Geschrieben in Feuer

  • Momentan arbeite ich immer noch an einer Kurzgeschichte, die sich allerdings als etwas widerspenstig herausstellt — oder besser gesagt, meine Motivation ist widerspenstig und deshalb ist es gerade schwer daran zu schreiben, obwohl der Plot schon fest ist. Wird hoffentlich demnächst mal fertig.


    Und endlich kann ich sagen: ja, sie ist fertig geworden!
    Zuerst aber möchte ich noch auf die beiden Kommentare eingehen, vielen Dank @Thalfradin Sturm-Sucher und @meridian, dass ihr euch die Zeit genommen habt!






    Die folgende Kurzgeschichte ist für mich eine kleine Prämiere, weil ich sehr selten mit Menschen schreibe und bisher noch nicht über Fabelwesen geschrieben hab. Und dann sind's auch noch humanoide Fabelwesen!
    Die Idee zu dieser KG hab ich schon eine Weile, der Plot hat sich allerdings etwas zur ursprünglichen Idee verändert. Letztendlich entstand die ganze Sache aus einem einzelnen "Moment", der mir in den Sinn kam. Seit paar Jahren beschäftige ich mich immer mal wieder etwas mit Fabelwesen und Märchen und so weiter, dass das alles wohl irgendwie mitgespielt hat. In Zukunft möchte ich mich jedenfalls mehr mit Fabeltieren beschäftigen und über sie schreiben -- mal sehen, was dabei so herauskommt. (:  
    Im Spoiler gibt's übrigens ein paar Notizen zu dieser Geschichte, nichts großartiges, aber ich dachte mir, ich teil die trotzdem mal.


    Die Kurzgeschichte ist zudem auch ein Geschenk für @Rusalka, weil ich nicht abstreiten kann, dass er für mein vermehrtes Interesse an Fabelwesen etwas verantwortlich ist. :3



    Flötenklänge


    Goldenes Sonnenlicht floß zwischen den Lücken des Blätterdachs auf den Waldboden. Auf der leicht bewegten Wasseroberfläche des Sees sprangen die letzten Strahlen wie Funken, als das Gezwitscher der Vögel einsetzte. Das gleichmäßige Hacken eines Buntspechts gab einen ungewöhnlichen Takt vor, der den Tanz der Libellen zwischen den Rohrkolben zu begleiten schien. Die Luft war warm und feucht, doch je weiter die Sonne sich dem Horizont zuneigte, desto kühler wurde es. Der Ruf eines Falken erklang von der Ferne, als das Licht immer blasser wurde und sich das Wasser des Sees im Zwielicht kaum noch erahnen ließ. Unter den dichten Kronen des Waldes war es bereits finster, sodass der rote Pelz des Fuchses schwer auszumachen war. Die Jäger der Nacht verließen ihre Schlafplätze und als ein runder Vollmond im tintenschwarzen Himmel leuchtete schrie ein Uhu irgendwo zwischen den Bäumen.
    Gekicher und einzelne Flötentöne erklangen plötzlich aus dem Wald und näherten sich dem See. Neugierig blickte ein Dachs von seiner Futtersuche am Seeufer auf, als die Gestalten aus dem Schatten der Bäume traten. Tänzelnd und sich immer wieder drehend gingen die ausgelassen lachenden Dryaden zum Rand des Ufers. Sie fingen an ihre Flöten und Harfen zu spielen, klatschten den Takt mit und tanzten freudig auf und ab. Einige Waldbewohner blieben stehen und beobachteten die Nymphen für eine Weile, gingen jedoch bald ihrer Wege. Sie wussten, dass von diesen bildhübschen Wesen keine Gefahr ausging.
    Die Melodie schwebte durch die Nacht und war auch unter der Wasseroberfläche zu hören. Ein breites Lächeln erschien auf Jalos Gesicht, als er die vertrauten Töne vernahm. Geschwind schwamm der Nix von der Mitte des Sees zu dem Holzsteg, der sich vom Ufer aus mehrere Ellenlängen über das Wasser streckte. Jalo zog sich an einem der Stämme hoch, sodass er die tanzenden Nymphen in einiger Entfernung sehen konnte. Mit seinem Fischschweif schlug er immer wieder von einer Seite zur anderen, um an der Oberfläche bleiben zu können. Er hatte die Dryaden schon oft beobachtet, im Sommer tanzten sie jede Nacht. Der Anblick faszinierte ihn, wie sie sich auf ihren zwei Beinen drehten und ihre Instrumente spielten. Doch nie hätte er sich getraut auf sich aufmerksam zu machen. Lieber tat er es den Tieren gleich und lauschte der Musik und ihrem Gelächter.


    Doch mit einem Mal verklang die fröhliche Melodie und die Dryaden hatten aufgehört zu tanzen. Es dauerte eine Weile, bis für Jalo der Grund dafür sichtbar wurde, denn der Blick der Nymphen war in den finsteren Wald gerichtet. Schließlich kam eine Gestalt ins Mondlicht. Der Oberkörper des Wesens war menschlich, doch an den Seiten seines Kopfes wuchsen die gebogenen Hörner eines Widders. Von der Hüfte abwärts war der Faun mit dichtem, dunklen Fell bedeckt und seine Beine glichen denen eines Ziegenbocks. Als die Dryaden den Faun erkannten begannen sie wieder ihre Instrumente zu spielen und zu tanzen. Der Neuankömmling reihte sich ein, stampfte ausgelassen mit seinen gespaltenen Hufen, während er sich zu der Melodie drehte. Jalo kam nicht umhin ihn zu beneiden. Wie gern hätte er sich ebenfalls dem fröhlichen Tanz angeschlossen!
    Doch die Nymphen hatten den Faun bereits durchschaut. Er versuchte ihnen näher zu kommen und festzuhalten, doch sie brachten sich tänzelnd und drehend immer wieder außerhalb der Reichweite seiner Arme. Sie ignorierten seine schmeichelnden Worte, als er begann einige Verse aufzusagen. Der Nix konnte vom Steg aus nur die dunkle Stimme des Faun hören, die immer ungeduldiger und zorniger wurde. Schließlich entkam ein wütendes Meckern seinem Hals, als er auf eine der Dryaden zu stürzte. Er entriss ihr die Flöte und stellte Forderungen, die Jalo jedoch nicht verstehen konnte. Der Faun sprach noch einige wütende Worte bis er sich schließlich zum Steg wandte. Augenblicklich ließ der Nix sich ins Wasser fallen, tauchte unter und schwamm mehrere Ellen in den See hinaus. Was oberhalb der Wasseroberfläche vor sich ging, konnte er nur dumpf hören bis schließlich etwas platschend im See landete. Daraufhin folgten einige erschrockene Schreie und als diese verklungen waren breitete sich eine drückende Stille aus. Neugierig schwamm Jalo zu der Stelle, wo er das Platschen gehört hatte. Der Mond schien durch die Wasseroberfläche, doch es hätte für keinen Menschen gereicht in dem tiefen See etwas zu erkennen. Für den Nix reichte das kalte Licht jedoch und er fand auf dem Grund eine hölzerne Flöte. Er hob das Instrument auf, betrachtete es in seinen Händen, drehte es mit den langen Fingern zwischen denen sich Schwimmhäute spannten.
    Jalo verstand nicht, warum der Faun das getan hatte, aber er dachte nicht lang darüber nach, sondern schwamm zurück zum Holzsteg. Wieder zog er sich an einem der Stämme hoch, um das Ufer sehen zu können. Doch keine der Dryaden war zu sehen. Er wartete eine Weile, hoffte darauf, dass sie zurückkommen würden, aber auch nach längerem Warten hatte er nur einen Dachs gesehen und einige Eulenschreie gehört. Nachdenklich glitt Jalo wieder ins Wasser und schwamm aufs Ufer zu. Wenn er die Flöte dort hinlegen könnte, würden die Dryaden diese bestimmt in der nächsten Nacht finden! Doch der See wurde immer seichter, sodass der Nix kurz vor seinem Ziel nicht mehr weiterkam. Für einen Herzschlag dachte er darüber nach, sich an Land zu ziehen. Würde er es aber wieder zurück in den See schaffen? Noch viel wichtiger war jedoch: würden sich die Dryaden ihm überhaupt nähern? Unsicher betrachtete er die Flöte in seiner rechten Hand. Er wollte sie auf jeden Fall zurückgeben! Fest umklammerte er das kleine Instrument, als er sich mit den Fäusten abstützte damit er sich umdrehen und zurück in den See schwimmen konnte. Sobald das Wasser wieder tief genug war, tauchte er unter und verschwand in der Dunkelheit.


    Orangefarbenes Licht hatte sich im Osten hoch genug gekämpft, um über die dichten Baumkronen hinweg den See zu erleuchten. Nebelschwaden hingen noch über dem glitzernden Wasser, als Meisen und Spatzen den neuen Morgen mit ausgelassenem Zwitschern begrüßten und dabei von Amseln begleitet wurden. Wieder klopfte der Specht in seinem ganz eigenen Takt und am Waldrand ästen einige Rehe. Keckernd gerieten zwei Eichhörnchen aneinander und jagten sich daraufhin von Ast zu Ast. Sogleich hoben die scheuen Rehkühe die Köpfe und zogen sich schnell in den Wald zurück. Auf dem See gründelten derweil die Enten zwischen dem Schilfrohr, tauchten immer wieder hinab und schüttelten die Wassertropfen aus ihrem Gefieder.
    Lächelnd betrachtete Melina die Idylle als sie den letzten Baum des Forstes erreichte. Sie strich der alten Buche über die Rinde, fuhr mit ihren Fingern die Risse im Holz nach. Schließlich trat sie aus dem Schatten auf die Wiese, die sich bis zum Ufer des Sees erstreckte. Das Sonnenlicht fiel auf ihre helle Haut und je näher sie dem Wasser kam, desto ernster wurden ihre Gesichtszüge. Sie war gewillt ihre Flöte zurückzuholen. Auch wenn sie noch gar nicht wusste, wie sie das bewerkstelligen sollte. Das Gras unter ihren Füßen stoppte abrupt, als sie den Steg erreicht hatte, der sich mehrere Ellen in den See streckte. Das Holz war noch feucht von der Nacht, begann aber bereits unter der warmen Sonne zu trocknen.
    Melina schritt an das Ende des Stegs, setzte sich und ließ ihre Beine über dem Wasser baumeln. Ratlos blickte sie in die Ferne und fragte sich, wie sie es bloß schaffen sollte, ihre Flöte zu finden. Sie war noch nie geschwommen oder getaucht. Um ihr Instrument wiederzubekommen brauchte sie Hilfe.


    Jalo näherte sich mit dem Kopf aus dem Wasser einer Biberburg im westlichen Teil des Sees. Die Tiere mit dem dunklen Fell schliefen im Inneren des Baus, doch selbst, wenn sie den Nix gesehen hätten, hätten sie sich über ihn nicht gewundert. Vorsichtig befreite Jalo die Holzflöte aus dem Geflecht aus Ästen. Er wusste was mit Holz geschah, wenn es zu lang mit Wasser in Berührung kam, deshalb hatte er sich dafür entschieden die Flöte hier zu verstecken. Mit einem erleichterten Lächeln betrachtete er das Instrument, bevor er wieder hinabtauchte und zum Holzsteg schwamm. Irgendwie musste er die rechtmäßige Besitzerin finden oder es zumindest möglich machen, dass sie fand, was man ihr weggenommen hatte.
    Als der Nix die Mitte des Sees erreicht hatte, tauchte er kurz auf, nur um augenblicklich wieder unter Wasser zu verschwinden. Die Gestalt, die auf dem Steg saß hatte ihn erschrocken. Mit klopfendem Herzen näherte er sich und tauchte einige Ellen tiefer. Ob das vielleicht die Dryade war, der die Flöte gehörte?


    Seufzend erhob sich Melina und blickte auf die Wasseroberfläche, die die Umgebung widerspiegelte. Es wirkte, als wäre der See das Tor zu einer anderen Welt. Plötzlich hörte sie hinter sich ein Geräusch und drehte sich ruckartig um. Doch sie konnte nichts entdecken, nur eine Amsel flog in einiger Entfernung auf. Aber die konnte den dumpfen Laut nicht erzeugt haben. Verwundert schritt die Dryade zurück in Richtung Ufer, den Blick auf das Holz unter ihren Füßen gerichtet.
    „Seltsam“, murmelte sie halblaut, bevor sie sich wieder umdrehte. Sie musste immer noch eine Lösung für ihr Problem finden. Als sie die Augen wieder auf das weite Wasser richtete, fiel ihr etwas auf dem Ende des Stegs auf. Eilig ging sie darauf zu und beugte sich zu dem Gegenstand hinab.
    „Meine Flöte!“, rief sie freudig aus und machte eine kurze Drehung, bevor sie den Zustand des hölzernen Instrumentes überprüfte.
    Ein nahes Platschen ließ sie aufschauen. An der linken Seite des Stegs wellte sich das Wasser.
    „Ist da jemand?“, fragte sie laut. „Hast du mir meine Flöte wiedergebracht?“


    Die Frage der Dryade erreichte Jalo dumpf unter der Wasseroberfläche. Sie hielt ihn davon ab fortzuschwimmen. Er blickte über die Schulter zurück und fragte sich, ob das die Gelegenheit sein könnte, auf die er immer gehofft hatte. Es gab so viel, was ihn an Land interessierte, aber die Angst hatte ihn immer davon abgehalten. Seine Erscheinung war ungewöhnlich, selbst der grobe Faun war in seinen Augen ansehnlicher als der Nix selbst.
    Doch war die Ablehnung wirklich schlimmer als die Reaktion der Dryade nie zu kennen?
    Ruckartig drehte er sich um und schwamm an die Oberfläche.


    Melina setzte sich verwirrt auf das warme Holz und wartete. Irgendjemand hatte ihr das vermisste Instrument wieder gebracht. Sie musste sich bei demjenigen bedanken! Außerdem wurde sie langsam neugierig. Nicht einmal die Tiere des Waldes versteckten sich bewusst vor ihr. Eigentlich kannte sie kein Wesen, welches sich vor einer Dryade verbergen würde. Also musste dies jemand Besonderes sein. Und noch dazu im Wasser leben!
    Schließlich bemerkte sie einen dunklen Schatten, der sich der Oberfläche des Sees näherte. Ein Kopf tauchte aus dem Wasser auf und Melinas Augen weiteten sich vor Überraschung. Das dunkelbraune, schulterlange Haar hing triefnass an dem schmalen menschlichen Gesicht. Die Haut hatte einen feuchten Schimmer und die Augen die Farbe von dunkler Baumrinde nach einem Regenguss. Das Wesen näherte sich dem Pfahl neben der Dryade und zog sich daran hoch. Sie konnte nun die beinahe unscheinbaren Kiemen am Hals erkennen, sowie die Schwimmhäute zwischen den langen Fingern.


    Jalo war zu beeindruckt vom Aussehen seines Gegenübers, um etwas zu sagen. Die Haare der Nymphe waren hellbraune Locken in denen Blätter hingen. Um ihren Oberkörper rankten sich dunkelgrüner Efeu und hellroter wilder Wein bis zu ihren Hüften, wo ein weißes Leinentuch ihr als ihr als Rock diente. Doch besonders faszinierten ihn die grünen Augen der Dryade, die wie das Blattwerk der Bäume schimmerten, wenn das Sonnenlicht hindurch fiel.


    „Hallo“, schaffte Melina es schließlich zu sprechen. Der Nix zuckte kurz zusammen, als hätte sie ihn erschreckt. „Hast du mir meine Flöte wiedergebracht?“ Ein kurzes Nicken folgte.
    „Vielen Dank“, meinte sie lächelnd. „Ich bin so froh sie wieder in den Händen halten zu können, weil ich Angst hatte, sie nie wiederzusehen. Wie heißt du?“
    „Jalo“, brachte der Nix hervor und schlug die Augen nieder. Es fühlte sich seltsam an tatsächlich mit der Dryade zu sprechen. Vor lauter Aufregung schlug sein Herz so laut, dass er sicher war, sie müsste es hören.
    „Freut mich sehr dich kennenzulernen“, erwiderte sie, „mein Name ist Melina. Wie hast du die Flöte gefunden?“ Die tiefe Stimme des Nix klang angenehm, obwohl er nur ein einziges Wort gesagt hatte. Melina wollte ihm weiter zuhören.
    „Nun“, begann Jalo zögerlich, „ich war gestern hier und hab dir und den anderen Dryaden zugehört. Eure Lieder sind immer so schön, dass ich gern jede Sommernacht hier beim Steg bin und euch lausche. Und als der Faun deine Flöte in den See geworfen hat, schwamm ich gleich hin, weil ich nicht sehen konnte, was es war.“
    „Wie gut, dass du da warst“, sagte Melina und betrachtete das Instrument in ihren Händen. „Wer weiß, in welchem Zustand sie sonst gewesen wäre, wenn sie noch länger im Wasser gelegen hätte.“
    „Was wollte der Faun gestern Nacht?“, wollte der Nix plötzlich wissen. Verwundert schaute sie auf. Bisher hatte sie das nie erklären müssen, aber vielleicht wusste Jalo es tatsächlich nicht.
    „Ich bin ein bisschen überrascht, dass du das fragst“, gab sie zu. „Aber vielleicht wirke ich auf dich auch anders. Faune werden regelrecht verrückt, wenn sie Nymphen sehen. Richtig liebestoll. Es gibt Momente, da haben wir nichts dagegen, aber manchmal sind die Faune zu aufdringlich.“
    Jalo nickte als er meinte: „Scheinbar eine ähnliche Wirkung, wie Nixe auf Menschen haben. Die werden dann auch ganz merkwürdig und folgen uns ins Wasser.“
    „Und das wollt ihr nicht?“, fragte Melina vorsichtig.
    „Ich nicht“, gab er zurück. „Es gibt welche von uns, die das gern machen. So wie sich wohl auch ein paar Nymphen gern auf Faune einlassen.“
    „Aber du spürst keinen Anflug von Liebestollheit?“, wollte die Dryade prüfend wissen, woraufhin Jalo den Kopf schüttelte.
    „Nein, aber möchtest du mir denn ohne nachzudenken ins Wasser folgen?“
    „Sicherlich nicht“, erwiderte Melina ängstlich, „ich kann gar nicht schwimmen.“
    „Dann ist ja gut“, sagte der Nix mit deutlich hörbarer Erleichterung. „Sonst hätte ich es nämlich sehr bereut mich dir gezeigt zu haben.“
    „Ich bin froh, dass du es getan hast. Weil ich mich unbedingt bei demjenigen bedanken wollte, der mir meine Flöte wiedergebracht hat.“
    „Gern geschehen“, gab Jalo lächelnd zurück. „Mir war auch wichtig, dass du sie wiederbekommst.“
    Für einen kurzen Moment schwiegen beide und ließen die warmen Sonnenstrahlen auf ihre Haut scheinen. Der Himmel über ihnen war azurblau, keine Wolke war zu sehen und nur ein schwacher Wind strich über das Wasser. In den Blättern der Bäume flüsterte es dabei leise, doch das wurde von dem Gezwitscher der Vögel beinahe übertönt.
    Melina betrachtete noch einmal ihr Instrument, bevor sie es an den Mund führte und zu spielen begann.
    Die kleine Melodie schwebte durch die feuchte Luft und ließ ein paar Eichhörnchen in ihrem Keckern verstummen. Der Nix kannte dieses Lied nicht, was ihn nur noch mehr über das Flötenspiel der Dryade staunen ließ. Hohe und tiefe Töne wechselten sich harmonisch ab, sie klangen fröhlich und forderten zum Tanzen auf. Da Jalo aber nicht wusste, wie er das bewerkstelligen sollte, klopfte er nur verstohlen mit seiner Hand auf das Holz. Lächelnd schloss er die Augen und vergaß die Welt um ihn herum. Als die Musik schließlich leiser wurde und schließlich verklang, war es dem Nix, als wäre er aus einem Traum erwacht.
    „Das war wunderschön“, sagte er ehrfürchtig. Melina lächelte verlegen.
    „Danke schön, ich hab dieses Lied bisher noch niemandem vorgespielt, weil ich mir noch nich sicher war, ob es schon gut ist.“
    „Ich finde es herrlich“, erwiderte Jalo breit grinsend, doch seine Züge wurden schnell traurig.
    „Was ist los?“, fragte Melina besorgt und rückte etwas zu ihm. Erst jetzt fiel ihr auf, dass seine Haut den feuchten Schimmer verloren hatte und seine braunen Haare beinahe getrocknet waren.
    „Ich würde gerne noch länger hier bleiben, aber ich kann in der Sommerhitze nicht lang außerhalb des Wassers sein.“
    „Aber natürlich“, sagte die Dryade verständnisvoll. „Es ist wichtig, dass du auf dich aufpasst. Ich sollte auch zurück in den Wald, hier draußen könnten mich die falschen Wesen entdecken.“
    „Das solltest du auf jeden Fall tun“, stimmte der Nix ihr zu.
    Melina erhob sich und fragte: „Sehen wir uns heute Nacht?“
    „J-ja, sehr gerne“, brachte ihr Gegenüber überrascht hervor. Nie hätte er gedacht, dass sie ihn wiedersehen wollte und dann auch noch so bald!
    „Ich freu mich“, grinste sie, „und jetzt tauchst du schnell wieder in den See, ja?“
    Jalo nickte und ließ sich zurück ins Wasser fallen. In dem Moment als das kalte Nass ihn wieder umgab, bemerkte er erst, wie lang er sich außerhalb aufgehalten hatte. Er fühlte, wie die Wärme aus seinem Körper wich und seine Haut die Kühle begrüßte. Sehr viel länger hätte er sich in der Sommerhitze nicht außerhalb des Sees aufhalten dürfen.
    Vom Steg beobachtete Melina, wie der Nix unter der Wasseroberfläche schnelle Kreise zog. Dabei erkannte sie zum ersten Mal den Fischschweif, der dem eines Zanders ähnlich sah. Lächelnd erhob sie sich und ging über das warme Holz zurück ans Ufer. Ihre Flöte fest in der Hand lief sie über das kurze Gras in den Schatten des Waldes, dabei sprang sie ausgelassen wie ein junges Reh. Sie freute sich darauf Jalo schon so bald wiederzusehen!
    Der Nix tauchte tiefer hinab in den See, wo das Licht nur noch gedämpft die Wasserpflanzen erreichte. Es tat gut wieder in dieser bekannten Umgebung zu sein und er fühlte sich direkt erleichtert, dass sich hier nichts verändert hatte. Wie gewohnt schwammen die Fische an ihm vorbei und als er sich der anderen Uferseite des Sees näherte, konnte er über sich mehrere Entenfüße bedächtig paddeln sehen.
    Jalo wusste noch nicht, wie er sich die Zeit bis Sonnenuntergang vertreiben sollte. Es war ein seltsames Gefühl zu wissen, dass er dieses Mal nicht unbeachtet bleiben würde. Ein wenig hatte er Angst davor, doch vor allem war er aufgeregt und freute sich. Mit kräftigen Schlägen seines Fischschweifs schwamm er durch den See.
    Die heiße Mittagssonne strahlte auf ihrem Zenit auf den See hinab, der Wind blieb aus und die Bäume schwiegen in feuchten Wärme. Libellen schwirrten durch das Schilf und am Ufer flogen Bienen und Hummeln eifrig von einer geöffneten Blüte zur nächsten, während der Takt des hackenden Buntspechts durch den Forst hallte.

  • So, ham wa schon 2018 -- meine Güte ging das schnell.
    Für dieses Jahr hab ich mir gedacht, versuch ich mich ein wenig an Kurzgeschichten oder kurzen Geschichten zu Fabelwesen. Einfach, weil mir das Schreiben von Flötenklängen doch sehr viel Spaß gemacht hat und ich ohnehin schon eine ganze Weile außerhalb des Fandoms mal schreiben wollt. Im besten Falle entsteht auf diese Art jeden Monat eine Kurzgeschichte -- mal sehen, ob das tatsächlich so klappt. Bin noch nicht wirklich im Schreibrhythmus drin. Anyway.


    Die erste Kurzgeschichte -- also praktisch für den Jänner -- geht um die Yuki-onna aus dem japanischen Volksglauben. Jetzt ist die Geschichte leider nicht sehr "japanisch", weil ich wusste, dass ich mich in der Recherche total verlieren würde und die Geschichte dann sicherlich nicht fertig geworden wäre. Also ist die Sache eher "angelehnt" an die Yuki-onna und keine direkte Geschichte zu dieser Gestalt. Hatte zwar vor den Charakteren japanische Namen zu geben, aber dann dachte ich mir, das wär doch bissl wenig. Also gibt's deutsche Namen.
    Im Spoiler gibt's meine Schreibnotizen und da bleibt mir wohl nur noch viel Freude beim Lesen zu wünschen -- hoffentlich ist die Geschichte nicht zu kitschig. ^^"




    Schneefall


    Eisige Windböen fegten über die verschneiten Berggipfel und jagten den losen Schnee in weißen Wolken über das Gestein. Der Himmel bestand aus einer dichten, grauen Decke und die Sonne war nicht in der Lage diese zu durchdringen. So herrschte graues Zwielicht über dem Gebirge und den Tälern.
    Lautlos schwebte ein zierlicher Schemen durch die schneeweiße Landschaft. Das lange, schwarze Haar wehte im Wind, doch die weiße Kleidung und helle Haut machten die Gestalt nahezu unsichtbar. Krähen krächzten heiser im Flug, hielten auf den tiefer gelegenen Forst zu. Die weiße Gestalt folgte den schwarzen Vögeln den Berg hinab.


    Bei jedem Schlag grub sich das scharfe Metall der Axt tiefer in das Holz. Der ächzende Ton des Baumes schien immer deutlicher zu werden, bis das Holz schließlich splitterte und die Fichte mit krachenden Ästen auf dem Boden aufschlug. Der Baum lag gerade mal einen Herzschlag, da waren die Männer schon dabei ihn mit weiteren geübten Axtschlägen zu zerkleinern.
    Die Holzfäller waren ungewöhnlich tief im Wald, obwohl sie nur einen Baum schlagen wollten. Aber diese Fichte war schon lange zum Fällen vorgesehen gewesen und so hatten sie den fehlenden Schneefall der letzten Tagen genutzt, um heute tiefer als sonst in den Forst vorzudringen. Der Takt der Äxte erfüllte die eiskalte Luft und vor den angestrengten Gesichtern der Männer standen dichte Atemwolken. Sie achteten nicht auf ihre Umgebung, denn der Lärm würde dafür sorgen, dass sie nicht von Tieren gestört würden. Nach und nach klangen die erschöpften Stimmen durch die Luft, um den Erfolg ihrer Arbeit zu vermelden. Der Fichtenstamm war nun auf mehrere Ellen große Stücke zerkleinert worden. Sie trieben Eisenhaken in das Holz und zogen an Metallketten das Werk ihrer Arbeit zum Waldrand, wo ein Pferdeschlitten auf sie wartete. Auf halbem Weg bemerkten die Männer, dass es anfing zu schneien. Sie trieben sich gegenseitig dazu an, schneller zu gehen, manch einer rannte fast in seinen schweren Stiefeln. Schließlich lichtete sich der Wald vor ihnen und gab die Sicht frei auf den verschneiten Weg hinab ins Tal. Der Pferdeschlitten stand noch so da, wie sie ihn verlassen hatten. Schnaubend schüttelte sich das braune Ross, um die Schneeflocken von seinem Kopf zu bekommen.
    „Das war knapp“, sagte einer, als er das Holz auf den Schlitten lud. Die anderen pflichteten ihm bei und das Verladen ging ihnen geübt schnell von der Hand. Sie waren bereit zum Aufbruch, als einer von ihnen eine Bewegung zu seiner Linken wahrnahm. Krächzend flogen einige Krähen an ihnen vorbei und lenkten den Blick der fünf Männer auf eine zierliche Gestalt. Vier von ihnen ergriffen innerhalb eines Augenblicks die Flucht. Einer schnappte sich die Zügel des Pferdes und zwang es mit seinem eigenen schnellen Tempo in einen schnellen Trab. Die anderen drei rannten hinterher, behielten die Ladung im Blick und riefen nach dem letzten aus ihrer Gruppe. Doch dieser rührte sich nicht.
    „Komm endlich! Los lauf!“, schrien sie hinauf zu ihm, doch es war, als würde er sie nicht hören. So musste sie ihn zurücklassen, während der Schneefall immer stärker wurde.


    Die zierliche Gestalt vor dem jungen Mann sagte nichts und er war sich nicht einmal sicher, ob sie ihn überhaupt ansah. Ihre Haut war ungewöhnlich hell und das lange, schneeweiße Kleid verschmolz mit der Landschaft. Ohne die schwarzen Haare, hätte er sie vermutlich gar nicht wahrgenommen. Nach einem sehr langen Moment, wo sie sich gegenüberstanden drehte sich die weibliche Gestalt um und verschwand im Wald.
    Er hatte Glück gehabt. Die Schneefrau war von selbst gegangen, ohne ihn zu verzaubern. Jedenfalls fühlte er sich nicht von merkwürdiger Magie erfüllt, aber wer konnte schon sagen, wie sich das anfühlte? Er sah hinunter ins Tal, wo er die Dächer seines Dorfes unter all den Schneeflocken kaum noch ausmachen konnte. Doch anstatt hinunter zu gehen, folgte er einer Ahnung und lief schnellen Schrittes in den Wald. Zwischen all den dunklen Bäumen, war die weiße Schneefrau besser auszumachen und er behielt sie fest im Blick. Es war nur eine plötzliche Idee gewesen, eine schwache Vermutung. Aber er konnte sie nicht abschütteln. Und deshalb brauchte er eine Antwort. Eine Antwort von der Schneefrau.


    Als er die letzten Bäume des Forstes passierte blickte er auf eine völlig weiße Landschaft, die von tanzenden Schneeflocken bevölkert war. Beinahe hätte er die Schneefrau aus den Augen verloren, doch dann sah er ihr schwarzes Haar im Wind flattern und stapfte weiter durch den Schnee. Böen peitschten den Schnee von einer Seite zur anderen, während er immer weiter voran schritt. Er spürte wie er immer schwächer wurde und sich kaum noch auf den Schemen konzentrieren konnte, der mühelos über die weiße Landschaft schwebte. In dieser Höhe schien es nichts anderes zu geben als rieselnde Flocken und tiefen Schnee, der das Vorankommen mit jedem Schritt schwieriger machte.
    Das graue Licht um ihn herum wurde schwächer, als die Silhouette einer Hütte vor ihm auftauchte. Der Erschöpfung nahe hielt er darauf zu, stolperte voran und schaffte es mit letzter Kraft durch die Holztür. Schwer atmend rang er nach Luft, als die Tür hinter ihm leise ins Schloss fiel.
    Die Schneefrau kniete vor einem Kamin, doch es erklangen nicht die vertrauten Geräusche von aneinander geschlagenen Steinen, wie er sie vom Feuermachen kannte. Stattdessen murmelte sie dem dort liegenden Holz zu, bis das angenehme Knistern von leckenden Flammen zu hören war.
    Es wurde langsam warm in dem Raum und das Glas der kleinen Fenster beschlug. Der junge Mann nahm seine mit Schnee überzogene Mütze ab und zog den feuchten Schal aus. Seine Atmung begann sich langsam zu beruhigen, doch die Erschöpfung in seinem Körper wurde immer stärker. Er schlüpfte aus seinen schweren Stiefeln und legte die dicke Felljacke über einen der Stühle, die bei dem kleinen Holztisch standen.
    Er achtete wenig auf die Einrichtung, erkannte nur noch eine Nische, wo er ein Bett vermutete, und betrachtete die Schneefrau, die immer noch vor dem Kamin kniete. Es war ein merkwürdiges Bild, das Spiel des warmen Lichts auf der hellen Haut zu sehen. Jeden Moment befürchtete er, dass sie aufgrund der Hitze schmelzen würde, doch stattdessen stand sie nach mehreren Augenblicken der Stille auf und wandte sich ihm zu.
    „Danke“, sagte er schließlich heiser. „Ich bin mir sicher, du hättest dir selbst wohl kein Feuer gemacht.“ Der Blick aus ihren dunklen Augen war für ihn nicht zu deuten und doch empfand er seinen Kommentar als unpassend.
    „Warum bist du hier?“, fragte sie schließlich mit entrückter Stimme. Als wäre sie mit ihren Gedanken weit fort.
    „Ich glaube“, begann er vorsichtig, „ich kenne dich. Deshalb bin ich dir gefolgt.“ Er wartete auf eine Reaktion, doch sie sah ihn nur ausdruckslos an. Die Art, wie sie durch ihn hindurch schaute ließ leichte Angst in ihm aufsteigen. Die Geschichten, die man sich erzählte und mit denen er aufgewachsen war, waren ihm gut bekannt. Man durfte solch mächtige Wesen nicht erzürnen oder man würde mit einem Fluch belegt werden.
    „Woher solltest du mich kennen?“, erwiderte sie schließlich. Ihr Tonfall hatte sich verändert, deutliche Neugier war in ihren Worten zu hören und sie sah ihn direkt an. Er schluckte bevor er vorsichtig antwortete: „Weil ich glaube, dass du mal ein Mensch warst, wie ich.“
    Die Schneefrau tat einen erschrockenen Schritt zur Seite, sodass der Tisch zwischen ihnen war und klammerte sich an einem Stuhl fest. Mit aufgerissenen Augen starrte sie einige Augenblicke auf das Holz, bevor sie den Blick hob und ihn direkt ansah.
    Reflexartig griff er nach seiner Felljacke, bereit aus der Hütte zu stürmen, sollte sie versuchen ihn mit Magie zu bestrafen. Auch wenn er keine Vorstellung davon hatte, wie er das erkennen sollte, doch ihre Reaktion machte ihn nur noch vorsichtiger.
    „Ich … war ein … Mensch?“, flüsterte sie schließlich in die unangenehme Stille. Sie blinzelte ein paar Mal und die Anspannung in ihrem Körper schien sich zu lösen, als sie sich halb dem Feuer zuwandte.
    „Wer war ich?“, fragte sie nach einer weiteren Pause, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam.
    „Nun, ich bin mir nicht ganz sicher“, musste er zugeben. Er war seiner Ahnung bis zu diesem Punkt gefolgt, doch gerade in diesem Moment stellte er sie infrage und zweifelte an seinem Gefühl. Hatte er vielleicht nur fantasiert? Hatte seine Neugierde einen Grund erfunden diesem fremden Wesen zu folgen? Vorsichtig und leise trat er näher an die Holztür. Die Schneefrau drehte sich von den knisternden Flammen weg, sah eine Weile an ihm vorbei, bevor sie ihn mit ihren dunklen Augen fixierte.
    Er hatte ihre Frage nicht beantwortet und sie ließ ihn spüren, dass sie weiterhin eine Erklärung erwartete. Ihr Blick war ihm noch unheimlicher.
    „Weißt du“, begann er zögerlich, „vor zwei Wintern ist eine junge Frau aus unserem Dorf verschwunden. Sie war an einem sonnigen Tag am Dorfrand gesehen worden, wie sie in den Wald ging. Weil sie geschickt mit dem Bogen umgehen konnte, nahmen alle an, sie wäre auf die Jagd gegangen.“
    Die Schneefrau sah ihn unverändert an, ihre Augen forderten Antworten.
    „Später am Tag begann es zu schneien. Ich … habe mir Sorgen gemacht und bin zu ihrem Haus gegangen, um nachzusehen, ob sie zurückgekehrt war. Doch das Haus war leer. Der Schneefall wurde heftiger, der Wind harscher …“
    Er brach ab und klammerte sich an seiner Felljacke fest. Keinen Tag in seinem bisherigen Leben hatte er so sehr versucht zu vergessen wie diesen. Doch es war ihm einfach nicht möglich diese Gefühle wegzuschieben. Für kurze Zeit konnte er sie vergraben, aber es gab immer einen schwachen Moment in dem sie an die Oberfläche kamen, wie Schneeglöckchen durch die Schneeschicht brechen.
    „Ich bin in den Wald“, fuhr er mit unsicherer Stimme fort. „Der Weg war verschneit, jede Fußspur war bereits verdeckt. Um mich herum pfiff der Wind und peitschte mir die Schneeflocken ins Gesicht. Es war zwecklos und doch rief ich nach ihr. Hoffte auf ein Zeichen von ihr, aber es wurde immer dunkler und ich war ohne Lampe losgelaufen.“
    „Du hast aufgegeben“, kommentierte die Schneefrau kühl.
    „Nein!“, entkam es ihm wütend, „Niemals könnte ich sie aufgeben. Ich hab die ganze Nacht in ihrem Haus gewartet. Konnte keinen Schlaf finden und saß die ganze Zeit vor der Tür.“
    „Aber sie kam nicht zurück …“
    Er senkte den Blick und schüttelte traurig den Kopf. „Nein, sie kam nicht wieder. Wir suchten am nächsten Tag nach ihr, durchkämmten den uns bekannten Teil des Waldes, gingen weiter den Berg hinauf, als wir es im Winter jemals tun. Doch wir konnten sie nicht finden. Bis zum heutigen Tag weiß keiner, was mit ihr passiert ist.“ Seine Finger gruben sich in das dunkle Fell seiner Jacke.
    „Wenn … sie nur gewusst hätte … vielleicht wär sie dann nicht … allein gegangen … und sie wär noch bei mir“, sagte er mit bebender Stimme. In der Zeit danach hatte er sich diese Frage oft gestellt. Wenn er nur mutiger gewesen wäre und ihr erzählt hätte, was ihn schon einige Zeit beschäftigt hatte. Er kniff die Augen fest zusammen, doch das half nicht gegen die aufkommenden Tränen.
    „Sie wusste es“, flüsterte die Schneefrau in die Stille und ließ ihn verwundert den Kopf heben. „Ich wusste es.“ Sie ging am Kamin vorbei, in dem das Feuer weiterhin knisterte und an den Holzscheiten leckte, und blieb einen Schritt vor ihm stehen.
    „Leon“, sagte sie und lächelte ihn an. In diesem Augenblick war ihm das Wesen vor ihm nicht mehr fremd. Er fürchtete keine Magie mehr, seine Angst schmolz unter der Wärme des Lächelns und alles um ihn herum kam ihm vor wie im Traum.
    „Johanna?“, fragte er, als er vergeblich versuchte den Kloß in seinem Hals herunterzuschlucken. Die ersten Tränen rannen ihm bereits über das Gesicht.
    „Ich bin es, du hast mich wieder daran erinnert. Und ich weiß auch wieder, was an jenem Tag geschehen ist. Es tut mir so leid, dass ich dir so viel Kummer bereitet hab.“ Eine kurze Pause trat ein, in der sich die Schneefrau für ihre Erzählung kurz sammelte. All die Bilder kamen in jedem verstrichenen Augenblick stärker in ihr Gedächtnis zurück.
    „Es war keine kluge Entscheidung gewesen, an diesem Tag in den Wald zu gehen. Ich hatte nur vor ein wenig zu jagen und Feuerholz zu sammeln. Wollte mich bewegen und eine Weile für mich allein sein. Schon seit einiger Zeit hatte ich damals eine Verbundenheit zu dir gespürt. Seit meine Eltern gestorben waren hatte ich niemanden und war auch zufrieden damit. Es war ein neues Gefühl abends nicht einschlafen zu können, weil ich mich fragte, was dir wohl gerade im Kopf herumging. An jenem Tag war ich neugieriger als sonst. Der Wald schien unerwartet einladend und ich hatte auch bald die Spur einiger Rehe entdeckt. Ich folgte ihnen, verlor ihre Fährte aber wieder, weil ich zu sehr in Gedanken war. Irgendwann begann es zu schneien, also wollte ich umkehren. Doch ich hatte nicht aufgepasst und wusste nicht mehr wo ich mich befand. Trotzdem versuchte ich zurück zum Dorf zu finden, stolperte aber mehr als ich ging, weil sich so verängstigt war. Ich übersah einen Abhang und fiel in die Tiefe. Als nächstes wachte ich in dieser Hütte auf, ohne Erinnerung wer ich bin oder wie ich hierher gekommen war. Von diesem Moment an trieb es mich im Winter ziellos hinaus. Sobald der Schnee zu schmelzen begann, verschwand ich und mit dem ersten Schneefall erwachte ich hier. Bis heute.“
    Trotz der Wärme um ihn herum begann Leon bei den Worten Johannas zu zittern. In seinem Inneren zog sich alles zusammen als er sich vorstellte, wie sie umhergeirrt und schließlich verstorben war. Es tat weh so nah vor ihr zu sein. Und doch war sie seit zwei Wintern unerreichbar für ihn.
    „Danke Leon“, sagte sie lächelnd.
    „Wofür?“, schluchzte er. „Ich hab keinen Dank verdient. Damals hätte ich dich sofort suchen sollen, dir hinterher laufen und all das verhindern. Ich …“ Seine Stimme versagte, als er auf die Knie sackte und all die Tränen weinte, die er über die Jahre zurückgedrängt hatte. Die Trauer vereinnahmte sein ganzes Wesen, welches unter den Schluchzern erzitterte.
    Johanna kniete sich vor ihm, um ihn zu umarmen. Nichts wollte sie mehr in diesem Moment, als ihn zu trösten, doch sie hatte in dieser Gestalt noch kein anderes Wesen berührt. So hoffte sie bloß, Leon damit nicht zu verletzen. Als sie ihre Arme um ihn legte, beugte er sich nach vorn und vergrub sein Gesicht in ihrer Schulter. Sanft strich sie ihm über das schwarze Haar, während sie ihn festhielt.


    Eine lange Zeit verging bevor Leons Traurigkeit ihren lang ersehnten Ausdruck gefunden hatte. Trotz der Scham, die er verspürte breitete sich die Erleichterung stärker in ihm aus und der Schmerz wich schließlich einer ungeahnten Ruhe. Sein Schluchzen wurde leiser, bis es nur noch ruhig atmete. Er lehnte sich wieder zurück und fuhr sich mit den Händen über sein errötetes Gesicht.
    „Zieh deine Jacke an“, sagte Johanna leise. „Ich bring dich nach Hause.“
    Schwerfällig stand er auf, wickelte sich den Schal um den Hals und setzte seine Strickmütze auf den Kopf. In der Seitentasche seiner Felljacke fand er ein Stofftaschentuch, das er einige Male benutzte, damit er nicht mehr schniefte. Er nahm Johannas Hand, als sie ihm diese entgegenstreckte und gemeinsam traten sie aus der Holztür.


    Die Nacht war über die Berge hereingebrochen. Über ihnen leuchtete der Vollmond in einem schwarzen Firmament, in dem die Sterne still funkelten. Leon konnte kaum etwas erkennen, das silberne Mondlicht erleuchtete den Schnee nicht genug, um zu sehen, was vor ihm lag. Er vertraute voll und ganz auf die Führung durch Johanna. Lang und ohne Worte liefen sie durch die Dunkelheit, durchquerten den Forst und erreichten schließlich das Dorf. Nur noch vereinzelt brannten Lampen und sanfter Feuerschein schien durch einige Fenster.
    „Es wird Zeit für den Abschied“, brach Johanna das Schweigen zwischen ihnen. Leon wusste, dass dies das letzte Mal sein würde, an dem er sie sehen konnte.
    „Du hast mir meine Erinnerungen wiedergegeben. Ich verspüre eine Ruhe, die ich seit meinem Tod nicht hatte. Wenn die Nacht vorbei ist, werde ich wohl verschwunden sein“, fuhr sie fort. Er konnte nur nicken, als er erneut die Tränen in seinen Augen spürte.
    „Ich danke dir, Leon. Leb wohl“, sagte sie sanft, als sie höher schwebte und ihm einen Kuss auf die Stirn hauchte. Ein schmerzhafter Stich ging bei dieser Berührung durch seine Brust.
    „Leb wohl, Johanna“, erwiderte er mit belegter Stimme, als sie sich langsam entfernte und er sie nicht mehr sehen konnte. Er stand noch mehrere Augenblicke in der Kälte, bevor er sich von dem Berg abwandte und nach Hause ging.


    Einige Tage später fand man auf dem Dorffriedhof ein neues Grab. An der kleinen Mauer, die dem Berg am nächsten war, lag auf einem Steinbett ein Bogen samt Köcher. Niemand musste nachfragen, wem das Grab gehörte.

  • So - ich dachte mir, ich führe mir mal deine Kurzgeschichte zu Gemüte. Alleine, weil es mich neugierig gemacht hat, wie du die Figur der Yuki-onna in deinem Text verarbeitest. Dadurch, dass ich nämlich einer ihrer Interpretationen aus „Avatar“ kannte, konnte ich mir immerhin schon mal - mehr oder weniger - ein gutes Bild machen, das ich durch deine Beschreibungen, die wirklich sehr gelungen sind, verfeinern konnte.


    Die weiße Gestalt folgte den schwarzen Vögeln den Berg hinab.

    Tolle Gegenüberstellung der Farben! Fiel mir irgendwie direkt ins Auge (auch, weil ich total der Fan von Farbsymbolik beziehungsweise allgemein der Nutzung von Farben in Beschreibungen bin) und wollte ich an der Stelle honorierend erwähnen :D


    Der Takt der Äxte erfüllte die eiskalte Luft und vor den angestrengten Gesichtern der Männer standen dichte Atemwolken.

    Fand dieses Beispiel hier sehr treffend, um auch deine Beschreibungen, die du verwendest, positiv hervorzuheben. Ich bin ja tatsächlich ein sehr kritischer Leser, was vor allem daran liegt, dass mich ein Text wirklich begeistern und intensive Bilder in meinem Kopf herstellen muss, damit ich dran bleibe. Dir ist das gelungen.


    „Das war knapp“, sagte einer, als er das Holz auf den Schlitten lud.

    Fand die Stelle deshalb witzig, weil ich irgendwo damit gerechnet habe, dass sich mit dem Schnee die gute Frau ankündigt. Das wurde letztlich natürlich hierdurch und durch die folgenden Zeilen bestätigt, was mir an der Stelle viel Freude bereitet hat.



    Könnte das vermutlich jetzt mit einigen Textstellen so weiterführen, will jedenfalls sagen: Mir hat es viel Freude bereitet, den Text zu lesen. Wobei Freude hier nicht mal richtig wäre xd Also: Er hat auf jeden Fall die Anforderung erfüllt, mich zunehmen und ihn mich lesen zu lassen.
    Außerdem, das muss ich einfach zugeben, hat mich gerade das letzte Drittel tatsächlich literally zu Tränen gerührt. Es war echt super traurig und irgendwie hat mich das total mitgenommen, sodass ich während des Lesens ein, zwei, vielleicht drei Tränen nicht so richtig zurückhalten konnte :I Und sowas heißt bei mir schon was. Hat mich echt mitgerissen, große Klasse, wirklich!

  • Ich markier dir mal alles grün bzw. rot und versuche alles, bei dem es mir gelingt, zu beschreiben :3




    Liebe Grüße :blush:

  • Hey Cynda,


    ich bin gerade über den Schneefall gestolpert (draußen ist zurzeit auch was los) und denke, dass du die Legende um die Yuki-onna grundsätzlich gut eingefangen hast. In Anbetracht dessen, dass die Geschichte eher an westliche übernatürliche Phänomene angehaucht ist, hast du es gut geschafft, das entsprechend zu übertragen. Auch wenn es am Ende ein kleines Problem gibt. Natürlich nicht ganz das Ende, aber wenn Johanna tatsächlich einen Gedächtnisverlust hatte, wie kann sie sich nun plötzlich an alles erinnern? Das wirkt mehr auf den Plot zurechtgeschnitten, als wirklich notwendig war. An und für sich benötigst du die Erklärung nämlich gar nicht, sodass es trotzdem noch rund klingt und Sinn ergibt. Dass sie gestorben ist, wird ja spätestens am Ende mehr als nur einmal angedeutet oder erwähnt und da hätten sich subtilere Andeutungen wohl besser gemacht als gleich die Lebensgeschichte zu erzählen.
    Das war's so weiters aber auch schon mit der Kritik. Alles weitere ist sehr harmonisch aufgebaut und besonders die erste Begegnung mit ihr im Schnee und die anschließende Verfolgung lassen sehr mystische Stimmung aufkommen. Etwas Angst hätte sich bei Leon vermutlich noch gut getan, weil man ja doch nicht alle Tage mit einem Geisterwesen konfrontiert wird, aber ansonsten haben sich Neugier und Interesse gut hinzugemischt, mehr erfahren zu wollen. Die Gefühle kamen besonders nach der Wiedervereinigung gut zum Vorschein und sie waren über alle Maßen nachvollziehbar. Auch, dass Johanna freundlich und irgendwo gelassen bleibt; das passt einfach zum Image der Vorlage. Hat mir auf jeden Fall gefallen.


    Wir lesen uns!

  • Wird Zeit, dass ich hier mal wieder update. Momentan ist das mit dem Schreiben ein wenig schwierig, aber zumindest hab ich im Februar noch eine Fabelwesen-KG hinbekommen. Auch wenn ich überhaupt nicht einschätzen kann, ob sie gut ist. Nun, egal.


    Erstmal ein großes Danke an @Cosi, O-mega und @Rusalka für die Kommis. ^.^





    Als nächstes gibt es meine Abgabe für die Aktion Steinzeit-Gedichte, bei dir ich auch noch total überraschend den ersten Platz gemacht hab. Damit hatte ich echt nicht gerechnet. ^^"
    Deshalb erstmal ein großes Dankeschön an alle Voter! Im Spoiler gibt's meine persönliche Interpretation der Sache, deshalb gibt's ein Highlight für @Galileo @Alphys @Obscuritas @Thrawn die kommentiert haben und an @Cassandra  (:



    NÄHE UND WORTE


    Dunkelheit schleicht —
    Kälte naht.


    Schnee schweigt. Pfeifender Wind.


    Ein Wort? Oder drei?
    Leise geformt. Deine Stimme.


    Geschlossene Augen. Gefrorene Zeit.
    Warme Lippen. Kühle Haut.


    Vier Worte. Von dir.
    Drei Worte. Von mir.


    Leuchtender Mond. Wolken wandern.


    Dunkelheit angekommen —
    Kälte vergessen.

  • Salut! Ich bin gerade so in Kommentierlaune und habe dein "Steinzeit-Gedicht" gesehen; da wollte ich dir auch gleich etwas Feedback da lassen. :3
    Gleich vorweg, weil mir das bei Faolin vorhin auch schon aufgefallen ist, ich finde Erklärungen blöd. Ich hab mich jetzt zwar gezwungen, den Spoiler noch nicht zu öffnen, aber die Versuchung ist schon echt groß, gerade wenn er sogar vor dem eigentlichen Gedicht steht. :c


    NÄHE UND WORTE
    Ich fange mal direkt beim Titel an. Die beiden Begriffe mit einem und zu koordinieren, finde ich an sich schon etwas ungewöhnlich. Irgendwie gehören sie für mich einfach nicht zusammen. Umso interessanter, dass sie hier so nah beieinander stehen. Durch die "Worte" denke ich zuerst an Menschen, die sich dann vielleicht sehr nah stehen oder einfach nur nah beieinander stehen. Es könnte aber auch eine geographische Nähe sein, die irgendwas mit Worten zu tun hat. Warum der Titel komplett groß geschrieben ist, ist mir nicht ganz klar. Ich vermute mal eine Bedeutung dahinter, da du das sonst nicht machst, wenn ich so nach oben schaue; vielleicht klärt sich das beim Lesen.
    Die ersten beiden Verse lassen auf eine abendliche Szene deuten; die Nacht bricht langsam an. Die Kälte und der Schnee lassen zudem vermuten, dass gerade Winter herrscht. Eine wirkliche Stimmung herauszulesen, finde ich hier sehr schwer, auch weil ich weiß, dass die Form stark begrenzt war. Es wirkt auf mich aber relativ neutral, ein bisschen als würde jemand das Wetter als eine Art Ansage durchgeben. Schleichen und schweigen deuten aber zumindest auf eine eher ruhige Umgebung hin. Der vierte Vers ist spannend, weil hier gleich zwei Wörter hervorgehoben werden, nämlich die beiden Zahlen. Insgesamt lassen die Verse vier bis sieben auf zwei Personen schließen, die sich in einer romantischen Szene befinden. Es fallen weitere Worte. Abschließend berichtet das lyrische ich erneut von der Umgebung und gibt der Szene damit einen schönen Rahmen. Das Ende rundet es schön ab, weil die andere Person die "Kälte vergessen" lässt.
    Vom Aufbau finde ich das Gedicht eigentlich ganz niedlich, weil es so schön symmetrisch aufgebaut ist. Gleichzeitig zieht sich vor allem das Motiv der Kälte durch das gesamte Gedicht, sowohl am Anfang und am Ende als tatsächliche Kälte als auch in der Mitte in Form der gefrorenen Zeit. Die "warmen Lippen" der anderen Person, die gemeinsam mit der gefrorenen Zeit in der Mitte des Gedichts stehen, sind es schließlich, die die Kälte auflösen.
    Bleibt die Frage, worum es sich bei den ominösen Worten handelt. Bei dem ersten Wort stehe ich ein wenig auf dem Schlauch. Auch das "Oder" irritiert mich etwas, da die Worte ja scheinbar tatsächlich gesprochen werden. Warum dann ein oder? Vielleicht ist es hier noch eher ein Wunschdenken des lyrischen Ichs, später hingegen Realität. Dagegen spricht allerdings, dass es am Ende weder ein Wort noch drei Worte sind, die durch die andere Person gesprochen werden. Außer die Person erfüllt den Wunsch so, dass sie einfach alles sagt. Ich habe zwar Vermutungen, aber lese das dann gleich einfach nach, haha. Die Hervorhebungen scheinen mir übrigens an allen Stellen überflüssig, außer sie geben einen entscheidenden Tipp auf die Bedeutung, den ich gerade einfach nicht erkenne. Ansonsten bekommt ohnehin jedes Wort seine Aufmerksamkeit, weil die Verse einfach so enorm kurz sind und durch die Form unterstützt werden.
    An dieser Stelle habe ich dann auch deine Informationen dazu gelesen und schon ergibt der Titel Sinn. Da wäre ich allerdings durch das Gedicht eher nicht drauf gekommen. Vielleicht hätte man das noch etwas deutlicher machen können, indem man auf beiden Seiten noch einen Vers eingeschoben hätte. Zwischen dem dritten und vierten Vers könnte beispielsweise ein "Du fort." und an der entsprechenden Stelle am Ende ein "So nah." o.ä. einbauen, das aber nur als Anregung. Warum im Titel alles groß geschrieben ist, verstehe ich trotzdem noch nicht ganz.


    Insgesamt finde ich das Gedicht aber wirklich gut. Ich glaube, das ist auch an sich eine super Übung, um in freie Lyrik einzusteigen. Gerne noch mehr davon. :3


    Au revoir!

  • Heute kein Update, dafür eine Ankündigung -- doch zuerst geh ich noch auf @Flocons Feedback ein.


    Vielen Dank für deinen Kommentar, Flocon, der hat mich sehr überrascht und sehr gefreut. (:

    Ich hab mich jetzt zwar gezwungen, den Spoiler noch nicht zu öffnen, aber die Versuchung ist schon echt groß, gerade wenn er sogar vor dem eigentlichen Gedicht steht. :c


    Ja, da hast du Recht, das war vermutlich nicht die beste Platzierung. ^^"

    Warum der Titel komplett groß geschrieben ist, ist mir nicht ganz klar. Ich vermute mal eine Bedeutung dahinter, da du das sonst nicht machst, wenn ich so nach oben schaue; vielleicht klärt sich das beim Lesen.


    Das ist tatsächlich einfach nur, weil ich den Titel hervorheben wollte, deshalb wählte ich die Großschreibung. Vermutlich hätten Kapitälchen hier besser gepasst.

    Es wirkt auf mich aber relativ neutral, ein bisschen als würde jemand das Wetter als eine Art Ansage durchgeben. Schleichen und schweigen deuten aber zumindest auf eine eher ruhige Umgebung hin.


    Mhm, interessant, dass du das so neutral empfindest. Ich hatte gehofft schon ein wenig Stimmung zu erzeugen, aber vermutlich war das auch eher nur in meinem Kopf. Weil ich die konkreten Bilder ja schon hatte, während du das nur anhand der Worte mitbekommst. Danke für die Anregung, werde versuchen das bei zukünftigen Gedichten zu beachten!

    Die Hervorhebungen scheinen mir übrigens an allen Stellen überflüssig, außer sie geben einen entscheidenden Tipp auf die Bedeutung, den ich gerade einfach nicht erkenne.


    Das stimmt, die waren auch nicht mit besonders viel Hintergedanken gesetzt, muss ich zugeben. Man kann sie tatsächlich auch einfach weglassen.
    Danke für dein Feedback! Du hast tatsächlich die Handlung des Gedichts ganz schnell erfasst gehabt. (: Da ich schon so viel in den Hintergrundspoiler geschrieben hab, weiß ich gar nicht mehr, was ich noch groß zu deinem Feedback schreiben soll. ^^" Es stimmt, dass die Limitation der Form hier vermutlich viel von der Stimmung wegnimmt und auch vieles zu offen ist. Ich hätte die Thematik in einem "normalen" Gedicht vermutlich besser untergebracht, als in dieser Form -- möglicherweise mach ich das auch noch. Vielen Dank auch für deine Anregungen!




    Und nun die besagte Ankündigung. Ich hab mich entschlossen Geschrieben in Feuer als Sammlung nicht mehr weiterzuführen. Das fühlt sich momentan einfach richtig an, weil meine Schreibmotivation absolut unfokussiert ist. Deshalb fühl ich mich besser damit, wenn die Sammlung in der Bibliothek zu finden ist.
    An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Leser und Kommentatoren über die vergangenen knapp sieben Jahre. Es hat mir immer eine sehr große Freude gemacht eure Gedanken und Meinungen zu meinen Werken zu lesen. Vieles hier war experimentell, etwas was ich zuvor noch nicht versucht hab und gerade deshalb hat mich euer Feedback immer angespornt, mich weiter auszuprobieren.
    Vielen Dank! <(^.^<)
  • Waaaa...?! Wieso?! Ich mochte diese Sammlung wie viele andere, Cynda :shocked:

    "Das Leben selbst vergeht. Die Taten derer die du getan hast aber werden je nachdem wie Erfolgreich jene waren, nicht vergessen werden. In unglücklichen Fällen können Ärzte wie Hua Tuo können einen gar Unsterblich machen. Tja, seit meinem Unfall mit Hua im Jahre 120 lebe ich seit 90 im Aussehen eimes 30 Jährigen. Auch wenn mein Alter von 1929 Jahren etwas gewöhnungsbedürftig ist.", Lynneth Bucherstede, Lu Bus Bruder (25.02.2019)