Eau de Europa

Die Kronen-Schneelande erwartet euch!


Alle Informationen zum zweiten Teil des Erweiterungspasses "Die Schneelande der Krone" findet ihr bei uns auf Bisafans:

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  • "Ich glaube Rattengift genügt da nicht mehr, für dieses Ungeziefer"
    "Der Abschaum der Menschheit"
    "Jetzt reicht es aber wirklich!! Rottet das Gesindel aus - sofort!"
    "Verbrennt sie......."
    "Alle in nen Kontainer,Ins Meer und am Meeresgrund ersticken und verecken lassen"



    Ein Spiegel der Gesellschaft? Was ihr gerade gelesen habt waren willkürlich ausgewählte Zitate von Anhängern der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), dokumentiert von einem Aktivisten auf der Webseite Eau de Strache. Doch ein Blick über die österreichischen Landesgrenzen hinaus offenbart: solches Gedankengut ist europaweit im Vormarsch und beschränkt sich keineswegs auf die rechte Szene Europas, sondern durchdringt nahezu alle Gesellschaftssichten. Daher auch Eau de Europa - was gerade in Europa vor sich geht ist nicht auf Rechtsextremismus zu beschränken und auch nicht auf Asylbewerber und Flüchtlinge.


    Die Europäische Union, das wohl erfolgreichste Friedensprojekt der Geschichte, droht innerlich zu zerfallen. Statt Solidarität erfährt Griechenland in einer der schwersten Wirtschaftskrisen des Landes Erniedrigung und Spott - wohlgemerkt von den europäischen Freunden, oder "Partnern" wie sie die griechische Regierung zu nennen pflegt. Ganz vorne dabei: die Deutschen. Repräsentiert von ihrem Finanzminister Wolfgang Schäuble. Vom Gesicht des hässlichen Deutschen ist in einigen Medien die Rede. 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs hat der "hässliche Deutsche" also wieder ein Gesicht. 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs breitet sich der völkische Terrorismus in Deutschland aus. 173 Terror-Anschläge seit Beginn des Jahres auf deutschem Boden, auf die schwächsten der Gesellschaft, verharmlosend von vielen Medien und Bürgern als "Übergriffe" oder gar "Zwischenfälle" benannt.


    Großbritannien steht kurz vor einem Referendum über einen möglichen Austritt aus der Europäischen Union. Ein Referendum, das Europa in seinen Grundfesten erschüttern könnte. Dabei geht es nicht um wirtschaftliche, militärische oder politische Belange. Die Europäische Union ist keine bloße Wirtschaftsgemeinschaft, wie oft von vielen fälschlicherweise behauptet. Sie ist eine Friedens- und als solche eine Schicksalsgemeinschaft. Trotz all ihrer Schwächen und dem Demokratiedefizit der Union - sie hat Kriege zwischen den Mitgliedstaaten nahezu unmöglich werden lassen. Der Binnenmarkt und allgemein alle wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen sind Mittel zum Zweck - der Zweck ist der Frieden. Zwischenstaatlich, aber auch innerstaatlich. Der Hauptgrund des Referendums: Ausländer, die Personenfreizügigkeit.


    Blickt man auf Griechenland sieht man eine andere erschreckende Entwicklung: es möchte in der Europäischen Union bleiben, wird jedoch von anderen Mitgliedstaaten rausgedrängt. Allen voran: Deutschland. Zwar sprach Schäuble nur von einem "freiwilligen" und "vorübergehenden" Austritt und auch nur aus der Eurozone. Allerdings ist ein Ausschluss eines Mitgliedstaats rechtlich nicht möglich (daher kann Griechenland nur "freiwillig" austreten) und sind alle Mitgliedstaaten, mit Ausnahme von Großbritannien, Dänemark und Schweden, ohnehin dazu verpflichtet den Euro einzuführen (daher kann Griechenland auch nur "vorübergehend" austreten). Unter diesen Gesichtspunkten erscheint die Aussage von Schäuble in einem ganz anderen Licht: er möchte die Griechen von der EU ausschließen. Schlimmer noch als seine Aussage sind seine aktuellen Beliebtheitswerte bei der deutschen Bevölkerung.


    Auch außerhalb der Europäischen Union kriselt es in Europa und zwar gewaltig. Während sich in der Ukraine sog. "prorussische Separatisten" mit ukrainischen Nationalisten und regulären ukrainischen Truppen Kämpfe liefern droht auch in Mazedonien ein Bürgerkrieg. Die Unruhen in Syrien breiten sich auf die Türkei und somit auf Europa aus, wobei diese als Antwort darauf die PKK bekämpft, was für den türkischen Präsidenten Erdogan Grund genug ist den Friedensprozess mit "den Kurden" abzubrechen.


    Bei all dem geht auch noch unter, dass die Berliner CDU erst letzte Woche mehrheitlich gegen die "Homoehe" gestimmt hat. Ich bin zugegebenermaßen auch nicht gerade Befürworter der Homoehe, wohl aber aus ganz anderen Gründen, die für dieses Thema nicht von Relevanz sind. Ich spreche dieses Thema deshalb an, um zu verdeutlichen worum es mir hier im Thema geht. Nämlich nicht, wie man annehmen könnte, um einen erstarken Nationalismus. All das, was ich hier angesprochen habe ist symptomatisch für ein ganz anderes Phänomen: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Dazu folgende Abbildung:



    Ob Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Fremdenfeindlichkeit; all diese Elemente des Syndroms haben einen gemeinsamen Kern: die Ungleichwertigkeit. Artikel 1 der UN-Menschenrechtscharta, der wie folgt lautet: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ wird dabei in Frage gestellt. Aus Merkmalen wie beispielsweise der Hautfarbe, der Religion, der ethnischen Herkunft oder des Geschlechtes wird eine Ungleichwertigkeit, zu Lasten jener Menschen die eines der genannten Merkmale aufweisen das von der ideologisch vorgegebenen Norm abweicht, abgeleitet. Es ist eine Ideologie, die offenkundig jeder sachlichen Rechtfertigung entbehrt und dem zum Trotz recht weit verbreitet ist. Eine Ideologie, die prinzipiell jede Art von Menschenrechten ablehnt, da das Bekenntnis zur Gleichwertigkeit aller Menschen gewissermaßen das Fundament der Menschenrechte ist und dies mit einer Ideologie der Ungleichwertigkeit nicht kompatibel ist.


    Die Menschenfeindlichkeit kann verdeckt oder offen zum Ausdruck kommen. Wer einigermaßen oft auf sozialen Netzwerken, Blogs, Onlinezeitungen oder sonstigen Foren unterwegs ist, der wird in beträchtlichem Ausmaß mit Menschenfeindlichkeit konfrontiert. Wenngleich man ihr auch außerhalb des Internets vermehrt begegnet (man denke nur an die PEGIDA oder die zahlreichen Demonstrationen gegen Asylheime) ist das Internet in der heutigen Zeit bis zu einem gewissen Grad Nährboden dieser Ideologie oder konkreter: die Begleitumstände im Internet, die zu einem Enthemmungseffekt führen und zwar durch folgende sechs Faktoren: Anonymität, Gefühl der Unsichtbarkeit, Asynchronität der Kommunikation, Gefühl der Distanzlosigkeit zu anderen Usern, Vermischung von Realem mit Fiktion und Fehlen von Autorität.


    Nachfolgend ein Beispiel zu verdeckter bzw. versteckter Menschenfeindlichkeit aus dem Artikel entnommen, der für mich mehr oder weniger Anlass war dieses Topic zu erstellen (ähnliche Beispiele findet man auch im BisaBoard, ich verzichte jedoch ganz bewusst darauf sie zu zitieren):


    Zitat

    "Obdachlose freuen sich übrigens auch über Kleidung"


    Ein anderer User entlarvt die Bedeutung dieses kurzen Satzes treffend:


    "sie spielen hier, völlig unnötig und damit tendenziös, zwei bedürftige gruppen gegeneinander aus."


    Der verlinkte Artikel war im Übrigen eine Reaktion auf vermehrt menschenfeindliche Postings; in einem Forum einer Onlinezeitung, die eher von politisch linksorientierten Menschen konsumiert wird. 200 User sollen aufgrund menschenfeindlicher Postings alleine in den letzten zwei Monaten gesperrt worden sein. Solche Postings sind längst auch im BisaBoard zum Thema geworden. Erwartungsgemäß findet man die meisten derartigen Kommentare auf Facebook, wo jüngst auch fragwürdige "Bürgerwehren" gegründet worden sind, die u.a. Menschen kontrollieren die "wie Ausländer aussehen".


    Was man hier im Internet beobachten kann ist eine Art Dominoeffekt: weil einer offen seine Menschenfeindlichkeit zum Ausdruck bringt, fällt auch bei einem anderen jede Hemmung es demjenigen gleich zu tun und weil es dann schon zwei User sind fallen auch bei einem Dritten jede Hemmungen usw. Verstärkt wird dieser Dominoeffekt vom bereits angesprochenen Enthemmungseffekt und auch dadurch, dass Gegner dieser Menschenfeinde der Online-Plattformen, -Gruppen oder -Diskussionen fern bleiben. Wägt man sich in einer Mehrheit, traut man sich naturgemäß mehr. Die Äußerungen nehmen als Folge dessen an Intensität zu und es entsteht der Eindruck, dass diese tatsächlich das Meinungsbild der Gesellschaft widerspiegelen, weil widersprechende Meinung kaum geäußert werden. Diese Annahme wiederum kann dazu führen die soziale Erwünschtheit quasi umzukehren. Wirkt sich dies auf Befragungen von beispielsweise Meinungsforschungsinstituten aus, bestärkt es die irrige Annahme der Menschenfeinde die Mehrheit in der Gesellschaft darzustellen. Wozu eine solche Dynamik führen kann sieht man u.a. an PEGIDA und hat man vor etwas mehr als 70 Jahren gesehen, als sich diese Ideologie im größten und verheerendsten Krieg der Menschheitsgeschichte entlud.


    Bei all dem kann man jedoch nicht ausdrücklich genug davor warnen alle vermeintlich, heißt nur zum Schein, menschenfeindlichen Äußerungen in ein und demselben Topf zu werfen. Auch das kann, selbst im BisaBoard, häufig beobachtet werden. Ein gutes Beispiel wären Äußerungen über "Ausländerkriminalität". Es ist Tatsache, dass in Relation betrachtet häufiger Ausländer (= Fremde; auf die Staatsangehörigkeit bezogen) straffällig werden, als Inländer (= Staatsangehörige). Auf Österreich bezogen verweise ich hier auf den Sicherheitsbericht 2013 des BMJ. Das Gleiche gilt aber auch für Männer und Frauen im Zusammenhang mit sexistischen Aussagen: nur 15% der Verurteilen waren 2013 Frauen, 85% Männer. Auch wenn die Zahl der Verurteilten natürlich erheblich von jener straffällig gewordener Personen abweichen kann, zeigen diese Zahlen doch starke Tendenzen. Dabei geht es mir nur um eines: nämlich um eine sachliche Grundlage. Behauptet jemand, dass Ausländer häufiger straffällig werden beruht seine Aussage demnach auf eine sachliche Grundlage und ist somit natürlich auch sachlich gerechtfertigt. Es wäre falsch jemand aufgrund einer solchen Äußerung der Fremdenfeindlichkeit zu bezichtigen und mehr als das: Pauschalierungen dieser Art bergen eine große Gefahr. Denn sie tragen zur oben dargelegten Dynamik der Menschenfeindlichkeit bei und lassen einen sachlichen Diskurs kaum zu. Sie haben darüber hinaus eine ähnliche Wirkung wie eine Zensur, weil dadurch Meinungen bildlich gesprochen abgewürgt werden. Das Stichwort lautet hier: Opferrolle.


    Umgekehrt muss natürlich mit der gleichen Ausdrücklichkeit davor gewarnt werden derlei Zahlen und Statistiken unreflektiert zu konsumieren und infolge eine menschenfeindliche Meinung zu bilden, zu bekräftigen oder zu unterstützen. Solche Menschen erkennt man meist an der "aber-Haltung", wie bei den "Aber-Nazis" ("ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber ..."). Auch hier nenne ich als prominentes Beispiel PEGIDA.


    Da ich gerade merke, dass dieser Post ziemlich lang wird und daher Gefahr läuft von niemanden vollständig gelesen zu werden breche ich an dieser Stelle ab. Das Wichtigste zum Thema dürfte ohnehin schon zur Sprache gekommen sein. Abschließend möchte ich eines klarstellen: es geht hier nicht, nicht und nochmals nicht um Rechtsextremismus, nicht um Sexismus, nicht um Antisemitismus etc. Zu all diesen Themen gibt es hier eigene Threads. Bitte nutzt diese, wenn ihr über diese Themen diskutieren wollt. Es geht hier um die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, sozusagen als übergeordnetes Phänomen, und deren aktuelle Entwicklung in Europa - und nur in Europa.


    Wie bei all meinen Themen verzichte ich auf "diskussionsanregende Fragen", nur Folgendes sei gesagt, damit das Topic nicht in die falsche Richtigung abdriftet: geht in euch und fragt euch selbst ob und wenn ja wie sich diese Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auf und in euch auswirkt. Wie ihr damit umgeht und ob euer Umgang damit richtig ist.

  • Werfe direkt mal noch folgendes Zitat von Farin Urlaub ein, da es meine Meinung ziemlich genau auf den Punkt bringt:


    Zitat

    Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben. Denn auch diese Leute wollen sich gut fühlen und auf irgendetwas stolz sein. Also suchen sie sich jemanden aus, der anders ist als sie und halten sich für besser.

  • Abschließend möchte ich eines klarstellen: es geht hier nicht, nicht und nochmals nicht um Rechtsextremismus, nicht um Sexismus, nicht um Antisemitismus etc. Zu all diesen Themen gibt es hier eigene Threads.

    Mh, ich kann mich irren, aber zu Antisemitismus gibt es tatsächlich keinen Thread hier. Es gibt was zu Rechtsextremismus, Nationalstolz, Der "New World Order" und dem Nahostkonflikt, die alle mit Antisemitismus was zu tun haben, aber einen eigenen Thread dafür: Fehlanzeige.
    Eigentlich komisch. Müsste man mal ändern.


    Zum Zitat von Farin U: Durch solche Äußerungen werden Rassisten pauschal als dumm dargestellt, ich weiß nicht, ich halte sowas für nicht sonderlich zielführend. Es gibt - leider - auch sehr kluge Rassisten. Es hat ja nichts mit dem IQ zu tun, ob man Vorbehalte gegen bestimmte Gruppen hat, das ist vielmehr eine Sache der Erziehung und der gesellschaftlichen Prägung.


    Bzgl. Kriminalitätsstatistik: Was man dabei beachten muss, ist, dass "Ausländer" viel schneller eine Anzeige kassieren als "Deutsche". Schließlich weiß man ja, dass die "Ausländer" kriminell sind, der "Deutsche" hat's nur nicht so gemeint, und ist ja eigentlich ein ganz braver ...

  • Anzumerken sei, der Menschen ist ein Herdentier, und jeder, der anders ist, wird ausgrenzt, weil er ein Markel hat. Dies kann alles, was der Herde nicht passt. Von optischen Sachen wie Tattoos, Pickel, Behinderungen oder Kleidungsstile bis hin zu unsichtbaren Sachen wie Ideale, politische Ansichten oder Religion.
    Allgemein erinnert mich der aktuelle Zustand in DEutschland und Europa an einer Inquisition und ne Hexenjagd.
    Das Schlimme ist, dass immer mehr und mehr mitmischen, ohne großartig darüber nachzudenken, was da geschieht.
    Das schlimme ist, die anders sein wollen, müssen sich wohl anpassen, wenn sie noch ein Teil der Masse sein wollen.
    Vielleicht in 15 Jahren steht in dein Profil im Forum "Hautfarbe: weiß"
    Doch die Tendenz zum Rechtsruck ist gegeben

  • Mh, ich kann mich irren, aber zu Antisemitismus gibt es tatsächlich keinen Thread hier. Es gibt was zu Rechtsextremismus, Nationalstolz, Der "New World Order" und dem Nahostkonflikt, die alle mit Antisemitismus was zu tun haben, aber einen eigenen Thread dafür: Fehlanzeige.Eigentlich komisch. Müsste man mal ändern.

    Es wird dich niemand von abhalten (nur werden einige wieder stöhnen, hilfe der Hasbaraverein übernimmt weiter das Bisaboard) ;)


    Der Rechtsruck ist in Deutschland, schon geschichtsbedingt, schwächer als im Rest von Europa. Wir haben zum Glück noch keine Rechten im Budestag (zumindest nich Rechter als die CSU). Aber gerade in der Flüchtlingsdebatte zeigt sich auch hier in der Politik ein erschreckendes Bild. Es wird nicht geschaut, wie man den Menschen helfen kann, sondern, wie man sie möglichst schnell abschieben kann oder wie man verhindert, dass sie überhaupt ankommen. Weiter geht es bei der Bevölkerung, wo offensichtlich viele denken, Flüchtlige haben hier nix zu suchen sondern sollten wieder zurück, wie es dort Aussieht ist wohl egal, andere wollen einfach nix damit zu tun haben und sehen sich vom Unbekannten bedroht.


    Immoment scheint mir eher, dass die Bevölkerung mehr und mehr egoistischer im Denken. Es wird immer stärker auf die eigenen Interessen geschaut, als in der Gemeinschaft zu denken, eins der großen Probleme der EU. Statt die Erfolge und Vorteile zu sehen, gilt die EU bei vielen nurnoch als unnötiges Bürokratiemonster, das als Sündenbock für alles schlechte herhalten darf.


    Das Problem der Enthemmung im Internet ist in der Tat groß, jedoch ist man kaum in der Lage es zu ändern. Es gibt auch kaum Tendenzen daran zu arbeiten. Im gegenteil, Anonymität im Netz wird eher noch verteidigt und als Recht wargenommen. Nur, solange das Gefühl da ist, dass man sich für nichts rechtfertigen muss, wird gerade das den Umgangston eher zum negativen prägen. Es verleitet einfach viel eher zu aussagen, die man so in echt niemals tätigen würde.

    Stolzer Überlebender von 70+ Weltuntergängen .... Nächster kommt 2016 angekündigt von James Hansen (Klimaforscher) :ugly:
    Die Welt soll überflutet werden, also vergesst euren Schnorchel nicht


    Stolzes Mitglied des #Hasbara-Clubs des Bisaboards

  • Es gibt - leider - auch sehr kluge Rassisten. Es hat ja nichts mit dem IQ zu tun, ob man Vorbehalte gegen bestimmte Gruppen hat, das ist vielmehr eine Sache der Erziehung und der gesellschaftlichen Prägung.

    Richtig, dem Zitat von Farin Urlaub stimme ich dennoch zu, weil es eben nicht pauschaliert und tatsächlich eine Ursache von Rassismus benennt. Es schließt ja andere Ursachen nicht aus. Der Kern ist aber, wie gesagt, immer derselbe: eine angenommene Ungleichwertigkeit zweier Personengruppen. Ich behaupte mal, dass eine solche Annahme immer mit einem gestörten Selbstwertgefühl einhergeht. Man wertet sich selbst durch, meist angeborene, in jeden Fall aber durch solche Merkmale, die man selbst nicht beeinflusst hat, auf in dem man andere aufgrund derselben Merkmale abwertet. Bei Sexismus ist es das Geschlecht, bei Antisemitismus die Religion, bei Fremdenfeindlichkeit die Herkunft, bei Rassismus die ideologische Rasse, bei Homophobie die sexuelle Orientierung usw. Daher ist das Zitat absolut zutreffend.


    Bzgl. Kriminalitätsstatistik: Was man dabei beachten muss, ist, dass "Ausländer" viel schneller eine Anzeige kassieren als "Deutsche". Schließlich weiß man ja, dass die "Ausländer" kriminell sind, der "Deutsche" hat's nur nicht so gemeint, und ist ja eigentlich ein ganz braver ...

    Gibt es irgendwelche Statistiken oder zumindest Erfahrungen, auf die sich diese Aussage stützt, oder ist das einfach eine Aussage aus dem Bauch heraus? Oder konkreter: ist das eine Aussage die ohne Rücksicht auf tatsächliche Begebenheiten nur zum Zweck hat dein eigenes Weltbild zurechtzurücken? Es ist z.B. undenkbar, dass vorsätzliche Tötungsdelikte bewusst und gewollt nicht verfolgt werden und diese wurden 2013 zu 62,9% von Ausländern begannen.


    Versteh mich nicht falsch. Mir ging und geht es nicht um Ausländerkriminalität sondern darum zu zeigen, dass Aussagen, die sich auf sachliche Grundlagen beziehen, nicht pauschal als menschenfeindlich zu betrachten. Zumal ich mich ja auch auf Österreich bezog und Deutsche in Österreich selbst Ausländer sind, die übrigens ganz oben in der Statistik rangieren. Es sind genau solche Pauschalaussagen, die Nährboden für Menschenfeindlichkeit sind, weil sie sich augenscheinlich (nicht tatsächlich!) gegen Deutsche richtet und Ausländer bevorzugen möchte. Aussagen wie diese führen zu Trotzreaktionen.


    Allgemein erinnert mich der aktuelle Zustand in DEutschland und Europa an einer Inquisition und ne Hexenjagd. Das schlimme ist, die anders sein wollen, müssen sich wohl anpassen, wenn sie noch ein Teil der Masse sein wollen.

    Wie ist denn die Masse? Deine Aussage erweckt den Eindruck, dass die Gesellschaft mehrheitlich menschenfeindliche Haltungen vertitt. Genau das entspricht aber nicht der Realität. Solche Aussagen tragen eben auch dazu bei, dass sich Menschenfeinde in der Mehrheit wägen.

    Vielleicht in 15 Jahren steht in dein Profil im Forum "Hautfarbe: weiß"

    Da es hier ja nicht um Rassismus geht: im Profil steht (optional) das Geschlecht. In einem Pokémon-Forum, einer Plattform also in der das Geschlecht eigentlich keine Relevanz hat. Man könnte zwar damit argumentieren, dass es für die Anrede sehr wohl Relevanz hat, man könnte daraus aber auch eine gewisse Ungleichwertigkeit der Geschlechter ableiten (Sexismus).

  • Danke für den umfangreichen Startpost @Troll-Oberkommando - und damit für die Zusammenfassung vieler Dinge, die mir derzeit mächtig Kopfschmerzen bereiten. Man möchte seinen Kopf wiederholt gegen harte Einrichtungsgegenstände schlagen, wenn es nur etwas nützen würde. Und so lustig es ist, sich über fremdenfeindliche Vollpfosten wie Safet Babic und Kumpane zu amüsieren, so hilft das doch keiner einzigen Flüchtlings-Familie. Die können auch weiterhin nicht mehr ruhig schlafen, weil sich abends Menschen vor dem Haus zusammenrotten, in dem sie Schutz gesucht haben.


    Im Sinne der aufklärerischen Selbst-Erkenntnis beginne ich (wie Du vorgeschlagen hast) bei mir selbst. Bin ich gruppenbezogen menschenfeindlich? Ich glaube, unterschwellig ja. Auch wenn ich versuche, es zurückzudrängen, oder durch aktives Handeln "zu beseitigen". Beispiel? Ich bin in der begüterten und privilegierten Lage zu sagen, dass ich noch nie körperlich bedroht wurde oder mir etwas gestohlen wurde. Die übergriffigste Handlung, die jemand mal an mir begangen hat, war eine Grabbelei zwischen die Beine in einer Disko. Ich kenne es also eigentlich nicht, vor bestimmten Gruppen Angst haben zu müssen oder meine Angst auf bestimmte Typen auszurichten.
    Und dennoch ist mir unwohl, wenn ich spätabends nach Hause gehe, z. B. durch den dunklen Park, und mir eine reine Männergruppe oder ein einzelner männlicher Spaziergänger folgt. Instinktiv würde ich arabisch aussehenden Menschen eher eine kriminelle Ader zutrauen. Südländisch aussehende Menschen, die vielleicht nicht ganz so schick aufgemacht sind, begegne ich wahrscheinlich mit weniger Respekt (das kommt zu selten in entsprechenden Kontexten vor, deswegen ist es schwer, mich da zu beobachten). Das sind Sachen, für die ich mich eigentlich in Grund und Boden schäme, weil es völlig grundlos ist. Alle diese Stereotypisierungen habe ich von Mitmenschen, Medien, aus Geschichten. Die ich nicht überprüfen kann. Aus Statistiken, die nachweislich manipulier- und verzerrbar sind. (So muss man bei der Ausländerkriminalität zum Beispiel rausrechnen, dass Nicht-Deutsche bzw. Nicht-Österreicher Straftaten begehen können, die Deutschen/Österreichern gar nicht "zur Verfügung stehen" - zum Beispiel ohne Aufenthaltserlaubnis zu sein. Und Faktoren wie Armut, die häufig die Neigung zu Straftaten begünstigt, müssen ebenfalls entsprechend miteinbezogen werden... aber das führt hier zu weit)


    Im dunklen Park beruhigt mich mein Bewusstsein. Und bislang ist auch nie etwas passiert - die Gruppen aus Männern sind lachend und gröhlend irgendwann abgebogen, der Passant hat mich erst einge- und dann schweigend-gleichgültig überholt. Die arabisch sprechenden Personen hatten einwandfrei gültige Bahntickets und die sich etwas gehen lassenden Menschen sind einfach nur bodenständig-einfach - eigentlich nichts weiter als eine makedonische Version unserer Mandy, die mit Kevin im Sozialbau lebt (Klischee komm raus, ick hör dir trapsen! Man verzeihe mir die Überzeichnung, ich hoffe, ihr wisst, was gemeint ist).


    Ich erweitere jetzt meinen Beobachtungskreis. Und da würde ich sogar noch eine Gruppe miteinbeziehen, auf die man wahrscheinlich erst beim zweiten oder dritten Mal der Reflexion kommt: Übergewichtige. Wenn ich meinen Eltern da zuhöre (die noch aus einer Generation stammen, wo Übergewicht schlichtweg nicht so präsent war wie heute), würfe ich das auch als Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit einordnen. ._. Das sind zum Teil Sprüche, da läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Nicht so schlimm, wie die obigen Äußerungen zu Flüchtlingen, aber sowas wie "Etwas weniger Fressen wäre ja auch mal ganz gesund". "Meine Güte, wie kann man sich so gehen lassen". "Ja, die dritte Kugel Eis noch obendrauf mit Sahne, irgendwoher muss es ja kommen". An-dau-ernd. Ob im Kino oder auf der Straße. Das hat mich schon im Teenie-Alter wütend gemacht. Man weiß nichts über die Lebensumstände einer Person und die Ernährungsgewohnheiten anderer Leute gehen einen doch echt einen feuchten Kehricht an - warum muss man die Leute dann so kommentieren und herabwürdigen?! Das findet in den (a)sozialen Netzwerken unter Youtube-Videos seine Fortsetzung. "Fette Sau" ist ja noch geschmeichelt.


    Es ist nicht so, dass ich da eine Heilige wäre - als ob ich nie Kommentare zu einer (m. E.) furchtbaren Frisur oder seltsamen Kleidung abgeben würde. Es ist nur dieses System, was mir auch bei anderen Menschen auffällt. Diese Fixierung auf bestimmte Gruppen. Dieses eben systematische Abwerten. Das finde ich bedenklich. Und das schlägt so schnell um in wirklich Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Mein Schulfreundeskreis hat's auch nicht so mit Roma. Obwohl von denen keiner Roma kennt, von ihnen bedroht oder jemals bestohlen wurde, was ihnen so gerne nachgesagt wird.


    Gesamtgesellschaftlich empfinde ich es bei den Flüchtlingen als extrem - und auch noch so extrem erbärmlich (sorry, wenn ich jetzt so wertend werde, aber da fällt mir wirklich nichts anderes mehr zu ein). Die Leute fliehen aus Krieg, extremer Armut, weil sie in ihrem Heimatland verfolgt werden. Und hier können sie nicht nachts schlafen, weil einige Leute wirklich glauben, dass sie deswegen weniger vom Kuchen abbekommen? Oder "überfremdet" werden? So ein Kappes. So ein Blödsinn. Ist es jetzt 10 Jahre her, dass da so gegen "Hartz-4-Betrüger" gehetzt wurde oder nicht ganz so lange? Heute erinnerts mich so sehr daran. Im Endeffekt kann sich unser Staat so viele Hartz-4-Betrüger oder Asylbetrüger leisten wie sonstwas. Das ist finanzpolitisch ein Fliegenschiss. Aber das kann man den Leuten ja nicht vermitteln, weil es viel einfacher ist, gegen "Fremde" zu sein, gegen "Betrüger".


    Griechenland ist nochmal ein Kapitel für sich, weil es finanzpolitisch eine völlig eigene Liga ist. Ich denke, da spielen viele Faktoren zusammen, die erstmal gar nicht an sich gruppenbezogen-menschenfeindlich sind. Zum Beispiel, dass viele Leute eben Europa gar nicht mehr als das verstehen, wofür es konzipiert wurde: Als Friedensverbund. Ich habe den Eindruck, die meisten denken nur noch, es sei erstens ein Willkürapparat der Politik ("Mit diese komische Veordnungen da! Jetzt wolle die uns sogar vorschreibet, wie gerade die Gurken sein dürfen!") und zweitens ein Marktkonstrukt. Freude schöner Götterfunken, am A****. Zu viele vergessen, wie viel Blut geflossen ist, damit sich die Menschen hier besonnen haben und sich überlegt haben, Mensch, wie könnten wir dieses sinnlose Töten denn jetzt mal aufhalten? Ich fürchte, es muss wieder viel Blut in die Äcker und Wälder sickern, bis sich die Menschen wieder daran erinnern.


    Viel Gelaber, gar kein Sinn: Die momentane Entwicklung zeigt doch nur, dass man immer und immer wieder für Menschenrechte, Solidarität und Mitgefühl kämpfen muss. Dass uns nichts geschenkt wird, am allerwenigsten die Freiheit und Sicherheit. Dass wir immer wieder aufeinander zugehen müssen, um miteinander leben zu können (man verzeihe mir ein weiteres Mal den Griff in die Floskelkiste). Gerade die Geschichte lehrt uns, dass jede gesellschaftliche Bewegung immer ihre Gegenbewegung auslöst. Menschen kämpfen mittlerweile immer forscher um die Gleichberechtigung und um Integration, ob jetzt Homosexuelle, oder Menschen ausländischer Herkunft, oder Menschen mit Behinderung, die endlich ihren berechtigten Platz in der Gesellschaft einnehmen wollen. Es ist also nur zu vorhersehbar, dass die Gegenbewegung aus Ewiggestrigen, Konservativen und Menschen, die einfach Ansgt vor Veränderungen haben, nicht auf sich warten lässt. Wir haben es aber in der Hand, zu entscheiden, ob wir uns für die Solidarität einsetzen oder nach der Maxime handeln "Wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht". Und wer bis hierhin gelesen hat, bekommt einen Fleißstern von mir verliehen!

    Sie finden mich für gewöhnlich zwischen zwei Buchdeckeln, so ca. Seite 213 bis 345. Es ist der gemütlichste Platz für einen Bücherwurm, wo die Geschichte noch nicht vorbei ist und sich die Hauptpersonen schon anfühlen wie alte Bekannte.

  • Ein sehr interessantes Thema.
    Fangen wir mal mit der Selbstreflexion an: Auch bei mir ist es so, dass ich mich, wenn ich nachts unterwegs bin und mir eine Gruppe Männer über den Weg läuft, vor allem wenn die halt etwas südlicheres Aussehen haben, schon etwas unwohl fühle, obwohl ich eigentlich weiß, dass solche Menschen eher selten kriminell sind (und ich auch eigentlich gar nicht in die Opferstatistik passe, zumindest hab ich mal gelesen, dass Frauen öfter überfallen oder bedroht werden.) Aber trotzdem fallen einem in solchen Momenten dann doch irgendwelche Klischees ein, die man mal in der Zeitung gelesen hat, Berichte von Bekannten (Ich kenne sogar wirklich jemanden, der Abends mal überfallen wurde) oder Berichte, die ich im Internet gelesen habe, die ja auch nicht zwangsläufig falsch sein müssen. Andererseits ich weiß nicht... wenn man in einer größeren Stadt wohnt, gewöhnt man sich auch irgendwann dran.
    Ich rede mir natürlich auch gerne ein, dass ich, wenn ich mal in die Situation komme Leute einzustellen, dann auch nicht darauf achte, ob der Bewerber Max, Mareike oder Mohammed heißt, aber ob ich das dann nicht doch unterbewusst mache, kann ich jetzt noch nicht sagen. Genau so bin ich mir über die Möglichkeit bewusst, dass ich später bei der Jobsuche mal gegenüber einer Frau oder einem Migrationshintergründler bevorzugt werden könnte, allein weil ich männlich und "arisch bis in die 3. Generation" bin. Das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau, aber ich frage mich, ob ich die Stellung dann wegen meiner Leistung bekomme, oder weil ich "Bio-Deutscher" bin.


    Irgendein Politiker hatte ja vor ein paar Jahren mal von "spätrömischer Dekadenz" gesprochen, im Bezug auf Arbeitslose, glaub ich. Das ist jetz natürlich einerseits ein gutes Beispiel für die Abwertung von Arbeitslosen, wie es in dem wunderschön formatierten Mind Map stand, andererseits finde ich, dass wir in unserer Gesellschaft eine Art Dekadenz erreicht haben. Ich meine ein Großteil der Deutschen (sowie Nord- und Westeruopäer) leben im Überfluss und haben eigentlich genug von allem, sind aber trotzdem nicht bereit Flüchtlingen, in deren Heimatland Krieg und Verfolgung herrschen, irgendetwas davon abzugeben, weil man dann ja nur noch halben Überfluss hätte. Es interessieren sich auch scheinbar immer weniger für die Hintergründe für Krisen wie in Griechenland oder warum sich im Nahen Osten ständig alle gegnseitig umbringen, sondern wiederholen einfach die Parolen von PEGIDA, schimpfen am Stammtisch über "die Politiker™ " und dass sich nichts verändet, nur um bei der nächsten Wahl wieder für die CDU und SPD abzustimmen. Kurz: Den meisten geht es einfach zu gut; wir hatten hier einfach zu lange keinen Weltkrieg, Diktatur oder Seuche mehr... (und das ist auch gut so.)


    Andererseits war erst neulich wieder bei einer Familienfeier und doch positiv überrascht, wie offen meine Familie, bis auf wenige Ausnahmen, gegenüber diesen Themen sind. Das stimmt einen doch sehr optimistisch und in solchen Zeiten ist es nötig, wenn auch schwer, sich einen gewissen Grundoptimismus beizubehalten.

  • Ich möchte nur ganz kurz anmerken:


    Nicht Erdogan hat den Friedensprozess beendet wie es von den Medien so dargestellt wird, sondern die PKK die neulich 2 Polizisten ermordete und den Friedensprozess als lächerlich darstellte.


    Guter Thread, ein sehr komplexes Thema. Muss mir die kommenden Tage mal Zeit dafür nehmen was anständiges zu posten.

  • Bin ich gruppenbezogen menschenfeindlich? Ich glaube, unterschwellig ja. [...] Und dennoch ist mir unwohl, wenn ich spätabends nach Hause gehe, z. B. durch den dunklen Park, und mir eine reine Männergruppe oder ein einzelner männlicher Spaziergänger folgt. Instinktiv würde ich arabisch aussehenden Menschen eher eine kriminelle Ader zutrauen.

    Sind das nicht eher Vorurteile? Mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit hat dieses Beispiel meiner Ansicht nach überhaupt nichts zu tun. Jeder von uns hat so seine Vorurteile. An und für sich sind sie auch vorteilhaft für den Menschen und zwar solange sie das bleiben was sie tatsächlich auch sind: Vor-Urteile. Sie ermöglichen uns Situationen augenblicklich zu beurteilen und können daher überlebenswichtig sein. In deinem Beispiel geht es dir ja auch nur um deine Sicherheit und nicht darum Menschen abzuwerten. Erst wenn Vorurteile durch diskriminierende Handlungen in der Außenwelt in Erscheinung treten oder wenn sie ein menschenfeindliches Meinungsbild formen und Menschengruppen systematisch abgewertet werden, würde ich sie mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Verbindung bringen. Nicht aber ein situationsabhängiges Unwohlsein, das Vorurteilen zugrunde liegt. Auch wenn das Wort "Vorurteil" negativ konnotiert ist, ein Leben ohne Vorurteile wäre kaum denkbar.


    Aus Statistiken, die nachweislich manipulier- und verzerrbar sind. (So muss man bei der Ausländerkriminalität zum Beispiel rausrechnen, dass Nicht-Deutsche bzw. Nicht-Österreicher Straftaten begehen können, die Deutschen/Österreichern gar nicht "zur Verfügung stehen" - zum Beispiel ohne Aufenthaltserlaubnis zu sein. Und Faktoren wie Armut, die häufig die Neigung zu Straftaten begünstigt, müssen ebenfalls entsprechend miteinbezogen werden... aber das führt hier zu weit)

    Okay. Ich sehe ein, die Ausländerkriminalität war kein gutes Beispiel. Grundsätzlich stimmt es was du sagst. Aber die Tatsache, dass Ausländer in Relation betrachtet häufiger verurteilt werden hat mit Manipulation und Verzerrung nichts zu tun. Im verlinkten Sicherheitsbericht werden z.B. die wichtigsten Deliktsgruppen explizit aufgelistet. Wenn bei den vorsätzlichen Tötungsdelikten, Diebstahl und Raub Ausländer auch in absoluten Zahlen häufiger verurteilt wurden, wie es 2013 in Österreich der Fall war, dann hat das z.B. nichts damit zu tun, dass Inländer diese Delikte nicht begehen können. Es ist einfach eine Tatsache und keine Verzerrung irgendwelcher Statistiken.


    Die Interpretation solcher Statistiken ist dann wieder eine ganz andere Geschichte. In unserem Fall steht im Sicherheitsbericht nichts über die Hintergründe dieser Verurteilungen. Natürlich wird niemand kriminell, weil er "Ausländer" ist, ausschlaggebend wird wohl meist der soziale Status sein. Aber die Frage ob Ausländer häufiger straffällig werden ist erstmal losgelöst von der Frage warum sie häufiger straffällig werden. Und nur um die Frage nach dem "ob" ging es mir hier. Das ist jetzt absolut - ohne wenn und, vor allem, ohne aber - nichts gegen Ausländer. Worum es mir geht ist nur, dass es eben einen sachlichen Grund gibt, wenn behauptet wird dass Ausländer häufiger straffällig werden und eine solche Behauptung nicht pauschal als ausländer- und im weiteren Sinn menschenfeindlich dargestellt werden sollte.


    Die Ausländerkriminalität habe ich auch nur beispielhaft genannt. Genauso verhält es sich z.B. auch mit den Vorurteilen: sie sind für sich alleine kein Indikator für Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.


    Mein Schulfreundeskreis hat's auch nicht so mit Roma. Obwohl von denen keiner Roma kennt, von ihnen bedroht oder jemals bestohlen wurde, was ihnen so gerne nachgesagt wird.

    Finde das jetzt nicht überraschend. Was der Mensch nicht kennt fürchtet er. Unbegründete Angst resultiert ja meist (oder vielleicht immer?) aus Unwissen und fehlenden Erfahrungen. Auch das hat PEGIDA wunderbar demonstriert: dort, wo der Ausländeranteil eher gering ist wurde zahlreicher demonstriert.

    Griechenland ist nochmal ein Kapitel für sich, weil es finanzpolitisch eine völlig eigene Liga ist. Ich denke, da spielen viele Faktoren zusammen, die erstmal gar nicht an sich gruppenbezogen-menschenfeindlich sind.

    Die Griechenlandkrise verdeutlicht vor allem eines: der Mensch ist ein egoistisches Wesen. Das hat tatsächlich erst mal nichts mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu tun. Was aber sehr wohl damit zu tun hat ist die Hochnäsigkeit u.a. der, natürlich nicht aller, Deutschen. Die kam bei den Verhandlungen zum Ausdruck, aber auch in zahlreichen Kommentaren von Onlinezeitungen und auch in Meinungsumfragen.

    Ich rede mir natürlich auch gerne ein, dass ich, wenn ich mal in die Situation komme Leute einzustellen, dann auch nicht darauf achte, ob der Bewerber Max, Mareike oder Mohammed heißt, aber ob ich das dann nicht doch unterbewusst mache, kann ich jetzt noch nicht sagen.

    Wie kommst du denn auf diesen Gedanken? In der IT-Branche wird wohl kaum jemand dem Namen des Bewerbers irgendwelche Bedeutung beimessen. Allgemein sind Zuwanderer für jeden Arbeitgeber ein Segen, weil man die oft billiger bekommt und die zugewanderte Konkurrenz auch die Löhne der Inländer drückt. Als Personalchef wirst du wohl tatsächlich den besten für die jeweilige Stelle finden wollen. Wenn du dich für einen Mann entscheidest, weil du der Meinung bist, dass ein Mann grundsätzlich besser geeignet ist als eine Frau, oder einen Max gegenüber einem Ali bevorzugst, weil du der Meinung bist ein Deutscher sei grundsätzlich besser geeignet hat das erstmal auch nichts mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu tun. Da wären wir wieder bei den Vorurteilen und eine Benachteiligung einer Personengruppe aufgrund der Merkmale Geschlecht, Herkunft etc. ist auch arbeitsrechtlich erlaubt, wenn es dafür einen sachlichen Grund gibt.


    Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wäre in dem Fall, würdest du Max nur deswegen bevorzugen weil er Deutscher ist und nicht weil du der Meinung bist, dass er (aufgund seiner Herkunft) für die entsprechende Stelle besser geeignet ist.

    sondern wiederholen einfach die Parolen von PEGIDA, schimpfen am Stammtisch über "die Politiker™ " und dass sich nichts verändet, nur um bei der nächsten Wahl wieder für die CDU und SPD abzustimmen.

    Glaube kaum, dass PEGIDA-Demonstranten CDU oder SPD wählen werden. Das ist wieder diese verzerrte Relation: PEGIDA ist einfach eine Minderheit, die laut schreit.

  • Dekadenz trifft es eigentlich recht gut.
    Wir befinden uns in einer Gesellschafft, die sich teilweise eine Abschottung von der Welt wünscht. Ein Paradebeispiel ist die Einstellung zu konflikten rund um die Welt und die Einstellung, blos keine eigene Soldaten hinschicken zu wollen. Es ist geradezu Paradox, den Beruf des Soldaten damit zu verbinden, dass man sie bloß nicht in Gefahr bringen soll. Wer sich für diesen Beruf entscheidet sollte sich eigentlich nichts vormachen, er hat in den Krieg zu ziehen, wenn es angebracht ist, er hat sein Leben zu riskieren, wenn man es befiehlt und ähnliches. Wer Sicherheit sucht ist im Militär einfach falsch.
    Ähnlich sieht es am Finanzmarkt aus. Soll Griechenland doch Bankrott gehen, hauptsache unser Geld ist sicher. Dass man damit ein Land ruiniert ist bedeutungslos, genauso wie es den Menschen dort geht. Der ganze Grexitplan sagt in meinen Augen, dass man das Problem möglichst einfach loswerden will.
    Generell kann man der aktuellen Politik und vorallem Merkels Regierungsstil wohl am besten damit beschreiben, dass Ruhe herrscht. Egal was ist, es wird in der Politik kaum noch sichtbar diskutiert, alles ist Alternativlos. Es gibt so gut wie keine Opposition, ja nichtmal wen innerhalb der Regierung, der soetwas wie eine possition gegen Merkel beziehen könnte. Egal was ist, es hat Ruhe zu herrschen. Selbst jemand wie Seehofer wird lieber nachgegeben, als eine konfrontation zu Riskieren (generell habe ich schon immer kritisiert, dass eine Provinzpartei Staatspolitik mitformen kann, wodurch deren Provinz unverhältnismäßig viel Einfluss erhält), völlig egal, wie vollkommen absurd seine Pläne und Forderungen sind.
    Man hat immoment ein tolles Ein-Parteien-system, dass sich selbst zum Merkelwählverein dekradiert hat. Gut wäre natürlich eine APO, welche aber nicht Zeitgemäß wäre.


    Genau unter dieser egoistischen Sicht leidet die EU. Die EU soll an sich eigentlich das komplette Gegenteil der heutigen Realität sein, Weltoffen, Hilfsbereit und gemeinsame Werte vertreten; stattdessen will man möglichst viele Vorteile aus der EU ziehen und ansonnsten nebeneinander herleben. Es erstarken die Rechten, weil das Miteinander nicht gelebt wird und die EU, die dieses Miteinander wohl besser symbolisiert als sonstwas, von der Politik oft genug als Sündenbock vorgeschoben wurde.

    Stolzer Überlebender von 70+ Weltuntergängen .... Nächster kommt 2016 angekündigt von James Hansen (Klimaforscher) :ugly:
    Die Welt soll überflutet werden, also vergesst euren Schnorchel nicht


    Stolzes Mitglied des #Hasbara-Clubs des Bisaboards

  • Sind das nicht eher Vorurteile? Mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit hat dieses Beispiel meiner Ansicht nach überhaupt nichts zu tun. Jeder von uns hat so seine Vorurteile. An und für sich sind sie auch vorteilhaft für den Menschen und zwar solange sie das bleiben was sie tatsächlich auch sind: Vor-Urteile. Sie ermöglichen uns Situationen augenblicklich zu beurteilen und können daher überlebenswichtig sein. In deinem Beispiel geht es dir ja auch nur um deine Sicherheit und nicht darum Menschen abzuwerten. Erst wenn Vorurteile durch diskriminierende Handlungen in der Außenwelt in Erscheinung treten oder wenn sie ein menschenfeindliches Meinungsbild formen und Menschengruppen systematisch abgewertet werden, würde ich sie mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Verbindung bringen. Nicht aber ein situationsabhängiges Unwohlsein, das Vorurteilen zugrunde liegt. Auch wenn das Wort "Vorurteil" negativ konnotiert ist, ein Leben ohne Vorurteile wäre kaum denkbar.

    Ich habe vor dem Schreiben meines Posts lange überlegt, ob ich meine Vorurteile in diese Kiste packen soll und als GBM deklarieren soll (jo, selten, aber kommt vor, dass ich mal vorher nachdenke). Ich habe mich dann dafür entschieden - weil ich glaube, dass Vorurteile einer GBM Tür und Tor öffnen, wenn sie nicht sogar immanenter Bestandteil ihrer Entwicklung sind. Und damit wollte ich ausdrücken, dass ich sogar mich für fähig halte, GBM zu sein, auch wenn ich es akut derzeit nicht bin. Außer vielleicht gegen Rechtsradikale, Fremdenfeindliche und offen diskriminierende Personen. Aber selbst da stehe ich nicht mit Fackel und Mistgabel vor deren Haus, sondern meide jeden nur möglichen Kontakt. (Also bin ich gruppenbezogen menschenfeindlich gegen Menschen, die gruppenbezogen menschenfeindlich sind. Ich muss mich selbst hassen!)


    Dass ich nicht zu so Ausschreitungen neige, liegt wohl daran, dass ich eine recht feige und nicht sonderlich durchsetzungsstarke Person bin. Wer mich privat kennt, kennt mich als Großmaul: Aber das ist Fassade. Wir hatten gestern zum Beispiel in der Firma am Mittagstisch die Diskussion, dass Weiße z. B. in Südafrika nur in abgetrennten Bezirken leben und eine Kollegin meinte dann, aufgrund der vielen Flüchtlinge wäre das hier ja bald genauso und es geht ja sowieso alles den Bach runter. Da bin ich kommentarlos aufgestanden und wieder ins Büro gegangen - ich kann sowas einfach nicht (mehr) ertragen. Ich bin im direkten Gespräch einfach nicht in der lage, mit solchen Leuten zu diskutieren oder ihnen etwas entgegenzusetzen. Deswegen versuche ich im Rahmen meines Selbstschutzes so etwas zu vermeiden, auch wenn ich weiß, dass ich es dadurch kein bisschen besser mache - im Gegenteil. Aber es ist für mich einfach kaum zu ertragen, wenn Leute sowas wirklich glauben. Besagte Kollegin ist Misanthropin, also kein Wunder, dass sie überall und in jedem nur das Schlechte sieht. Aber das ist eben eine Einstellung, zu der mir jeder Bezug fehlt, die ich null nachvollziehen kann und wo ich gar nicht wüsste, wo ich da ansetzen sollte. Auch wenn ich hinterher stundenlang "Schattengefechte" in meinem Geist führe: In der Realität fehlt mir der Mut.


    Zu der Statistik nur kurz: Ja, das ist mir bewusst - aber ich bin eben der Auffassung, dass man diese Statistiken von allen Einflussfaktoren bereinigen muss, um eine möglichst eindeutige Interpretation zuzulassen. Zum Beispiel, dass Einwandererfamilien häufiger von Armut betroffen sind als der "Biodeutsche/Bioösterreichische" Durchschnitt und daher logischerweise zu mehr Straftaten tendiert. Das Problem ist, dass diese Nichtaufschlüsselung eben Wasser auf den Mühlen von Fremdenfeindlichen ist, weil sich allzuleicht ein Diagramm mit einer wesentlich erhöhten Straffälligkeit verwenden lässt, ohne nach dem "Warum" zu fragen. Und so sehr man vom mündigen, aufgeklärten Bürger schwärmt: Der ist leider Fiktion bzw. Rarität.


    Finde das jetzt nicht überraschend. Was der Mensch nicht kennt fürchtet er. Unbegründete Angst resultiert ja meist (oder vielleicht immer?) aus Unwissen und fehlenden Erfahrungen. Auch das hat PEGIDA wunderbar demonstriert: dort, wo der Ausländeranteil eher gering ist wurde zahlreicher demonstriert.

    Das ist wieder so etwas, was ich auch nicht verstehe. Ob's an meinem Wesen oder meiner Erziehung liegt - keine Ahnung. Aber ich verstehe nicht, wie man sich ein (aktives!) Urteil über eine Bevölkerungsgruppe anmaßen kann, von der man nichts weiß und die man nicht kennt?! Ich habe genug Beispiele für dieses Phänomen in meinem Umfeld (so etwa auch ein Verwandter, der ernsthaft der Auffassung ist, alle Muslime gehören erschossen. Ja, wirklich. Nein, er heißt nicht Adolf), aber je mehr ich das sehe, desto weniger verstehe ich das. Ich habe auch Vorurteile, wie oben dargelegt. Aber diese Steigerung zu aktiver Urteilsbildung von den gefühlten Vorurteilen weg, die kann ich nicht gehen. Satirisch überspitzt vielleicht mal, wenn ich von "Kevin und Mandy im Plattenbau" spreche. Aber ich würde nie sagen, dass im Plattenbau nur diese Asozialen mit seltsamen Vornamen wohnen, die nix auf die Reihe bekommen - weil es nicht stimmt. Ich hab das Gefühl, es ist nur historischen Gründen zu verdanken, dass ich in meinem Umfeld nie auch nur einen Piepston zum Thema "Juden" höre. Im Netz fallen die Hemmungen da ja vielleicht wieder, aber so im direkten Gespräch? Da ist es doch ungefährlicher, Roma was zu unterstellen, oder Muslimen, oder Türken.


    Ab und zu hab ich das Gefühl, ich bin eigentlich komplett wahnsinnig, weil ich so viele menschliche Tendenzen nicht nachvollziehen kann. Oder nennt sich das Soziopath?

    Sie finden mich für gewöhnlich zwischen zwei Buchdeckeln, so ca. Seite 213 bis 345. Es ist der gemütlichste Platz für einen Bücherwurm, wo die Geschichte noch nicht vorbei ist und sich die Hauptpersonen schon anfühlen wie alte Bekannte.

  • Als Personalchef wirst du wohl tatsächlich den besten für die jeweilige Stelle finden wollen. Wenn du dich für einen Mann entscheidest, weil du der Meinung bist, dass ein Mann grundsätzlich besser geeignet ist als eine Frau, oder einen Max gegenüber einem Ali bevorzugst, weil du der Meinung bist ein Deutscher sei grundsätzlich besser geeignet hat das erstmal auch nichts mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu tun. Da wären wir wieder bei den Vorurteilen und eine Benachteiligung einer Personengruppe aufgrund der Merkmale Geschlecht, Herkunft etc. ist auch arbeitsrechtlich erlaubt, wenn es dafür einen sachlichen Grund gibt.

    Aber basiert denn die Vorstellung, dass ein Mann grundsätzlich besser geeignet wäre als ein Frau etc. nicht genau auf solchen Vorurteilen, die mit der GBM einhergehen? Oder eher auf denen GBM basiert? Weil ich bin der Meinung, dass Vorurteile und GBM miteinander einhergehen und man da nicht zu sehr differenzieren sollte.
    Und welche sachlichen Gründe gäbe es denn für so eine Entscheidung? Angenommen ich suche nen neuen PTA für meine Apotheke und es bewerben sich eine Deutsche und ein Araber, von denen jetzt letzterer sage ich mal ein besseres Abschlusszeugnis hat, ich aber trotzdem die Deutsche einstelle, weil die Kunden eine deutsche Frau vertrauenswürdiger finden als einen südländisch aussehenden Mann, (es gab neulich im Rechtsextremismus-Topic eine Studie, wo Arbeitgeber das sinngemäß als Ausrede verwendet haben) dann wäre das zwar aus wirtschaftlicher Sicht schon recht logisch, aber halt trotzdem auch irgendwie rassistisch.



    Glaube kaum, dass PEGIDA-Demonstranten CDU oder SPD wählen werden.

    Nein, die Wählen midnestens AfD. Das war auch ein bißchen falsch ausgedrückt. Was ich meine ist, dass selbst Leute aus der angeblich neutralen politischen Mitte sich von solchen Sprüchen mitreißen lassen, auch wenn sie ja nicht rechts sind, aber...

  • Ich habe vor dem Schreiben meines Posts lange überlegt, ob ich meine Vorurteile in diese Kiste packen soll und als GBM deklarieren soll (jo, selten, aber kommt vor, dass ich mal vorher nachdenke). [...] Und damit wollte ich ausdrücken, dass ich sogar mich für fähig halte, GBM zu sein, auch wenn ich es akut derzeit nicht bin. Außer vielleicht gegen Rechtsradikale, Fremdenfeindliche und offen diskriminierende Personen.

    Sorry falls es so rüber kam, ich wollte dir nicht unterstellen, dass du nicht nachdenkst. Aus deinen Aussagen konnte ich nur nicht ableiten, dass du solche Vorurteile ganz bewusst und pauschal als Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit betrachtest. Mag an meiner Ansicht liegen, wonach man, wenn möglich, da streng differenzieren sollte. Natürlich kommt es auch auf die Definition an die man in dem Zusammenhang dem Wort "Vorurteil" zugrunde legt. Daher will ich auch gar nicht sagen, dass du oder @Zyanat unrecht habt.


    Ja, Vorurteile öffnen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zweifellos Tür und Tor. Der Übergang ist fließend und eine Grenzziehung ist nicht immer möglich. Letztlich ist die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auch oft Resultat von Vorurteilen. Aber aus all dem kann man nicht ableiten, dass ein Vorurteil im Sinne einer instinktiven Beurteilung einer Situation, Ausdruck der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ist. Es kommt viel mehr auf die tatsächlich, zutage tretende, Gesinnung des jeweiligen Menschen an.


    Ich kenne zwar weder dich noch @Zyanat persönlich, euren Beiträgen nach zu urteilen wäre es aber absurd euch als Rassisten einzustufen, nur weil ihr Vorurteile gegenüber südländisch aussehenden Menschen habt und genau das meine ich damit, dass Vorurteile nicht zwangsläufig auf Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit schließen lassen. Korrigiert mich bitte wenn ich falsch liege: ich gehe mal nicht davon aus, dass ihr im Alltag südländisch aussehende Menschen anders behandelt als ethnische Deutsche.


    Gegen Rechtsradikale, Fremdenfeindliche und offen diskriminierende Personen zu sein ist keine Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: http://www.uni-bielefeld.de/(d…ojekte/GMF/WasIstGMF.html

    Das Problem ist, dass diese Nichtaufschlüsselung eben Wasser auf den Mühlen von Fremdenfeindlichen ist, weil sich allzuleicht ein Diagramm mit einer wesentlich erhöhten Straffälligkeit verwenden lässt, ohne nach dem "Warum" zu fragen. Und so sehr man vom mündigen, aufgeklärten Bürger schwärmt: Der ist leider Fiktion bzw. Rarität.

    Richtig, mir ging es aber wie gesagt nur um den sachlichen Grund einer Behauptung. Wenn jemand behauptet "Ausländer werden häufiger straffällig" ist derjenige nicht zwangsläufig ausländerfeindlich, mehr wollte ich mit dem Beispiel auch nicht sagen. Im BisaBoard wird man in letzter Zeit auch zu schnell als "Antisemit" oder "Nazi" abgestempelt und mir ist wichtig, dass man sich Argumenten, die eben eine sachliche Grundlage haben, öffnet und sie sachlich widerlegt, anstatt die Argumente indirekt durch ein argumentum ad hominem zu bestätigen.

    Das ist wieder so etwas, was ich auch nicht verstehe. Ob's an meinem Wesen oder meiner Erziehung liegt - keine Ahnung. Aber ich verstehe nicht, wie man sich ein (aktives!) Urteil über eine Bevölkerungsgruppe anmaßen kann, von der man nichts weiß und die man nicht kennt?!

    An und für sich ist das schon nachvollziehbar: wenn ich in der Schule z.B. von klein auf lerne, ich solle mich von Ausländern fern halten, von meinen Eltern das gleiche höre und von meinem Umfeld auch, ebenso in den Medien etc. selbst aber keine Ausländer kenne werde ich eher dazu neigen dem zu glauben, als wenn ich Ausländer kenne die genau das widerlegen, weil sie "ganz normal" sind. Wer mit Ausländern zu tun hat wird auch eher mit Ausländern Freundschaft schließen und sich davor hüten bei solchen Unsinn wie PEGIDA mitzumachen.

    Aber basiert denn die Vorstellung, dass ein Mann grundsätzlich besser geeignet wäre als ein Frau etc. nicht genau auf solchen Vorurteilen, die mit der GBM einhergehen?

    Zum Thema Vorurteile siehe oben. Ansonsten erstmal ein Verweis auf einen älteren Beitarg von mir: Männer den Frauen bevorzugt - oder andersrum?


    Und welche sachlichen Gründe gäbe es denn für so eine Entscheidung? Angenommen ich suche nen neuen PTA für meine Apotheke und es bewerben sich eine Deutsche und ein Araber, von denen jetzt letzterer sage ich mal ein besseres Abschlusszeugnis hat, ich aber trotzdem die Deutsche einstelle, weil die Kunden eine deutsche Frau vertrauenswürdiger finden als einen südländisch aussehenden Mann, (es gab neulich im Rechtsextremismus-Topic eine Studie, wo Arbeitgeber das sinngemäß als Ausrede verwendet haben) dann wäre das zwar aus wirtschaftlicher Sicht schon recht logisch, aber halt trotzdem auch irgendwie rassistisch.

    Hier muss ich mich korrigieren: sachliche Gründe alleine reichen (jetzt nur im Bezug auf das Arbeitsrecht) nicht aus eine Benachteiligung aufgrund der genannten Merkmale zu rechtfertigen und juristisch betrachtet war meine Aussage auch grob falsch (da neben einer strengen Verhältnismäßigkeitsprüfung i.d.R. auch verlangt wird, dass das jeweilige Merkmal eine unverzichtbare Voraussetzung ist). Allerdings habe ich bewusst "sachliche Gründe" gesagt, weil ich an das Beispiel mit der Ausländerkriminalität anknüpfen wollte, da die Kernaussage dieselbe ist und im Bezug auf die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sachliche Gründe reichen um diese auszuschließen.


    Ein Beispiel (auch arbeitsrechtlich erlaubter Benachteiligung) wäre eine Stellenausschreibung, die sich ausschließlich an weibliche Personen richtet, da ein Model für Werbung von Damenunterwäsche gesucht wird. Das wäre ein "sachlicher Grund" und die Benachteiligung der Männer hätte mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nichts zu tun. Das war jetzt bewusst ein Beispiel, das keine abweichenden Meinungen zulässt und daher meiner Ansicht nach ganz gut veranschaulicht was ich mit "sachliche Gründe" meine.


    Anderes, diesmal auch kontroverses, Beispiel wäre eine Benachteiligung von Männern aufgrund einer Frauenquote. Auch das hat mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nichts zu tun, da dieser Benachteiligung eben keine Ideologie der Ungleichwertigkeit zugrunde liegt, sondern das Gegenteil der Fall ist: man will faktische "Gleichberechtigung".


    Auf deinem Beispiel bezogen wärst du als Arbeitgeber nicht gruppenbezogen-menschenfeindlich, weil du aus wirtschaftlicher Sicht entscheidest. Arbeitsrechtlich wäre das zwar nicht zulässig, aber es ist eben auch ein sachlicher Grund. Solange deine Entscheidung nicht die Ungleichwertigkeit als Fundament hat ist sie nicht gruppenbezogen-menschenfeindlich. Rassistisch wäre in dem Fall die Kundschaft, die dich zu dieser Entscheidung verleitet hat.

  • Gibt es irgendwelche Statistiken oder zumindest Erfahrungen, auf die sich diese Aussage stützt, oder ist das einfach eine Aussage aus dem Bauch heraus? Oder konkreter: ist das eine Aussage die ohne Rücksicht auf tatsächliche Begebenheiten nur zum Zweck hat dein eigenes Weltbild zurechtzurücken? Es ist z.B. undenkbar, dass vorsätzliche Tötungsdelikte bewusst und gewollt nicht verfolgt werden und diese wurden 2013 zu 62,9% von Ausländern begannen.
    Versteh mich nicht falsch. Mir ging und geht es nicht um Ausländerkriminalität sondern darum zu zeigen, dass Aussagen, die sich auf sachliche Grundlagen beziehen, nicht pauschal als menschenfeindlich zu betrachten. Zumal ich mich ja auch auf Österreich bezog und Deutsche in Österreich selbst Ausländer sind, die übrigens ganz oben in der Statistik rangieren. Es sind genau solche Pauschalaussagen, die Nährboden für Menschenfeindlichkeit sind, weil sie sich augenscheinlich (nicht tatsächlich!) gegen Deutsche richtet und Ausländer bevorzugen möchte. Aussagen wie diese führen zu Trotzreaktionen.

    Nun, das allererste Ergebnis, wenn ich "Kriminalität Ausländer" google, ist dieses hier:
    http://www.tagesspiegel.de/pol…-ein-mythos/10269280.html
    Besonders interessant daraus folgende Passagen:


    Zitat von tagesspiegel

    Außerdem verzeichnen die Statistiken auch Verstöße, etwa gegen Einreise- und Aufenthaltsvorschriften, die Deutsche gar nicht erst begehen können Im letzten Jahr galt das für immerhin 20 Prozent aller ausländischen Verdächtigen.

    Zitat von tagesspiegel

    Als wesentlichen Faktor nennt Walburg auch, wie Zeugen und Opfer von Kriminalität sich verhalten: „Auf Opferbefragungen beruhende Analysen zeigen mittlerweile recht einhellig, dass die Entscheidung über eine Strafanzeige in beträchtlichem Maße auch durch die Zuordnung des Täters zu einer als fremdethnisch definierten Gruppe bestimmt wird..“ Ist die „soziale Distanz“ zum Täter größer, so Walburg, gingen die Opfer eher zur Polizei. Die offiziell registrierte Kriminalität gebe auch deswegen wenig Aufschluss darüber, „ob delinquentes Verhalten bei jungen Migranten tatsächlich weiter verbreitet ist als bei Nichtmigranten, oder ob es lediglich häufiger entdeckt, angezeigt und von den Strafverfolgungsbehörden erfasst, das heißt kriminalisiert wird“. Neueren Studien zufolge hätten junge migrantische Gewalttäter ein um 50 Prozent höheres Risiko, angezeigt zu werden als herkunftsdeutsche Gleichaltrige.


    Oder man höre die Bundeszentrale für politische Bildung:


    Ich war so frei in den Zitaten etwas fett zu markieren, falls jemand nur das Wichtigste lesen möchte.
    So, wie man also sieht, werden "Ausländer" eher angezeigt als "Deutsche". Insofern: Nein, meine Aussage missachtet nicht die tatsächlichen Gegebenheiten, um mein Weltbild zurechtzurücken, ganz und gar nicht. Um das festzustellen, hättest du nur zwei Sekunden lang googlen müssen, anstatt mir zu unterstellen, ganz bewusst Unsinn zu behaupten. Was ist das denn für ein Ton, ganz ehrlich.
    Und ich sagte nicht, dass die Kriminalitätsstatistiken völlig an den Haaren herbeigezogen seien und von grundauf falsch. Ich schrieb, man müsse beachten, dass sie durch diesen Faktor mitverzerrt werden und dadurch in ihrer Aussagekraft deutlich eingeschränkt sind.

  • Um das festzustellen, hättest du nur zwei Sekunden lang googlen müssen, anstatt mir zu unterstellen, ganz bewusst Unsinn zu behaupten. Was ist das denn für ein Ton, ganz ehrlich.


    Sorry, meine Formulierungen klingen manchmal etwas aggressiver als sie sollten. Ich wollte dir überhaupt nichts unterstellen, sondern nur darauf hinaus, dass auf scheinbar menschenfeindliche Aussagen, wie eben dass Ausländer in Relation betrachtet häufiger straffällig werden, oft reflexartig mit unsachlichen bzw. unfundierten Argumenten reagiert wird. Dass du das getan hast wollte ich dir nicht unterstellen, die Frage war wirklich als Frage gemeint.


    Und auch wenn die Ausländerkriminalität hier wie gesagt nicht Thema sein soll, möchte ich kurz darauf eingehen: Ich habe den Sicherheitsbericht 2013 des Bundesministeriums für Justiz, der sich ausschließlich auf Österreich bezieht, verlinkt. Alle Tendenzen die ich hier nenne kannst du darin selbst nachlesen:

    Zitat von Tagesspiegel

    Außerdem verzeichnen die Statistiken auch Verstöße, etwa gegen Einreise- und Aufenthaltsvorschriften, die Deutsche gar nicht erst begehen können Im letzten Jahr galt das für immerhin 20 Prozent aller ausländischen Verdächtigen.


    Das ist wie gesagt kein valides Argument, weil im Sicherheitsbericht die wichtigsten Delikte aufgeführt sind, auf die sich die Zahlen beziehen. Wenn bei vorsätzlichen Tötungsdelikten, die ausnahmslos alle auch von Inländern begangen werden können, Ausländer laut Statistik (!) in Relation häufiger straffällig wurden, dann hat das mit Einreise- und Aufenthaltsvorschriften rein gar nichts zu tun. Ähnliches gilt z.B. auch für Diebstahl und Raub. Diese Delikte wurde selbst in absoluten Zahlen häufiger von Ausländern begangen.


    Zitat von Tagesspiegel

    Neueren Studien zufolge hätten junge migrantische Gewalttäter ein um 50 Prozent höheres Risiko, angezeigt zu werden als herkunftsdeutsche Gleichaltrige.


    Zitat von Tagesspiegel

    Das Anzeigeverhalten der Bevölkerung ist ethnischen Merkmalen gegenüber nicht blind, da bestimmte ethnische Minderheiten nachweislich eher mit einer Anzeige rechnen müssen als die deutsche Mehrheitsgesellschaft


    Hierzu ist anzumerken, dass ich mich explizit auf Ausländer und nicht auf Migranten bezog. Ausländer ist jeder, der nicht die österreichische Staatsbürgerschaft hat (auch Deutsche!) und Österreicher ist jeder, der die österreichische Staatsbürgerschaft hat (auch Migranten!). Im verlinkten SIcherheitsbericht wird auch nicht zwischen Österreichern mit und ohne Migrationshintergrund differenziert. Die Kriminalität von Migranten hat mit Ausländerkriminalität kaum bis gar nichts zu tun.


    Fakt ist nun einmal, dass die nackten Zahlen alleine (und nicht irgendwelche Medienberichte, die diese Zahlen falsch interpretieren) ein klares Indiz sind, dass Ausländer häufiger straffällig werden. Wer sich bei seiner Argumentation auf diese Zahlen stützt ist nicht zwangsläufig menschenfeindlich. Und nur darum ging es mir. Ob das wirklich so ist, ob diese Zahlen in der Statistik also tatsächlich die Realität wiederspiegeln, ist wieder eine ganz andere Frage.


    Ansonsten habe ich mich nicht auf Tatverdächtige bezogen, sondern ausschließlich auf verurteilte Personen.

  • Ich denke, angesichts von mehr als 200 Terror-Anschlägen auf Bleibeeinrichtungen für Vertriebene von rechten bzw. völkischen Gruppen in Deutschland bis jetzt können wir das Thema "Ausländerkriminalität" hierzulande guten Gewissens erst einmal zurückstecken.


    Warnung: Ich bin wütend. Der Post könnte etwas polemisch ausfallen. Und er geht jetzt in eine etwas andere Richtung der europäischen Verantwortung.


    Vor kurzem habe ich einen Text gelesen (ich finde ihn leider nicht mehr), in dem thematisiert wurde, dass sich Europa nicht am Referendum Englands oder der Griechenlandkrise messen muss. Sondern an der humanitären Katastrophe, die sich da gerade zwischen Bosporus und ehemaligem Eisernen Vorhang anbahnt. Nach dem (man verzeihe mir meinen ätzenden Zynismus, aber irgendwie muss ich mit den Bildern fertigwerden) pressewirksamen Anschwemmen von Kinderleichen an der türkischen Küste und der Tatsache, dass Vertriebene* in Ungarn in Zügen zusammengepfercht in Lager transportiert wurden (Geschichtliche Anwandlungen, anyone?)... kann es sein, dass wir (West-)Europäer uns mal ganz schnell drauf einigen sollten, wie wir denn mit dem Rest der Welt und einander umzugehen gedenken?


    Das Problem sehe ich nicht nur darin, dass sich Europa mehr und mehr wie eine Festung verhält - nein, dass sie auch noch innerhalb der Festung ihre Lager bauen und gegenseitig mit Steinen beschmeißen, statt zusammen zu helfen. Was könnten wir erreichen, wenn auch nur Deutschland, Österreich und Tschechien nur gut zusammenarbeiten würden. Keine überforderten Auffang"lager" wie in Passau, die eines Wohlstandsstaates nicht würdig sind. Die Menschen könnten koordiniert und direkt an freie Plätze verteilt werden...


    Es kann doch nicht sein, dass Länder wie der Libanon eine Millionen Flüchtende aufnimmt bei VIER MILLIONEN EINWOHNERN und Deutschland schon "Mimimi, nicht alle zu uns" schreit bei 800.000 Vertriebene auf 80 Millionen Einwohnern. Natürlich krakeelen sie im Libanon auch, aber da haben die einen handfesten Grund! Und dass hierzulande einige jetzt ihre Felle davonschwimmen sehen, obwohl ihnen nichts, aber auch gar nichts weggenommen wird.


    (Innerdeutsche Perspektive: ) Besonders perfide ist die Masche "Spiele zwei Minderheiten gegeneinander aus". Da werden dann (ich verweise auf die Facebook-Seiten "Hooligans gegen Satzbau" und "Auslenda nehmen uns die Bildunk weg") plötzlich die armen Rentner aus dem Hut gezogen, oder die Obdachlosen, an denen man früher auch nur angeekelt bis gleichgültig vorbeimarschiert ist. Aber da sind sie dann auf einmal die Leidtragenden. "Wir haben hier doch auch genug arme Menschen, wieso sollten wir da jetzt noch mehr aufnehmen?!"

    (Blick zurück auf deutsche, aber auch europäische Handlungsweisen: )
    Weil für Bankenrettung effing 20 Milliarden Euro übrig sind, der BER-Flughafen effing zig Millionen Euro pro Monat verschlingt, einfach nur, weil er nicht benutzt werden kann, weil wir effing Milliarden für Unterhaltungselektronik ausgeben können und das Geld auch nicht für Obdachlose geben würden, selbst wenn die das einzige "Problem" hierzulande wären. Deshalb.
    Weil wir Waffen in die ganze Welt verkaufen, Kinder im mittleren und fernen Osten für unsere Kleidung in giftiger Farbe laborieren lassen, mit unserem Konsum Landstriche und Ökosysteme und damit Lebensgrundlagen vernichten, weil der Planet nur deshalb noch nicht kollabiert ist, da Milliarden Menschen unterhalb des "erlaubten" Verbrauchs leben, während wir himmelweit darüber schweben. Deshalb hat Europa jeden Menschen reinzulassen, der etwas von unserem Lebensstandard abhaben will, und ja, das ist mein Ernst. Ich weiß, dass ich da radikal bin, ich könnte es auch anders formulieren: Brennt Europa nieder. Bringt die erste Welt auf den Entwicklungsstand der dritten Welt - zack, Problem der Einwanderung gelöst, dann haben die nämlich auch keinen Grund mehr, hierherzukommen.


    Wir bezahlen jetzt die Rechnung für mehr als ein Jahrhundert Leben auf anderer Leute Kosten. Das ist nicht fair, das war es nie. Aber es ist jetzt halt unsere Rechnung und die beste Mahnung für Menschlichkeit. Wir müssen uns zukünftig gottverdammt überlegen, wie wir mit der Welt umgehen. Nicht alles ist unsere Schuld. Aber vieles.


    *feierlich Fanfare*
    Ich glaube an die Menschen. Ich glaube, das wir lernen können. Langsam. Schmerzvoll. Und manchmal auch vielleicht erst zu spät. Aber ich bin auch der Überzeugung, dass nur durch Schmerz wirkungsvoll gelernt werden kann**. Fassen wir die aktuelle Situation als Lernphase auf - als Reminder. Dass wir nicht nur wie der Dreijährige durch den Süßigkeitenladen laufen und uns das beste aus den Regalen picken können, sondern irgendwer auch die Rechnung zahlen muss. Unsere Ahnen waren das Kleinkind. Aber Europa muss jetzt erwachsen werden und verstehen, dass es Konsequenzen hat. Dass es nie eine Insel war und sich der Verantwortung nicht entziehen kann, niemals.


    Und wenn wir das schaffen wollen, dann nur gemeinsam. Nicht als Deutsche, Österreicher, Franzosen, Rumänen oder Isländer. Sondern als Europäer. *feierliche Fanfare endet, nach links ab*


    Sorry für die Polemik, musste mal raus. Und ich dachte, dem Thread würde vielleicht eine neue Richtung ganz gut tun.


    * Ich spreche explizit nie von Flüchtlingen, weil ich die Endung -ling problematisch finde und insbesondere Menschen, die nicht am Krieg teilnehmen wollen, eher indirekt Vertriebene sind.
    ** Eh, das heißt nicht, dass ich befürworterin der Prügelstrafe bin oder so. Das meine ich eher so gesamtgesellschaftlich und auf die Menschheitsgeschichte gesehen ... ihr versteht schon ...

    Sie finden mich für gewöhnlich zwischen zwei Buchdeckeln, so ca. Seite 213 bis 345. Es ist der gemütlichste Platz für einen Bücherwurm, wo die Geschichte noch nicht vorbei ist und sich die Hauptpersonen schon anfühlen wie alte Bekannte.

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