"Man sagt, …" - Über dumme Sprüche und weise Aussagen [Aktuell: Der Zweck heiligt die Mittel]

  • Bastet

    Ja gut, dass du damit ebenfalls Recht hast, sollte klar sein. Mir geht es jetzt echt nicht um First World Problems und darum, dass man dann - zurecht - gesagt bekommt, man solle sich nicht so anstellen, sondern tatsächlich um schwerwiegendere Probleme, wie eben eigene Krankheit, Krankheit eines Familienmitglieds, Psychoterror und dergleichen.

    Leid ist nicht immer das Selbe, ja, aber Leidempfinden halt auch nicht. Und vor allem sollte halt daraus auch kein Wettbewerb entstehen, wem es schlimmer geht.

    Man könnte auch zu jemanden mit Krebs sagen "Sei froh, dass es nur Krebs ist", aber das ist unter aller Sau.

    Kommt, wie bei so vielem im Leben, immer auf den Kontext drauf an.

  • Nektarine

    Hat den Titel des Themas von „"Man sagt, …" - Über dumme Sprüche und weise Aussagen“ zu „"Man sagt, …" - Über dumme Sprüche und weise Aussagen [Aktuell: Der Zweck heiligt die Mittel]“ geändert.
  • Erstmal sorry für die lange Pause. Die letzten Monate waren einfach etwas sehr vereinnahmend und ich hoffe, dass ich das jetzt besser hinbekomme. Neuer Spruch also (auch im Startpost zu finden):

    "Der Zweck heiligt die Mittel“


    Ein alter Spruch, wahrscheinlich vom Philosophen Machiavelli formuliert, der einfach aussagen soll, dass jedes Mittel erlaubt ist, sofern der Zweck/das Ziel gut ist. Zu seiner Zeit ging es im mittelalterlichen Italien vor allem um die Politik und ihre Sicherung. Wenn es sein musste auch durch Komplotte oder Morde. Geht man also etwas tiefer, soll das auch moralisch verwerfliche Handlungen rechtfertigen, wenn es guten Intentionen dient. Das klingt im ersten Moment natürlich falsch, aber darunter fallen solche Dinge wie Krieg um Frieden herzustellen und/oder Bevölkerungen zu schützen, heiß diskutierte Themen in der Forschung wie Tier- oder gar Menschenversuche oder auch die kleinen Dinge im Alltag wie Notlügen, die die belogene Person schützen sollen. Ist der Spruch so haltbar oder gibt es auch immer ein alternatives Mittel, das gar nicht erst "geheiligt" werden muss?

  • diskutierte Themen in der Forschung wie Tier- oder gar Menschenversuche

    Damit haste mich gekriegt.

    Nichts, aber auch GAR NICHTS, rechtfertigt es an Tieren herumzuschneiden, sie aufzubohren, zu vergiften, einzusperren oder was weiß ich nicht. "Ja, damit wir Medizin etc für Menschen erschaffen können, probieren wir erstmal an den Tieren rum. Lieber Tiere als wir Menschen!" - Schwachsinn!!

    Diese armen Dinger wissen doch gar nicht was mit ihnen geschieht. Haben eventuell einiges an Schmerzen zu erleiden und das für des Menschen wohl? Ach come on...


    Der Zweck heiligt die Mittel...

    Nicht in allen Fällen das richtige Denken. Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel. Wieso Krieg, wenn man Frieden will? Ich weiß, einige haben dieses Denken wirklich. Aber würden Menschen mal in eine andere Richtung denken, dann würden sie sehen dass es auch andere Mittel gibt um Frieden herzustellen.

    Dieser Spruch ist für mich mitunter die perfekte Ausrede, wenn jemand irgendeine hirnrissige Idee hat und sie irgendwie umsetzen will, egal ob er dafür über Leichen gehen muss.

    Jemand heckt was aus und schiebt es einem anderen in die Schuhe, damit er damit durchkommt und keinen Ärger bekommt bzw keine Folgen dessen. Dafür bekommt der andere alles ab denn, Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. :/

    Dreck.

    Auch das Lügen, damit es einen Anderen eventuell nicht schlecht mit etwas geht oder Ähnliches.

    Ich denke, das haben schon die Meisten hier getan, gelogen damit sie selbst besser da stehen, oder kein Ärger bekommen, oder aber damit es einem anderen Menschen nicht schlecht geht, wenn sie ihnen die Wahrheit sagen. Ja, es ist vielleicht manchmal gut sowas zu tun, aber ob es wirklich richtig ist? Ich weiß es nicht wirklich.

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    Ich vertone sie auf Deutsch! Schaut gerne vorbei! :)

  • "Ja, damit wir Medizin etc für Menschen erschaffen können, probieren wir erstmal an den Tieren rum. Lieber Tiere als wir Menschen!" - Schwachsinn!!

    Diese armen Dinger wissen doch gar nicht was mit ihnen geschieht. Haben eventuell einiges an Schmerzen zu erleiden und das für des Menschen wohl?

    Sagen wir, dein bester Freund ist schwer krank, liegt vielleicht im Sterben und es gäbe ein Gegenmittel, das allerdings noch nicht getestet wurde, in Reichweite ein unbestimmtes Tier mit derselben Krankheit. In beiden Fällen würde es unweigerlich den Tod bedeuten, wenn das Mittel nicht richtig wirkt. Du kannst mir nicht erzählen, dass du in dem Fall das Tier deinem besten Freund vorziehen würdest? :unsure:

  • Sagen wir es einfach so, ich würde meine beste Freundin nicht sterben lassen.

    Aber das kannst du nicht vergleichen, denn die testen wirklich jeden Scheiß an Tieren und das können sie nicht einmal immer damit rechtfertigen dass sie damit ja helfen wollen. Es wurden bereits Fälle aufgedeckt bei denen gar nichts damit erreicht wurde. Nur Quälerei. Und das sowohl bei Mensch, als auch Tier.

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  • liegt vielleicht im Sterben

    Wobei gerade solche Fälle gar nicht mal so problematisch sind. Gerade wenn die Lage aussichtslos ist, ist die Bereitschaft ein Medikament auf gut Glück auszuprobieren verhältnismäßig groß. Die Schwierigkeit sind doch Medikamente, die eben nicht für den schlimmsten Fall, sondern für mittelmäßig schwere Fälle gedacht sind. Wenn wir ein Medikament A haben, das bekannte Nebenwirkungen hat, die schlecht, aber besser als das bekämpfte Problem sind. Ein Herzmedikament, das Diabetes auslöst, wäre ein (fiktives) Beispiel. Es hilft, es hat Nebenwirkungen, die aber erträglich sind. Wer wäre denn nun bereit ein Medikament B auszuprobieren, bei dem weder die tatsächliche Wirksamkeit noch die Nebenwirkungen ansatzweise untersucht sind? Wie gesagt, wenn man im Sterben liegt und sonst eh nichts oder nur etwas mit geringer Wahrscheinlichkeit hilft, dann geht man das Risiko vielleicht ein, andernfalls sehen die wenigsten wohl einen plausiblen Grund sich einem solchen Risiko auszusetzen.

    "In jeder Stadt hängen Plakate 'Kommen sie zur Bundeswehr'[...]Wir brauchen Lehrer. Und Pfleger." Hagen Rether

  • Ja, aber ich rede ja in diesem konkreten Fall nicht von Kosmetika oder dergleichen ; das würde ich natürlich auch nicht unterstützen, weil es vermeidbar ist und wir inzwischen soweit sind/sein sollten, dass wir wissen, was wir Menschen an Inhaltsstoffen zumuten können und was nicht.


    . Ich hatte mit Bastet schon wer weiß wie oft diese Ethikdiskussionen, gerade bei Medizin und Forschung und meistens war ich diejenige, die die größeren ethischen Bedenken hatte.

    Der Punkt, um den es mir geht, ist: Gerade im Hinblick auf die Konsequenzen kann man nicht alles verteufeln. Ohne so manchen Tierversuch - Vorsicht, ich rede nicht von allen! - hätte man heutzutage nicht die nötige Medizin, um hundert anderen Tieren das Leben zu retten.

  • Ohne so manchen Tierversuch - Vorsicht, ich rede nicht von allen! - hätte man heutzutage nicht die nötige Medizin, um hundert anderen Tieren das Leben zu retten.

    Da stimme ich dir zu.

    Ich rede rein von den sinnlosen Tierversuchen, die wirklich einfach nur grausam für die Tiere sind und am Ende nichts erreichen.

    Hätte ich eventuell mehr erwähnen sollen bei meinem ersten Post. Ich sehe durchaus ein, dass einige Versuche dahingehend notwendig waren.

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  • Das Problem liegt darin, dass...


    1. Endprodukte in Tierversuchen zu testen, zumindest in der Kosmetik, ist in der EU verboten. Das klingt erstmal nach etwas Gutem, ist aber nur Augenauswischerei.

    Dann werden halt Rohprodukte aus China und anderen Tigerstaaten importiert, in denen es praktisch gar keine Tierschutzbestimmungen gibt. Dort werden die massenhaft getestet.

    Wir wissen, dass Tierversuche in der Kosmetik unnötig sind, aber das hält Industrien nicht davon ab. Übrigens bedeutet "dermatologisch getestet" erstmal nur das, was da steht: es wurde auf der Haut eines Säugetieres getestet. Nicht, wie die Ergebnisse aussahen. Das alles ist eine ziemliche Verarsche.


    2. In der Pharmazie liegt das Problem anderswo.

    Jeder Konzern vertraut nur seinen eigenen Studien. Anstatt zusammen einen Test durchzuziehen, lässt jeder Konzern seine eigenen Tiere für sich leiden und dadurch werden viel mehr zu den Tests herangezogen als nötig.


    Zitat von Namine

    Ich hatte mit Bastet schon wer weiß wie oft diese Ethikdiskussionen, gerade bei Medizin und Forschung und meistens war ich diejenige, die die größeren ethischen Bedenken hatte.

    Der Punkt, um den es mir geht, ist: Gerade im Hinblick auf die Konsequenzen kann man nicht alles verteufeln. Ohne so manchen Tierversuch - Vorsicht, ich rede nicht von allen! - hätte man heutzutage nicht die nötige Medizin, um hundert anderen Tieren das Leben zu retten.

    Worum ging's damals nochmal? xD

    Glaub Stammzellenforschung, oder?

  • Vorweg möchte ich erstmal eines festhalten, bevor man meine folgenden Aussagen falsch versteht: Jeder darf seine eigene Meinung haben und auch äußern, aber bei einem so kontroversen Thema wie Tier- bzw. Menschenversuchen schadet es mMn nicht, wenn man sich zuerst ein bisschen mit den rechtlichen Grundlagen (Tierschutzgesetz) und den tatsächlichen Begebenheiten bzw. Umständen (z.B. Bewertung durch Ethikkommission) in Forschungseinrichtungen oder der Pharmaindustrie auseinander setzt.

    Ich selbst habe als Biowissenschaftler schon Versuche mit Tieren (Mäuse und Ratten) durchgeführt und kenne mich deshalb ein bisschen in der Materie aus, würde aber nicht behaupten, dass ich allwissend bin. Daher kann man mich gerne korrigieren, wenn ich Quatsch schreibe.


    Ja, aber ich rede ja in diesem konkreten Fall nicht von Kosmetika oder dergleichen ; das würde ich natürlich auch nicht unterstützen, weil es vermeidbar ist und wir inzwischen soweit sind/sein sollten, dass wir wissen, was wir Menschen an Inhaltsstoffen zumuten können und was nicht.

    Bastet hat schon etwas zum Thema Tests von Kosmetika an Tieren geschrieben, was ich ein bisschen erweitern möchte. In Deutschland (D) und der EU sind Tests von Kosmetika, Waffen und Munition an Tieren durch das Tierschutzgesetz strengstens verboten. Leider sieht das in anderen Ländern anders aus. Was in D und der EU üblich und erlaubt ist, sind Tests von Chemikalien, die in Kosmetika eingesetzt werden. Dies ist mMn auch wichtig und richtig, was ich euch am Beispiel von Aluminiumchlorohydrat (ACH) erklären möchte. Dadurch, dass man ACH in Zellkulturen und/oder Tierversuchen getestet hat, hat man erst festgestellt, dass es potenziell kanzerogen ist. Viele Hersteller von Kosmetika insbesondere von Antitranspiranten verzichten deshalb auf den Einsatz von ACH in ihren Produkten, was für mich die logische und richtige Konsequenz aus den Untersuchungen ist.


    Aber das kannst du nicht vergleichen, denn die testen wirklich jeden Scheiß an Tieren und das können sie nicht einmal immer damit rechtfertigen dass sie damit ja helfen wollen. Es wurden bereits Fälle aufgedeckt bei denen gar nichts damit erreicht wurde. Nur Quälerei. Und das sowohl bei Mensch, als auch Tier.

    Ich rede rein von den sinnlosen Tierversuchen, die wirklich einfach nur grausam für die Tiere sind und am Ende nichts erreichen.

    Zu den Punkten Quälerei und Schmerzen, die Tiere in den Experimenten erleiden, macht das Tierschutzgesetz auch ganz klare Vorgaben: Zunächst dürfen Tierversuche nur von Personen durchgeführt werden, die die nötigen fachlichen Kenntnisse haben. Das soll unnötige Qualen und Schmerzen verhindern. Zusätzlich ist jede Person, die Tierversuche durchführt, dazu verpflichtet die Tiere vor Schmerzen und Qualen zu schützen bzw. diese auf ein Minimum zu beschränken. In der Praxis bedeutet das gewöhnlich, dass man die Tiere betäubt oder, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, einschläfert (Euthanasie).


    Zum Thema Euthanasie muss noch erwähnt werden, dass ein Tierversuch NIE den Tod eines Tieres zum Ziel haben darf. D. h. Tierversuche müssen so geplant und durchgeführt werden, dass die Tiere am Ende noch Leben! Leider gibt es Untersuchungen und Experimente, in denen sich der Tod des Tieres nicht vermeiden lässt (z.B. Entnahme von Organen oder unabsichtliche Vergiftung mit neuartigen Substanzen). Tritt ein solcher Fall ein, muss der Experimentator unverzüglich Maßnahmen ergreifen (Einschläferung), um Schmerzen und Qualen so gering wie möglich für das Tier zu halten.

    Bevor man in D überhaupt Tierversuche durchführen darf, muss man einen Haufen Papierkram (Tierversuchsantrag) erledigen, in dem man unter anderem darlegt, welchen Zweck der Tierversuch hat, was man mit den Tieren macht und wie viele Tiere man benötigt. Dieser Antrag wird dann von einer so genannten Ethikkommission begutachtet und erst wenn diese ihr Okay gibt, darf mit den Versuchen begonnen werden. Dieses Vorgehen soll verhindern, dass man sinnlose Versuche an Tieren durchführt, die letztlich keine Ergebnisse liefern oder dass Unmengen an Tieren verwendet werden.

    Für das Testen von neuen Medikamenten und Substanzen im Rahmen der präklinischen Studien, werden in der Pharmaindustrie soweit möglich zuerst Zellkultursysteme verwendet. Erst wenn diese Tests gezeigt haben, dass die Substanzen in einem gewissen Dosisbereich sicher sind, wird an Tieren getestet (z.B. LD50-Bestimmung). Für die weiteren präklinischen Untersuchungen verwendet man gewöhnlich deutlich weniger Tiere als die meisten Menschen immer denken. So kann man die LD50-Bestimmung für eine Substanz mit etwa 20 Mäusen/Ratten durchführen, die man speziell hierfür züchtet. Müssen physiologisch identisch sein, um vernünftige Ergebnisse zu erhalten.

    Nach erfolgreichem Bestehen der präklinischen Phase kommt ein Medikament in die klinische Phase. Hier werden die Untersuchungen am Menschen durchgeführt, damit man ganz konkrete Informationen über ein Medikament und seine Interaktion mit dem Menschen erhält.

    1. Phase: Test an gesunden Menschen auf Verträglichkeit und Nebenwirkungen

    2. Phase: Test an kranken Menschen auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen

    3. Phase: Langzeittests


    Noch etwas zu den Menschen, die Tierversuche durchführen. Die Forscher und Wissenschaftler machen die (Tier)versuche nicht, weil ihnen langweilig ist oder ihnen dabei einer abgeht, sondern weil sie den Menschen helfen und Schaden abwenden wollen. Es gibt sicherlich schwarze Schafe, die sich einen Dreck um das Wohl der Tiere kümmern und zweifelhafte Untersuchungen an ihnen durchführen. Ich bin z.B. überhaupt nicht mit Forschungen an Primaten oder Meeressäugern (Wale und Delfine) einverstanden und erachte sie auch als unnötig, aber das Testen von neuen Substanzen und Medikamenten dient der Sicherheit der Menschen und Patienten. Als trauriges Negativbeispiel, bei dem es unzureichende Tests gab, ist das Medikament Contergan (Wirkstoff Talidomid). Dieser Fall zeigte leider, dass es zwingend notwendig ist Substanzen und Medikamente zu testen.


    Um abschließend auf den Spruch "der Zweck heiligt die Mittel" im Rahmen von Tier- und Menschenversuchen zurück zu kommen. Solange es ethisch vertretbar ist und kein unnötiges Leid erzeugt wird, stimme ich dem Spruch zu.

  • Zitat von PokeFanNo1

    Noch etwas zu den Menschen, die Tierversuche durchführen. Die Forscher und Wissenschaftler machen die (Tier)versuche nicht, weil ihnen langweilig ist oder ihnen dabei einer abgeht, sondern weil sie den Menschen helfen und Schaden abwenden wollen. Es gibt sicherlich schwarze Schafe, die sich einen Dreck um das Wohl der Tiere kümmern und zweifelhafte Untersuchungen an ihnen durchführen. Ich bin z.B. überhaupt nicht mit Forschungen an Primaten oder Meeressäugern (Wale und Delfine) einverstanden und erachte sie auch als unnötig, aber das Testen von neuen Substanzen und Medikamenten dient der Sicherheit der Menschen und Patienten.

    Das nicht, aber es steckt doch eine Menge Geldgier dahinter und manche Pharma- und auch Agrarkonzerne haben sicherlich nicht das Wohl der Tiere im Sinn ... oder ihrer Patienten und Abnehmer. Während ein Konzern natürlich kein Wohltätigkeitsverein ist, versteh ich es trotzdem nicht, dass man Medikamente gegen Malaria und verschiedene Impstoffe teilweise spottbillig herstellen kann, und sie dann Menschen in dritten Welt Ländern vorenthält, wenn sie den hundertfachen Preis der Herstellung nicht bezahlen können.


    Dass man verdienen möchte, ist klar, und auch, dass weder Wissenschaftler noch CEOs vom Hungerlohn leben wollen, aber die Gehälter von CEOs liegen doch schon in den "So viel Geld kann ein Mensch in einem Leben nicht ausgeben"-Bereichen. Solange das so ist, kann keiner kommen mit "Für seltene Krankheiten haben wir kein Geld" oder "Für Krankheiten, die Menschen in armen Gebieten betreffen, haben wir kein Geld" oder eben, dass jeder in seine eigenen Tierversuche investiert, anstatt sich mit der Konkurrenz zusammenzutun und zentraler zu arbeiten.
    Idealerweise SOLLTE es keine Konkurrenz geben, wenn es um medizinische Forschung geht und jedem sollte klar sein, dass man in Zusammenarbeit schneller vorankommt, aber da steht einfach nur das Kapitel der eigenen Firma und vielleicht das Ansehen von Instituten dazwischen.


    Aktionen wie "Mit einer Spende von x Euro, kaufen sie eine Impfdosis" sind ja eigentlich sehr gut gemeint, aber andere Menschen sollten nicht drauf angewiesen sein, ob wir so "gütig" sind und ihnen eine Impfdosis kaufen wollen. Am Ende sagt sich jeder: "Ich hab grad was Tolles getan, passt schon" und es geht weiter so. .__.


    Zitat von PokeFanNo1

    Als trauriges Negativbeispiel, bei dem es unzureichende Tests gab, ist das Medikament Contergan (Wirkstoff Talidomid). Dieser Fall zeigte leider, dass es zwingend notwendig ist Substanzen und Medikamente zu testen.

    Bei Contergan lag es nicht an unzureichenden Tests, oder? Die Versuchstiere hätten auch beim hundersten Fetetest keine Schäden gezeigt. Soweit ich weiß, gibt es davon eine rechts- und eine linksdrehende Form und frag mich bitte nicht, welche wir nicht abbauen können, aber es geht nur um ein Enzym, das wir nicht besitzen, welches diese Enantiomere nicht umdrehen könnte. Wir besitzen vorrangig Enzyme, die chirale Zucker und Aminosäuren drehen.

  • aber es steckt doch eine Menge Geldgier dahinter und manche Pharma- und auch Agrarkonzerne haben sicherlich nicht das Wohl der Tiere im Sinn

    Prinzipiell stimme ich dir zu, aber die Thematik der "Geldgier" und des Tierwohls sind ziemlich komplex und können mMn nicht so einfach in ein oder zwei Sätzen abgearbeitet werden. Ein Pharmakonzern muss vor der Markteinführung eines Medikamentes gewisse rechtliche Auflagen erfüllen. Hierzu zählt nunmal, dass man das Medikament u.a. auf Verträglichkeit bzw. Ungiftigkeit und Wirksamkeit testen muss. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten (beispielsweise Zellkultur und Tierversuch), die ihre jeweiligen Vor- und Nachteile haben sowie nur für gewisse Fragestellungen (Ito et al., 2010) geeignet sind.

    Dann kostet die Entwicklung, Vermarktung und Produktion der Medikamente Geld, das die Konzerne irgendwie wieder einnehmen müssen. Es nützt niemanden etwas, wenn ein Pharmakonzern ein tolles Medikamnet auf den Markt bringt und dann Pleite geht, weil sie kein Geld dafür bekommen. Ich habe mal nach einer halbwegs glaubwürdigen Quelle (von 2011) gesucht, die möglichst differenziert auf die Kosten für die Entwicklung von Medikamenten eingeht. Je nach Medikament gibt es eine enorme Spanne, was die Gesamtkosten anbelangt, die für die Entwicklung, Vermarktung und Produktion aufgewendet werden müssen. Hinzu kommt noch, dass Substanzen, die nicht zugelassen werden auch Entwicklungskosten verursachen und bezahlt werden müssen. Um die Kosten wieder einzufahren haben die Konzerne nur eine begrenzte Zeitspanne zur Verfügung, da der Patentschutz gewöhnlich nur 20 Jahre beträgt. Hierbei muss man dann noch etwa 5 Jahre Patentschutz abziehen, da die Patente normalerweise vor der Marktzulassung und den klinischen Studien beantragt werden. Somit haben die Konzerne meist nur 15 Jahre Zeit um 50-1000 Millionen Euro einzunehmen. Danach brechen die Umsätze für gewöhnlich aufgrund der billigeren Generika (Nachahmerpräparate) massiv ein. Da versteht man dann schon eher, warum manche Medikamente richtig teuer sind. Bei Substanzen wie Antibiotika beispielsweise verkürzt sich die Zeitspanne aufgrund der schnellen Resistenzetablierung noch, so dass die Medikamente vor Ablauf des Patentschutzes möglicherweise schon nutzlos sind und nicht mehr effektiv vermarktet werden können. Das ist übrigens ein Grund warum viele Pharmafirmen kaum noch Interesse an der Antibiotikaentwicklung haben.

    Sicherlich interessieren sich die Aktionäre und CEOs mehr dafür, ob ihr Vermögen zunimmt, aber neue Medikamente fallen für gewöhnlich nicht kostenlos vom Himmel. Man müsste eine weltweite, faire und transparente Preisfindung für Medikamente etablieren, um die ungerechten Preise zu bekämpfen. Letztlich soll sich jeder die nötigen Medikamente leisten können und auch die Hersteller eine gerechte Bezahlung dafür erhalten, mit der sie ihre Kosten decken und genügend Gewinn machen, um neue Forschungsprojekte bezahlen zu können.


    Für seltene Krankheiten haben wir kein Geld

    Während ein Konzern natürlich kein Wohltätigkeitsverein ist, versteh ich es trotzdem nicht, dass man Medikamente gegen Malaria und verschiedene Impstoffe teilweise spottbillig herstellen kann, und sie dann Menschen in dritten Welt Ländern vorenthält, wenn sie den hundertfachen Preis der Herstellung nicht bezahlen können.

    Bei seltenen Krankheiten tritt immer das Problem auf, dass die Erforschung (wahrscheinlich) sehr teuer ist und am Ende mit den entwickelten Medikamenten die Kosten nicht gedeckt werden können, da es zu wenige Patienten gibt. Das schreckt auf Wirtschaftlichkeit basierte Unternehmen ab.

    Meines Wissens nach werden z. B. einige AIDS- und Malaria-Mittel in Afrika für einen obligatorischen Euro vertrieben, wohingegen dieselben Medikamente in D und der EU richtig teuer sind. So gesehen finanzieren die reichen den armen Ländern zumindest ein paar Medikamente und Impfstoffe.


    Bei Contergan lag es nicht an unzureichenden Tests, oder?

    Ich habe das ungenau/unglücklich formuliert. In diesem Artikel (Ito et al., 2010) wird an einigen Stellen auf die unterschiedlichen Testergebnisse bei Nagern (Ratten und Mäuse) im Vergleich zu Kaninchen eingegangen. Es war wohl ursprünglich so, dass Ratten und Mäuse für die Tests auf u.a. Teratogenität (Fehlbildungen beim Embryo) einer Substanz vorgeschrieben waren. Im Fall von Contergan (Thalidomid) ist es leider so, dass man in Nagern keine teratogenen Effekte gesehen hat. In Versuchen mit Kaninchen konnten die teratogenen Effekte später nachgewiesen werden, aber zu dem Zeitpunkt war das Medikament schon auf dem Markt verfügbar.

    Fazit ist, dass Nager im Fall von Thalidomid nicht als Tiermodell geeignet sind, sondern Kaninchen oder Zebrafische verwendet werden müssen, um die teratogenen Eigenschaften zu untersuchen. Das fatale ist, dass für jede Substanz überprüft werden muss, ob das jeweilige Tiermodell geeignet ist um valide Ergebnisse und Schlussfolgerungen zu erhalten.