mabus.

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  • mabus.




    vorwort.


    „The scariest moment is always just before you start.“
    – Stephen King


    Heiii, hallo und herzlich willkommen,
    habt ihr euch nicht auch schon ein Mal die Frage gestellt, was mit euch geschieht, wenn ihr im Traum sterbt? Die Antwort auf diese einfache Frage lautet: ihr verliert ein Stück eurer Seele! Und mit jedem weiteren Mal, mit jedem weiteren unaufhaltbaren Tod, bricht ein weiteres klitzekleines Seelenstück, das eine Geschichte zu erzählen hat, ab. Und ebenjene Seelenstücke landen dann an diesen merkwürdigen Ort - ein Platz, an dem die Traumwelt mit der Realität verschmilzt und nahezu nichts mehr unmöglich erscheint.

    Da ich oftmals emotionale Themen behandle, die mit vielerlei detaillierten Beschreibungen daherkommen, empfehle ich, dass du mindestens sechszehn Jahre alt sein solltest, um weiterzulesen!


    inhaltsverzeichnis.



    G E D I C H T E


    H A I K U


    K U R Z G E S C H I C H T E N



    satan.



  • willkommen.


    herzlich willkommen.
    tretet ein. ins heim.
    endlich seid ihr angekommen.

    setz du dich. und setze du dich.
    kommt herein. tretet ein.
    herzlich willkommen im trauten heim.
    glück allein.

    alles brennt. ein höllenmeer.
    seelen verbrennen. alles leer.
    mein herz ist schwer.

    herzlich willkommen.
    tretet ein. ins heim.
    endlich seid ihr angekommen.
    endlich seid ihr angekommen.




  • Salut!

    Ich bin heute auf dein Gedicht „willkommen.“ gestoßen und möchte dir natürlich gerne einen kurzen Kommi dazu in deinem Topic hinterlassen. :)


    willkommen.

    Ich fange mal beim Titel an. Grundsätzlich gefällt mir der Titel ganz gut, er ist kurz und prägnant und fügt sich gut in das Gesamtbild des Gedichts ein. Jemanden willkommen heißen ist in erster Linie für die meisten Menschen wohl etwas Positives, sodass der Titel eine gewisse Erwartung hervorruft. Diese Erwartung wird in der ersten Strophe zunächst bestätigt. Eine Stimme begrüßt eine Gruppe und bittet sie einzutreten. Der dritte Vers macht deutlich, dass das lyrische Ich die Gruppe schon seit längerer Zeit erwartet hat.

    Auch in der zweiten Strophe setzt sich das zunächst positive Bild fort, wenn das lyrische Ich die einzelnen Gäste bittet, sich zu setzen. Spätestens im zweiten Vers der zweiten Strophe fällt dann jedoch auf, dass mit dem lyrischen Ich etwas nicht zu stimmen scheint. Es folgt eine erneute Aufforderung hereinzukommen. Nicht nur doppelt sich die Aufforderung innerhalb des Verses, die Aufforderung „tretet ein.“ fiel im gleichen Wortlauf bereits drei Verse zuvor. Auch der extrem kurze Satzbau und das Auslassen von Großbuchstaben deuten auf eine bedrückte, wenn nicht gar bedrohliche Stimmung hin.

    Die dritte Strophe bricht inhaltlich komplett mit den bisherigen Strophen, behält aber interessanterweise die formale Struktur bei. Das lyrische Ich offenbart dem Leser, in welchem höllenartigen Zustand sich das „heim“ befindet. Im dritten Vers der dritten Strophe scheint sich das lyrische Ich zudem einzugestehen, dass es sich durch die Situation belastet fühlt, wenngleich ich zugeben muss, dass ich den Ausdruck „das Herz liegt schwer“ noch nie gehört habe und rein sprachlich gerade von „schwerwiegend“ oder „schwer sein“ ausgehe. Würde mich interessieren, wieso du da „liegen“ verwendet hast.

    Es folgt die letzte Strophe, in welcher das lyrische Ich wieder in das vorherige Muster zurückfällt. Es wiederholt die erste Strophe; jedoch mit dem Unterschied, dass sich der letzte Vers noch einmal wiederholt. Es stellt sich die Frage, ob die dritte Strophe eine Art 'Ausrutscher' in der Außendarstellung war und das lyrische Ich seinen Mitmenschen nun wieder vorspielt, dass alles gut ist, oder – und den Gedankengang finde ich fast interessanter – ob es die Welt tatsächlich wieder positiv wahrnimmt. Das Wort „heim“ könnte darauf hindeuten, dass sich das lyrische Ich in einer Psychiatrie befindet. Die dritte Strophe könnte dann buchstäblich das beschreiben, was das lyrische Ich sieht und nachdem es Medikamente genommen hat, ist es schnell wieder in der Wahrnehmung angelangt, die es auch zuvor beschrieben hatte. Der knappe Satzbau und das Fehlen von Großbuchstaben könnte dann die bedrückte Stimmung innerhalb des Gebäudes darstellen, aber sicher genauso aufzeigen, dass die Medikamente eben nicht alles 'reparieren'.

    Unabhängig davon, welche der beiden Varianten zutrifft, finde ich das Gedicht äußerst spannend. Stilistisch ist es sehr gut geschrieben und es harmoniert auf eine erschreckende Weise perfekt mit dem Bild. Falls ich mit meiner Interpretation völlig falsch liege, tut es mir leid, haha. Hat mir aber auf jeden Fall gut gefallen, gerne mehr davon!


    Au revoir! :)


  • sie.


    „Du musst endlich damit abschließen“, flüstert mir eine vertraute Stimme sanft in mein Ohr.
    „Aber wie?“, antworte ich ihr, während ich in meinen einsamen Gedanken vertieft bin. „Sie war die wichtigste Person in meinem Leben. Ich kann das alles nicht einfach so vergessen.“
    „Von vergessen war nie die Rede.“
    Ich lege die weiße Rose, die ich krampfhaft in meiner linken Hand halte und deren Dornen sich bereits in meiner blutigen Handfläche verfangen haben, sachte auf das frische Grab nieder und kehre ihm den Rücken. Gerne würde ich noch länger bleiben, am liebsten für allezeit, aber irgendetwas konnte mich schließlich davon überzeugen, jetzt zu gehen. Mit langsamen und zuerst zögernden Schritten gehe ich allmählich auf das große Friedhofstor am Ende des Pflasterpfades zu. Dort angekommen schaue ich noch ein letztes Mal zu ihr rüber und halte meine aufgestauten Tränen zurück. Ich weiß, dass ich für sie stark bleiben muss, denn sie war es immer – auch dann noch, wenn alles bereits verloren schien.

    Auf dem Nachhauseweg erinnert mich alles an meine verlorene Liebe. Ich höre ihre zarte Stimme, rieche ihr unverkennbares Parfüm – eine Mischung aus Rosenblättern und Zitronen – und sehe in jedem Gesicht der mir entgegenlaufenden Passanten das ihre. Irgendwann muss ich damit abschließen, das weiß ich. Aber bis dahin, in dieser Tatsache bin ich mir mehr als nur sicher, würde es noch lange dauern, denn sie war nicht nur irgendjemand Unbedeutendes, den man schnell vergessen kann. Sie war für mich etwas ganz Besonderes, nein, sie war ein Privileg, das diese meist schreckliche Welt um einiges bunter und erträglicher machte, als es je jemand anderes hätte machen können. Ich vermisse diese Person, die mir immer zur Seite stand, ja so sehr …


    Nachdem ich die Haustür aufgeschlossen habe, gehe ich wortlos in das Schlafzimmer, um mich auszuruhen. Ich lege meinen brummenden, von Schmerzen geplagten Kopf auf der linken Bettseite ab und blicke auf die mir gegenüberliegende. Dort schlief sie und sprach immer auf mich ein, wenn ich am Verzweifeln gewesen bin. Seitdem beobachte ich diese Stelle jeden Morgen aufs Neue, denn, wenn man sie mit etwas Fantasie betrachtet, erkennt man einen leichten Abdruck, der mich denken lässt, dass sie immer noch dort schläft. Das gibt mir für den Moment wieder neuen Lebensmut, doch dann werde ich mir wieder bewusst, dass ich mir alles nur einbilde und sie – egal, wie intensiv und oft ich es mir auch wünsche – nie wieder dort liegen wird.

    Ich kneife meine Augen mit aller Kraft zusammen und versuche, meinen Geist von all dem Leid zu befreien. Doch es will einfach nicht funktionieren. Es funktioniert nie, um ehrlich zu sein. Immer und immer wieder werde ich von meinen Albträumen heimgesucht und gebe allein mir die Schuld daran, dass es erst dazu gekommen ist. Ich stehe niedergeschlagen auf, gehe in die Küche und nehme mir eine Kaffeetasse aus dem Küchenschrank heraus. Zuerst beachte ich meine blinde Wahl nicht, doch als ich sehe, dass es die Tasse ist, die sie immer genommen hat, um jeden Morgen ihren Kaffee zu schlürfen, wird mir plötzlich ganz anders. Es vergeht eine Weile, in der ich sie prüfend betrachte, bevor ich sie zurück in den Schrank packe, mir eine andere greife und dann diese unter die Kaffeemaschine stelle.


    Auf meinen Kaffee wartend setze ich mich an den leeren Esstisch im Nebenraum. Es herrscht erdrückende Totenstille – nicht nur in meinen Kopf, sondern einfach überall. Aber mein Herz pocht noch, mein Herz ist in diesem Moment das Einzige, was ich hören kann. Doch als auch dieses allmählich innerhalb der Stille meiner selbst verstummt, werde ich auf das fast ohrenbetäubende Ticken der Wanduhr aufmerksam. Dann atme ich ein, um kurz darauf wieder auszuatmen. Ich stütze meinen Ellenbogen auf dem Tisch ab und fasse mich an die warme Stirn, während mein Blick nach unten zur abgenutzten Tischfläche sackt.
    „Manchmal wünsche ich mir, ich würde aufhören zu atmen, um bei dir sein zu können“, flüstere ich geistesabwesend vor mich hin.
    „Nein“, ertönt es plötzlich. „Bitte, sag so etwas nicht!“
    Sachte hebe ich meinen Kopf an. Und dann sitzt sie mir gegenüber, charmant wie immer und mit ihren wunderschönen, offenen blonden Haaren zu mir blickend.
    „Du solltest dein Leben genießen anstatt hier mutterseelenallein zu sitzen.“
    Ich strecke meine Hand nach ihr aus, doch ehe ich zärtlich ihre Wange streicheln kann, zieht sie sich erschrocken zurück.
    „Ich würde alles geben, um dich ein letztes Mal berühren zu können, aber es ist weitaus komplizierter, als du es dir je vorstellen könntest“, erklärt sie mir, während ich sie fasziniert von unten bis oben betrachte.
    „Ich wusste, dass du zurückkommen würdest, ich–“
    „Ich bin nur zu Besuch“, unterbrach sie mich. „Ich bleibe nicht lange.“
    „Was? Wieso?“


    Sie steht auf einmal von ihrem Platz auf und winkt.
    „Komm!“, ruft sie mich zu sich.
    „Wohin?“ Doch ich bekomme keine Antwort.
    Ich kann mir bereits denken, was sie von mir erwartet – und tatsächlich schleicht sie den langen, in diesem Moment mir endloserscheinenden Flur entlang, nur, um direkt vor einer großen eichenbraunen Zimmertür ganz am Ende zu verbleiben.
    „Du musst damit abschließen können.“
    Aber ich kann es nicht, ich kann es einfach nicht. Es ist noch zu früh. Viel zu früh, mich dem entgegenzustellen.
    „Lass uns gemeinsam gehen“, spricht sie mir neuen Mut zu, während sie tief in meine Augen schaut und ich mich in ihrem Blick verliere. Ich nicke behutsam, lege meine Hand erst zögerlich auf den eiskalten Griff und drücke die Türklinge anschließend rasch hinunter.


    Ich kehre für einen kurzen Augenblick in meine Gedankenwelt zurück und werde ein weiteres Mal von den schrecklichen Bildern überwältigt – überlege, ob ich diesen schweren Schritt nun wirklich wagen soll.
    „Kommst du?“, ruft mich ihre beruhigende Stimme wie eine verführende Sirene zu sich und plötzlich sind all meine Ängste vergessen, sodass ich selbstsicher in den fast leeren Raum treten kann. Lange ist es her, dass ich ihn zuletzt betreten habe.


    Dies ist einmal ihr kleines kreatives Reich gewesen, in dem sie sich ausgelebt, wann und wie immer sie es sich gewünscht hat. Allerdings merkt man von dem Leben, das diesen Raum einmal erfüllt hat, kaum noch etwas – heute lebt hier nur noch die ein oder andere Spinne in ihrem Netz zwischen den Wandecken lauernd, während klitzekleine Staubpartikel innerhalb der sauerstoffarmen Luft im Raum herumschweben.
    Während ich zum Fenster auf der anderen Seite des Zimmers zu gehe, um es zu öffnen, schwelgt sie in Erinnerungen.
    „Erinnerst du dich noch …?“
    Ihr verblasster Körper ist zur strahlendweißen Wand, vor der sie steht und in der sich ein tiefes Loch mit ungefähr zehn Zentimetern Durchmesser befindet, kaum noch erkennbar.
    „Als wir gerade eingezogen sind“, denke ich laut nach. „Du wolltest unbedingt eine Jalousien für das Fenster haben, weil dir das Sonnenlicht nachmittags immer zu grell in den Raum hineinstrahlte.“ Ein verhaltenes Grinsen schleicht sich unbeabsichtigt über meine Lippen. „Ich bin von der Leiter gefallen und habe mit meinem Ellenbogen ein Loch hineingebohrt.“
    „Und die ganzen Jahre, die wir hier schon wohnen, haben wir es nicht geschafft, es zu stopfen“, scherzt sie und beginnt dabei zu lachen.
    „Ich wünschte, ich könnte diese Zeit mit dir nochmal erleben …“
    Plötzlich ist es still und sie schaut betrübt zum Boden.
    „Du weißt, dass das nicht geht.“
    „Ich weiß, ich weiß …“


    Ruhe, Schweigen, Stille – so lange, bis eine leise Melodie ertönt. Ich drehe mich erschrocken um und sehe, dass sie vor ihrem altmodischen Plattenspieler steht.
    „Unser Lied“, sagt sie mit einem verhaltenen Lächeln.
    „Unser Lied“, erwidere ich und nicke.
    Sie ahmt Tanzschritte nach, während ich ihr dabei zusehe.
    „Wie gerne ich ein letztes Mal meine Arme sanft um deine Hüfte legen und gemeinsam mit dir tanzen würde.“
    Sie beendet auf der Stelle, bleibt direkt vor mir stehen, während die Musik wie von Geisterhand aufhört zu erklingen und sagt mit traurigem Klang: „Das geht nicht, denn es ist weitaus komplizierter, als du es dir je vorstellen könntest.“
    „Es geht nicht, es ist weitaus komplizierter, als ich es mir je vorstellen könnte“, wiederhole ich innerlich in mir aufgewühlt, nachdem ich ihr aus Trotz den Rücken kehre und im Anschluss meinen schweren Schädel zum Erdboden hinab fallen lasse.


    Als ich meinen Kopf sachte anhebe, sehe ich unsere Fotowand, die die Form eines Herzens hat, und begutachte jede einzelne Fotografie. Auf einem stehen wir beisammen, küssen uns leidenschaftlich unter Palmen am strahlenden Strand. Ich erinnere mich, wie wir einen älteren Einheimischen mit unserem gebrochenen Englisch darum gebeten haben, ein Erinnerungsfoto von uns zu machen, damit wir unseren Kindern und Enkelkindern zeigen können, wo wir unsere Hochzeitsreise gemacht haben, und wie er zuerst die Technik hinter meinem modernen Fotoapparat nicht verstanden hat. Wenn ich nur darüber nachdenke, fühle ich heute wie damals die hawaiianischen Sonnenstrahlen auf meinen Arm. Doch im selben Moment spüre ich beim Betrachten der Bilder auch, wie sich etwas Kaltes von hinten an mich heranschleicht und die Kälte sich daraufhin auf meinen Schultern absetzt.
    Das wiederum erinnert mich an den Augenblick, in dem das Foto ganz unten am Herz geschossen worden ist. Dort stehen wir während unserer ersten Reise in Paris – der Stadt der Liebe – unter einem monströsen Marmorbogen, den Arc de Triomphe du Carrousel, nebeneinander. Mir fällt ein, dass wir relativ lange sparen mussten, um uns diese Reise von unserem mageren Gehalt erst leisten zu können. Am Ende hat sich jedoch alles gelohnt, so wie jede Erinnerung, die ich mit ihr teile, sich gelohnt hat.
    Eine weitere Momentaufnahme lichtet uns bei unserem Einzug in unsere gemeinsame Wohnung ab, und wie meinem älteren Bruder im Hintergrund meine Lavalampe aus den Händen fällt, wie sie einfach so in der Luft schwebt und nahezu schwerelos wirkt. Ich trauere ihr ab und an immer noch nach – schließlich begleitete sie mich durch meine gesamte Jugendzeit –, allerdings beginne auch ich nach einer Weile, darüber zu lachen.


    Ich schaue mich weiter um, will gar nicht mehr aufhören. Zurückblickend kann ich behaupten, ein erfülltes Leben mit ihr an meiner Seite gehabt zu haben, das nun jedoch nie wieder so sein wird, wie es einmal gewesen ist.
    Insbesondere dieses eine Foto, das sich in der Mitte der Collage befindet, erinnert mich daran. Ich erkenne den Mann, der neben der wunderschönen, in weiß gekleideten Frau unter einem Vorhang aus bunten Blütenblättern steht, kaum wieder. Er ist mir so fremd mit seinem schwarzen Edelanzug und seinem weißen Hemd darunter – er wirkt mir so fremd, weil er glücklich ist. Eine flüchtige Träne fließt mir die rechte Wange hinunter und ich wische sie instinktiv aus dem Gesicht, um stark zu bleiben.


    „Es ist okay“, muntert sie mich auf.
    Nachdem ich wieder neuen Mut gesammelt habe, schaue ich ihr direkt in die Augen.
    „Ich werde dich nie vergessen können“, beginne ich, „doch ich werde ab heute versuchen, ohne dich weiterleben zu können.“
    Sie lächelt mich mit einem erleichternden Lächeln an, und dann erstrahlt direkt hinter ihrem durchscheinenden Körper ein helles, beinahe erblindendes Licht. Sie wischt sich einzelne Haarsträhnen aus ihrem Gesicht und spricht: „Nun habe ich Gewissheit, ich danke dir – doch ich muss nun gehen.“
    „Wohin?“ Meine Neugier überkommt mich, doch dann erinnere ich mich an ihre Worte.
    „Es ist weitaus komplizierter, als du es dir je vorstellen könntest“, sagen wir gemeinsam und grinsen uns daraufhin glücklich an.
    Sie kehrt mir den Rücken und ist kurz davor, wortlos in das Licht zu gehen, als ich sie zurückrufe: „Warte!“
    Überrascht dreht sie sich um.
    „Ich–“ Die Worte wollen einfach nicht aus mir herauskommen.
    „Ich liebe dich auch“, nimmt sie mir die Worte aus dem Mund, während sie verhalten auf mich zu geht, und mir daraufhin einen zärtlichen Kuss auf die trockenen Lippen gibt.
    „Aber ich dachte, dass …“ Sie lächelt, während sie im Schimmer allmählich verschwindet.


    Und so kann ich nun endlich nach all den tränenreichen Tagen der Trauer und der Ungewissheit mit der Vergangenheit abschließen, doch vergessen habe und werde ich sie nie. Was bleibt, ist nicht der grauenvolle Schmerz, den sie hinterlassen, sondern die Freude und das unendliche Glück, das sie mir bis zu ihrem Tode geschenkt hat. Und so lebt und liebt sie seither mit meinen gesamten Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit tief in meinen Herzen.










  • Hallo lErOI. ,


    am Anfang war ich mir unsicher, ob eine so lange Kurzgeschichte etwas für mich sein kann und ich wurde enttäuscht. Ich wurde enttäuscht von meiner Naivität, meinem Tunnelblick, denn wow, hat die Kurzgeschichte mich umgehauen. Ich hab das Gefühl du hast eine unglaubliche Intuition für einen so emotionalen und angenehmen Schreibstil, dass ich in Verbindung mit diesem Inhalt besonders bei der Stelle er wirkt mir so fremd, weil er glücklich ist. fast selbst anfangen musste zu heulen, aber ich wollte stark sein und hab es mir mühevoll verkniffen.


    Dass bei einem so langen Text mal die ein oder andere Sache im Text schiefgeht ist glaub ich selbstverständlich und kein Problem, ein paar Rechtschreibfehler hier und da (genaueres wäre in meinen Notizen) und sonst wenige Formulierungen, die so etwas komisch klingen.


    Insgesamt gefällt mir dein Text unglaublich schön und ich glaube du hast einen extrem guten Sinn fürs Schreiben, nur das Korrekturlesen solltest du vielleicht etwas ernster nehmen :blush:


    Gruß,

    Tide

  • „Es ist weitaus komplizierter, als du es dir je vorstellen könntest“

    Also wenn ich mir meine eigene Antwort zu diesem Satz suchen müsste, was sie damit meint, würde ich sagen dass es ihr schlechter geht als ihm. Beide haben den gleichen Verlust erlitten, sind jeweils nicht mehr in der Lage mit der Person die man liebt weiter zu leben. Was für sie aber schlimmer ist, ihren Mann als gebrochene Gestalt zu sehen, der scheinbar stagniert und denkt dass er einfach nur zu ihr möchte. Sonst nichts.

    Sie hat die Gewissheit dass sie nur auf ihn warten muss und mit den gemeinsamen Erinnerungen weiß sie auch dass sie warten kann. Aber sie möchte nicht sehen wie er bis dahin einfach nur vor sich herlebt. Er kann immer noch leben und das sollte er auch. Deswegen schmerzt es sie ihn so zu sehen und möchte ihm zwar helfen, hat aber Angst dass sie es schlimmer machen könnte wenn sie sich auf diese Art zu Nahe kommen. Also muss sie ein wenig auf Abstand bleiben.


    Soviel dazu. Das wäre jetzt nur meine Interpretation dieses Satzes, wird aber vllt. auch einfach nur als Effekt für die Story verwendet ^^



    Nichtsdestotrotz eine schöne Geschichte. Das ist es wenn es heißt man soll weiterleben für diese eine besondere Person, auch wenn es nicht mehr mit ihr geht :-)

    "Lucario, tell me. What aura does the moon have?"

    "I can't say for sure, but... It feels like it's a part of me..."


  • element.


    oh, ersticke mich,
    und mach, was immer du willst,
    ich werde atmen.

    oh, ertränke mich,
    und mach, was immer du willst,
    ich werde schwimmen.

    oh, verschütte mich,
    und mach, was immer du willst,
    ich werde graben.

    oh, entzünde mich,
    und mach, was immer du willst,
    ich werde leuchten.



    oh, vernichte mich,
    und mach, was immer du willst,
    ich werde leben.









  • Na gut, du hast mich ungefähr eine trilliarde Mal gefragt, was ich von dem Haiku-Gedicht halte, also bitte bitte hör auf zu fragen und erfreue dich an meinem Kommentar! :P


    Allgemein finde ich den Aufbau cool mit der immer wieder wiederholenden Mittelzeile des Haikus. Gleichtzeitig die komplette Aufgabe des Lyrischen Ich, da es ja alles mit sich machen lässt,sogar sich umbringen lasse und der Widerstand, dass es nichts davon abhalten wird, weiterzukämpfen. Und dann auch immer wieder der Gegensatz, die befreiende Maßnahme der 3. Zeile, die das Lyrische Ich die Grausamkeit der ersten Zeile überleben lässt, ist wirklich gut. Lediglich hier brichst du damit etwas unschön:

    oh, entzünde mich,
    und mach, was immer du willst,
    ich werde leuchten.

    Das klingt sehr danach, als ob sich hier das Lyrische Ich damit abfindet, abzufackeln, da es ja (von den Flammen?) leuchtet und darin aber etwas positives sieht. Da ist viel mehr die psychische Akzeptanz und Schönheit des Verbrennungsprozesses benannt, als das wirklicher Widerstand erkennbar ist, da hier das Lyrische Ich auch nichts aktiv gegen den Täter unternimmt. Das fällt dann doch sehr aus dem Rahmen und ist daher eher auffällig. Sollte es Absicht gewesen sein, passt das imo einfach sehr wenig ins Gesamtkonzept und da findet sich sicher was besseres^^ Aber is ja auch Geschmack und so ^^


    Dann auch die "..." Zeile als Trennung zum finalen "vernichte mich - ich werde leben" finde ich im Gesamtkonzept gut, da sich dadurch jeder selbst zusammenreimen kann, was dem Lyrischen Ich noch alles angetan wird und was es alles erleiden musste und trotzdem bleibt der Wille, nicht nur zu ÜBERleben sonden tatsächlich zu leben immer erhalten. Wobei natürlich auch fraglich ist, wie gut das Lyrische Ich dann noch leben kann, wenn es all das hinter sich hat und entsprechende Verletzungen mit sich trägt^^'

  • Salut!

    Du hast zwar schon zwei Kommentare zu deiner Kurzgeschichte bekommen, aber wenigstens ein bisschen Feedback wollte ich dir dazu auch noch dalassen. :)


    sie.

    Ich fasse für mich erstmal kurz den Inhalt zusammen. Der Erzähler befindet sich zunächst vor einem Grab und nimmt eine Stimme wahr, die ihm rät, mit dem Tod der entsprechenden Person abzuschließen. Wieder zuhause ist der Erzähler sichtlich geplagt und quält sich durch Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der toten Person um die verstorbene Frau des Erzählers handelt, die am Esstisch schließlich vor ihm erscheint und ihn in ihr früheres Kunstzimmer führt. Dort angekommen hilft sie ihm, ihren Tod zu verarbeiten, bevor sie sich schließlich mit einem Kuss von ihm verabschiedet.

    Gleich vorweg, wirklich zu kritisieren habe ich nichts. Vielmehr war ich von der gleichzeitig emotionalen und doch trotzdem zumindest ein bisschen apathisch wirkenden Art, die Szene zu beschreiben, wirklich angetan. Die gewählte Erzählperspektive der ersten Person trägt sicherlich ihren Teil dazu bei, sich schnell mit dem Erzähler zu identifizieren. Man spürt die Verzweiflung des Erzählers und fühlt mit ihm mit. Er schwankt zwischen dem Vergessen, dem Wunsch nach dem eigenen Tod und der generellen Hilflosigkeit. Vor allem die beschriebene Situation mit der Tasse ist mir als starke Szene im Kopf geblieben, die perfekt aufzeigt, wie geistesabwesend er seinen Alltag erlebt. Einzig, wofür genau er sich die Schuld gibt, bleibt offen. Eventuell könnte man es weglassen, wenn es in der Geschichte selbst keinem weiteren Zweck dient, aber vielleicht zeigt es auch einfach nur, wie verzerrt die Sicht des Erzählers ist und worüber er sich unnötigerweise Sorgen macht.

    Auch das gewählte Ende ist einfach schön; wenngleich vielleicht etwas kitschig. Nein wirklich, die vermittelte Botschaft gefällt mir, zumal wunderbar dargestellt wird, dass es eben einfach ein Prozess ist, mit solchen Verlusten umzugehen, und dass man dabei vielleicht auch einfach mal Hilfe braucht.

    Besonders faszinierend finde ich den Titel. Er ist unglaublich simpel und fasst trotzdem perfekt zusammen, worum es dem Erzähler geht. Sie ist alles, woran er denken will, wenn nicht gar muss, bis sie ihm schließlich sogar als Illusion erscheint. Und trotzdem geht es doch eigentlich überhaupt nicht um "sie", sondern vielmehr um ihn, der damit kämpft, eine für ihn richtige Art des Abschlusses zu finden. Der Titel kann auf diese Weise ein bisschen damit spielen, wer für den Leser im Zentrum steht; oder er regt zumindest dazu an, darüber nachzudenken. Am Ende ist es aber doch die Erinnerung an sie, die quasi buchstäblich über allem steht. Eine wundervolle Wahl! :)


    Insgesamt eine traurige, aber trotzdem wirklich schöne Geschichte, die vor allem einfach gut geschrieben ist. :)

    Au revoir!