sprachlos





  • Hallo.


    Freut mich, dass ihr euch in dieses Thema verirrt habt. Als ich dieses eröffnet habe, kannte man mich noch als Clipsi (bzw. Eclipse), doch schon seit langem haftet mir nun der Name Narime an, deshalb stelle ich mich jetzt auch so vor: jahallo, ich bin die Narime. Manche nennen mich auch Lisa, aber das ist eher die Ausnahme.


    Wieder zurück zum Thema: mein erstes Gedicht habe ich hier 2011 veröffentlicht. Damals™ war ich 16 und hatte keine Ahnung, wohin es in meinem Leben noch gehen sollte, ganz zu schweigen, dass ich jemals lernen sollte, wie man ein Gedicht wirklich schreibt (weil, was lernt man denn schon in der Schule...) - und selbst für mich überraschend kam dann anderthalb Jahre später die Entscheidung, Germanistik zu studieren. Na gut, eigentlich ist es Deutsch auf Lehramt. Aber in dem Kontext klingt Germanistik viel besser.
    Und jetzt bin ich wieder hier. Oder noch immer. Seit bald zwei Jahrzehnten des Schreibens mächtig, aber immer noch nicht genug geschrieben. Aber wer kann das auch von sich behaupten? Keine Ahnung, ob sich in diesem Thema in den letzten Jahren eine Entwicklung meiner Fähigkeiten feststellen lässt. Würde mich ja persönlich schon interessieren.


    Hm, noch etwas, bevor ihr beginnt, drauf los zu lesen... irgendwie sollte ich meine Werke charakterisieren. Ich bin kein Mensch vieler Worte, und doch viele Worte habe ich schon geschrieben. Meinen Stil könnte man als prägnant bezeichnen, vielleicht etwas eigen. Dementsprechend kurz sind meine Werke. Aber am besten verschafft ihr euch selbst ein Bild!


    Auf Wiederlesen und bis bald!





    « All I really want is something beautiful to say
    To never fade away
    I wanna live forever »
    - Words as Weapons by Seether

    « Ich bin kein Baum.
    Ein Baum hat immer einen Standpunkt.
    Ein Mensch kann sich bewegen. »
    - Hans Magnus Enzensberger

    « Daß etwas schwer ist,
    muß ein Grund mehr sein, es zu tun. »
    - Rainer Maria Rilke






  • Kurzgedichtesammlung








  • zuhause


    Gattung: freie Poesie


    zuhause ist nicht
    wo man geboren wurde
    und auch nicht
    wo alles wie gewohnt
    nicht unbedingt
    bei der eigenen familie
    und erst recht nicht
    wo man sich unvollständig fühlt
    und immer etwas fehlt


    zuhause ist
    es warm und kuschelig
    wo man geliebt
    und wo gelebt wird
    es ist dort
    wo man gerne ist
    man sich darauf freut
    und etwas
    nach dem man sich sehnen kann
    der ort
    zu dem alle lebenswege führen


    zuhause ist
    bei den menschen
    die es dazu machen
    manchmal ein kleiner fleck
    oder ein ganzes land
    das man ganz einfach
    mit "daheim" betiteln kann


    und wenn ich sage
    "Ich geh heim!"
    mein ich nicht immer
    aber oft


    Wien. ♥



    Das Element Weihnachten


    Gattung: freie Poesie


    Feuer


    In jedem Hause,
    In jeder Straße
    Brennen hunderte Kerzen.


    Erhellen jeden Raum,
    Spenden wohlige Wärme
    Und leuchten sich in jedes Herz.


    Wasser


    In jedem Dorfe,
    In jeder Straße
    Erstarren hunderte Regentropfen.


    Tanzen als Schneeflocken,
    Bringen uns Freude
    Und funkeln in jedem Auge.


    Erde


    In jedem Walde,
    In jeder Straße
    Stehen hunderte Bäume.


    Wachen über Weihnachtsmärkte,
    Imponieren den Menschen
    Und beobachten jede Gestalt.


    Luft


    In jedem Lande,
    In jeder Straße
    Wehen hunderte Böen.


    Machen unseren Atem sichtbar,
    Verteilen den Keksduft
    Und wecken jeden Hunger.


    Weihnachten


    In der ganzen Welt,
    In jeder Familie
    Leuchten hunderte Augen.


    Erfreuen sich am Leben,
    Träumen vom Glück
    Und lieben jeden Moment.



  • Huhu!


    Ich dachte mir, ich kommentiere mal (wieder) hier. Ich hatte schon viel viel ehr vor, hier wieder was in zu schreiben, doch ich bin echt nie dazu gekommen, keine Ahnung wieso. Jetzt mach ich es dann doch endlich mal, immerhin freut es dich doch sicherlich, ein kleines Feedback zu deinen Gedichten zu bekommen, nicht wahr? Immerhin hast du ja auch geschrieben, dass es dich mal freuen würde, von jemandem der nicht Cyndaquil heisst einen Kommentar zu bekommen. Aber gut, wie auch immer. Ich will einfach mal ein bisschen was zu deinem Wichtelgeschenk schreiben, da mich dieses mehr anspricht als das andere. Ausserdem kann ich dazu auch viel mehr sagen.


    Feuer


    In jedem Hause,
    In jeder Straße
    Brennen hunderte Kerzen.


    Find ich ganz schön. Hier beschreibst du das Licht, welches sich besonders jetzt zur Weihnachtszeit in Hülle und Fülle zu sehen ist – damit meine ich jetzt Kerzen. Denn in den Wintermonaten mag man es ja, abends zusammen mit der Familie im Kerzenschein sich zu erholen. Was mir hier nicht so gut gefällt, das ist die Mengenangabe. Ich meine, es klingt ein wenig so, als würden in jedem Haus hunderte von Kerzen brennen und man merkt eben nicht, dass es allgemein gemeint ist. Das finde ich hier dran jetzt nicht so schön, aber okay, man weiß schließlich was gemeint ist. Gemeint ist einfach, dass viele Kerzen brennen. Vielleicht hättest du es auch so umschreiben können und hättest eben nicht hunderte geschrieben. Aber okay, man kann es so und so machen, also finde ich es hier im Grunde vollkommen okay.


    Erhellen jeden Raum,
    Spenden wohlige Wärme
    Und leuchten sich in jedes Herz.


    Diese Strophe von dem Gedicht mag ich dann schon eher. Hier beschreibst du ganz schön, das, was die Kerzen abgeben bzw. was sie „bewirken“. Erhellen jeden Raum – kann man so sagen, jedoch sollte man dann doch bedenken, dass es so ist, dass Kerzen an sich nur wenig Licht abgeben aber dennoch etwas. Früher, vor mehreren Hundert Jahren hatte man ja echt nur Kerzen, die einem Licht spendeten. Heute ist das ja anders. Wie auch immer, du weißt schon, was ich damit meine. Dass sie den Raum erhellen stimmt, dennoch kann man nicht sagen, dass sie den Raum komplett hell machen, wie zum Beispiel Lampen. Spenden Wärme – bedingt würde ich ja sagen. Kerzen spenden natürlich Wärme, immerhin ist es ja Feuer. Aber die Flamme ist ja nur minimal, daher würde ich sagen, ja, es passt, aber das Wort „wohlig“ passt meiner Meinung nach nicht so gut. Letzten Vers finde ich sehr gut, denn ich würde mal sagen, denn jeder findet den Anblick von Kerzen doch schön, also passt deine Umschreibung in diesem Fall wirklich sehr gut, finde ich.



    Wasser

    In jedem Dorfe,
    In jeder Straße
    Erstarren hunderte Regentropfen.


    Hier erkenne ich was vom Ersten Gedicht wieder. Auch hier sind wieder zwei Ortsbeschreibungen zu sehen, was ich ganz gut finde. So ist es, dass die Gedichte alle irgendwie zusammen passen, wegen dieses Merkmals, was ja auch in den weiteren Gedichten vorhanden ist. Ich finde es wirklich gut, dass du so was erwähnst, denn naja, so weiß man dann ja, dass sie alle zusammen gehören sollen. In dieser Strophe beschreibst du ja Regen, der zu Eis bzw. Schnee erstarrt, nicht wahr? Nun ja, da fände ich es schöner, wenn du vielleicht mehr den Regen/Schnee beschrieben hättest, aber im Grunde ist es auch okay, so wie du es gemacht hast. Denn immerhin machst du so klar, dass der Regen/Schnee überall ist. Und auch hier hast du als Mengenangabe wieder hunderte geschrieben, was ich in diesem Fall aber als durchaus passend ansehe, denn bei Schnee kann man es immerhin auch so sagen. Bzw. hast du ja geschrieben, dass der Regen zu Schneeflocke erstarrt, was ich auch gar nicht mal so schlecht finde, denn immerhin ist es ja auch so, dass das Wasser gefriert und somit zu Schnee wird.


    Tanzen als Schneeflocken,
    Bringen uns Freude
    Und funkeln in jedem Auge.


    Im ersten Vers finde ich das Wort als nicht so schön, da hätte meiner Meinung nach eher so was wie „die“ besser hin gepasst, aber okay, man kann es so und so machen. Immerhin war es ja in der Strophe zuvor so, dass du geschrieben hast, dass das Wasser der Regentropfen „erstarrt“, woraus man schließt, dass es zu Schnee wird. Von daher passt es doch passt, auch wenn ich es anders besser gefunden hätte. „Bringen uns Freude“ - eine sehr schöne Umschreibung dafür, was man wohl fühlen könnte, wenn man den Schnee vom Himmel fallen sieht. Ich meine, okay, nicht jeder mag Schnee, das ist klar, aber es gibt schon sehr viele, die sich sehr an Schnee erfreuen, besonders kleinere Kinder. Im letzten Vers greifst du noch mal auf, was genau die Schneeflocken bei den Menschen bewirken, sprich wie sie auf einen wirken. Damit meine ich soviel wie, das Funkeln ist eine Begeisterung in den Augen der Menschen zu sehen ist, was man natürlich nicht als negativ ansehen sollte. Aber gut, soviel zu diesem Teil.


    Erde


    In jedem Walde,
    In jeder Straße
    Stehen hunderte Bäume.


    Und hier sind die mal wieder, die Ortsangaben die du doch so gerne verwendest. Genau so ist es ja auch mit diesen „hunderten“, nicht wahr? Aber gut, wie auch immer. Hier finde ich es eigentlich sogar ganz gut, dass du es bei den Bäumen auch so beschreibst, denn hier finde ich, dass die Beschreibung bei diesen einfach perfekt passt. Gut, mag sein, dass das reine Geschmackssache ist, aber ich sehe es so. Naja okay, dass du immer im zweiten Vers der ersten Strophe das Wort „Straße“ verwendest mag ich jetzt nicht so wirklich gut leiden, denn irgendwie wirkt das Gedicht dadurch auch wieder eintönig, aber es soll ja ein Wiedererkennungswert oder sein. Auf jeden Fall passt in der Strophe hier meiner Meinung nach alles. Was mir gerade jetzt erst aufgefallen ist, ist, dass die Gedichte kein Reimschema haben. Nun gut, für mich ist das nicht so schlimm, wenn sich Gedichte nicht reimen, denn naja, ich mag so ziemlich alle Arten von Gedichten, für mich spielt es keine Rolle, ob ein Reim drin ist oder nicht. Wichtig finde ich nur, dass es einen tieferen Sinn hat und somit ganz besonders und einzigartig wird.


    Wachen über Weihnachtsmärkte,
    Imponieren den Menschen
    Und beobachten jede Gestalt.


    Hier beschreibst du dann die „Funktion“ der Bäume, genauer – wo sie stehen, wie sie auf die Menschen wirken. Das Wort „wachen“ gefällt mir in diesem Fall wirklich sehr gut. Es ist nicht so eintönig umschrieben, sondern mal ganz anders. Man hat die Bäume sozusagen personifiziert. Denn wachen ist ja eine Menschliche Eigenschaft die man nur auf den Baum überträgt. Aber gut, ich finde, das Wort, für das du dich hier entschieden hast, das passt eindeutig. Den Zweiten Vers mag ich wiederum nicht sonderlich leiden, denn das Wort imponieren passt hier so gar nicht hin, finde ich. Erstmal wissen viele Leute bestimmt nicht, was so was heißen soll, weil es ja ein Fremdwort ist. Ich meine okay, ich weiß es, aber es gibt sicherlich viele, die es nicht wissen. Außerdem passt es einfach nicht zu deinem Schreibstil in den restlichen Versen. Die meiste Zeit hast du einen sehr gewählten Schreibstil und hier, naja, dann kommt so was. Ich meine, schlecht ist es nicht, nur ich finde es nicht sonderlich passend. Ein anderes Synonym hätte meiner Meinung nach deutlich besser gepasst. Den letzten Vers mag ich eigentlich aus dem gleichen Grund wie den ersten Vers dieser Strophe sehr. Auch hier finde ich, dass die Personalisierung perfekt passt, deswegen gibt es hierzu eigentlich nichts weiteres zu sagen.


    Luft


    In jedem Lande,
    In jeder Straße
    Wehen hunderte Böen.


    Ortsbeschreibungen – ist ja mittlerweile Klar. Dazu muss ich nun wirklich nicht mehr ausgesprochen viel sagen. Hier finde ich diese ganz passend, nur die Mengenabgabe von „hunderte“ passt dann doch nicht so besonders, wie ich finde. Aber gut, immer hin ist es ja so, dass man Windböen nicht unbedingt zählen kann und nun ja, deswegen finde ich es nicht so passend. Auch wenn es sich vielleicht schöner anhört, wenn die Strophen den gleichen Grundaufbau haben, finde ich, dass man schon etwas darauf achten sollte, wie sehr die Strophen doch zueinander passen vom äußerlichen passt es ja perfekt – nur der Inhalt ist manchmal nicht so gut, im Bezug auf die vorigen Strophen, meine ich natürlich. Weiteres brauch hier hierzu nicht zu sagen.


    Machen unseren Atem sichtbar,
    Verteilen den Keksduft
    Und wecken jeden Hunger.


    Diese Strophe finde ich einfach nur genial! Im ersten Vers beschreibst du sehr schön, was kalte Luft macht – jedoch hast du vorher von Böen geredet und naja, jetzt kommt du mit der Temperatur in der Luft, wasich nicht so toll finde, denn hier fehlt eindeutig der Zusammenhang oder es ist vielleicht auch nur ein kleiner Denkfehler, kann ja beides sein. Im zweiten Vers passt es wieder perfekt zu den Böen, die du dort beschrieben hast. Denn genau solche windigen Böen verteilen den „Keksduft“ - doch naja, Keksduft ist ja die meiste Zeit in den Häusern und nicht draußen, und innen ist es ja oft nicht windig, deswegen finde ich es nicht ganz so passend (es würde nur passen, wenn man zum Beispiel ein Fenster offen hätte, lol). Letzter Vers passt super im Bezug auf den zuvorigen Vers, denn, wenn man mal bedenkt – man richten den Keksduft und bekommt dann ja Hunger auf Kekse, ist ja verständlich. Find ich auf jedem Fall einen guten Abschluss für das Gedicht.

    Weihnachten


    In der ganzen Welt,
    In jeder Familie
    Leuchten hunderte Augen.


    Letztes Gedicht – super Anfang. Hier beschreibst du wunderbar, worum es eigentlich an Weihnachten geht. Es geht nicht um die Geschenke, sondern darum, dass man mit der Familie zusammen ist und eine schöne Zeit hat. Das machst du hier in den ersten beiden Versen auch sehr schön deutlich. Im Dritten Vers spielst du wahrscheinlich auf die Kinder an, die sich jedes und jedes Jahr so sehr auf die Geschenke die es an Weihnachten gibt freuen – ist ja immerhin was ganz schönes. Aber im Grunde ist dir die Strophe wirklich gut gelungen. In der Ganzen Welt – macht deutlich, dass sehr viele Menschen auf der Ganzen Welt das Weihnachtsfest feiern und nun ja, ich finde, das passt da wirklich wunderbar. In jeder Familie – hier passt jeder nicht so ganz, denn man muss bedenken, dass es auch Leute gibt, die nicht Weihnachten feiern, also hätte ich da eher „in vielen“ oder so geschrieben, passt aber trotzdem vom Sinn her. Zum letzten Vers hab ich ja schon was gesagt.


    Erfreuen sich am Leben,
    Träumen vom Glück
    Und lieben jeden Moment.


    Wunderbare Strophe. Doch erfreuen sich am Leben? Passt meiner Meinung nach zwar schon, doch irgendwie passt es auch wiederum nicht so ganz zu Weihnachten. Ist zwar ein wenig blöde erklärt, aber ich bin schlecht darin, so was zu erklären. Was ich damit genau meine ist, dass man sich zwar auch am Leben erfreuen sollte, das jedoch nicht nur an Weihnachten, sondern immer und jeder Zeit, denn das Leben ist wirklich sehr wertvoll. Genau so ist es bei dem Vers danach - „Träumen von Glück“ - passt ja wunderbar zur Weihnachtszeit, man sollte jedoch immer an so was denken, denn man braucht ja nicht nur an Weihnachten von bestimmten Sachen träumen, sondern immer und überall. Und lieben jeden Moment – passt herrlich zur Weihnachtszeit, finde ich. Ich kann nicht sagen, wieso genau, aber ich finde es sehr passend.


    Im Großen Und Ganzen fand ich das Gedicht wirklich super, auch wenn es ein bisschen zu kritisieren gab. Aber gut, das war ja nun wirklich nicht viel.


    Ich wünsche dir noch eine schöne Weihnachtszeit!


    Liebe Grüße, Raiu.


  • Die Nibelungensage


    oder wie Siegfried zu seinem ersten Dragoran kam


    Schon seit Jahrtausenden erzählt man sich eine Geschichte, die wohl jedes Kind kennt: wie der junge Siegfried von Xanten unbesiegbar wurde. Doch die Omas und Opas wussten immer, dass es lediglich ein Märchen war. Denn niemand konnte wissen, dass Siegfried tatsächlich existierte, zwar nicht in unserer, aber in einer Parallelwelt. In der Welt der Pokémon, da ereignete sich folgende Geschichte, die für uns nur eine alte Sage ist:


    Es war einmal ein junger Königssohn namens Siegfried, der aus seinem Königreich Xanten in die weite Welt stolzierte, um diese kennenzulernen. Schon bald traf er auf einen Schmied namens Mime, bei dem er in die Lehre ging und ein vorbildlicher Schüler war. So vorbildlich, dass seine Kollegen mehr als nur neidisch wurden, gar böse überlegten sie sich, wie sie den Störefried Siegfried für immer loswerden könnten. Als eines Tages das Feuerholz ausging, setzten sie ihren Plan in die Tat um: die Schmiedegesellen schickten Siegfried, der naiv und ahnungslos war, nicht in Richtung Wald, sondern in ein Tal, das von einem grausamen Dragoran bewacht wurde.


    Da Omas und Opas nicht wissen, was ein Dragoran ist, beschreiben sie es immer als Drachen, was dem Tier schon ziemlich nahe kommt. Und, wie es bei Sagen fast unvermeidbar ist, wird sie jedes Mal ein bisschen anders erzählt. Einig sind sich dabei alle, dass Siegfried den Drachen besiegt hat und somit unbesiegbar wurde, aber wie und was danach geschah, da spalten sich die Meinungen. Einige sagen, der Prinz habe den Drachen mit bloßen Händen erlegt und in seinem Blut gebadet, andere behaupten, der Drache sei an seinem eigenen Feuer eingegangen und Siegfried tauchte in sein Fett. Ich meine behaupten zu können, dass das alles Schwachsinn ist, denn nicht immer muss der Drache sterben.


    Siegfried begab sich also Richtung Tal, verwundert darüber, dass er weit und breit keinen einzigen Baum sah. Am Taleingang traf er auf zwei Männer, die sich lautstark um einen Haufen Gold stritten. Was die drei besprachen, kann man nachvollziehen, aber man wird wohl nie den genauen Wortlaut rekonstruieren können; aber man erzählt sich, dass sie den jungen Siegfried baten, den Schatz gerecht aufzuteilen und ihm dafür ein Schwert namens Balmung schenkten. Vielleicht ein Wink des Schicksals, aber fast wäre Siegfried schon an den beiden alten Nibelungenkönigen gescheitert, wäre ihm nicht das Schwert zu Hilfe gekommen. Siegfried besiegte die habgierigen Männer und kam so in den Besitz des Schatzes der Nibelungen. Aber auch das ist nicht ganz sicher. Womit gleich eine zweite Geschichte erzählt wäre, aber uns interessiert ja nicht der Schatz, sondern das Dragoran.


    Der junge Mann ging weiter ins Tal hinein, sein blitzendes und blutdurchtränktes Schwert Balmung angriffsbereit erhoben, denn mittlerweile zweifelte er an der Existenz des Waldes. Und sein Schein trog ihn nicht, sobald er eine Weile das Tal entlang gegangen war, hörte er ein Brüllen und spürte einen heißen Windhauch im Rücken. Siegfried zögerte nicht lange und wandte sich seinem Gegner zu, doch als er das Dragoran sah, staunte er nicht schlecht. Es war grün und schimmerte im Schein der Sonne, als es sich vor unserem Helden niederließ.
    „Mein Name ist Fafnir. Das ist MEIN Tal. Was suchst du hier?“ Nüchtern antwortete der Schmiedelehrling: „Feuerholz.“ Verdutzt sah Fafnir den Mann an.
    „Da bist du hier falsch.“ Siegfried verdrehte die Augen, immerhin war jetzt der ganze weite Weg umsonst. Und Mime würde auch sauer sein, wenn er das Holz nicht mitbringen könnte.


    „Nichtdestotrotz bist du in meinem Tal, und jeder, der hier war, ist bis jetzt durch meine Klauen gestorben. Ich werde bei dir keine Ausnahme machen.“ Zornig ging das Dragoran auf Siegfried los, der sich sogleich hinter einem Felsen versteckte und auf den richtigen Moment wartete. Als der Drache ausholte, um dem Prinzen zu schnappen, kam Balmung seinem Herren ein weiteres Mal zur Hilfe und bohrte sich in des Tieres rechtes Vorderbein. Schmerzerfüllt schrie das Untier auf und kugelte sich schluchzend auf dem Boden zusammen, seine Wunde leckend.
    „Das ist nicht fair, du hast das Schwert!“ Böse funkelte das Pokémon Siegfried an. Dem jedoch tat das Dragoran leid und er überlegte, wie er ihm helfen konnte. Dann kam ihm eine Idee: er holte ein paar der seidenen Tücher aus dem Schatz und verband die verletzte Vorderpfote des Drachen. Fafnir war so gerührt von Siegfrieds Hingabe, dass er fortan dessen Gefährte wurde.


    Wohin es Siegfried und seinen Drachen verschlagen hat, das können wir heute nur erahnen, aber wir wissen, dass es den beiden wohl sehr gut ergangen ist, immerhin waren sie im Besitz des legendären Schatzes der Nibelungen. Dass Siegfried heiratete und an den Hof der Burgunden zog, kann man aber beruhigt ins Reich der Märchen verbannen. Niemals hätte er seinen Fafnir für eine Frau verlassen. Ihr fragt euch sicher, inwiefern Siegfried denn nun unbesiegbar war, nicht wahr? Mit diesem Dragoran begann Siegfried, Drachen zu lieben und scharte diese um sich, was ihn sehr mächtig und stark werden ließ. Richtig unverwundbar, wie im Nibelungenlied, das wurde er nicht, aber so klingt es einfach spannender, meint ihr nicht?




  • Hallöle Narime, :)  
    Nach dem erfolgreichen Einscannen eines Artikels aus der Zeitschrift „Chemical Engineering Progress“ kümmere ich mich mal um dein neuestes Werk. *internetfähiges Smartphone und etwas Zeit in der Mittagspause macht's möglich. ^^*


    Die Nibelungensage

    Das ist wirklich so schade, dass diese Abgabe nicht an dem zweiten Special teilgenommen hat, denn ich persönlich finde sie absolut gelungen. Aber der Reihe nach, ein paar Kleinigkeiten sind oben im Spoiler, die sind mir so aufgefallen, aber ansonsten ist der Text fehlerfrei und ich mag deinen Stil hier.
    Mir gefällt, wie du die Nibelungensage aufbereitet und in die Welt der Pokémon gesetzt hast, das ist dir meiner Meinung nach durchweg gelungen. Hast du dafür Nachforschungen betrieben oder warst du bereits so gut informiert, was die Sage betraf? Ich persönlich kenn das nur bruchstückhaft.
    Jedenfalls ist die Parallele mit Siegfried dem Champ der PokéLiga in Kanto natürlich gelungen und ich könnte mir das gut als Familiengeschichte vorstellen, denn bestimmt gab es in der Vergangenheit schon Siegfrieds.
    Die Sage ist durchweg sinnig – ich beziehe mich mal nur auf die Erzählung, die kursiven Stellen kommen später dran – und ich mochte auch das Tempo soweit sehr gut, nur gegen Ende empfand ich es als bisschen zu schnell. Das war immerhin eine bedeutendere Begegnung als die mit den Nibelungenkönigen und da hatte ich irgendwie mehr Spannungsaufbau und Beschreibungen erwartet. Am Anfang hattest du ein schönes Erzähltempo, was du auch durchweg gut gehalten hast, weil es ja eine Sage ist, waren Umgebungen weniger wichtig und es wurde sich mehr auf die Handlung konzentriert. Das war auch gut so, aber mir persönlich ist als Fafnir auftauchte eine Art Bruch in der Geschwindigkeit aufgefallen, es ging noch einen Tick schneller. Aber gut, die Wörter waren ja mit 1,5k beschränkt, daran könnte es liegen.
    Was du immer wieder passend eingestreut hast, waren diese kursiven Stellen, wo der Erzähler die Leser direkt angesprochen hat, was nicht nur einiges erklärt hat was die ursprüngliche Nibelungensage betrifft sondern auch ein paar Dinge aus der Vergangenheit bzw. am Ende sprichst du ja von der Zukunft. Das ist einfach so genial, ganz ehrlich, wie man als Leser sich fühlt, als bekäme man das gerade erzählt und es werden ein paar Dinge aufgeklärt, gerade am Ende, dass Siegfried gar nicht geheiratet hat – was allerdings meine These bzgl. des Vorfahren von Siegfried an sich widerlegt … - sondern sich mit starken Drachen umgeben hat und er deshalb als unverwundbar galt. Schön, wie du mit einer Frage an die Leser die Geschichte beendest, man fühlte sich ja ohnehin schon sehr stark einbezogen, aber das machte es sogar noch näher. ^^ Ja, ich bin von dem Ganzen so begeistert, dass mir kaum etwas einfällt …


    Sou, damit bin ich auch schon fertig für's erste. Ich bin schon auf weitere Werke gespannt.
    ~ Squeek-san Feurigel


  • Sova


    Oder: Die kurze Geschichte eines verlassenen Mädchens


    Gattung: Prosa - Kurzgeschichte


    Hopp, Sova. Hopp. Mach schon, hopp. Beeil dich, hopp. So schaffst du es nicht, Sova.


    Keuchend kletterte das Mädchen die hohen Stufen hinauf, dorthin, wo die Eulen auf sie warten würden. Dort, wo sie bei ihren Schwestern wäre, oben, am Rande des Himmels. In die Lüfte schwingen würde sie sich, mit ihnen fliegen und leben.


    Doch das Leben, in dem sie noch gefangen war, das quälte die erschöpfte Sova. Steine legte es ihr in den Weg, wo es nur konnte; von allen guten Geistern verlassen, stolperte sie von einem Glück im Unglück und ihr Verderben, als in ihrer Heimat die Revolution ausbrach. Ihr blieb nichts anderes, als mit den Massen an Unbekannten und Fremden um sich herum eine lange, beschwerliche Reise anzutreten. Weg von dem Ort, an dem ihr Herz schlummerte, weg von dort, wo die Eulenschwestern hausten.


    Doch Sova ließ sich nicht ein weiteres Mal verletzen, und so flüchtete sie aus ihrem Exil, allein, auf demselben Landweg, der sie auch an diesen heimatlosen Ort gebracht hatte. Er war gezeichnet durch die Kämpfe, die hier vor und nach ihrem Passieren gewütet hatten, verwüstet durch die Urkräfte des Krieges und die grausamen Mordwerkzeuge ihrer Sippe. Sova verunglimpfte ihre Art, ihr Volk und sie selbst, da sie alle gemeinsam Schuld hieran waren. Sie würde ebenso ihr Mutter und ihre Brüder verleumden und hassen, wenn diese nicht sowieso schon durch ihre Klauen gestorben wären. Voller Wut hatte das Mädchen seine Familie zerstört, als es vom Tod des eigenen Vaters erfuhr, voller Hass brachte sie die Menschen um, die ihn verraten hatten.


    Sovas Vater war besonders gewesen, gejagt und gefürchtet, aber dennoch menschlicher als jeder andere, dem Sova bis jetzt in ihrem jungen Leben begegnet war. Er war wie sie, lebte mit den Eulen, liebte sie und flog mit ihnen. Fast nie bekam seine einzige Tochter ihn zu Gesicht, aber wenn, dann war er allein für sie da. Erklärte ihr, warum sie beide die Nacht so liebten und von Gemüse niemals satt würden; warum er immer weg war und Sova hier alleine ließ und wieso er dennoch immer wieder zurückkam.


    „Weil du hier bist, kleine Sova, und du noch nicht flügge werden kannst.“


    Dann kuschelte er sich ganz fest an sie. Beim Gedanken daran vergaß Sova alles um sich herum, ging träge auf dem Weg entlang. Weil sie noch nicht flügge werden konnte… ob er sie wohl mitgenommen hätte, wenn es eines Tages soweit und noch nicht zu spät gewesen wäre? Jeden Morgen, wenn ihr Vater wieder fort war, erwachte sie mit einem traurigen Gefühl und dem Drang, ihm zu folgen. Manchmal dauerte es Monate, bevor Sova ihn wieder zu Gesicht bekam.


    Und beim letzten Mal ging dann alles viel zu schnell. Vorboten der Revolution kündigten sich an, indem sie gerufen wurden, ihrer Arbeit nachgingen (was im Übrigen das Schaffen von Leid war) und ebenso rasch und ungesehen wieder verschwanden. Aber Sova hatte sie gesehen, Männer in schwarzen Mänteln, die nach ihrem Vater suchten, unter dem Tatbestand „Beihilfe zur Flucht“. Überall fahndeten sie nach ihm, Sova hatte er bei ihrem letzten Treffen erzählt, dass dies passieren würde. Dass man ihn verdamme würde, obwohl er Gutes tat. Er meinte, er würde den Eulen und Schwalben und Krähen wieder den Himmel geben, Wind unter ihren Flügeln entfachen, damit sie frei sein können.


    Aber Mutter hatte ihn verraten. Sie war ganz anders als er, verärgert und auch sonst ein sehr zorniger Mensch, sie beschwerte sich Tagein und Tagaus darüber, wie schwer sie es nicht allein mit den Kindern hätte, von der Absenz ihres Gatten gar nicht zu sprechen. Daraus entwickelte sich ihr Hass, und weil Sova das Ebenbild ihres Vaters in ihren Augen war, hatte sie keine leichte Kindheit. So war knapp über ein Dutzend Jahre alt, als sich dann die Ereignisse überschlugen – als das junge Mädchen von dem Verrat erfuhr, vom Tod ihres Vaters und auf einmal die Gefühle brodelten, blieb für sie nur eine Lösung: Mutter und ihre anhängliche Brut, ihre so genannten Brüder, die mussten für ihr Handeln bezahlen. Mit bloßen Händen und der Hilfe ihrer Eulenschwestern übte Sova Rache, bittersüß und so befriedigend, wie es nur Vaters Umarmungen hatten sein können.


    Doch auch Rache brachte ihren Vater nicht zurück in ihr Leben. Von nun an lebte sie einsam vor sich hin, immerzu auf der Flucht - insofern konnte sie über den Machtwechsel während der Revolution nur erfreut sein. Ihre Welt drehte sich ein weiteres Mal, stand nun weder auf Füßen noch auf dem Kopf. Sova fühlte sich einfach nur noch verloren, zwischen Zeit und Raum und massig anderen Menschen, die ihre Orientierung gerade wieder gefunden hatten. Wobei es dem Mädchen überhaupt nicht um die geographische Orientierung ging, denn sie hatte stets versucht, ihr Zuhause nicht zu vergessen. Das Zuhause, dass sie verloren hatte und sich wiederholen würde.


    Nicht mehr lange, Sova. Hopp. Da ist schon der Berg. Hopp. Erklimm seine erste Stufe. Hopp, hopp… wir können nicht ewig warten. Beeil dich doch, hopp!


    „Ich komme schon! Ich komme, Papa, bitte, warte!“


    Stufe um Stufe stieg sie dem Mond der Nacht entgegen, der auf der Spitze mit ihren Eulenschwestern und ihrem Vater wartete. Zweig um Zweig ergriff sie, hangelte sich über Klippen, rieb sich die Handflächen wund und zerriss ihre Gewänder. Mögen sie doch auf sie, Sova, warten, mögen sie doch erst mit ihr fliegen…


    Sova griff nach dem nächsten Vorsprung, langte aber ins Leere und bekam einen moosigen, feuchten Grund zu spüren. Die Luft war getränkt von Feuchtigkeit und einem Geruch, der sie an einen Friedhof erinnerte, aber ihr gleichzeitig das wohlige Gefühl des Nachhause-kommens vermittelte. Mühevoll hievte sie ihren abgemagerten Körper trotz seines gerngen Gewichts hoch. Ihre Kräfte waren am Ende. Schlapp blickte die Heimkehrende nach vorne, den Kopf leicht hängen lassend.


    „Ich bin da, Papa. Wo sind meine Schwestern?“


    Nirgends ertönte auch nur eine Eulenstimme, kein Flügelflattern drang bis zu Sovas Ohren durch. Ein weiteres Mal war sie allein. Sie ging auf das Grab ihres Vaters zu und kniete sich nieder, mit Tränen in den Augen.


    „Brr. Brrt“, gurrte es hinter den Grabstein hervor.


    Ein kleines Küken war zurückgelassen worden. Reine, grausame Willkür oder Schicksal? Langsam hüpfte es auf Sova zu und schmiegte sich an die herabhängenden Hände des Mädchens. Er war warm und seine Daunen flauschiger als jedes Kissen, auf dem Sova je geschlafen hatte. Da vernahm sie das Flattern, das ihr bis jetzt entgangen war – die letzte Eule trat seine Reise an, sozusagen als Zeuge dieses unwirklichen Moments.


    „Warte! Wir fliegen mit dir!“, schrie Sova ihrer Eulenschwester hinterher, welch jedoch keine Anstalten machte, wider umzukehren. Ob das Kleine überhaupt fliegen kann? Normalerweise müssten nun schon alle Jungen dazu bereit sein und das sprach auch dafür, dass dieses als einziges zurückgeblieben war.


    „Brüderchen, wir müssen es versuchen.“


    Sova war fest entschlossen, das Erbe ihres Vaters anzutreten und mit ihren Eulenschwestern zu fliegen. Vielleicht lag es in ihrer Bestimmung, auch dieses Küken seiner Familie zurückzugeben, vielleicht, sagte sie sich, gehört das ja alles zu ihrer Aufgabe.Das kleine Ding folgte ihr zu der Klippe am Ende des Plateaus, hinter dem sich das geheime Land verbarg. Jenes Land, das noch kaum ein Mensch je gesehen, geschweige denn betreten hatte. Es würde Sovas neue Heimat sein, bei ihrer Familie. Das Küken flatterte auf ihre Schulter. Ob das zum Fliegen reichte?


    „Wartet auf mich!“, erklang ein weiteres Mal die Stimme des Mädchens, bevor sie dem Abgrund entgegensprang. Sie flog, gemeinsam mit dem Küken und der Eule, die vorher verschwunden war. Mit ihren Eulenschwestern.


    Das war das Erbe Sovas – die Geschichte, wie sie selbstlos einem Küken das Fliegen lehrte.



  • Hallöle, Narime. ^^


    Sou, da bin ich wieder. Neues Update, neuer Kommi. (:


    Sova
    Der Name gefällt mir jedenfalls sehr. Sova hat einen schönen Klang, fremd, aber doch sehr weich und angenehm. Du hast ja einen alternativen Titel hier, der etwas die Spannung und den Inhalt vorweg nimmt. Zuerst weiß man nicht, wer oder was Sova ist. Zwar denke ich mir, dass es ein weiblicher Name ist, aber sicher ist’s ja zuerst nicht. Der alternative Titel gibt Sova ein Gesicht: ein verlassenes Mädchen. Und es ist eine kurze Geschichte, was auf die Länge und somit auf den Inhalt hindeutet, weil du ja in eine kurze Geschichte nicht so viel wirst reinpacken können. Also wird sich dieser Text wohl auf einen bestimmten Ausschnitt im Leben von Sova konzentrieren. Ich bin sehr gespannt, was du dir ausgedacht hast und werde deshalb einfach mal anfangen zu lesen. (:  


    Starke Geschichte. Unglaublich poetisch, einfach herrlich. Bevor ich auf den Inhalt näher eingehe, möchte ich zuvor noch etwas zu deinem Schreibstil hier sagen. Ich hab bisher schon ein paar längere Werke von dir gelesen und war bisher immer überrascht, wie „einfach” dein Stil ist. Das ist nicht negativ gemeint, im Gegenteil, du schaffst es mit wenigen Worten oftmals mehr auszudrücken. Das geht zwar zulasten der Umgebung - die in einer Kurzgeschichte zwar nicht wichtig ist, aber trotzdem ab und an gut zu erwähnen - und vermittelt auch Gefühle nicht so deutlich, aber trotzdem gefällt es mir wirklich sehr. Ich kann gar nicht genau erklären, warum, aber das ist etwas sehr Besonderes, was dein Schreibstil hat. Er ist sehr leicht zu lesen, gut zu verstehen und ja, irgendwie minimalistisch. Ich mag’s total und deshalb freu ich mich auch sehr auf längere Werke von dir hier. ^^
    Jetzt aber mal zu dem Inhalt und meinen Gedanken dazu.
    Schön war der Anfang, dieses liebevolle, aber doch nachdrückliche Auffordern, dass Sova weitergehen soll. Das „Hopp” hab ich dabei aber weniger als Anrede für ein Kind gehalten, als für ein Tier, weshalb ich zuerst etwas verwirrt war. Andererseits verwendet man bei jungen Kindern, ja auch solche Wörter, deshalb war’s dann doch irgendwie klar. Zuerst war ich etwas verwirrt, in welchem „Universum” wir uns befinden, da du von Eulen gesprochen hast, dachte ich, wir wären in unserer Welt, aber als dann der Name „Johto” fiel, war mir klar, dass wir uns in der Welt der Pokémon befinden. Da ich weiß, dass du eine FF mit dem Namen „Revolution” hast, kam mir der Gedanke, dass das hier vielleicht eine kleine Sidestory ist. Nicht unbedingt wichtig für deine FF, aber etwas, was dir zu dem Universum, was du kreiert hast, eingefallen ist und das gefällt mir gut. (: Besonders, dass du hier ein Mädchen in den Mittelpunkt gestellt hast, wo ja - afaik - bei Revolution die Pokémon im Vordergrund sind. Sova möchte also mit den Eulen fliegen und ich frage mich, wie sie das anstellen will. Sie wird ja wohl keine Flügel haben und es hatte auch nicht den Anschein, als hätte sie eine Art Gleiter bei sich oder eine andere Maschine, die ihr dabei helfen könnte. Mhm … interessant.
    Sova musste also wegen der Revolution fliehen und ihre Heimat verlassen, den Ort, an dem sie sich wohlfühlte. Allgemein ist ja das Zurücklassen von der gewohnten Umgebung für eine unbestimmte Zeit schon ein derber Schlag, aber ich denke, für Kinder ist es vielleicht noch schwieriger. Jedenfalls schien Sova sehr verbunden mit dem Ort zu sein, wo die Eulenschwestern wohnten. (Was für ein schönes Wort … Eulenschwestern. <3) Sova ist ein ziemlich entschlossenes junges Mädchen, muss ich schon sagen, da hab ich sehr viel Respekt vor, dass sie sich alleine wieder auf den Weg zurück zu dem Ort macht, durch ein Land, welches gezeichnet ist von den Kämpfen und somit sicherlich nicht einladend oder gar einfach zu durchwandern. Sie hat bestimmt viel auf dem Weg durchgemacht. Interessant finde ich die deutliche Abgrenzung zwischen Menschen und Pokémon die du hier machst, deshalb war ich auch im ersten Moment unsicher, ob Sova wirklich ein Mensch ist, weil … nun ja, man selten hört, dass jemand die Menschen als „Art” oder so bezeichnet, dabei ist das eigentlich korrekt in der Form.
    Wie? Ihre Mutter und Brüder sind durch ihre Hände gestorben? Sie hat sie umgebracht? Wow, da muss sich aber viel Wut in ihr aufgestaut haben, damit sie zu so etwas fähig ist, man wendet sich eher nicht gegen die eigene Familie, es sei denn man hat wirklich sehr starke negative Gefühle. Sova war also eine Vatertochter, sie verband viel mit ihrem Vater, sie waren sich ähnlich und er nahm sich viel Zeit für sie. Das ist mit Sicherheit eine sehr schöne Beziehung, die die beiden da hatten, aber auch nicht einfach, weil er viel unterwegs war und von den anderen Menschen gejagt wurde. Etwas verwirrt hat mich, dass er mit den Eulen flog, ich versuche zu verstehen, wie er das angestellt hat. Es war für Sova sicherlich nicht einfach von ihm getrennt zu sein, denn von ihren anderen Familienmitgliedern hört man nichts gutes und da empfand sie die Zeit mit ihrem Vater bestimmt als besonders schön und wichtig. Sovas Vater war also ein guter Mensch, der den fliegenden Pokémon den Himmel zurückgab, etwas, was die anderen Menschen wohl nicht wollten. Ich kenne den Inhalt deiner FF nicht genau, aber was ich aus dieser KG herauslesen kann, ist, dass sich Menschen zuerst gegen die Pokémon gewendet haben, um später einen Gegenschlag von den Pokémon zu erleben. Natürlich wollten die Menschen nicht, dass die Pokémon das tun und haben sie wohl versklavt und umgebracht. Den Vögeln den Himmel wegzunehmen ist da eine logische Vorgehensweise, aber das war für Sovas Vater nicht zu akzeptieren. Dafür liebte er die Vögel zu sehr und diese Liebe hatte auch Sova, besonders für die Eulen.
    Sovas Mutter hatte ihren Mann schließlich verraten, weil sie seine Ziele nicht verstand und sehr unzufrieden mit allem war. Doch dieser Verrat war für Sova unerträglich, sodass sie schließlich Rache für den Tod ihres Vaters an ihrer eigenen Familie nahm, gemeinsam mit ihren Eulenschwestern. Das scheint mir so ein Rückblick zu sein, bevor sie ins Exil ging, hab ich jedenfalls so verstanden. Die Zeitlinie ist nicht ganz klar an dieser Stelle, wenn ich ehrlich bin, du wechselst zwischen verschiedenen Zeitperioden, aber irgendwie mag ich das hier auch. ^^
    Leider war Sova nun mehr verlassen und verloren wie zuvor und so hält sie auf den einzigen Ort zu, den sie noch zu Hause nennen konnte, den Ort wo die Eulenschwestern leben. Man merkt, dass sie noch sehr kindlich ist, trotz ihrer zwölf Jahre und der Dinge, die sie durchgemacht hat, denn sie hört ihren Vater sprechen. Sie freut sich, auf die Eulen, aber diese sind nicht mehr da. Zumindest scheint es zuerst so, schließlich taucht doch ein junges Hoothoot auf und ein Noctuh. Das Noctuh scheint sich jedoch nicht für das Hoothoot verantwortlich zu fühlen und fliegt fort. Sova möchte ihr natürlich folgen, es war ja ihr Wunsch mit ihnen zu fliegen und will den kleinen Kilian - aww, sehr süßer Name - nicht zurücklassen. Sie will ihm das Fliegen beibringen und tut das auf eine kindliche und durchweg selbstlose Art.
    Mit Kilian auf der Schulter springt sie von der Klippe.
    Hier endet die Erzählung, man weiß nicht, was mit Kilian passiert ist, auch wenn der letzte Satz vermutet, dass der Auftrieb dem jungen Hoothoot gereicht hat, um fliegen zu können, aber für Sova ist klar, dass sie nicht geflogen ist. Wie auch? (Gerade deshalb frage ich mich ja ständig, wie ihr Vater das angestellt hat …) Aber das war ihr egal, sie hat nicht daran gedacht, was mit ihr passiert, es ging ihr nur um das Küken, welches Fliegen lernen sollte.
    Der letzte Satz erinnerte mich im Übrigen von der Aussage her, an einen Zeichentrickfilm: „Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte” - ein herrlicher Film, den ich einmal durch Zufall gesehen habe, ist aber schon Jahre her.
    Eine herrliche Geschichte, die zwar doch traurig endet und eigentlich auch zwischendrin nicht immer schöne Ereignisse beschreibt, aber letztendlich hat Sova das getan, was sie immer wollte und das ist das Wichtigste.


    Wow, ich bin noch total gebannt davon. ^^
    Freu mich auf Weiteres. (:


    - Squeek-san


  • T I G E R A U G E N


    Gattung: Kurzgeschichte


    Schnee. Schnee… überall nur dieses weiße pampige Etwas. Seit Monaten stapften sie nun durch diese öde Tundra, ihre Felle waren ausgebleicht von der strahlenden Sonne mancher Tage und deren starker Reflexion im Winterweiß. Ausgebleicht und ausgeleiert vom monatelangen Tragen, sodass sie ihnen schon fast von selbst von den Schultern fielen.
    «Wie lang noch?», fragte einer. Ein anderer murrte ihn fast im selben Moment an und verbot ihm das Wort, um nicht noch ein weiteres Mal leere Versprechungen hören zu müssen.
    «Noch bis zur Sonne.» Natürlich wussten alle, dass damit nur die Mittagspause gemeint war. Schwer hingen ihnen das Gepäck und die wenigen Vorräte auf dem Rücken, schwer zogen sie das Gemüt der Wanderer nach unten. Nomaden waren sie nicht immer gewesen, zu Nomaden sind sie erst gemacht worden. Und das wollten sie keinesfalls bleiben.


    Die Sonne stand hoch, nur verdeckt von ein paar fadenscheinigen Wolken, als die Gruppe sich auf einer Lichtung zu Boden ließ. Jemand hatte einen Elch erlegt, ein anderer Brennholz gesammelt. Sie machten sich nun daran, das magere Fleisch aus dem Fell zu schälen und dann zu kochen. Eine Frau riss das Fell sofort an sich; sie hatte erst kürzlich einen Jungen geboren und fror seitdem in ihrer halben Kleidung. Keiner beschwerte sich, aber es gab ein paar böse Blicke.
    Der Wald, durch den sie stapften wirkte vor Wochen aus der Ferne wie ihr Ziel; doch heute und im Augenblick war er nicht viel heimischer als die Steppe der vorangehenden Tage. Viele dachten an ihre Hütten zurück, sahen sie im Feuer stehen, sahen Gesichter, die ihnen entgegenlachten, grausam und hämisch. Sahen die Waffen, die in den Händen ihrer Vernichter lagen, silbern blitzen. Viele waren gestorben, einige zurückgeblieben, Familien wurden getrennt – zerrüttet machten sich die mutigen Verbleibenden auf eine Reise ohne Ziel und ohne Sinn.


    Ein Junge von halben Alter setzte sich auf einen alten Baumstamm und fing an zu schnitzen, mit einem spitzen Stein, den er gefunden hatte. Er hatte bereits vier davon, einen verloren und einen zerbrochen, aber die Reise ging ja schon lang. Anouk riefen sie den Jungen, aber oft hörte er seinen Namen nicht. Sein Vater war im Feuer verstorben und seine Mutter verschleppt worden. Also war er alleine in der Gruppe. Kaum jemand kümmerte sich um ihn, er war nur einer unter vielen, eine Zahl bei der Zählung. Man könnte fast behaupten, der Anführer wüsste nicht einmal, wer verloren ist, wenn Anouk fehlt.
    Er hielt inne.
    «TIGER!», schrie er dann aus ganzer Kraft, als er die schweren Schritte des Tieres identifizieren konnte. Die anderen sahen ihn aus großen Augen an, die Mutter nahm ihr Kind und flüchtete hinter den nächsten Baum. Brüllend sprang die Raubkatze aus dem Geäst der dicht wachsenden Büsche, krallte sich in den Mann, der neben Anouk stand. Warmer, dunkler Lebenssaft spritze aus seinen Wunden, tränkte die Felle des Mannes und auch Anouks.


    «RENNT; ER KANN NICHT ALLE FANGEN», befahl der Anführer und Anouk rannte. Der Tiger labte sich an seinem Nachbar, aber anscheinend irritierte ihn der Aufruhr um ihm herum. Mit blutverschmierter Schnauze sog er den Geruch von gut einem Dutzend Beutetiere auf, die ihm gerade entkamen. Ein Satz genügte für ihn, um gute zehn Fuß zurückzulegen, ein weiterer ließ ihn fast die junge Mama schnappen; stattdessen aber sprang ihm ein junges Mädchen von einem darüber gelegenen Ast auf den Kopf und er steckte vornüber im Schnee. Es dauerte nur Sekundenbruchteile, bis er das Kind abgeschüttelt hatte, trotzdem war die Mutter entkommen. Mit seiner riesigen vorderen Pranke stieg er in den nun rosafarbenen Schnee, sah sich um und entdeckte – Anouk, der gerade zum nächsten Baum sprintete. Der Junge war gefallen und hatte sich einen seiner Steine in den Oberschenkel gejagt, sodass er nun nur mehr hinkend vorankam; das Tier stürzte wutentbrannt auf ihn zu.


    «Hast du Angst?», hörte er den Tiger flüstern. «Es tut nicht weh.»
    Erschrocken blieb Anouk auf der Stelle stehen. Was? Nein, er hatte keine Angst, eigentlich nicht. Es war bloß sein Überlebenstrieb, der ihn zum Laufen brachte – aber keine Angst in dem Sinne. Der Tiger schien zu merken, dass der Junge absichtlich stehen geblieben war. Das hatte er noch nicht erlebt.
    Vorsichtig setzte er sich ein paar Fuß vor dem Verwundeten hin und sah ihm eindringlich in die Augen. Es blickten strahlend blaue in sonnengelbe, bernsteinfarbene Augen – neugierig musternd. Wenige Augenblicke geschah gar nichts. Und dann, mit einem Satz, war Anouks Leben zu Ende.



  • Hallo Narime! :)


    Ich habe gerade deine Geschichte "Tigeraugen" gelesen und mir gedacht dazu einen Kommentar zu schreiben.


    Zuerst möchte ich dir gerne sagen, dass du dir recht viel Zeit nimmst bis du den Leser darüber aufklärst wer "sie" in deiner Geschichte sind. Vom Titel deiner Geschichte könnte man auch davon ausgehen, dass es sich um Tigern handelt. Erst als du Wanderern und Nomaden nennst, wird klar, dass es eigentlich um Menschen geht. Durch die Beschreibung der Person die Brennholz sammelte und auch über die Frau, die das Fell des Elchs an sich nahm, wird dies befestigt. Es ist zwar schön, dass du am Anfang nicht zu viel verraten möchtest und etwas geheimnisvoll schreibst, jedoch solltest du darauf achten, dass keine Missverständnisse entstehen.


    Die Einleitung ist für die Länge der Geschichte wahrscheinlich zu lang. Die Hauptperson wird beispielsweise erst im dritten von insgesamt fünf Abschnitten genannt, nach Struktur also nach der Hälfte des Textes. Auch hier solltest du diese Information und auch den Jungen früher in die Geschichte mit einbringen. Du gehst zwar von der gesamten Gruppe immer näher zu einzelnen Charakteren, bis zu der Hauptperson, aber dieser Prozess dauert einfach zu lange.
    Ansonsten finde ich deine Einleitung sehr schön und detailliert beschrieben. Die Umgebung und das Leiden der Personen kommen gut zum Vorschein. Besser wäre es, wenn du den Jungen direkt am Anfang nennst und seine Situation in der Gruppe und sein Leiden auf diesem Weg beschreibst. Als Leser hat man dann besser die Möglichkeit sich eine gut beschriebene Person von vielen ähnlichen vorzustellen, als wenn sie eine Gruppe Personen zu lesen bekommen, in der jede Person dasselbe Leiden hat. Vielleicht merkst du auch, dass es einfacher und emotionaler ist, wenn du dir nur eine Person von mehreren mit den gleichen Problemen vorstellst, als eine ganze Gruppe.


    Was in dem Text fehlt ist etwas aufbauende Spannung. Als der Junge „Tiger“ rief, kommt die Stelle etwas plötzlich. Er hält inne und plötzlich schreit er Tiger. Dazwischen fehlt doch etwas? Es wäre schön, wenn du hier etwas Spannung aufbauen würdest. Vielleicht, dass der Junge merkwürdige, schleichende Geräusche hört, etwas sieht das sich bewegt oder irgendetwas dergleichen. Der Junge muss jedenfalls etwas bemerken bevor er schreit. Auch wenn du das danach schreibst, dass er die Schritte des Tieres identifizierte, muss davor auch etwas passieren, damit du einen passenden und flüssigen Übergang hast.


    Die Szenen bis der Tiger den Jungen erreicht, sind actionreich, spannend und auch detailliert. Danach jedoch hört er den Tiger plötzlich sprechen, und der Text verliert wieder urplötzlich an Fluss. Von den Actionszenen geht es nun plötzlich über zu einer merkwürdigen Abschlussszene. (Dass der Tiger ihm etwas zuflüstert ist zwar auch merkwürdig, aber nicht unbedingt schlecht). Was mich mehr stört ist die Verharmlosung der Situation. Er sagt er hat keine Angst, dabei steht ein riesiger Tiger vor ihm, der plötzlich mit ihm flüstert und soeben jemanden direkt neben ihn ermordet hat. Auch, dass lediglich seine Überlebensinstinkte ihn zum Laufen brachten, kommt etwas merkwürdig hinüber, da er gefallen war und sich einen spitzen, scharfen Stein in den Oberschenkel gerammt hat. Also wenn man da keine Angst hat und mit Überlebensinstinkten argumentiert, muss man wohl eine Fehlfunktion dieser haben ^^'


    Der Schluss kommt sehr abrupt, sehr brutal und sehr gefühlslos. Die hübschen Augen des Tigers werden noch kurz beschrieben, bevor das Untier auf ihn springt und ihn tötet. Lalala … pasch! tot.
    Nicht mal eine ausleitende Abschlusszeile, in der irgendwelche Gefühle vorkommen, oder in der man als Leser die Möglichkeit bekommt irgendwelche Gefühle zu empfinden, kommt vor. Vorher hast du so gefühlvoll über die Gruppe geschrieben, sodass man mit dieser Empathie empfinden konnte, und dann ist der Schluss so abrupt und herzlos? Das passt nicht zusammen.


    Viele liebe Grüße ~


  • ERSTE BEGEGNUNG


    Gattung: Prosa - Pokeball Fanfiction


    Laut lachend saßen die zwei Mädchen am Rande der Lichtung, unterhielten sich über ihren Tag, die Woche davor und noch einige weitere Erlebnisse, die sie ihrerzeit erfreut oder bewegt haben. Lau schwelgte der Duft der spätsommerlichen Blumen der vor ihnen liegenden Wiese zu ihnen herüber, auf der die kleine Schwester Mei vergnügt und voller Tatendrang den kleinen Schmetterlingen hinterherjagte. Durch die Margeriten und die Kornblumen verfolgte sie die Flattermänner, bis sie mit einen dumpfen „patsch“ einen der vielen zwischen ihren Handflächen dingfest machen konnte.


    „Sophie, Sophiiiiiie, ich hab eineeeeen!!“ verlautbarte die Vierjährige, während sie sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach ihrer Schwester und deren Freundin umsah. Doch sie war so weit von ihnen fortgelaufen in ihrer Konzentration, dass die Kleine die beiden durch das hohe Gras nun nirgends mehr entdecken konnte. Angestrengt versuchte Mei, nach den Stimmen zu hören, doch die Wesen rings um sie herum machten viel zu viele und laute Geräusche. Schnell machte sich Unruhe in dem Mädchen breit, gerade dass sie nicht in Panik verfiel; immerhin stand die Sonne noch relativ hoch und der Sommer lächelte ihr zu. Also machte sich die kleine Mei auf, um das Beste draus zu machen.


    „Wer braucht schon die großen Mädchen. Pff, die sind sowieso vooooll langweilig“, sprach sie zu dem Flatterling in ihrer Hand. Prächtig leuchteten ihr die Farben seiner Flügel entgegen, gelb auf schwarz mit roten und blauen Flecken. Und einen gaaaaanz langen Rüssel hatte es, was sie sehr amüsierte. Doch plötzlich erwachte es aus seiner Paralyse, die die Klatsche des Mädchens ihm verpasst hatte. Es bäumte sich zu seiner vollen Große auf, taumelig, aber doch zurück bei Sinnen, flatterte es nun langsam vor dem Mädchen.


    „Paaa~“, machte es verächtlich. „Paaaapinella!“ Und pustete dem Mädchen eine Menge Blütenstaub entgegen, sodass Mei vor Schreck und dem Windstoß das Gleichgewicht verlor und auf den Po plumpste. Dann flog es davon.
    „Waaaarte, wer spielt jetzt mit mir?“ schrie sie dem Pokémon hinterher. Auch die Smettbos und Omots schienen von ihrer Aktion gerade eben nicht sonderlich entzückt gewesen zu sein und ließen sich nun nicht mehr von ihr durch die Gräser jagen. Die Mohnblumen blieben still, die Kornblumen wackelten nur im Wind und die Margeriten, unangetastet von Menschenhand, räkelten sich in der Sonne. Da kamen Mei nun doch die Tränen hoch, unsanft von ihren kurzweiligen Freunden zu Boden geschubst hielt sie ihre plötzliche Einsamkeit und Langweile nicht mehr aus. Schluchzend beschloss das Kind, sitzen zu bleiben und zu warten. Bis ihre Schwester wieder kam. Genau das.


    „Sniff.“ Vorsichtig setzte das Pokémon eine Pfote vor die andere, während es sich der unbekannten Krachmacherin im Gestrüpp näherte. Es war erfüllt von Angst und Neugierde, die sich bis in seine Eingeweide zogen und diese unangenehm verkrampfen ließen. Mit jedem Schritt hörte es sein eigenes kleines Herz in seiner Brust lauter pochen. Es schlug schon fast bis zum Hals, als endlich der Kopf zwischen den Grashalmen durchlugte, die die Stelle säumten, wo das Kind saß. In einer niedergetrampelten Graskuhle weinte es sich die Augen aus und schien den Neuankömmling noch gar nicht bemerkt zu haben.


    Plötzlich hob es den Kopf von den Knien hoch und betrachtete durch den Tränenschleier in seinen Augen das Pokémon.
    „Hallo“, sagte Mei und schniefte.
    „Eeeve“, sagte das Evoli und stupste Mei sanft mit der Nase am Schienbein. Ihre Trauer hatte es sichtlich berührt. Erschrocken zuckte das Mädchen zusammen.
    „Evoli!“, quiekte das braune Pokémon, beruhigend und freundlich zugleich. „Liili…“ Gebannt starrte Mei das Evoli an und antwortete. „Schön, dich kennen zu lernen, Lily. Ich bin Mei.“ Sie stand auf und bückte sich zu ihrer neuen Freundin herunter, um sie zu streicheln. Lilys Fell war weich und flauschig und warm von ihrer Körpertemperatur. Freudig summte es vor sich hin und lies sich von Mei spannende Kindergeschichten erzählen. Wie sie einmal auf einen gaaaanz hohen Baum geklettert war oder wie sie das Papinella gefangen hatte. Die Zeit verging wie im Fluge, die Sonne sank immer tiefer am Horizont und tauchte die Wiese in ein frühabendliches Licht. Golden glänzten die Nektartropfen im sanften Schein, und Mei und Lily wetteiferten, wer von ihnen mehr mit der Nase aufsammeln konnte. Ihre Gesichter waren schon ganz verklebt, als man leise Rufe vernehmen konnte.


    „Meeeeei! Mei, wo bist du?!“ – „Mei, du dummes Gör, komm nach Hauseee!“
    Die Realität brach wie ein Wasserfall über dem kleinen Mädchen zusammen, welches nun Angst bekam, ihre neue Freundin für immer zu verlieren. Auch Lily spürte die Nervosität, die von Mei nun ausging, und blieb ganz still stehen.
    „Voooooli… vuivui!“, verkündete sie Mei, stupste sie mit der Schnauze an und hüpfte ins hohe Gras davon.
    „Lily neeein, bleib daaaaha“, der erste Schluchzer entfuhr Mei schon, als sie noch nicht einmal fertig gesprochen hatte. Doch die Tränen hatten keine Zeit mehr um zu kommen, denn wenige Augenblicke später stand das Evoli wieder vor dem kleinen Mädchen. Im Maul trug es… einen Pokéball.
    „Evoooli… Mei. Mei.“ Fröhlich hüpfte es umher, stolz darauf, Meis Namen artikulieren zu können. Dann legte sie Mei den Ball in die Hand. Die Hände des Mädchens umklammerten das runde Ding wie einen Schatz, der sein Leben bedeutete. Meins, dachte sie. Meine Freundin, Lily.
    „Lily, komm“, und Lily gehorchte. Sie kauerte sich hin, lächelte Mei an und ließ sich von den rote Strahlen des Pokéballs einfangen. Mei war fasziniert von dem Spektakel, so gebannt, dass sie gar nicht merkte, dass ihre Mutter und ihre Schwester Sophie schon ganz nahe waren. Sie steckte den Ball in ihre Rocktasche, versicherte sich, dass er nicht verloren gehen würde und rief:
    „Hiiiier bin ich! Mama, Sophie!“, freudig lief Mei in die Richtung ihrer Familienmitglieder und direkt in ihre Arme.
    „Was sind wir froh, dass dir nichts zugestoßen ist. Beim Abendbrot kannst du ja erzählen, was du heute erlebt hast.“ Meis Mama lächelte. Dann machten sie sich auf nach Hause, wo Mei stolz Lily als ihr erstes Pokémon vorstellte. Ihr allererstes, von vielen, das schwor sie sich. Eines Tages, da würde sie Pokémon-Züchterin werden!




  • Sonnenuntergang


    Gattung: Gedicht - Sonett


    Die glasklaren Seen funkeln

    Von Sonnenstrahlen erhellt

    Doch bald, meine Zauberwelt
    Wird der Himmel sich verdunkeln.


    Die Gräser wogen im Wind,
    Die Wolken bunt sich färben;
    Dieser Tag liegt im Sterben.
    Aber pass auf, mein Kind!




    Nun dauert es nicht mehr lang;
    Dann erlischt das Tageslicht
    Nach dem Sonnenuntergang.


    Aus dem See es leise kriecht
    Etwas, das aus den Tiefen drang
    Nein, treffen willst das nicht!




  • Gefängnis


    Gattung: Prosa


    Die Tür ist offen. Ihre abertausend Schlösser waren, wie durch Zauberhand, geöffnet worden und ein unscheinbarer Weg erstreckt sich nun entblößt hinter ihr. Was sich an seinem Ende verbergen mag?


    Lang war die Tür das Sehnsuchtsobjekt gewesen, von dem in jeder Nacht geträumt, deren Schlösser zum Einschlafen gezählt (und um seligen Schlaf zu gewährleisten, gedanklich aufgeschlossen wurden) und zu dem jeder noch so kleine, freie Gedanke abschweifte. Die Tür war unscheinbar, nur ein Teil im Mauerzaun. Ohne die Schlösser wüsste man kaum zu erkennen, dass sie vorhanden war. Grau und kantig zog sich der Stacheldraht über ihre Flanken, wand sich und band sich an die betonierten Stützpfeiler. Bis hinauf zur schwach leuchtenden Laterne, die mit gruseligen Blicken jene strafte, die auch nur daran dachten, ihren Rücken zu betrachten. Jeden.


    Einer drängt sich vor den anderen. Hungrig will jeder einen Blick auf das erhaschen, was man Freiheit nennt – die Tür ist offen, aber die Angst hält die Schlösser fest verschlossen. Es reicht ein Flackern der Laterne, und ein Dutzend Paare nackter Füße flüchtet geschwind, zurück in ihre Baracke. Bei Sonnenaufgang war alles nur ein Traum – jemand hatte wohl lange nicht einschlafen können.




    Ein Hauch Freiheit


    Gattung: Gedicht - Haiku



    Zwei Seelen wohnen
    Ach! In deiner Brust, klagst du
    Fühlst dich zerrissen.


    Stehst dort, am Asphalt
    Blickst wehmütig gen Ferne
    Und das Grau schluckt dich.


    Dein Schuh drückt schmerzhaft
    Hält deine Natur in Zaum
    Wie ein schlechter Traum.


    Ein Wind weht rüber
    Er umfasst dich vollkommen
    Und duftet nach Wald.


    Nur eine Nuance
    Ganz, ganz schwach nimmst du ihn wahr
    Und doch, war er da.


    Dein Herz verliert sich
    In Gedanken um das Sein
    Ist alles nur Schein.



    Lautvoll


    Gattung: freie Poesie - Drabble


    Oder Stille. Stille in den Gängen, in den Höfen, in den Straßen des grauen Wolkenkratzerlabyrinths. Sie wehte förmlich über die leeren Plätze und trug zwei schwarzgefiederte Vögel an mir vorbei. Ihre Flügelschläge hallten durch meinen Kopf – und dann, dann waren sie auf einmal da. Kopfstimmen. Eine schrie, die andere weinte und schluchzte kläglich im Rhythmus meines Herzklopfens. Ich zitterte, aus Angst vor der Erinnerung und der Kälte des rauen Windes. Es wurde wieder still, als ich einen Schritt auf die Straße tat. Ich blickte hinauf zu den Wolken, meine Augen wurden von Licht geblendet. Ein Schrei, und ich fiel.



  • Hallo Narime. :3
    Ich wollte dieses Jahr noch ein bisschen kommentieren und habe hier dein Drabble entdeckt. Da du auch schon seit längerer Zeit keinen Kommentar mehr bekommen hast, beginne ich also damit, "Lautvoll" zu kommentieren. Außerhalb von Wettbewerben habe ich noch nie ein Drabble kommentiert und mich jetzt dazu entschieden, deines satzweise zu bewerten. Ich tue also quasi so, als seien es die Strophen eines Gedichts. Oder so.


    Lautvoll
    Ein interessanter Titel, dadurch, dass man dieses Wort eher selten hört. Der Online-Duden kennt das Wort noch nicht mal, aber trotzdem weiß jeder, was damit gemeint ist. Das Wort ist ganz eindeutig das Gegenteil von "lautlos". Also ein Zustand mit vielen Lauten. Dem Drabble bringt diese Wortkreation einen fast bitteren Unterton, weil es sich ja nicht auf die tatsächlichen Laute bezieht. Neologismus kann man verwenden, wie man will.
    Oder Stille.
    Hier ist dieser Gegensatz. Dabei nutzt du noch nicht einmal einen "normalen" Gegensatz. Von der Bedeutung her schon, allerdings würde ich "lautvoll" als Adjektiv einordnen, während "Stille" bekanntermaßen ein Nomen ist. Ich muss sagen, dass dieser Beginn dadurch etwas seltsam ist. Zumindest beim ersten Lesen. Es wirkt falsch. Dabei ist dieser Gegensatz sehr eindrucksvoll, weil du so den Titel sofort mit einbeziehst. Ohne ihn ergibt dieser Anfang einfach keinen Sinn. Mir ist selbst schon aufgefallen, dass es mir bei Wettbewerben schnell mal passiert, dass ich während des Votes nicht mehr auf die Titel eingehe. Du wirkst stark dagegen an. Und du zeigst mit diesen drei Wörtern den gesamten Inhalt deines Drabbles. Zumindest auf der Basis des Eindrucks, dass es hinterlässt. Gerade bei Drabblen ist ja jedes Wort wichtig. Für mich ist aber zudem auch die Wirkung wichtig, dass dieser Anfang nicht Teil des Titels ist. Eigentlich soll ja der Titel stellvertretend für das Werk sein, aber du negierst ihn scheinbar sofort. Inzwischen stört mich auch das Nomen nicht mehr. Es passt einfach wunderbar ineinander.
    Stille in den Gängen, in den Höfen, in den Straßen des grauen Wolkenkratzerlabyrinths.
    Möglicherweise gibt es einen Ausdruck dafür, mit dem gleichen Wort zu beginnen, mit dem der letzte aufhörte. Wenn, dann kennst du es bestimmt. Ich nicht. Zumindest nicht jetzt. Aber es verursacht immer wieder eine Betonung ebenjenes Worts und weiterhin steht dein Drabble im Gegensatz zu seinem Titel. Aber nicht nur die Wiederholung des Wortes selbst, sondern auch die Aufzählung in diesem Satz zeigt, wie wichtig die Stille doch ist. Kann es sein, dass eine Art Klimax vorliegt? Immerhin werden die erwähnten Bereiche immer größer. Wenn man davon ausgeht, dass die Höfe größer sind als die Gänge. Die Spitze ist dann aber das Wolkenkratzerlabyrinth als Metapher für eine Großstadt. Mir fällt dabei immer als erstes New York ein, aber es kann genauso gut jede andere sein.
    Es gibt vier Arten von Stille, die mir spontan einfallen. Eine friedliche, eine bedrückende, eine unwirkliche und eine bedrohliche. Durch das kleine Wort "grau" würde ich hierbei auf eine bedrückende tippen. Die Stille gehört eigentlich nicht dorthin. Zumindest nimmt das Wort die Friedlichkeit aus der Stille. Und daran merkt man wieder, wie wichtig doch ein einziges Wort für die ganze Stimmung sein kann.
    Sie wehte förmlich über die leeren Plätze und trug zwei schwarzgefiederte Vögel an mir vorbei.
    Die Stimmung, die du mit dem "grau" einleitest, führst du in diesem Satz weiter. Stille kann nicht wehen. Sie kann eigentlich gar nichts tun. Da Menschen aber auch nicht wehen können, ist dies keine Personifikation, ich finde nur keine andere passende Stilfigur. (Ja, ich habe in einem zweiten Tab deine Enzyklopädie offen, weil mir schon beim ersten Lesen auffiel, wie viel du mit der Sprache spielst, um Bilder und Stimmungen zu erzeugen.) Du lässt die Stille den Platz des Windes einnehmen. Wenn Wind über leere Plätz weht, zeigt das noch einmal deutlicher, wie verlassen sie doch sind. Wenn stattdessen Stille weht, verstärkt es diesen Eindruck noch um ein Vielfaches, denn Stille macht im Gegensatz zum Wind keine Geräusche. Absolut nichts in dieser Stadt scheint lautvoll, wie du es im Titel ankündigst. Auch nicht die beiden Krähen oder Raben. Aber du nennst nicht ihre Namen, sondern die Farbe ihres Gefieders. Nach dem Grau kommt nun also Schwarz dazu und wir haben eine wirklich absolut trostlose Atmosphäre. Die Stille trägt sie, die Vögel. Sie ist also tatsächlich verwendet wie der Wind. In nur diesem Satz, aber das reicht. Die Vögel jedoch sind in diesem Satz noch nicht ganz so wichtig. Sie werden nur vorgestellt, um im nächsten zu handeln. Allerdings wird im gleichen Zug (weil ich so tue als sei dies ein Gedicht, kommt nun ein Neologismus von mir) das Epische-Ich vorgestellt. Und wenn man das Ende der Geschichte kennt, dann geben die Vögel bereits einen Hinweis. Zwei schwarzgefiederte Vögel werden nicht an einem Menschen irgendwo in den Gängen des Wolkenkratzerlabyrinths vorbeifliegen. Sie fliegen höher. Die einzige Frage, die ich mir noch stelle, ist, warum es zwei sind? Warum ist es nicht nur einer. Eigentlich würde alles auch nur mit einem Vogel funktionieren. Vielleicht ist es, um zu zeigen, dass sie nichts Besonderes sind. Es gibt mehr als nur einen davon.
    Ihre Flügelschläge hallten durch meinen Kopf – und dann, dann waren sie auf einmal da. Kopfstimmen.
    Jetzt kommt ihr Einsatz und der erste tatsächliche Bezug zum Titel: Alles um das Epische-Ich herum ist ruhig; nur Stille. Auch die Flügelschläge sind nicht zu hören, da die Vögel ja von der Stille getragen werden. Aber sie hallen im Kopf. Vor allem hallen sie durch den Kopf. Das ist ein Ausdruck, der mir bisher fremd war. Ich kenne nur widerhallen. Aber zum widerhallen braucht es eine Wand oder etwas Ähnliches. Beim hindurchhallen braucht es nur einen leeren Raum. Vor dem Gedankenstrich ist also auch im Kopf des Epischen-Ichs Stille. Es ist eine Stille, die nur daraus entstand, dass nichts da war, was Geräusche machen könnte. Also ebenso am ehesten eine bedrückende. Und dann kommen die Kopfstimmen, die die Stille verdrängen. Die Flügelschläge der Vögel sind vergessen. Das kommt auch durch die Wiederholung des Wortes "dann". Durch die Pause, die an diesem Komma entsteht, gibst du der Geschichte die Zeit für die Hundertachtzig-Grad-Wendung. Ich denke nicht, dass du jemals im Hansapark warst, aber ich vergleiche die Wendung in diesem Satz mit dem Turm im Fluch von Novgorod. Zuerst fährst du nach oben. Zum ersten Mal im Drabble kommen Geräusche durch das Hallen der Flügel. "Und dann" bist du oben angekommen und hast einen kleinen Augenblick, in dem du weißt, dass es gleich nach unten gehen wird, da aber alles dunkel ist in diesem Turm (und die Schienen 97° nach unten gehen) siehst du nicht, wie es weitergeht. Danach braucht es noch einen Augenblick, bevor du komplett fällst. Das ist der Rest des Satzes, im Fall befindest du dich erst, mit dem nächsten Wort.
    Eine schrie, die andere weinte und schluchzte kläglich im Rhythmus meines Herzklopfens.
    Genau wie es zwei Vögel waren, werden hier zwei Kopfstimmen vorgestellt. Ich frage mich, ob es mehr geworden wären, hättest du mehr Wörter zur Verfügung gehabt. Aber auch mit nur zweien schaffst du deinen Kontrast. Zwei Worte und die Stille ist dahin. "Eine schrie". Schreien ist das lauteste, dass eine Stimme hinbekommt. Schreien oder brüllen. Wobei bei mir Schreien in die oberen und brüllen in die unteren Tonlagen fällt. Und Schreien ist dementsprechend schneidender. Man schreit vor Angst, vor Wut, vor Schmerz, vor Schreck. Schreien ist eine Reaktion auf eine schlechte äußere Einwirkung, während Brüllen von einer inneren Einstellung kommt. Man brüllt, um sich zu beweisen oder jemanden zu verscheuchen. Man tut also direkt etwas und es ist keine einfache Reaktion.
    Die andere weint und schluchzt. Beides zusammengehörig und Ausdruck der Trauer und Verzweiflung. "Kläglich". Ein Wort, das herabsetzend wirkt. In gewisser Weise ist es redundant, denn ich schaffe es nicht, mir irgendwie eine Möglichkeit vorzustellen, in der man nicht kläglich schluchzt. Aber es wirkt einfach noch mal betonend. Allerdings, und jetzt kommt mein Geschmack ins Spiel, hätte ich es weggelassen und stattdessen mit "im Rhythmus meines klopfenden Herzens" geschrieben, da sich "Herzklopfens" für mich seltsam anhört. Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Vielleicht ist es das Genitiv-s nach einem nominalisierten Verb. Im sonst so wohlig klingenden Drabble fällt diese kleine Unebenheit bei mir stark auf. Wenn es dir aber gefällt, dann solltest du es aber auf jeden Fall so lassen. Das Bild dahinter ist wieder sehr schön. Dadurch, dass das Schluchzen im Rhythmus des Herzen ist, ist diese Kopfstimme untrennbar mit dem Körper, mit dem Ich, verbunden.
    Ich zitterte, aus Angst vor der Erinnerung und der Kälte des rauen Windes.
    Angst vor der Erinnerung. Es muss also etwas Schlimmes passiert sein, was wahrscheinlich auch die Kopfstimmen erklärt. Nur was es ist, werden wir nie erfahren. Das Epische-Ich zitterte aus Angst. Wahrscheinlich ist sie auch der Grund für das Schreien und das Weinen und Schluchzen. Aufgrund des Satzbaus (Muss da tatsächlich ein Komma hin?) zittert das Epische-Ich aber auch aus Angst vor der Kälte des rauen Windes. Es steht also noch nicht im Wind. Das (und der nächste Satz) bringt mich dazu, in zwei möglichen Interpretationen weiterzumachen. Die erste habe ich bereits mit den Vögeln eingeleitet: Das Epische-Ich steht auf einem Dach. Und es ist windstill. Aber es weiß, dass bald der Wind zu spüren sein wird und zittert deshalb. Die zweite beginnt an dieser Stelle damit, dass das Epische-Ich noch in einem Haus ist und bisher alles nur durch ein Fenster beobachtet hat. Abgesehen vom nächsten Satz deutet jedoch alles Vorherige, die ganzen Beschreibungen, auf die erste Variante hin. Diese gefällt mir ehrlich gesagt auch besser.
    Es wurde wieder still, als ich einen Schritt auf die Straße tat.
    Dieses Mal haben wir keine Wende. Um wieder einen Vergleich anzubringen: Das Ende der Musik. Der letzte Ton wird ausgehalten, vielleicht sogar noch mit Crecendo, und ist dann weg. Aber es kommt nicht so überraschend. Man weiß, dass die Musik endet und spürt auch nach dem letzten Ton noch ihren Nachhall. Das ist das "Es wurde wieder still". Nun tut das Epische-Ich aber einen Schritt auf die Straße. Wir bewegen uns also wieder von seinem lautvollen Inneren in die Stille der Stadt. Hier wieder meine Interpretationen: Erstens - und damit unterstelle ich dir Unaufmerksamkeit in einem Drabble, dass sehr durchdacht wirkt - es müsste heißen "als ich einen Schritt auf die Straße zutat." Damit läge hier der Schritt an den Rand des Daches vor, ein Schritt näher an die Straße heran, die unten im Wolkenkratzerlabyrinth ihren Weg suchte. Zweitens: Das Epische-Ich verlässt das Gebäude, in dem es sich bisher befunden hat und tritt auf die Straße. Also im Endeffekt genau das, was da steht. In dieser Variante steht es tatsächlich mitten auf der Straße. So weit das mit einem Schritt eben möglich ist.
    Ich blickte hinauf zu den Wolken, meine Augen wurden von Licht geblendet.
    Warum blickt das Epische-Ich zu den Wolken? Was will die Autorin uns mit diesem Satz sagen? Im Gegensatz zu jedem anderen Satz in diesem Drabble fehlt mir hier der Ansatz. In Interpretation eins steht das Epische-Ich auf dem Dach und blickt zu den Wolken. Es könnte eine Gegenbewegung sein, zu dem Fallen, das gleich folgen wird. Vor dem Weg in die Tiefe noch ein letzter Blick in die Höhe. Die Sonne scheint und die weißen Wolken reflektieren das Licht, sodass es die Augen blendet. Vielleicht schaut das Epische-Ich ja aber auch zu den Wolken und in die Sonne gerade damit seine Augen geblendet werden und es den Fall nicht sieht. Nur warum Wolken? Warum schaut es zu den Wolken und nicht zum Himmel. Eine Frage, die für beide Interpretationen gleichermaßen gilt. In beiden endet das Drabble mit dem Tod bzw. mit dem Weg dorthin. Zum Himmel könnte eine religiöse Seite haben. Vielleicht wäre das zu viel gewesen. Auf den Wolken sollen Engel wohnen. Schutzengel? Engel in einem Leben nach dem Tod? Ja, wenn ich nicht sofort eine Idee habe, beginne ich wild zu spekulieren. Vielleicht klang es ja auch einfach nur schön.
    Noch kurz zu Interpretation zwei: Wie auch in der ersten blickt das Epische ich zu den Wolken, aber seine Augen werden nicht von der Sonne oder ihrer Reflektion geblendet, sondern von Autoscheinwerfern. Mich erinnert die Szene irgendwie an Bruce Allmächtig. Falls dir das nichts sagt, ist es auch nicht so schlimm. Möglicherweise ist in dieser Interpretation ja sogar Nacht. Das würde zumindest auch die Leere und die Stille erklären. Wenn ich mich so intensiver damit beschäftige, gefällt mir auch diese besser. Trotzdem kommt sie noch nicht an die erste heran.
    Ein Schrei, und ich fiel.
    Wie gesagt gehe ich davon aus, dass der Fall der Weg zum Tod ist. Dazu kommt aber der Schrei. Ein Laut, den ich schon bei den Kopfstimmen analysiert habe. Das Epische-Ich zerbricht die Stille um sich herum. Es wird zwar nicht direkt gesagt, von wem der Schrei kommt, aber noch eine Person einzubauen - nein, in Interpretation zwei wäre das sogar möglich. In dieser wird das Epische-Ich von einem Auto, Lastwagen oder so etwas über-/anfahren. Dabei muss es nicht zwangsläufig selbst schreien. Vielleicht schreit der Fahrer/die Fahrerin. Oder ein Passant. Und das Epische-Ich fällt auf die Straße.
    In der ersten Interpretation schreit es selbst. Es selbst bringt seinen Schrei in die Welt. Eine Art letztes Statement. Interessant hierbei ist, dass der Schrei aktiv ist, das Fallen passiv. Es springt nicht von dem Dach, auf dem es steht, nein, es fällt. Das Gewicht nach vorne zu verlagern reicht aus. Mit einem Schrei. Ein Schrei, der vermutlich für die Kopfstimmen steht und aus der Erinnerung entspringt. Oder aus der Angst davor. Und mit diesem Schrei ist wieder alles lautvoll. Ein letztes Mal. Denn der Tod schweigt.


    So, dass ist jetzt fast einundzwanzig mal so lang wie das Drabble selbst (2.086 Wörter ohne die Einschübe) und falls ich mir mehr Gedanken dazu gemacht habe als du, habe ich mein Ziel erreicht. Nein, ich hoffe einfach nur, du hattest vielleicht ein bisschen Spaß daran, den Kommentar zu lesen. Es hat mir zumindest Spaß gemacht, dein Drabble so haarklein zu analysieren. ^-^
    Ich wünsche dir noch frohe Rest-Weihnachten und natürlich auch einen guten Rutsch ins neue Jahr. =3
    ~Shira Seelentau


  • The Beginning


    Gattung: Prosa - Fanfiction [Kingdom Hearts]


    » Ich habe in letzter Zeit so seltsame Gedanken…
    Ist das jetzt ein Traum… oder nicht? «


    Wind streift durch meine Haare, weht mir Strähnen ins Gesicht, während ich meine Augen schließe. Ich falle, falle tief und weit, aber wo falle ich hin? Ich weiß es nicht.
    Ich denke an sie – oder träume von ihnen, von ihr, von Kairi. Tosende Wellen umfassen meinen Körper. Ich verliere mich, weiß nicht, wo oben und unten ist.


    Bis ich auf einmal wieder etwas Festes unter mir spüre, kalt und hart, unter meinem Rücken. Schaurige Musik dringt in meine Ohren, sie scheint weder einen Körper noch eine Quelle zu besitzen und wie Fäden in der Luft zu hängen. Ich stehe auf, die Knochen weich, der Kopf benebelt und die Augen geblendet von der augenblicklichen Helligkeit, die mir der Boden entgegen schlägt. Rund um mich scheint alles leer, schwarz und unheilvoll ragt der Abgrund in einem Zirkel um diesen seltsamen Ort.


    SO VIEL ZU TUN. SO WENIG ZEIT. LASS DIR ZEIT. HABE KEINE ANGST. DIE TÜR IST NOCH ZU.


    Ruckartig blicke ich hinter mich, aber ich kann die Stimme nicht identifizieren. Wie die Musik, die mich an Kirchenchöre erinnert, schwebt ihr Klang im leeren Raum, dringt in mich ein und lässt mich im Mark erschaudern. Meine Augen gewöhnen sich an die Lichtverhältnisse und ich kann buntes Glas zu meinen Füßen erkennen… was wohl passiert, wenn es bricht?
    Keinen Gedanken verschwende ich an das, was die Stimme gesagt hat, bis sie sich auf einmal wieder meldet.


    GEHE NUN WEITER. KANNST DU DAS?


    Tatsächlich stehe ich wie angewurzelt da und die Frage der Stimme scheint mir fast höhnisch. Zögerlich setzte ich einen Fuß weiter in die Mitte der Glasplattform, die so lichtdurchlässig und doch undurchsichtbar mein wenig vertrauenswürdiges Fundament bildet. Vorsichtig bewege ich mich auf den Mittelpunkt zu… was war das, eine verschlossene Tür? Ich sehe keine Tür. Ratlos verliert sich mein Blick in der dunklen Ferne.


    IN DIR RUHT EINE MACHT –


    Hä?
    Aus dem Nichts erscheint mir gegenüber ein stählerner Sockel, in einen einladenden Schein gehüllt. Neugierde strömt in mein angsterfülltes Herz.


    GIB IHR EINE FORM UND SIE WIRD DIR KRAFT GEBEN.


    Erst jetzt sehe ich die weiteren Sockel links und rechts, als auf ihnen drei verschiedene Gegenstände erscheinen. Ein Schwert, ein Schild, ein Stab.


    WÄHLE GUT.


    Die Hand gestreckt nach dem Schwert, dessen Sockel ich als erstes erblickt habe, halte ich inne und bleibe stehen. „Wähle gut“ – was es wohl zu bedeuten hat, wenn ich einen der drei Gegenstände auswähle? Vielleicht hat mein Unterbewusstsein etwas mit diesem Ort zu tun und stellt mich auf die Probe… ob ich mir eine Frage selbst beantworte, indem ich eines der Symbole aussuche, oder ist das Manipulation? Gierig schiele ich zum Schwert, das dort wie von der unheimlichen Musik getragen im wohligen Lichtschein schwebt.
    Dennoch zaghaft ist mein Griff nach dem Knauf der Klinge.


    MACHT DES KRIEGERS. UNBEUGSAMER MUT. EIN SCHWERT MIT GROSSER ZERSTÖRUNGSKRAFT.


    Geschmeidig umfassen meine Finger das kühle Metall, die Schneide glitzert im gespenstischen Licht. Unbeugsam… mutig… zerstörerisch… Adjektive, die eigentlich gar nicht auf mich zutreffen. Ich frage mich, ob ich mit dem Schild oder dem Stab besser beraten wäre.


    IST DIES DIE MACHT, DIE DU SUCHST?


    Suchen ist ein schwieriges Wort. Habe ich diesen Ort hier gesucht? Das Licht, dich, die komische Stimme? Ich weiß nicht, daran erinnern kann ich mich nicht… generell kann ich mich nicht erinnern, wie ich hier her kam. Also doch ein Traum?
    Wenn das ein Traum ist, kann ich auch jederzeit aufwachen und dieses Spiel beenden. Also, spielen wir einfach mal mit.


    » Ja. « DU HAST DICH ENTSCHIEDEN.


    Ich finde mich in der Mitte des Raumes wieder, verwirrt über die Ereignisse. Die Sockel verschwinden, Schild und Stab mit ihnen und das Schwert in meiner rechten Hand fühlt sich merkwürdig schwer und beladen an. Ob das ein Fehler war? Auch Träume sind nicht folgenlos für die Wirklichkeit... mein eben erwachte Mut macht wieder der der großen Angst vor der Ungewissheit Platz, die mich und meine Gedanken so schwer erscheinen lässt wie eben noch das Schwert in meiner Rechten. Es fühlt sich an als ob- ein Klirren nähert sich hinter meinem Rücken mit gnadenloser Härte meinen Ohren. Das Glas. Es bricht tatsächlich. Verfolgt von meinen eigenen Gedanken stürze ich abermals in die Tiefe des schwarzen Abgrunds, der sich unter mir aufgetan hat.


    Taumelnd stürze ich durch die gähnende Leere, durchschneide scharf die sanften Fäden der Hintergrundmelodie, die im Moment der Beschleunigung nicht mehr an meine Ohren dringen kann. Erst verzerrt, dann wackelnd nähert sich eine weitere, lichterhellte Plattform – beziehungsweise, ich nähere mich ihr, vermutlich. Ich befürchte einen Aufprall auf dem harten Glas, das vielleicht sofort wieder brechen würde… ein Teufelskreis von hier an? Anders als erwartet setze ich aber sanft auf, leicht wie eine Feder, und beinahe begleitet von der gruseligen Stimme aus dem Off.


    DU HAST DIE MACHT ZUM KÄMPFEN ERWORBEN.


    … erinnert sie mich an das Schwert, das augenblicklich wieder in meinen Händen liegt, als sei es die ganze Zeit da gewesen. Ungläubig blicke ich es an, erwarte fast eine Erklärung.


    BENUTZE DIESE MACHT, UM DICH UND ANDERE ZU BESCHÜTZEN.


    Schockiert erspähe ich einen kleinen, schwarzen Schatten auf dem hellen Glasboden. Er wobbelt ein wenig und wächst unentwegt und rasch, lässt mich zurückweichen. Doch anstatt des Randes zum Abgrund stoße ich auf eine weitere dieser Kreaturen, mit kleinen, gelb leuchtenden Augen und lilablauschwarzem Körper aus dieser undefinierbaren Masse… schaurig wabbelnd und wobbelnd schlürfen die Gestalten auf mich zu, ihre Berührung sticht, wie ein schwacher Stromstoß und ich spüre, dass sie mich schwächen. Instinktiv pariere ich ihre Annäherungsversuche mit meinem Schwert, fahre jedoch mehr als nur einmal in die Luft, während die Schatten lautlos unter mir hindurchgleiten und mich von hinten attackieren.


    DIE ZEIT DES KAMPFES WIRD BALD KOMMEN.


    Noch immer ist aus dem Nichts der einsame Chor zu hören, ob es wohl die verlorenen Stimmen dieser scheußlichen Kreaturen sind? Brabbelnd umkreisen sie mich, bis ich all meinen Mut zusammen nehme und beginne, sie nach und nach zu zerschlagen, bis sie sich alle in Rauch und Luft aufgelöst haben.


    LASSE DEIN LICHT HELL ERSTRAHLEN.


    Da. Eine Tür-!
    Ich sprinte auf das am anderen Ende der Plattform erschienene Tor zu und versuche, am Knauf zerrend, sie zu öffnen.


    » Ich kann sie noch nicht öffnen…« WARTE! DIE TÜR WIRD NOCH NICHT AUFGEHEN.
    ERZÄHLE MIR ZUERST MEHR VON DIR.




    Nicht-Annie und die Kunst


    Gattung: Prosa - autobiografisch


    Etwa drei Jahre ist es nun her, dass ich meine erste und eigene Spiegelreflexkamera erstanden habe. Es ist nichts Weltbewegendes daran, wenn eine junge Frau eine Kamera in die Hände nimmt und beginnt, ihr Umfeld zu dokumentieren. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, so war es ein weiter Weg für mich zu begreifen, dass nicht nur für Fremde, sondern auch für meine Liebsten mein Hobby weitaus weniger Bedeutung besitzt, als ich diesem zumesse. Nun gut, der eine kauft sich eine Soundanlage, der andere seine dritte Gitarre, und ich habe begonnen, mein Erspartes in Fotografie-Equipment zu investieren. Jedem Spinner das seine, kann man sagen.


    Ich erlebte in diesen drei kurzen und doch so langen Jahren viele Höhen und Tiefen und der Weg, den ich dabei gehe, ist noch weit, aber das Stück, das ich hinter mich gebracht habe, groß. Ich will es nicht daran messen, wann ich gelernt habe, wie man manuell fokussiert oder welche Auswirkungen Belichtung, Blende und ISO auf meine Bilder haben. Auch nicht daran, wie ich gelernt habe, in Photoshop einen Blauton in einen Rotton zu verändern. Das sind Schritte, die jeder Amateurfotograf einmal gehen muss.


    Für mich sind es meine Tiefpunkte, nicht meine Erfolge, die mich wirklich weitergebracht haben. Der Tag, als ich meine erste Kamera zurückschicken musste, weil der interne Blitz kaputt war und dies bereitwillig tat, um mir mit dem Geld der Erstattung ein neues Modell zu kaufen – wird mir immer in Erinnerung bleiben, ob ich dadurch nicht meine treue Begleiterin verraten habe? Eine Foto-Freundin hat ihre „Annie“ getauft. Ich habe ihr keinen Namen gegeben. Und trotzdem ist da diese Bindung, die Momente, die sie und ich durch den gleichen Sucher gesehen haben. Momente, die festgehalten wurden und doch auch wieder verloren gingen, als meine Festplatte eines Tages adieu sagte.


    Aber ab welchem Punkt ist es Kunst? Ist es Kunst, wenn man aufhört, im Automatik-Modus zu fotografieren, wenn man beginnt, Bildkompositionen zu planen, wenn man auf einmal nur mehr RAW fotografiert? Ist es Können, Talent oder ist es Glück, im richtigen Moment an der richtigen Stelle das richtige Equipment gehabt zu haben und die richtigen Einstellungen?


    Für mich gibt es gute Fotos und es gibt meine Fotos. Ich will damit nicht sagen, dass ich meine Fotos niemals gut fände, jedoch ist nicht jedes meiner Fotos ein objektiv als gut zu bewertendes Bild; und nicht jedes der Fotos, die meine Kamera für mich gemacht hat, hat die gleiche Bedeutung für mich. Ist es die Kunst, die der Künstler auszudrücken versucht oder ist es die, die der Öffentlichkeit durch ihren Unterhaltungswert zugutekommt?


    Es ist wie mit dem Schreiben, ein Foto ist wie ein Gedicht. Es kann viel sagen und bedeuten und keiner wird es verstehen. Es kann aber auch nichtssagend sein und trotzdem große Bedeutung besitzen.


    Oder es ist eines von vielen – und hat gar keinen Wert.



  • Gattung: freie Poesie



    Klarschaum



    Jede Nacht, und jede Nacht
    Wird für mich zum Tag.
    Jede Nacht träum ich davon
    Träume in den Tag hinein,
    Träum davon, bei dir zu sein.
    Jede Minute wird zur Stunde,
    Jeder Tag allein zu einer Pein.
    Träume das, was nicht ist und
    Was du nicht für mich bist.



    meine stimme



    ich will reden, ich will sprechen, ich will flüstern, ich will lachen, ich will leben, ich will lieben, ich will geben, ich will loben, ich will toben, ich will fluchen, ich will kuchen, ich will stümpern, ich will lästern, ich will gestern, ich will morgen, ich will keine sorgen, ich will sagen, ich will SCHREIEN

    – aber du hörst mich nicht.



    füße wund



    aufgelaufen
    wie ein schiff das in der brandung steht
    abgelaufen
    wie die milch in meinem kühlschrank steht
    rumgelaufen
    wie im stadtplan geschrieben steht
    dummgelaufen
    wie es um uns derzeit steht



  • Hi Lisa,

    da du noch keinen Kommentar erhalten hast, dachte ich mir einfach mal, dass ich dir einen kleinen Kommentar dalasse. o/ Übrigens: ich habe gerade bei deinem neusten Update das Gefühl, dass dir etwas durch den Kopf geht? Man könnte fast davon ausgehen, dass sich die Werke alle auf eine Sache beziehen; zumindest kommt es mir so vor, da sie sich inhaltlich sehr ähnlich sind. Aber well, das ist auch nur eine Vermutung, hu. ~
    Jedenfalls: ich habe mich in einem bestimmten Werk von dir widererkannt - meine stimme. Weswegen ich dir auch zu diesem Werk kurz meine Gedanken, Eindrücke und Meinung darlegen möchte. Ich hoffe einfach mal, du freust dich ein bisschen darüber und ich kann dir etwas weiterhelfen. Nun denn, auf gehts. :3



    Zunächst einmal: es ist kein Drabble, sondern einfach nur ein kurzes Werk deinerseits, was an ein Drabble angelehnt ist? Nein, keine Sorge, es kommt nicht "Warum nur so kurz? Da hätte man mehr rausholen können!"; weil ich die Aussage selbst absolut nicht leiden kann. Eventuell kann man das bei Fanfiction-Kapiteln sagen, weil man da eine andere Grundlage besitzt aber garantiet nicht bei allgemeinen Werken in einem Sammeltopic. Ich finde es sowieso nervig, dass Quantität mittlerweile als ein Kritierium zählt (hatte ich schon im FF-Vote in der BBO gesagt, lol). Als Autor hat man manchmal einfach seine Gründe, warum man kurze Werke schreibt. Außerdem kann man auch weiß ich wie viel schreiben und es klingt am Ende nicht sehr viel besser als drei Sätze, lol. Mal davon abgesehen: man kann als Leser einfach mehr nachdenken und interpretieren, wenn der Autor nicht 34567890 Worte schreibt.
    Okay... nach dem ich mich nun erfolgreich in Rage geredet habe (xD), kommen wir mal wieder zu deinem Werk. Im Prinzip besteht der gesamte Text aus Aussagen, die das "Ich" machen will. Interessant finde ich hier, dass du nicht nur Verben vrwendest (was man eigentlich in dem Fall tut), sondern auch Begriffe wie "gestern" und "morgen" verwendest. Finde ich total toll, lol. Außerdem reimt sich das morgen mit den Sorgen! War das beabsichtigt? Oder ist das einfach im Schreibfluss entstanden? Wie auch immer; es gibt dem Text irgendwie einen Schwung beim Lesen, was mir sehr gut gefallen hat.
    Was mir aber wirklich am besten am ganzen Werk gefallen hat, ist dieser Gegensatz. Dass das "ich" so viel will (und es eigentlich auch kann, weil wer hindert es daran?) und es alles nichts bringt, weil die Person, die am Ende angesprochen wird, kein Interesse daran zeigt, was das Ich will und/ oder ihm nicht zuhört. Trauriger weise kein allzu seltener Fall, denn wer kennt es nicht? Und ja, da habe ich mich wohl auch angesprochen gefühlt. Allein die Tatsache, dass man es ja machen kann, weil niemand einen daran hindert, es aber nichts bringt... hach ja, so much wow. Ich mag solche Gedankengänge sehr, einfach weil es sich darum um ein alltägliches Problem handelt und man es im Prinzip sehr oft hat - aber niemand wirklich darüber redet, weil... wer hört schon zu?
    Interessant am Werk ist btw. auch, dass du alles klein geschrieben hast. Zwar kann ich daraus nicht wirklich Informationen ziehen, aber ich denke einfach mal, dass du das auch aus einem bestimmten Grund getan hast? Oder halt: fuck Rechtschreibung, wer braucht sie schon, haha. Ich sollte auch mal so ein Werk schreiben, hm. Danke, für die Inspiration.


    So, dann komme ich mal langsam zu einem Ende. Ich hoffe, du hast dich ein bisschen über den kurzen Kommentar gefreut. Viel Spaß beim weiteren Schreiben und man liest sich. :3


    ~ Liz

    ________________ஜ۩۞۩ஜ________________

    »Be the chaos you want to see in the world.«

    - Mollymauk



  • sprachlos


    Gattung: freie Poesie
    inspiriert von: Wir sind Helden




    Ich suche barfuß,
    Ich laufe blind -
    Meter für Kilometer,
    Finde die Worte nicht.


    Erst kurz vor halb drei
    Und ich bin schon so müde;
    Aber schlafen will ich trotzdem nicht.


    Ich will dich, will zu dir,
    Lebe kopflos, bin außer mir.
    Habe mein Herz verloren.


    Hast du es gefunden?
    Wir sind doch Helden…
    Danke fürs Suchen und Finden.
    PS: der Finder darfs behalten.


    (für wushl ♥)




  • rechtundordnung


    Gattung: Gedicht - Haiku


    I am a failed state
    Liberated by design
    Caught in my own mind




    Was ist Kunst?


    Gattung: Gedicht


    Kunst, das wird ein Künstler sagen,
    Kunst ist die Antwort aller Fragen.
    Schon hört man Kritiker tratschen:
    Soll der Künstler doch quatschen.


    Doch dieser weiß ganz genau
    Kunst ist wie eine liebliche Frau.
    Und da kam lautes Gelächter
    Das wird ja immer schlechter!


    Liebkosen muss man sie doch
    Wachsen soll die Idee noch.
    Prusten vernimmt man von hinten
    Amüsiert von diesem Schinken.


    Stolz verkündet der Mann,
    wie toll er schreiben, zeichnen, schaffen kann!
    Einer kann sich nicht mehr halten,
    Auf der Stirn schon lauter Falten.


    Träumen, das ist Kunst
    Ganz in seiner Gunst.
    Aber, aber - nach all den Jahren
    Was hat der Künstler je erfahren?