Worte im Schnee





  • Eigenes Bild



    SALUT.


    Nachdem ich meine alte Sammlung gegen Ende des vergangenen Jahres aus diversen Gründen in das Archiv verschieben ließ und mich anschließend zunächst aus dem Bereich und schließlich auch für ein paar Monate aus dem Forum zurückgezogen habe, möchte ich mich dann langsam zurückmelden und hiermit eine Art Neuanfang starten. Wirklich begeistert bin ich von dem Bereich, bzw. den Entscheidungen hier auch weiterhin nicht, aber well... Das ist ein anderes Thema. Vorwiegend werde ich wohl Gedichte ausstellen, ggf. auch mal das ein oder andere Drabble oder eine kurze Geschichte.



    WERKE.


    _______Schneefall im Februar [Gedicht]
    _______Polyphone Stille [Gedicht]
    _______Spielkarte [Gedicht]
    _______Fernweh [Gedicht]
    _______Platzhalter [Gedicht]
    _______Resignation [Gedicht]
    _______Transparenz [Drabble]
    _______Vom Abschied [Gedicht]
    _______Im Mondlicht [Gedicht]
    _______Der Zaun [Gedicht]
    _______Eilmeldung: SPD wechselt Trainer [Satire]


    _______Legende
    _______[W] – Wettbewerbsabgabe
    _______fett - Empfehlung


    COPYRIGHT.


    Sollte selbstverständlich sein, aber die Texte und Gedichte sind von mir, entsprechend ist eine Verbreitung ohne meine Einwilligung oder gängige Zitierweise nicht erlaubt. Bei in diesem Topic verwendeten Bildern und Zitaten sind Quellenangaben in der Regel direkt vorhanden.







  • Schneefall im Februar


    Es war mein Traum, den Schneemann zu erbauen,
    Der bis in alle Sommer überlebt;
    Nach dessen Fröhlichkeit die Menschheit strebt,
    Statt ständig aufeinander einzuhauen.
    Doch immerzu war mein Versuch vergeblich,
    Denn da es weder Schnee noch Hoffnung gab,
    Begann ich still und schaufelte sein Grab,
    Narzissen sprossen langsam und allmählich.
    So folgte ich dem Ruf der Sterne;
    Zu schauen und dem Ganzen abzusagen,
    Um mich dann doch zu trauen und zu fragen:
    Was war es, das ich aus dem Leben lernte?
    Und plötzlich, eines Nachts im Februar,
    War mit dem Schnee der ganze Winter da!




  • Salut. ♥
    Ich dachte, ich lass dir mal eben einen kurzen Kommentar da! Also erstmal: Willkommen zurück! Es ist mir eine Ehre, dir wieder kommentieren zu dürfen. :3
    Mir gefällt dein Neuanfang, neues Jahr, neues Topic. Dein Header hat übrigens etwas sehr Faszinierendes, irgendwie sind die Scherben wunderschön. Erinnert mich an ein Bild was ich neulich gesehen habe; ich glaube das ging um einen Brauch... "In Japan, broken objects are often repaired with gold. The flaw is seen as a unique piece of the object's history, which adds to its beauty." Aber das nur nebenbei, nun zu deinem Gedicht, haha. :3
    Tut mir leid, ich bin einfach nicht so der Mensch, der Reimschemata und Metren bis ins kleinste analysiert; ich gehe immer liebe auf den Klang, Melodie, Wortwahl und Atmosphäre ein, ich hoffe, das ist in Ordnung. Ich finde, dieses komplette Aufdröseln nimmt immer ein klein wenig von der Magie. Also werde ich da nicht allzu tief greifen. Dein Gedicht hat auf jeden Fall von Anfang an einen wunderschönen Klang, ziemlich melancholisch und sehnsüchtig. Vor allem der dritte Satz hat mich gepackt, vor allem, weil die Länge von den ersten beiden abweicht. Die Betonung ist dir wunderbar gelungen! Das mit den Satzzeichen bekommst du einfach immer perfekt hin, da kann ich mir einiges abgucken, haha. Macht einfach viel aus, was die gesamte Melodie angeht. Inhaltlich kommt ein Bruch, als das lyrische Ich quasi aufgibt und sich fragt, was es aus dem Leben mitgenommen hat. Und genau dann geht der Wunsch doch noch in Erfüllung. Diesen Gedanken finde ich wunderschön, denn ist es nicht häufiger so, dass etwas genau dann passiert, wenn man aufhört, fanatisch darauf zu warten? Auch habe ich irgendwie das Gefühl, dass es bei dem Gedicht noch eine inhaltlich höhere Ebene gibt; dass es eben nicht nur um Schnee geht, sondern allgemein um einen Wunsch, etwas, das man je nach Leser auf alles übertragen kann. Mir gefällt dieser Gedanke, ob er nun gewollt war oder nicht! Die Melodie bleibt bis zum Schluss wirklich schön, genauso wie deine Reime. Ich habe oft so ein Problem damit, das richtige Wort für den Reim zu finden, ohne dass Klang und Inhalt verloren gehen. Das ist dir aber super gelungen, ich habe nichts anderes von dir erwartet. Das war es auch schon von mir, ich freue mich auf jedes weitere Wort von dir - wir lesen uns!



    Gracidea




  • Polyphone Stille
    Lauschend im stürmischen Schweigen
    Und lauter Laute stummen still
    Das Zerbrechen Deiner Stimme
    Der Laut,
    So leise und so schrill



    Spielkarte
    Im Dunkeln sitz' ich wieder hier und spiele
    ein Kartenspiel aus alten Tagen,
    und stelle mir die selben Fragen,
    wie es der Herzensdame wohl gefiele,
    Es nach all der Zeit zu wagen.


    ___
    @Faolin:
    Salut! ♥
    Erstmal ein großes Dankeschön für deinen Kommentar! Hab mich riesig gefreut! :3 Natürlich ist das absolut in Ordnung, dass du nicht auf die Form eingehst, wobei zumindest ein kurzer Blick darauf bei dem Gedicht nicht schadet, denke ich, haha. Aber ich hab die Strophen ja bewusst nicht getrennt, um das etwas zu verschleiern. Melancholisch und sehnsüchtig gefällt mir als Beschreibung, in die Richtung hatte ich auch gedacht! Dass der dritte Satz von der Länge abweichen würde, kann ich aber nicht bestätigen! Zumindest nicht durch Nachzählen, Eindrücke können da ja immer unterschiedlich sein. Aber freut mich, dass dir der Vers gefällt! Die Übertragung auf eine höhere Ebene, wie du es nennst, war auch durchaus geplant. Freut mich, wenn man das erkennen kann. (: Danke insgesamt nochmal für das viele Lob, haha. ♥
    Und das Seminar zur Interpunktion hat sich doch gelohnt! @Voltobal!




  • Huhu! Vorweg finde ich es wie schon an anderer Stelle geschrieben toll, dass du dich wieder im Bereich zurückmeldest. :)
    Und damit das nicht temporär bleibt, versuche ich dann auch mal mit einem Kommentar, zum Bleiben zu motivieren. Dementsprechend habe ich mir mal die zwei neuen Gedichte angesehen - wobei ich sagen muss: ich bin kein großer Experte für Gedichte, insbesondere was die Form betrifft. Aber ich versuche es mal.
    Was ich bei Polyphone Stille ziemlich interessant finde, ist dieses Spiel mit den Gegensätzen, dass sich ja eigentlich schon im Titel andeutet und dann weiter fortsetzt: "stürmisches Schweigen", "lauter Laute stummen still", "So leise und so schrill" ... Es scheint mir hier deutlich die Stille den Lauten gegenübergestellt zu werden, allerdings in einer Art und Weise, die diesen Gegensatz nicht als trennend ansieht, sondern ihn vielmehr auflöst, d.h. die Stille selbst ist "laut". Und wie du das hier machst, finde ich ziemlich gut. Was ich dann zusätzlich in diesem Gedicht noch auffällig finde, sind die letzten beiden Verse, da sie in Bezug auf die Silbenzahl der vorherigen Verse ja herausfallen, zusammengenommen allerdings genauso lang wären. Man kann sie insofern eigentlich zusammenlesen, aber sie stehen ja trotzdem getrennt da. Für mich wirkt das ein wenig wie eine kleine Aufforderung zum Innehalten nach dem Wort "Laut", ganz so, als würde man auf etwas horchen. Ich weiß nicht, ob das so beabsichtigt war, aber ich mag diese Wirkung, die dadurch entsteht.
    Dann ist da Spielkarte: Was ich hier besonders mag, ist diese Doppeldeutigkeit von "Herzensdame", die sich durch den Kontext des Kartenspiels ergibt - ich finde solche Sachen toll. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie genau ich das Gedicht deuten soll, aber ich mag es. Bei dem "Kartenspiel aus alten Tagen" dachte ich ja irgendwie an jemanden, der sich vielleicht alte Fotos anguckt oder so - das hat für mich irgendwie immer ein wenig etwas von einem (Sammel-)Kartenspiel, haha. Und damit verbunden könnte natürlich dann ein Foto der geliebten Person wohl die Herzdame symbolisieren. Jedenfalls aber geht es wohl darum, in einer Beziehung den nächsten Schritt zu tun - das könnte man wieder verschieden interpretieren, vielleicht geht es darum, mit der anderen (derzeit vielleicht "nur" befreundeten) Person überhaupt erst romantisch zusammenzukommen, vielleicht aber auch um eine Entwicklung in einer bereits bestehenden romantischen Beziehung - also vielleicht zu heiraten oder etwas in der Art. Bei der Form bin ich mir zugegebenermaßen nicht sicher, wie genau ich sie verstehen soll, mir fällt nur der letzte Vers auf. Wenn ich mich nicht verzählt habe, hat er eine Silbe weniger als die Verse, auf die er sich reimt, was aber nicht den Lesefluss stört. Was nun weiter auffällt, ist der Umstand, dass ja die vorherigen vier Verse formal gesehen etwas Abgeschlossenes sein könnten, also ein abgeschlossener umarmender Reim. So gesehen könnte man den letzten Vers ein bisschen wie eine Ergänzung bzw. den Anfang von etwas Neuem verstehen, was mit seinem Inhalt auch vereinbar wäre. Der Gedanke kommt mir jedenfalls, aber wieder: Ich weiß nicht, ob das so beabsichtigt war. Insgesamt ergibt sich hier für mich so eine leicht melancholische Wirkung, aber auch ein gewisser Optimismus gerade zum Ende hin.


    Abschließend will ich sagen, dass mir diese beiden Gedichte sehr gut gefallen haben. Ich hoffe, du bleibst am Ball und dass wir bald wieder voneinander lesen.




  • Fernweh
    Ich tanze tippelnd durch den Raum
    In farbenfroher Dunkelheit und
    lauten Schreien der Musik
    Sekunden der Glückseligkeit
    Und noch ein Schritt
    Und noch ein Schritt
    Und laute Schreie der Musik
    verstummen.
    langsam.
    und ich wache auf.
    aus meinem Tanz.
    einsam.
    in der Dunkelheit.


    ___
    @Thrawn:
    Salut! (:
    Auch dir ein großes Dankeschön für deinen Kommentar zu den zwei kurzen Gedichten! Du bist quasi der Hauptgrund, warum ich jetzt schon wieder etwas veröffentliche, haha. Das mit dem Motivieren hat also schon mal geklappt!
    Deine Gedanken zu Polyphone Stille gefallen mir sehr. Sowohl die Gegensätze als auch die kurze Pause am Ende sind beabsichtigt. Insgesamt war ich sehr angetan von dem Prinzip der Polyphonie, als ich mit dem Schreiben der paar Verse begonnen hatte. Und das Schreiben hat sich dann leider so lange gezogen, dass ich mich eigentlich langsam fast schon wieder neu damit beschäftigen könnte. Freut mich jedenfalls, dass dir das Gedicht gefällt!
    Deine Interpretation zu Spielkarte finde ich auch sehr interessant. Inspiriert war das Gedicht vor einem ganz anderen Hintergrund, was aber nicht schlimm ist. Meistens denke ich mir beim Schreiben dann schon verschiedene Geschichten zu den Versen und versuche, es so offen wie möglich zu halten. Liebe ist aber auch für mich definitiv das Grundmotiv, haha. Die Form ist natürlich auch bewusst gewählt; wie sie gedeutet wird, hängt wohl von der Interpretation ab – und da gefallen mir deine Gedanken auch wirklich gut! (:
    Abschließend nochmal Danke für die lieben Worte! (:







  • Resignation
    Die Nacht, sie endet einfach nicht –
    Und jedes Wort ist eins zu viel –
    Die Phrasen werden sture Pflicht –
    Es schwindet leis' das Ziel …



    Transparenz
    Schweigend stand sie da. Sie starrte mit einem blassen Blick der Leere auf den Boden vor sich. Sie ignorierte die Menschenmenge, die sich auf dem Platz rund um sie herum gebildet hatte. Niemand von ihnen beachtete sie wirklich. Niemandem fielen ihre zierlichen Hände auf, die sie schüchtern hinter dem Rücken versteckte, nur um sie dann nervös wieder hervorzuholen und fest ineinander zu verschließen. Alle hingen sie an seiner Rede. Wildes Gestikulieren, pathetische Worte. Jubel! Applaus! Laute Worte. Tränen. Lachen. Dann Stille. Plötzlich drehte er sich um, zeigte auf sie.
    Er trat ab und sie trat aus seinem Schatten hervor.







  • Vom Abschied


    So dunkel die Tage,
    Hell schimmert der Schein;
    Im Schweigen sind wir einsam.
    Dem Raben die Farbe,
    Dem Leben das Sein;
    So schweigen wir gemeinsam.


    Wir sitzen im Regen,
    Und spüren die Nacht;
    In eisig-frischen Winden.
    Wir weinen verlegen,
    Verlorene Macht;
    Und Herzen, die erblinden.


    Wir lauschen den Worten,
    Und hören doch nichts;
    Die Laute, die uns bleiben.
    Wir suchen nach Orten
    Vergangenem Lichts;
    Lassen Gedanken treiben.


    ___
    Über Kommentare würde ich mich freuen; ich beiße nicht! (:




  • Na mein Lieber,
    du hast hier viel zu wenig Kommentare für meinen Geschmack. Aber ich muss gestehen, dass ich noch vor wenigen Tagen nicht gedacht hätte, dass ich das in naher Zukunft ein wenig ändern würde. Aber @meridian war letztens zu Besuch und irgendwann haben wir uns auch über den Bereich unterhalten und ich habe ihr meinen Kommentar zu Musicmelons einem Gedicht gezeigt. Das war so ziemlich der Kommentar, der mir in all den Jahren am meisten Spaß gemacht hat ihn zu schreiben, weil ich das Gefühl hatte, ne komplett verrückte Interpretation zu erklären, die aber trotzdem einfach gepasst hat. Dadurch habe ich Lust bekommen, mich mal wieder an eine Gedichtinterpretation zu wagen und so habe ich mal ein wenig nach einem schönen gestöbert und bin hier gelandet. Es wird zwar keine so abstruse Interpretation wie damals werden, aber ich freu mich schon darauf gleich meine bisherigen Gedanken zu den Strophen aufzuschreiben und beim Schreiben neue zu entwickeln.


    Vom Abschied


    Man kann von vielem Abschied nehmen, so auch von etwas, an das man mal geglaubt hat. Etwas, dass sich als Illusion herausgestellt hat, auch wenn man sein Leben vielleicht nach dieser Idee ausgerichtet hat. In diesem Fall ist das kein Abschied, bei dem man weiß, man trifft sich wieder; nur ein kurzer trauriger Moment. Kein Abschied, von etwas, das man loslassen möchte. Es ist ein Abschied, gegen den man sich nicht wehren kann.


    So dunkel die Tage,
    Hell schimmert der Schein;


    Ich weiß, die Strophe endet hier noch nicht, aber durch die Semikolons werden einzelne noch kleinere Sinneinheiten von einander abgetrennt, deswegen möchte ich gerne auf jede davon einzeln eingehen (zu dem Teil bis zum Punkt hinter jedem Semikolon komme ich zum Ende hin zurück). Und direkt im ersten Sinnabschnitt haben wir mit einer Antithese einen ziemlich starken Einstieg. an welche Idee oder Weltbild man auch immer geglaubt hat, man wurde desillusioniert und während man noch sieht, wie einfach es war daran zu glauben, auch wenn es sich als Schein entpuppt hat, kann man dies jetzt nicht mehr und der Alltag scheint dunkel zu sein.


    Dem Raben die Farbe,
    Dem Leben das Sein;


    Ich muss gestehen, diese Verse lassen mich ein wenig stolpern. Nicht, weil sie irgendwelche groben Schnitzer oder so beinhalten, sondern weil ich innehalten und mir länger Gedanken über ihre Bedeutung machen muss. Bei ihnen hab ich nicht direkt eine Idee oder ein Bild vor Augen. Ich habe ein wenig gegooglet und der Rabe ist in vielen Mythologien ein Symbol für Weisheit nur in der christlichen Kultur wegen der Erzählung von der Sintflut hat er sich zu einem bösen Tier entwickelt. Allerdings sind Farben etwas, was meist mit etwas Positivem assoziiert wird, deswegen greife ich eher auf den Raben als ein Symbol für Weisheit zurück. Wenn der Rabe für die Weisheit steht, was sind dann die Farben? Eventuell könnten sie für die Wahrheit oder das Richtige stehen. Das würde auch dazu passen, dass es nicht eine Farbe sondern Farben sind. Denn wo gibt es schon die eine Wahrheit? Selbst in den Naturwissenschaften kann man eine These nie als absolut wahr bezeichnen, nur als möglichst wahrscheinlich. Aber die Chance, dass es irgendwann die Möglichkeit gibt sie zu falsifizieren, ist immer gegeben (Hat man ja wunderbar an der Relativitätstheorie gesehen. Uns so sehr es mir auch die Vorstellung missfällt, dass Zeit und längen nicht konstant sind, zeigen Beispiele wie das Myonen auf dem Erdboden ankommen, obwohl sie eigentlich viel zu schnell zerfallen müssten, als dass das möglich ist, dass es anscheinend doch so sein muss, dass Zeit und Raum relativ sind). Aber genug abgeschweift. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob in den Farben des Raben nun auch der Schein enthalten ist oder ob es die Farben sind, die einem abseits von Schein die dunklen Tage wieder mit Farbe füllen könnten (zumindest verbinde ich dunkle Tage auch eher mit trüben, grauen Tagen). Dann ist da noch das Leben und das Sein. Das hat es mir wieder etwas einfacher gemacht, eine Bedeutung dahinter zu sehen. Egal ob die Dinge, an die man glaubt nun Schein oder Wahrheit sind, das ist dem Leben so ziemlich egal. Man braucht keine der Farben des Raben zum existieren und sein. Trotzdem gehören die Farben und das Leben zusammen, da sie einander Sinn geben. Was ist ein Leben, in dem man nur vor sich hin vegetiert und was eine richtige Idee, wenn sie von niemandem gedacht wird?


    Wir sitzen im Regen,
    Und spüren die Nacht;


    Hier wird nun genauer darauf eingegangen, wie die dunklen Tage aussehen. Jeder kennt das Gefühl, wenn man einen miesen Tag hatte und es dann noch zu regnen beginnt und man total durchnässt irgendwo warten muss. Im Regen stehen gelassen fühlen sich sicherlich auch die desillusionierten Menschen, die von der Idee, an die sie geglaubt haben, allein gelassen worden sind. Und während diesem Zustand spüren sie noch stärker den Unterschied zu der einst so heilen und einfachen Welt, in der sie gelebt haben.


    Wir weinen verlegen,
    Verlorene Macht;


    Man befand sich vielleicht in einer Gruppe, die das gleiche geglaubt hat. In dieser fühlte man sich stark, man hatte Macht. Aber nachdem sich die Idee als Schein herausgestellt hat schämt man sich vielleicht dafür, dass man überhaupt einmal an sie geglaubt hat. Und die Macht, die man einst zu besitzen glaubte, ist ebenfalls nicht mehr da.


    Wir lauschen den Worten,
    Und hören doch nichts;


    Die Personen, denen man früher voller Begeisterung zugehört hat, als sie ihre Idee verbreitet haben kann man zwar nach wie vor zuhören, aber die Worte erreichen einen nicht mehr. Man hat sie vielleicht als Lügen erkannt und auch wenn man sie nach wie vor vernehmen kann, prallt ihre Botschaft an einem ab und man hört ihnen zugleich nicht mehr zu.


    Wir suchen nach Orten
    Vergangenem Lichts;


    Erstmals endet ein Vers ohne ein Satzzeichen. Und auch wenn das Gedicht hier schon so gut wie zu Ende ist, kommt nun eine Wendung. Zuvor waren die desillusionierten Menschen eher in ihren eigenen Emotionen gefangen und wie wenn man in Selbstmitleid versinkt, sind sie stehen geblieben und haben sich dem düsteren Tagen, die zurück geblieben sind ergeben. Nun aber kommt wieder ein Impuls nach vorne zu streben und weiter zu kommen. Es wird nach einer der Farben des Raben gesucht (die kein Schein ist, wenn der Schein bei den Farben dabei ist). Den zweiten Vers kann man in zwei Richtungen deuten, obwohl sie sich auch nicht ausschließen. Einerseits kann damit gemeint sein, dass nach einer neuen Idee gesucht wird, die einem wieder Licht und eine einfachere, heile Welt bringt. Oder aber es wird sich auf alte Philosophen und dergleichen besonnen, um eine neue Idee zu finden; die Lichter der Vergangenheit.


    Im Schweigen sind wir einsam.
    So schweigen wir gemeinsam.
    In eisig-frischen Winden.
    Und Herzen, die erblinden.
    Die Laute, die uns bleiben.
    Lassen Gedanken treiben.


    Wie versprochen kommen nun die Verse mit einem Punkt. Ich finde, man kann sie gut als eigenständige Strophe sehen, die sich in die anderen Strophen hineingewoben hat. Es spiegelt ein wenig den Prozess des Verarbeitens wieder nachdem man desillusioniert wurde.
    Allein und doch in einer Gruppe. Man könnte Trost darin finden mit Menschen zu reden, denen es genauso wie einem geht. Aber zunächst braucht man Zeit, um es zu verkraften, dass sich der Glaube an eine Idee als Schein herausgestellt hat. Nachdem diese Idee weg ist, fühlt es sich zunächst kalt und leer an, aber dieses Gefühl schafft Platz für neue und frische Ideen, die nach einer Weile folgen können. Man mag eventuell auch verbittern, nachdem man sich allein und verlassen fühlt und die Tage düster sind. Aber man ist nach wie vor nicht allein auf dieser Welt und die Eindrücke, die man jeden Tag wahrnimmt, kann einem niemand nehmen mit der Zeit regen sie dazu an, sich Gedanken zu machen. Auch wenn der Großteil des Gedichts eher traurig ist, stellt dies den Schimmer der Hoffnung am Horizont für mich dar. Es wird Zeit brauchen, bis man sich erholt hat, aber man fängt an seinen Kopf selbstständig zu benutzen und wird dadurch eines Tages vielleicht die Wahrheit finden, nach der man sucht.


    So, da sind wir dann nun auch schon am Ende dieser kleinen Interpretation. Danke, für dieses schöne Gedicht, es hat mir Freude gemacht, es zu interpretieren. Normalerweise würde ich jetzt sagen, dass wir uns beim nächsten Kommi wieder sehen oder so, aber ich hoffe, wir kommen vorher schon dazu mal wieder miteinander zu schreiben.
    Liebe Grüße,
    Lara

  • Hoothoot, éléphant ! :3


    Die Werke aus diesem Post haben noch keine Reaktion bekommen, das möchte ich mal nachholen.


    Im Allgemeinen muss ich zunächst noch sagen, dass die Gestaltung deines Topics minimalistisch, aber sehr angenehm und übersichtlich ist. Insbesondere die Farbwahl ist nicht zu grell und schön für den Betrachter. Haben sie eine bestimmte Bedeutung oder setzt du sie nach Gefühl?



    Resignation

    Was mir an diesem Gedicht besonders gefiel waren zum einen der Rhythmus und zum anderen die Klangfarbe. Ersterer wirkt sehr sauber und lässt den Leser damit nicht aus der Thematik rauspurzeln oder stolpern. Letzteres, insbesondere die Wortwahl in der letzten Zeile, vermittelt einen sehr passenden Eindruck ("schwinden" ist ein so langsames, dumpfes, Fading Wort, das lässt das Gesicht einfach prima auslaufen). Was den schön gestalteten Schluss in meinen Augen aber etwas stört, ist das sehr harte "Ziel" am Ende. Der Abschluss ist dadurch sehr abrupt und kommt eher einem Aufschrecken/Erwachen als einem Dahinschwinden/Dahindämmern gleich.

    (Irgendwie lässt mich der Inhalt des Gedichtes sehr an eine vergebliche Lernnacht denken ... kommt das in etwa hin?)


    Transparenz

    Vorüberlegung: Der Titel besteht aus einem Wort, das an sich ja verschiedene Bedeutungsebenen hat - farblich-anschaulich-praktisch (Glas, das bloße Hindurchschauen durch etwas), auf Nachvollziehbarkeit und Arbeitsprozesse bezogen, abstrakt-melancholisch (Transparenz als (soziale) Unsichtbarkeit => Einsamkeit). Es sind also sicherlich mehr Bedeutungsebenen für dieses Werk möglich, aber ich fasse mich mal kurz :3

    Du bleibst beim Inhalt dieses Drabbles sehr vage, was einen sehr zum Nachdenken und Interpretieren anregt. Was hier sehr gut rüberkommt, ist die Nervosität der Figur, um die es offenbar geht, was du trotz der geringen Wortzahl durch einfache Gesten schön zur Geltung gebracht hast.

    Zunächst drängt sich hierbei der Eindruck eines politischen Podiums oder einer ähnlichen Gelegenheit auf, bei der Reden gehalten werden, ich persönlich denke letztendlich aber eher an eine Hinrichtung. Die einzelnen Elemente deuten auf etwas Unangenehmes hin, auf eine Verunglimpfung und Hetze gegen die zu betrachtende Person (Lachen und wilde Gesten), auch das Element der Trauer um das, was die Person verbrochen hat/haben soll (Tränen - möglicherweise aber auch Lach-/Freudentränen) kann ich erkennen sowie die spannungsgeladene Erwartung der Menge (wie immer, wenn etwas Grausames, Reißerisches bevorsteht), die sich vor allem in der Gebanntheit gegenüber der Rede und der folgenden Stille ausdrückt, die fast greifbar ist.

    Transparenz heißt hier vielleicht auch Austauschbarkeit und könnte auf eine Art Sündenbock hindeuten, hm ... auf jeden Fall ein sehr interessantes Werk, das viel Raum für Interpretation lässt!



    Bleib weiter am Ball und schreib schön fleißig!


    ~ Sheo

  • So, ich sehe hier noch zwei Gedichte ohne Kommentar. Sorgen wir mal für Vollständigkeit.


    Fernweh

    Also, ich will ehrlich sein und es ist etwas, das ich auch im nächsten Gedicht noch ansprechen werde: Ich habe echt keine wirkliche Ahnung, wie der Titel hier hineinpasst. Was nicht heißen soll, dass das jetzt sonderlich schlecht wäre, aber es ist irgendwie ein Detail, das sich gerade nicht so recht fügen will. Nun ja. Was mir zunächst aufgefallen ist, ist die Alliteration im ersten Satz, wobei mir "tippelnd" auch irgendwie ein wenig verspielt vorkommt oder aber möglicherweise auf den Tanz hindeutet - also Tänze auf Zehenpitzen würde ich zum Beispiel intuitiv mit dem Wort in Verbindung bringen. "Farbenfrohe Dunkelheit" ist irgendwie so leicht paradox für mich, finde ich aber als Bild echt gut. Hier würde ich eigentlich fragen: Ist es gewollt, dass das "und" noch im Vers mit der Dunkelheit steht und nicht im Vers darunter? Denn irgendwie würde es für mich Lyriknaivling in Bezug auf Reim und Silbenzahl eher passen, wenn dieses Wort in den Vers darunter rutschen würde, dann hätten die ersten vier Verse alle acht Silben (sofern ich mich nicht verzählt habe) und der Reim von "Dunkelheit" auf "Glückseligkeit" sowie gleichzeitig auch eine Verbindung zwischen "und" und "Sekunden" (beides lese ich zwar irgendwie auch so raus, aber es scheint mir irgendwie anders zu sein als dass, was de facto da steht).

    Was ich noch ziemlich gut gemacht finde, ist der Moment des Verstummens. Das Tempo wird da komplett runtergefahren und man horcht quasi auf, gerade weil es still und langsam wird, und das kommt außerdem nach zweimal "Und noch ein Schritt" total plötzlich, was die Wirkung nur verstärkt. Danach bleibt es bis zum Ende auch ruhig - die Dunkelheit kehrt hier wieder, jedoch nicht mehr als "farbenfrohe".

    Wie genau es zu verstehen ist - nun, ich stehe da ziemlich auf dem Schlauch. Der Tanz ließe sich ebenso wie die Musik einfach wortwörtlich interpretieren und das Aufwachen dann nicht als buchstäbliches Aufwachen, sondern als Aufschrecken aus einem Zustand, in dem man in den Tanz vollkommen versunken war. Alternativ wäre es halt wirklich ein (Tag-)Traum, aus dem dann das lyrische Ich erwacht. Wie dabei aber jeweils das Fernweh als Titel genau reinpasst - ich weiß es nicht. Man kann ja von der Ferne träumen und alles, aber es wird für mich nicht so ganz deutlich. Irgendwas muss ich übersehen ...

    Nun ja. Aber auf jeden Fall möchte ich sagen, dass ich das Gedicht sehr gerne gelesen habe.


    Platzhalter


    Okay, das wiederum lässt mich an mein Studienfach denken, also die wunderbare Philosophie. Denn die Thematik scheint mir doch philosophisch angehaucht zu sein und das Gedicht könnte man durchaus als einen argumentativen Gedankengang verstehen, wenn ich es mir recht überlege. Es besteht eine These, dass nichts "im wahrsten Sinne 'sinnvoll'" ist und nun könnte man eben an die Erwiderung denken, dass aber doch dann das Leben irgendwie traurig und öde wäre. Die Antwort des lyrischen Ichs bestünde aber darin, dass eben dies falsch ist, dass man, nur weil etwas bzw. alles sinnlos ist, noch nicht dazu übergehen muss, alles auch als "trist" anzusehen. Das finde ich als Gedankengang echt interessant, weil es mich an die Art erinnert, wie manche Philosophe herkömmliche Vorstellungen von irgendetwas untersuchen und dann einwenden, dass für wahr gehaltene Schlussfolgerungen gar nicht wahr sind - und wenn man sich mal auf das Gegenteil einlässt, erkennt man meistens doch, dass da tatsächlich etwas dran sein könnte. Natürlich kann es sein dass ich mit diesem Verständnis des Gedichts auch voll danebenliege, aber den Gedanken finde ich gerade am anregendsten. Man könnte das auch weiterspinnen und sich fragen, ob in der Sinnlosigkeit nicht ein Stück Freiheit steckt - im Sinne der Befreiung von einem Sinn, den man irgendwie erfüllen müsste.

    Formal habe ich jetzt irgendwie nicht so wirklich etwas anzumerken, glaube ich. Wobei nach "Wissen" streng genommen ein Komma vor dem "dass" stehen müsste. Wo ich bei dem Vers gerade bin: Es ist mir noch unklar, wer genau die erwähnte Person ist - "dass es ihr missfällt"; vielleicht bezieht es sich auf die im darauffolgenden Vers genannte Welt, das wäre zumindest möglich (der würde es ja vielleicht erst einmal nicht gefallen, wenn sie sinnlos wäre).

    Und was ich halt wieder irgendwie nicht unterbringen kann, ist der Titel. Es wäre schon irgendwie ironisch, wenn der Titel selbst einfach nur ein Platzhalter ist, der keinen tieferen Sinn hat oder so, aber ich weiß nicht, ob das hier gemeint ist.

    Jedenfalls aber habe ich auch das Gedicht sehr gemocht. Schreib so schön weiter!




  • +++ EIL +++


    flo BERLIN. Er macht's nochmal: Peter Neururer übernimmt mit sofortiger Wirkung den Trainerposten bei den Sozen. Dies hat Manager Scholz soeben auf einer Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus verkündet. Der ehemalige Traditionsverein SPD, der erst in der vergangenen Saison von einem Brausehersteller aufgekauft und in RBS umbenannt wurde, stand in diesem Jahr bereits früh vor größeren Problemen. Nach der Entlassung Martin Schulz' noch in der Vorbereitung, hatte mit Andrea Nahles die erste Frau versucht, den Klub zurück zu alter Stärke zu führen. Nach dem holprigen Start und einem Platz im unteren Mittelfeld muss nun also auch sie den Posten räumen.


    Wie sich der neue Trainer macht, ist bereits im kommenden Montagabendspiel zu sehen; dann nämlich trifft RBS auf den Tabellennachbarn und Abstiegskandidaten aus München (CSU, Anm. d. Red.). Im Free TV ist die Partie in diesem Jahr nicht zu sehen. Während sich Sky die Rechte für die Konferenz sämtlicher Parteitage gesichert hat, können einzelne Debatten im Internetportal dazn gestreamt werden. Zusätzlich sind Montagsspiele über den Eurosport-Player zu empfangen. Natürlich zeigen wir pünktlich ein Jahr nach der Partie eine ausführliche Zusammenfassung per Brieftaube.


    Fans am Vereinsgelände waren auf Nachfrage geteilter Meinung. Während einige befürchten, in der Relegation am HSV zu scheitern, unterstreichen andere den Ruf des neuen Trainers als Feuerwehrmann. Einigkeit besteht jedoch darin, dass die allgegenwärtige Kommerzialisierung eine große Gefahr für die Politik darstellt. Auch in der kommenden Bundestagssitzung wollen Anhänger der Grünen mit Konfetti protestieren. Begleitet werden sie voraussichtlich erneut von Gesängen gegen die Verbandsführung durch Anhänger der AfD.



    ___
    Großes Dankeschön an Voltobal für die Idee und das Korrekturlesen! Ist zwar definitiv Nischenhumor, aber vielleicht gefällt es ja jemandem, haha.