Das Schachspiel


  • Pion und Rooke

    zwei reisende

    Missetäter,

    die sich

    durch einen Zufall

    begegneten,

    wollen doch

    nur eines:

    Gemeinsam

    ein paar seltene

    Pokémon finden!

    Doch beide hegen

    ihre dunklen Geheim-

    nisse voreinander, skrupellos

    und ohne Rücksicht.

    Zu allem Überfluss heften sich die Behörden dicht an ihre Fersen …

    Wer kann das Trugspiel am längsten aufrechterhalten? Auf in eine spannende Partie!



    VORWORT



    Vor über drei Jahren stellte ich zusammen mit Jeevas meine erste Pokémonfangeschichte vor: ~Sag mir, wie du heißt~.
    Jetzt kam in mir der Wille auf, auch eine eigene Fanstory zu schreiben, und das werde ich jetzt auch eiskalt tun!



    [tabmenu][tab=Schach]Ich möchte nur einmal vorweg klarstellen, dass man KEINE SCHACHKENNTNISSE BENÖTIGT, um diese Geschichte zu verstehen! Keine Sorge - selbst mit ausführlichen Schachkenntnissen dürfte der Prolog nicht viel besser zu verstehen sein =)[tab=Genre]Ich habe mit mir gehadert, ob ich diese Story nun in den Shippingbereich oder in Miscellaneous veröffentlichen soll, und habe mich dann für Miscellaneous entschieden. Zwar wird die Geschichte sowohl etwas mit Reisen zu tun haben, als auch romantische Themen beinhalten, dennoch fühle ich mich wohler, wenn die Story hier im Miscellaneous-Bereich ist. Grund hierfür ist, dass auch einige fantastische Elemente geplant sind und ich nicht wesentlichen Wert auf Romanze und Reise lege. Sollte sich ein Moderator aber dennoch verpflichtet fühlen, die Geschichte in den Shippingbereich zu schieben, so möge er das bitte tun!


    Wie ihr also vielleicht bereits rausgelesen habt, werdet ihr hier ROMANZE und REISE zu lesen bekommen, aber auch FANTASY, DRAMA, PSYCOLOGICAL und ähnliches.


    Eine WARNUNG ergeht hiermit an alle, die nur positive Geschichten lesen wollen. Wenngleich ich kaum ein Interesse daran habe, Gewaltszenen ausführlich darzustellen, werden sie dennoch vorkommen. Hauptsächlich werde ich aber nicht die Vorgänge beschreiben, sondern eher die Konsequenzen. Zumindest lasst euch gesagt sein, dass ich hier keine Friede-Freude-Eierkuchen-Geschichte plane![tab=Charaktere]Die CHARAKTERE WERDEN KEINEN STECKBRIEF BEKOMMEN, weil ich Steckbriefe nicht mag. Es kann sein, dass ich, wenn die Story etwas weiter fortgeschritten ist, Steckbriefe erstelle, damit man nachlesen kann, wenn man mal etwas vergessen hat. Doch keine Sorge, die Zahl der Hauptpersonen ist überschaubar und man sollte sie während des Lesens gut kennen lernen können!


    Außerdem solltet ihr beachten, dass ich mir die Hauptcharaktere alle selber ausgedacht habe. Ash und Co. kriegen keine Rollen![tab=Die Welt]Im Wesentlichen handelt es sich um die Welt, wie man sie auch aus den Filmen und Spielen kennt. Kinder kriegen mit 10 ihre Pokémon, reisen durch die Welt und fordern die Arenen heraus. Dieser Aspekt wird in der vorliegenden Fanstory allerdings beiseitegeschoben und ihm wird keine größere Aufmerksamkeit zuteil.
    Die gesamte Handlung der Geschichte wird in der Region HOENN stattfinden![tab=WAS HAST DU DIR NUR DABEI GEDACHT??]
    Heute Nachmittag um eins hatte ich den Einfall, daraufhin habe ich das getan, was ich immer tue, wenn ich mir eine Geschichte ausdenken will: Ich gehe zwei Stunden spazieren. Als ich zurückkam, war der komplette Plot fertig. Ich habe mir alles notiert und die Story en détail fertiggeplottet. Jetzt muss ich sie nur noch aufschreiben!
    WER DENKT, DASS DA NICHTS VERNÜNFTIGES BEI RAUSKOMMEN KANN, DER HAT VERMUTLICH RECHT. Dennoch gebe ich mein Bestes, die Geschichte so spannend und angenehm zu lesbar wie möglich zu machen =D[tab=Sonstiges]Falls der ein oder andere ~Sag mir, wie du heißt~ kennt, habe ich hier noch ein paar Worte darüber. An dieser Fanstory schreibe ich allein, Jeevas, mein Schreibpartner von ~Sag mir, wie du heißt~, darf also nicht für irgendetwas verantwortlich gemacht werden, was ich hier verzapfe =B
    Im Übrigen wird sich der Stil von beiden Fanstorys denke ich ziemlich unterscheiden. Inwiefern werdet ihr ja sehen =)


    Ebook: community.bisafans.de/index.php?attachment/47683/[tab=Copyright]Die Welt (Hoenn) und alle Pokémon sowie die damit verbundenen Elemente gehören zu Nintendo.[tab=Benachrichtigungen]Bummelz
    Noel
    Moses[/tabmenu]





    WIDMUNG UND DANK




    Diese Geschichte widme ich den Menschen, die es schaffen, mich immer wieder zu motivieren. Das sind die Menschen, die kreativ sind, weil sie kreativ sein müssen, die die Welt ändern, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt, es ist jeder, der schon einmal eine Geschichte schrieb, ein Bild malte oder ein Lied sang. Und euch danke ich auch!






    KAPITELÜBERSICHT



    _______________
    0. ERÖFFNUNG
    ________________ 1. BEGINN DER AUFZEICHNUNGEN

    _________________ 2. BAUERNTAUSCH I
    __________________ 3. BAUERNTAUSCH II
    ___________________ 4. BAUERNTAUSCH III
    ____________________ 5. IN AUFBRUCHSSTIMMUNG I
    _____________________ 6. IN AUFBRUCHSSTIMMUNG II
    ______________________ 7. EN PASSANT I
    _______________________ 8. EN PASSANT II
    ________________________ 9. EN PASSANT III
    _________________________ 10. MOMENTE DES GLÜCKS I (noch nicht erschienen)
    __________________________ 11. MOMENTE DES GLÜCKS II (noch nicht erschienen)
    ___________________________ 12. TANZ IN DEN STURM I (noch nicht erschienen)
    ____________________________ 13. TANZ IN DEN STURM II (noch nicht erschienen)






    EBOOK



    Die Wortzahl der Geschichte steigt an und es werden mehr Kapitel. Damit man auch unterwegs gut lesen kann, habe ich mich entschieden, ein E-Book anzuheften, damit man auch bequem außerhalb des BB weiterlesen kann.



    DOWNLOAD
    (Kapitel 1 - 9, Stand 05.06.2014)







    ERÖFFNUNG



    »ICH WERDE den Hass dieser Welt erforschen«, offenbarte Kuningas ruhig und bestimmt, während er seinen weißen Königsbauern auf das Feld e4 schob.
    »Interessante Prämisse«, antwortete dem Gengar das ihm gegenübersitzende Simsala.
    Sie beide spielten seit Jahrhunderten. Eine Partie folgte der nächsten so unaufhaltsam wie auf die Ebbe die Flut. Sie kannten sich, wie sie die Welt kannten, und für einander stellten sie die erbittertsten Feinde und zugleich treusten Freunde dar.
    Vor langer Zeit, als die Pokémon noch sprechen konnten, hatten die Kämpfe zwischen den beiden verheerenden Schaden angerichtet. Damals erfolgte der Beschluss, sich fortan nur noch im Spiel zu messen. Keiner der beiden, das wussten sie, konnte seine Ziele durchsetzen, wenn sie ihre Heimat zerstörten.
    Das Simsala antwortete, indem es einen Bauern zwei Felder vor auf das Feld c5 schob. Bewundernde Verwirrung machte sich im Gesicht des Gengars breit.
    Und ihre Ziele waren sehr ambitioniert. Während das Psycho-Pokémon, das den Namen Basilias trug, sich in der Vorstellung nach einem Planeten hin verzehrte, der aus reinem Glück bestand, verfolgte das Gengar eine Utopie vollkommenen Wissens. Wann immer eines der beiden eine Partie gewann, setzte es sein Vorhaben ein Stück weit um - und sie gewannen oft.
    Das Gengar setzte seinen Springer auf f3. Es folgte ein Bauer auf d6.
    Um den ewigen Kampf zu beenden, den die beiden führten, musste einer von ihnen drei Spiele hintereinander gewinnen. Noch keiner der beiden hatte das in den vergangenen Jahrhunderten geschafft. Zuletzt gewann das Geist-Pokémon zwei Mal, davor zwei Mal Basilias.
    Bauer auf d4. Schwarz nahm das Angebot dankend an. Weiß holte den Bauern mit seinem Springer zurück.
    Während sie diese einfachen Züge spielten, vergrößerte sich das Grinsen auf dem Gesicht des Gengars ungemein.
    »Du …«, flüsterte es. »Das ist das erste Mal, dass du eine Verteidigung spielst«, sagte es mit einer freudigen Erregung in der Stimme.
    Kuningas hatte recht. Das Simsala Basilias verkörperte Impulsivität und Angriffslust, sah sich stets im Recht. Daraufhin spielte Schwarz seinen Springer auf f6. Die Augen des Geistes weiteten sich, während er einen seiner eigenen Springer auf c3 setzte, in herzzerreißender Erwartung des nächsten Zuges seines Gegners.
    Basilias spielte einen Bauern auf g6. Kuningas wusste, was das bedeutete. Das Simsala hatte vor, einen Läufer zu fianchettieren.
    »Das gibt es doch nicht!«, rief es. »Das ist doch die Drachenvariante!«

  • DAS SCHACHSPIEL....zuerst dachte ich, als ich den Titel gelesen habe "Was hat ein Schachspiel bitte bei den Pokemon Fanstorys zu suchen?", doch irgendwie hat es mein Interesse geweckt, ebenso wie das Bild, das am Anfang des Themas ist.
    Also, dass es keine Charakterbeschreibungen gibt stört mich nicht und der Startpost verstrüht einen ganz eigenen Charme, so wie manche Wörter zwischen drin groß geschrieben sind, möchte man meinen es würde einen stören, doch im Gegenteil, mir gefällt dieser Stil wirklich sehr.
    Also eines vorweg, Rechtschreib oder andere Fehler habe ich keine gefunden.
    Kapitel 1: Ein wahnsinn, wie du alles beschreibst. Ich selbst habe kaum eine Ahnung von Schach, doch trotzdem ist das Kapitel sehr schön zu lesen und ich habe alles verstanden. Es baut mächtig Spannung auf und macht wirklich Lust auf mehr. Ich habe das Thema mal abonniert und freue mich wirklich auf deine nächsten Kapitel.
    Bin also gespannt.


    Lg Laschoking Laschoking

  • 1. BEGINN DER AUFZEICHNUNGEN



    AUS DEM Tagebuch von Rooke Noir, erster Eintrag:


    Montag, 25.06.12


    Für jeden gibt es ein Ereignis, das er in Erinnerung behalten möchte, denke ich. Ich trage dieses Tagebuch nun schon seit geraumer Zeit mit mir herum, und doch sind seine Seiten blank. In Ermangelung von Erinnerungen, die das Interesse anderer wecken könnten, entschied ich mich, es leer zu lassen, doch nun scheint mir der Moment gekommen, an dem es mir nötig wird, mir etwas von der Seele zu schreiben.
    Ich beging eine Straftat – mehr noch – vielleicht sogar ein Verbrechen, das meine ganze Zukunft zerstört hat.
    (Bleistiftnotiz am Rande: »Oh, wie recht ich doch hatte!«)
    Bitte erwartet jedoch nichts Besonderes. Hier schreibe ich die Irrungen auf, in die sich ein Mädchen von siebzehn Jahren nun einmal irgendwann doch stürzen muss. Es wird langweilig und alltäglich, da bin ich mir sicher. Dennoch schreibe ich auf, was mir heute geschah, ganz einfach, weil ich irgendwie damit abschließen muss. Ich habe Fürchterliches getan und muss dafür die Verantwortung tragen.
    Irgendwie komme ich mir gerade merkwürdig vor, da ich schreibe, als würde ich mit jemandem reden oder erwarten, dass jemand dies hier liest. Doch ich käme mir vermutlich noch merkwürdiger vor, wenn ich nicht so schreiben würde. Insofern möchte ich dir, werte Person, die es irgendwann als nötig erachtet, in den persönlichen Schriften eines pubertierenden Mädchens herumzustöbern, mitteilen, dass ich dich dafür verachte, meine Privatsphäre nicht zu wahren – gleichwohl bitte ich darum, es nun doch zumindest zu Ende zu lesen, damit es sich für mich wenigstens gelohnt hat, etwas aufzuschreiben!
    Wie es sich für ein aktives zehnjähriges Mädchen gehört, habe ich vor sieben Jahren mein erstes Pokémon erhalten. Das hat mit den mir heute widerfahrenen Ereignissen nicht das geringste zu tun, dennoch möchte ich das loswerden. Ich bitte, das zu verzeihen. Seitdem wandere ich durch die Welt. Ich wuchs in Johto auf und stamme aus Anemonia City. Praktisch vollkommen abgeschieden vom Rest der Welt, auf einer kleinen, felsigen Insel, lernt ein jeder Anemonier früh, was es heißt, selbstständig und autark zu leben. Daher finde ich, dass Kinder aus dieser Stadt bereits mit sieben ihr erstes Pokémon erhalten sollten, nicht erst mit zehn.
    Und ja, ich denke, ich werde tatsächlich zuerst meine ganze Lebensgeschichte niederschreiben, bevor ich zum halbwegs spannenden Teil übergehe. Das liegt eventuell in meiner Natur als miese Sadistin, andererseits könnte es auch daran geschuldet sein, dass ich möglichst lückenlos erläutern will, warum ich handle, wie ich handle. Sucht euch den Grund aus, der euch besser gefällt.
    Wie auch immer, das einzige Überbleibsel, das mich an meine Heimat erinnert, ist mein treues Kingler, dem ich als Kind den Namen Blacking gab, da ich es aus Spaß gerne schwarz anmalte. Es ist das erste Pokémon, das ich jemals besaß, und somit auch mein treuster Freund.
    Erst mit dreizehn verließ ich meine Zuhause, als alle anderen bereits von dannen gezogen waren, da ich mich damit begnügte, meine Heimatinsel zu erforschen. Ich hatte nämlich in einem Kinderbuch von einem Pokémon namens Karippas gelesen, das sich an steinigen Wassergebieten aufhält. Ich hielt meine Heimatstadt für ideal und war der festen Überzeugung, es nach langer Suche dort irgendwann zu finden. Aus diesem Grund ist meine Kindheit auch so langweilig, weswegen ich darauf verzichte, sie breiter auszuführen.
    Damals war ich zwar nicht erfolgreich, doch auf meiner Suche traf ich mehrmals auf das Wasser-Pokémon Suicune. Ich studierte es und las, dass es sich um ein Wanderpokémon handelte und überaus selten sei.
    Das weckte in mir dann schließlich doch den Ehrgeiz und ich flüchtete von Zuhause, um mich überall auf die Suche nach den seltensten und merkwürdigsten Pokémon zu machen. Am Trainieren zeigte ich kaum Interesse. Ich lief durch die Wälder, legte mich tagelang auf die Lauer und meine Suche wurde gelegentlich tatsächlich entlohnt!
    Nachdem ich Johto zu einem größeren Teil abgesucht hatte, machte ich mich auf nach Kanto, doch hier verlief meine Wanderschaft weniger gründlich. Jetzt bin ich in Hoenn gelandet und versuche hier mein Glück. Denn ich hörte, das stärkste Drachen-Pokémon, das die Welt zu bieten habe, sei hier zu finden – Rayquaza! Momentan stellt es sich für mich als Schwierigkeit dar, ein solches Wesen im Zaum zu halten, denn abgesehen von der Tatsache, dass ich nur einen einzigen Orden besitze, den ich mehr durch Zufall gewann denn durch irgendetwas anderes, waren meine Pokémon zwar selten, aber deswegen nicht unbedingt in irgendeiner Weise von Nutzen.
    Vor zwei Tagen betrat ich den Dschungel. Ich hätte niemals erwartet, hier in Hoenn eine derartige Landschaft zu entdecken. Hier gefällt es mir! Dieses Gebiet, an dessen Ende sich Baumhausen ergießt, ist erstaunlich groß und tiefgründig. Es gibt nur einen Weg, den man bestreiten könnte, sodass sich vor mir, die sich ohnehin nur abseits der Wege durch die Gegend stiehlt, ein von Menschen unberührtes Biotop eröffnete, in dem es wohl Unmengen von bisher unbekannten Pokémon zu finden gab!
    Mein hauptsächliches Interesse galt allerdings etwas ganz anderem, von dem ich gerüchteweise in Wiesenflur gehört habe – ein vitaler Wanderer erzählte mir, er habe auf dem Weg nach Malvenfroh im Urwaldgebiet ein Dragoran entdeckt.
    Natürlich weckte das mein Interesse. Nur selten erreichte ein Pokémon in freier Wildbahn die dritte Evolutionsstufe. Da es dadurch praktisch sofort zum Spitzenprädatoren mutierte, kam es unter solchen oft zu Revierkämpfen, sodass sie sich selten wie jüngere Stufen in einer bestimmten Region aufhielten. Scheinbar war der Wächter eines Teils dieses Urwaldgebiets ebenjenes Dragoran.
    Und ich liebe Drachen. Sie sind das, wofür es sich wirklich zu kämpfen lohnt!
    Erst nachdem ich meine Reise begonnen hatte, fiel mir auf, dass keines meiner Pokémon wirksam einem Dragoran gegenüberstehen konnte – nicht einmal so lange, wie ich brauchte, einen Pokéball aus meiner Tasche zu kramen.
    Also bedurfte es einer List.
    Vom Regen völlig durchnässt streifte ich durch dieses überaus lebendige Gebiet. Lianen schlangen sich um die gewaltigen Bäume, deren Äste nicht selten in einem der vielen Ausläufe des sich durch alles hier schlängelnden Flusses ergossen. Oftmals huschten mit bedeutender Zielstrebigkeit Geradaks durch das Unterholz, doch ich konnte ihre Schritte nur schwer gegen das fortwährende Plätschern der Tropfen auf das üppige Dickicht der Umgebung ausmachen.
    Hier lebte die Wildnis! Ich lief einige Stunden umher, bis auf meine Unterwäsche durchnässt. Ich fragte mich, wozu ich überhaupt Stiefel und eine Windjacke angezogen hatte. Am liebsten hätte ich mich meiner schwer gewordenen Kleidung entledigt, denn bei den ekelhaften Temperaturen von rund 30 Grad machte es mir wenig Spaß, bei jedem Schritt Unmengen von Stoff gegen meinen Körper schmatzen zu fühlen.
    Letztendlich bin ich so etwas aber gewöhnt. Ich erinnerte mich an Eskapaden ins Strauchwerk der Safari-Zone, bei denen sich jedes erdenkliche Viehzeug unter meinen BH zwängte, oder an die kalten, feuchten Nächte in den Höhlen des Indigo-Plateaus. Immerhin brachten die mir ein imposantes Larvitar ein.
    Ich streifte durch das Buschwerk, das an fast jeder Stelle doppelt so hoch wie ich in die Luft thronte, sodass ich mich vollends auf mein Gehör verlassen musste. Irgendwann entdeckte ich so etwas wie eine Lichtung, das sich letztendlich als ein Teich entpuppte, der freie Sicht bis zum gegenüberliegenden Ufer erlaubte.
    Zeit für eine Pause, was bei mir praktisch immer hieß, mich auf Pirsch zu legen. Ich setzte mich so an den Rand des dichten Gestrüpps, dass ich den Teich überblicken konnte, ohne dass man mich zu schnell bemerken konnte. Meine dunkle, grüne Tarnkleidung half mir dabei, sodass ich mir, wenn ich still liegen blieb, keine allzu großen Sorgen wegen irgendetwas machen musste. Sicherheitshalber ließ ich eines der drei Pokémon frei, die ich auf die Suche mitgenommen hatte – mein Kokowei Dontuit. Seine kräftige Statur fügte sich direkt in die Atmosphäre des Teichs an, sodass es nicht wirklich auffiel. »Koko!«, rief es beglückt im Chor, als es den prasselnden Regen auf seinen Blättern spürte.
    Kokowei begegnete mir am See des Zorns – besser gesagt, ist es damals noch ein Owei gewesen. Da ich neben seltenen Pokémon natürlich auch nach Entwicklungssteinen Ausschau halte, fand ich nach einigen Monaten einen davon und konnte es zu einem Kokowei weiterentwickeln. Der Tatsache, dass ich nicht kämpfe, verdanke ich, dass ich zwar ein Kokowei besitze, es jedoch lächerlicherweise gerade mal Level siebzehn erreicht hat! Für meinen Ausflug in dieses Gebiet habe ich es mir dennoch ausgesucht, eben weil es sich so gut in dieser Umgebung macht.
    Es wusste, dass ich mich auf Pirsch befand, weswegen es auch nicht lange dauerte, bis Dontuit verstummte und regungslos wie eine Säule meinen Wächter spielte.
    Ich erwartete gar nicht, auf Dragoran zu treffen, ich wollte nur sichergehen, dass kein Kelch an mir vorbeirollte, während ich schlief. Immerhin gab es hier auch heimische Pokémon zu entdecken, von denen ich kein einziges verpassen wollte.
    Die Hitze und die durch die dichten Wolken verursachte Dunkelheit trugen, zusammen mit der Tatsache, dass ich auf dem Bauch am Boden zwischen zwei größeren Bambushalmgruppen lag, schnell dazu bei, dass ich ernsthaft ermüdete. Ich zwang mich einige Minuten lang, wach zu bleiben, doch irgendwann merkte ich, dass ich den Kampf verlieren würde und somit auch gleich aufgeben könnte.
    Doch was das angeht, spanne den Leser vermutlich auf eine zu lange Folter, denn nichts von alledem hat irgendetwas mit dem zu tun, das ich eigentlich niederschreiben wollte. Rückblickend frage ich mich, warum ich das alles überhaupt geschrieben habe. Ich hoffe, ihr könnt mir das nachsehen, immerhin habe ich hier niemanden zum Reden und es tut mir gut, einmal zu erzählen, was sich so alles bisher zugetragen hat. Seht das, was ihr bisher gelesen habt, doch als Probe an – als Test, ob ihr würdig seid, den folgenden Teil zu erfahren, oder nicht!
    Ich werde jetzt nicht ausführlich berichten, wie ich später an diesem Tag, als ich wieder aufwachte, ein überaus prächtiges Tropius fangen konnte, das gerade am Teich seinen Durst stillte. Das würde euch, wie ich glaube, auch nicht wirklich interessieren.
    Ich sehe mich selbst als aufrechten und netten Menschen an, als jemanden, der mit Tugend der Welt entgegentritt und für seine eigenen Taten einsteht. Ich bin ein junges Mädchen mit Weitblick und Verantwortungsbewusstsein, eine Person, die weiß, was richtig und was falsch ist.
    Und anstelle euch jetzt mit meiner Tropius-Fangaktion zu langweilen, erzähle ich viel lieber, wie es wenig später, in ebenjenem Dschungel dazu kam, dass ich einen anderen Trainer seines liebsten Pokémon beraubte – ohne schlechtes Gewissen. Letztendlich bringt es niemandem von uns etwas, gesetzeskonform zu leben, insofern glaube ich, dass dies ein Wink des Schicksals war, der mir aufzeigte, dass ich meine Ambitionen durch aufrechtes Handeln niemals in die Tat umsetzen würde. Meinetwegen könnt ihr mich für diese Ansicht hassen, denn wer auch immer dereinst einmal ein wahres Hassgefühl verspürt hat, wird es später um nichts in der Welt mehr missen wollen!

  • Also ich schreibe diesen Beitrag mit dem Handy; also bitte verzeih mir etwaige Fehler.


    Wow das Kapitel war ein richtiges Monster Kapitel; doch es wusste zu gefallen ;)
    Ich bin gespannt was das ganze nun mit dem ersten Teil zu tun hat und vor allem wieso die junge Trainerin so dem Bösen verfällt. Dein Schreibstil ist herrlich zu lesen!
    Fehler habe ich keine gefunden.


    Lg Laschoking

  • 2. BAUERNTAUSCH I



    AUS DEM Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung:


    Wie dem auch sei, ich denke, an dieser Stelle lohnt es sich, meinen Schreibstil ein wenig abzuwandeln, um von Innen heraus meine Erfahrungen zu schildern, ohne den lästig-trüben Deckmantel der bisher vergangenen Zeit.
    Ich brauchte tatsächlich rund eine Woche, bis mir die erste Sichtung des Dragoran gelang. Hierbei half mir vor allem mein neues Tropius, ein Pflanze-Flug-Pokémon, dessen Statur an ein windschnittiges, graphitbraunes Meganie erinnert. Sein langer, schlanker Hals endet in einem anmutigen Kopf und die enganliegenden, recht harten Blattpaletten auf seinem Torso und um seinen Kopf herum muten mit steter Zielstrebigkeit an einen Plattenpanzer eines stattlichen Ritters an. Davon lenken höchstens die Bananen, die aus seinem Kinn wachsen, und die libellenhaften Flügel aus vier riesigen Blättern ab. Ich taufte es also auf den Namen Fridge. Bitte denkt nicht schlecht von mir, im Namengeben bin ich eben einfach nicht besonders gut. Jedenfalls stellte die Tatsache, dass ich auf seinem Rücken fliegen konnte, einen vortrefflichen Vorzug dar, den ich um nichts in der Welt mehr missen wollte. Außerdem schmeckte es wirklich vorzüglich.
    Nachdem ich das Dragoran das erste Mal entdeckt hatte, heftete ich mich an seine Fersen und studierte sein Verhalten. Nach vier Tagen war der Moment der Entscheidung schließlich da.
    Ich robbte auf dem dicht bewachsenen Boden durch das Unterholz, unfähig etwas zu sehen außer den vielen dünnen Halmen, denen es die größte Freude bereitete, sich in meine Augäpfel zu bohren. Ich wusste genau, dass das Dragoran rund zwanzig Meter von mir entfernt auf der Suche nach etwas zu essen durch das Dickicht berserkerte. Ganz im Gegensatz zu mir scherte es sich nicht im Geringsten um das Ausmaß der Schädigung, die es anrichtete, während es durch den Urwald schlich.
    Dann erklang ein markerschütternder Schrei. Ich zuckte derart heftig zusammen, dass ich meine Schultern auf eine ekelhafte Art und Weise knacken hörte. Dann ein erneuter Schrei, diesmal jedoch tiefer und grollender, direkt neben mir. Ich konnte diesen zweiten Schrei eindeutig dem Dragoran zuordnen. Doch worauf war es da gestoßen?
    Ich hörte ein lautes Platschen und die Erde unter mir erbebte. Ich bekam es mit der Angst zu tun – im Grunde stellte diese Situation genau das dar, worauf ich gewartet hatte, doch in meiner jetzigen Lage lief ich Gefahr, zertreten zu werden.
    Erneut hörte ich Wasser tosen. Ich befand mich ganz in der Nähe des Flusses. Ob es sich beim Angreifer um ein Wasser-Pokémon handelte? Das verwirrte mich, denn ich hatte während der ganzen Zeit hier kein Pokémon gesehen, das es mit einem Dragoran aufnehmen konnte. Was um alles in der Welt war das?
    Die Schreie setzten sich in ohrenbetäubender Art und Weise fort, doch die des Widersachers meines Ziels klangen chorartig, fast singend. Laut und luftzerreißend, aber irgendwie melodisch.
    Unvermittelt brach eine Windhose über die ganze Umgebung ein, Gras und Sträucher wurden aus dem Boden gerissen und kaltes Nass prasselte gegen mein Gesicht. Der Kampf hatte begonnen.
    Ein Peitschen erklang, ein jaulender Schmerzensschrei. Ich hielt es nicht länger aus.
    Ich musste erfahren, was dort los war!
    Zitternd kroch ich ein wenig vom Ort des Geschehens weg, bis ich mich sicher genug fühlte, mich umzudrehen. Ich schleppte mich zu einem robusten Baum, klammerte mich fest und zog mich hoch – vorsichtig, denn ich wollte auf keinen Fall von diesen Urgewalten entdeckt werden.
    Was sich mir bot, war ein erschreckendes Schauspiel von unbändiger Schönheit. Wasser spritzte umher wie in Zeitlupe, denn die Trägheit der Massen, die diese zwei Wesen bewegten, setzte sich wie ein Bleimantel auf das kraterhafte Kampffeld, das sich die zwei geschaffen hatten. Schreie ertönten, als Pokémon aus dem ganzen umliegenden Gebiet flohen. Die Schlacht ging unaufhaltsam weiter.
    Zunächst konnte ich nur schwerlich einen Blick auf das Pokémon werfen, das sich dem Dragoran entgegengestellt hatte, da sich eine riesige, spritzende Wasserwand vor ihm erhob, doch mit der Zeit erkannte ich eine schlangenhafte – nein, aalartige! – Struktur. Ich sah einen beigefarbenen Körper, etwas imposanter als der eines Dragonirs, und lange, rote Hautlappen, die von seinem Kopf ausgingen und in verzerrender Gischt umhertanzten. Die Schönheit dieses Wesens überwältigte mich so sehr, dass ich erst nach minutenlangem Bestaunen dieses Spektakels wusste, worum es sich handelte: ein Milotic.
    Wie um alles in der Welt kam das hier her? Waren Milotic hier etwa sogar heimisch?
    Eins wusste ich: Egal, welcher Gigant diesen Kampf verlieren würde, danach würde er mir gehören! Ich griff in meine Tasche und fand nach einigem Herumkramen einen Pokéball. Wieder merkte ich, dass ich endlich Ordnung schaffen sollte, doch ich verschob es wie immer auf später.
    Der Kampf setzte sich noch lange fort. Mindestens eine Stunde lang rangen sie miteinander, bis das Milotic schließlich nach einem letzten Aufbäumen zurück ins Wasser fiel und verschwand.
    Das Dragoran hingegen fiel rücklings in das nun sumpfige Gebiet und regte sich nicht mehr. Wer hatte gewonnen?
    Letztendlich hatte das für mich keine große Bedeutung – das Dragoran war da, das Milotic nicht. Ich schlich mich an den Drachen heran, wusste aber, dass ich vorsichtig sein musste. Ein letzter Prankenhieb des Pokémon konnte mir durchaus das Leben aus den Rippen schlagen. Ich kroch also nah am Boden und am Rande des Kampffeldes weiter, um einen besseren Standpunkt zum Werfen des Pokéballs zu finden. Mein Herz klopfte so laut, das ich die Aderschläge in meinem Kopf spürte. Das geflügelte Wesen lag nicht in der Mitte, sondern am Rande der Böschung der verwüsteten Umgebung, sodass ich, als ich meinen Endpunkt erreicht hatte, noch zwanzig Meter vom Dragoran entfernt stand. Direkt neben mir erstreckte sich bereits der dichte Regenwald.
    Ich wartete einen Moment. War es erschöpft und am Ende oder ruhte es sich nur einen Moment lang aus? Ich wollte nicht riskieren, durch einen dummen Anfängerfehler meine Chance zu verpassen. Ich hatte zumindest vor, diesen Tag zu überleben.
    Warum hatte dieser Kampf überhaupt stattgefunden? Je mehr Zeit verging, desto mehr Wissen, das in meinem Kopf vergraben war, trat wieder zu Tage. Milotic und Dragoran – eigentlich sehr friedliebende Wesen – stellten sich nur unter besonderen Umständen einem Kampf. Es ergab jedoch Sinn, dass das Dragoran den Fluss als Revier einnehmen wollte, denn eigentlich lebten sie im Wasser. Zudem bestand die Möglichkeit, dass das Milotic eine Mutter war und deswegen so verbissen gekämpft hatte. Obwohl ich jetzt schon sehr lange nach seltenen Pokémon suchte, stellten sich mir derartige Rätsel jedoch immer wieder. Mir blieb nichts anderes übrig, als irgendwann zu akzeptieren, dass man nicht alles wissen kann – so ärgerlich das auch sein mag.
    Schließlich entschloss ich mich, den Pokéball endlich zu werfen. Ich stellte mich in eine sichere Standposition, sah mir den Pokéball vorsichtshalber nochmal an, denn ich wollte nicht versehentlich eins meiner Pokémon freilassen, und schmiss die Metallkugel dann gekonnt in einem hohen Bogen auf das Dragoran zu.
    Hier geschah es. Ein Jaulen übertönte das fade Rauschen des Regens, ein Rascheln im Gebüsch neben mir war zu hören, und dann überkam mich ein schneller Schatten. Direkt in die Flugbahn meines Balls sprang in mehreren Metern Höhe ein beigefarbenes, fellüberzogenes Etwas aus dem Dickicht. Ich erschrak fürchterlich und konnte meinen Augen kaum trauen, als es mit dem Ball zusammenstieß. Ein roter Lichtblitz zog das Wesen gnadenlos in den Ball hinein.
    Ich stand vor Schreck wie angewurzelt da, gebannt auf den wackelnden Pokéball starrend, der nun zwischen mir und dem Drachen auf dem Boden lag.
    Er wackelte. Und wackelte. Dann blieb er stehen. Ich hatte es gefangen.
    Währenddessen hatte das Dragoran seine Augen geöffnet und beobachtete mich. Langsam öffnete es den Mund. Ich war nicht gewillt, herauszufinden, ob es einen Hyperstrahl oder Feuerodem einsetzen wollte. So schnell wie möglich hetzte ich zum Pokéball, griff ihn und verschwand schnellstmöglich nach rechts ins Dickicht. Minutenlang rannte ich ohne Rücksicht auf irgendetwas einfach geradeaus.
    Schließlich knickte ich irgendwo mitten im Nichts zusammen. Noch immer hielt ich den Pokéball in meiner Hand. Ich keuchte und zitterte, meine Hand konnte den Ball kaum mehr halten, also entschied ich mich, das Pokémon herauszulassen.
    Ein Lichtblitz gellte auf, das Wesen saß vor mir und blickte mich mit angsterfüllten Augen an.
    Tatsächlich – ein Vulnona. Völlig durchnässt schüttelte es sich, ohne großen Erfolg. An seinem Hals klaffte eine große, frische Wunde, das Fell zeigte an vielen Stellen Abriebstellen auf, war ramponiert und von Schrammen und Kratzern übersät. Ich sah Beulen auf seinem Torso, vermutlich waren einige Rippen angeknackst. Was hatte dieses Pokémon nur hinter sich? Was hatte ein Vulnona überhaupt in einem Regenwald zu suchen?
    Dann sah ich etwas, das mir den Atem im Halse gefrieren ließ. Ich rutschte einen Meter zurück und knallte mit dem Kopf gegen einen harten, großen Bambushalm. Mir wurde schwindelig, ich spürte, wie sich meine Nackenhaare mit einem ekelhaften Schauer aufstellten und fühlte mich, als würden meine Schultern an den Seiten meines Körpers hinunterfließen.
    Das Vulnona trug ein Halsband. Ich hatte ein Trainer-Pokémon gefangen.





    @Laschoking vielen Dank für deine Kommentare =) Freut mich, dass es dir bis jetzt gefällt! ^^

  • Wieder ein tolles Kaptiel, dein Schreibstil gefällt mir wirklich unglaublich gut und auch die Handlung deiner Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen.
    Fehler habe ich wieder keine gefunden, dafür habe ich allerdings eine kleine Frage:

    Zitat

    Jedenfalls stellte die Tatsache, dass ich auf seinem Rücken fliegen konnte, einen vortrefflichen Vorzug dar, den ich um nichts in der Welt mehr missen wollte. Außerdem schmeckte es wirklich vorzüglich.


    Hat sie das Tropius gegessen? :verwirrt:
    Auf jeden Fall wirklich spannend das Kapitel, woher hat das Vulnona die Verletzungen? Wieso kämpften Dragoran und Milotic? Was hat dies alles mit der Eröffnung zu tun?
    Bin wirklich sehr gespannt wie es weitergeht. Freue mich auf die nächsten Kapitel
    Lg Laschoking

  • 3. BAUERNTAUSCH II


    AUS DEM Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung


    Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Es zurückgeben schien die einzige Möglichkeit, doch es graute mir vor dem Gespräch. Wie sollte ich mich erklären? Ein fremdes Pokémon zu stehlen stellte ein schweres Vergehen dar und ich fürchtete mich davor. Doch ich hatte keine Wahl. Ich würde den Trainer suchen müssen.
    Ich ließ das Pokémon zurück in seinen Ball und richtete mich wackelig auf. Gerade als ich orientierungslos loslaufen wollte, blitzte es vor mir hell auf und ein Simsala stand vor mir.
    »Basilias!«, rief ich. Ich hatte ihn als Kind kennen gelernt und damals gefangen, doch das Psycho-Pokémon gehorchte mir nicht. Mein Pokédex bestimmte sein Level auf 71 – damit war es eines der stärksten Pokémon von ganz Hoenn! Ich warte immer noch auf den Tag, an dem es beginnt, meinen Befehlen zu gehorchen – dann würde ich seine Teleportfähigkeit sofort nutzen, alle seltenen Pokémon der ganzen Welt zu fangen!
    »Was ist denn mit dir passiert?«, fragte das Simsala und schritt auf mich zu. Basilias war einer meiner treusten Freunde, doch leider kümmerte er sich wenig um mich. Man könnte erwarten, dass er ein Schutzengel wäre, doch leider stimmte das ganz und gar nicht. Manchmal wusste das Psycho-Pokémon sogar ganz genau, dass ich mich in größten Schwierigkeiten befand, ohne etwas zu tun oder mir zu helfen. Einmal wäre ich fast gestorben, als ich von einem Aerodactyl angegriffen wurde. Beide Beine brach es mir, als es mich zu seinem Nest schleppen wollte, und als ich mich von ihm losgerissen hatte, verursachte der Sturz eine Lungenquetschung, einen offenen Armbruch und mehrere gebrochene Rippen.
    Einige Wochen später besuchte Basilias mich im Krankenhaus.
    Ich wusste nicht, was das Simsala tat, doch zumindest schien es während seiner Abwesenheit an irgendetwas Wichtigem zu arbeiten. Simsala sind immerhin die intelligentesten Pokémon der Region. Und Basilias ist zudem gesegnet mit einer Weisheit und Ruhe, wie ich sie noch bei niemand anderem erlebt hatte. Es lebte schon seit Jahrhunderten, und das merkte man seinem zottigen, gelblichen Schnurrhaar deutlich an.
    »Ich habe …«, begann ich, doch ich konnte nicht die richtigen Worte finden, um meine Situation zu beschreiben. Ich sackte wieder zu Boden. Schnell eilte Basilias auf mich zu, und zur Erklärung ließ ich das Vulnona frei.
    Er sah es sich eine kurze Zeit lang an und beäugte mich dann misstrauisch. Daraufhin begann ich zu erzählen, wie ich in den Besitz dieses Pokémon gekommen war. Verständnisvoll nickte er während meiner Schilderungen, bis ich geendet hatte.
    »Ich werde es zurückgeben, sobald ich den Trainer gefunden habe«, kündigte ich an.
    »Diesem Vulnona geht es nicht besonders gut«, sagte Basilias nach einer kurzen Pause und sah das verängstigte Wesen an. Ich verstand das als eine Aufforderung, es in den Ball zurückzuverfrachten.
    »Es ist nicht möglich, Trainer-Pokémon zu fangen«, bemerkte das Simsala. »So etwas geht nicht.«
    »Wie bitte? Aber das Halsband …«
    »Ein Trainer-Pokémon wird sich mit aller Kraft dagegen wehren, von einem fremden Ball gefangen zu werden – noch viel mehr, als ein wildes.«
    »Das ist mir schon klar, aber hast du nicht gesehen, wie fertig es aussieht? Es ist am Ende. Es konnte womöglich einfach nicht mehr kämpfen.«
    »Nein«, antwortete Basilias, »Die Bindung zwischen einem Pokémon und seinem Trainer ist so stark wie der Zusammenhang von Zeit und Raum. Du kannst sie nicht zerbrechen, indem du das Pokémon erst schwächst und dann einen Pokéball wirfst.«
    »Was willst du mir damit sagen?«, fragte ich und griff mit beiden Händen in den Matsch neben mir.
    »Dieses Pokémon wollte nicht länger seinem alten Herren gehören. Ob es nun zufällig in deinen Ball sprang oder es absichtlich tat – als es in deinem Ball gefangen auf dem Boden lag, hat es eine Entscheidung getroffen, die zu Ungunsten seines alten Trainers ausfiel.«
    Ich quetschte abwesend den Dreck wieder aus meinen Händen.
    »Doch ich kann mir keinen Grund vorstellen, weswegen dieses Pokémon seinen Trainer verraten haben sollte.«
    Es schwindelte mir. Dieser Trainer hat es getan. Er hatte das Vulnona so zugerichtet.
    »Es ist vor ihm geflohen!«, rief ich. Meine Stimme klang ungewollt schrill.
    »Ich weiß nicht, was passiert ist, doch ich vermag mir kaum die Torturen vorstellen, die ein Trainer seinem Pokémon zufügen muss, damit es ihn verlässt. Es ist, auch wenn man dies wohl verabscheuen sollte, bei manchen Trainern gängige Praxis, Pokémon gewaltsam zu bestrafen, da kommen auch derartige Verwundungen vor, allerdings ist das selten ein Grund für ein Pokémon, vor seinem Trainer zu fliehen. Dafür ist das Band einfach zu stark. Sie suchen den Fehler fast immer in sich selbst und nicht in den Menschen, die sie auf solch schreckliche Art und Weise behandeln.«
    »Aber das ergibt doch keinen Sinn«, gab ich verunsichert zurück. »Also … entweder, das Vulnona ist kein Trainer-Pokémon, oder der ehemalige Trainer hat es so schwer misshandelt, dass es sich hat fangen lassen, um ihm zu entkommen – obwohl das so gut wie niemals passiert?«
    Basilias antwortete nicht, und das deutete ich als Zustimmung.
    Resigniert lehnte ich mich an. Ich leckte an meinen nassen Lippen und schmeckte Salz. Das Regenwasser hatte sich mit meinem Schweiß vermischt und floss nun an mir hinunter. Wie gern ich einfach in ein Becken eiskalten Wassers gesprungen wäre!
    »Na gut«, sagte ich nach einigen Minuten, in denen mein Kopf vollkommen leer gewesen war, »Ich behalte es.«
    Ich nahm den Pokéball heraus und ließ das Vulnona frei. Von sehnsüchtiger Traurigkeit ergriffene Augen blickten mich an, als ich mich zum Feuer-Pokémon herüberbeugte und es sanft streichelte. Mein Blick fiel auf das Halsband, das einen verschnörkelten Schriftzug mit dem Namen »Pawn« trug. »So heißt du also«, flüsterte ich. »Pawn.«
    Es schüttelte sich leicht, als ich das Wort aussprach, doch dann rieb es seinen Kopf sanft gegen meine Wange.


    Einige Zeit später verließ uns Basilias schon wieder und ich nahm Pawn zurück in seinen Pokéball, damit es sich ausruhen konnte. Dann entschied ich mich, schnellstmöglich zum nächsten Pokémon-Center zu gehen, doch vorerst musste ich schlafen. Auf der Suche nach dem Dragoran hatte ich die ganze Nacht nicht gerastet. Das machte sich jetzt bemerkbar – doch zuvor habe ich mir erst einen halbwegs trockenen Platz in der riesigen Faulhöhlung am Fuß eines gewaltigen Baums gesucht. Und seitdem sitze ich hier und tue etwas, das ich noch nie getan habe. Ich reihe seit über zwei Stunden Satz um Satz aneinander, in der Hoffnung, dass dabei etwas entsteht, auf das ich später zurückgreifen kann.
    Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich aus dieser Situation wieder herauskommen kann. Was habe ich für eine Wahl? In einem Jahr ist alles vergessen, hoffe ich. Dann laufe ich mit Pawn durch die Ebenen und verschwende keinen Gedanken mehr an diese Nacht im Regenwald!
    (Nachträgliche Bleistiftnotiz am Rande: »Warum kann ich diese Stelle nicht ohne Tränen in den Augen lesen? Wenn ich doch damals alles gewusst hätte!«)
    Ende der Eintragung


    *


    Dr. Vanker beschäftigte sich gerade im Büro mit einer Reihe von Signifikanztests, als es an seiner Tür pochte. Er drehte sich überflüssigerweise um und sah zur Quelle des Geräuschs, bis er rief: »Kommen Sie herein!«
    Die Tür öffnete sich.
    »Entschuldigen Sie, es gibt da ein Problem im Labor.«
    »›Es gibt da ein Problem‹ ist keine Floskel, mit der Sie ihrem Vorgesetzten begegnen sollten.«
    Der junge Mann in der Tür blickte verlegen zu Boden und schien sich ein Grinsen zu verkneifen. Von allen Angestellten an dieser Forschungseinrichtung konnte man ihn als den offensten bezeichnen, als den einzigen, der dem Leben gegenüber noch eine halbwegs bejahende Einstellung hatte.
    »Sie haben recht«, antwortete er, »doch die Fehlerrate liegt höher als von ihnen berechnet – und das bei einer Versuchsstärke von vierundfünfzig. Würden Sie den Aufbau überprüfen?«
    Der ältere Herr am Schreibtisch seufzte still. »Ist gut, Hetman, ich bin gleich da. Stellen Sie die Versuche vorerst ein.«
    Der Mann drehte sich flugs um und schloss hinter sich die Tür. Dr. Vanker streckte sich ausgiebig, um sich dann zum Tisch zurückzudrehen und den Test zu Ende zu führen, den er vor der Unterbrechung begonnen hatte. Plötzlich, für den Bruchteil einer Sekunde, flimmerte es vor seinen Augen. Er brauchte einen kurzen Moment, um zu verstehen, was geschehen war, dann bemerkte er, wie vor seinem Bürofenster ein riesiges Tauboss wild mit den Flügeln schlug, um sich und seine Reiterin schnellstmöglich aus dem Blickfeld des Wissenschaftlers zu begeben. Offenbar hielt sie diesen lächerlichen Versuch für erfolgreich, denn das Mädchen auf dem Flug-Pokémon beobachtete Dr. Vanker noch immer. Schnell betätigte er den stillen Alarmknopf unter seinem Tisch. Dann blickte er die Reiterin unverhohlen an. Diese Zeit nutzte er, um sich ihr Gesicht einzuprägen. Außerdem wollte er durch einen lauten Alarm nicht verursachen, dass sie mehr mitbekam, als sie sollte. Die anderen Abteilungen sollten lediglich vorsichtig sein. Als sie endlich merkte, dass sie erwischt worden war, drehte sie auf der Stelle um und segelte davon.
    Dr. Vanker schüttelte verständnislos den Kopf, stand auf und ging hinunter in die Labore.


    *


    »Hallo Ratsu!«
    »Ich glaube heute ist wirklich nicht mein Tag«, rief das Mädchen gegen das Tosen des Windes an. Ihr Tauboss flog sehr schnell von der Wetterforschungsstation Baumhausens weg, sie wollte das Risiko vermindern, verfolgt zu werden, allerdings glaubte sie ohnehin nicht, dass jemand das tun würde.
    »Was hast du schon wieder angerichtet?«
    Ratsu machte einen Schmollmund, den ihr Bruder natürlich nicht sehen konnte. »Gar nichts. Ich habe mir nur die Labore von außen angesehen, jemand hat mich bemerkt. Was soll's.«
    Sie wusste ganz genau, dass ihr Bruder das nicht besonders gerne hörte, doch er riss sich zusammen.
    »Ist okay. Hast du was entdeckt?«
    »Nicht viel. Ich habe jemanden erkannt, der dort scheinbar ein großes Tier ist. Meine Infos sagen, es ist dieser Psychologe Vanker. Er hat mich auch gesehen.«
    »Also wissen sie, dass es uns gibt, und sie wissen, dass wir wissen, dass es sie gibt. Ein fairer Abtausch. Zumindest haben wir eine neue Spur, mir geht das langsam auf die Nerven.«
    »Schon richtig.« Ihr Tauboss tauchte ab, um einem Schwarm Ibitak auszuweichen. Ratsu musste sich mit beiden Händen festhalten, dann legte sie den Hörer wieder ans Ohr. »Noch was, Biskup. Ich weiß, das wird dich nicht begeistern, aber … Nun, Senpha hat versehentlich ein wildes Dragoran angegriffen.« Sie hörte Zähne knirschen, dann fuhr sie fort: »Ich weiß. Ich war in der Zeit einer verdächtigen Person auf den Fersen und habe ihr gesagt, was für Pokémon der Kerl vermutlich mit sich führt. Wer kann schon ahnen, dass ein wildes Dragoran in Route 119 auftaucht? Wie auch immer, ich bin jetzt auf den Weg nach Malvenfroh City, ich muss das Stromwerk überprüfen, dort hat sich eine Schwesterfirma der Wetterstation eingenistet. Der nächste, der mir weismachen will, dass Privatisierung etwas Gutes ist, dem schlage ich mit meiner Faust höchstpersönlich in die Fr-«
    »Ja, schon gut«, unterbrach sie ihr Bruder. »Ich kenne deine Meinung. Ich rate dir, die Sache mit deinem Milotic unter Kontrolle zu kriegen. Es ist außerordentlich selten, dass ein Dragoran seine Heimat verlässt, das letzte, das es brauchen kann, ist das, was es dir zu verdanken hat. Ist dir eigentlich klar, was das für einen Eingriff darstellt?! Nun, du arbeitest zwar noch nicht sehr lange bei uns, aber …«
    Ratsu legte auf. Natürlich wusste sie, was das für einen Eingriff darstellte! Als sie gemerkt hatte, dass das Dragoran besitzerlos gewesen war, hatte sie einen eiskalten Schauer an ihrem Rücken herunterrollen gespürt. Es war immerhin nicht so, als hätte sie das absichtlich getan, und überhaupt, ihr Milotic Senpha trug nun wirklich keine Schuld daran. Wütend verstaute sie ihr PokéCom in ihrer Tasche. Es tat ihr alles andere als gut, geladen erneut eine stille Operation durchzuführen, doch das ließ sich jetzt nicht mehr ändern. Sie schmiegte sich an den Hals ihres Tauboss, das den Namen Raphael trug, und streichelte durch seine Mähne, in der Hoffnung, das könnte sie beruhigen.


    Seine Hände klammerten sich an die großen, von ledriger Haut umschlossenen Schwingen des grauen Urzeit-Pokémon, auf dessen Rücken sich Biskup geschwungen hatte, nachdem seine Schwester Ratsu das Gespräch zwischen ihnen unsanft beendet hatte. Er war ihr Verhalten gewohnt. Ratsu war energiegeladen, jung und aufbrausend. Während er in diesem Jahr zweiundzwanzig werden würde, war sie erst neunzehn. Dennoch machte sie sich als Agentin der Naturschutzbehörde gut, bei der sie nun seit ihrer Volljährigkeit arbeitete – neben ihrem Studium. Ihr Bruder sollte sich um sie kümmern, da er schon viel Erfahrung mit der Arbeit in diesem Gebiet sammeln konnte – denn nachdem er frühzeitig mit sechzehn die Schule abgebrochen hatte, fing er bei den Naturschützern an.
    Biskup ärgerte das unwachsame Verhalten seiner Schwester. Vor einem Jahr hatte er die fünfjährige Ausbildung zum Naturschützer beendet, die vom Schwierigkeitsgrad und von der Anerkennung her ungefähr so hoch wie ein Masterstudiengang gestellt war. Nun befand er sich auf dem Weg zur Route 119, nachdem er in Bad Lavastadt einigen Hinweisen nachgegangen war. Doch jetzt musste er sich erst einmal mit dem Eingriff seiner Schwester befassen. Ob sich das Dragoran noch in freier Wildbahn befand?
    Auch wenn das mit seinem eigentlichen Auftrag nicht das Geringste zu tun hatte, so hämmerte ihm trotzdem das im Schädel, was er bei seiner Ausbildung gelernt hatte. Schlimm genug war es, dass Wilderer und Pokémonfänger kaum irgendwelchen Regeln unterlagen, da musste es die Naturschutzbehörde nicht selber schlimmer machen. Ein Pokémon-Trainer war kaum an Restriktionen gebunden, was das Fangen von Pokémon anging, selbst vor den seltensten Arten schreckten sie nicht zurück. Warum verwunderte es die Leute dann, dass es von den ohnehin schon raren Pokémon kaum mehr welche gab?
    Nach rund zwei Stunden Flugzeit erstreckte sich das wolkenverhangene Regenwaldgebiet unter ihm, das er nach dem Fluss absuchte, an dem der Kampf stattgefunden haben sollte. In der Zwischenzeit hatte ihm seine Schwester die Positionsdaten des Kampfes gesendet.
    »Dann wollten wir mal«, sprach er zu sich selbst und gab seinem Aerodactyl den Befehl, tiefer zu fliegen.


    *


    Aus dem Tagebuch von Rooke Noir, zweiter Eintrag

    Mittwoch, 27.06.12


    Die Kette an erschütternden Ereignissen, die ich gerade durchlaufe, ist noch nicht abgebrochen. Doch lasst mich von vorn beginnen.
    Am frühen Morgen des vorgestrigen Tages – um ungefähr fünf Uhr – fing ich ein Vulnona, das mir nicht gehörte.
    Als ich wieder aufwachte, machte ich mich sofort auf den Weg in den Norden, zu einem Pokémon Center. Einer der wenigen regenlosen Tage auf Route 119 war angebrochen, sodass meine Reise nur vom bleiernen, dumpf drückenden Gefühl in meiner Magengegend gestört wurde, das sich nun wie ein Schatten auf meine ganze Reise gelegt hatte.
    Nach ein paar Stunden Wanderung legte ich mich eine Weile hin. Ich hatte mich dagegen entschieden, auf Fridge in die Luft zu steigen, da ich mich nicht in der Lage sah, zu fliegen - dies erforderte immerhin einiges an Konzentration, vor allem deswegen, weil ich mein Tropius noch nicht allzu lange kannte. Die kräftige Sommersonne stach durch das hohe Gras und kitzelte mein Gesicht. Noch immer klagte meine Haut, denn das Wasser triefte durch jede Faser meiner Kleidung. Wie sollte das auch besser werden, wenn ich fortwährend durch das taufeuchte Grün und den zermatschten Boden stapfte?
    Trotzdem brauchte ich Abwechslung, weswegen ich mir einen guten Teil meiner Klamotten auszog, um mich zu sonnen. Das Licht gab mir Kraft und reichte fast aus, um meine Laune etwas zu heben. Ab und zu stach sich ein unbeholfen herunterziehendes Gefühl in meine Eingeweide, wenn ich an das Vulnona denken musste.
    Irgendwann merkte ich, dass es nichts nützen würde, so herumzuliegen, also ließ ich das Vulnona frei, um zu sehen wie es ihm ging. Wie zu erwarten gewesen war, sahen die Wunden kaum weniger schlimm aus als am Vortag, doch das Feuer-Pokémon schien emotional in einer besseren Verfassung zu sein. Ich streichelte es, bis mir der Gedanke kam, nach Nahrung für Pawn zu suchen. Ich stand auf und blickte mich um, doch in näherer Umgebung konnte ich keine Beerensträucher erkennen. Ich wollte das Vulnona bei diesem schönen Wetter nicht in den Ball zurückbefördern, doch mit mir mitkommen konnte es in diesem unwegsamen Gelände auch nicht, also ließ ich mein Tropius und auch mein Kokowei Dontuit frei, damit sie auf Pawn aufpassen konnten.
    Erst jetzt fiel mir auf, dass dem braunen Tropen-Pokémon ja Bananen am Hals wuchsen, und prompt entschied ich mich, sie an Pawn zu verfüttern. Es zeigte sich von meinen Versuchen die letzten Bananen von seinem Hals zu reißen nicht besonders beeindruckt, sodass ich mit ihm ringen musste, bis es welche abgab. Lachend reichte ich dem Vulnona eine der Früchte, allerdings merkte ich, dass sie nicht ausreichten, um ihren Hunger zu stillen. Außerdem waren die anderen beiden nun auch hungrig geworden, also entschied ich mich, doch noch nach Beeren zu suchen.
    Ich lief einige Schritte, dann blickte ich zurück. Ob ich mich wieder anziehen sollte? So tief im Herzen des Urwalds lungerten ohnehin keine anderen Personen herum.
    Nach einigem Hin und Her überwiegte mein Schamgefühl und ich kleidete mich schweren Herzens wieder an. Es würde sich schon irgendwann eine Gelegenheit finden, braun zu werden!
    Rückblickend kann ich mir selbst nur tausendfach dafür danken, diese Entscheidung getroffen zu haben, alles andere hätte mir wohl kaum gutgetan.






  • [tabmenu][tab='x'] Na, du?
    Hier kommt endlich mein Kommentar (viel Zeit, kein Internet ...).
    Bli, bla, blub ... ich fang denn mal an.
    [tab='Startpost'] Hübsch, hübsch!
    Die Überschrift ist zweimal vorhanden, das stört meiner Meinung nach ein bisschen.
    Wenn du das Überschrifttfeld freilässt, müsste bloß noch die große Überschrift da sein.
    Bei mir hats geklappt.
    Der Klappentext ist schön.
    Bei der Kapitelübersicht sehen diese Striche irgendwie doof aus.
    Deine Signatur (die ich jetzt einfach mal zum Startpost dazuzähle) gefällt mir auch.
    Und deine Geschichte spielt in Hoenn, genau wie meine. Yey!


    [tab='Prolog']
    Wissen und Glück? Ist beides allein doof.Wenn man alles weiß, kann man ja gar nichts mehr entdecken.
    Und dann hat man ja gar nichts mehr zu tun! Wenn man nur glücklich ist, fehlt irgendwie die Würze.
    Man weiß ja quasi nicht, dass man glücklich ist. Und ein wenig Traurigkeit und Wut hat ja noch
    niemandem geschadet. Diese Bittersüßität ...
    Die Namen der Beiden haben einen schönen Klang. Basilias klingt ein wenig wie Basilikum ...
    U nd dieser Kampf, den die Beiden austragen ...
    MOMENT! Hält er etwa das Gleichgewicht der Welt imstande?
    (Stand zwar nicht in den Notizen, aber spontane Einfälle MÜSSEN einfach festgehalten werden ...)
    Wo waren wir stehengeblieben? Ach stimmt.
    Enes Tages werde ich Schach wohl auch lernen. Dass Basilius eine neue Taktik anwendet, ist höchst interessant.
    Wird der Kampf sich bald zu Basilias Gunsten wenden? Werden die Leute alle bloß noch als
    glückstrunkene Zombies rumlaufen? Gruselig.
    [tab='Kapi I']Der Name der Tagebuchschreiberin, Noir, schwarz ...
    Schwarze Dame (oder war es Königin?) ...
    Und es ist schon sooo lange her, dass sie das geschrieben hat? Stimmt, nach was orientiert sich eigentlich
    die Zeitrechnung der Pokewelt?
    Die Bleistiftnotiz ist natürlich rätselhaft und so und sie lässt Großes erwarten.
    Und die Stelle, an der sie den Privatsachenblubb schreibt, ist fies! Schließlich hat uns
    eine gewisse Frucht den Text vorgesetzt.
    Ja ja, die ein-Orden-Geschichte ... Ich fand sie schon immer total unlogisch.
    Wieso sollten Pokemon wegen einem doofen Stück Metall auf dich hören?
    Und wie haben die Trainer das gemacht, als es noch keine Orden gab?
    [tab='Kapi II'] Ist Bauerntausch wohl auch eine Besondere Taktik?
    Bevor ich Kapi III gelesen habe, hat mich das mit dem Trainerpokemon fangen verwirrt.
    Und diese Schilderung von Milotic ... ich würde es gern mal sehen ...
    [Tab='Kapi III'] Sie hat BASILIAS gefangen??? Hat der irgendwie grad nicht aufgepasst oder so?
    Und sie ist mit ihm befreundet ... Ob er wohl die schwarzen Schachfiguren bevorzugt?
    Der Name Pawn gefällt mir. Hört sich an wie eine Fusion von Pain und Dawn ...
    Der Schmerz der Morgendämmerung ...
    EDIT: Pawn heißt Bauer. Aha ... ich verstehe die Überschrift! Pawn wird getauscht ... ein Bauerntausch!
    Zur Bleistiftnotiz am Rande kann ich bloß wieder ein 'Aha' abgeben.
    Dieser Naturschützer ist so gut wie ein Master ... ich nehme an, das ist gut.
    Aber gegen wen kämpfen die Naturschützer bloß? Irgendwo war vom Klimainstitut die Rede ...
    aber die erforschen doch bloß das Wetter (und Formeo), oder? Wir werden sehen ...
    Tut es dem Tropius etwa nicht weh, wenn ihm die Bananen abgerissen werden?
    Gerade eine Mitfrucht sollte an sowas denken ... [tab='Fehler']

    Zitat

    die intelligentesten Pokémon, der Region.

    Kein Komma nötig.

    Zitat

    verschwende keinen gedanken mehr an diese Nacht im Regenwald!

    Nomen ... großschreiben ...


    Sind beide aus Kapi III


    Also entweder machst du kaum Fehler oder ich muss noch genauer rübergehen ...[tab='Blubb ...']
    Tja, du hast einen guten Schreibstil, deine Art zu unterstreichen ist cool ...
    Du hast auf jeden Fall eine Leserin (und eventuell auch Kommentatorin) mehr!
    Und ich hoffe, dass der/das Kommi dir irgendwie helfen konnte ...


    lg, Apollonia[/tabmenu]

  • So nun zu Kapitel 3 : :)


    [tabmenu][tab=+].[tab=Postivies]
    Mir gefällt dein Schreibstil weiterhin sehr gut und auch das neue Kapitel ist wieder wunderbar gut geschrieben.
    Außerdem haben deine Kapitel wirklich eine passable Länge, die trotzdem nicht abschreckt ^^
    [tab=Plot]
    So also nun hat Rooke Noir also Basilias gefangen, da stellt sich die Frage wie und ob das Simsala nicht freiwillig gefangen werden wollte.
    Ob wohl Gengar auch einen Trainer hat? Und wer das wohl ist? ^^
    Gut im neuen Kapitel lässt du viele neue Personen auftreten und löst offene Fragen auf. Also war das Milotic kein Zufall.
    Dann gibts da noch die Naturschützer und das Klimainstitut, doch ob die nicht beide ein bisschen Dreck am Stecken haben...
    Obwohl du einige Dinge auflöst, bleiben mir nach dem Kapitel viel mehr Fragen als vorher. Ich bekomme wieder eine reisen Lust auf Kapitel 4.
    Ich verstehe außerdem nicht ganz die Logik hinter Noirs Handlungen: Sie hat ein Simsala das ihr nicht gehorcht will aber trotzdem ein Dragoran fangen. Obwohl es auch nicht gehorchen würde. Achja Basilias ist herzlos, wollte das arme Mädchen einfach sterben lassen. Ihm wars egal...
    Naja, mehr fällt mir gerade nicht ein. Ich hoffe meine Kritik und vor allem mein Lob helfen dir und motivieren dich auch.


    Freue mich schon auf Kapitel 4 ~ Laschoking Laschoking





    [/tabmenu]

  • 4. BAUERNTAUSCH III


    AUS DEM Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung:


    Während ich durch das nasse Unterholz lief, erkannte ich im Augenwinkel so einige Beerensträucher, doch an denen hatten sich die wildlebenden Pokémon entweder bereits bedient oder die Früchte waren schon verfault. Ich hörte es leise rauschen. Offenbar näherte ich mich dem Fluss, der sich unermüdlich durch die Route schnitt. Ich erkannte einige Trampelpfade und merkte, dass der Hauptweg nicht mehr allzu weit entfernt war. Das stimmte mich fröhlich, denn dort würde man das Pokémon Center definitiv leichter erreichen können. Ich entschloss, nach meiner Rückkehr mit Tropius hierher zu fliegen – eine so kurze Distanz würde ich vermutlich verkraften können, um dann weiterzuwandern.
    Dann fiel mir ein, dass es ja an Wegesrändern nahezu immer Beeren zu pflücken gab, da vorausblickende Trainer und auch die Stadtverwaltungen dort regelmäßig schnell wachsende Stauden anpflanzten.
    Nach wenigen Minuten stand ich vor einigen üppigen, reifen Pirsifbeeren und machte mich prompt daran, sie in meinen Rucksack zu stopfen und selbst zu verdrücken. Ich wusste, dass sich auf der anderen Seite des Beerenbuschwerks, in dem ich mich befand, der Hauptweg entlang zog. Das Feld war ziemlich groß und überall standen verschiedene Sträucher. Hier hatte sich jemand deutlich Arbeit gemacht! Ich verspürte dieser Person gegenüber großen Dank, obgleich ich wohl niemals erfahren würde, wer sie war.
    Irgendwann fiel mir eine merkwürdige Beere an einem Strauch voller silberfarbener Blätter auf. Auf den ersten Blick hielt ich sie für eine verfaulte Tronzibeere, doch diese merkwürdige Pflanze trug noch eine weitere Beere, die genauso aussah. Als ich sie näher betrachtete, bemerkte ich, dass die schwarz-weiße Musterung auf ihr deutliche Ähnlichkeit mit einem Fragezeichen aufwies.
    Eine solche Beere war mir noch niemals untergekommen, doch kurz bevor ich sie pflücken konnte, fiel mir ein deutlich roter Fleck im Strauch neben ihr auf: Ich konnte meinen Augen kaum glauben – das war doch eine Chilianbeere, eine der seltensten Beeren überhaupt! Ich sah sie mir näher an – kein Zweifel, ein roter Ball tauchte in einer zu einem Viertel geöffneten, dünnen, grünen Hülse auf, die von der Form her einem umgedrehten Tropfen glich.
    Drauf und dran sie zu pflücken, erschrak ich plötzlich fürchterlich, als ich direkt vor mir ein lautes Rascheln vernahm. Instinktiv griff ich nach meiner Tasche und suchte nach einem meiner Pokébälle, nur um verzweifelt festzustellen, dass ich sie in meinem improvisierten Lager vergessen hatte.
    Eine Hand schob die Sträucher beiseite, daraufhin erschien ein freundliches Gesicht.
    »Dachte ich’s mir doch, dass ich hier drin jemanden gehört habe!«, rief die Gestalt mit einer recht dunklen, voluminösen Stimme aus, die an einen gut gespielten Kontrabass erinnerte. Der junge Mann lächelte mich an. »Das hier sind meine Beeren! Ich habe ja nichts dagegen, wenn jemand die äußeren pflückt, aber die hier drin sind ungeheuer selten. Ich würde dich bitten, sie in Ruhe zu lassen!«
    Nachdem ich meine anfängliche Überraschung ausgestanden hatte, regten sich Frust und Wut in mir. Wenn dieser Kerl persönliche Beeren hat, dann soll er die gefälligst auf seinem eigenen Grundstück pflanzen, aber nicht am Hauptweg!
    Sein ruhiges Lächeln hielt mich allerdings davon ab, ihm das ins Gesicht zu sagen. »Tut mir leid«, sagte ich. »Ich bin schon fertig, wollte gerade gehen.«
    Ich wandte mich um, dann spürte ich, wie mich eine Hand zurückhielt. Das fühlte sich deutlich unangenehm an, da ich es nicht erwartet hatte, und außerdem kannte ich diese Person überhaupt nicht, also schlug ich reflexartig aus und gab ihm eine Ohrfeige.
    Er rieb sich gelassen die Wange mit der Hand, die gerade eben noch auf meiner Schulter gelegen hatte, lächelte immer noch, wahrte jetzt aber einen ausreichenden Abstand. »Es tut mir leid«, sagte er verlegen, ohne Blickkontakt zu halten. »Wofür brauchst du die Beeren? Willst du deinen Vorrat aufstocken?«
    Offensichtlich fühlte er sich von meinem Auftreten angezogen, anders konnte ich mir nicht erklären, warum er immer noch mit mir sprach. »Ich habe ein verletztes Pokémon im Wald.«
    Er blickte auf. Als ob ihm etwas eingefallen wäre, fasste er sich kurz mit einem Kopfschütteln an die Stirn, dann streckte er seine Hand aus.
    »Ich bin Pion.«
    Aus Höflichkeit nahm ich seine Hand und antwortete: »Rooke. Rooke Noir.«
    »Du hast ein verletztes Pokémon?«
    »Ja, ich bin auf dem Weg zum Pokémon Center, aber wir waren hungrig, deswegen …«
    »Für Hunger musst du dich nicht rechtfertigen«, unterbrach er mich, allerdings hatte ich ohnehin nicht vorgehabt, groß weiterzureden. »Ich wohne hier in Baumhausen, ich kenne mich recht gut aus. Möchtest du, dass ich dich begleite?«
    Er dachte kurz nach. »Eigentlich kann ich dich auch mitnehmen, auf Skybreaker kann man ziemlich gut fliegen.«
    Was für dämliche Namen Trainer ihren Pokémon heutzutage geben, dachte ich. Doch es sprach eigentlich nichts dagegen, bei einem Trainer mitzufliegen. »Das wäre wirklich nett«, gab ich deswegen zurück.
    Er grinste. »Was führt dich auf Route 119?«
    Ich blickte ihn an. Wir hatten uns aus dem Buschwerk gekämpft und nun lief er neben mir her, offenbar sehr damit beschäftigt, sich nirgends Kleidung oder Haut aufzureißen. Ich erkannte gleich, dass er selten im Wald herumwanderte. Allerdings wirkte er auf mich nicht wie ein Weichei. Es fanden sich durchaus alte und auch frische Narben auf seinen Armen. Er trug ein orangefarbenes Hemd und eine beigefarbene Hose, beides verdeckt von einem weiten, schwarzen Umhang, so dünn, dass er auf der Luft zu liegen schien – nichts davon sah in irgendeiner Weise billig aus – offenbar hatte ich einen recht erfolgreichen Trainer neben mir. An sich geschieht es selten, dass jemand mit dem Kämpfen wirklich Geld verdienen kann. Der Handel mit Pokémon ist verboten – zumindest der gegen Geld –, weshalb es auch nur wenige Raritätenjäger wie mich gibt.
    Eine der wenigen Ausnahmen bilden Casinos, in denen durch pures Glücksspiel Pokémon gewonnen werden können. Weil das so ein großer Wirtschaftsfaktor ist, haben sie dafür eine Lizenz durchsetzen können. Außerdem habe ich mal von einem Typen aus Kanto gehört, der Karpador, die er aus dem Teich in seinem Grundstück fischt, zu Wucherpreisen verkauft. Der hat die Lizenz auch nur deswegen, weil die Regeln in Kanto lockerer sind, und sein Beruf, da er so selten ist, unter den Denkmalschutz fällt, sozusagen also Kulturgut ist.
    Wie auch immer, ich habe das Glück, ausreichend Geld durch meine Forschungsarbeit zu verdienen, um mir neue Ausrüstung und das Nötigste zu essen zu kaufen. Ein Wissenschaftler aus Johto hatte mich beauftragt, meine Erkenntnisse zu ihm zu schicken, da ich mehr in der Welt herumkomme, als er es in seinem Alter je versuchen könnte. Außerdem erhalte ich ein wenig Geld von meiner Familie, die immer gern meine Geschichten hört, wenn ich denn mal vorbeikomme und mich bei meinem Vorhaben unterstützt.
    Als Trainer hat man es etwas leichter. Es gibt Honorar für das Teilnehmen an Wettkämpfen und für das Kämpfen überhaupt. Im ganzen Land ist das ein riesiger Wirtschaftszweig, sodass es Trainern eigentlich recht gut geht. Nur so können überhaupt kostenlose Pokémon Center finanziert werden. Allerdings ist es schwer, als Trainer wirklich reich zu werden. Für gewöhnlich decken die laufenden Kosten gerade die Einnahmen und, wenn man gut ist, mehr, als wenn man schlecht ist, doch in der Regel macht man nie besonders großen Gewinn.
    »Ich wollte ein Dragoran fangen«, antwortete ich, nachdem ich eine Weile lang überlegt hatte, ob ich ihm die Wahrheit erzählen sollte. »Das ging leider schief.«
    »Warum hast du es hier in Baumhausen versucht?«, fragte er verwundert. »Ich hörte, es gibt wundervolle Dratinis in Ebenholz-City. Ist es nicht besser, wenn man mit seinem Pokémon wächst?«
    Scheinbar machte sich der junge Mann wirklich keinen Kopf. Offensichtlich glaubte er, Ebenholz City läge gerade um die Ecke.
    »Ich bin keine Trainerin«, antwortete ich, eher trocken, da ich diese Erklärung häufiger abgeben musste. »Ich sammle seltene Pokémon. Und ich hörte, hier wäre ein Dragoran, das war auch tatsächlich der Fall.«
    »Ich mag Drachen«, sagte Pion und lächelte mich von der Seite her an. Ein Schauer lief über meinen Rücken. Erst jetzt bemerkte ich, wie gut er eigentlich aussah. Sein gewelltes, rotes Haar, das ihm um den ganzen Kopf fiel, reichte ihm gerade bis über die Augen und kräuselte sich an den Seiten seines Kopfes an seinen Ohren vorbei. Kurze Stoppeln seines roten Barts brachen ungestüm aus seinen Wangen hervor. Seine Augen leuchteten in einem blassen Grün und erweckten in mir den Wunsch, mein Gesicht abzuwenden, damit er mich nicht durchschauen konnte.
    »Ich auch«, antwortete ich abwesend. »Und was führt dich hierher?«, fragte ich nach einer Pause, in der wir schweigend weitergelaufen waren.
    »Ich wollte nach meinen Beeren schauen«, gab er zurück, und mit einem Grinsen fügte er hinzu: »Eine sehr gute Entscheidung, sonst wären sie jetzt weg.«
    Ich konnte mein Schmunzeln nicht verbergen.
    »Außerdem«, fuhr er fort, »habe ich vor kurzem ein Pokémon hier verloren, deswegen halte ich mich jetzt häufiger draußen auf, es ist …«
    Er kam nicht dazu, weiterzusprechen, denn ein »Wooooaah!«, entfuhr unsanft meiner Kehle, als ich, durch einen Schrei darauf aufmerksam gemacht, ein Aerodactyl über unseren Köpfen hinwegfegen sah. Es bewegte sich in Richtung Lager. Ein Aerodactyl! Wenn das wild war, dann musste ich … Ich rannte los und ließ meinen verdutzten Begleiter zurück. Schon während des Rennens stellte ich zu meiner Enttäuschung allerdings fest, dass das Pokémon geritten wurde. Meine Schritte verlangsamten sich, allerdings empfand ich wenig Lust, nach so einem herben Rückschlag in irgendjemandes Augen zu schauen. Er würde schon nachkommen.
    Zuerst erblickte ich Pawn, die nach wie vor erschöpft eingerollt im Gras lag, dann sah ich, wie Fridge und mein Kokowei Dontuit so etwas Ähnliches wie Fangen spielten. Offenbar ging es darum, wer den jeweils anderen durch einen Bodyslam am weitesten davon schubsen konnte. Ehe die Umgebung ihrem Zeitvertreib vollends zum Opfer gefallen war, rief ich Dontuit zurück. Es würde mir später schon verzeihen. Daraufhin kniete ich mich zu Pawn nieder und reichte ihr eine Pirsifbeere.
    »Hey Rooke! Wo bist du hin?«, schallte eine tiefe Stimme durch den Regenwald.
    »Hier!«, rief ich zurück. Ein Zucken durchfuhr Pawns Körper. Ich hörte, wie Pion sich durch das Gebüsch kämpfte, bis er dann rücklings aus dem Unterholz ausbrach. Kaum konnte man seine Silhouette erkennen, schon war Pawn aufgesprungen und hatte mich panisch über den Haufen gerannt. Dann sah ich nur noch, wie das Vulnona hinter mir seinen eigenen Pokéball anstupste und mit einem Blitzen darin verschwand.
    Pion rappelte sich wieder auf und schritt auf mich zu. »Machst du immer solch einen Aufstand, wenn du ein seltenes Pokémon siehst?«, fragte er belustigt, doch ihm blieb nichts anderes übrig, als in meine leeren, verständnislosen Augen zu blicken.
    Er war noch weit genug entfernt. Ich schaltete schnell. Ohne Umschweife sprang ich auf und griff nach den übrigen Pokébällen und meinem sonstigen Kram. Dann rannte ich zu meinem Tropius, setzte mich unsanft auf und befahl ihm, loszufliegen.


    Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht aufgefallen, warum ich so reagiert habe. Ich hatte mich zwar anfangs von seiner Art blenden lassen, doch letztlich zählte nur das, was am Ende dabei herauskam, nicht wahr? Ich hatte verstanden, dass Pion derjenige Trainer war, vor dem Pawn davongelaufen war, der Trainer, vor dem sie Zuflucht bei mir suchte. Und ich führte das arme Ding natürlich direkt in seine Hände!
    Meine Flucht war überstürzt, wie sich später herausstellte. Dennoch blieb mir keine andere Wahl. Ich flog ohne weitere Umschweife direkt zum Pokémon Center und ließ meine Pokémon dort versorgen. Währenddessen dachte ich über meine Lage nach. Ich empfand sogar kurz ein Schreckensgefühl – was, wenn die Schwester dort Pawn kannte? Gänzlich unwahrscheinlich konnte man das nicht nennen, immerhin hatte Pion behauptet, in Baumhausen zu wohnen. Dennoch schien alles glatt gelaufen zu sein. Ich trank zunächst einen Kaffee, um mich zu beruhigen, dann stellte ich mich unter die Dusche. Zwar war ich in den vergangenen zwei Wochen nahezu ununterbrochen durchnässt gewesen, doch ich brauchte einfach das behagliche Gefühl, das entstand, wenn heißes Wasser an der Haut hinunter tropfte.
    Ich erzähle das alles ziemlich gerafft, vor allem deswegen, weil das, was innerhalb des Pokémon Centers geschah, kaum wichtig ist. Erst als ich es wieder verließ, geschah etwas, das ich mir vielleicht mein ganzes Leben lang vorwerfen werde.


    Als einige Stunden später Pawn grundlegend versorgt worden war, verließ ich das Gebäude. Ich hatte starkes Interesse daran, Baumhausen so schnell wie möglich zu verlassen.
    »Hallo Rooke!«, strich eine tiefe Stimme in mein Ohr, die mich gänzlich aus meinen Gedankengängen riss. Ich blickte auf.
    Pion stand mir gegenüber, mit einem Lächeln. Natürlich!, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Warum habe ich ihm nur erzählt, dass ich ins Pokémon Center will?!
    »Warst du erfolgreich?«, fragte er, und als er mein wohl deutlich verwirrtes Gesicht sah, ergänzte er: »Na ,ich meine mit dem Aerodactyl. Gehört es jetzt dir?«
    »Nein«, erwiderte ich mit einem Kloß im Hals.
    »Schade«, sagte er und zog seine Augenbrauen mitleidig zusammen. Wie konnte das sein? Wie konnte Pawn eine solch panische Angst vor ihm haben, was verbarg sich hinter diesem Menschen, dass das möglich war? »Weißt du, ich habe nachgedacht«, fuhr er mit seiner seelenruhigen, fast öligen Stimme fort. »Ich werde Baumhausen verlassen. Ich bin hier lange genug versauert und finden kann ich hier nichts mehr. Kommst du mit?«
    Ich erwiderte seinen klaren Blick. Ich konnte kein Anzeichen dafür erkennen, dass er mich hereinlegen wollte, keine Antipathie, nichts, nur den offenkundigen Wunsch, mehr Zeit mit mir zu verbringen. Und offenbar fiel ihm das nicht leicht, denn er schien nervös zu werden, als ich nicht antwortete.
    »Ich bin viel herumgekommen. Ich kenne so ziemlich jeden Ort, an dem sich ein Pokémon verstecken kann. Wie wär's? Ich kann dir helfen! Wir wären ein super Team! Ich war lange nicht mehr auf Reisen, alleine hat es mir keinen Spaß mehr gemacht.«
    Ich blickte ihn hohl an. In meinem Kopf drückte und krachte es, die verschiedenen Gedanken quetschten sich mit einem unangenehmen, ekelhaften Gefühl hinein. Warum mochte ich ihn?
    »Ach übrigens«, fügte er hinzu und zog einen Heilball aus seiner Tasche. Dann drückte er ihn mir in die Hand. »Das ist für dich. Ich habe es vorhin gefangen.«
    Ich ließ den Ball aufschnappen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Kaum hatte ich das getan, polterte mit einem Lichtblitz ein großes Pokémon daraus hervor. Ich traute meinen Augen kaum - es war das Dragoran! Es fiel mir nicht schwer, es von einem gewöhnlichen zu unterscheiden, trotz des Heilballs waren die Spuren, die der Kampf gegen Milotic hinterlassen hatte, noch deutlich zu erkennen.
    »Wie hast du … warum … ich …«, begann ich zu stottern, doch er grinste mich nur an.
    Ein Feuerwerk zündete in meinem Kopf.
    »Ja, ich komme mit!«, rief ich.




  • [tabmenu]
    [tab=#]
    Ui Kapitel 4 :) , du hast vergessen mich zu benachrichtigen aber kein Problem ^^
    [tab=Startpost Update]
    Das neue Bild gefällt mir sehr gut, obwohl auch das alte super war. Aber das ist weiter unten ja auch noch vorhanden, perfekt gelöst ^^
    Achja, deine Signatur sieht auch echt gut aus.
    [tab=Kapitel 4]
    Soo, das Kapitel kommt mir wieder etwas länger vor als die vorigen, allerdings glaube ich, ich bilde mir das nur ein.
    Also es geht wieder mit den Tagebucheinträgen von Rooke Noir weiter, sie will Beeren pflücken und trifft auf Pion, einen Trainer.
    Bevor ich weiter zum Kapitel schreibe möchte ich ein großes Lob aussprechen: Die Sache mit den Beeren und mit den Trainern und wie das alles mit der Wirtschaft zusammenhängt ist super. Du behältst viele Dinge aus den Spielen/Anime bei und erklärst alles logisch. Das gefällt mir wirklich super gut, und ich freue mich irgendwie wirklich darüber ^^
    So weiter mit der Geschichte: Rooke trifft also auf Pion, der Trainer ist und dem anscheinden das Vulnona gehört...interessant.
    Pion wirkt auf den ersten Blick recht freundlich, doch irgendwie traue ich ihm nicht ganz über den Weg. Und wie hat er es geschafft das Dragoran zu fangen? Echt seltsam, und wieso war sein Pokemon so verletzt und hat Angst vor ihm?
    Also obwohl er sehr nett rüberkommt scheint er irgendwas zu verheimlichen.(Seine Pokemon-Namensind wirklich etwas seltsam ^^) Achja...wieso fliegt Rooke nicht gleich mit Tropius zum Center?
    Jetzt bietet der Rooke an mit ihr zu reisen, und sie willigt ein. Bin gespannt wann er herausfindet das sie sein Pokemon gefangen hat und ob er dann sein womöglich wahres Gesicht zeigt.
    Das nächste Kapitel ist kein Bauerntausch Kapitel mehr, also bin ich wirklich schon sehr neugierig!
    [tab=Schluss]
    Aslo, ich glaube ich habe alles geschrieben was mir eingefallen ist... :)
    Lg Laschoking Laschoking





    [/tabmenu]

  • [tabmenu][tab='x']So, da bin ich wieder!
    Dieses mal wird der Kommi nicht ganz so lang, weil ich einfach nicht so viel zu kommentieren habe ...
    Das Titelbild gefällt mir, aber irgendwie mochte ich das alte lieber ...


    EDIT: Für die Kapiübersicht, da wolltest du diese Stufen drinne haben, richtig?
    Warte kurz ...
    Hier wird erklärt, wie man transparente Zeichen machen kann.
    Würde besser aussehen, oder? ^^
    [tab='Kapi 4']Sag' mal, benennst du eigentlich alle, die in den FF wichtig sind, nach Schachfiguren?

    Zitat

    so einige Beerensträucher


    Hört sich irgendwie komisch an mit dem 'so' ...

    Zitat

    eine so kurze Distanz würde ich vermutlich verkraften können


    Das verstehe ich irgendwie nicht. Was soll sie daran nicht verkraften können?
    Die Geschichte mit den Beerenfeldern kann man sch nicht so gut vorstellen
    (vor allen Dingen, dass manche Trainer tatsächlich Beeren dort pflanzen),
    aber es ist eine gute Idee.
    Spielst du nebenbei immer R/S/S?Dann vergess bloß nicht die Kecleon, die da rumstehen.
    Pion ist mir auf den ersten Blick recht sympatisch.Und Rooke ist recht temperamentvoll, oder?
    Skybreaker ... ein echt dähmlicher Name. Aber wie Rooke sich darüber aufregt ...
    Wie so ein kratzbürstiges Großmütterchen. "Runter von meinem Rasen!" quasi.
    Dieser Umhang erscheint mir recht altmodisch. Zumindest hab ich hier noch nie jemanden mit einem rumrennen sehen.
    Nach der Erklärung des Trainerdaseins hätte ich beinahe vergessen, worum es ging.
    Übrigens sind Kapador-Verkäufer ein wirklich wichtiges Kulturgut ... Was würden wir bloß ohne sie tun?
    Was macht sie eigentlich mit ihren Pokemon? Einfach im Ball lassen oder auf die Box schicken?
    Wie sie auf das Aerodactyl reagiert ... echt ein verrücktes Mädchen!
    Ich frag mich, was Pion bloß gemacht hat, dass Pawn so reagiert ...
    Und er hat sie nicht gesehen, bevor sie im Ball verschwunden ist?
    Rooke schaltet da aber echt schnell, Respekt!
    Später, vor dem Pokemoncenter ist Rooke bestimmt voll geschockt ... Aber wie hat Pion bitteschön das Dragoran gefangen?
    Und warum geht Rooke mit ihm mit? Denkt sie an den Vorteil oder doch an was anderes?[/tabmenu]

  • Vielen Dank für eure Kommentare, Laschoking und Apollonia =D
    Dieses Mal gibt es kein neues Kapitel, näheres dazu gleich.


    @Laschoking
    Ya an dieser Stelle hier noch mal sry für die vergessene Benachrichtigung .___. werde gleich den Startpost nochmal korrigieren und ne Liste anfertigen, damit mir das nicht nochmal passiert =)
    Danke für das Lob ^^
    Das Kapitel ist, glaube ich, nicht länger als das dritte gewesen, aber ich glaube länger als das zweite also ... xD könntest recht haben haha
    Danke danke, ya, ich versuche irgendwie, die Pokémonwelt etwas realistischer darzustellen, zumal sich das irgendwie anbietet.
    Zum Plot sage ich jetzt mal weitgehend nichts, snst fange ich noch an zu spoilern. Rooke ist nicht zum Pokémoncenter geflogen, weil sie sich nicht in der Verfassung fühlte zu fliegen, denn das ist relativ anstrengend für Körper und Knochen, man muss sich ya ziemlich doll festhalten, das geht bei einigen Stunden flug sehr in die Muskeln und der Wind ist ya auch nicht einfach zu ertragen. Noch dazu bei dem Wetter ... Solange es kurzte Strecken sind, sprach für sie ncihts dagegen, aber bei einer langen wollte sie es nicht riskieren. Die sache mit dem Vulnona hat sie emotional doch recht durchgewühlt. Allerdings verstehe ich,d ass ich das in dem Kapitel nicht ganz so deutlich gemacht habe, was dazu führte, dass sie sich so entschied, vielleicht werde ich das noch ergänzen, da es wirklich recht weit hergeholt klingt. Der Grund, warum sie mit einem anderen Trainer mitfliegen würde, ist, dass sie so den emotionalen Ballast etwas abschieben kann. Thx für die Kritik ^^


    @Apollonia
    Ah das mit der Transparenz kannte ich noch nicht, ich denke das werde ich mal ausprobieren.
    Ya, ich habe eigentlich vor, alle wichtigen Personen dieser FF nach Schachfiguren zu benennen xD
    Zu der Sache mit der Distanz lies mal das was ich Laschoking geschrieben habe, vllt hilft das zum Verständnis ^^
    Haha, an die Kecleon hatte ich noch nicht gedacht, mal schauen ob ich eins auftreten lasse xD Die meisten deiner Fragen werden sich denke ich in den nächsten kapiteln klären haha. Und nein, Pion hat Pawn nicht gesehen, das kann ich an dieser Stelle denke ich mal verraten.
    Vielen Dank für dein Kommentar =)


    _______________



    So und nun die Begründung für das Nichterscheinen des nächsten Kapitels: Klick!
    Yoa, ich mache mit bei dem Streik, das schreibe ich mal auch in den Titel rein, damit klar ist, wenns weitergeht. Bitte informiert euch über unser Anliegen und bildet euch eine eigene Meinung =)
    falls ihr vorhattet, ein Kommentar zu schreiben, könnt ihr das natürlich auch während des Streiks tun *hust*

  • 5. IN AUFBRUCHSSTIMMUNG I



    AUS DEM Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung


    Und jetzt sitze ich hier, auf meinem Bett, und bin so gar nicht in Aufbruchsstimmung. Ich bin im Präsens angekommen, nun, zumindest fast, also neigt sich mein zweiter Tagebucheintrag langsam seinem Ende zu. Ich habe es mir gestern Abend, nachdem er mir sein Angebot unterbreitet hatte – also wohl so gegen halb Acht – nicht nehmen lassen, sofort auf dem Rücken meines neuen Dragorans umherzufliegen. Anfangs behandelte mich das Pokémon, das ich auf den Namen »Daam«, einem alten Wort für Königin, taufte, eher abweisend. Durch Pions Hilfe näherte ich mich ihr jedoch immer weiter an, bis die stolze Dame schließlich nachgab und ihr herzliches Gemüt offenbarte, wie man es von Dragoran durchaus gewohnt war.
    »Das … das ist ja der Wahnsinn!«, brüllte ich gegen den Wind an, nachdem Daam zusammen mit uns beiden in die Lüfte gestiegen war – ihre Geschwindigkeit übertraf die meines trägen Fridge bei Weitem. Ich musste mich eng an ihren Hals schmiegen, um nicht einfach davongeweht zu werden. Pion hatte es ähnlich schwer, ihm blieb nichts anderes übrig, als sich dicht an meinem Rücken festzuklammern.
    Nach einer Stunde kehrten wir erschöpft zurück, die Dunkelheit brach langsam herein, und so ließ mich Pion allein, da er »noch einige Sachen zu packen« habe. Er versprach, am nächsten Morgen beim Pokémon Center auf mich zu warten. Dann ging ich schlafen, und jetzt …
    Jetzt sitze ich hier, auf meinem Bett, und bin so gar nicht in Aufbruchstimmung. Ich bin der festen Überzeugung, dass mich in dieser Nacht jeder Mahr von ganz Hoenn heimgesucht hat. Mehrmals wachte ich schweißgebadet auf, lief ein wenig durch die sterilen, geradlinigen Flure meiner Unterkunft und kehrte dann zurück. Ich habe nicht vor, einen Spiegel aufzusuchen. Darin würde mich wohl ohnehin nur Grauen erwarten – blutunterlaufene graue Augen, dazu zerzaustes, verschwitztes, weiß gefärbtes Haar und bestimmt ein eingefallenes, erschöpftes Gesicht. Meine Haare fühlen sich strohig an, ich denke, ich sollte sie mir demnächst wieder kürzer schneiden.
    Doch egal, was ich versuche, egal, wie sehr ich mich ablenken möchte und wie ich mir die kommende Zeit vorstelle; ich kann meine Gedanken einfach nicht von Pawn abwenden.
    Was hatte Pion ihr angetan? Ich würde es herausfinden. Das kann der einzige Grund sein, weswegen ich Pion zugestimmt habe – ich muss herausfinden, was geschehen ist!
    Und ich habe auch einen ungefähren Plan, wie ich das bewerkstelligen kann.
    Für den Fall, dass mein Vorhaben schief geht, zeichne ich es noch nicht hier auf, um mir zumindest einiges an Peinlichkeit zu ersparen – ich möchte das nicht in zwanzig Jahren lesen und mich über meine naiven Vorstellungen lustig machen!
    (Nachträgliche Bleistiftnotiz am Rande: »Diese Angst ist bis zum heutigen Tage ungerechtfertigt. Ich wünschte, ich wäre offener zu mir selbst gewesen.«)
    Ende der Eintragung


    *


    Biskup hatte sich am Vortag ausgiebig mit dem Ort befasst, an dem seine Schwester auf das Dragoran losgegangen war. Die Spuren des geschwächten Dragorans hatten sich ab einer bestimmten Stelle im Dickicht des Untergrunds verloren, sodass er davon ausgehen konnte, dass jemand das Pokémon gefangen hatte. Als er daran dachte, biss er sich nervös auf die Unterlippe. Den Abend hatte der junge Beamte damit verbracht, eine Akte zu dem Vorfall anzulegen. Seine Schwester würde deswegen möglicherweise in Schwierigkeiten geraten, allerdings blieb ihm nichts anderes übrig, denn die Konsequenzen des Vorwurfs, eines Vertuschungsversuchs, stellten sich in der Regel als deutlich drastischer dar. Aus diesem Grund machte Biskup nichts weiter als seine Arbeit.
    Seine Schwester musste eben lernen, dass es auch für Beamte der Naturschutzbehörde gewisse Regeln einzuhalten galt, obwohl ihm innerlich ein recht mulmiges Gefühl das Gemüt verdarb, immerhin hatte Ratsu keineswegs absichtlich zum Fang des Dragorans beigetragen. Selbst wenn, so stellte das Einfangen eines wilden Pokémon ohnehin keine Straftat dar. Je mehr Biskup darüber nachdachte, desto mehr überzeugte er sich davon, dass Ratsu wohl überhaupt keine Konsequenzen zu fürchten brauchte, immerhin war dieses Missgeschick im Zuge der Ermittlungen in einer ziemlich großen Sache zustande gekommen.
    Da Ratsu Route 119 vorschnell verlassen hatte, beschloss Biskup, die Ermittlungen fortzuführen. Ihre neuen Erkenntnisse befanden sich nun auf seinem PokéCom.
    Am 24.06 gegen 19 Uhr merkte ich, wie eine großgewachsene Gestalt mit roten Haaren und schwarzem Mantel die Wetterstation verließ. Es handelte sich dabei nicht um einen in unserem Personenregister vorhandenen Mitarbeiter der Wetterstation. Sicherheitshalber verfolgte ich ihn, er begab sich in geistesabwesendem Zustand in den Wald, wo ich seine Spur verlor. Einige Stunden später spürte ich ihn wieder auf, verlor ihn dann aber aufs Neue. Rückblickend betrachtet handelte es sich wohl nur um einen Bettler, der in der Wetterstation um Hilfe gebeten hatte.
    Jedes Mal, wenn ich diesen Bericht las, wanderte meine rechte Hand unbewusst an meine Stirn. Dieses Mädchen muss endlich lernen, wie man Akten schreibt!, ärgerte er sich. Ratsu liebte es, mitten im Geschehen zu sein, sich in die Menge zu werfen und aktiv an den Dingen teilzunehmen. Für sie stellte es ein Hindernis dar, Berichte zu verfassen und ihre Taten zu dokumentieren, da sie völlig in ihren Ermittlungen steckte. Dabei gelangte sie oftmals zu erstaunlichen Ergebnissen, insofern konnte man nicht behaupten, sie wäre eine schlechte Einsatzkraft, aber eine schlechte Beamtin war sie auf alle Fälle.
    Biskup blieb nichts anderes übrig, als auf eigene Faust weiterzusuchen. Warum sollte ein Bettler an einem Sonntagabend aus der Forschungsstation kommen? Offenbar hatte Ratsu sich ein schlechtes Gewissen aufgrund des Vorfalls mit dem Dragoran eingeredet und dann so schnell wie möglich verschwinden wollen. Biskup glaubte nicht an Zufälle, schon gar nicht während seiner Ermittlungen, er musste diese verdächtige Person aufspüren. Selten sichtete man nicht registrierte Mitglieder in der Nähe der Wetterstation. Seit geraumer Zeit beobachtete die Naturschutzbehörde die Wetterforschungsstation, da die dort genutzten Kapazitäten die erforderlich geschätzten ziemlich weit überstiegen. In der ganzen Region trugen sich zudem Hinweise darauf zusammen, dass ein Forscherring aus wirtschaftlichen Interessen, ähnlich dem damaligen Team Rocket, auf illegale Weise mit Pokémon experimentierte, das allerdings im Verdeckten. Daraufhin hatten sich Biskup und Ratsu bereiterklärt, mögliche Standorte für ein solches Unterfangen zu untersuchen.
    Rechtlich gesehen hatten sie alle Befugnisse, die auch einem Polizisten zustanden, mit Ausnahme des Tragens einer Schusswaffe, sodass sie ihren Ermittlungen weitgehend freien Raum lassen konnten.
    Doch nun befand sich Biskup auf dem Weg ins Pokémon Center. Die Spurensuche im Wald konnte Biskup mit dem Ergebnis abschließen, das sich zumindest eine Person im direkten Umfeld des Kampfes befunden haben musste. Die beiseite geknickten Triebe und Büsche bildeten einen Halbkreis um das Kampfgebiet, also konnte er davon ausgehen, dass die Person die Auseinandersetzung vermutlich mit angesehen hatte.
    Es brauchte keine große Denkanstrengung, um zu dem Schluss zu gelangen, dass ein Trainer mit einem frisch gefangenen Dragoran früher oder später im Pokémon Center aufkreuzen würde. Deswegen befand ich mich auch genau auf dem Weg dorthin.


    *


    Aus dem Tagebuch von Rooke Noir, dritter Eintrag

    Freitag, 29.06.12


    Ich habe noch nie einen so phantastischen Menschen kennengelernt wie Pion. Aber der Reihe nach. Vorgestern schrieb ich meinen letzten Eintrag und machte mich schließlich auf den Weg nach draußen. Es dauerte nicht lang, bis ich Pion traf, der mich freundlich zur Begrüßung umarmte. Der Morgen, außerordentlich jung, denn immerhin zeigte die Uhr hinter dem Tresen 7:15 Uhr, sandte niedliche Sonnenstrahlen durch die offenen, großen Fenster neben dem Haupteingang. So früh aufzustehen hatte Pion vorgeschlagen, denn er erwartete einen langen Tag und zog es vor, im Tageslicht zu reisen.
    »Hattest du eine schöne Nacht?«, fragte er mit hochgezogenen Brauen und einem schiefen Grinsen.
    »Ja«, log ich ihm ins Gesicht. »Du auch?«
    Er nickte, doch sein Blick traf mich nicht, sondern führte an meiner Schulter vorbei. Ich blickte hinter mich. Sofort lief er an mir vorbei auf den PC zu, der sich in einer Ecke des Pokémon Centers befand. Ich schritt ihm nach.
    »Was hast du vor?«, fragte ich mehr neugierig als irritiert.
    »Ich bringe meine Pokémon zur Box. Heute ist ein neuer Tag. Es lohnt nicht, zu sehr an der Vergangenheit festzuhalten.«
    Ich konnte seine Logik nicht im Geringsten nachvollziehen, beobachtete aber aufmerksam, wie er ein Pokémon nach dem anderen zur Box schickte, indem er die Bälle in der typischen Einwurfvorrichtung versenkte. Schließlich hielt er den letzten Ball in den Händen, doch bevor er ihn einwarf, hielt Pion kurz inne.
    »Nein«, murmelte er, dann steckte der den Ball zurück in seine Tasche.
    »Also doch kein neuer Anfang?«, stachelte ich ihn skeptisch an.
    Pion drehte sich lächelnd zu mir um. »Oh doch. Ich werde Skybreaker freilassen, er ist ein treuer Freund von mir, der gerne fliegt – und auf der Box kann er das nicht.«
    Daraufhin erledigte er noch so einiges, ging zum Supermarkt und kaufte sich diverse Pokébälle und eine Trainergrundausrüstung – einige Tränke, Gegengifte und sonstiges – sein altes Inventar ließ er zu Hause.
    »Na gut«, sagte er befreit und streckte sich, als er die Tür zum Pokémon Center hinter sich schloss und mir gegenüberstand. »Ich glaube, ich bin endlich so weit.«
    »Das freut mich«, erwiderte ich, während ich an einem Eis leckte, das ich mir in der Zwischenzeit von einem Automaten besorgt hatte, versuchte aber nicht allzu gelangweilt zu klingen. »Also, was nun?«
    »Wo möchtest du hin?«, fragte er unverwandt.
    »Hm? Was meinst du?« Ich sah auf und blickte ihm in die Augen, als ob dort eine Antwort gestanden hätte.
    »Ganz einfach: Wo möchtest du hin?«, wiederholte er und grinste.
    Ich blickte ihn wie gelähmt an, er bot mir die ganze Welt, doch ich konnte keinen Ort finden, zu dem ich gehen wollte, keinen Platz, den ich jetzt aufsuchen würde, mein Bewusstsein beherrschte eine weiße, platte Leere. Er schien das zu bemerken.
    »Wie wäre es mit …« Er dachte kurz nach. »Dem Himmelturm?«
    »Was?!« fuhr es aus mir heraus und ich bespuckte ihn versehentlich mit ein paar Tropfen Vanille. Prompt begann er, in seinem Gesicht herumzuwischen.
    »Du hast mich schon richtig verstanden. Aber gut, man kann aus dir nicht so richtig was herausbekommen, du scheinst verwirrt zu sein. Wie auch immer, dann sage ich es eben: Wir gehen zum Himmelturm!«
    Ich bezweifle, dass es in Hoenn ein schwerer zu erreichendes Gebäude gab, aus diesem Grund warf mich die Zuversicht seiner Worte aus der Bahn. Gleichzeitig baute sich auch ein Gefühl freudiger Erwartung in mir auf, denn ich liebte den Gedanken, neue Gegenden zu erkunden.
    »Vorher brauche ich aber noch einige Pokémon«, überlegte Pion und sah sich um. »Ich möchte nicht völlig schutzlos zum Himmelturm.«
    Ein Glucksen entfuhr meiner Kehle. Das will ich auch nicht.
    »Ich würde sagen, auf zur Route 120«, beschloss er nachdenklich nach einem Blick auf seinen Pokédex. Dann blickte er mich fragend an und mir blieb nichts weiter übrig, als ihm zuzunicken.

  • Hey Aprikoko :D Wird auch mal Zeit, dass ich hier kommentiere. (Schon mal vorneweg - diese Unterstreichsache im Startpost find ich toll~.) Ich geh mal schrittweise vor, ich hab bis Kapitel vier schon mal gelesen, aber das ist schon über 'nen Monat her und ich muss mein Gedächtnis noch auffrischen x)

    [tabmenu][tab=Startpost][subtab=An sich]

    Mir gefällt die Gestaltung, erstmal Header, dann dieses Minivorwort, dann ein paar Tabsysteme plus diese Unterstreichsache und SCHWUPPS! Haben wir einen ansehnlichen Startpost. Auch wenn ich ein paar Rechtschreib-/Grammatikfehler gefunden habe :P

    Zitat

    (Tab "Die Welt) Die gesamte Handlung der Geschichte wird in deer Region HOENN stattfinden!

    Zitat

    (Tab "WAS HAST DU DIR NUR DABEI GEDACHT??") Dennoch gebe ich mein Bestes, die Geschichte so spannend und angenehm zu lesbar wie möglich zu machen =D


    Ich persönlich spiele gerne Schach (gewinne auch oft, aber ich glaube, das liegt daran, dass meine üblichen Gegenspieler einfach nur schlecht sind xp), kenne jetzt aber keine Bezeichnungen für besondere Züge und so (abgesehen von der Rochade und dem Schäfersmatt und Deppenmatt(oder so ähnlich)), aber Schach ist imo cool und der zweite Header (wäre das dann ein Stomacher, weil er in der Mitte des Startpostes ist? xD) auch. x3

    [subtab=Klappentext]

    Ein cooler Klappentext, auch wenn ich ein paar Verbesserungsvorschläge habe. Den ersten Satz finde ich sehr ansprechend, den darauf folgenden auf, doch im nächsten benutzt du eine etwas abgehackte Formulierung: "Ohne es zu merken ..." Mein Vorschlag diesbezüglich wäre: "Ohne Kenntnis davon werden zwei Seelen ...", "Zwei Seelen werden (mitten) hineingesogen, ohne es selbst zu bemerken ..." Das ist weeil merken einfach umgangssprachlich klingt. Tut es weniger mit einem be davor, ich empfehle meinen zweiten Vorschlag, kannst die beiden Satzhälften ja noch umtauschen. Bemerken ist in allen Fällen schöner als merken :P Merken an sich hat ja auch eine andere Bedeutung.


    An sich sagt der Klappentext noch nicht viel aus, auch wenn Verbrecherin und Verbrecher ja natürlich schon mal arg nach Liebesgeschichte klingt. Die beiden Giganten - vielleicht Simsala und Gengar? (Hab das ganze ja schon mal gelesen, außerdem sind se ja schon auf dem Header abgebildet.) Ein Krieg... In Verbindung mit dem Schachspiel - das keinen Anfang und kein Ende kennt? Ist das Ende der Geschichte vielleicht der Moment, in dem das Spiel zu Ende geht? *spekulier* - könnten die beiden Spielenden den Schachfiguren vielleicht Gegenparts in der 'realen' Welt geben und diese so steuern und somit praktisch einen Krieg anzetteln. Krieg vielleicht auch eher metaphorisch gesehen. Die beiden Verbrecher stehen auf der je gegenüber liegenden Seite, sie unter der Führung Simsalas, er unter Gengar... Oder so. Mal schauen, klingt spannend. :3

    [subtab=Prolog]

    Zitat

    Wann immer einer der beiden eine Partie gewann, setzte er sein Vorhaben ein Stück weit um - und sie gewannen oft. Einer von beiden muss ja wohl immer gewinnen, ein Unentschieden im Schach kenne ich jetzt nicht o___O Schreib besser: "Und so oft sie spielten, so gewann..." Keine Ahnung, irgendwie so. xD


    Fianchettieren. Ein Wort, dass ich mal googlen sollte. o.ô Naja, nicht vom Thema ablenken. Den Prolog hast du gut geschrieben, besonders die Beziehung zwischen dem Simsala und Gengar hast du gut dargestellt - die treusten Freunde, aber auch die erbittertsten Feinde. Beziehungsweise umgekehrt. Der Satz mit der Drachenvariante am Ende hat das ganze leider ein bisschen abrupt enden lassen, was ich mir noch gewünscht hätte, wären ein paar Beschreibungen zu der Umgebung der beiden. Wenn sie wirklich im Nichts sitzen, hättest du das erwähnen sollen :< Oder zumindest das Schachbrett beschreiben sollen. Naja, ich hatte auch so ein gutes Bild der Szene vor Augen, wie die beiden sich da gegenüber saßen. :3 Dass das Spiel sich scheinbar auf die Welt mit seinem Wirken überträgt... Es sind doch nur ein Simsala und ein Gengar, ich frage mich, was die beiden so besonders macht. Jahrhunderte alt, ständig am Schach spielen und ihnen wird nie langweilig... Sind sie auch mal woanders unterwegs? (Ich meine, dass der Hauptcharakter doch ein Simsala besaß. Ist es das? o.o) Abgesehen vom Ende ist die 'Eröffnung' (ERÖFFNUNGSZUG, JETZT HAB ICH DEN TITEL KAPIERT >////<) ein gutes Apperetif, aber den letzten Satz hättest du noch etwas ausfeilen können, besonders die genauere Reaktion des Gengars. Rufen allein sagt nicht viel aus ;P

    [tab=Kapitel 1][subtab=Rechtschreibung Grammatik und co.]

    Erster Gedanke - Rooke klingt wie Rook, also Turm. Hab ich Recht damit? ^^ Apropos Recht, das hast du einmal nicht rechtens geschrieben. :P *Fehlerteufel suchen geh*

    Zitat

    ... entschied ich mich, es leer zu lassen, doch nun scheint mir der Moment gekommen, an dem es mir nötig wird, mir etwas von der Seele zu schreiben. Zu viele mirs hintereinander, das klingt unschön. Du könntest imo auch "an dem ich mich genötigt fühle"

    Zitat

    Ich beging eine Straftat – mehr noch – vielleicht sogar ein Verbrechen, das meine ganze Zukunft zerstört hat. Ich habe eine Straftat begangen! Du schreibst im Präsens, daher folgt jetzt Perfekt o.O Präteritum hat da nichts zu suchen, Todsünde, Ketzerei gegen die Grammatik ist das! Imo immer drauf achten, passiert leicht. Ich merk's mir nach dem Zweischienen-Modell:
    Präsens ----> Perfekt
    Präteritum ----> Plusquamperfekt
    Präteritum und Perfekt lassen sich miteinander nicht vergleichen, aber so stell ich's mir gern vor. x) / Klar, das Bisaboard zeigt die Leerzeichen nicht an. ê____e Nett, jetzt konnt' ich's nicht richtig darstellen.

    Zitat

    »Oh, wie Recht ich doch hatte!«

    Zitat

    Dennoch schreibe ich auf, was mir heute geschah geschehen ist, ganz einfach, weil ich irgendwie damit abschließen muss.

    Zitat

    Insofern möchte ich dir, werte Person, die es irgendwann als nötig erachtet, in den persönlichen Schriften eines pubertierenden Mädchens herumzustöbern, mitteilen, dass ich dich dafür verachte, meine Privatsphäre nicht zu wahren ... Mist. :<

    Zitat

    Ich wuchs bin in Johto aufgewachsen und stamme aus Anemonia City. Das könnte man eigentlich noch als Fehler von Rooke betrachten, weil es ihr Tagebuch ist, aber ich beschuldige mal dich dafür, Aprikoko. o:

    Zitat

    bevor ich zum halbwegs spannenden Teil übergehe.

    Zitat

    Es ist das erste Pokémon, das ich jemals besaß besessen habe,

    Zitat

    Erst mit dreizehn verließ habeich meine Zuhause verlassen, als alle anderen bereits von dannen gezogen waren, da ich mich damit begnügte begnügt habe, meine Heimatinsel zu erforschen. Kleiner Tipp am Rande - die Rückblende Rookes hättest du vielleicht komplett im Präteritum schreiben sollen, das würde den Vorvergangenheitseffekt im Vergleich zum Rest des Tagebuches verdeutlichen.

    Zitat

    Ich habe meine Heimatstadt für ideal gehalten und bin der festen Überzeugung gewesen, es nach langer Suche dort irgendwann zu finden.

    Zitat

    Aus diesem Grund ist meine Kindheit auch so langweilig gewesen, weswegen ich darauf verzichte, sie breiter auszuführen.

    Zitat

    Damals bin ich zwar nicht erfolgreich gewesen, doch auf meiner Suche traf ich mehrmals auf das Wasser-Pokémon Suicune. Ich habe es studiert und gelesen, dass es sich um ein Wanderpokémon handelte und überaus selten sei. Sie trifft Suicune, ein legendäres Pokémon, und widmet ihm nur zwei Sätze? D: Was für Prioritäten hat dieses Mädchen denn?? *an diesem Punkt in etliche Schreibsereien ausgeschweift wär*

    Zitat

    Das hat in mir dann schließlich doch den Ehrgeiz geweckt und ich bin von Zuhause geflohen, um mich überall auf die Suche nach den seltensten und merkwürdigsten Pokémon zu machen.


    Ich kommentiere später weiter, muss jetzt off. Aber ernsthaft, entscheide dich für ein Tempus o___O

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  • 6. IN AUFBRUCHSSTIMMUNG II



    EIN MOPPELIGES Waaty stapfte neben einem jungen Mann her, der von Dr. Vanker als »Hetman« bezeichnet wurde. Mehrere Lampen beleuchteten den kahlen Flur, der sich durchsetzt von Türen in alle Richtungen unter dem Erdgeschoss entlangbahnte.
    »Bitte gib Acht, Inna. Sollte er irgendwelche Faxen anstellen, überlasse ich es dir, ihn fürs Erste bewusstlos zu schocken.«
    Das Waaty nickte, dann beschleunigte es seinen Schritt, um mit ihm mitzuhalten. Zu seiner Linken schlurfte ein entschlossen dreinblickendes, echsenartiges Pokémon den Weg entlang, das einen Knochen in einer Hand hielt und einen Schädel auf dem Kopf trug. Schließlich gelangten sie an eine Tür, auf der die Aufschrift »Zimmer 2018« geschrieben stand. Hetman schlug sie auf, dann versetzte er dem Knogga einen heftigen Tritt gegen den Kopf, sodass es ins Zimmer geschleudert wurde. Dann lief der Mann hinterher, woraufhin aus dem Inneren des Raumes ein erschreckter Schrei hervordrang. Inna stapfte etwas verängstigt hinterher. Drinnen erblickte sie einen erschöpften Mann, der sich wohl schon länger in der Gefangenschaft der Forscher befand, denn sein Äußeres schien sehr ramponiert. Hetman fügte dem am Boden liegenden Pokémon weitere Gewalt zu, dann hob er es am Hals in die Höhe und drückte zu. Inna trat einige Schritte zurück. Irgendwann ertönte ein dumpfer Aufprall, der Gefangene schrie auf und machte Anstalten, Gewalt auszuüben, sodass Inna ihm aus der Distanz einen leichten Stromschlag verpasste.
    Hetman schien zufrieden.


    »Wie lief das Experiment?«, fragte Dr. Vanker, als Inna und der junge Mann in sein Büro eintraten, um Bericht zu erstatten.
    »Recht ruhig. Wie immer, eigentlich. Die Daten mehren sich, bald werden wir erste Schlüsse ziehen können.«
    Dr. Vankers Miene verfinsterte sich, er drehte sich auf seinem Rollstuhl zum Fenster um. Mit etwas gedämpfter Stimme schlug er vor: »Das kann auch jemand anders übernehmen. Ich meine, falls es zu viel wird. Wir haben viele Leute, Hetman, Sie müssen nicht als einziger diese Bürde tragen.«
    Er schüttelte den Kopf. »Besser, nur einer trägt sie.«
    Dr. Vanker schwieg einen Moment, dann erwiderte er leise und verbittert: »Niemand von uns ist unschuldig.«
    »Richtig«, antwortete der Mann schlicht. »Sie wollten mich sprechen?«, fragte er dann, zog sich eine Stuhl heran und setzte sich in die Mitte des Zimmers. Inna musste ihm dabei aus dem Weg springen, um nicht erschlagen zu werden.
    »Ja. Wir werden dieses Labor aufgeben und uns einen neuen Platz suchen. Die Gefahr, dass die Naturschutzbehörde oder jemand anders uns entdeckt, ist jetzt zu hoch. Ich weiß, das klingt vielleicht etwas überstürzt, wo doch nur jemand ins Fenster geschaut hat, aber …«
    »Ganz und gar nicht. Ich möchte mir nicht ausmalen, was es bedeuten würde, wenn wir erwischt würden. Ich stehe hinter Ihnen, Dr. Vanker, Sie wissen das, vor mir müssen Sie sich wohl kaum rechtfertigen.«
    Dr. Vanker blickte Hetman ins Gesicht und lächelte – matt, aber aufrichtig. »Oh, was für ein liebenswürdiger Mensch Sie doch sind. Ich danke Ihnen. Langsam sehe ich Sie als einen echten Freund.«
    Sein Gesprächspartner verbeugte sich leicht, man merkte, wie er sich zurückhielt. Inna trat zum Professor und drückte sich an sein Bein, da sie merkte, dass er Unterstützung brauchte. Sie kannten sich schon lange. Dr. Vanker griff zu Inna hinunter und streichelte ihr Fell – an ihre Statik hatte er sich längst gewöhnt.
    Nachdem sie weitere Einzelheiten besprochen hatten, verließ Hetman das Zimmer. Der Alte streckte sich und nahm das Waaty auf seinen Schoß. »Irgendwann ist all das vorbei«, flüsterte er. »Vermisst du sie auch so sehr wie ich?«, fragte er mit einem Lächeln, das sehr aufgesetzt wirkte. Inna drückte sich an seine Brust.
    »Wie ich sehe, habt ihr eure nächsten Schritte geplant.«
    Zunächst erschreckte ihn die plötzlich aufgetauchte Stimme, doch Dr. Vanker fing sich sehr schnell wieder und drehte sich zur Quelle um. Dort stand Kuningas, ein altes Gengar, das sich durch die Wand den Weg in den Raum gebahnt hatte.
    »Das haben wir durchaus«, entgegnete Vanker ruhig aber spürbar nervös. »Wie findest du diesen Zug? Auszuziehen, meine ich. Hältst du es für eine gute Idee?«
    Das Gengar lachte aus ganzer Kehle. »Glaubst du, du hättest dich dafür entschieden, wenn dies nicht mein Wille gewesen wäre? HAHAHA! Und ich dachte, du würdest mich kennen.«
    Inna spürte, wie sich der Griff des Professors festigte. Seine Anspannung ging auf sie über, fast schon tat er ihr weh.
    Als das Gengar wieder verschwunden war, hielt Dr. Vanker das Waaty vor sich. Eine Träne glänzte in seinen Augen. »Du bist die einzige, die all das nicht verdient hat. Bist du dir sicher, liebe Inna, dass du uns nicht verlassen möchtest?«
    Vehement schüttelte sie den Kopf.


    *


    Aus dem Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung


    Route 120 grenzt direkt an den Ostausgang Baumhausens. Der Regen ließ auf dieser Seite bereits nach, doch wohin man auch blickte, glänzte ein Spiegelspiel aus kleinen und großen Pfützen am Boden in den Himmel, jedes Auftreten wurde begleitet durch ein saftiges Platschen im Gras. Teilweise blendeten mich die Reflexionen der wenigen, hellen Wolken aus den Lachen. Wenn auch die Vegetation hier noch als außerordentlich üppig bezeichnet werden konnte, hielt sie dem Vergleich mit Route 119 nicht stand.
    »Also gut!«, lachte Pion, legte seinen Rucksack ab und rannte ungehemmt in die Pfützensümpfe.
    »Was hast du vor?«, rief ich ihm nach, doch er tat nichts weiter als herumzurennen und das umher spritzende Wasser zu genießen. Ich setzte mich seufzend hin und überlegte, was für Pokémon man hier überhaupt fangen konnte. Im Gegensatz zur tropischen Route beherbergte diese allerdings nichts Weltbewegendes – bis es mir einfiel: Hier lebten einige der außergewöhnlichsten Pokémon, die ich kannte: Absol!
    Nicht allein die Seltenheit dieses Wesens bestach, sondern auch die Eigenschaft von ihnen, das Unheil vorhersehen zu können. Und wo es Unheil gab, da geschahen zumindest oft interessante Dinge. Ich malte mir aus, dass ein Absol ein hervorragender Indikator dafür war, wo und wann ich seltene Pokémon ausmachen konnte.
    Später dann gesellte sich Pion wieder zu mir. »Es wird eine Weile dauern. Ich muss mich auf die Lauer legen.« Er warf sich mit einem Platschen in die Wasserwiese und lachte.
    »Warum so fröhlich?«
    »Keine Ahnung«, gab er zurück und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht. »Du kannst hier sitzen bleiben. Ich werde mich dort hinten an den Waldrand legen, bis sie auftauchen. Mach bitte keinen Lärm, okay?«
    »Ja, ich bin auch schließlich der Typ Mensch, der einen Haufen Lärm macht.«
    Er schien nichts Rechtes darauf erwidern zu können, stand also wieder auf und machte Anstalten, davonzulaufen.
    »Warte bitte noch einen Moment«, rief ich hinterher, sodass er innehielt. »Wie planst du eigentlich, zum Himmelturm zu kommen?«
    »Naja, ich dachte, wir fliegen? Du hast zwei flugfähige Pokémon.«
    Genau das hatte ich befürchtet. »Wir können nicht hinfliegen«, widersprach ich und stand auf. »Der Flugraum über dem Himmelturm ist gesperrt. Immerhin … Nun, du weißt ja, es ist nicht ganz ungefährlich dort.«
    Offensichtlich wollte ich damit auf das große Ungetüm hinaus, dem man nachsagte, im Himmelturm zu leben. Zwar reizte mich die Vorstellung ungemein, Rayquaza zu begegnen, dennoch wollte ich mich dabei nicht auf dem Rücken von Fridge in mehreren Hundert Metern Höhe befinden. Außerdem lebten in der Umgebung dieses legendären Gebäudes wohl die stärksten Pokémon von ganz Hoenn. Weder mein Tropius, noch mein Dragoran, konnten dagegen viel ausrichten, befürchtete ich.
    Pion jedenfalls schien meine Sorgen überhaupt nicht zu teilen.
    »Wieso das?«, fragte er unverhohlen, als ob er ehrlich keine Ahnung hätte, wovon ich da redete.
    »Na, was schon? Grüner, riesiger Drache? Das stärkste wildlebende Wesen der Region? Zudem würde ich bezweifeln, dass es Vegetarier ist.«
    »Unterstellst du Rayquaza etwa, wenig aufgeklärt zu sein, oder wie kommst du darauf?«
    Bombastischer Witz, dachte ich. »Naja«, fuhr er dann fort, »das habe ich ehrlich gesagt nicht bedacht. Ich bin es gewohnt, mir um so etwas keine Sorgen machen zu müssen. Aber du hast wohl recht – Fliegen ist möglicherweise keine gute Idee.«
    Er machte ein nachdenkliches Gesicht, doch ich durchschaute schnell, dass er die Lösung längst gefunden hatte.
    »Was hast du vor?«, fragte ich unsicher.
    »Naja, wenn du zu einem im Meer liegenden Turm nicht fliegen willst, dann werden wir wohl schwimmen. Oder, besser gesagt, surfen!«


    *


    Biskup braucht nicht lange, um die Anwesenden im Pokémon-Center zu befragen – hierfür musste er nicht einmal seinen Beamtenstatus erwähnen, denn die Einwohner Baumhausens konnte man als ausgesprochen gesellig bezeichnen, nicht zuletzt, weil es sich um eine Stadt handelte, die größtenteils alte Menschen und Reisende anzog. Die Mieten in den Baumhäusern stellten für Jugend und arbeitende Bevölkerung durchaus eine Herausforderung dar, zumal es hier in der Umgebung so gut wie keine Industrie gab, die Arbeitsplätze schuf. Außer einigen wenigen Erholungsangeboten und somit Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor bot die Ortschaft nicht viel. So stellte sich auch schnell heraus, dass die Sichtung eines Dragorans so etwas wie eine Wochensensation darbot, die schnell ins Gerede kam. So erzählten ihm die Menschen von einem Trainer mit feuerroten Haaren, der mit einem Dragoran zusammen gesichtet worden war.
    Dennoch weckte eine Sache an den Berichten der Menschen Biskups Aufsehen. Die redeten nicht von einem Trainer, der allein von einem Dragoran begleitet wurde, sondern von einem Pärchen. Außerdem schien das Mädchen und nicht der Trainer Besitzerin des Dragoran zu sein.
    Diese zusätzliche Person verwirrte Biskup. Er hatte damit gerechnet, es mit einem Einzeltäter zu tun zu haben, nicht damit, einem jungen Paar zu begegnen. Wieso sollte der Mann einen Kampf beobachten, daraufhin das Dragoran fangen, und es dann dem Mädchen überlassen? Was hatte das mit der Wetterstation zu tun, wenn der Trainer nicht mit dem Pokémon dorthin zurückkehrte?
    Zumindest wusste er jetzt, wie er die Spur weiter verfolgen konnte – er musste den beiden nur hinterher. Und sobald er ihn zu Gesicht bekäme, würde er bald merken, was er mit der Wetterstation gemein hatte.
    »Meinst du nicht, dass du ein wenig übertreibst?«, fragte ihn Ratsu, nachdem er ihr kurz Bericht über seine Vorgehensweise erstattet hatte.
    »Wie meinst du das?«
    »Ich weiß ja, der Kerl war verdächtig. Ich meine, ich habe ihn selbst zum Verdächtigen erklärt. Aber wäre es nicht angebracht, zunächst die Wetterstation zu überprüfen? Er ist immerhin mit seiner Freundin unterwegs! Ich bezweifle, dass er wirklich etwas damit zu tun hat. Vielleicht hat ihn nur das Gebäude interessiert, und er ist kurz rein?«
    Biskup ärgerte sich darüber, dass seine Schwester sein Vorhaben so lächerlich darstellte. »Die Wetterstation überprüfen? Alleine? Das geht nicht. Und selbst wenn er nichts damit zu tun hat, ich will die Sache genau geklärt haben. Ich lasse ungern Fäden fallen.«
    »Ja ja«, entgegnete sie genervt. Ihre Stimme schnitt sich, verstärkt durch das Schnarren des Telefons, unsanft in seinen Kopf. »Hör endlich mal auf zu stricken. Ich schlage vor, du begibst dich noch einmal zur Station.«
    Biskup diskutierte eine Weile mit seiner Schwester darüber, doch wie immer wich niemand so richtig von seiner Meinung ab. Dennoch klang ihre Stimme noch laut nach, selbst, als das Gespräch schon beendet war, sodass er sich aufmachte, um noch einmal bei der Station vorbeizuschauen. Gleich darauf würde er die Spur des Pärchens weiterverfolgen.


    *


    Aus dem Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung


    Meine Begeisterung über seine Idee hielt sich merklich in Grenzen, doch ich musste ihm zustimmen. Zu einem so gefährlichen Ort wie dem Himmelturm führte wohl kaum Fährenverkehr, sodass man als Reisender auf sich selbst gestellt zu einer Lösung kommen musste, wenn man diese Gegend besuchen wollte. Zwar konnte man Daam kaum als schwaches Pokémon bezeichnen, mich allerdings genauso wenig als Trainerin, und ohnehin kannte ich das Pokémon erst seit zwei Tagen. Nur Lebensmüdigkeit konnte ein Grund sein, auf ihr dorthin zu fliegen.
    Trotzdem vermochte ich nicht zu sagen, wie sich Pion die Sache mit dem Surfen vorstellte. Ich besaß kein Lapras, und von fast allen anderen Pokémon musste man sich auf einem Floß oder etwas Ähnlichem ziehen lassen. Dragoran kam dafür nicht in Frage, da die Fluggeschwindigkeit dieses Pokémon schlichtweg zu groß war – es erreichte fast das zweieinhalbfache der Schallgeschwindigkeit. Tropius im Gegenzug legte zwar eine angenehm langsame Geschwindigkeit an den Tag, taumelte allerdings eher, als dass es flog, sodass die Reise vermutlich eher unter Wasser als darauf stattfinden würde.
    Ich beobachtete Pion eine ganze Weile, wie er so auf Pirsch am Waldrand saß. Er bewegte sich kaum, sondern behielt die Wiese aufmerksam im Auge. Dort tat sich allerdings nichts. Kein Absol traute sich hinaus. Ab und zu stürmte eine Gruppe Zigzachs durch die Pfützen, auch raschelten sich ab und zu Myrapla durch das Gras. Ich könnte schwören, auf den lila Streifen eines versteckten Kecleons beobachtet zu haben, wie er sich dutzende Meter entfernt an einer Steinkante entlang bewegte.
    Als sich dann sogar ein Gehweiher auf einer der größeren Lachen blicken ließ, begann ich, die Geduld zu verlieren. Ich kam nicht umhin, festzustellen, dass es wesentlich langweiliger war, dabei zuzusehen, wie jemand ein Pokémon fing, als selbst auf den richtigen Moment zu warten!
    Möglicherweise hing das jedoch auch damit zusammen, dass ich mich lieber mit Pion unterhalten hätte, als einfach dazusitzen. Ihn sprechen zu hören gefiel mir, da ich jeden Moment das Gefühl hatte, dass er gleich etwas Neues ausgesprochen Unvorstellbares von sich gab – und das mit der typischen Selbstverständlichkeit!
    Ich weiß, das klingt etwas merkwürdig, wenn man eine Person erst seit einem Tag kennt. Trotzdem fühlte ich mich in diesem Moment genau so. Und das ärgerte mich auch ein wenig.
    In Gedanken versunken bemerkte ich erst nach einem Moment, dass Pion sich von seinem Versteck entfernt hatte. Er lief nun bedächtig und gemächlich auf die Mitte der Wiese zu. Hatte er sein Vorhaben aufgegeben? Jedenfalls konnte ich weit und breit kein Absol erkennen. Verwirrt blickte ich ihn an, wie er sich immer weiter dem Gehweiher näherte, das da einsam auf der Lache herumtollte. Andere Pokémon auf der Wiese machten einen weiten Bogen um den Rotschopf, doch der Wasserkäfer schien Pion entweder nicht zu bemerken oder aber einfach zu dulden.
    Ich vermag kaum zu rekapitulieren, wie seltsam der nun folgende Moment für mich gewesen ist. Pion näherte sich dem Gehweiher langsam und begann tatsächlich, mit ihm zu sprechen. Das Pokémon schien an ihm interessiert, behielt aber auch einen gewissen Sicherheitsabstand bei. Das ging eine ganze Weile so. Irgendwann streichelte Pion es sogar und tollte mit ihm herum. Ohnehin verwirrte es mich, dass er ein so großes Interesse an diesem Gehweiher zeigte, und umso mehr wuchs meine Verwunderung, als sich noch weitere dieser Pokémon dazugesellten!
    Da saß ich nun, völlig perplex, und beobachtete einen erwachsenen Mann, wie er in einer Pfütze mit einer Horde Gehweiher spielerisch herumraufte.
    Als ich nach ungefähr einer Stunde mit ansah, wie sich das erste von ihnen entwickelte, erschreckte und verwunderte mich das so sehr, dass ich glaubte, meinen Mund nie wieder schließen zu können. Gleichzeitig preschte eine Gänsehaut meinen Rücken hinunter. Ich konnte einfach nicht glauben, was da passierte!
    Irgendwann kam er dann zu mir zurück, die Gruppe Käfer im Schlepptau, und grinste mich breit an. Noch während er lief, begann er zu winken und rief: »Sieh mal, Rooke! Guck mal, wie viele Pokémon ich gefangen habe!«
    Gefangen? Noch nicht eines von ihnen hatte jemals einen Pokéball überhaupt gesehen! Ich fasste mir an den Kopf, musste aber lachen. Ein ehrliches, klares Lachen, das sich undenkbar gut anfühlte – und gleichzeitig fragte ich mich, wie lange es wohl her sein musste, dass dieses schallende Geräusch so direkt meiner Kehle entsprungen war.
    Daraufhin begann Pion, mir die Pokémon vorzustellen. Allesamt waren es Gehweiher, ausgenommen der drei, die sich bereits alleine durch das Spielen mit ihm entwickelt hatten, insgesamt neun an der Zahl.
    »Das sollte reichen, findest du nicht?«
    »Reichen wofür?«, fragte ich, doch das mehr lachend. Die Frage war so offensichtlich überflüssig, dass ich keine Ahnung hatte, warum ich sie überhaupt stellte.
    »Na um uns zum Himmelturm zu bringen. Wir mieten uns ein leichtes Boot, spannen sie vorne dran und sie ziehen uns!«
    Das gab mir den Rest.




  • Hallöchen, ich bin die Finnea, aber es nennen mich sowieso
    alle Finn, und deine neue Leserin bzw. jetzt und wenn ich mich zusammenreiße
    auch in Zukunt deine Kommentatorin.
    Tag auch!


  • 7. EN PASSANT I



    SCHWACH GLIMMTE der Bildschirm im Büro, während er als einzige Lichtquelle im Raum das müde und doch ehrgeizige Gesicht des Beamten beleuchtete. Biskup hatte den ganzen Tag über die Photos seiner Schwester durch die Datenbank gejagt, in der Hoffnung, etwas über seinen ominösen Verdächtigen herausfinden zu können. Er hatte auch einen starken Verdacht, um wen es sich handeln könnte, wollte allerdings erst sicher gehen. Zudem hatte er seine Schwester auf den Himmelturm angesetzt, da die Zeugen am Pokémon Center diesen mehrfach als Zielort der beiden angegeben hatten. Da der Himmelturm jedoch schwer zu erreichen war und die Dinge mit Eile von Statten gehen sollten, hatte ihr Biskup sein Aerodactyl zur Unterstützung überlassen. Die beiden waren schon immer warm miteinander gewesen, und nicht zuletzt vertrug sich das antike Pokémon auch mit Tauboss sehr gut und sie waren zu einigen Kombinationsangriffen fähig.
    Während Biskup dabei war, die Akten der Champs durchzusehen, blitzte plötzlich ein Suchtreffer auf dem Bildschirm auf. Ein mulmiges Gefühl machte sich in seinem Bauch breit – jetzt würde sich zeigen, ob er mit seiner Vermutung richtig lag!
    Das Bild der gefundenen Person zeigte einen jungen Mann mit rotem Haar, wie er von einem großen Gebäude, zusammen mit einem stattlichen Vulnona, einen Siegerpokal in die Höhe hielt. Darunter zeigte eine einfache Schriftart in banalen Lettern: »Winfried Epion Twinter, Übereinstimmung 78%«.
    Ein Schauer lief über den Rücken des Beamten. Er ist es! Pion, der Champ Sinnohs, der zwei Jahre zuvor von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden war. Das Aussehen des Mannes hatte sich durchaus verändert, doch eine Übereinstimmungsrate von fast 80 Prozent reichte zunächst, in Hinblick auf die weitere Indizienlage aus, um den Verdacht zu bestätigen. Wer außer einem herausragenden Trainer könnte überhaupt in Betracht ziehen, den Himmelturm zu betreten?
    Zudem sah die Beweislast noch erdrückender aus, wenn man sich die Geschichte der Scheinfirmen ansah, die Biskup momentan beobachtete. Sie alle sprossen während der letzten zwei Jahre aus dem Nichts, Entführungen häuften sich, zermürbte, psychisch zerstörte Menschen tauchten an unterschiedlichsten Orten wieder auf. Er ist es. Er ist der Rädelsführer!
    Biskups Hände glitten über die Tastatur, während er seine neuen Erkenntnisse aufschrieb. Er besaß nun gefährliches Wissen, das so schnell wie möglich an die verschiedensten Stellen geleitet werden musste. Genug Wissen, um die Organisation zu zerschlagen!
    Plötzlich hörte er hinter sich ein lautes Knacken. Gleichzeitig hörte er Schritte im Flur. Um diese Uhrzeit?, dachte sich Biskup mit einem Blick auf die Zeitanzeige seines Rechners, die 4:56 anzeigte. Wird wohl Truntman sein … ich wusste gar nicht, dass er so früh ins Büro kommt. Biskup sah dies jedoch gleich als Gelegenheit dafür, dem Abteilungsleiter direkt von seinem Fund zu berichten, sodass er schnell seine Aufzeichnungen zu Ende tippte und den PC herunterfuhr. Daraufhin drehte er sich um und erschrak fürchterlich, als er im Zimmer eine dunkle Gestalt sah, die ihn beobachtete – nun da der Bildschirm ausgeschaltet war, konnte er nur noch durch das schwache Licht der Laternen von draußen schemenhaft erkennen, was vor ihm lag. Vor Schreck fuhr Biskup zurück, stieß gegen dir Tischkante und holte tief Luft, als die Person langsam auf ihn zuschritt. Panisch drücke er hinter sich auf dem Schreibtisch herum, um den Schalter der Stehlampe zu erwischen, bis es ihm endlich gelang und er in das Gesicht einer hübschen, schlanken Frau blickte, die ihn mit strengem Blick ansah.
    Plötzlich atmete Biskup auf. »Du bist es nur, Thea …«
    Jetzt, wo er wusste, wonach er suchen musste, erblickte der junge Mann auch das am offenen Fenster schwebende Nebulak, das immer in ihrer Nähe herumschwirrte. Als Beamtin des Naturschutzes, die für Geheimoperationen im Verdeckten zuständig war, stellte es für Thea kein sehr großes Hindernis dar, durch ein offenes Fenster im Erdgeschoss unbemerkt in ein Zimmer einzudringen. Biskup hatte die Angewohnheit, nachts mit offenem Fenster zu arbeiten, da ihn die kühle Luft erfrischte.
    »Wieso jagst du mir so einen Schrecken ein?«, fragte er streng vorwurfsvoll, doch Thea grinste ihn nur leicht mitleidig an.
    »Du hast so süß ausgesehen von draußen. Ich muss gleich los zu einem Außeneinsatz, brauchte vorher noch ein paar Unterlagen aus deinem Büro. Als ich sah, dass du noch da bist, wollte ich nicht stören.«
    »Du bist auch zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs …«
    »Die Sicherheitslücken sind in bestimmten Gebäuden eben nur zu früher Stunde verfügbar. Naja, ich bin langsam wirklich spät dran. Übrigens, gute Arbeit, das mit Pion. Endlich haben wir ihn! Wo ist er zur Zeit?«
    »Himmelturm … Ratsu ist auf dem Weg«, gab Biskup trocken zurück. »Aber wir wollen ihn vorerst nur beobachten. Und du? Was hast du vor?«
    »Wetterstation infiltrieren … was auch sonst.«
    Theas kaltes Gemüt überraschte Biskup stets aufs Neue. Diese junge Frau war nicht immer auf Seiten des Rechts gewesen, sondern begann ihre Karriere als Undercover-Agentin von Team Rocket mit 16 Jahren. Jetzt, zehn Jahre später, hatte sie bereits ein längeres Register an zwielichtigen Aktivitäten vorzubringen, doch nun war sie irgendwie hier gelandet. Biskup seufzte.
    »Nun gut, lass dich nicht aufhalten. Ich muss zu Truntman.«
    Mit diesen Worten stand er auf und ließ Thea alleine im Zimmer zurück, um sich auf den Weg zu seinem Vorgesetzten zu machen, der wohl wenige Minuten zuvor das Gebäude betreten hatte. Vor seinem Büro angekommen, klopfte er drei Mal und hörte aus dem Inneren einen Schmerzensschrei und das Geräusch von umherfallendem Gerümpel, kurz darauf gefolgt von einem wehklagenden »Herein!«. Also öffnete Biskup die Tür.
    Drinnen rieb sich Truntman, ein grobschlächtiger, großer Mann von athletisch-breiter Statur die Hand, mit der er soeben einen kleinen Schrank umgeworfen hatte. Das Büro des um die 40 Jahre alten Mannes war seiner Position entsprechend groß und luxuriös, wenn auch der chaotische Charakter des Mannes stark auf die Natur des Zimmers Einwirkung hatte – überall klebten Zettel, hingen Bilder von verdächtigen Personen und lagen Akten herum.
    »Was erschrecken Sie mich so?!«, raunte er Biskup entgegen, der sich davon nicht weiter beeindrucken ließ.
    »Pion. Ich habe ihn.«
    Daraufhin hielt Truntman beim Reiben seiner Hand inne und hörte Biskup dabei zu, wie er von seinem Fund berichtete. Biskups Art Vorgesetzten und Gleichgestellten gegenüber zu sprechen unterschied sich nicht wesentlich von der Art, wie er mit Untergebenen redete – auf eine kühle, zugleich betont distanzierte und zuweilen freundlich-observierende Art. Ihn umgab ein kühles Naturell.
    »Das sind sehr gute Neuigkeiten. Gut gemacht, Biskup.«
    Der Leiter der Naturschutzbehörde Hoenns blickte Biskup stolz in die Augen. »Wissen Sie was? Sie leiten die Angelegenheit jetzt. Sie arbeiten nun lang genug hier, als dass sie die Chance bekommen sollten, Führungskräfte unter Beweis zu stellen. Außerdem brauche ich etwas Ruhe. Ich denke ich werde einigen Stoßzahnjägern in Moosbach-City das Handwerk legen.«
    Ruhe bedeutete für Truntman Ruhe vor dem Bürodienst. Um sich davon zu erholen, erledigte er ab und zu einige Wochen Außendienst, und zwar den von der härteren Sorte.
    Obwohl Biskup bei dem Gedanken, eine größere Ermittlung im Alleingang leiten zu dürfen, eine Gänsehaut bekam, gab er sich seinem Vorgesetzten gegenüber betont gelassen. Dennoch fühlte es sich für ihn sehr angenehm an, dass man ihm ein derartiges Vertrauen entgegenbrachte. Und nicht zuletzt war es gänzlich ungewohnt für ihn, über den Einsatz von Kräften wie Thea Rose entscheiden zu dürfen, denn sie herumzukommandieren bedeutete fast immer einen Erfolg der zugeteilten Mission. Sie war sozusagen das Ass im Ärmel der Naturschutzbehörde, obwohl, so gesehen, fast niemand der hier Angestellten nicht exzellent in seinem Arbeitsgebiet war.


    *


    Dr. Vanker spazierte während seiner Mittagspause über den Gerätehof der Wetterstation. Drinnen waren die Einräumarbeiten in höchstem Gange, recht bald würden sie von hier verschwinden können. Inna lief, sein Hosenbein festhaltend, neben ihm her. Sie tapste mit unsicherem Blick über den Boden, bis sie sich unvermittelt aufrichtete, als ihr ein Schuh in den Rand des Blickfeldes geriet. Sie sah auf und erblickte Hetman, wie er sich den beiden näherte.
    »Wir haben bald alles eingeräumt«, erklärte er. »Es wird nicht mehr lange dauern.«
    »Oh, hallo Hetman. Danke, das ist gut. Ich glaube, wir können dieses Kapitel nun bald abschließen und unsere Forschungsarbeiten woanders fortführen. Wurden die anderen Forschungsstationen kontaktiert?«
    »Bezüglich des Hauptquartiers? Ja.«
    Vanker nickte zufrieden. »Da wir für den Umzug und die Neueinweihe einen Haufen Budget verbraten, ist es besser, gleich unser Hauptquartier ins neue Labor zu verfrachten. Wenn sich der Vorstand damit einverstanden erklärt, sollten wir das so schnell wie möglich in die Planungen einfließen lassen.«
    »Apropos Vorstand …«, begann Hetman, »was genau ist jetzt eigentlich mit Twinter? Wir haben den Kontakt zu ihm verloren.«
    Vanker nickte zustimmend, was nicht so recht mit Hetmans Aussage zusammenpasste. »Das ist so, wie es sein soll. Pion geht momentan einer anderen Aufgabe nach.«
    »Halten Sie es denn für richtig, wenn unser Leiter plötzlich in so einer Zeit den Kontakt zur Organisation abbricht?«
    »Glauben Sie mir, Hetman, dieser Mann weiß, was er tut.« Vanker brachte ein gequältes Lächeln hervor. »Er hat diese Einrichtung über die Jahre mit baren Händen aufgebaut und würde sie nicht verlassen, ohne ausreichend Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Außerdem befindet er sich auf einer Mission, die für das Fortbestehen der Organisation von großem Wert ist.« Hetman schüttelte unzufrieden den Kopf, sodass Vanker fortfuhr: »Ich weiß, Sie sind erst seit wenigen Monaten Mitglied, aber sie haben sich hervorragend gemacht. Bitte verstehen Sie, dass die Umstände von Epion Twinter noch nicht in ihrer Geheimhaltungsklassifikation liegen, weswegen mir die Hände gebunden sind. Nur so viel – er dient für uns sozusagen als Backup. Wenn er gefangen wird, kann die Organisation überleben. Wenn wir zerschlagen werden, kann er die Organisation wieder aufbauen. Getrennter Wege zu gehen, nun, da wir autarke Arbeit leisten, ist deswegen eine herausragende Option. Wir werden von Gefahren umgeben, man ist uns auf den Fersen. Jetzt noch mehr als zuvor, da die Naturschutzbehörde gegen uns ermittelt. Das sind mächtige Leute, Hetman, soviel sei Ihnen gesagt.«
    Dieser nickte, sein Blick hatte sich etwas gefestigt. »Was wird eigentlich gegen diese Einrichtung unternommen? Haben wir sie bereits unterwandert?«
    Vanker lächelte matt. »Sie begehen denselben Fehler wie wir vor ein oder zwei Jahren. Sie unterschätzen diese Leute. Kein staatliches Organ ist so sehr zu fürchten wie sie. Das sind Idealisten, mein Freund. Menschen, die aus Überzeugung handeln und die besten ihres Faches sind.«
    Hetman konnte ein Lächeln nicht verbergen.
    »Oh, Sie sind ehrgeizig, nicht wahr, mein Freund?«, lachte Vanker daraufhin. »Ja, es sind ebenbürtige Gegner. Aber wir sollten Angst haben.«
    Der Mann nickte. Zu zweit spazierten sie nun schon die dritte Runde um den Hof, während die Vögel herumzwitscherten und die Sonne unter den Bäumen dunkle Schattenspiele malte.
    »Trotzdem – was spricht gegen den Versuch einer Infiltrierung?«, insistierte Hetman, der die Problematik noch nicht ganz durchblickt hatte. »Immerhin kann man es mal ausprobieren. Der mögliche Nutzen wäre immerhin unfassbar groß, oder nicht?«
    Vanker nickte. »Wir haben es versucht. Mit guten Leuten.« Vanker seufzte und blickte zu Boden. Dabei schüttelte er leicht den Kopf und ballte eine Faust. »Doch bei derartigen Versuchen haben wir nun schon sechs unserer besten Agenten verloren.«
    »Verloren?«, fragte Hetman überrascht und blieb stehen. »Sie sind jetzt tot?«
    »Nein. Sie sind jetzt Naturschützer.«


    *


    Aus dem Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung


    Endlich strandeten wir an der kleinen Sandinsel, die den Himmelturm beherbergte. Verglichen mit ihrer Größe war die Höhe des Turms ungeheuerlich, sodass man sich fragte, wieso der Fleck Land nicht einfach durch das Hohe Gewicht unterging. Der Rand der Insel war zerklüftet und felsig, viele Höhlen und große Gesteinsbrocken umrahmten den Strand und erschwerten den Zugang zum Eingang des alten, zerbröckelten Turms, der aus Sandstein gefertigt war. Hier, von außen, sah man lediglich ein paar Wingull den Turm umfliegen, ansonsten konnte man noch nichts von den finsteren Wesen erahnen, die das Innere des altertümlichen Bauwerks bewohnten und beherrschten.
    Insgesamt hatten wir zwei Nächte auf See verbracht, da die von Pion frisch gefangenen Pokémon nicht gerade die schnellsten Schwimmer oder Flieger waren. Dennoch hatten sich bis auf zwei alle Gehweiher zu Maskeregen weiterentwickelt, sodass wir nun einen kleinen Schwarm hatten, der uns begleitete. Auf dem Weg hat sich Pion aber noch einen Spaß daraus gemacht, ein Karpador und ein Tentacha zu fangen.
    Nachdem wir uns auf einen Felsvorsprung gesetzt hatten, von dem aus wir weiter nach oben klettern konnten, ruhten wir uns für eine Weile aus. So viele Stunden auf dem Boot zu verbringen, verlangte uns doch ein deutliches Maß an Ausdauer ab, auch wenn ich die unglaublich befreienden Pausen, in denen wir im Meer herumgeschwommen waren, unglaublich genossen habe. Zudem stellte sich Pion als exzellenter Reisepartner heraus – ruhig dann, wenn man selbst Ruhe wollte, aber redselig in jedem Moment der Langeweile. Wir beide waren das Reisen gewohnt und konnten uns somit gut mit uns selber beschäftigen, aber es stellte eine erfrischende Abwechslung dar, jemanden zu haben, mit dem man sich unterhalten konnte.
    Ich ließ (natürlich bis auf Pawn) alle Pokémon aus dem Ball, die ich bei mir trug, um ihnen den seltenen Blick auf den Himmelturm zu ermöglichen. Sowohl Dontuit als auch Fridge zeigten sich beeindruckt, während Daam lediglich zufrieden dreinblickte. Es schien fast, als wäre sie bereits hier gewesen.
    Pion streichelte sie und redete dem Dragoran etwas zu, dann wandte er sich an mich. »Daam ist ein ganz besonderes Pokémon. Ich habe erst sehr selten ein wildes Pokémon gesehen, das derart ausgeglichen ist. Es kommt selten vor, dass man in den Besitz eines Wanderpokémons kommt, aber dass es dann auch noch ein so starkes ist …«
    Ich stand auf und ging zu ihm und meinem Pokémon.
    »Sieh nur«, sagte er und deutete auf die muskulösen Arme des Drachens. »So etwas bekommt man nur durch intensives Training hin, und es ist selten, dass freilebende Pokémon aus eigener Hand sich in dieser Weise trainieren.«
    Ich ahnte, was er meinte, auch wenn seine Worte doch eher Neuland für mich darstellten. »Was kann sie so für Angriffe?«
    Pion nickte mir zu. »Ich habe sie nicht in Aktion gesehen, aber ihrem Level nach zu urteilen Wutanfall, Drachenklaue und Drachentanz als Mindestes. Ich glaube aber, darum musst du dir keine großen Sorgen machen.«
    Während seiner Erläuterungen brauste das Meer heftig gegen die Felswände. »Wieso nicht?«, fragte ich, nach einem kurzen Moment.
    »Du bist keine Trainerin. Ich denke, es wäre besser, wenn du Daam das Kämpfen alleine überlässt, sie ist ungeheuer erfahren. Außerdem ist sie auf Level 66. Sie würde dir vermutlich nicht einmal gehorchen, sondern selbst eine bessere Angriffsstrategie kennen.«
    Ich antwortete nicht, freute mich aber insgeheim darüber. Es machte mir Mut, eine Begleiterin zu haben, auf die ich mich verlassen konnte und die wusste, was sie tat – zumal ich mich als etwas hilflos ansah, wenn es um das Kämpfen ging.
    »Kannst du mir trotzdem noch etwas mehr erzählen?«
    Pion lächelte mich an und nickte. »Sie ist ein Sweeper mit Gewicht auf Angriff und Initiative. Vermutlich eine Tänzerin, so wie ich sie mir ansehe, mit gewaltigem Klaueneinsatz. So gesehen also ein Nahkämpfer, auch wenn ich bezweifle, dass sie im speziellen Bereich gänzlich unfähig ist. Ich nehme sogar an, dass sie beides häufig praktiziert, je nach dem, was die Situation verlangt, ihr Training fußt allerdings ganz enorm auf Ersterem. Ihre Fähigkeit verringert die Ausdauer der Gegner, da sie schneller durch ihre eigenen Attacken erschöpft werden. Ich glaube, alles weitere wirst du dann herausfinden, wenn du sie selber beobachtest.«
    »Danke.«
    »Ah, eins noch – sie scheint die menschliche Sprache ganz gut zu verstehen. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie einst einen menschlichen Freund hatte, wenn auch wohl keinen Trainer. Aber das wird schon einige Jahrzehnte zurückliegen.«
    Ich musste lachen, es kam plötzlich über mich. Gleichzeitig schüttelte ich den Kopf und fragte mich, woher um Himmels Willen Pion all das wusste. Wer um alles in der Welt war das?
    »Na gut!«, sprach er dann und machte einen Schritt zurück. »Ich muss mich dann mal um etwas kümmern und will mich auch etwas umsehen. Ich schlage also vor, dass wir uns jetzt trennen und du dich etwas mit Daam unterhältst. Immerhin musst du ihr erklären, wer genau du eigentlich bist – ihr sagen, dass du darauf aus bist, seltene Freunde zu finden und nicht der beste Trainer zu werden. Da herrschen unter Pokémon gerne so manche Stereotypen. Wenn sie weiß, auf was du aus bist, dann wird es ihr wesentlich leichter fallen, dich zu unterstützen!«
    Mit diesen Worten drehte er sich um und kletterte eifrig die Steine hinauf. Ich rief ihm einen Abschied zu und wandte mich sogleich an Daam.
    Es dauerte eine ganze Weile, ihr alles zu erklären. Sie verstand zwar vieles, aber nicht alles, machte manchmal ein fragendes Gesicht und versuchte mich zu unterbrechen und mit Zeichensprache eigene Gedanken zu verdeutlichen. Das gefiel mir ungemein, da ich merkte, dass ihr wirklich etwas an Zusammenarbeit gelegen war.
    »So«, sagte ich dann, als ich ihr das meiste mitgeteilt hatte. »Wollen wir uns dann auf den Weg nach oben machen? Ich habe gehört, dort soll es einen mächtigen Drachen geben!«
    Daam schüttelte den Kopf. Das überraschte mich zunächst, doch dann hampelte sie etwas herum und versuchte mir irgendwas zu sagen.
    »Du bist also dagegen, ein Pokémon zu fangen?«
    Sie schüttelte den Kopf.
    »Aber dagegen, Rayquaza zu fangen?«
    Sie nickte.
    »Also gibt es dort oben etwas anderes, das ich fangen kann?«
    Wieder nickte sie, nun etwas heftiger. Dann machte sie ausladende Bewegungen mit ihren Armen und deutete daraufhin in den Himmel.
    »Hm … meinst du die Wolken?«
    Wieder ein Nicken. Langsam bekam ich ein Kribbeln im Bauch. »Und du meinst, dort gibt es Drachen?«
    Wieder nickte sie. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht.
    »Willst du mir etwa sagen, auf dem Himmelturm …«, ich machte eine theatralische Pause, »gibt es Altaria?!«
    Wieder ein Nicken. Ich konnte mich nicht zusammenreißen und fiel Daam um den Hals.




  • Soo, nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich auch mal wieder ein Kommentar von mir im BisaBoard, nachdem ich mich mühsam hier im FF-bereich eingelesen habe. Nach langem Zögern bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass aktuell kaum gute neue Storys erscheinen, und ich mich deshalb mit einer etwas "älteren" Geschichte befassen möchte. Wahrscheinlich werde ich jetzt nicht den ganzen Kommi schaffen, werde den rest dann später noch schreiben.


    [tabmenu][tab=Kommis][subtab=Startpost]

    Joa, eins ist gleich mal festzustellen: Dein Name hat sich in einem Jahr hier nicht verändert, die Bereiche aber schon. Nein, deine Story befindet sich weder im Miscellaneous-, noch im Shipping-Bereich. Aber im Sinne ist mir das egal, das bringt ein wenig die Erinnerung an früher zurück. Genau wie die Tatsache, dass ein Startpost vorhanden ist, und an dem möchte ich mich auch nicht lange aufhalten, weil er mir eiegntlich auch relativ gut gefällt. Du beginnst mit einem Header - Was die Pokemon darauf bedeuten wird hier zunächst nicht deutlich, aber vielleicht finde ich das ja noch heraus - und anschließend dem Vorwort. Vielleicht hättest du unter den header noch ein kurzes Zitat setzen können, aber das sind Kleinigkeiten.
    Danach folgt das Tabmenu, und ich muss zuegeben, deine Art zu unterstreichen ist schon etwas besonderes. Die Dinge, die herausstechen sollen, schaffen das auch sehr erfolgreich. Das die Charaktere keine Steckbriefe bekommen, finde ich persönlich nicht schlimm, weil ich in den meisten Fällen auch keine anfertige.
    Ich denke, dass dein Startpost an sich auch sehr viel mit Humor gefült ist (Bsp.: "WAS HAST DU DIR NUR DABEI GEDACHT ??"). Der Klappentext ist kurz und knapp gehalten, genau so, wie die Widmung. Es folgt deine Kapitelübersicht, und ich bin davon ehrlich gesagt ein wenig begeistert, und werde die vielleicht in einer ähnlichen Art übernehmen.


    Insgesamt ist der Startpost so also relativ gut gefüllt. Was mir nur wirklich fehlt ist das Copyright, bzw. auch einfach nur die urheberrechte, da du eben Pokemon nicht erfunden hast, außer sie sind alle selber ausgedacht. Dann wäre da aber trotzdem noch die oenn-Region, also bitte noch editieren. Ich denke, dass das noch ein ziemlich wichtiger Punkt wäre.


    [subtab=Eröffnung]

    Eine kurze Eröffnung, hier hätte mir als Überschrift auch "Erster Zug" sehr gefallen, die für viele junge Autoren hier schon länger als ein ganzes Kapitel ist. Na ja, du weist ja, wie ich dem Niveau hinterher trauere. Zunächst einmal muss ich sagen, dass das Geheimnis um die beiden Pokemon in deinem Header gelöst ist. Das Gengar spielt (mal wieder) eine Partie Schach gegen das Simsala. (Da muss man fünf Wörter in einem Satz groß schreiben, und ich mache es bei sieben falsch) Noch über der Eröffnung ist ein Bild vorzufinden, welches natürlich auf Grund der gespielten Partie Schach auch sehr gut zu dem Schriftlichen passt. Dabei fällt mir jedoch auf, dass zu dem Bild im Startpost (ganz oben) die Quellenangabe fehlen müsste, bin mir jedoch nicht ganz sicher.
    Häufig sage ich, dass Sätze, wie "Super geschrieben, weiter so", nichts bringen, in diesem Fall jedoch kann ich nicht viel mehr dazu kommentieren. Durch die kurze Art der Sätze (nicht zu lang und komplex) entsteht auch eine gewisse Geschwindigkeit im Spiel, welche ich als Leser sehr gut erfassen kann. Zum Ende hin wird das Wort "Drachenvariante" benutzt, welches jedoch nicht erklärt wird. Diese Effekt erzeugt Spannung, wodurch man als Leser, sofort auf das nächste Kapitel wartet - Was für mich ja kein Problem ist, da bereits einige vorhanden sind.


    Alles in Allem (Oh man, werde ich heute viele Varianten dafür finden müssen) ist es also eine kurze, aber trotzdem Spannende Einleitung in die Geschichte. Gut gelungen, eventuell könnte sie ein wenig länger sein, aber wie gesagt, das sollte hier echt nicht als großes Problem dargestellt werden.


    [subtab=Kapitel I]

    Okay, fertig gelesen. Also, ein junges Mädchen berichtet vom Beginn ihres Abenteuers, sowie ihres Aufenthaltes im Dschungel der Hoenn-Region, sofern ich das richtig verstanden habe. Besonders schön finde ich hierbei, dass meine eigentlich gespeicherten Zitate, doch nicht gespeichert wurden. Gut, dann also auf Umwegen...


    Zitat von Dir

    Wie es sich für ein aktives zehnjähriges Mädchen gehört, habe ich vor sieben Jahren mein erstes Pokémon erhalten.


    Also, der Satz stand relativ weit oben, im Kapitel. Schade, dass ich die anderen zitate jetzt nicht habe, um eine gute Überleitung zu finden. Na ja, egal. Also, dieser Satz erscheint mir persönlich etwas seltsam, da das Mädchen bereits 17 ist. Der Satz an sich ist zeitlich zwar korrekt, da die Tatsache, dass ein zehnjähriges Mädchen in der Story auch zu dem Zeitpunkt des Erzählens noch ihr Pokemon bekommt, stimmt, aber irgendwie hätte ich ihn dann doch umgeschrieben, ich weiß auch nicht warum. Eventuell hätte ich einfach die Teilsätze umgedreht.
    "Bereits vor sieben Jahren bekam ich mein erstes Pokémon, wie es sich für ein aktives zehnjähriges Mädchen gehört."
    In diesem Fall steht die Tatsache des Erhaltens noch vor dem zeitlichen Aspekt. Vielleicht philosophiere ich hier aber auch gerade umsonst, weil ich meinen Argumenten selber nicht folgen kann. Der Satz würde mir so trotzdem besser gefallen.


    Zitat von Dir

    es jedoch lächerlicherweise gerade mal Level siebzehn erreicht hat!


    Auch dieses Zitat habe ich wiedergefunden. Grundsätzlich stelle ich mir hier die Frage, woher die trainerin das Level ihres Pokemons kennt. Muss ich davon ausgehen, dass du dich eher an den Spielen, als an der Serie hälst, denn soweit es mir bekannt ist, erfährt man in der Serie keine Levelangaben? Auf der anderen Seite verdeutlicht das Wort "lächerlicherweise" auch den Charakter der Trainerin. Auch wenn ihr Level egal zu sein scheinen - Das geht für mich zumindest so aus dem Text hervor - findet sie ein "so" niedriges Level trotzdem lächerlich. Höhere Level zählen dann doch mehr, auch wenn sie es sich möglicherweise selbst nicht eingestehen möchte. (Wenn ich überinterpretiere, musst du es nur sagen - Aber ich schreibe trotzdem so weiter) Ansonsten würde es mich noch interessieren, bis zu welchen Zahlen du sie ganz ausschreibst, den in der Regel macht man dies ja nur bis zwölf. Aber das stört mich nicht.


    Komme ich noch zu etwas Allgemeinem. Die Kapitel werden (zunächst?) in Form von Tagebucheinrägen geschrieben. Die erstenAbsätze dienen hierbei als Einleitung, warum es so geschieht. Besonders dieser Einstieg in das kapitel gefällt mir sehr. Der ist dir wirklich gut gelungen. Ich weiß ja nicht wie es bei dir ist, aber die ersten beiden Absätze im ersten Kapitel sind das, was ich am häufigsten ändere. Von daher ein wirklich großes Lob an dich. Die Länge gefällt mir auch, zur Orientierung, das waren so 1700-1800 Wörter - hab es mal überprüfen lassen. ich denke, dass das auf jeden Fall eine ordentliche Länge ist. Meistens werden Kapitel im Verlaufe der Zeit und mit jedem geschriebenem Wort mehr, noch länger. Insgesamt ein fesselndes kapitel, das den Leser auf jeden Fall an die Story bindet. Weiter so (auch wenn du schon weiter gemacht hast)!


    Zitat von Dir

    Seht das, was ihr bisher gelesen habt, doch als Probe an – als Test, ob ihr würdig seid, den folgenden Teil zu erfahren, oder nicht!


    Mache ich. :)


    [/tabmenu]


    Also, zusammenfassen, eine tolle Story, und den Rest werde ich dann später editieren oder in einem neuen Post verfassen, falls du bis dahin schon weiter geschrieben hast. Eventuell hänge ich das ein oder andere Kapitel noch heute Abend an. Und verzeih mir bitte die wahrscheinlich gaaanz häufig auftretenden Fehler (wahrscheinlich am meisten Wörter, die klein geschrieben sind, obwohl sie groß geschrieben werden müssten). hatte jetzt echt keinen Nerv mehr, um nochmal alles zu überfliegen.


    ~ Flocon

  • 8. EN PASSANT II


    AUS DEM Tagebuch von Rooke Noir, Fortsetzung


    »Dann sollten wir gleich los!«, rief ich aus, »wir haben ja Zeit, solange Pion weg ist …«
    Ich hielt inne. Ein unangenehmes Gefühl überflutete mich, als ob ich mich an eine vergessene Erledigung erinnern würde. Pion war nicht da – also die perfekte Gelegenheit, Pawn wieder an die frische Luft zu lassen, bis er zurückkommen würde. Daraufhin ließ ich Daam zurück in den Pokéball, mit der Versicherung, dass wir bald ein Altaria fangen würden, und ließ Pawn frei. Sie sah sich ängstlich und hektisch um, war aber scheinbar zufrieden, als sie Pion nirgends entdeckte. Daraufhin schritt sie auf mich zu und schmiegte sich an mich, während ich sie streichelte.
    Was hat dieser Kerl ihr nur angetan?, fragte ich mich resignierend und eine Spur Wut brannte in mir auf. Bis jetzt hatte ich keinen Anhaltspunkt gefunden, der mich irgendwie darauf hinführte, was Pion dazu verleitet hatte, dieses Vulnona so zuzurichten, wie es bei unserer ersten Begegnung aussah. Ich drückte das Pokémon an mich, als plötzlich ein Lichtblitz direkt vor mir auftrat.
    »Basilias!«, rief ich dem großen Simsala entgegen, das auf uns herabblickte.
    Es nickte mir zu. »Da ist ja auch das Vulnona. Hat sich etwas ergeben? Hast du den Trainer gefunden?«
    Ich lief tomatenrot an. »Also, die Sache ist die – ja, ich habe den Trainer gefunden. Ich bin ihm sogar dicht auf den Fersen.«
    Das Pokémon nickte erneut. »Lass es mich wissen, sobald du Näheres erfährst. Was tust du denn hier am Himmelturm?« Es blickte sich um und seine Augen blieben an der Spitze des Gebäudes haften. »Pass auf den Wächter des Turms auf. Nicht, dass du in Schwierigkeiten gerätst.«
    Ich blickte es überrascht an, sagte aber nichts weiter dazu.
    Basilias ist auch unter den Simsala eines der besonders klugen. Gelegentlich reicht sein Kopf sogar als Halter seiner eigenen Gedanken nicht aus, und sie durchbrechen seine Schädeldecke und schwappen auf andere Personen in der Umgebung über. Das ist mir schon ab und zu passiert, wenn er eine Weile in meiner Nähe war. Gerade jetzt, wo er so nachdenklich vor mir stand, bekam ich wieder die Befürchtung, dass es bald erneut soweit sein könnte – ein durchaus unangenehmes Gefühl, wenn der werte Leser mich fragt. Naja, genau genommen könnt ihr mich nichts fragen, aber ich kann ja wenigstens so tun, als würde ich versuchen, das Ganze hier ein wenig interaktiv zu gestalten!
    Jedenfalls … wo war ich?
    »Heey! Rooke! Rate mal, was ich gefunden habe!«, ertönte plötzlich eine durchbohrende Stimme in meinem Kopf, während ich in Gedanken versunken mit der Hand über Pawns Kopf streichelte. Das Vulnona zuckte im selben Moment wie ich abrupt zusammen, als es diese Worte vernahm. Allerdings zögerte Pawn längst nicht so lange wie ich, sondern hatte sich eilends aus meinem Griff befreit und war an der Steinkante entlang um die Ecke entschwunden – und das gerade rechtzeitig, um dem Blick von Pion zu entgehen, der gerade von einem höheren Felsen zu mir hinabgesprungen war.
    »Gott, was ist das für eine wundervolle Luft hier!«, rief er erfreut aus, während ihm der Meereswind durch die Haare fuhr und sie tüchtig durcheinanderwirbelte. Zwar saß mir der Schock noch in den Gliedern, gleichzeitig aber machte sich ein erhebendes Gefühl in meiner Magengegend breit, als ich ihn so anmutig dastehen sah.
    Kaum hatte ich wieder Gelegenheit, meine Umgebung zu fühlen und wahrzunehmen, bemerkte ich, dass mich zeitgleich mit Pawn auch Basilias wieder verlassen hatte. Mir wurde etwas unwohl bei dem Gedanken, dass er wohl mehr über Pion wusste als ich. Insgesamt rundete mein Begleiter jedoch mein Gefühlskarussell ab, indem er mir die Hand ausstreckte, um mir aufzuhelfen, seinen Arm um mich legte und mit grinsendem Gesicht seinen neuen Begleiter vorstellte.
    Jetzt sah ich mich nämlich einem kleinen Zwerg, oder eher, einem dünnen Männchen gegenüber, das ich sehr schnell als ein Zobiris wiedererkannte, wie sie hier im Himmelturm lebten.
    »Ich habe mich mit ihm unterhalten, und es ist sehr neugierig auf die Orte, die wir noch bereisen wollen! Deswegen hat es sich bereiterklärt, mit uns mitzukommen. Ich finde es immer praktisch, wenn man jemanden dabei hat, der gar keine Schwäche besitzt!«
    Ich runzelte etwas die Stirn, weil ich mir beileibe nicht vorstellen konnte, wie Pion ein Zobiris dazu überredet haben wollte, aus seiner Heimat auszuziehen. Dennoch winkte ich dem kleinen Wesen, das grinsend zurückblickte und sich ruckartig und trotzdem mit sonderbarer Eleganz umherbewegte, während seine kristallenen Augen unermüdlich an mir hafteten. Ich machte mich also von Pion los und schritt auf das Zobiris zu, kniete mich hin und schüttelte ihm die Hand. Man merkte jedoch eindeutig, dass es sich um ein Geist-Pokémon handelte, denn seinen Gliedmaßen fehlte jegliche Masse. Das Gewicht dieses Pokémon setzte sich nur aus den Steinen in seinem Magen und den Juwelen auf seiner Haut zusammen.
    »Auf gute Zusammenarbeit«, flüsterte ich dem Wesen zu, das aufgeregt nickte und meine Hand gar nicht mehr loslassen wollte. Dann wandte ich mich wieder an Pion. »Wieso kann es überhaupt Menschensprache?«
    Dieser blickte mich überrascht an. »Ja, sag mal, sprichst du denn nie mit wilden Pokémon?«
    Ich verzog mein Gesicht, da diese Aussage in mir einige Wutnerven regte. Ich mag es gar nicht, so behandelt zu werden, als wäre ich ahnungslos, nicht mal dann, wenn ich es tatsächlich bin.
    »Wir Menschen geben rund 90% unserer Informationen über unsere Mimik und Gestik preis – also fast so viele, wie die Pokémon selber. Sie sind darauf angewiesen, diese zu interpretieren, weswegen ein jedes Pokémon ein irres Verständnis für diese Art der Informationsweitergabe aufweist. Es muss deine Worte also gar nicht verstehen, um deine Intention ablesen zu können. Wenn ein Pokémon langsam anfängt, die Menschensprache zu sprechen, dann hilft ihm das in der Regel nur, um abstraktere Sachverhalte zu begreifen.«
    Ich blickte meinen Gefährten skeptisch an, weil das, was er mir erzählte, komplett neu für mich war – und sicherlich nicht zum Allgemeinwissen gehörte.
    Vielleicht kann der werte Leser jetzt langsam verstehen, wieso ich Pion für einen so außergewöhnlichen Menschen halte. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo er sein ganzes Wissen her hat, doch es ist einfach unglaublich, dass er herumrennt und Pokémon rekrutiert, indem er mit ihnen spricht, dass er die Kampffähigkeiten eines Pokémon durch einen bloßen Blick darauf ergründen kann und dass er fähig ist, mein Inneres so aufzuwühlen, dass ich in dieser Art von ihm schreibe, obwohl ich doch genau weiß, dass da etwas nicht koscher mit ihm ist. Immer wieder, während ich hier sitze und schreibe, driften meine Gedanken zur armen Pawn, und ich bereue, dass ich derart positiv von dem Menschen schreibe, der ihr ganzes Leid zu verantworten hat.
    Jedenfalls warte ich noch auf ihre Rückkehr. Pion tollt gerade mit seinen Pokémon umher, sodass ich die Zeit nutze, hier weiterzuschreiben. Pawn versteckt sich noch immer. Ich werde sie suchen, sobald ich hiermit fertig bin und mich eine Weile von Pion lossagen kann. Und dann hole ich mir ein Altaria!
    Ende der Eintragung


    *


    Seine ruhige Hand lehnte auf dem Kopf des stillen Pokémon, das sich hinter einem Felsblock auf der anderen Seite des Himmelturms versteckt hatte.
    »Was hat man dir nur angetan?«, fragte Basilias und schüttelte den Kopf. »Dieser Pion … du, liebe Pawn, bist der Schlüssel zu diesem Rätsel. Einem Rätsel, das die Basis ist zum Sieg in dieser Partie.«
    Das Simsala blickte sich um. Das Meer rauschte einige dutzend Meter unter ihnen und ein strenger Wind pfiff am Gestein entlang. Einige Wolken kamen am Horizont auf und dunkelten den Himmel ab.
    »Lass mich sehen, was dir widerfahren ist«, flüsterte das Simsala. Daraufhin packte es einen seiner Löffel fester und hielt ihn in die Richtung von Pawns Kopf – dann schloss es die Augen und ein stummes Leuchten brach aus seiner Hand empor.
    Kurz darauf flammten bereits die ersten Blitze in Basilias Bewusstsein auf, schlackerten durch seine Neurone. Doch er brauchte einen Moment, um die fremden Gedankenfetzen zu sortieren und aufzunehmen, bis sie für ihn einen Sinn ergaben. Aber kurz bevor ebendies geschah – nur einen Bruchteil davor – schlug ihm ein unangenehmes Gefühl entgegen, ein Zerwürfnis.
    Prompt wurde er aus seinen Gedanken gestoßen und taumelte kurz zurück, dann riss er die Augen auf und sah das Vulnona gespannt an, welches ihm mit festem Blick und defensiver Pose gegenüberstand.
    Einen Moment lang stand das Simsala still da. Dann schüttelte es den Kopf und ging wieder auf das Feuer-Pokémon zu. »Du hast da eine mächtige Barriere aufgebaut. Es kommt wirklich selten vor, dass jemand so stark verhindern möchte, dass ich etwas erfahre. Dabei hast du vor mir nichts zu befürchten.«
    Doch das Vulnona schüttelte vehement den Kopf und rückte stattdessen noch etwas näher an die Wand. »Du weißt nicht, ob du mir trauen kannst. Nun, das ist nur allzu verständlich. Aber lass mich bitte nur eine Sache sehen. Ich möchte sehen, wer dich so zugerichtet hat, als Rooke dich fand. Kannst du mir das erlauben? Es tut mir leid, denn dieses Wissen ist für mich absolut notwendig. Sonst weiß ich nicht, ob ich weiter zulassen kann, dass Rooke dich begleitet.«
    Panik machte sich in Pawns Gesicht breit und das Simsala bereute zugleich, diese Drohung verwendet zu haben. Allerdings schien sie ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Pawn saß eine ganze Weile da und musterte Basilias misstrauisch.
    Dann schloss sie die Augen und nickte sanft. Da sie nun den Eingriff in ihr Gedächtnis in Teilen zuließ, machte Basilias sich daran, diese Episode aus ihrem Bewusstsein zu filtern. Eine Weile saß es einfach da und konzentrierte sich auf die fremde Gedankenwelt, bis das alte Psycho-Pokémon aufschreckte, als es sah, was Pion diesem Vulnona angetan hatte.
    »Das glaube ich einfach nicht … dass sie so weit gehen würden! Mord! In dieser Einrichtung … und so etwas mit dir zu tun!« Basilias sank auf den Boden, doch gleichzeitig machte sich eine gewisse Wut in ihm breit. »Dieser Pion! Ich werde ihn …«
    Doch ehe Basilias seinen Gedanken zu Ende sprechen konnte, hatten sich bereits die Zähne des Fuchs-Pokémon in seine Hand versenkt und es knurrte ihn an. Überrascht blickte er zu Pawn. »Wie? Du willst nicht, dass ich eingreife?« Sie bestätigte durch ein Nicken. »Ich soll zusehen, wie dieses Monster dich und Pawn begleitet?«
    Erneut ein Nicken, diesmal jedoch etwas schwächer.
    Basilias schloss resignierend die Augen. »Es wäre leichter für uns alle, wenn du mir Gesamtzugriff geben würdest. Aber wie dem auch sei. Du weißt mehr als ich, deswegen muss ich deinem Wort glauben. Wenn du es für weise hältst … aber wisse: Ich beobachte euch. Du und Rooke, ihr seid viel zu wichtig, als dass ich euch ungeschützt in den Fängen dieses Mannes lassen würde! … Wieso ich das tue?«, fragte es, nachdem Pawn ihn einige Sekunden fragend angesehen hatte. »Nun, der König allein ist schwach. Es werden andere Figuren gebraucht, um ihn zu unterstützen, weswegen er sie niemals alleine lassen darf. Auch wenn da eine gewaltige Distanz zwischen uns ist, wir stehen dennoch auf demselben Feld. Pawn … Was für ein irreführender Name das doch für dich ist.«
    Daraufhin streichelte Basilias über das beigefarbene Fell des Vulnonas und richtete sich auf. Dann wandte er sich ab, sprach aber im Weggang: »Wenn dieser Pion seine Scharade fallen lässt, so wisset, ihr bleibt nicht allein.«
    Ja, ich werde Acht geben, dachte er dann bei sich. Die Frage ist nur … Wird mein Auftauchen irgendeinen Nutzen haben, wo der Champ doch unter dem Schutz dieses alten Geistes steht?


    *


    Die Sonne schien hell und erbarmungslos auf Biskup hinab, der gerade auf dem Rücken seines Arkani den Weg zur Wetterstation bestritt. Die letzten Tage waren hektisch verlaufen. Als die Spur von Ratsus Verdächtigem kalt zu werden schien, hatte er sie auf den Weg zum Himmelturm geschickt, um ihn zu verfolgen, da sie bei derartigen Aktionen geeigneter war als Biskup selbst. Daraufhin hatte er sich jedoch daran gesetzt, die Identität des mysteriösen Mannes auszumachen, nachdem er sich noch einmal mit den Ursprüngen der Machenschaften in der Wetterstation auseinandergesetzt hatte.
    Winfried Epion Twinter … wenn wir dich kriegen, kriegen wir euch alle!, dachte er bei sich, während er sein Reit-Pokémon zu erneuten Höchstleistungen antrieb. Am Vortag hatte Biskup die Leitung der Ermittlungen in diesem Fall übernommen – und nun, da die Züge klarer zu werden schienen, ebendieser Ermittlung auch einen Namen gegeben: Twinterfall.
    Doch insgesamt wies dieser Fall höchst seltsame Züge auf und es bestand keinerlei Zweifel, dass es sich dabei um einen der größten Kriminalfälle des Jahrzehnts handelte. Twinter, der Champ, verschwand zwei Jahre zuvor von der Bildfläche, um eine Organisation aufzubauen, deren genaues Ziel bisher unbekannt ist. Im Zuge dessen kam es zu Morden und Entführungen, gefolterten Pokémon, Erpressung und Bestechung – alle Spuren, die die Naturschutzbehörde erst darauf aufmerksam gemacht hatten, dass da irgendetwas war.
    Doch dann verließ Twinter sein Nest, bevor er überhaupt wissen konnte, dass es bald entdeckt würde. Was waren seine Ziele? Seitdem waren entweder Biskup selbst oder seine Schwester dem ehemaligen Champ dicht auf den Fersen geblieben, dem Hauptquartier hatte sich also keine Gelegenheit geboten, ihn über ihre Taten oder ihre Entdeckung zu benachrichtigen. Und wie hingen das Dragoran und seine rätselhafte Begleitung in der Sache drin? Außerdem stellte es für Biskup ein Rätsel dar, wieso die beiden ausgerechnet zum Himmelturm reisen würden. Was an diesem Ort könnte Twinter angezogen haben …? Plötzlich traf ihn ein Gedanke wie der Blitz: Drachen!
    Das Arkani preschte mit unglaublicher Geschwindigkeit voran und trug seinen Besitzer auf kräftigen Pranken, während dieser zutiefst in Gedanken versank. Twinter besorgt sich ein Dragoran, daraufhin reist er zum Himmelturm … es gibt nur einen einzigen Grund, mit einem Drachen zum Himmelturm zu fliegen, man möchte Rayquaza! Aber was will er damit? Es als Waffe verwenden?
    Biskup dachte weiter darüber nach, doch er wusste, dass die Naturschutzbehörde um jeden Preis verhindern musste, dass Twinter in den Besitz eines so mächtigen Pokémon gelangte. Was auch immer er damit vorhatte, es konnte nichts Gutes bedeuten! Mit einem ihm bis zum Halse klopfenden Herzen wartete Biskup nun auf den Anruf seiner Schwester, die den ehemaligen Champ gerade verfolgte.
    Und prompt in diesem Moment klingelte sein PokéCom, den er wie mechanisch aus seiner Tasche zog und mit bebender Stimme abhob.
    »Hey, Biskup!«, rief eine Stimme daraus hervor, »bist du schon auf dem Weg hierher?«
    »Ah, du bist es, Thea«, antwortete er etwas abwesend, fing sich dann jedoch wieder. »Ja, bin ich. Du hast Meldung gegeben, dass die Spurensicherung zur Wetterstation kommen soll – sie sind auf dem Weg und vermutlich gleich vor Ort. Leider verfüge ich momentan nicht über mein Aerodactyl, sodass du auf mich noch einen Moment warten musst. Wie dem auch sei, wie lief die Infiltration?«
    Thea verschwendete nicht groß Zeit, sondern kam gleich zur Sache: »Geht so. Bin durch die gefundene Lücke eingestiegen. Drinnen dann Beweise gesammelt, und natürlich sofort gefunden. Räume mit gefangenen und entführten Personen gefunden. Dann habe ich mich im Büro eines nachlässigen Wissenschaftlers am PC umgesehen und einen Teil der Daten gesichert. Da die Beweislast ausgereichte, begann ich natürlich sofort mit der Stürmung.«
    Biskup konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und schüttelte stumm den Kopf. Auf die Idee, eine fremde Basis im Alleingang zu stürmen, konnte von allen Beamten der NSB einzig Thea Rose kommen. Normalerweise beorderte man dafür natürlich ein Kommando, aber Thea stellte eine ganz eigene Liga dar. Nicht nur befähigte sie ihr außergewöhnliches Talent, einen Großteil der Basis zu erkunden, bevor überhaupt Alarm geschlagen wurde, nein, zusätzlich ermöglichte ihr lautloser, über alle Maßen effektiver Kampfstil sogar, durch große Komplexe hindurchzupreschen.
    »Ich habe also damit begonnen, Mitarbeiter festzunehmen, doch leider waren sie bereits in ihren Abreiseplänen weit fortgeschritten, sodass das Fliehen ihnen leicht fiel. Ich konnte nur rund zwei Dutzend von ihnen einsacken, aber mal sehen, wie viel ihre Informationen wert sind.«
    Biskup grinste ob des Umstandes, dass Thea das Gefangennehmen von zwei Dutzend Mitgliedern der Organisation Twinters nicht als großen Erfolg abstempelte. Verhaftungen stellten sich stets als sehr schwierig heraus, da viele Verbrecher den Besitz von Pokémon als Freischein ansahen. Es kam, vor allem bei starken Trainern, deswegen sehr oft dazu, dass zwischen Beamten und zukünftigen Häftlingen ein Kampf auf Leben und Tod aufkam, da viele etwas dagegen einzuwenden hatten, den Rest ihres Lebens hinter Gitter zu wandern.
    Deswegen mussten Beamte der Naturschutzbehörde eine gewisse kampfliche Expertise aufweisen, um Festnahmen durchführen zu können, ohne dabei zu sterben.
    »Naja, ein Glück hast du es geschafft«, meinte Biskup dann und fügte, bevor er auflegte, hinzu: »Ich bin gleich vor Ort und werde mir die Einzelheiten anhören. Das war ein großer Schlag gegen die Organisation. Zwar gibt es mit Sicherheit noch hunderte weitere Mitglieder, aber wer weiß, ob du nicht einen großen Fisch erwischt hast!«
    Kaum hatte der Beamte den Anruf beendet, begann der PokéCom erneut zu klingeln.
    »Biskup!«, rief eine ihm nur allzu vertraute Stimme daraus hervor, »Endlich kann ich dich erreichen. Was treibst du denn da?«
    »Oh, Ratsu, du bist raus aus dem Funkloch? Wie lauten die Ergebnisse?«, fragte er dann ungeduldig, fast schroff.
    »Nein, bin jetzt auf dem Himmelturm gelandet und werde gleich die ganze Insel absuchen. Irgendwo müssen die zwei sein, das spüre ich. Ich rufe dich über einen Signalverstärker an, weil ich wissen wollte, ob es Neuigkeiten gibt, bevor ich einschreite.«
    Biskup atmete auf. Gelegentlich zeigte Ratsu durchaus Spuren von Menschenverstand oder Pflichtbewusstsein. »Gut gemacht, die gibt es. Dein Ziel ist Twinter.«
    »Was, der Champ?«, fragte sie überrascht.
    »Ja«, antwortete ihr Bruder, wurde dann aber unterbrochen, weil das Arkani eine scharfe Kurve nahm. »Genau der«, fuhr er kurze Zeit später fort. »Er ist der Kopf der Organisation. Dementsprechend Verdacht auf Schwerverbrechertum, hörst du?«
    Einen Moment lang schwieg Ratsu. Sollte eine Konfrontation zwischen Twinter und ihr stattfinden, trat sie gegen einen der stärksten Trainer des ganzen Landes an, was Biskup durchaus Unbehagen bereitete. Wen sollte er aber sonst losschicken? Ratsu war für genau diesen Einsatz ausgebildet, und dazu kam, dass es sich bei ihr um eine der stärksten Trainerinnen der Naturschutzbehörde handelte. Genau genommen wüsste Biskup ohnehin nicht, wen er sonst hätte beauftragen sollen, denn Ratsu kämpfte auf dem Niveau eines Top-Ligisten und immerhin führte sie auch Aerodactyl mit sich. Nur eine einzige Beamtin der NSB konnte Ratsu im Kampf mit Sicherheit besiegen und ebenjene hatte den letzten Tag damit verbracht, das Hauptquartier der Gegner im Alleingang auseinanderzunehmen.
    Dennoch handelte es sich in diesem Fall immerhin um einen ehemaligen Champ Sinnohs, der ihr vermutlich zu allem bereit entgegentreten würde.
    »Ja, ich höre.«
    »Er ist nicht allein, sondern in Begleitung einer Frau. Wir wissen von ihr noch nichts, also unterschätze ihre Stärke nicht, falls es zu einem Kampf kommt. Wenn sie dich angreifen, weißt du, was bei Verdacht auf Schwerverbrecher zu tun ist, ja? Lass nicht zu, dass Gnade zu deinem Tod führt.«
    Diese Worte schmeckten bitter, doch Biskup wollte sichergehen, dass Ratsu ihre Gegner nicht unterschätzte.
    »Wie soll ich verfahren, wenn ich sie finde?«, fragte sie daraufhin, und Biskup bemerkte zufrieden, dass seine Schwester die Situation sehr ernst nahm.
    »Ich erteile hiermit Haftbefehl gegen Epion Twinter und seine Begleitung. Widerstand wird nicht geduldet.«







    [tabmenu][tab=Update]Oha, erstmal mein Topic gar nicht gefunden, lol. Danke für das Verschieben in den Profi-Bereich, ich fühle mich geehrt! Vor allem an Onee-chan für die lieben Worte in der Ankündigung ^^
    Das Ganze motiviert natürlich ungemein, sodass ich jetzt auch das nächste Kapitel vorzuweisen habe. Prüfungsphase ist vorbei, und auch sonst scheint es, als wäre ich wieder langsam in der Lage, größere Texte zu schreiben! Deswegen wäre ich jedem, der sich dazu aufraffen kann, sehr sehr dankbar, mal ein Kommentar zu lesen zu kriegen, weil mich ungemein interessiert, was für Eindrücke ihr so habt. Wenn ihr nicht wisst, was ihr schreiben sollt, so bin ich immer gespannt darauf, mit welchen Figuren ihr euch vielleicht identifizieren könnt und welche euch unsympathisch sind, auf wessen Seite ihr steht oder was ihr von folgenden Kapitel erwartet. Sowas lese ich verdammt gerne. Allerdings ist natürlich auch vor allem Kritik sehr willkommen!


    Ansonsten habe ich in den letzten Wochen die bisherigen Kapitel etwas überarbeitet. Es gibt keine wesentlichen Änderungen, nur ein paar verbesserte Formulierungen und das Ausmerzen von Rechtschreib- und Tippfehlern. Sollten euch noch welche auffallen, sagt bitte bescheid.
    Außerdem habe ich eine Sammlung aller bisher erschienen Kapitel in einem PDF zusammengefasst:


    DOWNLOAD
    (Kapitel 1 - 8, Stand 18.08.2013)


    [tab=@Flocon]Danke für deinen Kommentar! Das mit dem Copyright werde ich in den Startpost einfügen, danke. Freut mich aber, dass er dir soweit gefällt! :D
    Zur Quellenangabe für die Bilder: Sofern nicht anders gekennzeichnet, habe ich die Bilder selbst gemacht (also bei beiden im Startpost). Da fehlt also nichts, ich find es sogar eher lästig, wenn man unter den Bidlern noch was zu stehen hat, weswegen ich lieber eigene verwende, weil ich dann keine Angabe machen muss höhö. Danke für dein Lob für den Prolog. Der ist natürlich ziemlich kurz, aber ich finde auch, dass das einem Prolog, vor allem auf einer Website wie dem BB, nicht so sehr schadet, viel eher finde ich, dass das den potentiellen Leser ermuntert, doch mal reinzusehen, und nicht gleich von Text erschlagen zu werden, lol. Aber da kann man natürlich verschiedene Ansichten haben.
    Und danke sehr für das Lob zum ersten Kapitel. Das mit dem zehznjährigen Mädchen stimmt - durch den ersten Teil des Satzes wird ein Eindruck eingerichtet, der durch den zweiten Widerlegt wird. Das ist also eine Stolperstell, danke dass du mich darauf aufmerksam machst. Ich werde das, wenn ich es nicht vergesse, später korrigieren.


    Das mit dem Level 17 - die Geschichte orientiert sich definitiv eher an den Spielen als am Anime, wobei auch der Anime implizit eine kleine Einwirkung hat. So wird auf bestimmte Ereignisse, die im Anime passiert sind, später nebenbei Bezug genommen werden (aber nicht so, dass man den Anime gesehen haben müsste). Allerdings richtet sich das Verhalten der Pokémon und die allgemeine Mechanik der Welt eher nach den Spielen, wobei es natürlich die ein doper andere Abwandlung gibt, wo ich das für nötig oder angemessen hielt. Die Trainer können somit, in dieser Welt, das Level eines Pokémons im Pokémoncenter oder von ihrem Poké-Com bestimmen lassen.
    Zahlen schreibe ich meistens nach Gefühl aus oder nicht. Ich weiß, man kan mir jetzt Inkonsequenz vorwerfen, aber manchmal finde ich es angebrachter, eine Zahl im Wissenschaftlichen Kontext auszuschreiben, und wenn es in der Story grad eher um eine Erzählung geht, auch höhere Zahlen zu schreiben. Oftmals fällt eine Zahl mir zu sehr aus dem Textfluss, weshalb ich dann ausschreibe.


    So, lieben Dank nochmal für deinen Kommentar, es hat mich sehr gefreut ^^
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