MOSAIK

  • Hi.

    Okay, seit meinem letzten Kommentar hat sie Crash besiegt, ihn rekrutiert, Heidenstein angerufen, sich mit Michael gestritten, sich von Murphy eine Entschuldigung geholt und ein Monster gejagt. Es ist also schon Einiges passiert. Crash scheint wirklich ganz in Ordnung sein - er ist nicht blöd, versteht was vom Kämpfen (auch, was stärkere magische Gegner betrifft) und wirkt auch teamfähig, jedenfalls scheint er im Kampf ganz gut mit Pakhet zu harmonieren, soweit es erforderlich ist und lässt niemanden im Stich. Und er hat dazu beigetragen, dass Murphy sich entschuldigt.

    Mit Heidenstein scheint sich nun ja eher ein Konflikt anzubahnen - er meldet sich nicht so oft und sein Fehlen bei der Mission hat sich als durchaus problematisch erwiesen, auch wenn man jetzt darüber streiten kann, ob es wirklich "seine Schuld" gewesen ist. Wobei mir bei dem Thema noch zwei Zitate einfallen, einmal am Ende des Kapitels, wo Pakhet ihn anruft:

    „Verfickter Idiot.“

    Ist vielleicht meine allzu behütete Erziehung und es ist auch nur ein kleines Detail, aber "verfickter" schien mir an der Stelle irgendwie ein wenig "heftig". Weiß nicht, ich hatte das Gefühl, etwas Harmloseres wie "blöder" wäre angebracht. Aber keine Ahnung. Pakhet ist ja Amerikanerin (wenn ich mich recht erinnere), und vielleicht verwenden die ihr Äquivalent zu "verfickt" inflationärer, sodass es an Ausdruckskraft ein bisschen mehr verloren hat. Ist aber auch nur mein persönlicher Eindruck jetzt. Ansonsten ist mir noch das hier aufgefallen:

    Aber den Luxus würden sie nicht haben.

    Der Wagen kam zum Stehen. „Was machen wir jetzt?“, fragte Spider.

    „Aussteigen und Kämpfen.“ Konnte sie die anderen nicht einfach hierlassen? Es wäre sicherer. Es wäre deutlich sicherer.

    Doch es war ein Luxus, den sie nicht hatte. Ein Luxus, den sie sich nicht erlauben konnte.

    Hier fand ich's irgendwie auffällig, dass die Redewendung mit dem Luxus zweimal relativ kurz hintereinander vorkommt. Ist jetzt auch eher nitpicky, aber persönlich würde ich eins davon durch irgendetwas Gleichbedeutendes ersetzen. Aber na ja, nur ein Vorschlag. Habe ja sonst am Schreibstil auch nichts zu meckern.

    Ansonsten zu Heidenstein: Ich frage mich ein bisschen, ob er vielleicht Murphy das mit der Heilung beigebracht hat, aber keine Ahnung. Oder ob Murphy sich das von ihm abgeguckt hat, aber es ist Magie und kein Judowurf, weshalb ich spontan vermuten würde, dass das so nicht einfach möglich ist. Das wäre halt etwas, was Heidenstein ein bisschen "rehabilitieren" würde, aber möglicherweise ist es nur mein Wunschdenken, weil Heidenstein bisher relativ verlässlich wirkte. Vielleicht hat er sein Team also wirklich ein bisschen vernachlässigt, weil er mit anderem kram beschäftigt war - die Frage ist dann halt, ob der Kram wirklich so wichtig war, also Heidenstein gute Gründe hatte. Möglich wär's. Na ja, man wird sehen. Ich vermute jedenfalls, dass es so oder so für Heidenstein ein Donnerwetter geben wird.

    Das letzte Kapitel war natürlich sehr actionreich, wobei das Ende sich nicht wirklich wie ein Sieg anfühlt (ist natürlich nicht negativ gemeint). Einerseits ist Spider natürlich stark verletzt worden und ich kann jetzt nicht sagen, ob er überlebt. Ich würd's ihm wünschen, aber ... Na ja, ich bin gerade besorgt, weil er und sein Bruder nicht so viel Präsenz hatten und ich mir jetzt nicht sicher bin, ob es vielleicht daran liegt, dass sie ohnehin nicht lange dabei sein werden.

    Andererseits handelte es sich bei dem "Monster" anscheinend auch nicht um Jemanden, der so ein Ende in irgendeiner Art verdient hätte. Außerdem war er ein Elefant. :( Da fühlt sich das also am Ende nicht wirklich wie eine Mission an, deren Ausgang man als Erfolg verbuchen könnte, auch wenn vielleicht größerer Schaden verhindert wurde.

    Davon ab wollte ich nochmal die Darstellung der Actionszenen hervorheben. Die sind durchgehend spannend geschrieben, ohne dabei unübersichtlich oder verwirrend zu werden.


    Ähm, ja. Das wäre fürs Erste alles, glaube ich ... Glückwunsch zur abgegebenen Masterarbeit noch und so.

  • Mir? Oder ist das Kapitel gerade aus einer anderen Sicht geschrieben?

    Hö?


    Ich bin verwirrt. Die Geschichte ist doch durchweg in dritter Person geschrieben.


    Ich weiß, dass die Wiederholung des Wortes am Anfang peppig sein soll, aber die Formulierung würde ich noch ändern.

    Hier tagge ich auch kurz Thrawn : Das ist tatsächlich ein Stilmittel. Halt um das Wort hervorzuheben. :)


    Wollte es grade selbst erwähnen. Er muss aussehen wie einer.

    *hüstel* Mag auch dran liegen, dass der Charakter als solcher konzipiert war, ehe die Handlung nach Südafrika verlegt wurde.


    Interessantes Konzept. Der ölige Körper könnte ein bisschen an Mononoke Hime erinnern und hat generell etwas spokyes.

    Deine Erfindung, oder eine Anspielung, auf einen echten Kryptiden?

    Schwarzes Öl... da fällt mir auch wieder eine Monsterhunter Anspielung ein, aber die verkneife ich mir mal.

    Hihi, was es damit auf sich hat ist tatsächlich gewisserweise ein Foreshadowing von etwas, das weit, weit, weiiiiiiiit später in der Geschichte wichtig wird. :P

    Das Monster selbst ist aus einer Xhosa Legende genommen, aber was mit seinem Körper passiert ... Nun, das wäre ein Spoiler.


    Crash scheint wirklich ganz in Ordnung sein - er ist nicht blöd, versteht was vom Kämpfen (auch, was stärkere magische Gegner betrifft) und wirkt auch teamfähig, jedenfalls scheint er im Kampf ganz gut mit Pakhet zu harmonieren, soweit es erforderlich ist und lässt niemanden im Stich.

    Ja, Crash ist schon ein guter. :P Er ist auch einer unserer (also Yasha Wolf Seki und meiner) Lieblingscharaktere in dieser Geschichte. Das hat schon seinen Grund. :3


    Mit Heidenstein scheint sich nun ja eher ein Konflikt anzubahnen - er meldet sich nicht so oft und sein Fehlen bei der Mission hat sich als durchaus problematisch erwiesen, auch wenn man jetzt darüber streiten kann, ob es wirklich "seine Schuld" gewesen ist.

    Pakhet mag es gerade ihm die Schuld geben zu können. Und ja, sie ist sauer.


    Ist vielleicht meine allzu behütete Erziehung und es ist auch nur ein kleines Detail, aber "verfickter" schien mir an der Stelle irgendwie ein wenig "heftig". Weiß nicht, ich hatte das Gefühl, etwas Harmloseres wie "blöder" wäre angebracht. Aber keine Ahnung. Pakhet ist ja Amerikanerin (wenn ich mich recht erinnere), und vielleicht verwenden die ihr Äquivalent zu "verfickt" inflationärer, sodass es an Ausdruckskraft ein mehr verloren hat. Ist aber auch nur mein persönlicher Eindruck jetzt.

    Im Englischen ist es "Fucking Idiot". Und wer mal mit jemanden aus den US gesprochen hat, weiß, dass dort das Wort "fucking" Inflationär verwendet wird. Es ist ein Fluch. Eine Steigerungsform. Ein universal verwendbares Wort. Es ist wundersam. Pakhet liebt dieses Wort. :P Sie verwendet es mindestens zwanzig Mal am Tag. Und das ist dann ein guter Tag. An schlechten Tagen ... xD" An anderen Stellen haben wir es durch deutsche Worte ersetzt, aber es war in diesem Kontext uns einfach wichtig, das wirklich äquivalente Wort zu verwenden. :P


    Ich vermute jedenfalls, dass es so oder so für Heidenstein ein Donnerwetter geben wird.

    Hehehe. Einfach das nächste Kapitel abwarten. Ab dem darf übrigens auch gewettet werden, warum er sich so lange nicht gemeldet hat und auf einmal die kalte Schulter hergezeigt hat.


    Das letzte Kapitel war natürlich sehr actionreich, wobei das Ende sich nicht wirklich wie ein Sieg anfühlt (ist natürlich nicht negativ gemeint). Einerseits ist Spider natürlich stark verletzt worden und ich kann jetzt nicht sagen, ob er überlebt. Ich würd's ihm wünschen, aber ... Na ja, ich bin gerade besorgt, weil er und sein Bruder nicht so viel Präsenz hatten und ich mir jetzt nicht sicher bin, ob es vielleicht daran liegt, dass sie ohnehin nicht lange dabei sein werden.

    Ja, genau das ist halt das Problem an solchen kämpfen. Oftmals fühlt sich das Ende dann so an. Hier natürlich durchaus beabsichtigt. Das ist auch der Grund, warum Pakhet keine Monsterjagden mag.

    Davon ab wollte ich nochmal die Darstellung der Actionszenen hervorheben. Die sind durchgehend spannend geschrieben, ohne dabei unübersichtlich oder verwirrend zu werden.

    Danke :3


    Außerdem war er ein Elefant. :(

    Jap. Ich wollte nur einmal einen Elefantenwandler aus der Legende reinbringen ... <3


    Ähm, ja. Das wäre fürs Erste alles, glaube ich ... Glückwunsch zur abgegebenen Masterarbeit noch und so.

    Danke dir :3

  • .


    Frohe Feiertage an alle, die irgendetwas feiern. Hier ist das Kapitel, in dem es ein wenig Informationen über den guten Doctor Heidenstein gibt. Ich möchte langsam, aber wirklich Thrawn spekulieren hören :P


    .


    [09.06.2011 – D14 – Ehrlich]


    Der Asphalt war noch immer nass, die Luft jedoch klar. Es war später Nachmittag, zwanzig nach fünf, als Pakhet auf den Parkplatz des Krankenhauses fuhr.

    Sie tat es wirklich. Sie war wirklich hergekommen. Vielleicht hatte Michael Recht. Es war eine Schwäche. Es war nicht ihre Art, nicht ihr Stil. Sie konnte noch immer umkehren.

    Nein.

    Verdammt.

    Sie konnte nicht.

    Die Wahrheit war, dass sie sauer war. Auf Heidenstein. Ohne den improvisierten Heilzauber Murphys wäre Spider gestern gestorben. Deswegen hatten sie einen Heiler im Team, oder? Damit er sich darum kümmerte, nicht Murphy.

    Abgesehen davon war sie persönlich sauer auf ihn. Warum hatte er sich nicht gemeldet? Egal was sie gegenüber Michael sagte, sie betrachtete ihn als Freund und fühlte sich verraten.

    Also stieg sie von ihrem Motorrad ab und marschierte mit langen Schritten auf den Hintereingang des Krankenhauses zu. Er musste irgendwo da sein. In der Straßenklinik oder seiner Wohnung. Vielleicht auch im eigentlichen Krankenhaus. Mr Anderson. „Wir haben auf sie gewartet, Mr Anderson.“ Nein. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, für Filmreferenzen.

    Sie drückte die Doppeltür auf und betrat das Gebäude. Wie immer standen da zwei Wachen. Russen. Natürlich.

    Sie sahen sie verdutzt an. Einer hatte die Hand an seiner Waffe. Der andere erkannte sie.

    „Ich suche Heidenstein“, sagte sie, bemüht die Wut nicht in ihrer Stimme mitschwingen zu lassen.

    Der Kerl, der sie erkannte, nickte, legte seinem Kollegen die Hand auf die Schulter. „Er ist unten.“

    Pakhet nickte dankbar. Sie hatte nicht gegen die beiden kämpfen wollen. Ein Teil von ihr hatte erwartet, dass Heidenstein seine Wachen angewiesen hatte, sie nicht reinzulassen.

    Sie fand Heidenstein in seinem Büro. Er hatte keinen Patienten. Umso besser.

    Ohne zu Klopfen kam sie rein. „Doc.“ Es war keine Frage. Eher eine Feststellung.

    Er blickte auf. Im Bruchteil einer Sekunde huschten mehrere Emotionen über sein Gesicht: Überraschung. Verwirrung. Misstrauen. Wut. Unsicherheit. Er stand auf. „Pakhet. Was machst du hier?“ Seine Stimme war unsicher, aber hart. Härter als normal. Er mied ihren direkten Blick.

    „Ich dachte als verantwortungsvolle Teamleiterin schaue ich, wo unser Teammedic abgeblieben ist.“ Unterdrückte Frustration schwang in ihrer Stimme mit. Sie konnte es nicht verhindern.

    „Ich habe doch Bescheid gesagt.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich habe einem Freund ausgeholfen.“ Er wollte an ihr vorbei gehen, doch sie streckte die Prothese aus, um die Tür zu blockieren.

    Bildete sie es sich nur ein oder bewegte er sich seltsam? „Doc. Was ist los?“

    Er warf ihr einen kurzen Blick zu. „Nichts. Es haben sich nur ein paar Sachen angesammelt und ich …“ Wieder brach er ab.

    „Gestern wäre Spider fast gestorben, weil du nicht da warst.“

    Seine Kiefermuskeln spannten sich merkbar an. Kurz schloss er die Augen, holte tief Luft. „Es tut mir leid, okay?“ Ein weiteres Kopfschütteln folgte. „Ist er okay?“

    „Ja. Murphy hat sich irgendwie an einem Heilzauber versucht und schlimmstes verhindert. Wir wissen nur nicht, ob wir in zwei Wochen vollständig sind.“

    „In zwei Wochen?“

    „Der große Gig? Das Ding, für das Smith eigentlich das Team wollte?“

    „Oh.“ Heidenstein seufzte. Etwas stimmte definitiv nicht mit ihm. Er schien Schmerzen zu haben. „Vielleicht solltest du mit Smith reden und …“

    „Fuck.“ Der Fluch glitt ihr über die Lippen, ehe sie sich beherrschen konnte. „Doc. Was zur Hölle ist los?“

    „Nichts!“, sagte er – dieses Mal mit Nachdruck.

    „Ja, sicher.“ Sie schenkte ihm einen wütenden Blick.

    Er hob die Hand, um ihren Arm runterzudrücken. Er benutzte nicht viel Kraft und sie hätte es verhindern können, ließ aber den Arm sinken. Er ging an ihr vorbei. Seinem Gang nach zu urteilen musste er irgendeine Verletzung an der Taille haben. Was war passiert?

    „Heidenstein“, sagte sie vorsichtig. „Doc. Red mit mir! Ich mache mir Sorgen, ja?“

    „Es tut mir leid.“ Er drehte sich nicht zu ihr um. Wohin wollte er überhaupt? Wahrscheinlich einfach nur weg.

    Fuck. Plan B. „Anderson?“




    Er hielt inne. Als er sich nach ein oder zwei Sekunden umdrehte, hatte er die Stirn gerunzelt. „Wie hast du mich genannt?“

    „Anderson“, erwiderte sie. Sie war sauer. Sie hatte keine Ahnung, was mit ihm los war. Er verhielt sich wie ein kleines Kind. „Joachim Anderson. Das bist du, oder?“

    Für einen Moment schien er nicht zu wissen, was er sagen sollte. Er machte allerdings keine Anstalten, es zu verleugnen. „Hat dir Smith davon erzählt?“

    „Nein.“ Sie sah ihn düster an.

    „Forrester?“

    „Ich habe es selbst herausgefunden“, erwiderte sie. „Es ist nicht so, als hätte es besonderem detektivischen Verständnis bedurft.“ Sie machte eine weitläufige Geste. „Wer, wenn nicht der Besitzer, würde hier leben? Wer, wenn nicht der Besitzer, würde Equipment stehlen wollen?“

    Noch immer starrte er, schloss dann die Augen. Er wirkte ergeben.

    Halb rechnete sie damit, dass er wütend werden würde, dass er sie anschreien würde, doch nichts dergleichen geschah. Seine Züge entspannten sich. Er wirkte ergeben, schwieg aber.

    Sie ging auf ihn zu. Verdammt, was sollte sie jetzt eigentlich sagen? Sie war nicht gut mit sozialen Dingen. „Doc.“ Er fühlte sich natürlicher an, ihn so zu nennen. „Verdammt noch mal. Was ist los?“

    Er wich einen Schritt zurück, ehe stehen blieb und sich gegen die Wand lehnte. Er überlegte zu. Sein Blick wirkte nicht mehr wütend, nur ratlos.

    Die Stille zog sich. Fünf Sekunden, dann zehn. Schließlich seufzte er.

    „Victor hatte Probleme. Jemand war auf ihn angesetzt, er hatte ein Treffen in der Ukraine, ich bin mitgekommen.“ Noch ein Seufzen. Er musterte sie. „Kurzfassung: Wir sind in einen Hinterhalt geraten, wurden beide angeschossen. Nichts Dramatisches, aber es hat mich ausgeknockt. Und sagen wir es mal so, der Arzt, zu dem man mich gebracht hat, hat die Dinge nicht besser gemacht.“

    „Deswegen bist du noch nicht zurück?“

    Er schürzte die Lippen, wich ihrem Blick aus. Es war nicht alles, doch was auch immer noch war: Er sagte es nicht. „Ja.“

    Pakhet fragte nicht weiter. Sie wollte nicht weiter drängen. „Warum hast du die Wunde nicht geheilt?“

    „Heilt nicht ordentlich“, murmelte er. „Entzündet.“

    „Und damit läufst du hier rum?“

    Er schwieg.

    „Warum warst du nicht in der Zentrale? Da gibt es andere Ärzte.“

    Schweigen. Ein Seufzen. Ein mattes, selbstironisches Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. „Stolz?“

    Sie musterte ihn, selbst seufzend. „Lässt du mich danach sehen?“

    Wieder zögerte er, ehe er nickte. „In Ordnung.“ Er machte eine Pause und beobachtete sie dabei. Dann leckte er sich über die Lippen. „Es tut mir leid, Pakhet.“

    Zur Antwort zuckte sie mit den Schultern. „Du bist halt ein verfickter Idiot.“

    Er hob eine Augenbraue. „Ein was?“

    Sie grinste. „Ein verfickter Idiot.“ Damit legte sie eine Hand auf seine Schulter. „Komm. Lass mich nach der Wunde sehen.“



    .

  • Deswegen hatten sie einen Heiler im Team, oder?

    Mich wundert dass sie sauer ist. Es schien mir so, als sei seine Abwesenheit vorher einkalkuliert worden.

    Aber aus Frust kann man schnell zornig werden. Spider dürfte ihr aber eigentlich egal sein, also warum scheren?

    „Wir haben auf sie gewartet, Mr Anderson.“ Nein. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, für Filmreferenzen.

    Von wo stammt das Zitat?

    „Ja. Murphy hat sich irgendwie an einem Heilzauber versucht und schlimmstes verhindert. Wir wissen nur nicht, ob wir in zwei Wochen vollständig sind.“

    Könnte es sein, dass der Junge sich zurückhält, damit man ihn unterschätzt/nicht groß beachtet?


  • .


    [13.06.2011 – X06 – Vorbereitung]


    Am Ende schaffte sie es Heidenstein davon zu überzeugen, sich in der Zentrale behandeln zu lassen.

    Magische Heilung war ein tückisches Ding: Sie erlaubte vieles – vom Nachwachsen lassen fehlender Gliedmaße einmal abgesehen – doch überragende Heiler waren selten, sehr selten. Die meisten schafften es bloß, die normale Heilung zu beschleunigen. Schwerere Verletzungen, alles, was über oberflächliche Schnitte hinaus ging, brauchten einige Sitzungen über mehrere Tage verteilt und verbrauchten Energie von Heiler und Patient gleichermaßen.

    Deswegen lag Mik weiterhin in der Krankenstation. Deswegen lief Heidenstein auch nach einigen Tagen angespannt.

    Nichts desto trotz war es an der Zeit, zu versuchen, die Truppe – also vor allem Murphy und Spider – auf ihre „Abschlussprüfung“ vorzubereiten. Pakhet hielt es noch immer für eine dumme Idee, die beiden auf einen großen Einsatz mitzunehmen. Auch Heidenstein hätte sie lieber zurück gelassen, doch war er ein fähiger Medic. Zumindest jetzt, da er sich wieder bemühte, sich um das Team zu kümmern. Einzig um Crash machte sie sich keine Sorgen. Er war nicht subtil, war dafür aber ein verdammt fähiger Kämpfer. Auch wenn er mit Schusswaffen nicht umgehen konnte, so schaffte er mit seinen Speeren manchmal über hundert Meter. Mit einem Carbonspeer würde er wahrscheinlich mehr schaffen.

    Noch dazu erlaubte es ihm seine dunkle Haut, in der Dunkelheit trotz seiner Größe kaum bemerkt zu werden.

    Ihre größte Sorge blieb aber, dass sie nicht genau wusste, wohin sie gingen und was sie suchten. Alles, was Smith ihr hatte sagen können, war, dass die Firma SSA eine Ölbohrinsel vor Langebaan betrieb, dass der Auftraggeber seit längerem diese überwachte und dass er vermutete, dass die Einrichtung eigentlich irgendeine Form von Forschungsstation war. Es war alles verdammt vage.

    Außerdem mochte sie den Gedanken nicht, auf einem Boot soweit rauszufahren. Die Insel war achtzig Kilometer von der Küste entfernt.

    Seit sie ihren Arm verloren hatte, konnte sie selbst im Becken kaum schwimmen. Ja, sie hatte das Training dahingehend vernachlässigt. Dennoch hatte sie Angst vor dem Wasser.

    Deshalb war sie nun im Becken, das zu den Trainingseinrichtungen unter der Zentrale gehörte. Sie hasste es, etwas nicht zu beherrschen. Dennoch erinnerte ihr Schwimmstil an eine ertrinkende Katze. Egal wie oft sie es versuchte, sie tat sich schwer, sich im Wasser fortzubewegen, keuchte schon nach zwei Bahnen.

    Am Ende zog sie sich aus dem Wasser und blieb ab Beckenrand sitzen.

    Sie sorgte sich um ihr Team. Michael hatte Recht: Es war nicht ihre Art. Dennoch sorgte sie sich um sie. Dabei hielt sie die meisten von ihnen für Idioten.

    Vielleicht aber, war sie der größte Idiot. Denn wenn sie im Wasser landete, dann würde sie darauf hoffen müssen gerettet zu werden. Draußen auf dem Meer, draußen, bei Seegang, würde sie sich kaum über Wasser halten können.

    Sie hasste den Gedanken an diese Hilflosigkeit. Sie hasste den Gedanken, etwas nicht zu können.



    .


    [18.06.2011 – D15 – Unsichtbar]


    „Heidenstein.“ Pakhet lief die Treppe zur Straßenklinik hinab. Auch wenn er ein paar Patienten in der eigentlichen Klinik behandelte, war er meistens hier zu finden.

    Stille.

    Der Flur lag im Dunkeln. Vielleicht war er oben. Doch unter der Tür zu seinem Werkzimmer war Licht zu sehen.

    Wahrscheinlich war er wieder in seine Arbeit vertieft. Sie seufzte. Eigentlich sollte er öfter zum Training kommen. Sie verstand, dass er sich um die Klinik kümmern wollte, aber das hier  …?

    „Heidenstein?“, rief sie erneut. Sie marschierte zum Werkzimmer, klopfte an der Tür, öffnete sie dann. Wenn er arbeitete vergaß er die Welt. „Ich dachte, du bist in der Klinik.“ Sie trat ein und fand das Zimmer verlassen vor.

    Pakhet runzelte die Stirn. Er war nicht der Typ, der das Licht brennen ließ.

    Tatsächlich aber lag auch noch Material auf dem Tisch. Draht. Holz. Steine. Was hatte er jetzt schon wieder gebastelt?

    Sie setzte sich auf einen der beiden Hocker vor der Bank, verschränkte die Arme und wartete. Vielleicht gab es einen Notfall. Vielleicht war er auf dem Klo. Immerhin war er ein Mensch.

    Seitdem seine Wunde geheilt war, hatten sie nicht mehr über seine Abwesenheit geredet. Er mied das Thema und sie wollte nicht darüber reden, dass sie hergekommen war, um ihn zu holen. Es war nicht ihr Stil und in letzter Zeit dachte sie viel zu oft über diese Tatsache nach. Es war einfach nicht ihr Stil.

    Minuten vergingen. Sie sah auf die Uhr. Sie wartete drei Minuten. Fünf. Sieben.

    Es hatte ihn niemand entführt, oder? Sie hätte sich ankündigen sollen. Nein, hätte sie nicht. Offiziell arbeitete er aktuell für sie und sollte als Medic eigentlich erreichbar sein. Was, wenn Crash aus Versehen jemanden beim Training verwundete?

    „Heidenstein?“

    Natürlich antwortete er nicht.

    „Verfickter Idiot“, murmelte sie. Es wurde ihr neuer Spitzname für ihn. Verdient.

    Sie nahm ihr Handy heraus, schrieb ihm eine Nachricht. Wartete. Weitere zwei Minuten. Drei. Vier. Keine Antwort.

    Sie seufzte und stand auf. Sie hatte besseres zu tun. Warum war sie extra hier heraus gefahren? Doch warum hatten die beiden Wachen sie runtergelassen, wenn er nicht hier war? Wenn er nicht da war, war die Straßenklinik geschlossen. Also  …

    Sie trat auf den Flur heraus und blickte sich noch einmal um. Sie hatte ein seltsames Gefühl. Dann kam ihr ein Gedanke.

    Gegenüber dem Werkszimmer war sein Refugium, sein „Magiezimmer“. Sie ging zur Tür, lauschte. Es brannte kein Licht – jedenfalls sah sie keins unter der Tür – doch musste das nichts heißen. Wenn er ein Ritual wirkte, würde er Kerzen als Lichtquelle benutzen. Wie die meisten Magier. Aus Tradition. Wahrscheinlich aus Tradition. Was verstand sie schon davon? Sie wusste, wie ihre eigene Magie funktionierte, selbst wenn sie von ihren Fähigkeiten nur selten als Magie dachte. Mehr musste sie nicht wissen. Mehr brauchte sie nicht. Echte Magie war seltsam, unlogisch und oft auch etwas gruselig.

    Sie klopfte an der Tür. Keine Antwort.

    Für zwei oder drei Sekunden hielt sie inne, zögerte. Dann gab sie den Code in das Keypad ein und öffnete die Tür. Sie drückte sie auf und fand tatsächlich Heidenstein, in tiefer Meditation versunken, vor dem magischen Kreis kniend.

    Es war seltsam ihn so zu sehen. Er war gänzlich weggetreten. Sollte sie ihn ansprechen oder würde das magische Nebenwirkungen mit sich bringen?

    Unsicher blickte sie sich um, schloss dann die Tür und hockte sich hin.

    Heidenstein trug nur ein T-Shirt und eine kurze Hose. Nicht unbedingt das, was man von einem Magier erwartete. Beides schien vor allem nach Bequemlichkeit ausgewählt zu sein. Das T-Shirt war ausgeleiert, die Hose verbleicht. Jedenfalls wirkte es durch das blasse Licht der Kerzen so.

    Im magischen Zirkel lagen drei Gegenstände. Ein Armband, ein Spiegel und eine schwarze, brennende Kerze.

    Was auch immer er damit vorhatte. Zumindest war keine Blutmagie involviert.

    Meistens dachte sie über ihn nicht als Magier, selbst wenn sie wusste, dass er magische Heilung beherrschte. Es war dennoch klar, dass er vor allem ein Mann der Wissenschaft war. Er, mit seinem hochgebildeten Oxfordenglisch.

    Sie seufzte leise und wartete. Warum wartete sie eigentlich? Das einzige, was sie hier tun konnte, war über die verschiedenen Möglichkeiten, wie ihr kleiner Ausflug auf die vermeintliche Ölbohrinsel schief gehen konnte, nachzudenken.

    Sie hatte die Bilder gesehen, die ihr Auftraggeber mithilfe von Drohnen aufgenommen hatte, und was sie gesehen hatte, hatte ihr gar nicht gefallen. Es gab viel Sicherheit. Zu viel um ungesehen daran vorbei zu kommen. Sie würden auf irgendeine Art die Konfrontation suchen müssen. Und sie mochte diesen Gedanken nicht.

    Die Flamme der schwarzen Kerze verlosch.

    Heidenstein ließ einen tiefen Atemzug hören und öffnete die Augen. Er blinzelte, als er sie bemerkte. „Pakhet?“

    Sie schreckte aus ihren Gedanken auf. „Hey, Doc.“ Sie schenkte ihm ein mattes Lächeln.

    „Was machst du hier?“, fragte er.

    „Nach dir schauen?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Was machst du da?“

    Er lächelte, offenbar froh, dass sie fragte. „Ich habe etwas versucht.“

    „Aha?“ Fragend musterte sie ihn.

    Er stand auf, ging zum Lichtschalter und machte das Licht im Zimmer wieder an, ehe er die Kerzen eine, nach der anderen löschte. „Ich habe versucht, ein Artefakt herzustellen.“

    „Versucht?“ War das nicht Alltag für einen Magier?

    „Ich bin darin nicht besonders gut“, gab er zu. Er wandte sich ihr zu, lächelte und fuhr dann mit den Kerzen, die im Regal standen, fort. Er löschte sie, indem er den Docht ausdrückte.

    „Aha.“ Was wusste sie schon über Magie?

    Er lachte leise, wohlwollend. „Ich habe ein paar Tage damit verbracht, alles vorzubereiten, aber  …“ Er räusperte sich.

    „Komm zum Punkt.“

    „Schon gut.“ Er sah sie an, kehrte zum Kreis zurück und hob das Armband auf. Zögerlich machte er es am Arm fest, beinahe, als rechnete er damit, dass es explodieren würde. Er schloss die Augen, holte tief Luft und  … verschwand. Er war wirklich verschwunden.

    Teleportation?

    Sie runzelte die Stirn. Nein. Etwas anderes.

    Jemand berührte sie an der Schulter. Heidenstein. Natürlich.

    Sie sah zu ihrer Seite und wenn sie die Augen zusammenkniff, konnte sie seine Umrisse im Licht der Lampe ausmachen. Es war eine Illusion.

    „Unsicherbarkeit“, stellte sie fest.

    „Ja“, antwortete seine Stimme. „Ich habe lange dafür gebraucht.“ Er wurde wieder sichtbar. „Der Nachteil ist, dass es aufladen muss.“

    „Aufladen?“ Sie hob eine Augenbraue.

    „Sonnenlicht.“

    Sie lachte. Sie konnte einfach nicht anders. „Ein solarbetriebenes Artefakt?“

    Er musterte sie lächelnd. „Magie hat halt immer irgendeinen Nachteil.“

    „Nein.“ Noch immer lachte sie leise. „Magie ist einfach immer ein wenig seltsam.“


    .

  • Was, wenn Crash aus Versehen jemanden beim Training verwundete?

    Das macht Sinn.

    Sie wusste, wie ihre eigene Magie funktionierte, selbst wenn sie von ihren Fähigkeiten nur selten als Magie dachte. Mehr musste sie nicht wissen. Mehr brauchte sie nicht.

    Das impliziert, dass auch sie nicht im Wissen um Magie geboren wurde und vielleicht auch eine Außenstehende war.

    Sie sah zu ihrer Seite und wenn sie die Augen zusammenkniff, konnte sie seine Umrisse im Licht der Lampe ausmachen. Es war eine Illusion.

    „Unsicherbarkeit“, stellte sie fest.

    Ah, jetzt verwandelt er sich in einen Bond Mechaniker, mit den technischen Gimmicks.

  • Das mit dem aus dem Kontext gerissenen Filmzitat ist doch von mir geklaut. :( Und ich habe das grundlegende Prinzip ja schon von Mark-Uwe Kling geklaut.

    Jedenfalls, ich wollte erst noch eine Art Re-Rekommi zu einem Punkt machen, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich da wirklich vermitteln konnte, was ich sagen wollte:

    Ansonsten das Übliche:

    Ähm, ja ... About that ...

    Ich möchte langsam, aber wirklich Thrawn spekulieren hören :P

    Aber worüber denn? Ich muss da wohl irgendwie die Ansätze übersehen. Weißt du, der eine Gedanke, den ich zu Michael hatte, kommt mir mittlerweile deutlich unwahrscheinlicher vor. Was ich mich in Bezug auf den frage, ist mehr so, ob es am Ende darauf hinauslaufen wird, dass man ihn loswird und Smith den ganzen Laden komplett übernimmt. Aber das muss man wohl abwarten und ist vielleicht auch wieder Wunschdenken, weil Smith sympathischer wirkt. Wobei die Tatsache, dass Smith sich da schon um so Einiges kümmert und Vieles organisiert, eines der wenigen Indizien ist, mit denen ich die Theorie zu Michael stützen konnte ... Aber ja, insgesamt ist da eher alles unwahrscheinlicher geworden und mir fehlt noch ein neuer Ansatz.

    Dann halt Heidenstein - OH MEIN GOTT ER WAR DER ELEFANT IN DER WÜSTE UND DESWEGEN IST ER JETZT VERLETZT UND DAS ERKLÄRT AUCH SEINE NAMENSHERKUNFT VON FRANKENSTEIN WEIL ER SEINEN ZERSCHMETTERTEN KÖRPER WIEDER ZUSAMMENGENÄHT HAT Okay, so abgedreht wird das nicht. Er ist ja mittlerweile wohl Anderson confirmed (sofern's da nicht irgendeine Art von doppeltem und dreifachem Spiel hinter gibt), wobei Smith und Michael anscheinend schon die ganze Zeit mehr wussten, aber warum sollten sie auch nicht? Natürlich kann man sich fragen, was er immer so treibt. Da ist eben dieser Viktor und dessen Gang und alles, aber was genau Heidenstein jeweils da erledigen muss - keine Ahnung. Es wäre interessant zu wissen, aber ich sehe derzeit keine deutlichen Anzeichen, an denen sich das erkennen ließe. Wobei es vielleicht auch mehr sein müsste als "Er ist halt einfach in einer Gang", wenn es da was zum Spekulieren geben soll ... Hm. Ansonsten ist irgendwie das Einzige, was mir auffiel, was aber auch nicht zwangsläufig ein Anzeichen für irgendetwas Größeres sein muss, dass er wohl extra in die Ukraine eingeflogen wurde für irgendeine Sache (sofern ich hier mal annehmen darf, dass er die Wahrheit sagt, zumindest einen Teil davon). Die Sache ist halt: Er ist ja ein guter Medic und ansonsten auch versiert, etwa im Umgang mit Schusswaffen, aber trotzdem könnte man sich fragen, ob's da irgendwie nicht noch mehr Gründe geben muss. Wobei, so wie er das formuliert - "Ich bin mitgekommen" - klingt's halt ohnehin auch eher so, als sei das seine freiwillige Entscheidung gewesen, und nicht etwa die Folge davon, dass man ihn jetzt unbedingt - ggf. wegen irgendwelcher richtig abgefahrener Fähigkeiten - gebraucht hätte. Dann wiederum müsste dann aber wohl auch eine besondere Motivation dagewesen sein, um mitzukommen - Er hat also eine enge Verbindung zu diesem Viktor, wie es scheint. Womit man dann eigentlich zu etwas anderem überleiten könnte, nämlich dem Namen "Heidenstein", auch wenn das vielleicht sogar fast schon etwas zu spät kommt und es sehr, wirklich sehr spekulativ wird. Aber wenn du unbedingt irgendwas in der Richtung hören willst, dann bitte. Ich möchte nur vorab klarstellen, dass nichts davon deutlich belegt ist und dass ich nicht wirklich dahinterstehe. Was ich natürlich hauptsächlich sage, damit ich später nicht einen Irrtum eingestehen muss; denn lieber mache ich kein commitment zu einer Theorie, als dass ich das Risiko eingestehe, damit dumm dazustehen.

    Heidenstein hat damals erwähnt, er dachte, der Name sei passend, also könnte man sich fragen, was man daraus vielleicht alles ziehen kann. Die Sache ist, dass es ja eine Kombination aus Hyde und Frankenstein darstellen soll. Nun hieß die Figur aus dem Roman damals ironischerweise Viktor Frankenstein, also trug sie den gleichen Namen wie Heidensteins Freund - Zufall? Falls nein, wäre natürlich die Frage, welcher Art von Nicht-Zufall; es könnte einfach der Fall sein, dass Heidenstein auf die Idee mit dem Namen kann, weil sein Freund so hieß und davon inspiriert wurde. Andererseits könnte man hier eben einen Anhaltspunkt für eine enge Verbindung zwischen den beiden sehen. Nun ja, davon ab hat Frankenstein ein Monster erschaffen, und man könnte fragen, ob da irgendwas Ähnliches in Heidensteins Vergangenheit vorgefallen ist oder ob er an Experimenten beteiligt war, die toter Materie Leben einhauchen sollten, was, wenn ich mich recht erinnere, aber auch in dieser Welt ein sehr schwieriges Unterfangen ist.

    Dann ist da der Namensteil "Hyde". Damit stünde man dann natürlich klassischerweise bei der Vorstellung einer gespaltenen Persönlichkeit, meist mit dem Zusatz, dass der eine Teil böse, der andere gut ist. Und hier wäre man dann wohl wieder bei der Verbindung zu diesem Viktor und kann sich eigentlich sogar irgendwas ausdenken von wegen, dass die beiden Teile eines Ganzen sind. Oder aber die Tatsache, dass beide angeschossen wurden, anders interpretieren, etwa so, dass vielleicht nur einer angeschossen wurde und was dem einen passiert, passiert auch dem anderen. Das wäre allerdings ein wenig heftig, weil:

    Oder Viktor ist das von Heidenstein erschaffene Monster und er fühlt sich verantwortlich. Oder sogar umgekehrt. Eh. Dann wäre halt noch die Frage, warum Heidenstein sich dann eben nach Hyde benennt - wie auch immer man jetzt Viktor in das Puzzle einordnet (oder auch nicht; kann wie gesagt mit seinem Namen auch nur ein Zufall sein oder ihr wolltet einfach eine falsche Fährte legen oder etwas in der Art), impliziert's ja irgendwie eine Bösartigkeit, die man von Heidenstein nicht erwarten würde. Aber wenn es eine unterdrückte ist, dann darf man's ja auch nicht erwarten. Was ich daraus machen soll, weiß ich noch nicht. Er war schon in einer Reihe bedrohlicher, anstrengender und gefährlicher Situationen, ohne dass irgendwas zum Vorschein kam (und da würde man das halt am ehesten erwarten, aber muss auch nicht sein), insofern ... Ja. Und überhaupt kann die Wahrheit am Ende auch wieder viel einfacher sein, aber dann habe ich halt derzeit auch nicht mehr zu sagen, glaube ich. Was er an "alltäglichen Dingen" mit seinem Freund so treibt oder in der Vergangenheit gemacht haben könnte - ich weiß gerade nichts. Was mich wurmt, weil ich darauf eigentlich mehr achten wollte. Insofern, nehmt das alles nicht als Theorien, hinter denen ich wirklich stehen würde. Dafür sind sie viel zu wenig fundiert. Und überhaupt ist jede Theorie eigentlich bereits widerlegt, wir tun bestenfalls so, als ob es anders wäre.

    Dann gibt's da übrigens noch Crashs Schwester Alice, die er ja beschützen will. Fragt sich, vor was bzw. wem - sie hat ja "besondere Fähigkeiten", hinter denen theoretisch jemand her sein könnte, was jetzt erst einmal das Einzige ist, was mir dazu einfällt. Aber na ja.

    Davon ab waren die übrigen Kapitel aber auch sonst interessant zu lesen. Man kann gut erkennen, dass Pakhet in der Tat etwas mehr aufgetaut ist und zu Heidenstein eine Freundschaft aufgebaut hat - so fühlt sie sich ja wirklich von ihm im Stich gelassen. Und ansonsten sieht man wohl jetzt auch mal eine Schwäche von Pakhet, was ihre Fähigkeiten anbelangt - sie kann nicht gut schwimmen. Das dürfte wohl noch zu einem Problem werden, wobei der Job generell als nicht so leicht dargestellt wird. Andererseits dürfte ein Unsichtbarkeitsarmband sicher nützlich werden, wenn es denn zum Einsatz kommt. Allerdings hat dieses ja auch einen Nachteil (und eigentlich lässt sich Unsichtbarkeit in der Fiktion auf verschiedene Arten neutralisieren. Oft genügt ein Eimer Farbe). Wobei mir hier noch einfällt: Erst Jekyll und Hyde, dann Frankenstein, jetzt halt auch noch der Unsichtbare - wirkt fast, als würde Heidenstein seine Inspiration aus diesen ganzen Klassikern ziehen, lol.

  • Aber worüber denn? Ich muss da wohl irgendwie die Ansätze übersehen.

    Es sind schon weniger Ansätze als bei Der Schleier der Welt, vor allem, da diese Geschichte nicht so sehr auf den Mysterie-Elementen aufbaut. Aber so ein paar Sachen gehen schon im Hintergrund vor sich. ;-)


    Weißt du, der eine Gedanke, den ich zu Michael hatte, kommt mir mittlerweile deutlich unwahrscheinlicher vor. Was ich mich in Bezug auf den frage, ist mehr so, ob es am Ende darauf hinauslaufen wird, dass man ihn loswird und Smith den ganzen Laden komplett übernimmt. Aber das muss man wohl abwarten und ist vielleicht auch wieder Wunschdenken, weil Smith sympathischer wirkt. Wobei die Tatsache, dass Smith sich da schon um so Einiges kümmert und Vieles organisiert, eines der wenigen Indizien ist, mit denen ich die Theorie zu Michael stützen konnte ... Aber ja, insgesamt ist da eher alles unwahrscheinlicher geworden und mir fehlt noch ein neuer Ansatz.

    Interessanter Gedanke.


    Dann halt Heidenstein - OH MEIN GOTT ER WAR DER ELEFANT IN DER WÜSTE UND DESWEGEN IST ER JETZT VERLETZT UND DAS ERKLÄRT AUCH SEINE NAMENSHERKUNFT VON FRANKENSTEIN WEIL ER SEINEN ZERSCHMETTERTEN KÖRPER WIEDER ZUSAMMENGENÄHT HAT

    Wäre ja nicht die erste Granate, die er weggesteckt hat.

    Okay, so abgedreht wird das nicht. Er ist ja mittlerweile wohl Anderson confirmed (sofern's da nicht irgendeine Art von doppeltem und dreifachem Spiel hinter gibt), wobei Smith und Michael anscheinend schon die ganze Zeit mehr wussten, aber warum sollten sie auch nicht? Natürlich kann man sich fragen, was er immer so treibt. Da ist eben dieser Viktor und dessen Gang und alles, aber was genau Heidenstein jeweils da erledigen muss - keine Ahnung.

    Weniger eine Gang und viel mehr die "Vory v zakone" aka die russische Mafia.


    Wobei, so wie er das formuliert - "Ich bin mitgekommen" - klingt's halt ohnehin auch eher so, als sei das seine freiwillige Entscheidung gewesen, und nicht etwa die Folge davon, dass man ihn jetzt unbedingt - ggf. wegen irgendwelcher richtig abgefahrener Fähigkeiten - gebraucht hätte. Dann wiederum müsste dann aber wohl auch eine besondere Motivation dagewesen sein, um mitzukommen - Er hat also eine enge Verbindung zu diesem Viktor, wie es scheint.

    Sehr gute Überlegungen.

    Heidenstein hat damals erwähnt, er dachte, der Name sei passend, also könnte man sich fragen, was man daraus vielleicht alles ziehen kann. Die Sache ist, dass es ja eine Kombination aus Hyde und Frankenstein darstellen soll. Nun hieß die Figur aus dem Roman damals ironischerweise Viktor Frankenstein, also trug sie den gleichen Namen wie Heidensteins Freund - Zufall? Falls nein, wäre natürlich die Frage, welcher Art von Nicht-Zufall; es könnte einfach der Fall sein, dass Heidenstein auf die Idee mit dem Namen kann, weil sein Freund so hieß und davon inspiriert wurde. Andererseits könnte man hier eben einen Anhaltspunkt für eine enge Verbindung zwischen den beiden sehen. Nun ja, davon ab hat Frankenstein ein Monster erschaffen, und man könnte fragen, ob da irgendwas Ähnliches in Heidensteins Vergangenheit vorgefallen ist oder ob er an Experimenten beteiligt war, die toter Materie Leben einhauchen sollten, was, wenn ich mich recht erinnere, aber auch in dieser Welt ein sehr schwieriges Unterfangen ist.

    Es ist ein sehr, sehr schwieriges Unterfangen, aber sowohl in die Richtung, als auch in die mit Victor bist du in einigen Punkten nahe drann und doch knapp daneben. ;-)

    Dann ist da der Namensteil "Hyde". Damit stünde man dann natürlich klassischerweise bei der Vorstellung einer gespaltenen Persönlichkeit, meist mit dem Zusatz, dass der eine Teil böse, der andere gut ist. Und hier wäre man dann wohl wieder bei der Verbindung zu diesem Viktor und kann sich eigentlich sogar irgendwas ausdenken von wegen, dass die beiden Teile eines Ganzen sind. Oder aber die Tatsache, dass beide angeschossen wurden, anders interpretieren, etwa so, dass vielleicht nur einer angeschossen wurde und was dem einen passiert, passiert auch dem anderen.

    Das ist doch mal eine Theorie. :-D

    Leider kann ich dir bestätigen, dass die beiden nicht auf diese Art verbunden sind. Der Ansatz mit dem Doppelleben ist da schon erfolgsversprechender.


    Oder Viktor ist das von Heidenstein erschaffene Monster und er fühlt sich verantwortlich. Oder sogar umgekehrt. Eh.

    Da bit du schon auf einer recht guten Spur.

    Dann wäre halt noch die Frage, warum Heidenstein sich dann eben nach Hyde benennt - wie auch immer man jetzt Viktor in das Puzzle einordnet (oder auch nicht; kann wie gesagt mit seinem Namen auch nur ein Zufall sein oder ihr wolltet einfach eine falsche Fährte legen oder etwas in der Art), impliziert's ja irgendwie eine Bösartigkeit, die man von Heidenstein nicht erwarten würde.

    Wir, falsche Fährten legen? Wir doch nicht! ;-)

    Dann gibt's da übrigens noch Crashs Schwester Alice, die er ja beschützen will. Fragt sich, vor was bzw. wem - sie hat ja "besondere Fähigkeiten", hinter denen theoretisch jemand her sein könnte, was jetzt erst einmal das Einzige ist, was mir dazu einfällt. Aber na ja.

    Dazu kommen wir bald. Alice ist ein Charakter, der dir eventuell gefallen könnte. ^^

    Davon ab waren die übrigen Kapitel aber auch sonst interessant zu lesen. Man kann gut erkennen, dass Pakhet in der Tat etwas mehr aufgetaut ist und zu Heidenstein eine Freundschaft aufgebaut hat - so fühlt sie sich ja wirklich von ihm im Stich gelassen.

    Ja, auch die mächtige Pakhet hat noch nicht ihre ganze Menschlichkeit verlohren. Hatte aber nicht mehr so viel zu gefehlt.

    Und ansonsten sieht man wohl jetzt auch mal eine Schwäche von Pakhet, was ihre Fähigkeiten anbelangt - sie kann nicht gut schwimmen. Das dürfte wohl noch zu einem Problem werden, wobei der Job generell als nicht so leicht dargestellt wird. Andererseits dürfte ein Unsichtbarkeitsarmband sicher nützlich werden, wenn es denn zum Einsatz kommt. Allerdings hat dieses ja auch einen Nachteil (und eigentlich lässt sich Unsichtbarkeit in der Fiktion auf verschiedene Arten neutralisieren. Oft genügt ein Eimer Farbe).

    Jeder und alles hat so seine Schwächen, man muss sie nur finden.

    Bei deiner Erwähnung der Farbe musste ich übrigens lachen. Wir hatten eine Szene ausgearbeitet, in der etwas ganz ähnliches eine große Rolle gespielt hat. Leider ist die Szene aber geschnitten worden.

    Wobei mir hier noch einfällt: Erst Jekyll und Hyde, dann Frankenstein, jetzt halt auch noch der Unsichtbare - wirkt fast, als würde Heidenstein seine Inspiration aus diesen ganzen Klassikern ziehen, lol.

    Ein britischer Doktor, der Inspiration aus den Gaslight-Classikern zieht? Völlig unmöglich!

    Ne, du hast recht. Der gute Doc hat eine Schwäche für diese alten Geschichten.

  • Ja, Thrawn , du hast Recht. Ich muss hier weiter hochladen. Es ist leider ein wenig viel bei mir los. Aber okay, auf den anderen Plattformen ist es nun bis zum Ende der ersten Sequenz online.

    .

    [20.06.2011 – M05 – Vorbereitung]


    „Okay, und warum brauchst du zweihundert Meter Seil?“

    Pakhet sah den Jungen an an. Sie seufzte. „Weil es sein kann, dass wir tauchen müssen.“ Es grauste ihr davor, doch sie musste den Tatsachen ins Gesicht sehen. „Und Seil wird uns helfen zur Oberfläche zurück zu kommen.“

    „Aha.“ Murphy blickte auf die Einkaufsliste, die er ihr abgenommen hatte. „Und die Farbe?“

    „Schon einmal etwas von Farbgranaten gehört?“

    Er musterte sie. Aktuell trug er wieder die Gestalt eines hageren, dunkelhäutigen Jugendlichen, nicht älter als 16. „Nicht dein Ernst!“

    Sie schenkte ihm ein knappes Lächeln und fragte sich gleichzeitig, warum er überhaupt hier war. Sie wusste, warum sie Crash dabeihatte, sie wusste, warum sie den Doc dabei hatte, aber Murphy? Murphy hatte sich selbst eingeladen, schien es ihr. Na ja, vielleicht konnte er mit seiner Silberzunge hier oder da noch einen Rabat aushandeln.

    Sie war im Baumarkt, um Ausrüstung für die Mission zu holen. Dinge, die nicht illegal waren, die man immer gebrauchen konnte und die oftmals bei solchen Einsätzen fehlten. Das genannte Seil, die genannte Farbe, Nägel, Eisenstaub, Klebstoff und vor allem raue Mengen an Panzerband. Sie war schon zu oft auf Missionen gewesen, auf denen Panzerband fehlte. Speziell, wenn es auf das Meer hinaus ging. Panzerband machte oftmals den Unterschied zwischen einem schwimmenden und einem sinkenden Boot. Speziell, nachdem automatisches Feuer Löcher in den Rumpf gerissen hatte.

    „Sag mal, warum bist du eigentlich hier, Murph?“, fragte sie und schaute den Jungen an.

    Er sah auf. „Na, weil ich von dir lernen will, natürlich.“

    „Ja, sicher.“

    Crash brummte. „Ich glaube, weil er nerven will.“

    „Was? Nerven? Ich?“ Murphy gab sich empört. „Das würde mir nie in den Sinn kommen. Ich nerve doch nicht.“

    Pakhet seufzte, kam aber nicht umher matt zu lächeln. „Sicher nicht.“

    „Du willst mir doch nicht ernsthaft unterstellen, zu nerven!“

    „Wenn ich dir einen Tipp geben darf, Murphy“, meinte Heidenstein, obwohl auch er sein Amüsement schwer nur verbergen konnte, „ich würde die beiden nicht provozieren.“

    Murphy lachte. „Ich provoziere nicht. Ernsthaft nicht.“ Er schenkte ihr ein charmantes Lächeln. „Wirklich, Pakhet. Ich bin nur hier, weil ich lernen will. Na ja, und vielleicht auch, weil daheim die Leute von den Sevens wahrscheinlich noch immer vor meinem Unterschlupf warten und daher.“

    „Die Sevens?“

    Murphy zuckte mit den Schultern und ließ ein Seufzen hören. „Ach, nichts Dramatisches. Ich hatte nur ein kleines …“ Er räusperte sich. „Ähm. Eine kleine Meinungsverschiedenheit.“

    „Verstehe“, brummte Crash.

    „Nein, tust du nicht, Großer.“

    Ein missmutiges, bedrohliches Grummeln.

    „Crash“, verbesserte sich Murphy mit Nachdruck. „Ich habe ein paar Freunde von mir beschützt, als Lo sie bedroht hat und jetzt …“

    Pakhet seufzte. „Sprich: Du brauchst Hilfe.“

    Er starrte sie verständnislos an. „Nein!“ Der Widerspruch schien ernsthaft gemeint. „Nein. Ich brauch nur ein wenig Abstand. Mehr nicht.“

    „Murphy“, begann sie, wurde aber von einem vehementen Kopfschütteln unterbrochen.

    „Ich brauche keine Hilfe“, antwortete er und jeder Scherz war aus seiner Stimme gewichen. Seine Augen wirkten ungewöhnlich distanziert. Wieder räusperte er sich.

    „Murphy“, bot auch Heidenstein an, „wir können dir helfen. Ich könnte dir sicher eine Unterkunft besorgen.“

    „Nein“, erwiderte Murphy.

    Crash brummte. „Lasst ihn.“

    Sie waren im Flur des Baumarkts stehen geblieben. Pakhet und Heidenstein sahen den Jungen an, Crash dagegen sie.

    Schließlich erwiderte Pakhet den Blick des Hünen, der den Kopf leicht schüttelte. Er schien Murphy zu verstehen. Eine Sache, die Straßenkinder verstanden?

    Moment. War Murphy ein Straßenkind? Es war das erste Mal, dass ihr der Gedanke kam.

    Langsam kehrte das Lächeln in Murphys Gesicht zurück. „Es passt schon. Echt, ihr beiden. Ich kümmer‘ mich selbst darum. Ich brauche nur etwas Abstand und das richtige Timing.“ Damit marschierte er weiter voran.

    Pakhet seufzte. Es ging sie nichts an. Ach, verdammt, warum machte sie sich um diese Idioten überhaupt so viel Sorgen?


    .


    [25.06.2011 – X07 – Müdigkeit]


    Murphy sollte Recht behalten. Zumindest konnte sie das annehmen, da er am nächsten Tag nicht verletzt war, als er zur Firma kam. Auch nicht am Tag danach.

    Generell geschah in den folgenden drei Tagen nichts mehr, das besonderer Aufmerksamkeit bedurfte. Dann kam der Tag – oder viel eher die Nacht – der Mission. Die Moral der Geschichte war, dass Murphy nicht gut mit der hohen See auskam. Sie waren für das Training im Hafen herum gefahren, doch die offene See war ein anderes Biest. Ein Biest, dass Murphy stark zusetzte, so dass er am Ende im Boot verblieben war.

    Dennoch waren sie nun hier. Wieder an Land. Alles in allem in einem Stück. Nun, abgesehen davon, dass Mik und Spider nur dank Heidensteins Heilmagie, Panzerband und einigen Bandagen am Leben waren.

    Es war unwirklich, wie gut die Sache geklappt hatte. Wenngleich nicht unerhebliche Teile davon Crash und – Pakhet gab dies nur ungerne zu – Agent zu verdanken waren. Agent, dessen Anwesenheit im Team sie beinahe vergessen hatte, dank der Tatsache, dass er beim Training nur die letzten beiden Tage erschienen war. Doch war es ihm zu Verdanken, dass sie irgendwie die Daten von irgendeiner Datenbank hatten. Was wusste sie schon? IT, die über die Nutzung eines normalen Rechners hinaus ging, war ihr genau so ein Rätsel, wie höhere Magie.

    Ihr Kopf schmerzte. Die Nacht war lang gewesen. Verdammt, sie war wirklich lang gewesen. Davon abgesehen hatte sie mehr Glück als Verstand gehabt. Wäre das nicht der Fall gewesen, wäre sie getroffen worden. Eigentlich hätte sie getroffen werden müssen. Doch sie war nicht getroffen worden. Sie lebte. Sie hatten Daten. Und verdammt, was sie gesehen hatte war verrückt gewesen.

    Magische Laboratorien. Ach, fuck, es gab nichts Verstörenderes, als große Firmen, die mit Magie experimentierten.

    Ihr Kopf sank immer wieder zur Seite. Sie war nur froh, dass Smith die Truppe abgeholt hatte. Sonst hätte sie jetzt fahren müssen. Denn mit Spider und Mik verletzt und Heidenstein, der sich um beide kümmerte, gab es sonst niemanden.

    Ach, verdammt, sie konnte sich etwas Schlaf erlauben. Gleich. Später. Nur noch etwas. Sie waren nur noch zwanzig Minuten von Kapstadt entfernt.

    Zumindest lebten noch alle. Es lebten noch alle und sie war nicht mehr für sie zuständig. Sofern Smith bei seinem Wort blieb.


    .


    [04.07.2011 – M06 – Teamänderung]


    Ein neuer Montag, eine neue Woche und endlich Freiheit von der Chaostruppe. Fast, zumindest, da Heidenstein mit einer Kaffeetasse in der Hand auf einem Stuhl saß und sie beobachtete.

    „Du weißt, dass dir ein wenig Training nicht schaden würde, oder?“, kommentierte Pakhet und warf ihm einen Seitenblick zu.

    Sie war auf dem Laufband, da ihre Tage – wenn sie keinen aktiven Job hatte – meistens mit einem Kaffee, gefolgt von Ausdauertraining begannen.

    „Ich bin Arzt“, antwortete Heidenstein. „Ich bin mir dessen bewusst.“

    Sie schnaubte. „Typisch Arzt. Anderen Leuten was vorpredigen und selbst nichts tun.“

    Er zuckte mit den Schultern, trank einen Schluck. „Schuldig.“

    Sie konzentrierte sich auf ihr Training, auf ihre Atmung. Es gab nichts Schlimmeres, als beim Laufen zu reden, da man früher oder später die Atmung dabei vergaß. Das Laufband war so eingestellt, dass es alle zwei Minuten schneller wurde, bis zu einer Maximalgeschwindigkeit von 15 km/h. Doch soweit kam sie heute nicht.

    Die Tür zum Trainingsraum, in dem fünf Laufbänder nebeneinanderstanden, von denen zurzeit nur zwei in Benutzung waren, wurde klackend geöffnet. Sie sah sich nicht um.

    Dann aber erklang eine Stimme. „Pakhet?“

    Es war ihr heute scheinbar nicht vergönnt, ruhig zu trainieren. Mit einem Seufzen regulierte sie die Geschwindigkeit nach unten und sprang schließlich ab.

    Mittlerweile stand Murphy, heute wieder hellhäutig und schwarzhaarig, bei Heidenstein und blickte zu ihr. Er war bemüht das liebste, angenehmste Lächeln vorstellbar aufzusetzen. Also wollte er etwas von ihr.

    „Was willst du?“ Sie musterte ihn mit hochgezogener Augenbraue.

    „Ich habe eine Bitte“, erwiderte Murphy lächelnd. „Eine klitzekleine Kleinigkeit.“

    „Aha?“

    Auch Heidenstein wandte dem Jungen seine Aufmerksamkeit zu.

    „Na ja“, meinte Murphy vage. „Ich brauche Hilfe.“

    Sie seufzte. „Komm zur Sache, Junge.“

    „Okay. Okay.“ Er hob die Hände. „Smith hat mir einen Auftrag gegeben und ich brauche ein Team und auch wenn ich hoffe, das zu machen, ohne irgendjemanden zu vermöbeln, dachte ich, da du Erfahrung hast, wärst du eventuell bereit dem lieben kleinen Murphy ein wenig auszuhelfen und würdest daher mithelfen.“ Er sprach schnell, als fürchtete er, dass sie ihn unterbrechen würde.

    Ein amüsiertes Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Sie könnte ihn ein wenig zappeln lassen, wie er es tun würde – da war sie sich sicher. Doch es war nicht ihre Art. „Worum geht es denn?“

    „Ich soll Daten beschaffen“, erwiderte Murphy.

    Sie nickte. „Bezahlung?“

    „Gesamt fünfzig Riesen.“

    Kurz musterte sie ihn, seufzte dann aber. „Besprechungsraum?“

    „Besprechungsraum.“ Murphy grinste.

    „Gib mir zehn Minuten, ich will mich abduschen“, meinte sie.

    Der Junge nickte, grinste und lief zur Tür, während Heidenstein seufzte.

    „Ich bin nicht unsichtbar, oder?“, fragte er.

    Pakhet zuckte mit den Schultern. „Also zumindest ich kann dich sehen.“

    „Gut“, murmelte Heidenstein. „Ich hatte schon Befürchtungen.“

    Sie klopfte ihm auf die Schulter, ehe sie sich auf den Weg zu den Duschen machte.



    .


    [04.07.2011 – M07 – Finanzierung]


    Zwölf Minuten später kam Pakhet die Treppe zum zweiten Stock hinauf. Zumindest hatte sie jetzt Kaffee. Murphy hatte ihr eine kurze Nachricht geschrieben und sie steuerte den Besprechungsraum 2.12 gezielt an. Sie war zugegebenermaßen neugierig, was es für ein Auftrag war, den Smith als Murphys erste eigene Mission auserkoren hatte.

    Smith scherte sich um den Jungen, da war sie sicher. Smith war weicher, aber vor allem ehrlicher als Michael. Für ihn waren die „Angestellten“ mehr als Werkzeuge, auch wenn er professionelle Distanz bewahrte.

    Im Besprechungsraum fand sie Murphy allein sitzend. Wie schon zuvor trug er ein Hemd und saß mit selbstzufriedenem Grinsen an dem Tisch. Er kam nicht umher seine Position immer ein wenig zu ändern, um eindrucksvoller zu wirken.

    „Pass auf, dass du nicht aus dem Stuhl fällst, Junge“, meinte sie.

    Murphy grinste. „Ach was.“ Sein Grinsen wurde noch breiter. Gleich würde ihm der Kiefer abfallen. „Willkommen in meinem Team.“

    „Hey, ich habe noch nicht gesagt, dass ich mitmache.“ Sie setzte sich auf einem Stuhl, verschränkte die Arme. „Sprich, Junge.“

    „Ganz businesslike, eh?“ Er räusperte sich. „Gefällt mir.“ Er sah auf ein paar Unterlagen, die vor ihm lagen. „Also. Ich habe von Smith den Auftrag bekommen, Informationen über die Stormers, die Eagles und die Southern Kings zu finden. Also speziell über ihre Finanzen.“

    „Rugby?“, schloss Pakhet. Sie verfolgte die örtliche Rugby-Liga nicht, kannte aber die Namen der Teams.

    „Genau. Rugby.“

    „Es geht also darum, herauszufinden, ob es irgendwelche Bestechungen gibt“, schloss Pakhet. Warum sonst Finanzen? Meistens ging es um Geldwäsche oder Bestechungen. Das wiederum bedeutete, dass ihr Auftraggeber entweder jemand aus der Liga war oder die chronisch unterfinanzierte Polizei.

    „Wahrscheinlich“, bestätigte Murphy.

    „Hast du schon irgendwelche Pläne, Silberzunge?“ Es amüsierte sie, wie nervös er wirkte. Meistens überspielte der Junge dergleichen. Vielleicht versuchte er auch, dadurch einen Beschützerinstinkt bei ihr zu provozieren.

    Er räusperte sich. „Ja. Habe ich. Habe ich tatsächlich.“ Er lächelte. „Ähm.“

    „Ähm?“, echote sie, um ihn zu ärgern.

    „Also, na ja, Smith hat angemerkt, dass es am Samstag in der Uni-Arena Qualifizierungsspiele gibt.“

    Murphy leckte sich über die Lippen. „Na ja. Ich dachte wir gehen dahin, schmuggeln uns rein, weißt du. Da werden Leute von allen wichtigen Teams da sein und wenn wir einen Hacker dabei haben  …“

    „Das heißt, du willst sozusagen Backstage.“

    Das passte zu dem Jungen. Das war seine Art zu denken. Doch wusste sie auch, dass es zwei Arten gab Backstage zu kommen – und beide hatten Vor- und Nachteile.

    Murphy nickte. „Ja, das war mein Plan. Wenn wir das richtig machen, haben wir gleich die Sachen von allen drei Teams.“

    „Gesetzt dem Fall, dass von allen Teams Leute da sind und dass diese irgendeinen Zugang zu den Informationen bei sich haben.“ Schließlich waren die Teams nicht alle drei lokal.

    „Gesetzt dem Fall.“ Murphy sah sie erwartungsvoll an.

    „Was?“

    „Wie würdest du das angehen?“

    Sie lachte amüsiert auf. Der Junge war also unsicher und wollte sie deswegen haben. Beruhigend zu wissen. Immerhin war sie so nicht sein Bodyguard.

    Sie überlegte. Sie hatte wenig mit Sport zu tun, wusste nicht viel über diese Auswahlverfahren. Allerdings kannte sie übliche Taktiken, sich in Veranstaltungen reinzuschmuggeln. Der Klassiker war natürlich, die Putzcrew zu stellen. Auch Veranstalter wussten, dass es der Klassiker war, weshalb es selten so gut funktionierte, wie in den Filmen. Außerdem hasste sie es, die Putzcrew zu sein.

    Sie holte ihr Handy heraus, suchte nach den Spielen. Denn sie hatte eine Vermutung: In den USA oder UK gab es ähnliche Veranstaltungen. Dort kamen Spieler oft von Sportcolleges und wurden bei entsprechenden College-Spielen gecastet. Allerdings waren sie nicht in den USA oder den UK. Sie waren in Südafrika und hier kam es öfter vor, dass die Talentscouts in anderen Gebieten suchten.

    Sie brauchte fünf Minuten, ehe sie fand, wonach sie suchte: Anmeldeinformationen für Scouts.

    Wunderbar.

    Sie lächelte. „Ich glaube, wir werden Scouts sein, die bei den Auswahlspielen ihre neue Entdeckung präsentieren wollen.“

    Murphy verschränkte die Arme, dachte darüber nach, nickte dann. „Okay. Klingt gut. Weiter?“

    „Wir brauchen einen Hacker dabei.“ Eventuell mussten sie nicht hacken, doch sie brauchten jemand, der sich mit Gomputern auskannte. „Und ich brauche den Doc.“

    „Und wer ist unser Schützling?“, fragte Murphy.

    Pakhet grinste. Sie wusste, dass Murphy die Aussicht nicht mögen würde. „Oh, ich kenne jemanden, der zumindest einen Eindruck hinterlassen wird.“

    Er musterte sie fragend, bis der Groschen endlich fiel. „Du meinst …“ Er schüttelte den Kopf. „Wir haben hier so viele andere, glaubst du nicht, dass es besser wäre …“

    „Murphy. Wenn du das hier einmal professionell machen willst, musst du auch mit Leuten zusammenarbeiten, die du nicht leiden kannst.“

    Murphy verschränkte die Arme wieder, schmollte. „Wieso ich? Es ist er, der mich nicht leiden kann.“



    .


  • Es ist denke ich besser zu seinem eigenen Vergnügen zu schreiben, als für die Resonanz.

    Hab mich schon gefragt wo dein Elan abgeblieben ist.

    „Nein. Ich brauch nur ein wenig Abstand. Mehr nicht.“

    „Murphy“, begann sie, wurde aber von einem vehementen Kopfschütteln unterbrochen.

    Er wird ungewöhnlich persönlich und sogar bescheiden in der Szene.

    Muss ja was heftiges vorgefallen sein, gerade bei ihm

    , da du Erfahrung hast, wärst du eventuell bereit dem lieben kleinen Murphy ein wenig auszuhelfen und würdest daher mithelfen.“

    Viel Fokus auf den Jungen scheint mir.

    Kurz musterte sie ihn

    Wegen der höhe des Betrags, oder weil sie annimmt, dass er noch höher ist?

    „Also. Ich habe von Smith den Auftrag bekommen, Informationen über die Stormers, die Eagles und die Southern Kings zu finden.

    Dachte zuerst es seien Bandennamen.

    Gomputern auskannte


    Und ich brauche den Doc

    Wozu den eigentlich? Murphy und ein Hacker dürften eigentlich ausreichen.

    Und wenn Murphy sein äußeres permanent anpassen kann, könnte er dann nicht in die Rolle eines der Spieler schlüpfen?


  • .


    [10.07.2011 – C04 – Naturtalent]


    Wie so oft bei Auswahlspielen war das Stadion relativ leer. Die meisten, die hier waren, waren Scouts, Trainer verschiedener Teams, Sportreporter und ein paar interessierte Zuschauer. Dennoch: Die Ränke waren größtenteils leer.

    Egal. Besser so vielleicht. Je weniger Leute sie sahen, desto besser.

    Pakhet trug einen Anzug, Murphy ebenso. Hazel, die sie als Hackerin mitgenommen hatten, trug eine Bluse und einen knielangen Rock. Sie hatte sich das Haar in einem Knoten zurückgebunden und hätte streng ausgesehen, hätte sie dabei nur einen Hauch Selbstbewusstsein ausgestrahlt.

    Hinter ihnen trottete Crash. Er trug einen Trainingsanzug – von Adidas – und wirkte missmutig. „Bist du dir sicher, dass der Plan klappt, Lady?“

    Sie schenkte ihm ein steifes, selbstsicheres Lächeln, so wie man es von einer Trainerin erwarten würde. „Sicher, mein Junge. Du bist ein Naturtalent.“

    Er schenkte ihr einen missmutigen Blick. Wahrscheinlich wäre ihm eine ehrliche Antwort lieber gewesen.

    Während die Sitze oben im Stadion leer waren, so war das Spielfeld und der Rest des Arenabodens gefüllt. Sicher achtzig oder neunzig Spieler waren hier, wärmten sich auf, redeten mit Trainern. Einige von ihnen trugen College-Kleidung, doch Pakhet hatte richtig gelegen: Viele gehörten zu Scouts. Sie fielen also nicht auf. Einzig die Tatsache, dass sie bloß einen Spieler bei sich hatten, war ungewöhnlich. Doch mehr vermeintliche Spieler bedeutete mehr Söldner, die bezahlt werden wollten. Sie war nicht geizig, sah aber keinen Grund, das Geld weiter aufzuteilen.

    Sie würden es schon hinbekommen. Immerhin mussten sie nicht professionell wirken.

    Sie hatte sich für Crash als Spieler entschieden, weil sie wenig über den Sport wusste, bis auf eine Sache: Es war von Vorteil, laufen zu können. Es war von Vorteil genug Masse zu haben, um sich nicht so leicht umwerfen zu lassen. Kraft schadete sicher auch nicht. Crash war groß, bullig und schnell, wenn er lief. Er war schwer aus dem Gleichgewicht zu bringen. Theoretisch gesehen sollte er wie geschaffen für den Sport sein.

    So suchten sie den nächsten Typen, der aussah, als hätte er etwas zu sagen. Natürlich war es ein Typ. Frauen waren hier deutlich in der Minderheit. Sicher, es war auch ein Auswahlspiel für die Herrenmannschaften.

    Zwanzig Minuten später waren sie bestätigt und ein missmutiger Crash schloss sich den anderen Spielern beim Aufwärmen an.

    Pakhet saß neben Murphy und Hazel in einem der Hartschalensitze in den Rängen und hatte die Arme verschränkt. Sie trug eine Sonnenbrille und bemühte sich heute ihrerseits so selbstgefällig wie möglich auszusehen. Aber verdammt, der Sessel war unbequem.

    „Also“, murmelte sie aus dem Mundwinkel heraus. „Sobald die eigentlichen Spiele beginnen, geht ihr beiden los.“

    „Jap.“ Murphy flüsterte, schaffte es dabei den Mund kaum zu bewegen. Was Charaden anging, war der Junge gut. Er hatte die Gestalt eines etwa dreißigjährigen, weißen Mannes mit braunen Haaren angenommen. Natürlich trug auch er eine Sonnenbrille.

    „Gut. Dann seht zu, dass ihr die Daten bekommt.“

    „Jap.“ Murphy deutete ein Nicken an.

    Das alles baute darauf, dass sie überhaupt an Aktenkoffer und Laptops drankamen. Wenn sie das nicht schafften, mussten sie später in die Büros, der Teammanagements einbrechen. Erst einmal positiv denke, versuchte sie ihren inneren Realisten zu überzeugen. Smith hatte gesagt, diese Veranstaltung wäre ein guter Ansatz und Smith wusste meistens, wovon er redete. Also abwarten.

    Vielleicht war der Plan mit der Charade auch zu aufwändig. Vielleicht wäre es besser gewesen, es einfacher anzugehen. Doch jetzt war es zu spät. Sie wartete. Die Spiele begannen.

    Anders als bei einem normalen Rugby Spiel, wurde immer nur eine halbe Stunde gespielt, anstatt zwei Mal vierzig Minuten. Lang genug, um jedem Spieler eine Möglichkeit zu geben, sein Können zu zeigen, kurz genug, um möglichst viele Teams in verschiedenen Konstellationen spielen zu lassen. Pakhet verschränkte die Arme und war froh, einen Thermobecher Kaffee dabei zu haben.

    Während des ersten Spiels verschwanden Murphy und Hazel unauffällig. Sie gingen in die Bereiche, die für einfache Zuschauer nicht üblich waren. Da unten gab es Umkleiden, Duschen, aber auch Büros und Schließfächer, für all die, die ihre Wertgegenstände gerne sicher verstaut wussten.

    Sie blieb hier. Damit zumindest der vermeintliche Trainer da war. Außerdem war das hier Murphys Job.

    Crash spielte erst im zweiten Spiel. Sie bemerkte, dass er vor dem Beginn des Spiels zu den Rängen hochschaute, auf der Suche nach ihr. Sie nickte ihm zu und er nickte zurück. So ganz gefiel ihm seine Rolle in diesem Plan nicht.

    Am Ende war es egal. Er musste nicht gut spielen, nur akzeptabel genug, um nicht aufzufallen.

    Das Spiel wurde angepfiffen. Pakhet nippte an ihrem Kaffee.

    Crash spielte im Sturm – bei weitem, die Rolle, für die er wohl am ehesten geeignet war. Er trug ein rotes Trikot, auch wenn es im Moment nicht viel sagte. Es waren Auswahlspiele und jedes Spiel würde auf „Weiß gegen Rot“ hinauslaufen.

    Der Ball wurde von Weiß angekickt, die roten Spieler liefen drauf zu. Es war klar, dass seine enorme Größe Crash hier zum Vorteil wurde – und tatsächlich bekam er den Ball zu fassen.

    Natürlich waren auch die weißen Spieler schon vor ihm, versuchten ihm den Ball zu entreißen.

    Pakhet hatte sich Videos online angesehen. Das war der Punkt, wo alles zu einer großen Rauferei verkam – aus der Sicht eines ahnungslosen Außenstehenden. Doch das Spiel unten auf dem Feld entwickelte sich nicht so, wie sie erwartet hatte. Denn Crash schaffte es, sich freizulaufen. Er war schneller als die anderen. Natürlich, verdammt, er war ein Gestaltwandler. Er gewann Abstand zu den anderen Spielern, sah sich um, schien selbst überrascht. Dann erreichte er das Ende des Feldes, immer noch überrascht. Die anderen Spieler rannten zu ihm. Er legte den Ball ab.

    Pakhet trank noch einen Schluck, die Augenbrauen angehoben. Das würde interessant werden.



    .


    [10.07.2011 – C05 – Wegänderung]


    Das Ganze lief anders, als geplant. Wer hätte gedacht, dass sie Crash für die späteren Spiele dabehalten würden? Joanne nicht, auch wenn sie sich nun für ihre eigene Naivität strafte.

    „Glaubst du, du kannst noch weitermachen, Großer?“, fragte sie auf dem Weg zu den Umkleiden.

    Crash brummte eine Bestätigung, die Augen starr nach vorne gerichtet.

    Zwei, drei der anderen Spieler blieben stehen, sprachen ihn an. Fast alle auf Afrikaans. „Du bist echt gut“, sagte einer. Ein anderer: „Wo hast du bisher gespielt?“

    Wo war Murphy nur?

    Sie hatte den Jungen seit über einer Stunde nicht mehr gesehen.

    Ein Manager – zu erkennen an dem teuren Anzug – hielt auf sie zu. Er hatte ein geschäftsmäßiges Lächeln aufgesetzt, als er auf sie zukam. „Sind sie Mrs Montgomery?“, fragte er auf Afrikaans.

    Sie antwortete auf Englisch. „Jetzt nicht. Kommen Sie später.“ Verdammt, das war ein Job für Murphy.

    Sie hatte nicht beabsichtigt, dass sie so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden. Was sollten sie jetzt tun? Und sie hatten nicht einmal eine Umkleide für sich.

    Denn in der Umkleide drängelten sich andere Spieler, weitere sprachen Crash an, der nur brummte. Ihr wurden Seitenblicke zugeworfen. Trotz Kleidung war sie als Frau zu erkennen und auch als Scout hatte sie hier eigentlich nichts verloren. Also drängelte sie sich mit Crash in den Nebenraum der Umkleide, der offenbar als Erste-Hilfe-Zimmer gedacht war.

    Hier holte sie hier Handy heraus. Schrieb an Murphy: „Wo bleibt ihr? Sind neben Erste-Hilfe-Zimmer. Brauche Unterstützung.“ Dann wandte sie sich Crash zu: „Du hast echt noch nicht gespielt?“

    Er schüttelte den Kopf, hielt dann inne. „Als ich noch zur Schule bin. Da schon. Aber Schulsport, nicht mehr.“

    Pakhet musterte ihn, räusperte sich. „Du bist gut.“

    Er brummte nur. Er setzte sich auf die mit grünem Leder bezogene Liege, die am Rand des kleinen Raums stand.

    Pakhet setzte sich neben ihn. Was sollte sie sonst tun? Sie war sich nicht sicher, ob ihr Plan jetzt noch funktionieren würde. Eigentlich hatte sie geplant, früher von hier abzuziehen, unter dem Vorwand einer Verletzung. Jetzt aber war sie sich nicht sicher. Ihr war eine Sache klar geworden: Crash hatte hier vielleicht eine Chance.

    Sollte sie etwas sagen? Es ging sie schließlich nichts an. Sie wusste ja nicht einmal, wer er war und wie er genau in diese Arena gekommen war. Dann wiederum … Er war noch relativ jung, soviel wusste sie sicher. Reichte es nicht, dass sie ihr halbes Leben an diesen Job verschwendet hatte?

    „Was meinst du, Großer“, meinte sie schließlich, um das Schweigen zu brechen.

    Ein fragendes Brummen.

    „Könntest du dir vorstellen, wirklich zu spielen?“

    Ein unschlüssiges Brummen.

    Sie konnte ihn verstehen. Immerhin waren sie unter falschen Namen, falschen Daten, falschen Vorgaben hier. Und ja, vielleicht hatte er noch ganz andere Gründe. Eventuell sollte sie einfach die Klappe halten. Sie tat es nicht.„Ich meine, du hast vielleicht echt eine Chance. Du könntest etwas machen, bei dem die Chancen, von jemanden erschossen zu werden, deutlich kleiner sind.“ Ja, großartiger Peptalk. Sie war mit diesen Dingen nicht gut.

    „Das kann nach hinten losgehen, wenn die mitbekommen, dass die Vorgaben falsch sind.“ Nach diesen Worten presste er die Lippen zusammen, brummte wieder. „Und da ist Alice.“

    Sie sah sich um. Sie waren hier wirklich allein und es gab keine Kameras. Natürlich nicht. Sieben Jahre in ihrem Job hatten sie paranoid gemacht. „Was ist eigentlich mit Alice?“

    Ein weiteres Brummen, unschlüssig dieses Mal. Er zögerte. „Alice ist magisch. Aber  … Anders. Sie kann Computer manipulieren und sowas.“

    „Wie ein Hacker?“

    „Ja. Aber magisch. Besser. Sie  …“ Er schüttelte den Kopf. „Ich verstehe es bis heute nicht wirklich. Aber Leute wollen sie. Also Firmen. Die haben das damals in der Schule bemerkt. Die kamen und haben versucht uns zu überreden. Haben uns Angebote gemacht. Und dann  …“ Er schüttelte den Kopf.

    Pakhet wusste nicht, was genau passiert war. Doch wusste sie, dass die Eltern der beiden tot waren. Die Annahme lag nahe, dass es damit zu tun hatte. Vielleicht ein Versuch, sie zu erpressen. „Wie alt war Alice?“

    „Elf.“ Ein tiefer Laut, der fast an ein Knurren erinnerte, schwang in seiner Stimme mit. Er schüttelte den Kopf. „Wenn es wieder jemand bemerkt  …“

    „Ihr könntet euch neue Identitäten holen“, meinte sie. „Neue Identitäten, neue Leben, neue Hintergründe. Das lässt sich alles fabrizieren. Dann könnte auch Alice noch einmal neu anfangen. Smith hat da sicher Möglichkeiten.“ Wahrscheinlich war Smith ohnehin eher die Person, die darüber sprechen sollte.

    Er dachte nach, nickte.

    Die Tür öffnete sich.

    „Ich habe gehört, ihr habt mich vermisst“, flötete Murphy.

    „Wir brauchen deine Hilfe, Silberzunge“, erwiderte Pakhet. Sie sah zu Crash. „Wir haben ein Problem. Wo ist Hazel?“

    „Noch immer dabei, Daten zu ziehen. Soll gleich wieder zu ihr zurück. Was ist das Problem?“

    Pakhet nickte Crash zu, der die Augen verdrehte und die Nase anzog. Er mochte die Aussicht nicht, dass Murphy es wäre, der ihm half. „Da wollen Leute mit mir reden. Wegen dem Spielen.“

    „Wegen dem Spielen?“, fragte Murphy.

    Pakhet tauschte einen Blick mit Crash, der ihr zunickte. Dann sprach sie: „Es stellt sich heraus, dass er Talent hat. Leute wollen ihn anheuern.“

    Murphy runzelte die Stirn, als er versuchte, diese Information zu verarbeiten. Dann grinste er. „Und. Was sagst du, Großer?“ Er verbesserte sich schnell: „Ich meine, Crash.“

    Crash zögerte, schaute für eine Weile zu Boden. Dann nickte er Murphy zu.

    Ein Grinsen breitete sich auf Murphys Gesicht aus. „Wunderbar. Dann schaue ich mal, was ich dabei rausschlagen kann.“ Er blickte sich um. „Also, wo sind die Sponsoren?“


    .


    [10.07.2011 – D16 – Ruhe]


    Warum saß sie schon wieder hier, neben ihm, auf seinem Sofa? Es war nicht ihr Stil und eigentlich hätte sie besser daran getan, sich zur Feier des Tages einen Abend in einer Bar mit anschließender Unterhaltung in einem Hotelzimmer zu gönnen. Stattdessen war sie wieder – wie zu oft in letzter Zeit – in Heidensteins Wohnzimmer und unterhielt sich mit ihm.

    „Dann werden wir wohl erst einmal nichts mehr von Crash und Murphy sehen, eh?“

    „Werden wir sehen, wohin der Gute kommt“, meinte Pakhet. Sie nippte an einem Bier. Eigentlich mied sie Alkohol, wenn nicht für die Abendunterhaltung. Doch verdammt: Heute hatte sie es sich verdient.

    Heidenstein lächelte. „Weiß Smith schon Bescheid?“

    „Natürlich.“ Sie deutete ein Schulterzucken an. „Aber Smith ist …“

    „Sehr verständnisvoll?“, half Heidenstein aus, als sie nach dem richtigen Wort suchte.

    „Ja“, murmelte sie.

    Für einige Sekunden senkte sich Schweigen über sie. Wieder fragte sie sich, was sie hier tat.

    „Glaubst du denn, dass es gut geht. Mit Crash und Murphy?“, fragte Heidenstein.

    „Ich glaube, dass ich noch mal mit Murphy reden sollte“, meinte sie mit einem matten Lächeln. Dann seufzte sie. „Aber eigentlich denke ich, dass die beiden schon klarkommen. Sie sind okay, beide. Auch wenn Murphy gerne anders tut.“

    Das Lächeln auf Heidensteins Gesicht veränderte sich. Es wirkte wissender. Als hätte er gerade etwas verstanden. „Ich denke, es ist eine gute Sache, wenn Crash und seine Schwester – und Murphy – aus … Unserem Bereich weg sind.“ Er biss sich auf die Lippen und zögerte.

    Pakhet nickte. „Sie sind jung.“ Eigentlich zu jung. Sie trank noch einen Schluck und sah auf den Wohnzimmertisch. „Wie lange willst du das Ganze noch machen?“

    Er holte tief Luft. „Bis das Krankenhaus wieder wirklich läuft. Wenn ich … Wenn ich wieder eine richtige Grundlage habe, höre ich auf.“

    Erneut nickte sie. So etwas hatte sie sich schon gedacht.

    „Und du?“

    Sie sah ihn an. Sie hätte mit der Frage rechnen müssen und doch überraschte sie sie. Sie schwieg, presste kurz den Kiefer zusammen: Dennoch entschloss sie sich zu einer Antwort – indem sie der Frage auswich. „Ich arbeite seit sieben Jahren als Söldnerin. Ich weiß nicht, ob ich mir etwas anderes vorstellen kann.“

    „Du kannst nicht ewig so arbeiten“, meinte Heidenstein. „Ich meine, irgendwann bist du alt und außerdem … Na ja, wie viele Körperteile willst du noch …“

    Sie unterbrach ihn. „Den Arm habe ich schon vorher verloren.“ Mehr musste er nicht wissen. Es ging ihn nichts an.

    Genauso, wie die Sache mit seiner Firma, sie nichts angegangen war.

    Sie verdrängte den Gedanken, trank einen Schluck. Dann lächelte sie zynisch. „Davon abgesehen ist es kein Job, in dem man alt wird, oder?“

    Er starrte sie an. Kurz öffnete er den Mund, schloss ihn aber wieder, runzelte die Stirn, ehe er noch einmal versuchte, anzufangen. „Du willst mir also sagen, dass dein Zukunftsplan ist, irgendwann auf einer Mission zu sterben?“

    Natürlich nicht. Sie seufzte, fixierte das Bücherregal neben der Küchentür. Verfickter Idiot, warum wusste sie nicht, was sie sagen sollte? „Es ist wahrscheinlich, oder?“

    „Es sei denn, du hörst vorher auf.“

    So einfach konnte sie nur nicht aufhören. Die Tatsache, dass sie hier lebte, illegal ihr Geld verdiente und unter Michael Schutz stand, schützte sie auch vor der Army und ihrer Vergangenheit. Sie wollte sich damit nicht noch einmal auseinandersetzen müssen. „Warum interessiert es dich überhaupt?“

    „Fragte sie, die sie mir hinterherspioniert hat?“ Er sah sie von der Seite an, zögerte. „Das einzige, was ich sagen will, ist …“ Wieder schürzte er die Lippen, wie er es oft tat, wenn er sich unsicher war, wie er sich ausdrücken sollte. „Das einzige, was ich sagen will, ist, dass es eine Verschwendung wäre, wenn jemand, wie du so …“ Er schüttelte den Kopf. „Ich denke nur, dass du mehr sein könntest als das.“

    Sie sah ihn an, unsicher, was sie darauf antworten sollte. Dann aber seufzte sie und schüttelte den Kopf. Es gab keine gute Antwort. „Danke“, murmelte sie schließlich um irgendetwas zu sagen. „Es ist zur Kenntnis genommen.“

    Und damit klang sie wie ein Arschloch.


    .


    [14.07.2011 – M08 – Eisdiele]


    Murphy wartete vor dem Bayside-Einkaufszentrum auf sie. Wieder hatte er die Gestalt des dunkelhaarigen, hellhäutigen Jugendlichen angenommen. Er grinste, winkte und schien allgemein bester Laune zu sein. Vielleicht, weil er einen festen Job hatte. Vielleicht auch, weil er der Aussicht, sie weiter aufziehen zu können, entgegensah.

    Pakhet seufzte und ermahnte sich, daran zu denken, warum sie hier war. Den Jungen sämtliche Flausen, Crash weiter zu ärgern, aus dem Kopf zu treiben. Ja. Genau. Und dabei durfte sie versuchen, sich von Murphy nicht unter den Teppich labern zu lassen.

    „Hey!“, rief er, als sie noch zehn Meter von ihm entfernt war. Sein Grinsen wirkte übertrieben begeistert.

    „Hey, Murphy“, erwiderte sie. „Na, was macht dein neuer Job?“

    „Ach, der ist bestens“, meinte Murphy. „Wir gehen uns Morgen Wohnungen Downtown ansehen.“ Er grinste. „Ist das nicht cool? Eine richtige Wohnung! Vielleicht sogar ein Haus!“

    Ein Thema, bei dem sie kaum mitreden konnte. Sie hatte niemals nicht zumindest eine Wohnung gehabt. Ihre Eltern hatten Häuser besessen, dann war sie in eine eigene Wohnung gezogen und zwei Jahre später hatte sie das Haus hier in Kapstadt gemietet. „Sicher“, sagte sie. Schließlich verstand sie, dass es für einen Straßenjungen etwas Überragendes sein musste.

    „Ich dachte ja schon, dass wir dich gar nicht mehr sehen“, plauderte Murphy weiter. „Immerhin habe ich dich ja so genervt und alles. Warum wolltest du dich mit mir treffen?“

    „Weil ich mit dir reden wollte“, erwiderte sie.

    Nun war er es, der leise seufzte. „Also kein Eis?“

    Sie hatte ihn scherzhaft auf ein Eis eingeladen, als sie telefoniert hatten. Sie lächelte. „Wir können gerne in ein Eiscafé gehen, um zu reden.“

    „Yay.“ Wieder grinste er. Übertrieb er oder war die Begeisterung ehrlich? Bei Murphy war sie nie sicher. Er schien selten ehrlich zu sein, war gleichzeitig aber oft kindisch.

    „Dann komm einmal“, meinte sie. „In dem Einkaufszentrum gibt es ein Café.“

    „Okay.“ Er grinste und marschierte voran, wartete nach ein paar Schritten aber auf sie.

    Kurze Zeit später standen sie auf der Rolltreppe in das Obergeschoss des Einkaufszentrums. Es war immer wieder seltsam in der besseren Gegend Kapstadts unterwegs zu sein. Ein Großteil der Menschen hier war hellhäutig – etwas, das sich falsch anfühlte, in dieser Stadt. Und das, obwohl die Apartheit angeblich seit Jahren beendet war.

    „Also, was hast du in den letzten Tagen gemacht?“, fragte Murphy und drehte sich zu ihr um.

    Sie wandte ihren Blick ihm zu. „Einen kleinen Job für Michael. Und ich habe Urlaub gebucht.“ Nach der ganzen Sache mit der Chaostruppe hatte sie Urlaub wirklich verdient.

    „Urlaub? Wo denn?“

    „Das sage ich dir nicht, Naseweis.“ Sie schenkte ihm ein distanziertes Lächeln.

    Sie kamen am oberen Ende der Rolltreppe an, gingen auf die Galerie des Einkaufszentrums.

    Murphy fuhr fort. „Du warst sicher auch wieder beim Doc, eh?“

    Sie schenkte ihm einen fragenden Blick.

    „Ihr scheint ja gut miteinander auszukommen“, stellte Murphy fest.

    Nicht er auch noch!

    „Wieso?“, meinte sie und hielt auf das Eiscafé am südlichen Ende der Etage zu.

    „Nur so.“ Murphy grinste. Wieder. Er beschleunigte seine Schritte und glitt elegant, fast wie ein Tänzer, um einen der Tische herum, ehe er sich auf einen der Stühle sinken ließ.

    Angeber.

    Sie setzte sich ihm gegenüber und schob ihm die Karte hin. Sie war selbst kein Fan von Süßem und würde nur einen Eiskaffee bestellen. Dafür brauchte sie die Karte nicht.

    Murphy derweil studierte das Menü ausgiebig, hielt dann inne und fixierte Pakhet. „Bin ich eingeladen?“

    Sie lächelte. „Solltest nicht eigentlich du mich einladen mit deinem neuen Job?“

    „Kann ich machen“, meinte er.

    Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie schüttelte den Kopf und lachte leise. „Ist schon okay, Murph. Such dir was aus. Ich zahle.“

    „Danke.“ Er grinste wieder und sah noch einmal in die Karte. „Dann nehme ich den Erdbeer-Schoko-Becher.“

    Sie nickte. „Ist okay.“ Damit blickte sie sich um, um zu sehen, wo die nächste Bedienung war.

    Die Kellnerin – ein junges Afrikaans-Mädchen mit recht heller Haut und schwarzen, zu einem geflochtenen Knoten gebundenen Haar – bemerkte sie und kam zu ihnen hinüber.

    Murphy zwinkerte ihr zu. Natürlich tat er das. Er versuchte mit beinahe jedem Mitglied des anderen Geschlechts und des eigenen Geschlechts zu flirten.

    „Also“, meinte Murphy, nachdem sie bestellt hatten, „was wolltest du besprechen?“

    Nicht länger prokrastinieren. Wahrscheinlich war es besser so. Sie verkniff sich ein Seufzen, wandte sich dem Jungen gänzlich zu. „Crash. Du hast also vor, wirklich seinen Manager zu spielen, eh?“

    Kurz zeigte sich Verwirrung auf seinem Gesicht. Dann ein weiteres Grinsen. „Ja. Das war der Plan.“

    „Du weißt, dass du damit Verantwortung hast, ja?“

    „Ja, sicher.“

    „Wirst du dich entsprechend verhalten?“

    Nun runzelte Murphy die Stirn. „Was meinst du damit?“

    „Ich meine damit, dass du eine gewisse Neigung hast, egoistisch zu sein und dich anderen gegenüber wie ein Arsch zu benehmen“, sagte sie geradeheraus.

    Murphy schenkte ihr einen gekränkten Blick. „Ich weiß nicht, was du meinst. Wenn du auf das eine Mal in der Arena da anspielst: Das war so nicht gemeint! Wirklich nicht. Ich dachte halt nur, dass du damit problemlos klarkommst und immerhin bist du das ja auch. Ich konnte ja nur nicht wissen, dass Crash wirklich so stark ist. Ich meine, die anderen waren ja kein Problem, oder? Du bist doch stark!“

    Sie musterte ihn. „Ich meine damit, dass ich nicht will, dass du Crash irgendwelche Sachen aufquatscht, die ihm auf Dauer schaden. Crash ist ein ehrlicher Typ und er will seine Schwester beschützen.“

    „Seine Cousine“, meinte Murphy.

    „Was?“

    „Seine Cousine. Eigentlich ist Alice seine Cousine. Sie sagen nur sie seien Geschwister. Aber es ist recht offensichtlich, wenn du sie einmal siehst.“ Er grinste.

    „Du hast sie schon kennen gelernt?“

    „Jap.“ Sein Grinsen wurde noch weiter.

    Wie auch immer. „Es geht mir darum, dass du ihn nicht hintergehst, ja?“

    Murphy seufzte schwer. Sein Gesicht wurde ernster. „Ich verspreche, dass ich keinen Scheiß machen werde, okay? Davon abgesehen, dass Crash mich wahrscheinlich aufspießen würde, schieße ich mir damit doch nur selbst ins Bein. Ich meine, wenn er wirklich eine erfolgreiche Sportkarriere macht, dann habe ich auch ausgesorgt, oder?“

    Sie musterte ihn für einen Moment. „Hast du, wahrscheinlich.“

    „Siehst du?“ Schon wieder seufzte er schwer. „Ehrlich, Pakhet. Ich bin kein totaler Arsch. Und es verletzt mich, dass du so von mir denkst. Wirklich.“ Er zog einen Schmollmund, der allerdings sogleich verschwand, als die Kellnerin mit Eisbecher und Eiskaffee zu ihnen hinüberkam.

    Murphys Becher war in einer breiten Keramikschale serviert. Rosane, weißgelbliche und Braune Eiskugeln waren kunstvoll arrangiert und mit Sahne, dunkler Soße, aber auch Erdbeeren und Schokostücken garniert.

    „Danke“, meinte er zur Kellnerin und ein Glänzen zeigte sich in seinen Augen. Er sah auch zu Pakhet. „Danke.“ Dann pickte er sich ein Schokostück von Oben hinab und steckte es sich in den Mund. „Ich liebe Schokolade.“ Er hatte den Blick eines Süchtigen, der das Ziel seiner Sucht nur selten zu sehen bekam. Ein Punkt mehr für Straßenkind. Ach, mittlerweile war es eigentlich keine Frage mehr.

    Er begann zu Essen, während sie am Eiskaffee nippte. Zumindest war er nicht zu süß. In anderen Cafés hatte sie schon Eiskaffee getrunken, in den man so viel Syrup gegossen hatte, dass der eigentliche Kaffeegeschmack nicht mehr auszumachen war. Mit einem Kaffee der dank der Eiskugel ein leichtes Vanillearoma hatte, kam sie dagegen klar.

    „Ich weiß was“, meinte Murphy schließlich, als er die halbe Schüssel in Rekordtempo geleert hatte. „Ich mache die ganze Arenasache wieder gut mit dir, ja? Sag mir, was ich tun soll!“

    Sie schnaufte. „Du musst nichts tun, Murphy. Es reicht, wenn du dich aufrichtig entschuldigst und so einen Scheiß nicht noch einmal abziehst.“

    „Dass werde ich nicht. Sicher nicht. Ehrlich, Pakhet!“ Er zeigte sich reumütig. „Und es tut mir wirklich, wirklich leid.“ War er aufrichtig? Sie war sich nicht sicher. Sie war sich bei ihm nie sicher. Dafür schenkte er ihr einen rehäugigen Blick. „Weißt du, ich will dennoch was tun, um es wieder gut zu mache. Ähm.“ Er gab vor zu überlegen. „Was hältst du davon, wenn ich dich heute Abend zum Essen einlade?“

    „Das ist nicht nötig, Junge. Ehrlich nicht.“

    „Was ist dann mit einer Bar? Gehst du in Bars? Wir könnten was zusammen machen.“ Langsam kehrte das Grinsen wieder auf sein Gesicht zurück. Er zwinkerte.

    Moment. Er zwinkerte?

    „Aha“, meinte sie und seufzte. „Was denn zum Beispiel?“

    „Alles, was du willst!“ Er grinste weiter. „Alles, was du willst.“ Er steckte sich einen weiteren Löffel Eis in den Mund, lutschte etwas an diesem.

    Ein weiteres genervtes Stöhnen entglitt ihr und sie schloss die Augen, um leise bis zehn zu zählen. Dann sah sie ihn wieder an. „Sag mal, Murphy, versuchst du gerade etwa mit mir zu flirten?“

    Unglaublicher Weise breitete sich das Grinsen noch weiter aus. „Wieso? Funktioniert's?“

    Natürlich passierte ihr so etwas. Natürlich. Womit hatte sie eigentlich gerechnet. „Murphy, Kid, mal ganz unter uns: Wie alt bist du?“

    Sein Blick war unschuldig, während seine Augen ihre Farbe veränderten, wechselten von Grün nach Braun. „So alt, wie du willst.“

    Sie musste sich ihre Frage also selbst beantworten. „Du bist vielleicht sechzehn, eventuell siebzehn. Kid, ich könnte deine Mutter sein.“

    Murphy musterte sie. „Na ja, ich finde, dass ist der falsche Ansatz. Die Sache ist ja, dass du nicht meine Mutter bist, oder? Also  …“

    „Kid.“ Sie fixierte ihn kühl. „Du bist zu jung für mich.“ Sie sah den kommenden Satz vorher und antwortete direkt: „Ja, auch für einen One-Night-Stand. Du bist zu jung.“ War es vielleicht zu hart, wie sie auf ihn reagierte? Immerhin war er wahrscheinlich wirklich nur ein hormongesteuerter Teenager.

    Er ließ ein langes Seufzen hören. „Okay, okay. Ist ja gut.“ Er teilte eine Erdbeere in der Mitte durch. „Ich verstehe ja schon. Dennoch  …“

    Sie seufzte.

    „Also, wenn du es dir anders überlegen solltest.“

    „Murphy“, meinte sie mit einem Seufzen.

    „Ja, ja. Schon verstanden.“ Er runzelte die Stirn, ehe ihm ein anderer Gedanke kam. „Heißt das, du lädst mich dann zum Essen ein?“



    .

  • Es war klar, dass seine enorme Größe Crash hier zum Vorteil wurde – und tatsächlich bekam er den Ball zu fassen.

    Diese riesigen Hitboxen, furchtbar.

    Sie konnte ihn verstehen. Immerhin waren sie unter falschen Namen, falschen Daten, falschen Vorgaben hier.

    Man hat aber auch ihre Gesichter gesehen und er war nicht komplett unbekannt.

    Zu populär zu werden, ist gefährlich. Erpressung, Rache...

    Er holte tief Luft. „Bis das Krankenhaus wieder wirklich läuft. Wenn ich … Wenn ich wieder eine richtige Grundlage habe, höre ich auf.“

    Erneut nickte sie. So etwas hatte sie sich schon gedacht.

    Es wird erwähnt, dass man vermutlich früher oder später erschossen wird, wenn man nicht aussteigt.

    Und mindestens zwei haben konkrete Pläne. Einer scheitert und stirbt, der andere verlässt das Team, wenn er sein Ziel in Reichweite hat.

    Das sehe ich so schon voraus.

    Dann aber seufzte sie und schüttelte den Kopf. Es gab keine gute Antwort. „Danke“, murmelte sie schließlich um irgendetwas zu sagen. „Es ist zur Kenntnis genommen.“

    Das ist eine sehr interessante Thematik, vor allem in Bezug auf sie, aber generell auf die Gruppe.

    Sie sagen nur sie seien Geschwister. Aber es ist recht offensichtlich, wenn du sie einmal siehst

    Warum lügt er, eine form von Geschwisterlicher Liebe, die er im Alltag garnicht mehr unterscheidet?

    Denkt er, es würde sympathischer rüberkommen wäre sie seine Schwester?

    Ich nehme auch an, er sagte nicht, sie sei seine Cousine, dass Murphy geschätzt hat und dass er falsch liegt.

    Freundin? Es ist gut einen Trickbetrüger dabei zu haben, der merkt natürlich solche Sachen.