi inspizierte die Wandmalerei mit ihren Blicken, bevor sie antwortete. „Nee, nich' sicher. Aber das sieht nach Zauberkram aus.“

    „Hm.“ Das Reshiram warf einen flüchtigen Blick zu dem Klikk, das leise seine „Klikk“-Laute von sich gebend neben ihm schwebte. „Wird uns hier wohl nicht helfen können“, raunte es dann und spazierte weiter vorwärts.

    „Sorry“, murmelte Gladi. „Ich weiß ja, die konnten damals irgendwie zaubern. Hab auch nachgefragt, ich mein', zaubern is' cool und so. Aber die wollten nich' damit rausrücken. War mal wieder zu klein.“ Unzufrieden verschränkte sie die Arme und machte ein Schmollgesicht.

    Lange konnte sie jedoch nicht schmollen, denn schon tauchte das nächste Bild auf. Erst waren in dem seltsamen Licht nur verblasste Farbflächen in rot, gelb und grau zu sehen, doch als sie näher herantraten, öffnete sich vor ihnen wieder ein größerer Raum, an dessen Verhältnisse sich ihre Augen gewöhnen konnten.

    Und was da zu sehen war, ließ Resharp selbige verstört aufreißen: Caesurio, die vor etwas wegrannten, daneben welche, die auf dem Boden lagen und verzweifelt die Arme emporreckten, auf dass ihnen jemand helfen möge. Eine Reihe tapferer Soldaten versuchte, die Flüchtenden vor der Bedrohung zu schützen, die in Form einer Ansammlung schwarzer, humanoider Schatten am gegenüberliegenden Rand lauerte, die einzelne Caesurio zu sich in die Dunkelheit zogen.

    „Ich hoffe, das ist nur überdramatisch dargestellt“, stammelte Resharp und hielt sich den Mund, um sein Frühstück nicht doch wieder zu verlieren. Obwohl es nur eine Wandmalerei war, hatte es das Gefühl, die Gedanken und Emotionen der abgebildeten Pokémon gut nachvollziehen zu können. Blanker Terror und Schmerz.

    „Reshi, geht's?“

    Es zwang sich, seinen Blick von dem Horrorszenario loszureißen, wobei ihm ein Schriftzug unterhalb auffiel. „Lies mir das bitte vor“, sagte es schnell und sah Gladi an, die sich deutlich weniger beeindruckt gab.

    „Niemals vergessen“, sagte sie. „Also ich war nich' dabei, aber 'n bisschen sehr dramatisch isses schon.“

    Es war keine Kaltherzigkeit von ihr. Sie hatte lediglich keine Vorstellung von diesen Schrecken … doch Resharp eigentlich auch nicht. Warum reagierte es nur so emotional? Ihm war beinahe, als spürte es den leisen Ruf eines fernen Zeitalters in sich, das stumm schreiend an ihm vorbeigezogen war. Und nun schwor es sich noch fester, diese trostlose Existenz der Caesurio zu einem Ende zu führen.

    Nachdenklich drehte es sich um. Bisher war es ihm noch nicht aufgefallen, doch anscheinend handelte es sich um eine Art Gedenkraum. Verwitterte Überreste von kleinen Holzstühlen bildeten einen Kreis in der Mitte, wo sich eine kleine, offensichtlich künstlich angelegte Vertiefung im Boden befand. Dahinter jedoch führte der Gang, dem sie gefolgt waren, noch weiter. Natürlich, um die Erinnerung zu erhalten, war es ein logischer Schritt, derartige Orte dort zu errichten, wo man ständig durchkam – so vermutete das Reshiram jedenfalls.

    „Gladi“, sagte es dann. „Das andere Bild vorhin … da war ein Baum zu sehen. Und kein normaler Baum. Wir müssten nur rausfinden, was das für einer ist und wo er steht, dann könnten wir die Alte Heimat schon gefunden haben.“

    „Sicher?“, fragte das Gladiantri und legte den Kopf schief. „Ich hab gedacht, die verhexen den Baum. Frag nich', wieso. Wobei, deins klingt besser.“

    „Selbst wenn“, fuhr das Drachen-Pokémon fort, „dann müsste der verzauberte Baum noch irgendwo stehen, oder nicht? Ich glaub nicht, dass die Menschen einen Zauberbaum fällen. Könnte ihnen ja was nützen.“

    „Jetzt mach aber mal halblang“, warf Gladi ein. „Wir ham keinen Plan, was das für'n Zauber war. Vielleicht ja nur 'n Spiel, weil 'n tanzender Baum so witzig is'.“

    „Die sahen aber nicht so aus, als würden sie spielen. Und es ist die einzige Spur, die wir haben. Naja, und Reshirams Rätsel, aber ich hab immer noch keine Ahnung, was es damit meinte.“

    „Pst“, machte Gladi plötzlich und deutete ihm, still zu sein. Verwundert hielt Resharp inne.

    „Lausch' mal“, flüsterte das Gladiantri, und die beiden horchten konzentriert hin. Zwischen dem statischen Summen der Felsen und dem klikkenden Klikk drang tatsächlich noch ein anderes Geräusch hervor. Ein Geräusch, das vermeintlich an einem Ort wie der Elektrolithhöhle überhaupt nichts zu suchen hatte.

    Ein Zwitschern und Piepen, wie von einem Vogelküken.




    Highlights: Vanchningth , Shining Lucario , Luxuria , Lynneth Bucherstede

    Gladiantri..107626-81915eb0.png..Reshiram (schillernd)

    „In dir fließt mein Blut, Kind. In dir lodert meine Flamme. Dennoch sei gewarnt, denn du bist nicht Reshiram. Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen. Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“

  • „Klikk. Brücke nicht betreten, bis der Senkvorgang beidseitig abgeschlossen ist.

    Klickk klingt wie ein Warnschild, oder ein Beamter. Klingt gut.

    eine Kugel mit drei goldenen Kerben, die über seinen Händen schwebte. Und oberhalb der ganzen Szene befand sich Reshiram, das schützend seine Flügel ausbreitete.

    Ah ja, das wird er sein.

    „Selbst wenn“, fuhr das Drachen-Pokémon fort, „dann müsste der verzauberte Baum noch irgendwo stehen, oder nicht?

    Hm, da gäbe es erstmal die Bäume durch die man Pokemon mit Versteckten Fähigkeiten bekommt und dann gäbe es noch den weißen Baum.

    Verwitterte Überreste von kleinen Holzstühlen bildeten einen Kreis in der Mitte, wo sich eine kleine, offensichtlich künstlich angelegte Vertiefung im Boden befand.

    Möglicherweise kommt man dort weiter, wenn man den God Stone hineinlegt. Die Frage ist nur, ob Resharp das kann und wenn, ob das irgendeine Auswirkung auf ihn hat. Bei N sorgte das ja dafür, dass Wesen, Originalbesitzer und DVs resettet wurden (Dick move)

  • Hoothoot!


    Gladi hat nicht am ganzen Körper eine Stahlhaut. Nur Klingen und Rüstung bestehen bei ihr aus Metall, also das Gesicht zB ist ganz normal organisch. Hielt ich für selbstverständlich, deshalb wurde das auch nicht beschrieben.

    Für mich war das immer ein Komplettpaket aus Metall. Gut, dass dus sachst, dann versteh ich den Zusammenhang besser!


    Ich mag Klikk ja auch, aber häng dich nicht zu sehr an es. Es wird nicht ewig dabeibleiben. xD

    :((((( kriegen wir dann sowas wie einen Special-Corner? "Klick erklärt die Welt"/"Klicks Kommentar zum Kapitel" oder sowas? Das wär ziemlich cool!



    Aber zum aktuellen Kapitel: Mir gefiel gut, wie du das Vitalkraut beschrieben und eingebettet hast. Das war sehr nachvollziehbar und man konnte es sich gut wie eine echte Pflanze vorstellen. Ich hab nur nicht so ganz verstanden, warum Resharp 'einfach so' aus der Pfütze trinkt, wenn die doch viel ekliger ausgesehen hat als diese Pflanze - irgendwas von modrig und so.

    An sich ein eher ruhiges Kapitel, aber dafür werden wir an die Mysterien herangeführt, die für die Geschichte eine Rolle spielen. Das ist schön, man möchte ja auch mit etwas Hintergrundwissen gefüttert werden (wenn auch angedeutet) und die Bemerkung am Ende, so harmlos sie auch ist, hat etwas ganz besonders Bedrohliches. Vielleicht ein Trainer, der durch die Höhle schleicht und so ein Vogelmonster dabei hat? Wer weiß, wer weiß ...


    Ihm war beinahe, als spürte es den leisen Ruf eines fernen Zeitalters in sich, das stumm schreiend an ihm vorbeigezogen war.

    Das fand ich übrigens wunderschön - sehr poetisch und erzeugt gleichzeitig ein geisterhaftes Bild, das gut zur Situation passt. Sehr gut gemacht, Keks! :D



    Sodale, bis zum nächsten mal!


    ~ Sheo

  • Hallo, Keksi. Hier ist ein Kommentar.


    Zunächst einmal: Du scheinst ziemlich gründlich in Sachen Rechtschreibung zu sein, zumindest fallen mir keine Fehler auf, schön. Inhaltlich und charakterlich gefällt mir die Entwicklung in den letzten Kapiteln. Das Klikk mag ich als Charakter ja ganz gerne - es dient natürlich ein wenig zur Exposition, hat aber eben auch einen tatsächlichen Charakter, der sich in seinem Duktus niederschlägt. Mit seiner eher rationalen Art bildet es einen Kontrast zu den beiden Hauptcharakteren, der das Geschehen ein bisschen auflockert, ohne dabei jedoch ins Alberne zu verfallen.

    Gladi und Reshiram haben sich ja nun sichtlich miteinander angefreundet - ich mag diesbezüglich auch die kleineren Momente, die eher ein wenig alltäglich sind, wie der Verzehr des bitteren Vitalkrauts, das macht sie (ja, hören die wahrscheinlich gar nicht gerne) menschlicher.

    Ich bin auch gespannt, wie es weitergeht - der Baum scheint ja eine Rolle zu spielen, auch wenn ich gerade nicht so recht weiß, worum es sich dabei handeln könnte. Nicht, dass ich keine Vermutung diesbezüglich hätte; ich habe nur keine Indizien gefunden, um sie zu stützen. Ähnlich verhält es sich mit dem Rätsel, das Reshiram aufgegeben hat. Aber naja, erst einmal ist wohl die Frage, was es denn mit diesem Gezwitscher auf sich hat.


    Zum Schluss hätte ich vielleicht noch eine Anmerkung, die sich jetzt weniger auf die Geschichte bezieht: Es geht mir um die "Gedanken der Autorin" - es ist nichts, was sich durch alle Posts zieht, aber manchmal kommst und darin ein wenig sehr defensiv rüber, denn du verteidigst dich manchmal darin gegen Kritik, bevor sie aufkommt, weil du sie antizipierst. An sich ist es nicht falsch, ein paar Dinge der eigenen Geschichte noch zu erklären, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass das hier und da auf potentielle Leser abschreckend wirken könnte (auch wenn es mich selbst jetzt nicht abhält). Das wollte ich nur mal kurz anmerken.


    So oder so - ich bin mal gespannt auf den weiteren Verlauf der Geschichte.



  • „Was zum …“, staunte Resharp. Dass sie in einer Höhle, in die sie durch einen Unfall gestolpert waren, ein verlassenes Caesurio-Lager mit technischen Meisterwerken und kryptischen Wandmalereien gefunden hatten, war ja schon abenteuerlich genug. Doch nun, nachdem sie dem Gezwitscher gefolgt waren, hatten die natürlichen Kammern ein Ende gefunden und wichen etwas derart Atemberaubenden, dass es nur in harter, vielleicht monatelanger Arbeit künstlich angelegt sein konnte: Wie eine steinerne Röhre ging es tief hinunter in den Abgrund; an der Wand entlang führte ein spiralförmiger Pfad sowohl nach oben als auch nach unten, gesäumt von erstaunlich gleich großen Elektrolithen in erstaunlich gleich großen Abständen. Oben schien sich nichts zu befinden; der Weg lief geradewegs in die Höhlendecke hinein. Ein Blick nach unten enthüllte lediglich einen gleichbleibenden Anblick, der sich irgendwann in einem Farbengewirr aus Blau und dunklen Grautönen verlief.

    Doch die Säule in der Mitte setzte dem Ganzen die Krone auf. Ihre Spitze lag einige Meter unter ihnen, und oben drauf hatte jemand ein Nest aus kleineren elektrischen Steinen gebaut, in dem das Objekt von Resharps Aufmerksamkeit thronte: Ein großes, gelb geflecktes Ei, das außerdem von zwei dunkleren, zickzackförmigen Streifen geziert wurde. Ein kleines Loch befand sich bereits in der Schale, und aus diesem drang in unregelmäßigen Abständen, mal laut, mal leise, auch das Geräusch.

    „Klikk, von wem ist dieses Ei?“, fragte Resharp. Am liebsten wäre es näher hingeflogen, wollte es aber vorsichtshalber noch nicht versuchen – besonders nicht über einem bodenlosen Loch.

    „Klikk klikk. Keine gespeicherten Informationen gefunden. Leite Analyse ein.“ Wie bereits am Vortag schwebte das metallene Pokémon nun auf das Ei zu und bewegte sich wild um es herum. „Analyse abgeschlossen“, sagte es dann und kehrte rasch zurück. „Pokémon-Art unbekannt. Elektro-Typ erkannt. Flug-Typ erkannt.“

    „Hätt' ich jetzt echt nich' gedacht“, murmelte Gladi und rollte mit den Augen. „Voll hilfreich.“

    „Ob es ein starkes Pokémon wird?“, dachte Resharp laut nach, da das Küken in etwa halb so groß wie es selbst sein mochte, wie es von seinem Beobachtungspunkt aus erkennen konnte.

    „Ob man's essen kann?“, erwiderte Gladi schnippisch. „Schmeckt sicher besser als der Pflanzenmatsch.“

    Das Reshiram seufzte und fasste sich an die Stirn. „Du bist echt unverbesserlich, Gladi. Selbst wenn, müssten wir doch erstmal rankommen.“

    „Klar“, grinste das Gladiantri. „Klettern wir ganz runter und da drüben wieder rauf.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, folgte sie einfach der Spirale abwärts.

    „Hey, warte mal!“, rief Resharp. „Das meinst du doch nicht ernst?!“

    „Nee, Quatsch“, gab Gladi zurück. „Ich kuck ja nur runter, weil oben is' ja Sackgasse.“

    Eigentlich hatte das Drachen-Pokémon ja vorgehabt, zurück ins Caesurio-Versteck zu gehen und dieses weiter zu erkunden, doch es fügte sich ihren Plänen mit dem Gedanken, dass dies später ja auch noch möglich war. Außerdem bekamen sie so vielleicht heraus, was für ein Pokémon nun wirklich in diesem Ei steckte. Die Eltern konnten ja wohl nicht weit sein, oder? Ihm erschien das ziemlich interessant. So ordnete es sich hinter Gladi und dem Klikk, das ihr bereits folgte, ein.

    „Hey Schrottvieh, was war'n das hier eigentlich?“, fragte sie plötzlich. Überrascht starrte Resharp sie an.

    „Du interessierst dich auch mal dafür, was Klikk zu sagen hat?“, wunderte es sich – nicht ohne einen halb-ironischen Unterton –, während jenes erneut klikkend seinen Speicher durchsuchte.

    „Ah-ah, mach langsam. Unsere Leute müssen ja irgendwas Cooles vorgehabt haben, wenn sie so'n krasses Ding raushauen“, verteidigte sie sich schnell und machte demonstrativ eine ausladende Bewegung mit ihrer Handklinge.

    „Klikk. Fehler. Daten beschädigt. Klikk. Daten konnten nicht gelesen werden.“ Abrupt blieb es in der Luft stehen, und das Reshiram wäre beinahe in es reingelaufen. Rasch trat es als Ausgleich zwei Schritte zurück.

    „Was … was soll das heißen?“

    Gelassen drehte sich Gladi um. „Ich hab's schon gesagt, Reshi. Das Ding klikkt nich' ganz richtig.“ Ein schadenfrohes Glucksen entwich ihrer Kehle.

    Doch das Lachen sollte ihr schon im nächsten Moment im Hals stecken bleiben.


    Ohne Vorwarnung wurde das Klikk von einer donnernden Kugel aus geballter elektrischer Energie getroffen. Grelle Funken umgaben seinen metallischen Körper, es krachte und knackte.

    Während Resharp und Gladi noch erschrocken dastanden, dröhnte plötzlich eine kreischende, verzerrte Stimme aus ihm heraus.

    „Verschwindet, Eierdiebe!“

    Schnell drehte das Reshiram seinen Kopf, um den Angreifer auszumachen. Und ungefähr auf seiner Höhe – etwas unterhalb des Nestes – flatterte ein riesiger, gelber Vogel mit wild abstehenden gelben und schwarzen Federn, aus denen laufend kleine Blitze zuckten.

    Das Ungetüm öffnete seinen langen Schnabel und krächzte drohend, wobei es einige dieser Entladungen konzentrierte und wieder auf das Klikk lenkte.

    „Dies ist das Revier von Zapdos, dem Donnervogel! Hier herrscht der legendäre Blitz!“

    Als die Elektrostöße für einen kurzen Moment nachließen, sprintete Gladi ohne nachzudenken einfach vorbei und ließ sich erst vom Körper ihres Freundes abbremsen. Keuchend landete sie auf ihrem Hinterteil.

    „Was geht'n jetzt ab?“

    „Es … es kommuniziert mit uns, indem es Klikk benutzt“, hauchte Resharp. „Schnell, spring auf, wir müssen zurück!“

    Das Gladiantri jedoch saß bereits auf ihm, bevor es fertig gesprochen hatte, und so rannte es los, den Gang im Visier, aus dem sie vorhin gekommen waren. Das Klikk versuchte, ihnen zu folgen, brachte jedoch nur ruckartige Zickzackbewegungen zustande, mit denen es sich mal vor, mal hinter die beiden manövrierte.

    „Klikk. Fehler. Überladung. Klikk …“

    Eine weitere Elektrokugel verfehlte ihr Ziel meilenweit und prallte auf die Wand hoch über ihnen. Einige Brocken splitterten von dieser ab und stürzten polternd nach unten. Resharp bremste sich gerade noch rechtzeitig, ehe diese auf den Pfad vor ihm krachten und ein Stück von diesem unbetretbar machten – den Ausgang mit eingeschlossen, der nun größtenteils von dem Geröll blockiert wurde.

    „Wie passend“, nuschelte Gladi und klammerte sich fest.

    „Kein Pardon!“, kreischte das Klikk hinter ihnen, erneut Schocks entgegennehmend.

    Resharp schluckte. Was konnte es jetzt noch tun? Vor ihm ging es nicht weiter, hinter ihm lag nur der Weg in den Abyss. Sollte es versuchen, gegen das Zapdos zu kämpfen? Es fühlte sich dazu einfach nicht in der Lage, besonders, wenn es auf seine Flugfähigkeit verzichten musste.

    Wieder kam eine kugelförmige Salve auf sie zu geschossen, und das Drachen-Pokémon machte geistesgegenwärtig kehrt und wich nach abwärts aus. Doch dann merkte es, dass dies gar nicht nötig gewesen wäre: Kurz vor ihrem Ziel geriet die Attacke plötzlich ins Schwanken und zischte nach oben ab, wo sie in einen Elektrolithen knapp unter der Decke prallte. Hatte dieser sie angezogen und somit von ihrem Weg abgeleitet? Hatte Zapdos' letzter Versuch aus demselben Grund verfehlt?

    Der getroffene Felsen löste sich nun ebenfalls und fiel herab, beschrieb eine Kurve in der Luft und donnerte in einen anderen Elektrolithen tief unter ihnen. An der Stelle, wo er sich davor befunden hatte, prangte nun ein großes Loch, aus dem ein Licht drang, das verdächtig nach … Sonnenstrahlen aussah?

    Resharp schielte zu dem Zapdos herüber. Dieses war gerade damit beschäftigt, in den Abgrund hinabzutauchen, um einige Steine aus dem Nest aufzusammeln, die aufgrund der elektrischen Anziehung herausgefallen waren und sich nun um die größeren Exemplare herum sammelten. Das war eine gute Gelegenheit, um den entstandenen Fluchtweg zu nutzen – doch es würde irgendwie über die lockeren Felsen hinweg fliegen müssen. Und es musste sich beeilen, denn möglicherweise würde es keine zweite derartige Chance geben.

    „Wie geht es dir, Klikk?“, fragte es zähneknirschend.

    „Klikk. Beschädigte Daten gefunden. Reparaturmaßnahmen eingeleitet. Klikk.“ Es befand sich immer noch in einem unruhigen Zustand, seine Schwebe wurde jedoch langsam wieder gleichmäßiger. Man sah ihm an, dass es einen Schaden davongetragen hatte, doch das Reshiram schätzte es als unversehrt genug ein, um einigermaßen wiederhergestellt werden zu können.

    „Ich möchte, dass du zurückgehst und nach den anderen Klikk suchst. Die können dir besser helfen als wir. Beeil dich.“

    Einen Moment lang stockte das Metall-Pokémon und zitterte in der Luft, bewegte sich dann jedoch ruckelnd auf den blockierten Weg zum Caesurio-Lager zu. Als es versuchte, durch eine kleine, freigelassene Öffnung zu schweben, stieß es leicht an die Felsen und sprühte einige kleine Funken, verschwand jedoch schließlich dahinter.

    Nun war Resharp an der Reihe. Immer noch war Zapdos damit beschäftigt, sein Nest zu reparieren, damit das Ei nicht hinausrollte. Jetzt oder nie.

    „Okay, Gladi. Festhalten. Das wird kein Spazierflug, wie du es gewohnt bist.“ Es nahm ein wenig Anlauf und rannte, so schnell es konnte, breitete dabei bereits die Flügel aus und stieß sich knapp vor dem Geröllhaufen mit aller Macht vom Boden ab. Das Stechen in seinem rechten Arm versuchte mit aller Macht, es nach rechts zu ziehen, hin zur Mitte der steinernen Röhre. Das Stechen in seinem Rücken – von Gladis ängstlichem Klammergriff – hingegen bewegte es dazu, all seine Kraft zusammenzunehmen und zu flattern, wie es noch nie geflattert hatte. Die paar Sekunden, die es brauchte, um die Steine zu überwinden und etwas Abstand zu ihnen zu gewinnen, fühlten sich wie lange Minuten an, an deren Ende es versucht war, sich einfach hinunter auf den Pfad fallen zu lassen. Doch es wusste es besser und zwang sich, möglichst behutsam wieder unten aufzusetzen, um sich nicht noch schlimmer zu verletzen als ohnehin schon. Seine Beine zitterten und es fiel hin, doch unbeirrt richtete es sich wieder auf und rannte bis zum Ende der Spirale nach oben, die Tatsache ignorierend, dass es den Großteil seiner Kräfte bereits aufgebraucht hatte. Jetzt, in diesem Moment, zählte nur eines: Unversehrt hier rauszukommen.

    Und als das Zapdos seine Arbeit kurz unterbrach und nach oben blickte, erhaschte es nur einen flüchtigen Blick auf einen glühenden, weißen Schweif, der gerade nach draußen verschwand. Der Blitz, den es rasch hinterherschickte, kam zu spät und schoss ins Leere.


    Wieder umgab sie Vogelgesang. Doch diesmal wurde dieser begleitet von in einer leichten Brise rauschenden Blättern und leise vor sich hin plätscherndem Wasser.

    Als das Reshiram meinte, die Gefahr wäre gebannt, ließ es sich einfach vornüber auf den moosigen Waldboden fallen und stieß einen tiefen Seufzer aus, den Gladi sogleich erwiderte.

    „Das. War. Knapp“, zischte es durch seine Zähne und atmete tief durch.

    „Aber heftig“, antwortete das Gladiantri. „Können die uns nich' einfach mal 'ne Pause gönnen? Zu viel Stress hier.“

    „Du hättest ja nicht mitkommen müssen“, erinnerte sie Resharp und stützte sich auf. „Aber … ehrlich gesagt bin ich froh, dich dabei zu haben.“

    „Wusste ich's doch“, grinste sie und rutschte von seinem Rücken. „Das alles hier is' immer noch tausendmal besser als daheim.“

    „Ich brauch jetzt dringend was zu trinken“, sagte das Drachen-Pokémon. Es warf noch einen kurzen Blick zurück auf den Berg, aus dem sie gerade gekrochen waren. Ihre Flucht hatte einen Höhleneingang freigelegt, der mehr oder minder versteckt zwischen einigen Büschen lag, die das Gelände bewucherten. Der Hang, auf dem sie standen, war noch relativ flach, wurde jedoch nach oben hin zunehmend steiler, um den Rand des Westgebirges zu markieren.

    Geradeaus befand sich zwar kein Weg, doch das Wäldchen ermöglichte mit seinem lichten Bewuchs ein einfaches Durchkommen. Die beiden folgten dem Klang des Wassers und fanden recht schnell ein kleines Bächlein, an dem sie ihren Durst löschten. Resharp ließ sich daraufhin auf einem flachen Stein nieder und sog die vereinzelt durchdringenden Sonnenstrahlen auf, während es in einiger Entfernung zwei graue Vogel-Pokémon beobachtete, die laut gurrend umeinander stolzierten.

    „Also, dieses Zapdos …“, murmelte es nachdenklich in Gladis Richtung. Sie war gerade damit beschäftigt, auf einem Ast zu balancieren, der quer über dem Bach lag.

    „ … is'n aufgeplustertes Stück – … uargh!“ Plötzlich rutschte sie aus und klatschte rücklings ins Wasser. Blitzartig sprang sie wieder hinaus und schüttelte sich heftig.

    „Das meinte ich nicht“, sprach Resharp weiter. „Es hat sich den legendären Blitz genannt. Heißt das etwa, es ist ein Legendäres Pokémon?“

    „Keine Ahnung. Isses wichtig?“, fragte das Gladiantri.

    „Naja, das vielleicht nicht. Aber ich muss an das denken, was Kyurem und Kobalium gesagt haben.“

    „Was is' mit Kyurem? War das nich' das kaputte Vieh im Turm?“, hakte Gladi nach und setzte sich zu ihrem Freund.

    „Ja, also, das glaub ich zumindest. Jedenfalls hab ich Kyurem getroffen und es behauptete, Legendäre Pokémon würden keine Kinder bekommen. Und Kobalium hat etwas ganz ähnliches gesagt. Aber jetzt war da Zapdos und es hatte doch offensichtlich eins.“

    „Meh, is' doch eh bescheuert“, grummelte Gladi. „Was is'n überhaupt 'n Legendäres Pokémon? Wer sagt: ‚Du bist eins‘ und ‚du bist keins‘?“

    „Ich verstehe es einfach nicht“, seufzte das Reshiram.

    Seine Freundin klopfte ihm sanft auf die Schulter – oder aufgrund ihrer Größe eher auf die Schenkel. „Sind sicher eh nur neidisch, weil sie selber keine kriegen.“

    „Aber die Ritter der Redlichkeit hatten doch ein Kind bei sich. Wenn das von ihnen ist …“

    „ … dann ham sie mehr Schrauben locker als das Schrottvieh in der Elektrohöhle“, lachte Gladi, und Resharp konnte nicht anders, als einfach miteinzustimmen. Und als sie so dasaßen und kicherten, unterbrachen die beiden grauen Vögel ihren Tanz und glotzten verstört glucksend in ihre Richtung.




    Highlights: Vanchningth , Shining Lucario , Luxuria , Lynneth Bucherstede

    Gladiantri..107626-81915eb0.png..Reshiram (schillernd)

    „In dir fließt mein Blut, Kind. In dir lodert meine Flamme. Dennoch sei gewarnt, denn du bist nicht Reshiram. Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen. Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“

    Einmal editiert, zuletzt von Keksdrache ()

  • Wie eine steinerne Röhre ging es tief hinunter in den Abgrund

    Das gibt mir Bohrok vibes. Ach ja, Nostalgie.

    Das Stechen in seinem rechten Arm versuchte mit aller Macht, es nach rechts zu ziehen

    Es gefällt mir, wie du diese Verletzung hervorhebst, anstatt dass sie nach einem Kapitel wieder verschwindet.

    Ließt sich ziemlich schmerzhaft.

    Der Hang, auf dem sie standen, war noch relativ flach, wurde jedoch nach oben hin zunehmend steiler, um den Rand des Westgebirges zu markieren.

    Schönes Gefühl für Geographie. Du willst wirklich, dass wir uns die Orte gut vorstellen können.

    Es ließt sich auch schön.

    Was is'n überhaupt 'n Legendäres Pokémon? Wer sagt: ‚Du bist eins‘ und ‚du bist keins‘?“

    „Ich verstehe es einfach nicht“, seufzte das Reshiram.

    Gute Frage. Lucario und Kryppuk haben auch Legenden um ihre Art und manche Legendären Pokemon sind auch einfach nur da, ohne große Geschichte hinter sich. Latias z.B.

    Mystische Pokemon wiederum sind in Japan auch nicht legendär und eher so etwas wie extrem selten und deshalb mystisch.

    Aber manche legendären Pokemon gibt es auch nur einmal, wie Zekrom, oder Mewtu und manche mystischen Pokemon haben auch Legenden und Lore. Der Titel ist also ziemlicher Nonsens, was wohl auch erklärt, warum viele die mystischen verallgemeinern. Weil es keinen richtigen Unterschied gibt.



  • Wohin sie gingen, das konnten sie nicht genau sagen. Sie hatten keine Ahnung, auf welcher Seite des Gebirges sie herausgekommen waren, und anhand dieser Ausgangslage war schwer festzustellen, wo der Südrand lag, an dem sich die Schwarzen Ruinen befanden. Gerne hätte Resharp sich das Gebiet von oben angesehen, um sich zumindest ein wenig zu orientieren, doch es wollte seinen Flügel lieber noch ein, zwei Tage schonen – besonders, nachdem es ihn eben erst gezwungenermaßen trotz Verletzung belastet hatte. Immerhin waren keine Blutflecken mehr zu sehen, nachdem es die schmerzende Stelle mit dem kühlen Wasser aus dem Bach gewaschen hatte.

    Nun irrten sie also ziellos durch den Wald, wobei Gladi den Weg vorgab und mit ihren Klingen Gestrüpp, das jenen blockierte, beseitigte, und das Reshiram ihr in geringem Abstand folgte. Gelegentlich verschwand ein Pokémon-Schwanz im Gebüsch, oder ein Pilz, der wohl mehr war als eben das, duckte sich rasch weg, als das Gladiantri ihm seine Deckung weghackte.

    Der Tag blieb ausnahmsweise sogar relativ ereignislos. Einmal gerieten sie auf eine Lichtung, auf der einige schwarze Pokémon mit weißen Streifen grasten. Anders als deren aggressiver Gesichtsausdruck vermuten ließ, galoppierten diese jedoch gleich davon, als sie die beiden bemerkten. Das Stampfen ihrer Hufe, zusammen mit den elektrischen Funken, die aus ihren gezackten Mähnen sprühten, erzeugte einen Klang, der an einen tobenden Gewittersturm erinnerte.

    Nach einer kurzen Rast an dieser Stelle setzten die Freunde ihre Wanderung fort, um hoffentlich irgendwann einen Orientierungspunkt zu finden - selbst wenn es sich bei diesem um die Drachenstiege handelte, was bedeuten würde, dass sie ein Stück ihrer bisherigen Route erneut zurücklegen müssten. Es klang zumindest nach einem geringeren Übel, als blind zu raten und sich gar vom Ziel zu entfernen. Jedenfalls achteten sie darauf, sich möglichst wenig vom Westgebirge zu entfernen, da dieses eben ihr einziger Anhaltspunkt war. Doch den ganzen Tag über stießen sie auf nichts als Wald, bis das Licht zunehmend schwächer wurde und die Sonne hinter den Bäumen im Begriff war, unterzugehen.

    „Das war's wohl für heute, Gladi“, sagte Resharp. „Wir sollten uns einen Schlafplatz suchen. Bald sehen wir sowieso nichts mehr.“

    „'kay“, antwortete Gladi knapp und betrachtete ihre Handklingen. „Die ham sich noch nie so ranzig angefühlt“, murmelte sie erschöpft. Dann verpasste sie dem Ast vor sich einen letzten, nicht ganz sauberen Hieb. Das Holz wurde nicht vollständig durchtrennt und knickte nach unten ab.

    „Ey!“, entfuhr es ihr plötzlich und sie hielt sich den Arm vor das Gesicht.

    „Was ist los?“, rief Resharp und eilte zu ihr.

    „Da … da knallt mir voll die Sonne rein!“

    Das Reshiram starrte sie an – oder vielmehr den Lichtschein, der auf einmal durch das Geäst drang und das Gladiantri geblendet hatte. Es bückte sich und kniff die Augen zusammen, um zu erkennen, woher dieser wohl kommen mochte. Die Quelle lag definitiv niedriger als der Horizont, also konnte es wohl kaum die Sonne sein, oder?

    Irgendetwas spiegelte. Es handelte sich um eine Reflexion, die ihm da ins Gesicht schien. Doch was genau es nun war, konnte es immer noch nicht ausmachen; nur, dass sie sich knapp vor dem Ende des Waldes befanden, wo mehrere große, blockartige Objekte nebeneinander standen.

    „Vielleicht hilft uns das ja weiter“, sagte Resharp zu Gladi, worauf sie noch einige Male unbegeistert seufzend auf die Büsche einschlug, bevor sie auf seinen Rücken kletterte. Auch wenn sie heute keine glatten Schnitte mehr hinbekam, reichte es, um ihnen ein relativ einfaches Durchkommen zu ermöglichen. Schnell ließ das Drachen-Pokémon den Wald hinter sich und betrat eine weitläufige Wiese. Während es sich auf die spiegelnden Objekte zubewegte, veränderte sich der Winkel der Reflexion zu ihm, und endlich konnte es deren genaues Aussehen erkennen: Es waren Häuser.

    Resharp wollte schon stehenbleiben, doch als es seine Schritte verlangsamte, merkte es, dass diese Gebäude aus Glas und damit halb durchsichtig waren. Und im Inneren befanden sich keine menschlichen Figuren, sondern etwas, das verdächtig nach Pflanzen aussah. Gemüsepflanzen. Beerensträucher.

    Hastig sah sich das Reshiram um. Doch, es liefen hier Menschen herum. Allerdings nicht in den Glashäusern oder in deren unmittelbarer Nähe. Es musste sich anstrengen, um auf die Entfernung zu sehen, was diese gerade machten, doch es handelte sich nur um einige wenige, die weiter hinten etwas mit einer gigantischen Maschine anstellten. Diese erinnerte mit ihrem runden Rumpf und den seitlich davon abstehenden flachen Teilen entfernt an ein Vogel-Pokémon, das seine Schwingen ausbreitete.

    War es das wirklich wert? Es wusste ja, was für eine Gefahr diese Wesen darstellen konnten. Andererseits musste es ja nur darauf achten, nicht entdeckt zu werden, oder? Das schien ihm gerade nicht besonders schwierig. Außerdem knurrte sein Magen, da sie bis auf das matschige Vitalkraut am Morgen und wenige Beeren aus dem Wald heute nichts gegessen hatten.

    „Pst, Gladi“, machte Resharp. „Die sind hier beschäftigt, wir können näher ran und nachsehen, ob es hier was zu essen für uns gibt.“ Als Antwort kam nur ein schläfriges Murmeln.

    Um das Risiko, entdeckt zu werden, noch weiter zu verringern, duckte sich das weiße Pokémon ins hohe Gras, bis nur noch sein Kopf herausragte. Dann schlich es langsam auf die Glashäuser zu, natürlich ohne seinen Blick von den Menschen zu lassen. Doch diese hatten immer noch mit ihrer Maschine zu tun, einige verabschiedeten sich sogar gerade und verließen das Gelände.

    Als Resharp bei einem der Gebäude ankam, drückte es sich eng an die durchsichtige Wand und versuchte, einen Weg nach drinnen zu erspähen. Die dicht aneinander gereihten Pflanzen im Inneren erwiesen sich hier als Segen wie als Fluch, denn so, wie das Reshiram für die andere Seite versteckt blieb, verdeckten sie auch seine Sicht. Es lief ein wenig hin und her, und schließlich entdeckte es seitlich eine geschlossene Tür. Vorsichtig lugte es um die Ecke und wartete einen guten Moment ab. Dann huschte es zu dem Eingang und drückte sich fest dagegen.

    „Verdammt“, flüsterte es. „Da ist zu. Ich komm nicht rein.“

    „Machs kaputt“, murmelte Gladi im Halbschlaf.

    „Bin ich verrückt? Wenn die das nicht mitkriegen, sind sie doch taub und blind!“ Es atmete leise durch und sah sich noch einmal um. Vielleicht gab es ja eine andere Möglichkeit, in eines dieser Glashäuser zu gelangen? Und tatsächlich – auf dem Dach stand ein Fenster offen, durch das es sich hineinzwängen könnte. Allerdings müsste es dazu erst einmal hinaufkommen, ohne zu fliegen. Das Hinaus wäre dann kein Problem mehr, da innen eine Leiter an dem Fenster lehnte.

    Praktischerweise entdeckte es gleich darauf einen annähernd pyramidenförmigen Stapel großer Holzkisten, der direkt neben dem durchsichtigen Objekt abgeladen war, und lief in den Raum dazwischen, um diese Möglichkeit zu inspizieren. Ja, es würde nur auf der vor menschlichen Blicken verborgenen Seite hochklettern müssen und könnte dann rasch auf das Dach hüpfen.

    „Gladi, wach doch mal auf.“ Das Reshiram schüttelte sich leicht, um seine Freundin wachzurütteln.

    „Wasis?“, machte sie und gähnte.

    „Ich wollte nur sagen, pass auf. Ich will da rauf, also solltest du dich festhalten, damit du mir nicht runterrutschst.“

    Nachdem Gladi sich aufgerichtet und in eine stabile Sitzposition gebracht hatte, hüpfte es auch schon an der Kiste vor ihm, die es um einige Zentimeter überragte, hoch und griff mit seinem heilen Flügel nach dem Rand, um sich dann mithilfe seiner Füße nach oben zu ziehen. So wollte es vorgehen, bis es hoch genug oben war, um das Dach zu erreichen.

    Doch als es über die erklommene Kiste kriechen wollte, um zur nächsten Ebene zu gelangen, machte ihm die Schwerkraft einen Strich durch die Rechnung: Der Deckel war offenbar nicht richtig geschlossen worden und klappte nach unten weg. Resharp verlor das Gleichgewicht, kippte nach hinten und presste schnell seinen rechten Flügel auf seinen Mund, während es mit dem linken unbeholfen flatterte, um nicht auf Gladi zu landen. Das Gladiantri jedoch realisierte, was los war, und rollte sich schnell seitlich aus der Bahn. So landeten sie beide nebeneinander auf den verpackten Dingen in der Kiste.

    „Uff“, machte das Reshiram. „Das war so nicht geplant.“

    „Pass mal auf, ich wär fast Matsch gewesen!“, zischte Gladi.

    „Tut mir leid.“ Das Drachen-Pokémon setzte sich auf und nahm einen tiefen Atemzug. Dann bemerkte es etwas. „Was … was riecht denn hier so lecker?“

    „Pokériegel“, sagte Gladi knapp. „Stand da drauf.“

    „Pokériegel? Was ist denn das?“ Gierig sog es den fruchtigen Duft ein, und ihm lief das Wasser im Mund zusammen.

    „Kein Plan, aber ich denk mal, du hockst drauf.“

    Neugierig fasste Resharp eine der Schachteln, die hier drin gestapelt lagen, und zog sie unter sich heraus. Bunte Würfel waren darauf abgebildet, außerdem ein Schriftzug, den es nicht lesen konnte, der aber wohl ebenfalls „Pokériegel“ bedeuten sollte. Als es sich daran sattgesehen hatte, riss es eine Seite der Packung auf, und eben solche bunten Würfel kullerten heraus. Es fing einige davon auf und leckte einmal daran.

    „Wahnfinn, die fmecken grofartig!“, sagte es keine zwei Sekunden später freudig kauend.

    „Echt jetzt?!“, fragte Gladi ungläubig, spießte einen herumliegenden Pokériegel auf und probierte ebenfalls. „Buärgh!“, entfuhr es ihr. „Der is' voll trocken!“

    „Dann nimm mal einen anderen“, sagte Resharp. „Die schmecken alle verschieden.“

    Misstrauisch nahm sie einen anderen Würfel und steckte ihn sich in den Mund. „Krass“, flüsterte sie. Dann begann sie, noch mehr davon in sich reinzustopfen, wobei sie die blauen jedoch vermied. Resharp tat es ihr gleich, und innerhalb weniger Minuten rissen sie noch einige weitere Schachteln auf und verputzten deren Inhalt. Es lief sogar darauf hinaus, dass das Reshiram nur durch die zusammengedrückten, leeren Packungen vom Boden der Kiste getrennt wurde und um es herum verteilt nur noch vereinzelt ungeöffnete durcheinander lagen.

    „Pappsatt“, sagte das Gladiantri und klopfte sich auf den Bauch.

    „Also ich kann noch“, sagte das Drachen-Pokémon und fing an, die Pokériegel neben ihm zu vernichten.

    „Sh sh, lass mal kurz“, flüsterte Gladi plötzlich und sprang alarmiert auf. „Ich hör was.“ Sie lugte vorsichtig über den Rand der Kiste, duckte sich allerdings schnell wieder weg. „Shit. Runter“, befahl sie, und Resharp zog verwirrt den Kopf ein.

    „Was hast du gesehen?“, flüsterte es.

    „Nich' viel, es is' schon finster“, murmelte sie und schaufelte rasch einen Haufen Pokériegel-Packungen, volle wie leere, auf das weiße Pokémon, um es darunter zu begraben. „Da kommt einer. Hab sein Licht gesehen. Wenn der nachkuckt …“

    „Oh nein“, hauchte das Reshiram und machte sich so klein wie möglich. Hatten sie doch einen Fehler gemacht, für den sie nun bezahlen mussten?

    „Cool bleiben, ich versuch was“, gab das Gladiantri zurück. Dann stach sie mit beiden Händen von unten in das Holz des Deckels, biss zusätzlich noch in den Rand und zerrte so daran, dass er fast wieder in seine Position glitt. Als nur noch ein kleiner Spalt offen blieb, rutschte sie in den leeren Raum zwischen Deckel und Pokériegeln und schob ihn möglichst so hin, dass er wieder schloss. In der Dunkelheit, die sie nun umgab, wühlte sie sich blind durch den Kartonhaufen nach unten und drückte sich eng an die Flauschkugel, zu der ihr Freund sich zusammengekauert hatte.

    Und sie warteten.

    Als sich von draußen Schritte näherten, wagten sie es kaum, zu atmen, aus Angst, sich allein dadurch zu verraten. Sie lauschten angestrengt, vielleicht würde wer auch immer da draußen war sich ja nicht für die Kisten interessieren. Das Geräusch von Sohlen auf Asphalt wurde lauter und lauter, bis … es schließlich wieder abebbte. Erleichtert atmete Resharp auf.

    „Sollten wir dann abhauen?“

    „Shh“, machte Gladi und hielt eine Klinge an ihre Lippen, was aber in der Dunkelheit natürlich nicht zu sehen war. „Der's sicher nich' ganz weg.“

    Wie auf Kommando ertönte nun ein lautes Knattern, das beide zusammenzucken ließ. Der Mensch hatte offenbar eine Maschine in Betrieb genommen, doch was würde er damit bezwecken? Das Ding heulte auf und ging dann zu einem aggressiv klingenden, tiefen Brummen über.

    „Die Zerrwelt is' los, und Giratina is' hier“, murmelte Gladi.

    „Was soll das heißen?“, fragte Resharp ängstlich.

    „Weiß nich'. Daheim aufgeschnappt. Nix Gutes.“


    Beinahe hätte sie einen überraschten Schrei losgelassen, beherrschte sich jedoch noch rechtzeitig: Ihre Kiste bewegte sich! Eine leichte Erschütterung kündigte an, was nun folgte – die Maschine schien sie surrend hochzuheben und wegzubewegen. Zuerst ein Stück rückwärts, dann nach einer kurzen Drehung wieder vorwärts. Resharp vermutete, dass sie sich gerade von den Glashäusern entfernten, aber ganz genau konnte es das nicht sagen. Gladi hingegen versuchte angestrengt, ein kleines Loch in das Holz zu bohren, um zumindest ein bisschen sehen zu können. Inzwischen fuhren sie ein kleines Stück bergauf, und einige der unberührten Pokériegel-Schachteln begannen zu rutschen und fielen Resharp auf den Kopf. Dann blieben sie plötzlich stehen und das Surren ertönte erneut, als die Kiste langsam wieder abgesenkt und schließlich auf dem Boden abgestellt wurde. Sofort entfernte sich der Maschinenlärm wieder.

    „Ich hoffe, das war's und wir können bald hier raus“, stöhnte Resharp.

    „Geh pennen“, sagte Gladi, die konzentriert schabte, um den Schlitz zu vergrößern, den sie bereits zustande gebracht hatte. „Wird 'ne lange Nacht, glaub ich.“

    Sie lugte hindurch, und ihre Vermutung bestätigte sich: Das Gerät kam schon wieder angefahren und brachte eine weitere Kiste mit sich, die es irgendwo neben ihnen abstellte, bevor es ein weiteres Mal verschwand.

    „Ich weiß nicht, wie du dir das vorstellst. Ich kann doch jetzt nicht schlafen“, sagte das Reshiram. „Kannst du sehen, wo wir sind?“

    „In 'ner Kiste mit Pokériegeln“, antwortete sie sarkastisch. „Okay, schon klar: So'n Raum aus Metall. Viel gibt's nich' zu glotzen, aber da is' Licht. Und es is' vorn offen.“

    „Da könnten wir also raus, wenn …“ Es hielt inne, als die Maschine wieder zu hören war, und wartete ab, bis sie sich wieder verzog. „Wenn dieses Ding nicht ständig hierher kommen würde.“

    „Dieses Ding“, murmelte das Gladiantri frustriert, „kann noch länger.“


    So blieb ihnen nichts anderes übrig, als stumm abzuwarten, bis der ganze Kistenstapel zu ihnen transportiert wurde. Zwar kannten sie die genaue Anzahl nicht, doch als die Arbeit nach längerer Zeit noch nicht beendet war und das Transportgerät immer noch seine Runden zog, war klar, dass es mehrere Stapel geben musste, die einer nach dem anderen abgetragen wurden. Wer sollte nur all diese Pokériegel essen? Und warum wurden die alle hierher gebracht? Möglicherweise handelte es sich ja um eine Art Lagerhalle. Oder … nein, das war doch unmöglich.

    „Ey! Nein!“, rief Gladi plötzlich und erschreckte Resharp damit fast zu Tode.

    „Spinnst du? Was schreist du so herum?“, zischte es.

    „Ja kuck doch! Die … die machen dicht!“ Das Gladiantri warf sich zur Seite und das Reshiram verrenkte seinen Hals, um sein Auge an das Loch halten zu können.

    Selbiges riss es sofort weit auf, als es sah, was da passierte: Vor dem Eingang zu dem metallenen Raum fuhr eine Klappe hoch, die bis eben noch die Rampe gebildet hatte, über die sie herein gebracht worden waren. Noch war sie nicht ganz zu, doch …

    „Keine Chance“, hauchte es. „Bis wir uns hier rausgewühlt haben … und dann müsste ich ja schon wieder fliegen …“

    Gladi blieb stumm, setzte sich auf den Boden und schloss die Augen. Ihrem angestrengten Gesichtsausdruck nach zu urteilen spielte sie in ihrem Kopf gerade schon Pläne durch, wie sie doch noch entkommen könnten.

    Mit einem „Rumms!“ schloss sich die Luke, und im selben Moment gingen die Lichter aus und ließen sie erneut in völliger Dunkelheit zurück. Resharp überlegte kurz, ob es selbst für ein wenig Beleuchtung sorgen sollte, doch es entschied sich vorerst dagegen. So saßen sie beide einfach da und schwiegen sich an.

    Eine weitere Erschütterung riss sie aus ihren Fluchtgedanken – der ganze Raum, in dem sie sich befanden, hatte sich wohl in Bewegung gesetzt.

    „Klasse, jetzt verschleppen die uns noch“, fluchte Gladi.

    Für Resharp schien sich nun fast zu bewahrheiten, was es schon vorher vermutet hatte – doch war das nicht irgendwie Unsinn? „Ich hab da einen Verdacht, was gleich passiert, aber … so ganz glauben kann ich es selbst nicht.“

    „Dann spuck's mal aus“, sagte das Gladiantri.

    „Ich hab doch vorher gesehen, wie die an etwas gearbeitet haben, das seitlich solche Dinger wie Flügel hatte, aber das ist doch Quatsch, wie sollte ein riesiges Ding aus Metall denn - …“

    In diesem Moment wurde es unsanft gegen die Rückwand der Kiste geworfen, als die Maschine mit einem ohrenbetäubendem Dröhnen stark beschleunigte. Es fühlte sich an, als würde es gleichzeitig gegen die Wand und den Boden gedrückt, und ihm drehte sich beinahe der Magen um.

    „… fliegen?!“, kreischte Gladi, zog sich schnell auf Resharps Bauch und presste sich dicht an sein Gefieder. „Die ham 'nen Knall“, murmelte sie immer und immer wieder. „Die ham 'nen Knall, die ham 'nen Knall.“

    Eine gefühlte Ewigkeit lang ertrugen sie, wie sie an Höhe gewannen und sich dabei gewaltsam der Schwerkraft widersetzten. Wenn das Reshiram flog, war das etwas anderes, denn es stieg sanft und in seinem eigenen Tempo in die Luft, wie es sein Körper eben zuließ. Selbst, wenn es sich beeilte, lag so noch eine gewisse Geschmeidigkeit in seinem Flug. Doch das hier war einfach nur purer Wahnsinn – dieses schwere Ungetüm zwang sich ja geradezu nach oben, mit einer Geschwindigkeit, dass es abartig war, und erzeugte dabei einen Lärm, der ihnen fast die Ohren zerriss, täte dies nicht bereits der viel zu schnell überwundene Höhenunterschied.

    Schließlich jedoch – keiner von beiden konnte sagen, wie lange es tatsächlich gedauert hatte – endete der brutale Aufstieg und die Flugmaschine brachte sich in eine gerade Position, in der sie schon beinahe friedlich dahinschwebte, würde nicht immer noch der Antrieb heulen und brummen.

    Mit einem tiefen Seufzer entspannte Resharp seine Gliedmaßen, die es die ganze Zeit über zwanghaft angespannt hatte. „Geht es dir gut, Gladi?“

    „Hab's überlebt, grade so“, stöhnte sie und streckte ihrerseits Arme und Beine von sich. „Bin jetzt wohl echt Matsch.“

    Am liebsten hätte das Drachen-Pokémon ihr tröstende Worte geschenkt, doch es fühlte sich ja selbst nicht gut bei dieser Sache. Wo würde dieser Flug ins Ungewisse sie nur hinbringen? Mit etwas Glück ja vielleicht nicht zu weit weg, eben so, dass sie ihren Weg wiederfinden würden. Aber es wollte, konnte nichts Derartiges versprechen, und so behielt es seine Gedanken für sich. Unter anderem aber auch, weil es das Gefühl hatte, mit jedem weiteren Wort würden auch die Pokériegel, die es vorhin gegessen hatte, wieder heraus wollen, und das war gerade in dieser Situation unzumutbar.

    So ließ es sich einfach hängen und schloss die Augen, versuchte dabei, an schönere Dinge zu denken. Wenigstens war es nicht allein hier, sondern hatte eine Freundin, auf die es sich verlassen konnte. Und irgendwo tief in ihm drin war auch Reshiram, das sie bestimmt nicht im Stich lassen würde, egal, wohin sie gingen.




    Highlights: Vanchningth , Shining Lucario , Luxuria , @'Thalfradin Sturm-Sucher'

    Gladiantri..107626-81915eb0.png..Reshiram (schillernd)

    „In dir fließt mein Blut, Kind. In dir lodert meine Flamme. Dennoch sei gewarnt, denn du bist nicht Reshiram. Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen. Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“

    Einmal editiert, zuletzt von Keksdrache ()



  • Tief unter Einalls Pokémon-Liga bricht unter N in dessen Schloss der Boden zusammen, und er findet sich in einer unentdeckten Höhle wieder. In seiner Präsenz erwacht ein junger Drache aus seiner steinernen Form, der von einer Stimme, die sich „Reshiram“ und ihn „mein Kind“ nennt, vor den Menschen gewarnt wird. Als es den Menschen bemerkt, sucht sich das kleine Reshiram sogleich panisch einen Fluchtweg und gelangt schließlich an die Oberfläche, wo es Rast in einem nahen Krater macht.

    Dort bereitet ihm ein großer Drache namens Kyurem einen unangenehmen Empfang. Das junge Pokémon versucht ihm zu erklären, dass es Reshirams Kind ist, doch das macht die Sache nur noch schlimmer und Kyurem jagt es mit Gewalt fort. Legendäre Pokémon bekommen keine Kinder.

    Nicht wissend, wohin es nun eigentlich soll, zieht das Reshiram nach Westen und wird in Twindrake City beinahe von Lysander erwischt, nachdem es gespürt hatte, dass es in der Arena Drachen-Energie gibt. Schließlich versteckt es sich im Wald auf Route 9.


    Als es auf einer Lichtung Pause macht, fällt ihm auf, dass es von einem kleinen Pokémon beobachtet wird, das in diesem Moment schnell im hohen Gras verschwindet. Kurze Zeit später wird es von einigen Caesurio in Empfang genommen, die es in ihr Versteck bringen: Die Höhle der Schulung mag als eingestürzt gelten, doch ist in Wahrheit nur der Haupteingang verschüttet, ein gut verborgener Nebeneingang hingegen völlig intakt.

    Nach freundlicher Bewirtung wird ihm endlich der Grund für das herzliche Willkommen erklärt: Nachdem Reshiram sich in uralter Zeit von den Menschen abgewandt hatte, stieg ein Anführer der Caesurio zum neuen Helden auf, und die beiden brachten sogar miteinander ein Kind hervor, das noch in einem Stein ruhte. Noch, so meinten sie, sei die Welt allerdings nicht bereit dafür, und so versteckten sie diesen im Herzen eines Berges. Reshirams Kräfte waren nun erschöpft, und es verließ die Caesurio, um selbst im Verborgenen zu schlafen, wie auch sein Kind. Kurze Zeit später entdeckten die Menschen die Heimat der Caesurio, und diese mussten fliehen.


    Die Caesurio erwarten nun von dem Reshiram, das fortan den Namen Resharp trägt, dass es die Alte Heimat für sie findet, damit sie zurückkehren können. Im Gegenzug soll es eine mächtige Magie für sich nutzbar machen und unglaubliche Kräfte erhalten. In einem Gespräch mit einigen ranghohen Caesurio ergibt sich, dass Resharp zu den Weißen Ruinen reisen soll, in der Hoffnung, dass es auf der dortigen Drachenstiege wieder mit Reshiram sprechen könnte.

    Schon früh am nächsten Morgen zieht es los, trifft jedoch sehr schnell auf Gladi, das Gladiantri, das sein Erscheinen zuvor dem Stamm gemeldet hat. Zuerst will es sie zurück nach Hause schicken, doch es stellt sich heraus, dass Gladi sich ausgezeichnet mit Pokémon-Attacken auskennt, weshalb sie aus einer schnellen Entscheidung heraus doch mitfliegen darf.


    Zusammen erreichen sie die Drachenstiege, die sie mithilfe von Resharps Feuer öffnen können. Im Inneren des Turms bestehen sie zwei Prüfungen bei Wächter-Pokémon, bevor sie die Spitze erreichen und tatsächlich Reshiram beschwören können. Reshiram erklärt, dass Resharp es deshalb rufen konnte, weil die Weißen Ruinen ein Ort mit immensen Drachen-Energien sind. Ein weiterer solcher Ort sind die Schwarzen Ruinen am südlichen Rand des Westgebirges. Weiterhin kann es den genauen Standort der Alten Heimat noch nicht verraten, weil die versprochene Macht das junge, unerfahrene Resharp überfordern und eine Gefahr für alle darstellen würde. Stattdessen gibt es den beiden ein Rätsel auf:


    „Die Schwertklingen tanzen. Sie bilden einen Reigen, das Zentrum im Herzen, doch niemals in Sichtweite. Habt ihr die Weisheit, den ewigen Kreislauf zu durchbrechen, so offenbart sich euer Ziel. Süd und Nord, West und Ost, sie alle sind gut und richtig – allein der Betrachtungswinkel zählt.“


    In diesem Moment platzt ein Trainer herein, der den Dunkelstein bei sich trägt. Zekrom erwacht und ist bereit, ihn um den Titel des Helden kämpfen zu lassen, da bemerkt es überrascht Reshirams Anwesenheit. Der weiße Drache bittet es, sein Kind zu schützen, und verschwindet in einem grellen Licht. Der Bitte folgend kämpft Zekrom nun ernsthafter, als es das ursprünglich vorhatte, und besiegt fünf Pokémon des Trainers. Da es nun aber schon geschwächt ist, wird es von dessen Hyperball auf dem falschen Fuß erwischt und gefangen. Erschrocken lässt Resharp eine mächtige Flammenattacke auf das sechste Pokémon los und flieht mit Gladi.


    Sie beschließen, als nächstes die Schwarzen Ruinen anzusteuern, um wieder mit Reshiram reden zu können. Dafür reisen sie über das Westgebirge und treffen auf die Ritter der Redlichkeit. Wie schon Kyurem zuvor ist Kobalium allerdings nicht besonders begeistert von Resharps Existenz und fordert es zum Kampf heraus. Dieser ist schnell entschieden, denn unter den gnadenlosen Angriffen kommt Resharp kaum zum Zug. Es wird, zusammen mit Gladi, von einem Eisenschädel gegen einen elektrisch geladenen Felsen geschleudert, und paralysiert fallen sie in eine Felsspalte.

    Sie kommen in der Elektrolithhöhle wieder zu sich, wo eine Horde Wattzapf ihnen die Elektrizität wieder aus den Körpern gezapft hat. Nur Resharps verletzten Flügel konnten sie so natürlich nicht heilen. Auf der Suche nach einem Ausgang treffen sie auf ein Klikk, das sie als Angehörige des Caesurio-Stammes erkennt und in ein verlassenes Versteck führt. Gladi merkt an, dass die Caesurio früher einmal – vor ihrer Geburt – auf der komplett anderen Seite von Twindrake City lebten und an irgendeinem Punkt von dort umgezogen sind. Die beiden Freunde kombinieren daraus, dass der Stamm schon öfter den Standort gewechselt haben muss.

    Beim weiteren Erkunden stoßen sie auf Klikk-betriebene Konstrukte wie eine mechanische Brücke, aber auch auf Wandmalereien, die mindestens ein Jahrtausend alt sind. Das verfestigt ihre Theorie, weil es nahelegt, dass die Caesurio schon mehrmals hier waren. Außerdem gibt es ihnen einen weiteren Hinweis auf die Alte Heimat, denn auf einem der Bilder ist ein magischer Baum zu sehen.

    Was sie als nächstes finden, passt dann so gar nicht in das Bild: Was hat denn ein Vogelnest mit einem Ei hier drin zu suchen? Die Antwort folgt prompt, als sie plötzlich von einem Zapdos angegriffen werden, das mit ihnen spricht, indem es elektrische Salven auf das Klikk feuert. Das Pokémon, das sich als „legendärer Blitz“ bezeichnet, attackiert unbarmherzig, doch die Elektrolithen leiten glücklicherweise die meisten Attacken um, wodurch auch ein Ausgang freigelegt wird. Gerade noch rechtzeitig entkommen Resharp und Gladi hinaus in den Wald.


    Nun versuchen sie, ihren Weg wieder zu finden, denn sie wissen nicht, wo genau sie nun herausgekommen sind. Nachdem sie auf der Suche nach einem Orientierungspunkt den ganzen Tag lang durch den Wald geirrt sind, entdecken sie am Abend einige Glashäuser, in denen Beeren wachsen. Um durch die Dachluke in eines davon hineinzugelangen, wollen sie einen Kistenstapel hinaufklettern – Resharp kann mit seinem verletzten Flügel immer noch nicht richtig fliegen. Eine der Kisten macht ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung; der Deckel klappt nach unten weg und sie landen auf den Waren – Pokériegel – im Inneren. Diese stellen sich allerdings ebenfalls als essbar heraus und sie futtern sich zum Boden durch. Dummerweise vergessen sie dabei die Zeit, und in der Dunkelheit der angebrochenen Nacht bemerken sie das Taschenlampenlicht eines Menschen. Rasch verscharren sie sich unter den Pokériegel-Schachteln und verschließen die Kiste von innen so gut wie möglich. Das hilft ihnen zwar, nicht entdeckt zu werden, aber der Mensch kommt mit einer Maschine angefahren und transportiert ihr Versteck in einen metallenen Raum. Jegliche Pläne, sich nun noch heimlich davonzuschleichen, werden mit einem Mal zunichte gemacht, als das Flugzeug plötzlich abhebt …



    Gladiantri..107626-81915eb0.png..Reshiram (schillernd)

    „In dir fließt mein Blut, Kind. In dir lodert meine Flamme. Dennoch sei gewarnt, denn du bist nicht Reshiram. Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen. Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“

    2 Mal editiert, zuletzt von Keksdrache ()

  • „Weiß nich'. Daheim aufgeschnappt. Nix Gutes.“

    Das lässt darauf schließen, dass ihre Kultur mit Giratina zusammengestoßen ist, oder mit anderen Pokemon, die es kannten.

    Somit könnte der Platz, oder ein Teil ihrer Route in Sinnoh gelegen haben.

    „Die schmecken alle verschieden.“

    Was machen Pokeriegel hier? Der einen Region, in der man Milotic nicht durch Pokerigel entwickeln konnte.

    Ich frage mich auch, warum sie überhaupt verschickt wurden. Pokerigel sind schnell gemacht und Beeren findet man überall.

    50 Kekspunkte für denjenigen, der errät, wohin sie fliegen.

    Naturschutzgebiet vielleicht? Rein von den möglichen Orten im Spiel, gab es ja nur zwei. Die Vulkanstadt, oder das Schutzgebiet.

    Welches auch ein gutes Paradies wäre, wäre ein großer Baum dort.

    Öhm, sagt mir nichts.

    Wundert mich nicht. Ist ein Legospielzeug aus dem Bionicle Franchise.

    In einer Comic Ausgabe in der sie sich aufmachen das Nest der insektenähnlichen Bohrok zu suchen, wundert sich ein Charakter darüber, dass die Tunnelwände ungewöhnlich glatt und sauber gemacht wären.

  • Hallo, Frau Keks!


    Ich habe es versprochen, und das halte ich auch. Ob dir das hilft, weiß ich nicht, aber ich hoffe mal das Beste!




    Mir gefiel der Humor in diesem Kapitel besonders gut, aber auch die ... 'Rätseleinlagen'. Gut, streng genommen sind die Beschreibungen von Menschendingen aus SIcht eines Pokémon nicht wirklich Rätsel, aber es ist toll, das Vertraute aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen und gleichzeitig zu raten versuchen, mit was man das in Verbindung bringen kann.


    Ich hoffe, du bewahrst dir deine Motivation. Halte den Spaß am Schreiben!


    ~Sheo


    P.S.: Wenn du magst, kannst du ja bei mir auch mal vorbeischauen.

  • Oje, hoffe dass die beiden noch in Einall bleiben😁😁 Abegsehen davon... An Panaero habe ich jetzte ech net gedacht. Klasse. Bekommst 100KM von mir. Fand das Kapitel nach genauem Lesen als amüsant und unterhaltsam. Mach weiter so, und ich werde dich nochmals für's Profilabel vorschlagen! Du hast Profipotenzial.

    "Das Leben selbst vergeht. Die Taten derer die du getan hast aber werden je nachdem wie Erfolgreich jene waren, nicht vergessen werden. In unglücklichen Fällen können Ärzte wie Hua Tuo können einen gar Unsterblich machen. Tja, seit meinem Unfall mit Hua im Jahre 120 lebe ich seit 90 im Aussehen eimes 30 Jährigen. Auch wenn mein Alter von 1929 Jahren etwas gewöhnungsbedürftig ist.", Lynneth Bucherstede, Lu Bus Bruder (25.02.2019)



  • „He, Boris, komma her! Sieh dir das an!“

    „Was hastn jetzt wieder?“

    Etwas genervt stapfte der grauhaarige Flughafenmitarbeiter zu seinem Kollegen, der gerade dabei war, die Fracht zu kontrollieren.

    „Ich glaub, da war'n Viech drin.“

    „Ein Viech?“ Skeptisch beugte Boris sich über die offene Kiste, in der sich Pokériegel hätten befinden sollen. Doch tatsächlich fand er stattdessen nur zusammengedrückte Schachteln, einige vereinzelte bunte Süßigkeiten sowie eine Menge weißer Federn. „Boah, diese Luschen in Reinfall … Ham wohl ihre Dusseltauben oder Schwaroness oder wie sie alle heißen nich' unter Kontrolle. Na, geh's halt melden, Ralf.“

    „Klar“, brummte Ralf, griff sich eine Feder und drehte sie ein wenig zwischen seinen Fingern, wobei sie ganz dezent golden schimmerte. „Aber ich hab gedacht, die Dusseltauben sind grau und die Schwaronesse mehr so blau. Naja, is' ja auch wurscht.“

    „Darf ich mal sehen?“, fragte auf einmal hinter ihnen eine jüngere Stimme. „Federn sammeln ist so ein kleines Hobby von mir.“

    „Ach, der Olli“, lachte Boris.

    „Viel Spaß mit dem Ding, Kleiner“, fügte Ralf hinzu und drückte Olli die Feder in die Hand.

    „Piccolente und Swaroness haben beide ein eher bläuliches Gefieder, das stimmt“, erklärte dieser, ohne zu erwarten, dass die beiden anderen sich groß dafür interessierten. „Aber darunter mischen sich oft auch einige anders gefärbte Federn, die in Einall sogar dafür verwendet werden, Pokémon zu stärken. Die hier sieht aus wie eine Heilfeder.“ Auch er ließ nun ein wenig das Licht über die Feder streichen, um sie noch genauer zu betrachten. „Aber irgendwas ist seltsam … irgendwie ähnelt sie denen dieser beiden Pokémon nur im Entferntesten. Ihr Weiß wirkt so viel … reiner. Gibt es etwa auch andere Pokémon, die solche Federn abwerfen können?“, murmelte er, wobei er nicht bemerkte, dass seine älteren Kollegen sich bereits unauffällig verzogen hatten.


    Geschafft ließ sich das Reshiram unter einem fremdartigen Baum in den weichen Sand fallen. Dass es unbemerkt aus der Kiste klettern und den riesigen, asphaltierten Platz mit noch mehr dieser Flugmaschinen heil verlassen konnte, grenzte angesichts seines matschigen Zustandes an ein Wunder. Wie es das hingekriegt hatte, daran konnte es sich nicht einmal richtig erinnern, die Zeit war einfach an ihm vorbeigeflossen.

    Es wusste nur noch, dass es einen ruhigen Moment abgewartet hatte, um seinen Kopf aus der hölzernen Box zu strecken und nachzusehen, ob die Luft tatsächlich rein war. Dann hatte es sich schnell umgesehen und in einer Richtung einen Strand entdeckt, an dem es sich wohl in Sicherheit bringen können würde. Was danach passierte, war in seinem Kopf nur noch als verschwommenes Chaos verblieben. Jedenfalls war es gerannt, so schnell es konnte. Und nun saß es hier unter diesem Baum, der aus mehreren dünnen Stämmen bestand, die nebeneinander in die Höhe wuchsen und Blätter in blasenartiger Formation trieben. Wieder sah es sich um, diesmal etwas entspannter.

    Da es sich am Strand befand, war es nicht weiter verwunderlich, dass in einigen Metern Entfernung das Land ins Wasser überging, wo schaumige Wellen glucksend auf gelben Sand schlugen. Als es diesen mit seinen Blicken in Richtung Horizont folgte, entdeckte es eine Felsformation, die es sogar zu Fuß erreichen konnte, da eine schmale Sandbank seinen Aufenthaltsort mit dieser Steininsel verband. Es drehte seinen Kopf zur Sonne, die vor wenigen Stunden ihren morgendlichen Aufstieg begonnen hatte. In dieser Richtung gab es jedoch, abgesehen von der grünen Küste zu seiner Linken, in die der Strand überging, ebenfalls nur den weiten Ozean, aus dem weitere vegetationslose Felseninseln ragten.

    Stirnrunzelnd richtete es sich auf und drehte sich um. Auch hinter ihm nur das Meer, dort jedoch blau und glatt, ohne jegliche Unterbrechung.

    „Gladi?“, sprach es sein erstes Wort seit gefühlten Ewigkeiten.

    „Drüben auch nur Wasser“, tönte es als Antwort von dem Baum herab, auf den das Gladiantri geklettert war, um Resharp beim Auskundschaften zu helfen. „Die ham uns auf 'ne verdammte Insel gebracht.“

    „Eine Insel …“ Nervös biss sich das Drachen-Pokémon auf die Unterlippe. „Vermutlich sind wir auch gar nicht mehr in Einall. Wie sollen wir jetzt zu den Schwarzen Ruinen kommen?“

    „Kopf hoch“, sagte Gladi und ließ sich von einem Ast herab auf seinen Rücken fallen. „Kann ja sein, die Alte Heimat war gar nich' in Einall und wir sind in echt goldrichtig.“

    „Ich weiß ja nicht. Das kommt mir etwas weit hergeholt vor.“ Es atmete einmal tief durch. Dann beschloss es, erst einmal zu der Felsinsel zu laufen, die es von hier aus erreichen konnte. Dort würden sie sich für heute erst einmal von ihrer unfreiwilligen, wilden Verschleppung erholen. Danach konnten sie sich immer noch genauer mit ihrer Lage vertraut machen.

    So schlurfte es, Flügel und Schweif müde über den Boden schleifen lassend, über die feuchte Sandbank. Die Sandkörner klebten unangenehm an seinen Krallen und dem Gefieder, und die Vormittagssonne brannte jetzt schon unbarmherzig auf sie herunter. Einzig den blau-weißen Vögeln, die hoch über ihnen kreisten und ab und an nach unten schnellten, um sich einen Fisch zu schnappen, schien die Hitze nicht viel auszumachen. Während die kleineren fröhlich kreischten, gaben die größeren mit ihren gigantischen Schnäbeln eher trompetenartige Laute von sich. Zusammen ergab das ein seltsames Konzert, das beinahe den Eindruck erweckte, als machten sie sich über die kuriosen Neuankömmlinge lustig.

    „Wenn einer von denen runterkommt, spieß ich ihn auf“, murmelte Gladi. „Dann kannste ihn für uns braten.“

    „Hätte nichts dageg-… AAAAH!“ Resharp schrie vor Schmerz auf, als ein Pokémon sich an seiner Schwanzspitze festbiss, die ins Wasser gerutscht war. Es hüpfte auf und ab, um das fiese Ding abzuschütteln, lief dabei mit Tränen in den Augen weiter die Sandbank entlang, erreichte den Strand der anderen Insel, drehte sich wild um sich selbst – und das bissige Pokémon hielt weiter fest. Ebenso wie Gladi, die es dabei gut durchschüttelte und die es beim Festhalten offensichtlich deutlich schwerer hatte.

    „Halt mal still!“, rief sie. „Ich kümmer' mich drum, aber schmeiß mich nich' runter!“

    Das Reshiram kniff die Augen zusammen und zwang sich, möglichst still zu stehen, damit sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Gladi sprang nun von seinem Rücken, lief zu seinem Schweif und setzte sich so auf diesen drauf, dass sie dem rot-blauen Fisch direkt in die Augen starren konnte. Dieser hörte zugunsten des Blickduells seinerseits auf, herumzuzappeln und setzte sein fiesestes Gesicht auf, die scharf bezahnten Kiefer knirschten bedrohlich.

    Das Gladiantri ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. „Sorry, Kumpel. Du musst hier weg und wir brauchen was zu futtern.“ Mit diesen Worten rammte sie dem Pokémon eine ihrer Klingen genau zwischen die beiden gelben Flossen, die aus seiner Stirn wuchsen und sich über den kugelförmigen Rücken erstreckten. Ihm blieb gar keine Zeit, zu realisieren, was passiert war, da erschlafften seine Kiefermuskeln und es plumpste zu Boden.

    „Futterzeit!“, grinste Gladi zufrieden.

    Erleichtert fuhr Resharp sich über die Augen. „Puh. Danke, Gladi.“ Sein Schweif hatte sich bei der Aufregung bereits ein wenig erwärmt, doch da dies zur Zubereitung noch nicht ausreichte, leitete es noch mehr Hitze hinein. Währenddessen sorgte das Gladiantri dafür, dass der Fisch gut durchgebraten wurde, indem sie ihn ab und zu auf die andere Seite drehte. Nach einigen Minuten meinte sie, dass es genug wäre, und teilte dies ihrem Freund mit. Das Reshiram unterbracht daraufhin die Hitzezufuhr und strich noch ein paar Mal mit seinem Flügel über die Mahlzeit, um ein wenig den Sand abzuputzen, der beim Wenden daran festgeklebt war. Dies hatte, wie die beiden anschließend feststellten, immerhin den positiven Nebeneffekt, dass das Meersalz darin dem Fleisch eine angenehme, würzige – wenn auch trocken-erdige – Note verlieh.

    Während sie also schlemmten, kletterte die Sonne immer höher, was sich durch ihre sengenden Strahlen bemerkbar machte, deren Hitze nun beinahe an Resharps aktivierten Schweif herankam.

    „Suchen wir uns etwas Schatten?“, schlug es daher vor, nachdem sie fertig gegessen hatten. Gladi stimmte, immer noch an ihrem letzten Bissen kauend, mit einem „Mhm“ zu, und so standen sie auf und bewegten sich auf die steinernen Klippen zu, um diese nach Vorsprüngen oder Ähnlichem abzusuchen. Kaum hatten sie sich von den für sie ungenießbaren Teilen des Fisches entfernt, schon stürzte sich eine Horde kleiner weiß-blauer Vögel auf diese, in der Hoffnung, ihnen doch noch etwas abgewinnen zu können. Nach kurzer Zeit stieben sie jedoch aufgeschreckt wieder auseinander, als eines der größeren Exemplare herabsegelte und die Beute mit einem Happs in seinem großen Kehlsack verschwinden ließ.


    Und tatsächlich stießen Resharp und Gladi schon bald auf einen noch besseren Rastplatz, als sie sich erhofft hatten: An einer vom Wasser abgeschliffenen Stelle fraß sich eine Grotte in den hellbraunen Fels, aus der ein kühler Luftzug herausströmte.

    „Los, rein da!“, drängte das Gladiantri, dem die Hitze unter dem metallenen Helm bereits zu Kopf stieg. Und so zögerte das Reshiram nicht lange, dem frischen Wind zu folgen. Es war zwar nicht unbedingt begeistert von der Idee, nach ihrem kürzlichen Ausflug in die Elektrolithhöhle schon wieder unter einer Decke aus Gestein auszuruhen, aber immerhin war der Eingangsbereich dieser Grotte aufgrund der weiten Öffnung lichtdurchflutet, ganz im Gegensatz zu dem dunklen, nur von elektrischen Felsen erleuchteten Kammernsystem unter Einalls Westgebirge. Tiefer hinein wollten sie – in stiller Übereinkunft – ohnehin nicht, obwohl sich die Aushöhlung durch mehr oder weniger schmale Gänge weiter hineinzog, als man von außen vermuten würde, bis unter den Meeresspiegel. Resharp fragte sich, weshalb die glatten Felsbecken dann nicht mit Wasser, sondern nur teilweise mit Sand gefüllt waren. Doch schnell beschloss es, dass es die Mühe nicht wert war, diese Sache zu erforschen.

    Stattdessen suchte es sich eine etwas erhöhte, halbwegs flache Plattform aus, die es mit ähnlicher Vorgehensweise wie zuvor bei dem Holzkistenstapel erklomm. Diesmal konnte natürlich nichts nachgeben und es erreichte sein Ziel ohne Komplikationen, wo es bereits von einer stolz grinsenden Gladi empfangen wurde, die diesmal nicht auf ihm geritten, sondern selbst in Caesurio-Manier hinaufgeklettert war. Ihre Sprünge erschienen dabei zwar noch immer nicht so geschmeidig wie die ihrer entwickelten Stammesgenossen, doch diesmal war sie wenigstens nicht aus dem Rhythmus geraten.

    „Na siehst du, es wird ja langsam“, sagte das Reshiram anerkennend, während es sich eine gemütliche Position suchte.

    Das Gladiantri drückte sich an seinen flauschigen Körper und ließ sich zu Boden rutschen. „Hoff ich doch sehr. Will mich ja bald entwickeln.“

    „Ich bin sicher, wenn du weiter trainierst, kommt das schon bald.“ Ein letzter Gedanke kam Resharp noch, als es die Augen schloss. „Aber nicht zu bald, bitte … Ich kann bestimmt noch kein Caesurio tragen.“

    „Mussu halt auch trainieren“, murmelte Gladi.


    Ein Spritzer salzigen Wassers traf das Reshiram mitten im Gesicht und ließ es unsanft aufwachen. „Brrr!“ Es schüttelte sich. Ein weiterer nasser Platscher traf seine Seite. „Was ist jetzt los?“, muffelte es irritiert und blickte auf.

    Während es geschlafen hatte, hatte sich die Strandhöhle ungefähr zur Hälfte mit Wasser gefüllt, das zum Eingang hereinschwappte und diesen Bereich etwa knöcheltief bedeckte. Doch das war es nicht, was den Großteil seiner Aufmerksamkeit auf sich lenkte: In den flachen Becken rollten fröhlich glucksend mehrere blaue Kugeln herum, prallten voneinander ab, balancierten aufeinander, doch vor allem rollten sie. Und taten alles mögliche, um diesen Zustand beizubehalten. Sie robbten auf die Felsen und kugelten wieder hinunter. So verpasste einer dieser Bälle mit Gesicht Resharp eine weitere salzige Dusche, als er neben ihm mit seinen winzigen, beigefarbenen Flossen in eine Pfütze platschte, die er und seine Freunde durch ihr Spiel tropfend angeschleppt haben mussten.

    „Was geht'n jetzt ab?!“, fragte Gladi baff und schüttelte einige Tropfen ab. Dieses Schauspiel erschien aber auch wirklich zu ulkig, um wahr zu sein. Wo kamen diese kugelrunden Pokémon auf einmal her? Und nebenbei – wo kam das Wasser her?

    „Mien jong, gib Ruh!“, brüllte auf einmal eine tiefe, raue Stimme. Sofort hielten die blauen Bälle inne und sammelten sich alle an einem Ort, blickten unschuldig mit ihren glänzenden Knopfaugen in die Richtung, aus der der Befehl gekommen war. Resharp und Gladi folgten ihrem Blick, wollten sie doch auch erfahren, wer nun die Szene betreten hatte.

    „Sindse brav“, brummelte ein Pokémon von der gleichen Farbe, doch etwas langgezogenerer Form, das sich gerade aus einem der Felsbecken hievte. Sein buschiger Schnurrbart hing durchnässt und schwer tropfend nach unten, doch mit einem Schwenk des Kopfes, der beinahe den Körper eines der kleineren Pokémon ausmachte, entledigte es sich dieser Last. Dann drehte es selbigen und sah die beiden Fremden mit einem freundlichen Gesichtsausdruck an.

    „Seejong tut leid“, sagte es. „Mien jong Seemops sindse immer so wild. Seemöpsens, sagtse tut leid!“

    Bevor Resharp oder Gladi ihre Verwirrung ausdrücken konnten, fingen einige der Pokémon, deren Name offenbar Seemops lautete, an, mit ihren kleinen Flossen zu klatschen, was ein ohrenbetäubendes Konzert ergab. Aus dem rumorenden Haufen, in dem es nun schwer fiel, einzelne Bälle auszumachen, rollten schließlich drei heraus, ließen sich glucksend in ein flacheres Becken fallen, in das sie abtauchten und wenig später mit einem leuchtend orange geschuppten Fisch-Pokémon zurückkamen. Wie dieses nun in vergeblichen Versuchen, sich aus der Balance auf den drei Rücken zu befreien, hilflos herumplatschte, wirkte es deutlich harmloser als der bissige Fisch vom Vormittag. Simultan gaben die drei Seemops ihm von unten einen Stoß und schickten die Beute so auf eine Reise durch die Luft, die in der Pfütze neben dem Reshiram endete und dieses somit erneut bespritzte.

    „… Danke.“ Etwas argwöhnisch starrte es das Geschenk an, das immer noch zappelte und dabei nicht einmal den Anschein erweckte, dass ihm sein Aufenthalt an der Luft zu schaffen machte. Gladi hingegen ließ sich nicht länger irritieren, verpasste dem Fisch einen gezielten Stich und brachte ihn somit zum Stillhalten. Ohne zu zögern zerrte sie ihn zu Resharps Schweif und stupste diesen einmal an. Sein Besitzer brauchte nicht einmal mehr darüber nachzudenken, sondern aktivierte einfach den eingebauten Grill.

    „Jetzt nochmal langsam“, versuchte das Drachen-Pokémon sich schließlich zu sammeln. „Was war das gerade? Und wo seid ihr hergekommen?“

    Seejong robbte ein wenig näher an den flachen Felsen heran, auf dem die beiden sich zur Ruhe gebettet hatten, und schenkte ihnen erneut einen freundlichen Blick, bevor es antwortete. „Mien jong Seemops sindse wild, jaja. Seejong und mien jong lebense hier. Hier, dat is Küstenhöhle.“

    Sehr intelligent schien das speckige Pokémon nicht zu sein, doch immerhin schien es sich grundlegend verständigen zu können. Daher beschloss das Reshiram, ihm noch eine Frage zu stellen, die es ja eigentlich schon seit gestern interessierte. „Seejong, hör mal. Hier war vorhin doch noch gar kein Wasser. Warum ist hier jetzt alles voll damit?“

    Der Angesprochene legte kurz den Kopf schief, als bräuchte er einen Moment, um zu verstehen. „Ach, jaja, mehr Meer hier. Seemöpsens mögense das. Mal so, mal so. Mal mehr Meer, mal weniger Meer. Immer zu Zeiten, jaja. Deshalb Gezeiten. Gezeiten nennse dat.“

    „Ach so. Na, danke für das Essen jedenfalls.“ Resharp drehte sich um und löschte im selben Atemzug seinen Schweif. „Du bist so ruhig, Gladi“, fiel ihm dann auf.

    „Ja also …“, versuchte das Gladiantri sich zu rechtfertigen, während es den Fisch zerteilte. „Ich sag's nich' gern, aber die Viecher sind echt knuffig. Ich kann denen nich' böse sein, auch wenn sie mir auf'n Zeiger gehen sollten.“ Ein leichtes Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht und wurde dann trotz ihrer Unterdrückungsversuche schnell immer breiter, sodass man beinahe meinte, es würde bald einmal um ihren Kopf reichen. Nun musste Resharp selbst kichern.

    „Ich verstehe, was du meinst.“

    So verbrachten sie das Abendessen also zusammen mit Seejong und den Seemops, die sich eigene Fische besorgt hatten und diese roh verzehrten. Um die zappelnden Dinger vorher zu töten, benutzten sie ihre Hauer, die zwar nicht die beeindruckendsten waren, die das Reshiram je gesehen hatte, aber für diesen Job mehr als ausreichten. Erneutes lautes Klatschen begleitete die Mahlzeit und erweckte den Anschein, als stellte dies ein Ritual unter den blauen Pokémon dar. Aber vielleicht interpretierte Resharp da auch nur zu viel hinein und in Wahrheit drückten sie nur ihre Freude aus.

    Als alle fertig gegessen hatten, bat es Gladi, auf seinen Rücken zu steigen. „Mein Flügel fühlt sich wieder einigermaßen gut an. Ich will mal sehen, wie es sich anfühlt, ihn zu benutzen.“

    „Fall mir ja nich' auf die Schnauze“, erwiderte seine Freundin und leistete seiner Bitte Folge.

    „Natürlich nicht. Ich pass schon auf.“ Das Reshiram erhob sich, streckte sich einmal gut durch und stellte sich dann an die Stelle, wo der Felsen in einer rund geschliffenen Kante anfing, nach unten abzufallen. Es ging nicht sehr tief runter, höchstens drei Meter, die es mit einer geschickten Landung auch so ausreichend abfedern könnte, wenn es denn nötig wäre. Zudem peilte es an, im Sand zu landen, der von den Gezeiten in den Eingang gespült worden war. Es breitete die Schwingen aus, atmete einmal tief durch und stieß sich dann ab.

    Der Schwebeflug dauerte nur wenige Momente, doch das reichte ihm vollkommen aus, um festzustellen, dass es dabei keinerlei Schmerzen mehr verspürte. Etwas zittrig glitt Resharp zwar schon noch dahin, doch es fühlte sich unglaublich gut dabei, endlich wieder mit leichten Flügelschlägen sanft auf dem Boden zu landen, was es seit Tagen nicht geschafft hatte. Mit einem leisen „Plitsch“ wirbelten seine Krallen ein wenig Wasser und Sand auf, doch nicht genug, um seine Schenkel zu beschmutzen.

    „Ab heute fliegen wir wieder selbst“, verkündete es stolz.

    „Na hoffentlich“, stöhnte Gladi leise, als sie an den Wahnsinnsritt in der Maschine erinnert wurde.

    „Wir stören dann mal nicht weiter“, verabschiedete sich Resharp noch von seinen Gastgebern. „Auf Wiedersehen!“ Als Antwort erntete es das fröhliche Heulen und Glucksen Seejongs und der Seemops. Dann watete es aus der Grotte hinaus in die junge Nacht.

    Das Licht der Sterne und des aufgehenden Vollmondes offenbarte ihnen, dass die Sandbank, die heute Vormittag als Landbrücke gedient hatte, nun fast komplett vom glitzernden Meer bedeckt war und diesen Zweck nun wohl nicht erfüllen konnte. So bildeten die hohlen Felsen nun eine vollständig von Resharps und Gladis Ausgangspunkt abgeschnittene Insel. Eine leichte Brise strich durch das weiße Federkleid des Drachen-Pokémon und kühlte seine nassen Füße unangenehm ab. Schnell setzte es sich wieder in Bewegung und kletterte die feuchten Klippen hinauf, immer darauf achtend, nicht abzurutschen. Doch mit seinen Krallen fand es ohnehin genug Halt, um bald die Spitze des Felsens zu erreichen.

    „Bereit, Gladi?“, fragte es noch einmal nach, wenn auch mehr, um sich selbst mental vorzubereiten.

    „Immer, Reshi“, antwortete das Gladiantri.

    Und so breitete das Reshiram wieder seine Schwingen aus, atmete tief durch und warf sich dem kühlen Wind entgegen.




    Highlights: Vanchningth , Shining Lucario , Luxuria , Lynneth Bucherstede

    Gladiantri..107626-81915eb0.png..Reshiram (schillernd)

    „In dir fließt mein Blut, Kind. In dir lodert meine Flamme. Dennoch sei gewarnt, denn du bist nicht Reshiram. Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen. Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“

  • OMG! Was zum Henker tun die Zwei denn ihre Sachen nun in Hoenn?! Na, hoffe stark, dass sie noch ihren Weg wieder zurückfinden! Auch wenn ich wieder meine Karte nehme: So oder so sind Hoenn und Einall weit auseinander. Da liegen noch Kanto/Jotho und Kalos dazwichen. Und ich tippe auf sehr derbes Rheinfränkisch beim Seejong.

    "Das Leben selbst vergeht. Die Taten derer die du getan hast aber werden je nachdem wie Erfolgreich jene waren, nicht vergessen werden. In unglücklichen Fällen können Ärzte wie Hua Tuo können einen gar Unsterblich machen. Tja, seit meinem Unfall mit Hua im Jahre 120 lebe ich seit 90 im Aussehen eimes 30 Jährigen. Auch wenn mein Alter von 1929 Jahren etwas gewöhnungsbedürftig ist.", Lynneth Bucherstede, Lu Bus Bruder (25.02.2019)

  • Dusseltauben

    Absicht?

    wobei sie ganz dezent golden schimmerte.

    Ein kleiner Farbunterschied, nett.

    „Sorry, Kumpel. Du musst hier weg und wir brauchen was zu futtern.“

    Essen a´la Marsupilami

    immerhin den positiven Nebeneffekt, dass das Meersalz darin dem Fleisch eine angenehme, würzige – wenn auch trocken-erdige – Note verlieh.

    Versteckte Werbung für dein nächstes Kochbuch.

    Aber der Joke geht an dich, denn ich bin Vegetarier.

    weiß-blauer Vögel auf diese, in der Hoffnung, ihnen doch noch etwas abgewinnen zu können.

    Maaaaaain´z!

    Nach kurzer Zeit stieben sie jedoch aufgeschreckt wieder auseinander, als eines der größeren Exemplare herabsegelte und die Beute mit einem Happs in seinem großen Kehlsack verschwinden ließ.

    Joink.


    Ich muss sagen, Seejongs Akzent wirkt realistisch und klingt ganz cool. Mag der Charakter.

    Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich weiß, welches Pokemon sie gegessen haben. Karpador ist manchmal orange, wird meistens aber eher rot dargestellt.



  • Als das Reshiram bereits eine für seinen frisch verheilten Flügel beachtliche Strecke zurückgelegt hatte, verließen es die Kräfte und es begann, langsam abzusinken.

    „Ich brauche eine Pause, Gladi. Siehst du hier zufällig irgendwo Land?“

    Beide sahen sich um, ob aus dem Glitzern des dunklen Ozeans, der die Welt unter ihnen ausmachte, eine halbwegs ebene Insel herausragte, die sich zum Landen eignete. Es war nicht so, dass sich unter ihnen nur Wasser befand, doch die hellen Felsen, die im Mondlicht sanft schimmerten, waren allesamt spitze Säulen oder scharfkantige Klippen. Dieser außergewöhnliche Anblick ließ erahnen, dass das Bild dieses Meeres nicht von der Natur geformt worden war. Zu gewaltig wirkten die Klingen, die aus dem feuchten Abgrund wuchsen. Resharp konnte sich nur vorstellen, welche unglaublichen Kräfte hier gewirkt haben mussten und was für mächtige Wesen diese beherrscht hatten. Wenn das, was die Caesurio versprachen, stimmte, würde es am Ende ihrer Suche selbst in diese Kreise aufsteigen. Doch in diesem Moment half ihm das nicht weiter, es musste noch eine Weile tapfer seine momentanen Kräfte aufrecht erhalten, bis sie einen Landeplatz erspäht hatten.

    „Ahoi!“, rief Gladi auf einmal und fuchtelte wild mit ihrem rechten Arm, als Resharp seinen Kopf nach ihr umdrehte. „Das da is' wohl 'n Vulkan oder sowas, weil da kommt Licht raus“, fügte sie hinzu, nachdem es ihrer Geste folgte.

    Ganz offensichtlich handelte es sich um einen Berg aus weißem Gestein, der sich oben wie ein gigantischer Kessel öffnete. Doch das Reshiram glaubte nicht recht, dass es ein aktiver Vulkan war.

    „Dann würde da doch bestimmt auch Rauch rausströmen. Aber sehen wir uns das doch einmal an.“ Noch bevor es zu Ende gesprochen hatte, drehte es nach rechts ab und ließ sich vom Wind auf die Insel zutreiben. Zwischendurch biss es einige Male die Zähne zusammen und schlug mit den Flügeln, um wieder an Höhe zu gewinnen – immerhin wollte es den Rand des Kraters nicht verfehlen. Dadurch ganz außer Atem erreichte es diesen schließlich und ließ sich erst einmal auf dem breiten Felsgrat nieder. Einerseits wollte es so noch einmal kurz durchschnaufen, andererseits eben nicht direkt hineinsteuern. Wer wusste schon, was es im Inneren erwartete?

    „Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was ich davon halten soll“, gestand es Gladi. „Das letzte Mal, als ich in einem Krater Pause gemacht habe, war darin ein wütendes Kyurem.“

    „Ach, Reshi“, sagte das Gladiantri. „Glaubste echt, in jedem Krater wartet 'n fieses Legendäres Pokémon auf dich? Vielleicht is' in dem hier ja 'n liebes.“

    Genervt, aber gleichzeitig lächelnd rollte Resharp mit den Augen und linste seufzend ins Innere des hohlen Berges. Die Quelle des Lichts erspähte es sofort; es handelte sich um eine Stadt, deren cremefarbene Marmorhäuser auf aus dem Stein gehauenen Terrassen ruhten. Aus vielen Fenstern drang der gelbliche Schein der Beleuchtung im Inneren, wenngleich von Zeit zu Zeit eines erlosch.

    „Die sind echt überall, was?“, murmelte das Drachen-Pokémon. Doch die Tatsache, dass die menschliche Siedlung weniger als die Hälfte des Kessels einnahm und beinahe auf der gegenüberliegenden Seite desselben lag, beruhigte es. Nun sah es sich die Seite an, auf der keine Häuser standen. Dort befand sich eine einzige, große Terrasse, die mit ihrem Grasbewuchs relativ natürlich wirkte, aber vermutlich ebenfalls künstlich angelegt worden war – Gras erschien nun einmal nicht aus dem Nichts, erst recht nicht im Inneren eines hohlen Felsens mitten im Meer. Ein großer Teich, der aus rauschenden Wasserfällen entsprang, umschloss diese Oase, zu der hölzerne Brücken einen Fußweg bildeten. Zwischen wild wuchernden, bunten Blumen reckte ein großer Baum seine Äste gen Nachthimmel, und es wirkte, als wollte er mit seiner eigenen Blütenpracht den Sternen Konkurrenz machen. In der Tat wirkte er nicht wie ein normaler Baum, und noch dazu spürte Resharp tief in sich drin das Echo einer Energie, die aus dieser Richtung strömte.

    „Achtung, Gladi, ich fliege zu diesem Baum“, kündigte es an. „Ich glaube, das hier könnte vielleicht die Alte Heimat sein!“

    „Die Alte Heimat?“, fragte das Gladiantri ungläubig. „Wie kommst'n jetzt auf so- … WHOA!“

    Geradezu im Sturzflug warf sich das Reshiram in den Krater hinab und zischte auf die Grünfläche zu, um sich kurz vorm Ziel stark abzubremsen und sanft auf der Insel aufzusetzen.

    „Sieh doch mal, es ist doch alles so, wie sie es beschrieben haben“, erklärte es aufgeregt Gladi, die grummelnd ihren dröhnenden Kopf schüttelte. „Ein besonderer Baum“, es deutete auf jenen, dessen Blüten beinahe selbst schimmerten, „und …“

    Hastig drehte es sich um, in die Richtung, aus der der Energiefluss leise sein Flüstern aussandte. Dort, zwischen den beiden Wasserfällen, mit der grünen Oase durch eine breite Brücke verbunden, stand eine Art Tempel aus hellerem Marmor als jener, der die Häuser der Menschenstadt bildete. Kryptische Zeichen, bestehend aus Kreisen und Linien, die davon ausgingen, zierten in dunklem Rot das von Moos und Efeu überwucherte Kuppeldach. Zwei große, kupferfarbene Torflügel aus Metall verbargen den Blick auf das, was im Inneren verborgen lag, doch Resharp wusste längst, dass es sich um eine fantastische Kraft handeln musste, die in diesem Gebäude schlummerte.

    „Dieser Ort liegt von außen ziemlich versteckt, aber die Menschen haben ihn trotzdem gefunden. Genau das ist doch passiert, oder?“

    „Jetzt mach aber mal 'nen Punkt“, wandte Gladi genervt ein. „Ich weiß nich', ob's dir aufgefallen is', aber wir sind so'n bisschen umgeben von Wasser! Wie hätten die Caesurio da die Kurve kratzen können, als die Menschen angetrampelt kamen?“

    Das Drachen-Pokémon musste zugegebenermaßen kurz überlegen. „Natürlich weiß ich das nicht sicher, aber ich denke, sie hatten irgendeine Hilfe, wie die Quaputzi in der Höhle der Schulung. Oder einen Geheimtunnel. Oder sie haben ihre Magie benutzt, um sich wegzuteleportieren.“

    „Okay, sagen wir mal, das alles is' goldrichtig“, sagte das Gladiantri immer noch skeptisch. „Wir müssten dann noch die da drüben“, sie deutete flüchtig auf die Stadt, „wegkriegen und die Caesurio hierher.“

    „Das wäre doch bestimmt einfach, wenn ich nur an die Magie kommen könnte“, sagte Resharp schnell. „Ich könnte die Menschen verscheuchen und die Caesurio herzaubern.“

    „Ich weiß nich'“, murmelte Gladi. „Hat Reshiram nich' irgendwas gesagt, von wegen, du brauchst mehr Power, damit sowas klappt?“

    „Hm …“, musste sich das weiße Pokémon eingestehen. „Das stimmt, aber ich glaube, es wollte, dass ich mir nicht zu viel auf einmal vornehme. Wenn ich klein anfange, ist es bestimmt nicht so gefährlich.“ An das Wandgemälde in der Elektrolithhöhle zurückdenkend, positionierte es sich vor dem großen Baum. Niederknien konnte es aufgrund der Anatomie seiner Beine nicht – seine Kniegelenke beugten sich andersherum als die eines Caesurio –, also setzte es sich einfach auf den Boden und starrte zum leise raschelnden Blätterdach empor. Es musste doch eine Möglichkeit geben, die Energie durch den Baum zu kanalisieren, so etwas in der Art hatten die gemalten Priester doch auch getan.

    Der Anblick, den die in sieben Farben strahlenden Blüten ihm boten, hielt es lange gefangen. Rot, Orange, Gelb, Rosa, Hellblau, Lavendel, Violett. Sechs Blütenblätter zierten jede einzelne von ihnen, und auch wenn kein Licht von ihnen ausging, wirkten sie erstaunlich hell und lebendig, als würden sie von der Frühlingssonne beschienen. Selbst den rauen, salzigen Duft des Meeres erleuchteten sie sanft mit fruchtig-süßen Aromen, allesamt verschieden, aber doch gleich.

    Als ihm klar wurde, dass ein magischer Bann für dieses Schauspiel verantwortlich sein musste, riss Resharp sich davon los und zwang seinen Blick, den dunklen Stamm entlangzuwandern. Möglicherweise sollten die Blüten ja von ebendiesem ablenken, weil das Geheimnis gerade darin verborgen lag. Die Dunkelheit des braunen Holzes tat ihr Bestes, um jegliche Textur zu verbergen, doch mit genügend Anstrengung gelang es dem Reshiram, seine Augen an diese Verhältnisse zu gewöhnen. Und so ruhten diese schließlich auf einer x-förmigen Markierung, die dicht unter dem Ansatz der untersten Äste in die Rinde geschabt worden war.

    „Sieht das nicht nach einer gezielten Doppelschlitzattacke aus?“, fragte es aufgeregt und sprang wieder auf die Füße.

    „Hä? Ich seh' nix“, gab Gladi zurück und tippte sich an die Stirn.

    „Dann pass mal auf.“ Resharp trat noch einige Schritte zurück und bereitete seine inneren Kräfte vor. Sein Schweif erwärmte sich und gab ein schwaches Glühen von sich, das langsam stärker wurde. „Ich kann vielleicht keine Klingenangriffe, aber mit etwas Drachenenergie funktioniert es bestimmt auch.“ Es holte tief Luft, konzentrierte sich auf die Energiekugel in seinem Rachen und ließ diese prasselnd als lila Flamme entweichen, genau auf das X. Leise zischelnd zerstob die Attacke am Baumstamm und schwebte in Form von leuchtenden Funken gen Himmel, die sich langsam auflösten.

    „W-was?“, keuchte das Reshiram und brachte den Strahl dadurch zum Versiegen. „Das hat der Feuerodem noch nie gemacht!“ Es entfesselte ungeduldig eine weitere Attacke, weshalb diese Flamme schwächer ausfiel. Das spielte jedoch keine Rolle, da sie denselben Effekt erzielte wie zuvor. Ein weiteres Mal sog es scharf Luft ein, um es noch einmal zu versuchen, da wurde es plötzlich von einer hell klingenden Stimme unterbrochen.

    „Bitte … hör auf.“

    Fast verschluckte es sich an der kleinen Kugel, die sich schon gebildet hatte, stolperte nach hinten und hustete lila schimmernden Rauch.

    „… R-Reshiram? Bist du das?“

    „Deine Bemühungen werden dich nicht weiterbringen.“ Das X wurde in einen weißen Schein gehüllt und befreite den braunen Stamm von seiner Dunkelheit, welcher sich rasch von dieser Stelle ausgehend bläulich färbte, als verwandelte er sich in Kristall. Dann entsprang ein Wesen aus Licht dem Baum; aus den Wurzeln lösten sich vier lange, schlanke Beine, während jeder Ast einen Teil eines riesigen Geweihs erscheinen ließ. Aus der hölzernen Säule, die die Krone trug, entschlüpfte der grazile Körper eines behuften Pokémon. Als dieses nun auf dem Boden vor dem Baum aufkam, schien es, als verhärtete sich das Licht, aus dem sein Körper bestand, und es nahm eine feste Form an, die aus einem blauen Körper mit schwarzen Hufen und vereinzelten cremefarbenen Akzenten bestand. Am auffälligsten jedoch war das Geweih, das nun in den sieben Farben der Blüten erstrahlte: Rot, Orange, Gelb, Rosa, Hellblau, Lavendel, Violett.

    „Oh shit“, stammelte Gladi. „Kobalium hat sich neue Schwerter besorgt!“

    „Du meinst, das ist Kobalium?!“, rief Resharp und machte einen Satz rückwärts, brachte sich dann schnell in eine defensive Position.

    „Nicht doch, Kinder“, sprach das geweihtragende Pokémon, dessen Stimme nun in dieser Form nicht mehr mystisch hallte. „Ich bin Xerneas, und ich schlafe in diesem Baum des Lebens. Deine Drachenenergie mag keine Wirkung zeigen, doch ich hielt es dennoch für angebracht, sicherzustellen, dass meinem Baum kein Schaden zugefügt wird.“

    „Xerneas?“, murmelte Resharp irritiert. „Ich dachte, Reshiram spricht zu mir. Und die Caesurio haben nie ein Xerneas erwähnt.“

    „Ich sag' doch, da passt was nich'.“ Das Gladiantri stellte sich neben seinen Freund und starrte das fremde Wesen an. „Bist du zufällig 'n Legendäres Pokémon?“

    „In der Tat, das bin ich“, antwortete Xerneas. „Ich vermute, ihr unterliegt einem Irrtum, denn Caesurio gab es hier nie.“

    Enttäuscht ließ das Reshiram die Flügel hängen. „Und ich war mir so sicher, dass ich die Alte Heimat gefunden hätte.“

    Das große Pokémon stapfte behutsam auf es zu und beugte sich zu ihm hinunter, sodass es ihm direkt mit sanftem Blick in die Augen sah. „Wie kamst du zu diesem Schluss, junger Freund? Wenn du über deinen Fehler nachdenkst, wirst du ihn nicht wieder begehen.“

    „Ich spüre diese Energie hier. Und in den alten Zeichnungen war ein Baum zu sehen“, antwortete es mit der Einsichtigkeit eines Schülers.

    „Unsere Welt ist groß und voller Magie“, erklärte Xerneas. „Es ist nicht auszuschließen, dass diese Beschreibung auf mehrere Orte zutrifft. Die Naturenergie, die jenem, der Xeneroville genannt wird, innewohnt, wurde jedoch vor langer Zeit hinter diesem Tempel versiegelt, auf dass die Urgewalten namens Groudon und Kyogre niemals wieder Unheil anrichten können.“

    „Groudon … Kyogre …“ Allein der Klang, der diesen beiden Namen innewohnte, hatte etwas immens Mächtiges an sich.

    „Xeneroville – Xerneas. Aha“, kombinierte Gladi. „Hab ich recht?“

    „Nun, gewissermaßen“, lächelte Xerneas. „Der Stamm der Xeneraner erschuf die Legende, dass alles Leben seinen Ursprung in der Höhle hinter dem Tempel nahm. Dem Pokémon, das Leben spendet, zu Ehren, benannten sie sich und ihre Heimat nach mir.“

    „Moment mal“, rief Resharp. „Du kannst Leben spenden?“

    Als Antwort hauchte ihm das Legendäre Pokémon zart ins Gesicht. Irritiert zog das Reshiram den Kopf ein und blinzelte. Was sollte das denn nun? Xerneas' Atem streichelte seinen Kopf und drang in seine Nase ein, erfüllte es mit einem frischen Frühlingsduft. Auch vom Rest seines Körpers fiel nun plötzlich jegliche Erschöpfung ab, und war sie noch so klein. Selbst in seinen gerade verheilten Flügel kehrten dessen volle Kräfte zurück, und es fühlte sich, als könnte es einmal um die Welt fliegen.

    „Wahnsinn“, flüsterte es.

    „Was war'n das jetzt für'n Zaubertrick?“, fragte Gladi ungläubig, empfing dafür ihrerseits einen magischen Hauch. „Urgh!“, machte sie instinktiv und fuchtelte mit den Armen vor ihrem Gesicht herum. Als sie spürte, dass etwas in ihren Handklingen vorging, erstarrte sie schlagartig und betrachtete diese beinahe schockiert. Ein silbriger Schimmer fuhr über das Metall und ließ es poliert und geschärft zurück. Das Gleiche passierte auch mit den anderen Klingen an ihrem Körper, und alles an dem Gladiantri strahlte – das Gesicht nicht ausgenommen.

    „Wahnsinn!“, rief sie.

    Xerneas warf ihnen noch einen freundlichen, beinahe mütterlichen Blick zu, dann drehte es sich weg und betrachtete seinen Baum. „Ihr solltet eure Reise nun fortsetzen. Mein Werk hier ist jedenfalls getan. Lebt wohl, Gladi und Resharp.“ Es setzte einen Huf auf eine Wurzel, der sogleich mit dieser verschmolz. Dann setzte es zu einem grazilen Sprung an und wurde wieder zu der Lichtgestalt, als die es erschienen war.

    „Warte, du kennst unsere Namen?“, fragte das Reshiram schnell, erhielt jedoch keine Antwort mehr. Schon war das geweihtragende Pokémon wieder im Baum des Lebens verschwunden, dessen kristalline Färbung sich aus den Ästen und Wurzeln zurückzog und dem natürlichen, dunklen Braun wich. Nur noch das weiß leuchtende X blieb übrig, und auch dieses verblasste nun langsam, bis wieder nur noch die Blüten hoch in der Baumkrone ihren Lebensschimmer von sich gaben.

    „Ich sag' ja, da is'n liebes Legendäres Pokémon drin“, murmelte Gladi und lehnte sich zufrieden an Resharp, das immer noch die dunkle Markierung anstarrte. Schließlich jedoch riss es sich davon los.

    „Also, du hast gehört, was Xerneas gesagt hat. Wir setzen unsere Reise fort.“

    Darüber nachdenken, was gerade geschehen war, konnte es im Flug auch noch.


    „Jemand hat es geschafft, das Legendäre Pokémon Xerneas zu beschwören“, sagte Wassili zu dem Pokéball in seiner Hand. Er erhob sich von seinem Stuhl auf der Dachterrasse seines Hauses. „Wer hätte gedacht, dass in diesem alten Baum ein Aspekt von Xerneas ruht?“ Ein letztes Mal schielte er zu der Oase und musste lächeln. „Bestimmt wusste König Azett davon.“

    Eine plötzliche Bewegung machte ihn stutzig. Flog da nicht gerade etwas davon? Viel mehr als eine dunkle Silhouette konnte er nicht erkennen, doch es war eindeutig, dass kein Trainer dabei war, der Fliegen befohlen haben könnte.

    „Ein … Pokémon?“




    Highlights: Vanchningth , Shining Lucario , Luxuria , Lynneth Bucherstede

    Gladiantri..107626-81915eb0.png..Reshiram (schillernd)

    „In dir fließt mein Blut, Kind. In dir lodert meine Flamme. Dennoch sei gewarnt, denn du bist nicht Reshiram. Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen. Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“

  • Einen großen Baum haben sie schon gefunden.

    Sie treffen dann also auf eine Manifestation von Xerneas, denke jedenfalls nicht, dass es das echte war.

    Das sie dachten, es sei Kobalum war ganz interessant, denn natürlich kann man, wenn man noch nicht so viele Pokemon kennt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den beiden erkennen. Ist dieses Xerneas eigentlich weiblich? Bin nicht sicher, aber ich denke, Xerneasis müssten weiblich sein. Dann würde es sich ja aufgeklärt haben, soweit es spricht.

    Die Art, wie es enttarnt wurde gefällt mir, sehr kreativ.

    Beim Feuerodem habe ich mich zuerst gefragt, ob er eine neue Attacke gelernt hat, oder ob es wegen dem Feentyp war, aber ich denke mal, es ist Letzteres.

    Ja, sie landen in Hoenn und das erste Legi das sie treffen ist aus Gen 6.


    LG Sunaki



  • Legendäre Pokémon. Je mehr Resharp darüber nachdachte, desto mehr verwirrten sie es. Einige behaupteten, es wäre eine Abscheulichkeit, würde eines von ihnen ein Kind bekommen, während andere kein Problem darin sahen. Oder gar selbst welche hatten, ohne groß darüber nachzudenken. Überhaupt unterschieden sich alle Legendären Pokémon, denen das junge Reshiram bisher begegnet war, so stark voneinander. Einige, wie Kyurem oder Zapdos, hielten sich an abgeschiedenen Orten auf und vertrieben gewaltsam jeden, der ihnen zu nahe kam. Andere erschienen bereitwillig, um anderen zu helfen, wie Zekrom oder auch Xerneas. Was hatten alle von ihnen nun so Großartiges gemeinsam, dass man sie als „legendär“ bezeichnete?

    „Legendär …“, murmelte Resharp.

    „Wasis?“, fragte Gladi, die nur mitbekommen hatte, dass es in Gedanken versunken war, doch nicht, worüber.

    „Warum sind sie legendär?“, wiederholte es die Frage, die es sich selbst gestellt hatte. „Und … bin ich es eigentlich auch?“

    „Klar!“, platzte das Gladiantri sofort heraus. „Also zumindest bei uns. Wir ham schon ewig drauf gewartet, dass der Drache uns ausm Schlechten holt. Oder so ähnlich.“

    „Drache aus unserem Geschlecht, meinst du? So hat Kizan mich genannt. Und ja, das war wohl eine Legende.“ Ganz überzeugt war es davon aber immer noch nicht, und außerdem beantwortete das nicht ganz seine erste Frage. „Wenn ich deswegen legendär wäre, müsste aber jedes andere Legendäre Pokémon auch eine eigene Legende haben. Bei Xerneas und Kyurem versteh ichs noch, also das eine spendet Leben und das andere … äh, hat irgendwas mit Reshiram und Zekrom zu tun? Aber was ist mit Zapdos?“

    „Weiß nich'. Hab noch nie von ihm gehört.“ Auch Gladi strengte nun ihren Kopf an, um eine passende Erklärung zu finden. „Okay, vielleicht so: Die sind voll stark. Kaum kleinzukriegen. Die besiegen jeden Normalo mit geschlossenen Augen.“

    Stärke? Das mochte durchaus ein Indikator sein. Wieder musste das weiße Pokémon an Zekrom denken, das zwar am Ende besiegt worden war, aber dennoch fünf Gegner hintereinander vom Feld gefegt hatte. „Also sind sie legendär, weil sie stark sind …? Aber dann gehöre ich wohl kaum dazu.“ Es seufzte. „Bisher habe ich noch keinen einzigen Kampf gewonnen.“

    „Machst du Witze?!“, rief Gladi beinahe empört. „Kobalium kannste wohl kaum zählen. Das miese Ding hat voll unfair gekämpft! Aber denk mal an Maxax, also was du mir da erzählt hast, wow! Und das Washakwil haste ja voll gegrillt.“ Als sie merkte, dass sie Letzteres besser nicht erwähnt hätte, da ihr Freund leicht den Kopf hängen ließ, lenkte sie das Thema schnell um. „Naja, aber vielleicht isses ja auch egal, weil legendär sowas wie selten heißt. Von denen gibts nich' viele, also sind sie besonders.“

    „Selten?“ Das Reshiram hob den Kopf wieder und runzelte die Stirn. „Wir haben doch in letzter Zeit so viele von ihnen getroffen. Meinst du, wir hatten einfach riesiges Glück? Wir ziehen sie ja geradezu magisch an.“

    Das Gladiantri sagte einige Momente lang nichts, ihr schienen langsam die Erklärungen auszugehen. „Hm“, machte sie schließlich. „Ich weiß nich', aber vielleicht liegts an deiner, äh, Aura. Du kannst ja irgendwie Energie spüren oder so?“ Resharp nickte, doch es verstand diese Fähigkeit selbst noch nicht so recht. „Okay, also vielleicht isses ja mit den ganzen Legis genauso und sie spüren dich. Deshalb laufen wir denen so oft übern Weg.“

    Eine Weile verfielen nun beide ins Schweigen, ließen sich dabei diese neue Theorie durch den Kopf gehen. Halb abwesend betrachtete das Reshiram die Welt unter sich. Das Meer war immer noch omnipräsent, doch dazu hatte sich schon kurze Zeit zuvor am Horizont ein Landzipfel abgezeichnet, über den sie sehr bald schon hinwegfliegen würden. Normalerweise hätten sie dort wohl eine Pause eingelegt, doch das Drachen-Pokémon spürte immer noch die Kraft in sich, die Xerneas ihm heute Nacht geschenkt hatte. Zwar nahm der Energieschub langsam, aber stetig ab, doch bis er vollständig verblasste, würde es noch eine Weile dauern, so fühlte es sich jedenfalls an.

    Was für Pokémon mochten wohl auf diesem fremden Festland leben? Wie es ihnen schon von Einall vertraut war, überzog ein Laubwald die Landzunge, der sich an mehreren Stellen lichtete und irgendwo in der Ferne in Wiesen und Felder überging. Resharp reduzierte die Höhe seines Fluges bis auf ein knappes Stück über den Baumwipfeln, um seine Neugier nach den Bewohnern – jedenfalls den nachtaktiven – hoffentlich etwas zu befriedigen. Ein beruhigendes Rauschen von Blättern in der Meeresbrise drang an seine Ohren, lediglich unterbrochen von vereinzelten Pokémon-Rufen, die hier und da schwach ertönten. Ein längliches, felliges Wesen, dessen Farben im Mondlicht einige Nuancen dunkler als weiß mit einigen noch dunkleren Streifen aufblitzten, huschte flink über den Boden. Seine gesamte Laufbahn war natürlich nicht zu erkennen, doch die Stellen, wo es unter den Lücken im Blätterdach erschien, formten eine kerzengerade Linie, die genau zwischen jeglichen Hindernissen hindurchführte.

    „Also manche Pokémon sind schon der Wahnsinn, was?“, kommentierte Gladi, die den Läufer ebenfalls beobachtet hatte, leise. „Müssen dafür ja nich' mal legendär sein.“

    Etwas weiter links von ihnen glitzerte das Wasser eines kleinen Teiches, in dem ein anderes Pokémon ein nächtliches Bad nahm. Es sah aus wie ein blaues Ei mit langen Ohren, was man selbst unter dem Vollmond gut erkennen konnte, da seine Färbung sich gut in das Nass einfügte, wenngleich es etwas heller war. Es spielte planschend mit einem Objekt herum, das an seinem Schwanz befestigt war, und spritzte dabei in alle Richtungen. Als es dabei auch einen der Käfer traf, die mit dürren Beinchen friedlich über die Oberfläche glitten, sammelte sich dessen kleiner Schwarm aufgebracht um den „Angreifer“. Daraus resultierte schnell ein Kampf, bei dem das eiförmige Wesen immer und immer wieder die sich auf es stürzenden Insekten mit gezielten Wasserstrahlen von sich wegstieß. Schließlich gaben sie auf und setzten ihre Runden fort.

    Reichte ein vages Gefühl aus, um zu sagen, dass diese Pokémon nicht „legendär“ waren? Irgendwie sah man es ihnen zwar schon an, doch war dies mehr als nur ein Vorurteil? Ohne Zweifel verfügten sie alle über einzigartige Fähigkeiten. Doch die Bewohner dieses Waldes, und auch anderer Wälder, lebten einfach ihre Existenz, scheinbar ohne größere Aufgabe, die ihr Leben bestimmte. Sie taten einfach, worauf sie Lust hatten oder was ihre Instinkte ihnen vorschrieben.

    „Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen“, hatte Reshiram gesagt. Es folgte einem festen Pfad, einem Sinn. Dafür war es auf diese Welt gekommen. Doch mit Resharp war es anders. Es existierte nicht, um die Caesurio nach Hause zu führen, denn die Heimat hatten sie erst später verlassen müssen. „Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“ Tatsächlich musste es sich einen Moment lang fragen, ob das, was es tat, das Richtige war. Doch schon im nächsten Atemzug beschloss das junge Reshiram, dass es etwas Gutes war, den Caesurio zu helfen. Bevor es ihnen begegnet war, war es ziellos und verloren herumgeirrt und wusste nicht, wohin es gehen sollte. Und selbst wenn seine Reise ihm oft Schwierigkeiten bereitet hatte, gab sie ihm einen Grund, durch die Welt zu ziehen und eine Gelegenheit, stärker zu werden. Sie gab ihm das Gefühl, ein Jemand zu sein.


    „Whoa, sind die cool!“, riss Gladi es schon wieder aus seinen Gedanken, und was sie meinte, wurde gleich klar, als fünf kleine Schatten unter ihnen vorbeizogen und in einer leichten Rechtskurve nach oben flogen. Sie sahen aus wie dunkelgraue Gespenster, die vergnügt durch die Nacht tobten.

    „Moment“, stellte Resharp auf einmal fest. „Die wollen irgendwo hin. … Da, zu dem Berg!“ Dieser war ihm zwar schon zuvor durchaus aufgefallen, doch nun lenkte sich seine volle Aufmerksamkeit auf die Erhebung, die aus der nahen Bucht ragte. Ein ominöser Ring aus Wolken krönte den Gipfel, wodurch es sich ein wenig an die Drachenstiege erinnert fühlte. Konnte es möglich sein, dass dies ein ähnlicher Ort war und es hier sogar mit Reshiram sprechen konnte? „Gladi, sag mal … denkst du, das hier ist Einall oder nicht?“

    „Hä?“, kam die irritierte Antwort. „Ich dachte, wir ham uns schon auf nö geeinigt.“

    „Naja, also eigentlich ja nicht so wirklich. Wer weiß, vielleicht ist Einall ja total riesig und reicht bis hierher.“

    „Und? Was soll die komische Fra- … oh.“ Sie hatte nun bemerkt, dass ihr Freund auf den Berg zusteuerte und sie sich diesem bereits rapide näherten. „Du glaubst, die Ruinen da ham was mit Reshiram zu tun.“

    Ruinen war übertrieben gesagt. Die grauen Mauern und Gebäude, die den Hang zierten, wirkten zu einem Großteil noch intakt, auch wenn sie nach oben hin zunehmend „ruinierter“ aussahen. Der Begriff beschrieb tatsächlich höchstens den Gipfel, auf dem kein einziges Dach mehr vorhanden war und die Gemäuer kaum über den Boden hinausragten.

    „Erraten“, sagte Resharp, kurz bevor es auf der von Gras und Moos bedeckten Erde aufsetzte.

    „War nich' schwer“, stichelte Gladi, ließ sich dann von seinem Rücken gleiten und sah sich skeptisch um. „Du glaubst heute bei allem, es wär Reshiram oder die Alte Heimat oder so'n Kram.“

    „Diesmal will ich ja nur nachsehen, um sicherzugehen“, murmelte das Reshiram und spazierte auf eine Art Altar zwischen eingefallenen Wänden wie von einem ehemals schützenden Schrein zu, der ihm gerade ins Auge gefallen war. „Reshiram hat doch gesagt, es und Zekrom wären durch Einall gereist und hätten dabei Spuren hinterlassen. Wenn wir noch in Einall sind, könnte das hier so ein Ort sein. Ich will dann ja nur nicht einfach dran vorbeigeflogen sein.“ Es fröstelte, und erst jetzt fiel ihm auf, wie drückend kühl es hier oben eigentlich war. Geisterhafte Nebelschwaden umspielten seine Füße, und hatte die Luft in Xeneroville noch voller Leben gesteckt, so schien hier eine dunkle Brise jegliche Lebensgeister zur Ruhe zu geleiten. Jedoch machte der Berg dabei keineswegs einen bösen, sondern eher einen mahnenden Eindruck, was durch das schwache Leuchten eines violetten Kristalls untermalt wurde, der in einer Halterung auf dem Altar ruhte. Selbst an diesem dunklen Ort gab es also noch ein wenig Licht.

    Dies war es auch, was Resharp dazu bewegte, sich die Konstruktion näher anzusehen. Die steinerne Bank reichte ihm bis an die Halsringe, wodurch es gut auf die raue Oberfläche linsen konnte. Links und rechts befanden sich zwei Vertiefungen, in die wohl irgendwelche Objekte für ein Ritual gehörten. Sie waren zusätzlich noch mit Markierungen versehen, die Buchstaben ähnelten, dem Reshiram jedoch absolut nichts sagten. Das linke Symbol bestand aus einem Kreis, der sich nicht vollständig schloss, sondern unten auf zwei seitlich abstehenden Füßen stand. Das rechte ähnelte ihm stark, doch hier war es ein vollständiger Kreis, dessen „Füße“ nicht unten, sondern rechts und diagonal herausragten.

    Die Halterung aus schwarzem Metall, die am hinteren Rand des Altars befestigt war, interessierte das weiße Pokémon natürlich nach wie vor am meisten, denn in ihr lag der große Kristall, der sein sanftes, violettes Licht ausstrahlte. Er erinnerte an einen aufrecht stehenden Kiefernzapfen, geformt aus vielen einzelnen, länglichen Edelsteinen.

    „Hübsch“, musste auch Gladi anerkennen. „Denkste, das hilft uns?“

    „Keine Ahnung, aber nachher kann mir keiner sagen, ich hätte es nicht versucht“, gab Resharp zurück. Seinen Plan würde es auch gleich in die Tat umsetzen, auch wenn ihm noch nicht ganz klar war, wie es den legendären Drachen nun genau rief. „Bitte sprich mit mir, Reshiram“, bat es also einfach. „Ich brauche deine Hilfe.“ Als nichts passierte, konzentrierte es sich stärker auf den Kristall und versuchte es noch einmal. „Reshiram, ich brauche dich. Bitte komm zu mir!“ Wieder blieb es still, und so beschloss es, noch einen letzten Versuch zu starten, bevor es sein Vorhaben als gescheitert betrachten würde. Es holte tief Luft und sprach geradewegs von seinem Herzen: „Reshiram, bitte erhöre meinen Wunsch!“

    „He!“, rief das Gladiantri plötzlich. „Da tut sich was!“

    Erwartungsvoll stolperte Reshirams Kind einige Schritte rückwärts, um sehen zu können, was seine Freundin meinte, und rannte sie dabei fast über den Haufen. Doch Gladi war gerade selbst viel zu eingenommen von dem, was da vor sich ging, um sich zu beschweren: Auf der Vorderseite des Altars leuchtete etwas auf, erst schwach, dann immer stärker. Und auch dies sah aus wie … Buchstaben?

    „Lies vor“, zischte Resharp aufgeregt.

    „Okay, okay“, machte Gladi und machte sich gleich ans Entziffern der gold-silbrigen Zeichen.


    ICH KANN NICHT


    „Du kannst nicht?“ Das Drachen-Pokémon runzelte die Stirn. „Was ist los?“


    ICH MUSS SCHLAFEN


    „Moment, was? Es pennt lieber, als sein Kind zu schaukeln?“, entfuhr es Gladi.

    „R-Reshiram?“, stammelte Resharp etwas kleinlaut. Irgendwas stimmte da doch nicht.


    JIRACHI


    „Oh …“, verstand es sofort. Jirachi war wohl der Name eines Pokémon. Also sprach es auch hier nicht mit Reshiram. Aber warum antwortete nun dieses Jirachi?

    „He, Dschiratschi“, sagte das Gladiantri herausfordernd. „Was fühlst du dich bei Reshiram angesprochen? Wer biste überhaupt? Legendär?“


    SCHLAFE 1000 JAHR

    UND ERHÖRE DEINEN WUNSCH

    BIS ZUM SIEBTEN TAG

    ICH BIN


    Was es noch hinzufügen wollte, sollten die beiden nicht erfahren, denn schlagartig erlosch die leuchtende Schrift und mit ihr der Kristall. Als Resharp überrascht aufblickte, merkte es, dass sich eine Wolke vor den Vollmond geschoben hatte und das Land somit vollständig in Dunkelheit hüllte. Dies schien zur Folge zu haben, dass Jirachi ihnen keine Botschaften mehr schicken konnte. Ob diese gar aus Mondlicht bestanden?

    „Jirachi erfüllt also Wünsche?“, dachte das Reshiram laut, damit Gladi mitreden konnte.

    „Hast ja gehört: Erst, wenns genug gepennt hat. Aber 1000 Jahre, schon heftig. Wünsche erfüllen muss echt schlauchen.“

    „Schon schade, dass es gerade nicht wach ist. Sonst könnte es uns sicher helfen.“ Es betrachtete die Wolke, die den Kontakt mit dem Kristall-Pokémon so unverhofft unterbrochen hatte, ihren Weg über den Himmel jedoch gemächlich fortsetzte. Als langsam die ersten Mondstrahlen wieder ihren Weg zur Erde fanden, richtete sich seine Konzentration zurück auf den Altar, in der Hoffnung, es würden neue Buchstaben erscheinen. „Jirachi!“, rief es schnell. „Wenn du mich noch hören kannst, dann sag mir bitte, ob wir in Einall sind oder nicht!“

    Ein schwaches Schimmern drang aus dem grauen Stein, verschwand dann wieder, um schließlich erneut aufzuleuchten. Jirachi hatte wohl Schwierigkeiten, seine Worte zu formen. Erst, als die Wolke den Mond vollständig freigegeben hatte, blieb der Glanz bestehen.


    HOENN


    „Höhn? Ho-Enn?“, las Gladi vor, unsicher, wie sie den Namen aussprechen sollte. Sie entschloss sich dazu, ihn einfach zu buchstabieren.

    „Das klingt ja fast wie ein Wort aus einer ganz anderen Sprache“, stellte das Reshiram fest. „Und wie kommt man von hier nach Einall? Wir müssen doch unbedingt dorthin zurück.“


    WEIT WEG


    „Also das is' ja ganz was Neues.“ Gladi rollte mit den Augen. „Gibts 'nen Weg oder nich'?“

    „Und bitte keine Flugmaschinen“, murmelte ihr Freund.


    FINDET DEN

    WUNDERSAMEN ORT


    Ein wundersamer Ort? Das klang nicht gerade spezifisch. Dieser Titel konnte auf so vieles zutreffen, was sie bereits gesehen hatten.

    „Wie finden wir diesen Ort?“, hakte das Reshiram nach. „Und von dort aus können wir dann nach Einall?“


    DIE WÄCHTER ÖFFNEN

    DIE RÄTSELHAFTE HÖHLE

    BRUDER UND SCHWESTER


    „Wie heißen die Wächter, und wo sind sie?“ Es musste so viele Informationen wie möglich erhalten, bevor der Kontakt noch einmal abbrach. Gerade hatte es eine heiße Spur gefunden, nun war es wichtig, ihr auch zu folgen.

    Auch Gladi hatte das selbstverständlich bemerkt. „Was machst du da, 'n Verhör?“


    LATIAS

    LATIOS

    IM SÜDEN


    Im Süden also. Damit war für Resharp klar, wo es als nächstes hingehen würde. „Ich frage mich, was Latias und Latios für Pokémon sind. Sie klingen jedenfalls nach sehr geheimnisvollen Wesen. Bestimmt sind sie legendär.“

    „Na, dann isses ja kein Problem“, grinste Gladi. „Legendär können wir.“

    „Aber nur, wenn unser Glück so bleibt wie bisher“, ergänzte ihr Freund.


    DER SCHLAF RUFT NACH MIR


    War dies das Zeichen, dass Jirachi nun nicht länger mit ihnen reden konnte? „Das ist schade“, sagte Resharp etwas enttäuscht. „Ich hätte gern noch ein bisschen was über dich erfahren, Jirachi. Zum Beispiel, wie du eigentlich aussiehst.“

    Kaum hatte es fertig gesprochen, da ging ein schwacher Pulsschlag durch das violette Glühen des Kristalls. Das Licht, das in einem Moment noch Wörter geformt hatte, floss wie Wasser an der Steinbank hoch und sammelte sich unter der metallenen Halterung, wo es sich zu einer Kugel formte. Die verschiedenfarbigen Teile des Leuchtens spalteten sich auf und veränderten die Gestalt zu einem silbernen Wesen, etwas kleiner als der Kristall, das einen großen, goldenen Stern als Kopfschmuck trug. Ebenso goldene Tücher hingen von seinem kleinen Körper weg, und an den abgerundeten Zacken des Sterns waren drei kleine Bänder befestigt. Das Aussehen Jirachis ließ sich gut und gerne als lebendig gewordene Sternschnuppe beschreiben. So saß der kleine Lichtgeist da und lächelte Gladi und Resharp freundlich an. Erstaunt, aber glücklich lächelten sie zurück.

    „Danke“, hauchte das Drachen-Pokémon schnell. Als Antwort und gleichzeitig auch zum Abschied hob Jirachi einen Arm und winkte ihnen noch einmal zu, bevor das Licht ein letztes Mal langsam verblasste. Als nichts mehr von dem leuchtenden Abbild zu sehen war, wurde auch sein Kristall in Dunkelheit gehüllt, obwohl der Vollmond ihn nach wie vor beschien.

    Die beiden Freunde beschlossen nun in stiller Übereinkunft, das schlafende Pokémon nicht länger zu stören, und machten es sich in einer der anderen Ruinen gemütlich, um den Rest dieser Nacht ebenfalls zum Ausruhen zu nutzen. Sie sprachen noch eine Weile über diese Begegnung und auch die vorangegangene mit Xerneas, doch schließlich konnte auch die lebensspendende Magie dieses Legendären Pokémon sie nicht länger wach halten, und so fielen beiden dann doch die Augen zu.




    Highlights: Vanchningth , Shining Lucario , Luxuria , Lynneth Bucherstede

    Gladiantri..107626-81915eb0.png..Reshiram (schillernd)

    „In dir fließt mein Blut, Kind. In dir lodert meine Flamme. Dennoch sei gewarnt, denn du bist nicht Reshiram. Meine Bestimmung ist es, eine Welt der Wirklichkeit zu schaffen. Deine Aufgabe soll eine andere sein, dein Weg von dir selbst gewählt.“

  • Ja, es kommt schnell vor, dass man das Interesse verliert, aber schön mal wieder was von dir zu hören.

    Die Unterhaltung am Anfang erinnerte mich an diese eine Diskussion, indem ich erwähnte, dass die Kathegorisierung von Legis ziemlich inkonsistent ist.

    Das Gespräch mit Jirachi fand ich etwas zu lang und etwas zu offensichtlich. Hätte man es etwas gekürzt, wäre ein nettes kleines Rätsel daraus geworden.