Blumenzauber




  • Herzlich Willkommen!
    Schön, dass es dich in mein kleines E&S-Topic verschlagen hat. Aus einem spontanen Gedanken heraus dachte ich mir, dass es nicht schaden kann, wenn ich ab und zu auch einfach mal kürzere Sachen schreibe und mir nicht immer gleich überlege, wie man aus jeder Idee eine Fanfiction bauen könnte (die ich dann jedoch letztendlich aber meistens auch nicht aufschreibe). Deswegen habe ich mir dieses Topic hier erstellt und ich wünsche dir, mein lieber Leser, noch viel Spaß hier.


    Danksagungen
    Ich nutz es jetzt einfach mal aus, dass ich ein neues Topic erstelle, um mich bei drei super lieben Menschen zu bedanken. Die Rede ist von den dreien, die mir die ersten Kommentare geschrieben haben, die ich in meinem Lieblingsbereich bekommen habe.
    Zunächst ist das @Canberra, dir mir den ersten Kommentar damals geschrieben hat und mich dadurch, dass ich ca. ein halbes Jahr später ins FF-Komitee kam, quasi schon meine ganze Zeit in diesem wunderbaren Bereich auf die ein oder andere Weise begleitet hat.
    Als zweites ist da @Rusalka zu nennen, der der Zweite war, von dem ich einen Kommentar bekommen habe. Damals hat er mir wirklich geholfen und inzwischen schätze ich es immer wieder sehr, mich mit ihm über alles mögliche zu unterhalten.
    Und zu guter Letzt kommt die Person, bei der ich es nicht mehr schaffe in Worte zu fassen, wie lieb ich sie habe und wie wichtig sie mir geworden ist. Sie war damals die Dritte, von der ich einen Kommentar bekommen habe und seitdem hat sie jedes einzelne meiner Kapitel beständig kommentiert. Die Rede ist von keiner geringeren als @Shiralya.
    Ihr drei seid im Nachhinein betrachtet vermutlich maßgebend dafür gewesen, dass ich mich überhaupt dauerhaft in diesem Bereich niedergelassen habe, denn eigentlich war meine erste FF nur eine spontane Idee. Weil mir der Startpost von @Rajanis FF unheimlich gut gefallen hat, wollte ich auch so etwas haben. Auf jeden Fall war es so, dass ich mich dermaßen über die Kommentare und darüber, dass sich jemand mit meinem Geschreibsel beschäftigt, gefreut habe, dass es mich letztendlich bei den Fanfictions gehalten hat.

    [tabmenu][tab=Epik]Viel Spaß beim Lesen und/oder Stöbern ^-^  
    [tab=Drabbles][subtab=Teebeutel]Teebeutel
    Es ist so wohlig warm hier drinnen vorm Kamin. Endlich kann man sich wieder vor das beruhigende Feuer setzen, während man draußen den Sturm vor sich hin toben hört. Eine heiße Tasse Tee in der Hand, eine kuschlige Decke zum darin versinken und die knisternden Flammen vor sich. Was braucht man mehr? Vorsichtig nippe ich an meinem Getränk, das durch den Zimt schon weihnachtlich duftet und einen Hauch festliche Stimmung vermittelt. Nachdenklich betrachte ich den Teebeutel, den ich aus Faulheit nicht herausgenommen hatte. Ob es sich wohl auch so anfühlt, in einem Teebeutel zu sein? So warm und geborgen?



    Dies ist das erste Drabble, was ich je geschrieben habe und entstanden ist es als Beitrag zur Herbst-Drabblekette. Als ich diesen Titel gelesen habe, kam mir gleich eine gemütliche Szene in den Sinn, in der jemand Tee trinkt. Aber ich wollte nicht nur das beschreiben und da kam mir in den Sinn, dass es doch gewisse Ähnlichkeiten zwischen einer Person gibt, die sich gemütlich in eine Decke vor dem Kamin einkuschelt und einer Person, die sich theoretisch in einem Teebeutel in heißem Wasser befindet. Ich gebe du, soo viele Ähnlichkeiten sind das nun auch wieder nicht, aber beide wären von etwas warmen umschlossen.
    [tab=Kurze Erzählungen][subtab=Schneeflockenmanufaktur]
    Schneeflockenmanufaktur
    Wenn du Schneeflocken genau beobachtest, dir das Muster einer jeden Einzelnen anguckst. Was fällt dir dabei auf? Vergleiche sie doch mal und du wirst überrascht sein: Keine gleicht der anderen, jede ist einzigartig. Faszinierend, nicht wahr? Es gibt Millionen, ach was, Milliarden von Schneeflocke und eine jede ist ein Unikat. Wie kann das sein, fragst du dich vielleicht jetzt und möchtest diesem mysteriösen Phänomen auf den Grund gehen. Nun, lass dir gesagt sein, die Wahrheit ist sicherlich ganz anders, als du es dir vorgestellt hast. Sie führt in eine Welt voller kleiner, menschenähnlicher Wesen, die Tag und Nacht hart schuften, um Perfektion zu vollbringen. Komm, lass dich bei der Hand nehmen und wir werden gemeinsam in diese zauberhafte Welt eintauchen. In die Welt der Schneeflockenmanufakturen.
    „Anna! Hurtig, hurtig aber jetzt! Hast du mal wieder verschlafen? Die Arbeit wartet!“ Das waren die ersten Worte, die der kleine Wintergeist hörte, als er schläfrig in das Gesicht von Frau Sauber, ihres Zeichens Hausmutter des neunten Hauses der dritten Manufaktur, blickte. Erschrocken riss Anna die Augen auf. Hatte sie wirklich verschlafen? Wie spät war es denn? „Die Sonne hat schon ein Viertel ihrer Bahn zurück gelegt. Du bist wirklich spät dran.“ Frau Sauber hatte sich inzwischen schon wieder ihrer Arbeit zugewandt und machte sich daran, die Bettwäsche eines der Betten im Schlafsaal zu wechseln. Ein kurzer Schulterblick, um sich zu vergewissern, dass sich Anna auch wirklich daran machte, ihre Arbeitskleidung anzulegen, genügte ihr, um anschließend ihre volle Aufmerksamkeit wieder den Betten zu widmen. Als Hausmutter oblag es ihrer Verantwortung, dass alles seine Ordnung hatte und die Stube stets vor Sauberkeit glänzte.
    Aber genug von der Dame im dunkelblauen, schlichten Kleid. Dies ist immerhin die Geschichte von Anna. Also, nachdem Anna realisiert hatte, dass sie komplett verschlafen hatte sprang sie erschrocken aus ihrem Bettchen und zog eine einfache Kiste aus schönem, dunklen Holz unter ihrem dem Bettgestell hervor. Schnell waren weiße Hose und weißer Kittel angezogen bzw. zugeknöpft und ihr ebenfalls weißes Nachthemd in der Kiste verstaut. Wie ein Wirbelwind fegte sie daraufhin durch das Bad im Nebenraum, band ihre kastanienbraunen Haare zu einem ordentlichen Pferdeschwanz zusammen und putze sich im Nu die kleinen Zähnchen. Ein letzter prüfender Blick aus rehbraunen Augen in den Spiegel und sie konnte weiter.
    Geschickt schlängelte sie sich durch die allzeit belebten, verwinkelten Gänge und wich in den großen Produktionssälen mal hier und mal dort einem vorbeifliegenden Werkzeug aus. Erleichterung durchströmte sie, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das angenehme Tannengrün der Wände ihres Produktionssaals erblickte. Vor ihr erstreckten sich lange Reihen von Tischen, die nur hin und wieder durch einen Durchgang durchtrennt wurden. Jeder Arbeiter hatte einen bestimmten Arbeitsplatz und sie liebte es, in genau dieser Halle arbeiten zu dürfen. Das Grün der Wände empfand sie als beruhigend und auch wenn immer ein ganz schöner Trubel herrschte, entspannte sie es doch, hier in aller Ruhe ihrer Arbeit nachgehen zu können.


    Schnell hatte sie ihren persönlichen Platz erreicht und zog ihren Hocker unter dem Tisch hervor, um sich anschließend mit einem Bein darauf zu knien. Vor ihr erstreckte sich ein vermeintlichen Durcheinander aus Eis, Hammer, Meißel, Feilen und diversen anderen Gerätschaften. Behutsam nahm sie Stück aus gefrorenem Wasser in die Hand. Es war noch recht grob, aber man konnte schon die grazile Form erahnen, die es einmal haben würde. Eine leise Befriedigung durchströmte sie, als das kühle – aber nicht kalte Material – sich glatt und doch so geschmeidig an ihrer Haut anfühlte und ihre Gedanken schon zu dem Augenblick wanderten, an dem ihr Werk vollbracht sein würde. Aber egal. Jetzt war nicht der Zeitpunkt zum Träumen. Immerhin musste sie mit ihrer Arbeit fertig werden, der Ball sollte schon heute Abend sein...
    Mit geübten Händen griff sie nach Hammer , Meißel und Feilen und klopfte hier mal ein bisschen was hab, fügte dort noch ein paar Verzierungen hinzu und glättete die ein oder andere Stelle anschließend mit etwas Schmirgelpapier. Zum Teil waren die kleinen Ranken und Schlenker, die sie in das Eis meißelte so fein und filigran, dass sie eine Lupe beim Arbeiten benötigte. Das Ergebnis – ein paar Stunden später – war ein planarer, runder Kristall, den man an Schönheit kaum übertreffen konnte. Stundenlang könnte sich das Augen an solch einem Meisterwerk erfreuen, aber so lange hatte Anna nicht, um das Ergebnis ihrer Mühen zu bewundern. Der große Höhepunkt würde gleich anbrechen. Vorsichtig legte sie ihre Arbeit in die Mulde, die sie mit der einen Hand formte und wölbte die andere Hand schützend darüber. Jetzt durfte bloß nichts mehr schief gehen. Würde jetzt eine Spitze abbrechen,'wäre das eine Katastrophe.
    Geschwind eilte sie mit dem wertvollen Gut durch die vollen Gänge, bis sie einen prächtigen Saal erreichte. Über und über war er mit Gold, Silber und allen möglichen anderen Wertvollen Materialien bestückt. Tausende von kleinen Diamanten, Smaragden, Rubinen und Saphiren warfen das Licht von einem großen, schweren Kronleuchter in der Mitte des Raumes funkelnd zurück. Durch und durch strahlte dieser Raum Reichtum und Eleganz aus.
    Staunend stolperte Anna in den Raum hinein und fühlte sich in ihrer einfachen Arbeitskleidung ein wenig fehl am Platz. Es war das erste Mal, dass sie hier sein durfte. Das erste Mal, dass sie eine richtige Arbeit anfertigen durfte. Während ihrer Ausbildung hatte sie zwar unzählige machen müssen, aber dies hier war etwas vollkommen anderes. Dieses Mal würde ihr Meisterwerk in die Welt entlassen werden.
    Mit einem leichten Schrecken wurde sie sich wieder ihrer Umgebung bewusst und das verärgerte Grummeln ihrer Kollegen veranlasste sie dazu, geschwind aus dem Weg zu gehen und den Eingang wieder komplett frei zu geben. Nach einem kurzen, suchenden Blick sah sie, wonach sie gesucht hatte: eine große, rote Maschine, wie sie ausgefallener nicht hätte sein können. Und obwohl ihr Äußeres so außergewöhnlich schien, fügte es sich wunderbar in den Raum ein.
    Ein letztes Mal atmete sie tief durch. Gleich würde es so weit sein! Mit entschlossenem Schritt ging sie quer durch den Saal auf das rote Gerät zu.


    Staunend blieb Anna vor der großen Gerätschaft stehen. Natürlich hatte sie schon davon gehört und Bilder gesehen, aber in natura war es sehr viel beeindruckender.
    „Ist das dein erster Ball?“, ertönte eine tiefe Stimme von weiter oben. Als hätte man sie bei etwas verbotenem ertappt zuckte sie zusammen und richtete ihren Blick nach oben. Tatsächlich, dort stand ein männlicher Wintergeist, ungefähr in der Hälfte seines Leben angekommen, und grinste zu ihr herunter. Verlegen lächelte sie zögerlich. Sah man es ihr wirklich so leicht an, dass dies alles neu für sie war?
    „Ja, das ist meine erste Arbeit. Wo soll ich sie denn hinein tun?“, antwortete sie und mit jedem Wort schien ihre Unsicherheit zu weichen und machte einer Gewissheit platz, das alles schon so seine Richtigkeit haben würde. Woher diese plötzliche Sicherheit kam, wusste sie selbst nicht so recht, aber mit einem mal fühlte sie sich nicht mehr fremd in diesem Raum, sondern als wäre es das natürlichste der Welt, dass sie hier war.
    Der obige Geist machte eine kleine Handbewegung und überrascht bemerkte Anna, dass ihr Werk aus ihrer Hand nach oben schwebte. Es verschwand irgendwo in der Maschine, wo genau konnte sie nicht erkennen, und ein leises surren setzte ein. Ein paar Augenblicke später ging dann eine Klappe direkt vor ihr zischend auf. Wieso hatte sie diese Öffnung nicht vorher schon bemerkt? Eine hellblaue, gläserne Gestalt in dem schönsten Kleid, dass Anna je gesehen hatte, schritt anmutig aus dem Gerät hinaus und Anna traute ihren Augen kaum, im Kleid erkannte sie die Muster, die sie erst vor kurzem in ihre Arbeit hatte einfließen lassen. Mit einem Lächeln, wie von einer anderen Sphäre schritt die Dame an ihr vorbei und setzte zu einem Tanz durch den Ballsaal an und Musik begann zu erklingen.
    Sie konnte kaum ihren Blick abwenden, so fasziniert war Anna von diesem Schauspiel. Sie sichte sich einen Platz am Rande des Raums während sie den Tanz ihres Meisterwerks beobachtete und sich nach und nach immer mehr dieser gläsernen Gestalten zu der ihrigen gesellten.
    Immer schneller, immer rasanter drehten sich die Gestalten, bis die Musik mit einem mal verstummte und alle Tänzer wie auf Kommando starr stehen blieben.
    Anna wusste, es war nun so weit. Ihre Arbeit hatte leben angenommen und ihren Tanz getanzt. Lächelnd schritt sie auf ihre Figur zu und tippte sie sacht an der Schulter an. Rasant schrumpfte diese daraufhin und verwandelte sich wieder in einen zierlichen Kristall, der sanft in Annas Hand landete.
    Rasch ging sie zu einem der großen Fenster, die nun geöffnet waren. Sie musste sich beeilen, bevor ihre Arbeit seine Fähigkeit zu schmelzen vollkommen erlangen konnte, musste sie auf ihren Weg gebracht worden sein.
    Eine pure Freude erfüllte sie, als Anna tief Luft holte und den zierlichen Kristall von ihrer Hand pustete, damit er in der kühlen Herbstluft seinen Tanz fortführen könnte und als Schneeflocken den Winter auf Erden einleiten würde.



    Diese kleine Geschichte ist als Weihnachtsgeschenk für meine Mutter, meine Tante und meine Oma Ende Dezember 2014 entstanden. Deswegen ist sie auch in drei ziemlich genau drei gleich große Teile gegliedert. Ein bisschen habe ich mich beim Schreiben so gefühlt, als würde ich ein Märchen oder so erzählen, haha. An einigen Stellen ist mir auch aufgefallen, dass so ein paar mehr Beschreibungen sinnvoll wären, aber als Geschenk hat das von der Formatierung dann einfach so perfekt gepasst, dass ich es dann so gelassen hab. Meiner Meinung nach, hat die Geschichte irgendwie was niedliches und das ist es auch, was mir an ihr gut gefällt.


    [/tabmenu]
    [tabmenu][tab=Lyrik]Viel Spaß beim Lesen und/oder Stöbern ^-^
    [tab=Naturgedichte][subtab=Jahresreigen]http://i.imgur.com/rvXuX4q.png


    Jahresreigen
    Leise rieseln sie hernieder,
    große, weiße, dicke Flocken.
    Kommen alle Jahre wieder,
    wenn sich füllen rote Socken.


    Doch auch dies muss letztlich weichen.


    Zaghaft brechen sie durch Decken.
    Grün und hell sind sie zu sehen.
    Woll'n das Leben nicht verstecken,
    zeigen Tristheit muss jetzt gehen.


    Diese Zeiten bald verstreichen.


    Warm und hell sind ihre Strahlen,
    zaubern Lächeln in Gesichter.
    Gutes Wetter lässt sie prahlen,
    nachts es leuchten viele Lichter.


    Muss dem Bunten Hände reichen.


    Kommt mit lauter Farbenfülle,
    rot und Gelb die Welt sich färbet;
    Blümleins dicke Winterhülle.
    Reife Frucht das Leben nähret.


    Ende muss dem Anfang weichen.



    Dieses kleine Gedicht ist für den 19. Wettbewerb der Saison 2014 entstanden, als ich über eine Stunde in einem Wartezimmer Zeit totzuschlagen hatte und nicht viel mehr außer einem Handy mit kaum noch Akku, einem kleinen Notizheftchen und einem Stift dabei hatte. Ursprünglich wollte ich nur ein Gedicht über den Winter schreiben, aber dann hat es sich von ganz alleine zu einem Jahreszeitengedicht gewandelt. Mein Hauptaugenmerk lag dieses mal auf einem durchgehenden Metrum, da ich es mal üben wollte, ein klares, durchgehendes Metrum zu verwenden, da ich bisher nicht sonderlich auf das Metrum geachtet habe. Beim Voten kam von @Pika! die Idee, dass das Gedicht eigentlich am besten als Kreislauf dargestellt werden sollte. Diese Idee hat mir so gut gefallen, dass ich mich einfach mal ein bisschen daran versucht habe, das Gedicht mit Hilfe von Gimp aus so darzustellen. Die bunten Farben kommen daher, weil nur Schwarz-Weiß irgendwie ziemlich eintönig aussah und deswegen hat das Ganze noch einen schön Bunten anstrich bekommen.
    [tab=Sonette][subtab=Ver]Ver
    Ein wundervoller Frühlingstag
    Mit bunten Schmetterling und Blumen
    Um Steine mit manch alten Runen
    Voll Sonnenschein und Wärme Gnad'


    Doch schon bald vergeht der Tag
    Und kalte Nacht hält Einzug
    Schon bald verliert man den Bezug
    Zum gold'nen, droben stehend' Rad


    Drum sei des jetzigen Moment's gewiss
    Was du noch hast jetzt nicht vermiss
    Denn du lebst im Hier und nicht im Morgen


    Die Nacht wird kommen früh genug
    Voll Dunkelheit und vielem Trug
    Doch das sind nicht die heut'gen Sorgen



    Dieses Sonett ist im Deutschunterricht Anfang 2014 entstanden, als wir das Thema Barock hatten und unser Lehrer meinte, wir sollen doch einfach mal in der letzten halben Stunde des Unterrichts versuchen, ein Sonett zu schreiben. Als dann in der Saison 2014 als achtes Wettbewerbsthema Sonett dran kam, habe ich es noch ein bisschen überarbeitet und damit dann immerhin den 6. Platz belegt. Vom Rhythmus her ist es leider ziemlich durcheinander, weil ich darauf damals einfach gar nicht geachtet habe, aber insgesamt gefällt es mir trotzdem ziemlich gut. Zum Titel sei noch gesagt, dass er auf lateinisch ist und auf deutsch Frühling bedeutet. Ich fand einfach, die Bedeutung passt zu dem Sonett und weil mein Lehrer damals irgendwann mal erwähnt hatte, dass die im Barock lateinische Titel unheimlich mochten, wurde der Begriff dann damals einfach noch schnell ins lateinische übersetzt.
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  • Jahresreigen


    Leise rieseln sie hernieder,
    große, weiße, dicke Flocken.
    Kommen alle Jahre wieder,
    wenn sich füllen rote Socken.


    Doch auch dies muss letztlich weichen.


    Zaghaft brechen sie durch Decken.
    Grün und hell sind sie zu sehen.
    Woll'n das Leben nicht verstecken,
    zeigen Tristheit muss jetzt gehen.


    Diese Zeiten bald verstreichen.


    Warm und hell sind ihre Strahlen,
    zaubern Lächeln in Gesichter.
    Gutes Wetter lässt sie prahlen,
    nachts es leuchten viele Lichter.


    Muss dem Bunten Hände reichen.


    Kommt mit lauter Farbenfülle,
    rot und Gelb die Welt sich färbet;
    Blümleins dicke Winterhülle.
    Reife Frucht das Leben nähret.


    Ende muss dem Anfang weichen.


    Dieses kleine Gedicht ist für den 19. Wettbewerb der Saison 2014 entstanden, als ich über eine Stunde in einem Wartezimmer Zeit totzuschlagen hatte und nicht viel mehr außer einem Handy mit kaum noch Akku, einem kleinen Notizheftchen und einem Stift dabei hatte. Ursprünglich wollte ich nur ein Gedicht über den Winter schreiben, aber dann hat es sich von ganz alleine zu einem Jahreszeitengedicht gewandelt. Mein Hauptaugenmerk lag dieses mal auf einem durchgehenden Metrum, da ich es mal üben wollte, ein klares, durchgehendes Metrum zu verwenden, da ich bisher nicht sonderlich auf das Metrum geachtet habe. Beim Voten kam von @Pika! die Idee, dass das Gedicht eigentlich am besten als Kreislauf dargestellt werden sollte. Diese Idee hat mir so gut gefallen, dass ich mich einfach mal ein bisschen daran versucht habe, das Gedicht mit Hilfe von Gimp aus so darzustellen. Die bunten Farben kommen daher, weil nur Schwarz-Weiß irgendwie ziemlich eintönig aussah und deswegen hat das Ganze noch einen schön Bunten anstrich bekommen.

  • Hallo meine Liebe,

    Dann wollen wir die Feedbackkette mal fortsetzen und dein schönes Topic pushen. Ich werde mir nicht jedes einzelne Werk vornehmen, ich hoffe daher, dass es okay für dich ist, wenn ich mir einfach mal ein paar rauspicke.
    Zu erst einmal möchte ich mich bedanken, für deine Danksagung. Die ist so niedlich! Es freut mich, wenn ich mit meinem Gequatsche was bewirke und wie man bei dir sieht, hat es sich gelohnt, Zeit in den Kommentar für ein junges Talent zu investieren ;) Dass du dein Topic ganz in deinem Stil hältst – das Grün, der Titel, alles so sensibel und zart und liebevoll wie du selbst- gefällt mir sehr gut. Warum du nicht mit Kommentaren überrannt wirst kann einfach nur daran liegen, dass keiner weiß, was er dazu noch sagen soll!


    Ver
    Dem Rhythmus Problem stimme ich zu, aber inhaltlich gefällt es mir gut. Sofern ich das beurteilen kann gefällt mir der Bezug zum Frühling, wie du das Thema so luftig und leicht verarbeitest wie der Frühling selbst (und wie du, nicht wahr? ). Dafür, dass du dir dafür nicht viel Zeit genommen hast (ihr nicht viel Zeit hattet?) finde ich es auch nicht so schlecht, und der 6. Platz ist besser als nichts. Es freut mich, wenn du es selber gut findest, das ist die Hauptsache J Den Titel finde ich spannend, ich hab mich erst gewundert, was er bedeutet. Es ist immer zweischneidig: damit lockt man neugierige Leute (wie mich) sofort an, es ist aber immer gut, wenn man erklärt. (Was du ja dann auch getan hast).


    Teebeutel
    Was ist das für ein süßer Titel. Ich hätte es spannender gefunden, wenn du (denn der Vergleich ist gar nicht schlecht!) das aus der Sicht des Teebeutels versucht hättest und nicht andersrum. (Sowas ist immer Ansichtssache. Ich finde das Ungewöhnliche immer super, während andere das nicht so sehen. Lass dich davon nicht beunruhigen, ich bin da manchmal echt die einzige.) Für dein erstes Drabble ist es gut, denn in so wenigen Worten irgendwas zu bewirken ist ja die Kunst dabei. Trotzdem hätte das Drabble mehr Pepp gehabt, wenn da noch irgendeine Wendung, irgendwas Spezielles dabeigewesen wäre (wie zB ein Gedankenwechsel, Sichtweisenwechsel, etc.). Wenn ich Drabbles richtig interpretiere, sind es ganz kurze Geschichten und deines widerspiegelt mehr den Gedanken, als eine Story. Aber wie gesagt, man hat ja auch kaum genug Worte um wirklich was zu erzählen. Zum Thema Herbst passt es aber und die wohlige Stimmung vermittelst du allemal!
    Den Vergleich zu jemandem, der sich in eine Decke kuschelt finde ich sehr passend, so hab ich es nie gesehen. Den hast du auch vermittelt und wenn ich das nächste Mal Tee trinke, werde ich an deine Worte denken :D

    ~♥

  • Hallo Caroit. (:


    Ich hab mich mal im Bereich umgesehen und nachdem der Titel „Blumenzauber” so schön klang, dachte ich mir, ich schau mal, was sich hier alles sammelt. Eigentlich bin ich nicht so der Typ für Gedichte, aber nachdem ich dein Drabble schon in der Herbstdrabblekette kommentiert hab, dachte ich mir, nehm ich mir mal „Jahresreigen” vor. (:


    Jahresreigen
    Der Titel klingt sehr schön und vermittelt gleich das Gefühl eines fröhlichen Tanzes, da man mit Reigen ja auch einen Tanz bezeichnen kann. Oder Reigen ein Tanz ist, irgendwie so. Du scheinst dich wohl — wenn man sich den Titel ansieht — auf das Jahr an sich zu beziehen. Wahrscheinlich werden die Jahreszeiten eine Rolle spielen oder die Natur im Wandel dieser. Naja, bevor ich weiter spekulier, les ich lieber mal.


    Leise rieseln sie hernieder,
    große, weiße, dicke Flocken.
    Kommen alle Jahre wieder,
    wenn sich füllen rote Socken.


    Doch auch dies muss letztlich weichen.
    —> Du startest dein Gedicht hier mit dem Winter und mit dem Bild von Schnee. Ach ja, Schnee wäre wirklich schön so langsam. Dieses graue Oberbayern nervt mich sehr … Bei dir sehe ich gleich eine schöne, verschneite Winterlandschaft und einen grauweißen Himmel aus dem große Schneeflocken herabfallen. Ein wunderschönes Bild! Dass der Schnee alle Jahre wiederkommt ist in diesem Gedicht das erste Anzeichen für einen Kreislauf und ich glaube auch, dass der Tanz der Schneeflocken gut zum Reigen passt, dass du im Titel erwähnt hast. Die letzte Zeile ist natürlich ein klarer Hinweis auf Weihnachten — aber eher die amerikanische Variante mit den Socken vor dem Kamin, oder?
    Die Zeile darunter gibt klar an, dass der Winter weichen muss und somit diese Zeit von einer anderen abgelöst wird. Aber irgendwie macht die Zeile den Eindruck, als wäre noch etwas davor. So empfinde ich es jedenfalls. Also … mhm … wie erklär ich das jetzt am besten. Ich glaub, es liegt an dem „auch”. Das macht für mich den Anschein, als wären davor zwei Dinge und das zweite wäre „besser” als das erste, aber es muss trotzdem weichen, obwohl schon das erste dem zweiten gewichen ist. Ist das verständlich? Wahrscheinlich nicht … Okay, nehmen wir ein schreiberisches Beispiel.
    Jemand schreibt ein Drabble. Das verbessert er und die verbesserte Version überarbeitet er aber wieder. Sodass er dann sagen kann: „Ich hab auch die verbesserte Version überarbeitet.” So hab ich jedenfalls diesen kleinen Satz verstanden, deshalb war ich leicht verwirrt, da es davor ja nur um den Winter ging.


    Zaghaft brechen sie durch Decken.
    Grün und hell sind sie zu sehen.
    Woll'n das Leben nicht verstecken,
    zeigen Tristheit muss jetzt gehen.


    Diese Zeiten bald verstreichen.
    —> Der Frühling! Ein schönes Bild von den Pflanzen die sich durch die Schneedecke kämpfen, auch wenn du hier das Wort „zaghaft” verwendet hast, was sogar noch besser passt, weil sie das ja wirklich nach und nach tun. Und allgemein finde ich, dass die Pflanzen da immer sehr geduldig wirken, ohne Hektik, aber auch ausgesprochen vorsichtig, wenn sie langsam ihre Köpfe aus dem Schnee herausstrecken. Sehr schön. Gerade die zweite Zeile mit dem Grün und hell gefiel mir, weil das noch besser verdeutlicht hat, dass jetzt die Farben zurückkommen. Schnee ist ja schön mit seinem Weiß, aber wie du in der dritten Zeile geschrieben hast, ist er leider tot und erst die Pflanzen bringen das Leben in die Landschaft zurück. Und die Tristheit des ewigen Weiß muss jetzt gehen.
    Auch hier hast du wieder eine Zeile für sich allein gestellt und nachdem ich mir die davor angesehen habe, wird klar, dass du hier eine Strophe zwischen die anderen Strophen hineingeflochten hast. Das durchbricht zwar den Fluss zwischen den einzelnen Strophen, zeigt aber auch den Kreislauf schön auf.


    Warm und hell sind ihre Strahlen,
    zaubern Lächeln in Gesichter.
    Gutes Wetter lässt sie prahlen,
    nachts es leuchten viele Lichter.


    Muss dem Bunten Hände reichen.
    —> Und schon sind wir im Sommer angelangt, wo die Sonne ihre volle Kraft entfalten kann. Und wie die zweite Zeile schon ganz richtig sagt, sind im Sommer die meisten Leute auch gut gelaunt, solang es nicht übermenschlich heiß ist, möcht ich meinen. Nur die dritte Zeile hab ich hier nicht verstanden. Wen lässt das gute Wetter prahlen? Die Menschen? Oder die Sonne? Irgendwie bin ich da nicht ganz mitgekommen, wen du meinen könntest. Ich könnte mir denken, dass die Sonne gemeint ist. Das gute Wetter lässt die Sonne prahlen, was aussagt, dass sie noch heller scheint. Also, so würde ich das jetzt verstehen. Ob du in der vierten Zeile mit den vielen Lichtern eine beleuchtete Stadt gemeint hast oder die Sterne in klaren Sommernächten, war ich mir ebenfalls unsicher. Aber wahrscheinlich sei auch einfach beides hier dargestellt.
    Die alleinstehende Zeile hier hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich meine, dass du damit den kommenden Herbst meinst. Obwohl der Sommer und der Frühling an sich natürlich schon sehr bunt sind, durch die Fülle an blühenden Blumen und anderen Pflanzen, wird doch der Herbst als „bunter Monat” beschrieben, was — so denke ich — vor allem an der Masse an Erdfarben liegt. Orange, gelb, rot und braun gehören ja doch irgendwie in ein Farbspektrum und deshalb denke ich, dass der Sommer dem Herbst die Hand reichen wird und die Natur somit in den Herbst übergeht.


    Kommt mit lauter Farbenfülle,
    rot und Gelb die Welt sich färbet;
    Blümleins dicke Winterhülle.
    Reife Frucht das Leben nähret.


    Ende muss dem Anfang weichen.
    —> (Ich glaub das „Gelb” muss hier klein geschrieben werden.)
    Und da ist sie auch schon, die Farbenfülle des Herbstes, wie ich es mir gedacht hatte. Gefällt mir gut, wie du hier auf die Veränderung der Blätter der Bäume eingegangen bist und auch auf die Erntezeit in der vierten Zeile. Ich muss ja sagen, so sehr kenne ich mich nicht aus mit dem Kreislauf der Landwirtschaft, was wann wie wo geerntet werden kann, was irgendwie schade ist, aber da ich aufm Dorf lebe hab ich im Oktober die ganzen aufgestapelten Kartoffeln gesehen. Und natürlich im Spätsommer die großen Heu- und Strohballen, die wochenlang auf den Feldern herumlagen. Da merkt man dann schon, dass es Herbst wird, wenn man sich anschaut, wie die Bauern arbeiten.
    In der dritten Zeile sprichst du von der dicken Winterhülle der Blumen. Ich weiß nicht genau, was du damit meinst, viele Blumen verwelken ja im Herbst schließlich und kommen dann im Frühling wieder. Rosensträucher werden direkte Gestrüppe, die verlieren nämlich auch den Großteil ihrer Blätter. Aber vielleicht wolltest du damit auch aussagen, dass die Natur sich zurückzieht, weniger nach Außen hin zeigt und auf den schützenden Schnee wartet.



    Dein Gedicht gefällt mir sehr. (: Ich mag es, wie du den Kreislauf des Jahres dargestellt hast und dich vor allem auf die Natur konzentriert hast. Allgemein scheint das hier sehr konzentriert zu sein, du benutzt bestimmte Merkmale jeder Jahreszeit und zeigst diese auf. Dabei schaffst du es aber auch sehr gut, bestimmte Bilder zu zeichnen — ich hatte jedenfalls welche vor Augen. Ich bin zwar nicht so versiert was die Technik bei Gedichten betrifft, aber nachdem du auf ein durchgängiges Metrum achten wolltest und sich das für mich durch die Anzahl der Silben definiert — es gehört natürlich noch mehr dazu, aber bei so Sachen wie Jambus und Trochäus hört mein Hirn auf zu denken — hab ich die mal nachgezählt. Und ja, dir ist durchgängig gelungen pro Zeile acht Silben zu haben. Dazu hast du das Reimschema abab in deinen Strophen verwendet und aaaa in den Zeilen dazwischen, sodass diese am Ende zusammengenommen eine eigene Strophe bilden, aber mit den anderen verflochten sind. Fand ich sehr schön gemacht. (:  
    Ja, was soll ich sonst noch sagen … eigentlich fällt mir nicht mehr viel ein, außer, dass du einen schönen Schreibstil hast und ich mich freue mehr zu lesen.


    Happy Writing!
    — Cynda

  • [tabmenu][tab=x] *hust* *Staub wegpust*
    Ähm... ja. Ich sollte mir vielleicht mal angewöhnen, Re-Kommis einfach früher zu schreiben und nicht nur, wenn ich das Topic updaten möchte. Dann würde es vielleicht nicht ganz so sehr einstauben ^^" Aber auf jeden Fall habe ich mich echt wahnsinnig über eure beiden Kommis gefreut. Danke!
    [tab=Lynn]
    Awww, dein Vorwort ist einfach mal so unglaublich süß und knuffig und liebenswert. Du bist einfach toll!!! Ich hab dich lieb <3


    Dafür, dass du dir dafür nicht viel Zeit genommen hast (ihr nicht viel Zeit hattet?) finde ich es auch nicht so schlecht


    Eine halbe Stunde im Unterricht hatten wir Zeit. Aber die Version die da raus kam hatte noch so ein paar sehr klobige Ecken, die ich dann im Nachhinein auch noch etwas abgewandelt habe ^-^


    Den Titel finde ich spannend, ich hab mich erst gewundert, was er bedeutet. Es ist immer zweischneidig: damit lockt man neugierige Leute (wie mich) sofort an, es ist aber immer gut, wenn man erklärt. (Was du ja dann auch getan hast).


    Ich muss sagen, so gerne verwende ich eigentlich auch keine fremdsprachigen Titel. Ich bleibe da lieber bei deutschen ^-^ Aber da hat es halt vom Kontext her gepasst, weil es ja zum Barock passen sollte und mein Lehrer meinte, die hätten da gerne lateinische Titel genommen, deswegen hab ich da mal eine Ausnahme gemacht.


    Ich hätte es spannender gefunden, wenn du (denn der Vergleich ist gar nicht schlecht!) das aus der Sicht des Teebeutels versucht hättest und nicht andersrum.


    Ah, stimmt, das hätte ich auch machen können. Ich muss gestehen, diese Idee ist mir bisher gar nicht in den Sinn gekommen. Aber sie gefällt mir, ich glaube, ich behalte sie einfach mal im Hinterkopf, vielleicht bietet sich ja zukünftig irgendeine Gelegenheit, mal etwas in die Richtung zu versuchen ^^


    Trotzdem hätte das Drabble mehr Pepp gehabt, wenn da noch irgendeine Wendung, irgendwas Spezielles dabeigewesen wäre (wie zB ein Gedankenwechsel, Sichtweisenwechsel, etc.).


    Ja, da hast du absolut recht. Ich werd mir das mal für zukünftige Drabbles merken.


    Zum Thema Herbst passt es aber und die wohlige Stimmung vermittelst du allemal!


    Das freut mich, wenn ich die Stimmung, die mir beim Schreiben in den Sinn kam, mit dem Drabble auch vermitteln konnte ^-^


    Vielen, vielen, vielen Dank für deinen wundervollen Kommi. Ich habe mich wirklich unglaublich darüber gefreut!!!


    [tab=Cynda]
    Ich habe mich in Salzburg zwar schon persönlich bei dir bedankt (fand es übrigens unglaublich toll, dass ich dich mal irl kennen gelernt hab, wo ich dich sonst eher nur vom namen her kannte), aber ich möchte mich trotzdem auch hier nochmal bei dir bedanken, weil ich mich wirklich unglaublich über den Kommi gefreut habe. Danke!


    Der Titel klingt sehr schön und vermittelt gleich das Gefühl eines fröhlichen Tanzes, da man mit Reigen ja auch einen Tanz bezeichnen kann.


    Haha, da musste ich definitiv schmunzeln. Weil als ich meiner Oma irgendwann mal dieses Gedicht gezeigt habe, hat es ihr zwar gefallen, aber zum Titel meinte sie nur, dass er viel zu alt klingen würde und ich doch besser einen anderen nehmen solle xD Da ich aber sowas wie Titel im Nachhinein meistens eh nicht mehr ändere und er mir nach wie vor trotzdem gefällt, hab ich ihn so gelassen.


    Du startest dein Gedicht hier mit dem Winter und mit dem Bild von Schnee.


    Eigentlich starte ich bei sowas am liebsten mit dem Frühling, aber ursprünglich war es gar nicht mal als Jahreszeitengedicht geplant, sondern als Gedicht über den Winter, weil dies zu seiner Entstehung grad die vorherrschende Jahreszeit war und so kam es halt dazu, dass der Winter der Anfang wurde ^-^


    Dass der Schnee alle Jahre wiederkommt ist in diesem Gedicht das erste Anzeichen für einen Kreislauf und ich glaube auch, dass der Tanz der Schneeflocken gut zum Reigen passt, dass du im Titel erwähnt hast.


    Oh stimmt, das passt da ja auch wirklich gut dazu ^^ Bei dem "alle Jahre wieder" musste ich vor allem an das entsprechende Weihnachtslied denken, aber es passt tatsächlich auch sehr gut zum Motiv des Kreislaufs.


    Die Zeile darunter gibt klar an, dass der Winter weichen muss und somit diese Zeit von einer anderen abgelöst wird. Aber irgendwie macht die Zeile den Eindruck, als wäre noch etwas davor.


    Ja, irgendwie hast du da recht. Das mit dem "auch" in dem Vers ist nicht so ganz optimal gelöst.


    Auch hier hast du wieder eine Zeile für sich allein gestellt und nachdem ich mir die davor angesehen habe, wird klar, dass du hier eine Strophe zwischen die anderen Strophen hineingeflochten hast. Das durchbricht zwar den Fluss zwischen den einzelnen Strophen, zeigt aber auch den Kreislauf schön auf.


    Die Strophen sollen die einzelne Strophen mit einander verbinden und in einander überleiten, so hab ich mir das zumindest gedacht ^-^


    Irgendwie bin ich da nicht ganz mitgekommen, wen du meinen könntest. Ich könnte mir denken, dass die Sonne gemeint ist.


    Jain. Zum einen könnte man hier durchaus auch die Sonne reininterpretieren, aber ebenso könnte auch der Sommer ansich gemeint sein, der ja für schönes, warmes Wetter bekannt ist. Aber du hast recht, das wird nicht so ganz deutlich in der Strophe.


    Ob du in der vierten Zeile mit den vielen Lichtern eine beleuchtete Stadt gemeint hast oder die Sterne in klaren Sommernächten, war ich mir ebenfalls unsicher.


    Damit meinte ich eigentlich den Sternenhimmel. Ich musste daran denken, dass ich im Sommer oftmals mit meiner Tante zu einem kleinen Häuschen direkt an einem kleinen See fahre und man da dann immer unglaublich gut den Sternenhimmel in klaren Nächsten beobachten kann. Wobei auch das nicht so deutlich aus dem Vers hervorgeht und ich muss sagen, dass ich mit dieser Strophe insgesamt auch nie so ganz vollkommen zufrieden war, einfach, weil sie noch so ein paar Unklarheiten birgt, ich aber auch nicht wusste, wie ich es hätte schöner machen können.


    Ich weiß nicht genau, was du damit meinst, viele Blumen verwelken ja im Herbst schließlich und kommen dann im Frühling wieder. Rosensträucher werden direkte Gestrüppe, die verlieren nämlich auch den Großteil ihrer Blätter. Aber vielleicht wolltest du damit auch aussagen, dass die Natur sich zurückzieht, weniger nach Außen hin zeigt und auf den schützenden Schnee wartet.


    Wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, tut man sie manchmal auch auf die Beete legen, damit sie eine schützende Schicht für die Wurzeln der Pflanzen bilden. Darauf habe ich mit der Strophe angespielt ^-^


    Dein Gedicht gefällt mir sehr. (: Ich mag es, wie du den Kreislauf des Jahres dargestellt hast und dich vor allem auf die Natur konzentriert hast.


    Dankeschön =3


    es gehört natürlich noch mehr dazu, aber bei so Sachen wie Jambus und Trochäus hört mein Hirn auf zu denken


    Wenn ich mich nicht irre, müsste es ein vierhebiger Trochäus sein. Ich merk mir das immer so, dass sich betonte und unbetonte Silben einfach immer abwechseln und wenn eine betonte anfängt, ist es Trochäus, bei einer unbetonten ist es Jambus. Wenn es dann aber um ein komplizierteres Metrum oder so geht, blick ich auch nicht mehr durch xD


    Ja, was soll ich sonst noch sagen … eigentlich fällt mir nicht mehr viel ein, außer, dass du einen schönen Schreibstil hast und ich mich freue mehr zu lesen.


    Awww, vielen dank =3
    [/tabmenu]


  • Schneeflockenmanufaktur


    Wenn du Schneeflocken genau beobachtest, dir das Muster einer jeden Einzelnen anguckst. Was fällt dir dabei auf? Vergleiche sie doch mal und du wirst überrascht sein: Keine gleicht der anderen, jede ist einzigartig. Faszinierend, nicht wahr? Es gibt Millionen, ach was, Milliarden von Schneeflocke und eine jede ist ein Unikat. Wie kann das sein, fragst du dich vielleicht jetzt und möchtest diesem mysteriösen Phänomen auf den Grund gehen. Nun, lass dir gesagt sein, die Wahrheit ist sicherlich ganz anders, als du es dir vorgestellt hast. Sie führt in eine Welt voller kleiner, menschenähnlicher Wesen, die Tag und Nacht hart schuften, um Perfektion zu vollbringen. Komm, lass dich bei der Hand nehmen und wir werden gemeinsam in diese zauberhafte Welt eintauchen. In die Welt der Schneeflockenmanufakturen.
    „Anna! Hurtig, hurtig aber jetzt! Hast du mal wieder verschlafen? Die Arbeit wartet!“ Das waren die ersten Worte, die der kleine Wintergeist hörte, als er schläfrig in das Gesicht von Frau Sauber, ihres Zeichens Hausmutter des neunten Hauses der dritten Manufaktur, blickte. Erschrocken riss Anna die Augen auf. Hatte sie wirklich verschlafen? Wie spät war es denn? „Die Sonne hat schon ein Viertel ihrer Bahn zurück gelegt. Du bist wirklich spät dran.“ Frau Sauber hatte sich inzwischen schon wieder ihrer Arbeit zugewandt und machte sich daran, die Bettwäsche eines der Betten im Schlafsaal zu wechseln. Ein kurzer Schulterblick, um sich zu vergewissern, dass sich Anna auch wirklich daran machte, ihre Arbeitskleidung anzulegen, genügte ihr, um anschließend ihre volle Aufmerksamkeit wieder den Betten zu widmen. Als Hausmutter oblag es ihrer Verantwortung, dass alles seine Ordnung hatte und die Stube stets vor Sauberkeit glänzte.
    Aber genug von der Dame im dunkelblauen, schlichten Kleid. Dies ist immerhin die Geschichte von Anna. Also, nachdem Anna realisiert hatte, dass sie komplett verschlafen hatte sprang sie erschrocken aus ihrem Bettchen und zog eine einfache Kiste aus schönem, dunklen Holz unter ihrem dem Bettgestell hervor. Schnell waren weiße Hose und weißer Kittel angezogen bzw. zugeknöpft und ihr ebenfalls weißes Nachthemd in der Kiste verstaut. Wie ein Wirbelwind fegte sie daraufhin durch das Bad im Nebenraum, band ihre kastanienbraunen Haare zu einem ordentlichen Pferdeschwanz zusammen und putze sich im Nu die kleinen Zähnchen. Ein letzter prüfender Blick aus rehbraunen Augen in den Spiegel und sie konnte weiter.
    Geschickt schlängelte sie sich durch die allzeit belebten, verwinkelten Gänge und wich in den großen Produktionssälen mal hier und mal dort einem vorbeifliegenden Werkzeug aus. Erleichterung durchströmte sie, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit endlich das angenehme Tannengrün der Wände ihres Produktionssaals erblickte. Vor ihr erstreckten sich lange Reihen von Tischen, die nur hin und wieder durch einen Durchgang durchtrennt wurden. Jeder Arbeiter hatte einen bestimmten Arbeitsplatz und sie liebte es, in genau dieser Halle arbeiten zu dürfen. Das Grün der Wände empfand sie als beruhigend und auch wenn immer ein ganz schöner Trubel herrschte, entspannte sie es doch, hier in aller Ruhe ihrer Arbeit nachgehen zu können.


    Schnell hatte sie ihren persönlichen Platz erreicht und zog ihren Hocker unter dem Tisch hervor, um sich anschließend mit einem Bein darauf zu knien. Vor ihr erstreckte sich ein vermeintlichen Durcheinander aus Eis, Hammer, Meißel, Feilen und diversen anderen Gerätschaften. Behutsam nahm sie Stück aus gefrorenem Wasser in die Hand. Es war noch recht grob, aber man konnte schon die grazile Form erahnen, die es einmal haben würde. Eine leise Befriedigung durchströmte sie, als das kühle – aber nicht kalte Material – sich glatt und doch so geschmeidig an ihrer Haut anfühlte und ihre Gedanken schon zu dem Augenblick wanderten, an dem ihr Werk vollbracht sein würde. Aber egal. Jetzt war nicht der Zeitpunkt zum Träumen. Immerhin musste sie mit ihrer Arbeit fertig werden, der Ball sollte schon heute Abend sein...
    Mit geübten Händen griff sie nach Hammer , Meißel und Feilen und klopfte hier mal ein bisschen was hab, fügte dort noch ein paar Verzierungen hinzu und glättete die ein oder andere Stelle anschließend mit etwas Schmirgelpapier. Zum Teil waren die kleinen Ranken und Schlenker, die sie in das Eis meißelte so fein und filigran, dass sie eine Lupe beim Arbeiten benötigte. Das Ergebnis – ein paar Stunden später – war ein planarer, runder Kristall, den man an Schönheit kaum übertreffen konnte. Stundenlang könnte sich das Augen an solch einem Meisterwerk erfreuen, aber so lange hatte Anna nicht, um das Ergebnis ihrer Mühen zu bewundern. Der große Höhepunkt würde gleich anbrechen. Vorsichtig legte sie ihre Arbeit in die Mulde, die sie mit der einen Hand formte und wölbte die andere Hand schützend darüber. Jetzt durfte bloß nichts mehr schief gehen. Würde jetzt eine Spitze abbrechen,'wäre das eine Katastrophe.
    Geschwind eilte sie mit dem wertvollen Gut durch die vollen Gänge, bis sie einen prächtigen Saal erreichte. Über und über war er mit Gold, Silber und allen möglichen anderen Wertvollen Materialien bestückt. Tausende von kleinen Diamanten, Smaragden, Rubinen und Saphiren warfen das Licht von einem großen, schweren Kronleuchter in der Mitte des Raumes funkelnd zurück. Durch und durch strahlte dieser Raum Reichtum und Eleganz aus.
    Staunend stolperte Anna in den Raum hinein und fühlte sich in ihrer einfachen Arbeitskleidung ein wenig fehl am Platz. Es war das erste Mal, dass sie hier sein durfte. Das erste Mal, dass sie eine richtige Arbeit anfertigen durfte. Während ihrer Ausbildung hatte sie zwar unzählige machen müssen, aber dies hier war etwas vollkommen anderes. Dieses Mal würde ihr Meisterwerk in die Welt entlassen werden.
    Mit einem leichten Schrecken wurde sie sich wieder ihrer Umgebung bewusst und das verärgerte Grummeln ihrer Kollegen veranlasste sie dazu, geschwind aus dem Weg zu gehen und den Eingang wieder komplett frei zu geben. Nach einem kurzen, suchenden Blick sah sie, wonach sie gesucht hatte: eine große, rote Maschine, wie sie ausgefallener nicht hätte sein können. Und obwohl ihr Äußeres so außergewöhnlich schien, fügte es sich wunderbar in den Raum ein.
    Ein letztes Mal atmete sie tief durch. Gleich würde es so weit sein! Mit entschlossenem Schritt ging sie quer durch den Saal auf das rote Gerät zu.


    Staunend blieb Anna vor der großen Gerätschaft stehen. Natürlich hatte sie schon davon gehört und Bilder gesehen, aber in natura war es sehr viel beeindruckender.
    „Ist das dein erster Ball?“, ertönte eine tiefe Stimme von weiter oben. Als hätte man sie bei etwas verbotenem ertappt zuckte sie zusammen und richtete ihren Blick nach oben. Tatsächlich, dort stand ein männlicher Wintergeist, ungefähr in der Hälfte seines Leben angekommen, und grinste zu ihr herunter. Verlegen lächelte sie zögerlich. Sah man es ihr wirklich so leicht an, dass dies alles neu für sie war?
    „Ja, das ist meine erste Arbeit. Wo soll ich sie denn hinein tun?“, antwortete sie und mit jedem Wort schien ihre Unsicherheit zu weichen und machte einer Gewissheit platz, das alles schon so seine Richtigkeit haben würde. Woher diese plötzliche Sicherheit kam, wusste sie selbst nicht so recht, aber mit einem mal fühlte sie sich nicht mehr fremd in diesem Raum, sondern als wäre es das natürlichste der Welt, dass sie hier war.
    Der obige Geist machte eine kleine Handbewegung und überrascht bemerkte Anna, dass ihr Werk aus ihrer Hand nach oben schwebte. Es verschwand irgendwo in der Maschine, wo genau konnte sie nicht erkennen, und ein leises surren setzte ein. Ein paar Augenblicke später ging dann eine Klappe direkt vor ihr zischend auf. Wieso hatte sie diese Öffnung nicht vorher schon bemerkt? Eine hellblaue, gläserne Gestalt in dem schönsten Kleid, dass Anna je gesehen hatte, schritt anmutig aus dem Gerät hinaus und Anna traute ihren Augen kaum, im Kleid erkannte sie die Muster, die sie erst vor kurzem in ihre Arbeit hatte einfließen lassen. Mit einem Lächeln, wie von einer anderen Sphäre schritt die Dame an ihr vorbei und setzte zu einem Tanz durch den Ballsaal an und Musik begann zu erklingen.
    Sie konnte kaum ihren Blick abwenden, so fasziniert war Anna von diesem Schauspiel. Sie sichte sich einen Platz am Rande des Raums während sie den Tanz ihres Meisterwerks beobachtete und sich nach und nach immer mehr dieser gläsernen Gestalten zu der ihrigen gesellten.
    Immer schneller, immer rasanter drehten sich die Gestalten, bis die Musik mit einem mal verstummte und alle Tänzer wie auf Kommando starr stehen blieben.
    Anna wusste, es war nun so weit. Ihre Arbeit hatte leben angenommen und ihren Tanz getanzt. Lächelnd schritt sie auf ihre Figur zu und tippte sie sacht an der Schulter an. Rasant schrumpfte diese daraufhin und verwandelte sich wieder in einen zierlichen Kristall, der sanft in Annas Hand landete.
    Rasch ging sie zu einem der großen Fenster, die nun geöffnet waren. Sie musste sich beeilen, bevor ihre Arbeit seine Fähigkeit zu schmelzen vollkommen erlangen konnte, musste sie auf ihren Weg gebracht worden sein.
    Eine pure Freude erfüllte sie, als Anna tief Luft holte und den zierlichen Kristall von ihrer Hand pustete, damit er in der kühlen Herbstluft seinen Tanz fortführen könnte und als Schneeflocken den Winter auf Erden einleiten würde.



    Diese kleine Geschichte ist als Weihnachtsgeschenk für meine Mutter, meine Tante und meine Oma Ende Dezember 2014 entstanden. Deswegen ist sie auch in drei ziemlich genau drei gleich große Teile gegliedert. Ein bisschen habe ich mich beim Schreiben so gefühlt, als würde ich ein Märchen oder so erzählen, haha. An einigen Stellen ist mir auch aufgefallen, dass so ein paar mehr Beschreibungen sinnvoll wären, aber als Geschenk hat das von der Formatierung dann einfach so perfekt gepasst, dass ich es dann so gelassen hab. Meiner Meinung nach, hat die Geschichte irgendwie was niedliches und das ist es auch, was mir an ihr gut gefällt.

  • Guten Abend @Caroit


    Ich habe mich sogleich in deine Geschichte über die "Schneemanufaktur" verliebt, denn es fühlt sich alles so märchenhaft und wunderbar harmonisch an. Wie eine typische Weihnachtsgeschichte, die aber viel mehr ist, denn sie entführt in eine Welt, von der man sich kaum vorstellen kann, dass es diese tatsächlich vielleicht geben könnte. Wir wissen es nicht, aber für die Einzigartigkeit einer jeden Schneeflocke könnten wirklich viele kleine Hände im Einsatz sein.


    Die Geschichte beginnt mit einer interessanten Einleitung, die auf die Andersartigkeit eines jeden Schneekristalls hinweist und die Frage aufbringt, welche Macht so viel Schönheit hervorbringt. Es wird auf dieses Phänomen fokussiert, indem man den Leser auf die Reise nimmt und ihm zeigt, wo die Flocken ihre Geburtsstunde erleben, ehe sie den weiten Weg in die Welt antreten und sanft zur Erde schweben.


    Die Sympathie zur Protagonistin Anna wird schnell hervorgebracht, da das kleine menschenähnliche Wesen keine Heldin im eigentlichen Sinne ist, die mit übernatürlichen Kräften um sich wirft, sondern ganz klar und fest angebunden ihre doch sehr menschentypischen Züge präsentiert, wie eben das Verschlafen, die Nervosität und die innere Freude, ihren Beitrag leisten zu können und zu dürfen.
    Man merkt ihr an, dass das, was sie tut, ihr ganzer Lebensinhalt ist und dass sie ihre Arbeit liebt. Sie strahlt eine Zufriedenheit und Stärke aus, die tief aus ihrem Herzen hervorbricht und auf den Leser übertragen wird. So habe ich mich dabei ertappt, dass ich darüber nachsann, ob die Arbeit, die ich selber ausführe, auch von so einer Art Leidenschaft geprägt sein könnte. Ich glaube zwar nicht, dass du moralisch motivierte Züge in deine Geschichte eingebaut hast, aber diese Textstelle regte mich zum Nachdenken an.


    Ansonsten aber finde ich es wirklich wunderbar, wie du den Tanz der Schneeflocke beschrieben hast. Aus dem Flöckchen innerhalb der Maschine erwacht eine Eiskunstläuferin, die sich geschickt dreht, Pirouetten zaubert und so Leben in den mit ihr verbundenen Eiskristall bringt, welcher nach der Berührung Annas wieder seine von ihr geschaffene Form annimmt.
    Als sie diesen in die Welt entlässt, entsteht ein Gefühl der Wehmut, aber auch des Glücks, da sie die Welt nun an dessen Anblick erfreuen kann und Anna sich damit in ihrer Aufgabe bestätigt fühlen darf.


    Mir sind drei Stellen aufgefallen, die du ausbessern kannst. Man sieht als Autor/Autorin die eigenen Fehler irgendwann nicht mehr (und MS Word oder OpenOffice ist auch nicht immer zuverlässig) und so entdecken die Leser oftmals genug solcher kleiner Ungereimtheiten. Ist aber nichts Großes und daher kein Makel.

    komplett verschlafen hatte sprang sie erschrocken - Zwischen "hatte" und "sprang" fehlt ein Komma.


    Sie sichte sich einen Platz - Sie suchte sich einen Platz.


    Ihre Arbeit hatte leben angenommen - hatte Leben angenommen.

    Ansonsten muss ich aber betonen, dass du einen wirklich schönen Schreibstil besitzt, der viel Lebendigkeit ausstrahlt und einen sehr weichen Grundton besitzt. Solche Geschichten scheinen dir gut zu liegen und vielleicht überraschst du uns nochmal mit so einem interessanten Märchen.


    Mfg Miss Fox

    "Wie beim Kartenspiel kommt es auch im wirklichen Leben darauf an,
    das Beste aus dem zu machen, was einem gegeben wurde,
    anstatt sich über ein ungünstiges Blatt zu beschweren und mit dem Schicksal zu hadern."


    [Astor, Pokémon - Schwarze Edition]

    Nur noch sporadisch im BisaBoard.

  • [tabmenu][tab=x]Uiuiui, eigentlich wollte ich hier schon längst mal wieder ein bisschen was updaten. Haben sich doch inzwischen zumindest schon die eine Abgabe für die BBO und eine andere für den FFxFF-Collab angesammelt, die ich inzwischen ´hier hätte ausstellen können. Aber irgendwie hab ich das bisher immer versäumt. Heute Abend hatte ich dann plötzlich mal wieder Lust, etwas zu schreiben, nachdem ich jetzt schon eine Weile lang gar nichts mehr geschrieben hab. Es hat mich richtig in den fingern gejuckt und ich konnte nicht anders, als "Waldgeist" an einem Stück runter zu schreiben und es euch nun präsentieren zu können. Viel Spaß mit diesem Update ^-^


    Ich möchte mich auch noch einmal ganz besonders bei @Foxhound`71 für den wundervollen Kommentar bedanken, über den ich mich sehr gefreut habe <3


    [tab=Update]
    [subtab=Nordmythen]


    Nordmythen


    „Kommt, setzt euch zu mir“, erklang die raue Stimme der alten Dame, welche mit ihrem gebeugten Rücken und der schlichten Kleidung zwar eigentlich recht unscheinbar wirkte, deren Präsenz aber den ganzen Raum der kleinen Stube einzunehmen schien. In einem hölzernen Schaukelstuhl thronte sie vor einem angenehm knisternden Feuer und hatte gerade ihre Strickarbeit niedergelegt, um die Kinder aus freundlich funkelnden Augen zu mustern, welche sich eilig um sie scharrten. Es waren genau sechs Stück. Zwei davon waren ihre Enkel, die anderen waren vermutlich irgendwelche Kinder aus der Nachbarschaft. Sie war inzwischen zu alt, um sich die ganzen Namen merken zu können, die ihre zwei Lieblinge nannten, wenn sie von allerlei abenteuerlichen Dingen berichteten.
    Sie wartete kurz, bis ein jeder es sich auf geschwind herbeigeholten Kissen auf dem Boden bequem gemacht hatte, um erneut ihre Stimme zu erheben und den Kindern das zu geben, was sie sich wünschten. Ein einziger Blick genügte, um die Vorfreude in ihren Gesichtern zu erkennen.
    „Hört gut zu. Ich werde euch eine Geschichte von lang vergangener Zeit erzählen. Eine Geschichte, die so alt ist, dass selbst meine Großmutter sie nur aus Erzählungen kannte.“ Auch wenn ihre Stimme ihre jugendliche Geschmeidigkeit verloren hatte, war sie noch immer eine begnadete Geschichtenerzählerin. Das Alter konnte ihr eben doch nicht alles nehmen. „Wer von euch kann mir sagen, wie der helle Stern heißt, welcher als Erstes erstrahlt und euch nachts den Weg weisen kann?“
    „Nordstern“, erklang die Stimme eines kleinen Mädchens links von ihr, wessen hellblonde Haare in zwei Zöpfe geflochten waren. Unsicher, als würde sie bei der nächsten Gelegenheit ihre Aussage zurücknehmen, schaute sie die Ältere an. Aber ihr Blick gewann umso mehr an Sicherheit und Stolz, als die Geschichtenerzählerin ihr wohlwollend zunickte.
    „Ganz recht, mein Kind. Es ist der Nordstern. Aber was ist, wenn ich euch sage, dass er nicht immer Nordstern hieß und auch nicht immer vom Firmament aus den Weg gewiesen hat?“ Ihre Zuhörer bewegten aufgeregt den Mund, aber ihre Ohren hatten schon zu lange jedes kleinste Geräusch erfasst, als dass sie ihr nun noch dienen wollten. Trotzdem huschte ein Lächeln über ihr Gesicht; die Frage hatte ihre gewollte Wirkung erzielt. „Vor vielen, vielen Jahren, im Reich der Sternenkinder hoch über unseren Köpfen, lebte ein Sternenkind, welches Nordschimmer gerufen wurde. Er tollte täglich über die weiten Flure seiner Heimat und vergnügte sich dort mit seinen Freunden. Ach wie sehr hatten sie alle ihren Spaß, wenn sie sich in goldenem Gras rollten oder in kristallklaren Bächen schwammen. Wie hübsch waren sie anzusehen, in ihren weißen Hemdchen und ihrem sanften Leuchten. Des Nachts konnten sie die Bäche in ein wunderschönes Meer aus tausend funkelnden Lichtern verwandeln, wenn sie sich im Wasser treiben ließen und zahlreiche Edelsteine vom Grund ihr Leuchten reflektierten. Doch eine Nacht sollte vieles ändern -“
    „Was ist passiert?“, unterbrach die aufgeregte Stimme ihres Enkels die Erzählung. Sie warf dem Kleinen einen strengen Blick zu, der daraufhin entschuldigend grinste. Ein Lachen konnte sich die in die Jahre gekommene Frau dabei nicht verkneifen. Sah er auch einfach zu putzig aus, wie er da mit Sommersprossen und wuscheligen, orangefarbenen Haaren saß und eine Grimasse zog.
    „Es war eine Nacht wie jede andere auch“, fuhr sie fort, „Nordschimmer und seine Freunde wollten mal wieder schwimmen, allerdings gingen sie dieses Mal an eine ihnen noch unbekannte Stelle des Flusses, von der sie gehört hatten, dass sie besonders schön sein solle. Und tatsächlich, das Wasser schien hier noch klarer, die Edelsteine auf dem Grund des Flusses noch zahlreicher zu sein. Große Trauerweiden mit kupfernen Blättern säumten den Flusslauf und ließen die Spitzen ihrer Zweige sanft im klaren Nass wiegen. Wie in einem Traum erschien es den Sternenkindern, als sie durch den Vorhang aus Blättern traten, der Mond alles in ein geheimnisvolles Licht tauchte und das sanfte Rauschen des Wassers der Szene den letzten Schliff verlieh. Es herrschte ehrfürchtige Stille, als alle nach und nach in den Fluss eintauchten. Allerdings dauerte diese Ruhe nicht lange an und schon bald hörte man sie vergnügt planschen.
    Nordschimmer war gerade dabei ein anderes Sternenkind namens Aurora nass zu spritzen, als er plötzlich inne hielt. „Da war doch was“, flüsterte er mehr zu sich selbst als zu sonst irgendjemandem, aber das Mädchen vernahm seine Worte trotzdem.
    „Wo ist was?“, fragte sie mit gesenkter Stimme. Als hätte sein Flüstern auch ihre Stimme automatisch leiser gezaubert, war es ihr gar nicht in den Sinn gekommen, ihn laut und deutlich zu fragen.
    „Dort … Dort war ein Leuchten!“
    „Bist du dir ganz sicher? Hier sind doch nur wir“, erwiderte sie und blickte in die Richtung, in die auch Nordschimmer starrte. Er war sich inzwischen aber absolut sicher, dass er sich nicht geirrt hatte. Ohne ein weiteres Wort machte er sich auf, um herauszufinden, wer oder was dort geleuchtet hatte.
    „Hey!“, erklang der leise Protest Auroras, als sie sich eilig daran machte, ihrem Freund zu folgen. Nachdem beide sich einige Schritte vom Fluss entfernt hatten, in dem sich die anderen Sternenkinder weiterhin vergnügten, sahen sie nun, was Nordschimmers Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Aus einem Loch in der Erde schien schwach, aber deutlich erkennbar Licht zu schimmern. Etwas Derartiges hatten sie bisher noch nie gesehen. Ängstlich zog das Mädchen den neugierigen Jungen an seinem Hemdchen. Ihr war das Ganze nicht wirklich geheuer. „Lass und umkehren und zu den anderen gehen“, sprach sie und hoffte inständig, Nordschimmer davon abhalten zu können, immer näher an diese seltsame Öffnung zu treten. Aber dieser schien es gar nicht zu bemerken und starrte auch weiterhin wie hypnotisiert auf die Stelle seines Interesses. Inzwischen standen die Zwei direkt am Rande des Abgrunds und blickten herab. Es war ein Meer aus Schwarz, in dem sich viele kleine, helle und bunte Lichter auf einem Haufen tummelten; viele bewegten sich dabei auch noch. Es war, also kämen ständig Neue hinzu, die sich in der Masse verloren und mit ihr vermischten, während sich zeitgleich auch immer wieder einzelne Lichtpunkte von den anderen entfernten.
    „Was das wohl ist?“, sprach Nordschimmer seine Gedanken laut aus. Ihn faszinierten diese Lichter, hatte er doch noch nie etwas Vergleichbares gesehen.
    „Wir sollten gehen. Jetzt!“, erklang es von Auroras Seite und indem sie ihren Freund fest am Arm packte und weg von dem Loch zog, versuchte sie ihren Worten Geltung zu verschaffen. Unwirsch wollte sich der Junge aus dem Griff lösen und riss seinen Arm in die entgegengesetzte Richtung.
    „Lass los!“, rief er noch, aber da war es bereits zu spät. Aurora hatte ihn so unbedingt von diesem Etwas wegbringen wollen, dass sie nicht im Traum daran gedacht hätte, loszulassen. So stolperte sie in Richtung Abgrund und ehe sie sich versah, fiel sie in tiefes Schwarz.“
    „Nein! Aurora soll nichts passieren!“ Das Mädchen mit den zwei Zöpfen links von ihr blickte die Erzählende verzweifelt an. Aurora war ihr wohl ans Herz gewachsen und nun bangte sie um deren Schicksal.
    „Hör bis zum Ende zu, mein Kind. Dann erfährst du, wie es weiterging“, sprach die alte Frau mit tröstender Stimme und streichelte dem Kind sanft über den Kopf, bevor sie fortfuhr: „Nordschimmer blickte ihr für den Hauch einer Sekunde fassungslos hinterher und sah, wie ihr leuchtender Körper immer weiter nach unten fiel, bevor er ohne nachzudenken hinter her sprang. Kopfüber stürzte er sich hinunter, um seiner Freundin zu Hilfe zu eilen. Die Schwärze verschlang sein Licht; er konnte nichts erkenne außer den hellen Punkten und Auroras schwachem Leuchten unter ihm.
    „Ich komme!“, rief er ihr hinterher, wobei seine Worte keine Chance hatten, sie zu erreichen und vom Wind des Falls gnadenlos hinfort gerissen wurden. Tatsächlich schaffte er es aber, sie nach und nach einzuholen. Aus großen, furchtsamen Augen blickte sie ihn an und salzige Tropfen flogen nach oben. Wie nach einem rettenden Strohhalm greifend streckte sie ihre Hand in seine Richtung. Sacht berührten sich zunächst nur die Fingerspitzen der beiden, doch schon bald umschlossen sich ihre Finger und sie fielen nun gemeinsam immer weiter nach unten. „Es wird alles gut. Ich hab dir doch versprochen, immer auf dich aufzupassen!“, brüllte Nordschimmer, damit seine Worte, über das laute Rauschen des Falles hinweg, den Weg zu ihr fanden. Er wusste zwar nicht, wie er sie beide retten könnte, aber irgendwie musste es doch möglich sein!
    Aurora vertraute ihm, hatte er doch bisher immer seine Versprechen gehalten. Zuversichtlich lächelte sie ihn an, woraufhin ihn eine schier unglaubliche Entschlossenheit packte. Plötzlich begann er heller zu strahlen als je zuvor und ihr Fall verlangsamte sich. Aurora leuchtete nun auch, allerdings in allerlei bunten Farben. Sanft schwebten sie nun nach oben und als sie nach einer Weile getrennt wurden, wussten beide, dass nun alles in Ordnung war und sie für immer zusammen sein würden.
    Nordschimmer fand seinen Platz am Firmament und war nun zu einem Stern geworden, während Aurora ihn von da an des Nachts in bunter Farbenpracht besuchte. Seit dem ist dies die Geschichte von voreiliger Neugierde und großer Freundschaft“. Die alte Frau verstummte und blickte zufrieden in die erfreuten Gesichter ihrer jungen Zuhörer. Geschichten schufen Ewigkeiten und diese würde die Zeit für immer überdauern, das wusste sie.



    Diese kurze Erzählung ist für die BBO im Frühjahr 2015 entstanden. Die Inspiration für die Grundidee dieser Erzählung stammt von einem unglaublich süßem Geburtstagsgeschenk, welches von keiner Geringeren als @Mikan für mich geschrieben wurde. In ihrer Geschichte ging es auch um Sternenkinder und da ich an sie denken musste, als das Thema "Sterne" vorgegeben war, ist so die Geschichte um Nordschimmer und Aurora entstanden. Außerdem sind an dieser Stelle auf noch @Rexy und @Dauphin zu erwähnen, die mir in unserem Teamunterforum Feedback gegeben haben und damit ebenfalls dazu beigetragen haben, dass diese Geschichte den ersten Platz erringen konnte. Danke euch zweien nochmals dafür =3


    [subtab='P.S.']



    P.S.



    „Dein letzter Brief ist gestern bei mir angekommen und ich muss dir jetzt einfach antworten, nachdem du mich mit ihm ganz schön auf Trab gehalten hast.


    Weißt du noch, als wir letzten Sommer in Camp Mohn ankamen? Wir beide waren nicht sonderlich begeistert darüber, dass unsere Eltern und in dieses Volleyball-Sommerlager gesteckt hatten, wobei ich ja wenigstens keine weite Anreise hatte. Ich muss gestehen, dass es dann zusammen mit dir eigentlich ziemlich lustig war, auch wenn ich mir noch immer angenehmere Sachen vorstellen kann, als Beachvolleyball bei gefühlten 30°C im Schatten zu spielen. Aber das muss ich dir ja nicht erzählen, du weißt das ja schließlich selbst gut genug. Als wir uns versprachen zu schreiben, hatte ich ja keine Ahnung, was dabei raus kommen würde und ich muss sagen, du warst ganz schön clever; hast die ganze Zeit in deinen Briefen eine Brotkrumenspur gelegt, ohne dass ich dies mitbekommen hab. Aber lass mich dir am Besten erst einmal alles erzählen von dem Moment an, als du mich auf diese Schatzsuche geschickt hast ...



    ***



    Dies ist der Start, dies ist das Ziel, die Schnitzeljagd beginnt,
    Dies ist wahr, dies ist das Spiel, wenn Zeit wie Sand zerrinnt.
    Ein Gedicht ein Hinweis ist, komm und folge mir,
    Bis du dann am Eingang bist, und mein Herz bei dir.


    Langsam ließ ich meine Hand mit dem Brief in ihr sinken und wie vom Blitz getroffen konnte ich nicht anders, als von meinem Bett auf zuspringen und durch mein kleines Zimmer mit seinen hellen Holzmöbeln zu meinem Schreibtisch zu eilen, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf die Ostsee hatte. Eilig durchwühlte ich die Schublade und keine drei Sekunden später hielt ich einen kleinen Stapel Briefe in der Hand, die sich relativ schnell alle auf dem Boden ausgebreitet wiederfanden. Aufregung erfasste mich, als ich zunächst diejenigen heraussuchte, denen am Ende im P.S. ein Gedicht angehängt war. Anschließend ordnete ich die verbleibenden vier Blätter noch nach Datum. Überrascht hielt ich kurz inne und stutze, als ich die ältesten Verse erneut las.







    Wenn du weißt, wo ich war,

    Folge mir nächstes Jahr.

    Ich zähle die Sekunden schon

    Bis zum nächsten Mal im Mohn.


    Ein kurzer Blick auf die anderen drei und ich war mir sicher. Absolut alle enthielten irgendwelche Ortsangaben. Wie hatte ich nur so blind sein können, dass mir dies bisher nicht aufgefallen war? Was auch immer mich am Ende erwarten würde, ich war gewillt, die Schatzsuche anzutreten und mich von den Reimen führen zu lassen. Die restlichen Briefe verstaute ich wieder sorgfältig in der Schublade. Aus meinem Kleiderschrank war flott ein dunkel-grüner Rucksack geangelt. Er war perfekt; nicht zu klein, nicht zu groß, ausgesprochen bequem und würde sich hervorragend für mein Vorhaben eignen.
    Wenige Augenblicke später befand ich mich auf meinem Fahrrad, was mit seinem schönen, blauen Anstrich in der Sonne glänzte. Bis zu Camp Mohn musste ich nur zwanzig Minuten fahren, wenn ich mich beeilte. Es lag nur etwas mehr als ein Dorf weiter.
    Als ich ankam, lag das Camp verlassen vor mir. Irgendwie wirkte es ein wenig unheimlich. Letzten Sommer war hier solch ein Trubel und jetzt sah man keine Menschenseele. Ist ja auch kein Wunder, wenn das Camp erst in drei Wochen beginnt, rügte ich mich selbst. Mit ein wenig mehr Zuversicht schwang ich mich über die Absperrung und blieb auf dem sandigen Mittelplatz, von dem aus sternförmig die kurzen Wege zu allen Gebäuden abzweigten, stehen. Hauptsächlich waren es kleine Holzhütten, in denen die Campteilnehmer schliefen. Drei verbleibende Wege führten zur Mensa, den Toiletten und dem Strand mit seinem Beachvolleyballfeld.
    Nach einer kurzen Verschnaufpause kramte ich den nächsten Brief aus meinem Rucksack hervor und las:







    Ein Ball, ein Schlag, ein Meeresrauschen.

    Ein Klatschen, Jubeln, lass uns lauschen!
    Wir sind ein Team, nur du und ich,
    Einmal, immer, ewiglich.



    Damit konnte definitiv nur ein einziger Ort gemeint sein. Ich setzte mich wieder in Bewegung und folgte dem Pfad, der mich über die Dünen führen würde. Oben angekommen konnte ich allerdings nicht anders, als für eine paar Atemzüge zu verweilen. Man sollte meinen, ich sei den Anblick des Meeres schon gewöhnt, kann ich es doch täglich sehen. Aber es verzauberte mich immer wieder aufs Neue; diese funkelnde Weite gucke, die zum Träumen anregt. Mit einem leisen, wehmütigen Seufzer kam ich wieder zu mir. Das Meer musste jetzt erst einmal warten, denn ich war immerhin aus einem ganz bestimmten Grund hierher gekommen. Mit ein paar schnellen Handgriffen zog ich meine Sandalen aus und rannte barfuß den leichten Abhang hinunter zu den Volleyballfeldern. Zumindest dorthin, wo sie eigentlich waren. Momentan erinnerten nur noch einige Pfosten an die Netze, die da einst hingen und bald wieder hängen würden. Nach einigen Atemzügen der angenehm salzigen Meeresbrise holte ich den nächsten Brief hervor. Zwei Plätze waren bisher gefunden, die Hälfte erreicht, um ans Ziel zu gelangen.





    Wie Motten sehen wir das Licht,

    Dass sich dort im Wasser bricht.

    Und immer zieht es uns hinan;

    Lass uns gehen, irgendwann.



    Licht und Wasser … Das Wasser hatte ich auf jeden Fall schon mal vor sich. Aber was könnte mit Licht gemeint sein? Vielleicht eine Laterne oder so? Suchend ließ ich meinen Blick über den Strand gleiten, wobei ich wenig Hoffnung hatte, auf besagte Laterne zu stoßen. Denn wer würde schon ein ganzes Jahr lang eine Laterne hier draußen lassen?
    Resigniert ging ich ein paar Schritte weiter in Richtung Meer und ließ mich dann in den Sand plumpsen, genau so, dass ich sicher im Trockenen saß, während die letzten Ausläufer der Wellen gerade so meine Füße noch erreichten. Was konnte nur mit diesem Gedicht gemeint sein? Wenn es aufeinander aufbaut, was bei den ersten beiden der Fall war, dann müsste es von hier aus weitergehen. Aber wohin? Gedankenverloren hob ich eine kleine, rötliche Muschel auf, die neben mir gelegen hatte. Ein wenig erinnerte sie mich an jene Muschel, die ich vor fast einem Jahr am Strand gefunden hatte und an dich weitergegeben hatte. Ach, was war das doch für eine schöne Zeit gewesen ... Aber wie auch immer, es würde sicherlich nicht helfen, wenn ich jetzt hier sitzen bliebe. Dann würde ich den nächsten Ort nie finden. Ich legte die Muschel auf ihren ursprünglichen Platz zurück, stand wieder ein wenig entschlossener auf und klopfte mir die trockenen Sandkörner von den Händen.
    Eigentlich erhoffte ich mir nicht wirklich viel davon, aber erneut blickte ich mich um und ließ dieses Mal meinen Blick auch den Strand entlang in die Ferne schweifen. Und da sah ich ihn! In der Ferne ragte ein Leuchtturm gen Himmel. Ich kannte diesen Turm sehr gut, als ich noch klein war, hatten wir ihn an so manch einem schönen Tag besucht. Aber bisher war mir irgendwie nie aufgefallen, dass man ihn auch von hier aus sehen konnte.
    Einen leisen Fluch murmelnd, weil das nächste Ziel so weit weg war, machte ich mich wieder auf den Weg. Ich wusste zwar nun, wohin ich als Nächstes musste, aber so wirklich konnte ich mich gerade nicht darüber freuen, musste ich doch erst einmal die paar Kilometer bis dahin über den Sand bei sengender Sonne überwinden. Zumindest konnte ich durch die seichten Enden des Wassers waten und das Platschen des Wassers war eine angenehme Abkühlung, an diesem Tag, der Stunde für Stunde wärmer zu werden schien.
    Nach einer halben Ewigkeit blieb ich eine Weile stehen, um zu Verschnaufen. Der Leuchtturm war noch immer ein gutes Stück entfernt und langsam beschlichen mich Zweifel, ob wirklich der Leuchtturm mein nächstes Ziel sein sollte. Eigentlich wäre doch gar nicht die Zeit gewesen, über den Leuchtturm hinaus noch etwas zu verstecken. Immerhin waren wir den Großteil unserer Freizeit gemeinsam unterwegs, hier aber noch nicht zusammen gewesen. Konnte es also sein, dass ich mich geirrt hatte? Andererseits war der Leuchtturm so ziemlich das Einzige, was irgendwie auf das Gedicht zutreffen könnte. Nein, ich musste mich gewiss geirrt haben. In der Hoffnung, vielleicht zufällig den Ort im nächsten Gedicht zu kennen, kramte ich es aus meinem Rucksack hervor.







    So haben wir schon manchen Krieg gemeinsam überstanden,

    Nur um hier doch jeder ganz alleine zu versanden.

    Doch wer suchet, findet dort auch einen kleinen Schatz.

    Wer weiß, vielleicht gräbt einer einmal hier an uns'rem Platz.



    Aber natürlich! Der Leuchtturm war gar nicht das nächste Ziel. Er sollte nur die Richtung vorgeben, in die man zu gehen hatte. Auf dem bisherigen Weg, war ich an einem alten Bunker vorbei gekommen, der inzwischen fast vollständig vom Sand bedeckt worden war. Ich hatte ihm keine besondere Beachtung geschenkt, weil ich ihn nicht für relevant gehalten hatte. Man traf zwar nicht täglich auf so etwas am Strand, aber ich hatte durchaus schon einige gesehen. Verlassen und vergessen. So schienen sie zumindest immer.
    Dieser neuen Erkenntnis folgend machte ich auf dem Absatz kehrt. Ein wenig ärgerte es mich schon, dass ich das alles nicht am Anfang schon erkannt hatte, und dass ich nun zu weit gelaufen war. Aber es ließ sich ja nicht ändern und wenigstens wusste ich nun mit großer Sicherheit, wo ich tatsächlich als Nächstes hin musste.
    Es dauerte auch gar nicht mal so lange, bis ich ihn dann auch wirklich vor mir sah. Die hellgrauen Mauern des Bunkers hoben sich ein kleines bisschen vom hellen Farbton des Sandes ab und bis auf die obere Kante konnte man nicht wirklich viel erkennen. Dort, wo ursprünglich mal der Eingang gewesen sein musste, lag eine Wand aus Sand und nur noch ein kleines Loch, vielleicht ein Meter im Durchmesser, gewährte Einlass in dieses Artefakt der Vergangenheit.
    Aber wo sollte ich nun bloß zu Suchen beginnen? Das Ziel dieser Schatzsuche könnte überall hier versteckt sein. Am wahrscheinlichsten war es natürlich, dass es im Bunker selbst irgendwo war. Aber ein wenig fürchtete ich mich davor, alleine in unbekannte Dunkelheit zu steigen. Außerdem hatte ich sowieso keine Taschenlampe dabei und dort drinnen würde ich es ohne eine bestimmt nicht finden. Vielleicht würde ich ja aber auch gar nicht rein gehen müssen. Mit dieser kleinen Hoffnung legte ich alle Briefe vor mich und las sie mir nochmals durch. Es könnte ja sein, dass einer einen Hinweis enthielt, wo genau ich suchen müsste.
    Bis du dann am Eingang bist, und mein Herz bei dir. Eigentlich kam nur diese Zeile als Hinweis in Frage. Alle anderen konnte sie einigermaßen ausschließen. Aber wenn da nun nur Eingang stand, vielleicht war dann auch tatsächlich nur der Eingang gemeint. Ich kletterte den kleinen Hügel zum Loch empor und schauderte ein bisschen, als ich meinen Blick in das Innere richtete. Aber ich durfte mich jetzt nicht ablenken lassen von solchen eigentlich ungefährlichen Dingen, wie irgendeinem dunklen Gebäudeinneren. Mit meinen Handflächen schaufelte ich Sand vom Eingang weg. Aufgrund der schieren Sandmassen kam ich allerdings nur langsam voran. Zentimeter für Zentimeter vergrößerte ich den Eingang des Bunkers, auch wenn meine Anstrengungen vermutlich kaum auffallen würden.
    War da gerade wirklich was? Mir war so, als hätten ich das Äußere irgendeiner Box gestreift. Von Aufregung erfasst machte ich mich daran, an jener Stelle weiter zu graben und tatsächlich. Kurz darauf kam eine kleine, hölzerne Box zum Vorschein. Sie war zwar sichtlich von ihrem Jahr im Sand gezeichnet, aber schien noch vollständig heil zu sein und ließ sich auch ohne Probleme öffnen. In ihrem Inneren lag eine Muschel, die mir mit einem kräftigen dunkel-rot entgegen leuchtete. Die Muschel, die ich damals gefunden hatte. Nun aber hatte sie ein kleines Loch und war an einem Lederband aufgehängt. Ein wenig ehrfürchtig entnahm ich die Muschel und hängte sie mir um.



    ***



    Ich kann dir also sagen, dass die Suche geglückt und der Schatz geborgen ist. Die Kostbarkeit auf Höhe meines Herzens beweist das. Nun dauert es nicht mehr lange, bis wir uns wiedersehen.
    P.S.:




    Und ich weiß, wo es war,

    Komm mit mir dieses Jahr.

    Wir sind ein Team, nur du und ich

    Einmal, immer, ewiglich.

    Wenn wir nur zusammensteh'n

    Dann kann uns auch nichts gescheh'n.
    Auch wenn Zeit wie Sand zerrinnt
    Und die Weiten endlos sind,
    Ist dein Herz an meiner Seit',
    Rot und hart vom Lauf der Zeit.
    Einmal jetzt und einmal dann;
    Lass uns gehen, irgendwann.“


    Diese Geschichte ist für den FFxFF-Collab in Zusammenarbeit mit der wundervollen @Shiralya entstanden, die für die schönen Gedichte in der Abgabe verantwortlich ist. Dies war mein allererster Collab und auch wenn wir beide nicht sonderlich viel Zeit hatten, um die Abgabe zu schreiben, weil erst sie im Urlaub war und ein paar Tage, nachdem sie wieder da war, ich in den Urlaub gefahren bin (bzw. fahren sollte, hat sich dann ein wenig verschoben, aber das wusste ich ja vorher nicht, deswegen musste sie recht schnell dann fix stehen), hat es mir unglaublich viel Spaß gemacht, zusammen mit ihr über die Handlung beim Skypen zu brainstormen und generell etwas zusammen zu schreiben. Gemeinsam konnten wir auch einen tollen dritten Platz mit der Abgabe erringen und ich habe das allererste Mal einen Avatar gewonnen, der einfach nur wunderschön ist und über den ich mich sehr, sehr, sehr gefreut habe.


    [subtab=Waldgeist]




    Waldgeist



    Ruhe. Frieden. Liebe. Enia öffnete ihre smaragdenen Augen und lächelte. Wie beruhigend es doch war, an diesen Ort zu kommen. Immer wieder aufs Neue konnte sie hier den tosenden Sturm ihrer Gedanken besänftigen und in eine sanfte Briese verwandeln. Mit ihrer Hand führ sie sanft über die knorrige Rinde der alten Trauerweide, die ihre lange Zweige in einen seichten Bach hängen ließ und zugleich einen schützenden Mantel aus hellem Grün um das Mädchen warf, um es vor dem Rest der Welt und den Sorgen, vor denen es geflohen ist, zu schützen.
    "Können sie mich nicht einfach alle in Ruhe lassen?" Sie wusste, dass sie keine Antwort bekommen würde, aber zumindest ein Versuch war es schließlich Wert. Vielleicht käme ja doch durch irgendein Wunder eine Antwort zu ihr zurück. Sie hotte es, auch wenn sie selbst nicht so recht daran glaubte. Frustriert ließ sie ihre Knie einknicken, setzte sich auf den moosbewachsenen Boden und atmete tief ein. Der Frühling hielt den Wald bereits in seiner zarten Hand gefangen und ein paar Blumen dufteten angenehm. Ein leises sarkastisches Lachen erklang, als das Mädchen feststellte, dass selbst dieser Platz uns seine Idylle ihr dieses Mal anscheinend doch nicht ihre Lasten zumindest für einen Augenblick komplett von den Schultern nehmen konnten. Nun hatte diese Entscheidung ihr also auch noch ihren letzten Rückzugsort geraubt, wie ein Rudel von Raubtieren, dass ihre Beute einkreist, bis sie nicht mehr entkommen kann. Sie würde sich stellen müssen, dass war ihr klar, aber sie fürchtete sich vor den Konsequenzen. Was wäre, wenn sie eine falsche Entscheidung treffen würde? Ihr Leben stand an einem Punkt des Wandels. Es würde niemals mehr so sein, wie es bisher war, und sie musste entscheiden, welchen Weg in die Zukunft sie wählen will.
    Mit dem Kopf gegen den starken Stamm gelehnt beobachtete sie die Spitzen der Zweige, wie sie im Lauf des Wassers tanzten und sich hin und her wiegten. Wie schön wäre es doch, sich einfach nur von der Strömung umspülen lassen zu können. Man könnte sich in den Wolken seiner Tagträume verlieren und würde dennoch sicher vom Wasser getragen werden. Sollte sie sich für solch ein Leben entscheiden? Ein Leben im völligen Einklang mit einem Baum? Sie würde zusammen mit ihm wachsen, könnte ihre Äste zu den Sternen strecken und würde dennoch mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Wie die Weidenspitzen im Wasser wäre sie von Sorgen befreit und könnte die Wärme der Sonne, die Frische des Regens und das Streicheln des Windes in vollen Zügen ihr Leben lang genießen, bis auch sie wieder zurück zu ihrem Ursprung kehren würde. Bis sie wieder das wäre, woraus sie entstanden war und die Grundlage für zukünftiges Leben schaffen würde. Oh ja, es wäre ein sehr schönes Leben. Aber war dies wirklich alles, was sie wollte? Ein Leben in Ruhe, Frieden und Harmonie zu leben?
    Ein Teil in ihrem Inneren sehnte sich nach genau solch einem Leben. Einem leben ohne Sorgen, Ängste und großer Verantwortung. Aber da war auch diese andere Stimme, die still und leise flüsterte, dass es noch mehr im Leben geben müsse. Enia wollte so gern auf das Stück ihres Inneren hören, welche sie zu diesem sorglosen Leben drängte. Wäre da nur nicht die Gewissheit gewesen, dass sie vielleicht doch nicht so glücklich damit werden würde. Sie hatte nur diese eine Wahl, welche den Rest ihres Lebens bestimmen würde. Sollte sie da nicht eine Entscheidung treffen, für die ihr volles Herz mit Begeisterung schlägt?
    Der leise klingende Abendgesang eines entfernten Vogels ließ sie aufblicken und durch den grünen Vorhang lächelte ihr das kräftige Orange der untergehenden Sonne entgegen. Ihr war gar nicht aufgefallen, wie schnell doch die Zeit vergangen war, die ihr langsam aber stetig davon lief. Bis zum ersten Strahl am Morgen hatte sie noch Zeit und sie war bisher noch nicht wirklich schlauer geworden, was sie eigentlich genau wollte. Ihre starren Glieder schmerzten, als sie sie bewegte und sich aufrichtete. Schwermütig teilte sie mit einer Hand die schützende Wand und verließ ihren Ort, der ihr dieses Mal nicht helfen konnte.
    Ruhelos streifte sie durch den Wald, ohne dabei ein bestimmtes Ziel zu haben. Vielleicht würde ein bisschen Bewegung ihr helfen. Eine andere Option als dieser Versuch fiel ihr auch nicht wirklich ein, da ihre sonstige Methode anscheinend dieses Mal wirkungslos war. So lief sie immer weiter umher während der Himmel sich erst violett färbte und schließlich einem tiefen Schwarz voller hoffnungsvoll glitzernder Punkte wich. Irgendwann kam sie auf einer Lichtung an, auf der ein Dutzend dunkler Schatten gemütlich grasten. Ein paar Tiere blickten immer wieder wachsam umher und in der Mitte der Schar zankten sich zwei Jungtiere auf spielerische Art und Weise. Lächelnd schritt sie auf die eigentlich schrecksamen Tiere zu, die ihr aber höchstens einen kurzen Blick zuwarfen, bis sie sich wieder mit anderen Dingen beschäftigte.
    "Ihr lebt in ständiger Gefahr und Aufregung gibt es in eurem Alltag sicherlich genug. Doch trotzdem wirkt ihr so unbekümmert. Denkt ihr, ich könnte mit euch ziehen? Unter euch Weilen, euch schützen und glücklich sein?" Vor ihr hob sich ein Kopf empor und die in der Dunkelheit schwarz schimmernden Augen blickten sie geradewegs an. Sie schienen das Mädchen einladen zu wollen, ihnen zu folgen. Rast und ruhelos umher zu streifen und sich doch überall zu Hause zu fühlen. Sie könnte die Gemeinschaft der Gruppe genießen und das Leben von Generationen mit verfolgen, bis sie friedlich einschlafen würde. Zugleich würde sie aber auch jeden Tag etwas Neues erleben und entdecken, sodass ihr niemals langweilig werden würde. Wäre dies nicht eigentlich ein Traum von einem Leben?
    Ja, eigentlich wäre es das. Sie wäre niemals allein und würde sich um ihre Schutzbefohlenen kümmern können. Aber wollte sie das? Wollte sie immer unter anderen sein und ständig wachsam sein müssen? Ein Fehler wäre fatal und könnte ein Leben ihrer Kinder kosten. Denn das wäre die Herde dann für sie: eine Familie. Einerseits wünschte sie sich genau dies. Sie wollte Gemeinschaft erleben und damit glücklich werden. Sie, die sie bisher überall Gesellschaft hatte und doch immer für sich allein war, weil sie noch nirgendwo so recht dazugehörte. Dies würde sich nach dieser Nacht ändern und hier bot sich ihr eine Gelegenheit, nicht nur einen schweigsamen Gefährten zu haben sondern eine ganze Meute an lebhaften Wesen.
    Der Himmel fing bereits an sich an einer Seite heller zu verfärben und die Tiere würden gleich weiter ziehen. Fragend schauten die dunklen Augen sie an. Wie gerne würde sie mit ihnen kommen. Aber so wirklich das Wahre wäre auch dieses Leben nicht. Matt lächelnd schüttelte Enia langsam den Kopf und ließ den Besitzer der liebevollen Augen mit seiner Familie ziehen. Wehmut erfasste sie. Vielleicht wäre sie doch glücklich geworden und nun hatte sie diese Chance verstreichen lassen.
    Entweder oder. Zwei Möglichkeiten sein Leben zu gestalten und sie hatte in nicht mal einem Tag-Nacht-Zyklus beide ausgeschlagen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis das erst Leuchten der neuen Sonne den Wald erreichen würde. Dann wäre ihre Zeit abgelaufen und ohne eine Entscheidung würde sie wieder zur Erde zurückkehren und ihre Lebensspanne an diesem Ort wäre vorüber.
    "Ich hätte das Angebot annehmen und mit ihnen gehen sollen", murmelte sie mehr zu sich, als dass sie wirklich jemanden ansprach. Wieso musste sie auch wählen? Ihre bisherige Existenz war zwar nicht perfekt, aber sie hatte wenigstens sich mit der Welt so arrangiert, dass sie doch meistens fröhlich und zufrieden war. Genauso wie ihr ihre Zukunft bewusst war, sollte sie nicht sehr bald sich entschieden haben, war ihr auch klar, dass es keinen Sinn hatte, die eisernen Regeln der Natur hinterfragen zu wollen. Es war nun einmal so und wollte man auf dieser Welt leben, so hatte man sich an sie zu halten. Trotzdem erschienen sie ihr in diesem Augenblick furchtbar unfair.
    "Ich will mich nicht entscheiden müssen!", schrie sie aus Trotz dem immer hellblauer werdenden Himmel entgegen, "Ich will nicht Tier oder Pflanze wählen müssen! Beide Leben sind nicht das, was ich mir wünsche. Dieser Wald ist mein Zuhause und ich möchte nicht nur einen Teil von ihm zukünftig dienen" In diesem Moment wurde ihr bewusst, dass es kein Wunder war, dass keine der zwei Möglichkeiten ihr wirklich vollends behagte. Egal wie sie sich entscheiden würde, immer wäre ein Teil, den sie liebte, ausgeschlossen. Eine Träne rinn ihre Wange herab. Sie würde sterben. Nachdem sie nun wusste, was genau ihr wichtig war und was sie wollte, konnte sie ihre Wahl nicht treffen und damit etwas aus ihrem Leben verbannen, das ihr so wichtig war. Momentan hatte sie noch zu Flora und Fauna eine Verbindung. Durch eine Entscheidung würde eine der zwei Verbindungen durchtrennt und die andere dadurch nur umso intensiver und tiefer sein. Sie konnte und wollte aber keine der beiden Verbindungen kappen, auch wenn sie ebenfalls nicht sterben wollte.
    Die Blätter wurden von einem strahlenden Kranz erleuchtet, als die ersten Strahlen sich ihren Weg in den Wald bahnten. In einem letzten Anflug wilden Aufbegehrens hob sie ein letztes Mal ihre Stimme und traf ihre Wahl.
    "Ich soll mich entscheiden? Hier ist meine Entscheidung: Ich wähle den Wald! Ich nehme weder Pflanze noch Tier, ich nehme den ganzen Wald mit all seinen Lebewesen."
    Ruhe, Frieden und ein Gefühl tiefer Liebe ergriff sie, als sich die Umrisse ihres Körpers auflösten und sie wusste, dass nun alles gut sein würde.



    Und das ist besagte Geschichte, die mich dazu veranlasst noch so spät abends mein Topic zu updaten, obwohl ich morgen früh zur Schule muss. Nachdem davor eine Weile nichts mehr geschrieben hatte tat dieses Jucken in den Fingern und das Gefühl, dass man jetzt in diesem Augenblick etwas schreiben will, unglaublich gut. Ich wusste, dass ich mich dabei dieses Mal gerne von einem Bild inspirieren lassen wollte und ich musste eigentlich gar nicht erst nach einem Suchen, weil ich sofort auf dieses hier gestoßen bin, was mich dann letztendlich dazu inspiriert hat "Waldgeist" zu schreiben. Das Ende ist vielleicht nicht für jeden Leser eindeutig, aber das habe ich bewusst so gewählt. Sonst schreibe ich einfach die Geschichte runter und lasse mich von meinen Charakteren leiten, ohne lang über eine bestimmte Stelle nachzudenken (dann höchstens über bestimmte Formulierungen), aber dieses Mal habe ich wirklich eine Weile hin und her überlegt, ob ich das Ende eindeutig schreiben soll oder es ein wenig offen lasse, sodass der Leser selbst entscheiden kann, welches Ende er wählt. Letztendlich habe ich mich dann für dieses Ende entschieden, weil ich es selbst irgendwie ganz schöne finde, wenn dem Leser noch ein bisschen Spielraum für eigene Interpretationen gelassen wird ^-^


    [tab=Re-Kommi]
    [subtab=Foxhound`71]

    Ich habe mich sogleich in deine Geschichte über die "Schneemanufaktur" verliebt, denn es fühlt sich alles so märchenhaft und wunderbar harmonisch an. Wie eine typische Weihnachtsgeschichte, die aber viel mehr ist, denn sie entführt in eine Welt, von der man sich kaum vorstellen kann, dass es diese tatsächlich vielleicht geben könnte.

    Oh, es freut mich, dass es dir so geht! Ich habe mich beim Schreiben auch ein wenig so gefühlt, als würde ich ein Märchen für Kinder oder so niederschreiben und wenn diese märchenhafte Atmosphäre rübergekommen ist, ist das wundervoll.


    Die Geschichte beginnt mit einer interessanten Einleitung, die auf die Andersartigkeit eines jeden Schneekristalls hinweist und die Frage aufbringt, welche Macht so viel Schönheit hervorbringt. Es wird auf dieses Phänomen fokussiert, indem man den Leser auf die Reise nimmt und ihm zeigt, wo die Flocken ihre Geburtsstunde erleben, ehe sie den weiten Weg in die Welt antreten und sanft zur Erde schweben.

    Als kleines Kind hat man mir mal erzählt, dass jede Schneeflocke einzigartig ist und das hatte mich damals ziemlich fasziniert, weswegen ich dies gerne aufgreifen wollte, wenn ich schon vorhatte, eine winterliche Geschichte als Weihnachtsgeschenk zu schreiben.


    Die Sympathie zur Protagonistin Anna wird schnell hervorgebracht, da das kleine menschenähnliche Wesen keine Heldin im eigentlichen Sinne ist, die mit übernatürlichen Kräften um sich wirft, sondern ganz klar und fest angebunden ihre doch sehr menschentypischen Züge präsentiert, wie eben das Verschlafen, die Nervosität und die innere Freude, ihren Beitrag leisten zu können und zu dürfen.

    Schön, dass Anna auch gerade durch ihre Normalität (zumindest relativ gesehen normal) Sympathie gewinnt. Davor haben meine Charaktere meistens irgendeine besondere Fähigkeit bekommen, aber bei ihr hat es mir auch mal Spaß gemacht, das eben gerade nicht zu tun und mal einen Charakter zu haben, der keine Superkraft oder etwas ähnliches hat.


    Ich glaube zwar nicht, dass du moralisch motivierte Züge in deine Geschichte eingebaut hast, aber diese Textstelle regte mich zum Nachdenken an.

    Bewusst habe ich das tatsächlich nicht vorgehabt. Aber es freut mich wirklich zu hören, dass mein Text dich zum Nachdenken angeregt hat. Ein wenig ehrt mich das, wenn ich ehrlich bin, weil ich es doch als nicht alltäglich betrachte, dass man sich nach dem Lesen eines Textes sich über sein eigenes Leben Gedanken macht.


    Ansonsten aber finde ich es wirklich wunderbar, wie du den Tanz der Schneeflocke beschrieben hast.

    Eis ist ja eigentlich eher starr, aber ich finde Schneeflocken haben so etwas graziles an sich, weswegen ich ihnen gerne ein wenig Lebendigkeit einhauchen wollte und dafür war der Tanz da.


    Ansonsten muss ich aber betonen, dass du einen wirklich schönen Schreibstil besitzt, der viel Lebendigkeit ausstrahlt und einen sehr weichen Grundton besitzt. Solche Geschichten scheinen dir gut zu liegen und vielleicht überraschst du uns nochmal mit so einem interessanten Märchen.

    Vielen Dank, sowas hört man immer gerne und wenn ich sowas lese (auch wenn ich es später nochmal lese wie momentan) muss ich immer lächeln, weil ich mich so darüber freue, dass anderen die Art und Weise wie ich schreibe gefällt. Wenn du dieses märchenhafte an der Geschichte magst, könnte dir übrigens "Nordmythen" (*hust* ein bisschen Werbung für dieses Update ^^") auch gefallen. Das hat auch ein wenig diese Ein-Märchen-wird-erzählt-Atmosphäre ^-^


    Vielen, vielen, vielen lieben Dank nochmals für deinen Kommi, du hast mir damit eine sehr große Freude bereitet <3
    [/tabmenu]

  • Guten Abend @Caroit


    So sieht... äh, liest man sich wieder. Und wie du es mir empfohlen hast, werde ich mir deine Geschichte "Nordmythen" vornehmen, denn die Thematik ist sehr ansprechend und fühlt sich auch wie ein kleines Märchen an. Das war ja auch mein Hauptaugenmerk beim letzten Kommi. ^^


    Die Story beginnt so, wie man es sich am ehesten vorstellen könnte: Ein altes Mütterchen, umringt von einer kleinen Schar Kinder, erzählt eine Geschichte aus längst vergangener Zeit. Zu einer Zeit, in welcher die Menschheit bestimmt noch ihren Anfang hatte und Sterne und Weltwunder eine ganz eigene Faszination ausübten. Wo Natur- und Weltengötter noch die Erde formten und Tiere und Pflanzen heilig waren.
    So stelle ich mir den Ursprung dieses Märchens vor, welche dann von Generation zu Generation weitergegeben wurde. In diesem Falle sollte sie natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch lehren.


    Es wird der Werdegang vom Nordstern und dem Polarlicht erzählt, welche sich beide das Firmament teilen und einander niemals verlassen können/wollen. Einer ist immer da und zeigt damit ein tiefes Band der Freundschaft, des Zusammenhalts und sogar der Liebe. So personalisiert dies klingt, so umschrieben ist es in deiner Geschichte, die die beiden Parts sehr menschlich, allen voran sehr kindlich darstellt, mit all den Freuden, der Neugier und des Trotzes. Gerade die zweite und dritte Eigenschaft führt zu einem traurigen Ende, aber doch gleichzeitig wundervollen Anbeginn für die Ewigkeit.
    Die beiden, und andere Sternenkinder - evtl. auch richtige Sternenbildverkörperungen - leben in einem für uns typischen Luftschloss und können spielen und herumtollen. Sie verhalten sich einfach wie normale Kinder, deren Neugier scheinbar keine Grenzen gesetzt sind. Gerade Nordschimmer folgt diesem Metier, während Aurora auf ihre innere Stimme hört und ihrem Freund zur Umkehr bewegen möchte. Das dies aber auf Abwehr stößt, in dessen Folge die leuchtenden Kinder von schwarzen Nichts umspült werden, ist wirklich bitter. Doch Nordschimmer erkennt schnell sein Fehlverhalten und tut, was er für richtig hält. Er eilt ihr zu Hilfe, auch wenn es für beide keine richtige Rettung gibt. Doch sie dürfen zusammenbleiben und ich glaube, dass ist für die beiden das größte Geschenk.


    So werden Nordstern und Polarlicht geboren und nehmen ihren Platz ein. Für mich ist es nun so, dass die beiden nun anderen Wesen helfen wollen, immer auf dem rechten Pfad zu bleiben. Das Polarlicht spendet Glanz, um den Himmel und die Welt zu erkennen, während der Nordstern die Richtung angibt, so dass jedes Geschöpf immer sicher an sein Ziel kommt und nicht in Gefahr gerät oder sich verirrt.


    Was mir zu Anfang der Geschichte auffiel, war, dass du den ersten Absatz - sofern ich durch die grüne Hintergrundfarbe keiner optischen Täuschung unterliege - in Grau gehalten hast, während der Rest typisch schwarz bleibt. Ich habe versucht, darüber nachzusinnen, ob dies mit einer speziellen Begründung so erfolgt ist, aber mir wollte dies bezüglich nichts Richtiges einfallen. Ich habe den ersten Absatz mehrmals gelesen, ebenso den angrenzenden, erkenne aber keine wirkliche Wichtigkeit. Vielleicht magst du mich aufklären? :)


    Ansonsten aber besitzt du hier einen sehr ausgeprägten Detailreichtum, der sich vor allem bei der Beschreibung der Umgebungen austobt. Ob nun die klaren Bächlein, die Diamanten am Grunde oder die dunklen Tiefen, welche die beiden Protas vereinnahmt, bis sie in den Himmel emporsteigen dürfen. Die Charaktere selbst werden auch beschrieben, müssen sich aber hinten anstellen. Dies ist kein Manko, sondern ganz gut ausstaffiert, denn so kann sich der Leser auch selbst ein Bild von den Charakteren machen.


    Ein kleiner Fehler ist mir noch aufgefallen:

    „Lass und umkehren und zu den anderen gehen“, - Lass uns umkehren....

    Mir hat deine Geschichte gut gefallen, kommt aber in meinen Augen nicht ganz an die "Schneeflockenmanufaktur" heran. Dennoch ist dies ein ganz ansehnliches Werk, welches sich nicht verstecken muss und durch dessen Thematik und der Andersartigkeit zu gefallen und unterhalten weiß.
    Ich danke dafür und bin mal auf deine nächste Geschichte gespannt.


    Mfg Miss Fox

    "Wie beim Kartenspiel kommt es auch im wirklichen Leben darauf an,
    das Beste aus dem zu machen, was einem gegeben wurde,
    anstatt sich über ein ungünstiges Blatt zu beschweren und mit dem Schicksal zu hadern."


    [Astor, Pokémon - Schwarze Edition]

    Nur noch sporadisch im BisaBoard.

  • *hust*
    Ähm ja, eigentlich wollte ich den Re-Kommi kurz vorm nächsten Update schreiben, was ich eigentlich vor gut 1,5 Jahren posten wollte ^^" Das ist dann ein bisschen unter gegangen und das Topic ist bei mir allgemein eher in den Hintergrund geraten. Aber ich hab generell schon seit ner Weile vor, wieder ein wenig aktiver zu schreiben und werd in naher Zukunft eh liebevoll auf eigenen Wunsch dazu gezwungen werden (hi @Kräme <3). Also ja, zukünftig dürft ihr hier ein wenig mehr Aktivität erwarten ^-^


    @Foxhound: Auch wenn das hier eigentlich schon viel, viel früher hätte kommen sollen, vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ich hab mich wahnsinnig darüber gefreut, dass du dir auch Nordmythen durchgelesen hast und allgemein wieder so lieb warst, mir einen wundervollen Kommentar da zu lassen.

    So stelle ich mir den Ursprung dieses Märchens vor, welche dann von Generation zu Generation weitergegeben wurde. In diesem Falle sollte sie natürlich nicht nur unterhalten, sondern auch lehren.

    Genau das war auch meine Idee, als ich begonnen hatte zu schreiben und es freut mich, dass das auch rüber gekommen ist ^-^


    So werden Nordstern und Polarlicht geboren und nehmen ihren Platz ein. Für mich ist es nun so, dass die beiden nun anderen Wesen helfen wollen, immer auf dem rechten Pfad zu bleiben. Das Polarlicht spendet Glanz, um den Himmel und die Welt zu erkennen, während der Nordstern die Richtung angibt, so dass jedes Geschöpf immer sicher an sein Ziel kommt und nicht in Gefahr gerät oder sich verirrt.

    Ursprünglich hatte ich geplant, dass beide auf die Erde hinab fallen, dort ein kleines Abenteuer erleben, daran wachsen anderen zu helfen und wieder - wenn auch in anderer Form - in den Himmel zurück kehren können. Allerdings hab ich dann beim Schreiben ziemlich schnell gemerkt, dass das zu viel Inhalt für eine Wettbewerbsabgabe ist und musste den Teil leider raus lassen. Aber deine Idee, dass sie nun von dort oben aus anderen helfen wollen, ist also nicht verkehrt ^-^


    Was mir zu Anfang der Geschichte auffiel, war, dass du den ersten Absatz - sofern ich durch die grüne Hintergrundfarbe keiner optischen Täuschung unterliege - in Grau gehalten hast, während der Rest typisch schwarz bleibt.

    Nein, tut mir Leid, da steckt leider keine tiefere Bedeutung hinter. Eigentlich sollte alles schwarz sein, aber diesen ersten Teil hab ich wohl einfach vergessen umzufärben ^^"


    Ansonsten aber besitzt du hier einen sehr ausgeprägten Detailreichtum, der sich vor allem bei der Beschreibung der Umgebungen austobt. Ob nun die klaren Bächlein, die Diamanten am Grunde oder die dunklen Tiefen, welche die beiden Protas vereinnahmt, bis sie in den Himmel emporsteigen dürfen. Die Charaktere selbst werden auch beschrieben, müssen sich aber hinten anstellen. Dies ist kein Manko, sondern ganz gut ausstaffiert, denn so kann sich der Leser auch selbst ein Bild von den Charakteren machen.

    Ja, ich schätze, bei Umgebungsbeschreibungen - und besonders, wenn es um Natur geht - tobe ich mich wohl gerne aus. Das war der erste Tipp, den ich bekommen hab, als ich in den FF-Bereich kam, weil ich damals wirklich quasi gar nichts beschrieben hab. Schätze, das ist hängen geblieben und es macht halt auch einfach Spaß, sich schöne Umgebungen auszudenken und dann will ich sie dem Leser auch möglichst originalgetreu nahe bringen ^-^



  • Weihnachtswunsch


    „Aufsteh'n, aufsteh'n, aufsteh'n!“, schallte eine gleichzeitig streng und liebevoll klingende Stimme durch die Wipfel des großen Tannenwaldes. Leicht hätte man es übersehen können, wenn man nicht genau hinschaute, aber irgendetwas, sauste wie der Blitz durch den Wald und wo es bereits gewesen war, begann sich langsam Leben zu regen. Ein leises Flattern erfüllte die Luft und ein geübter Beobachter konnte miterleben, wie sich überall kleine beflügelte Wesen streckten und reckten. Unter ihnen befand sich auch eine kleine Fee, namens Vivien. Seit Jahren lernte sie nun schon das Handwerk der anderen als stille Zuschauerin und nun war es endlich so weit. Das erste Jahr, indem auch sie ihrer Bestimmung folgen würde.
    Sie musste gar nicht lange dazu aufgefordert werden, aus ihrem Schlaf zu erwachen. So lange wartete sie nun schon auf diesen Augenblick, dass sie sofort hellwach war, sobald der erste Ruf zu vernehmen war. Endlich würde sie in die Welt der Erwachsenen eintreten und alljährlich ihre wichtige Aufgabe erfüllen. Sie streckte sich noch kurz, flatterte Probehalber mit den Flügeln und schon stieß sie sich gen Himmel ab und trat mit den anderen ihre Reise in die Städte der Menschen an.


    „Aus dem Weg!“ „Hey!“ „Lasst mich doch mal durch!“
    Es war laut, stinkig und einige Menschen zogen eine Miene, als würden sie sich gleich gegenseitig an die Gurgel gehen. Sie war schon öfters in den Städten der Menschen gewesen, aber immer wieder war sie von dem Lärm der Autos, dem Gedränge und dem Geschrei schockiert. Sie verstand einfach nicht, wie man sich um den anderen so wenig kümmern konnte, wie jeder Teil der Masse aber doch so einsam sein konnte.
    Man hatte ihr immer gesagt, sie würde es merken, wenn sie den Menschen träfe, für den sie heute einen Unterschied machen konnte. Stets hatte sie daran geglaubt, aber jetzt, wo sie es endlich spüren sollte, sah sie all die Menschen und es war nicht anders als zuvor. Kein Geistesblitz, kein inneres Leuchten oder irgendetwas, das sie führte. Einfach nichts. Wie sollte sie da bloß helfen, wenn sie noch nicht mal wusste, wem? Sie folgte mal der einen Straße, mal der anderen. Bestimmt hatte sie in zigtausende an Gesichtern geguckt, aber bei keinem machte es klick. Frustriert setzte sie sich in einen Park und musste ironisch Lächeln. Hier war es zwar etwas ruhiger und angenehmer, allerdings waren auch kaum Menschen da. Die Wahrscheinlichkeit, hier den ihren zu finden, war also verschwindend gering. Sollte sie nicht lieber weiter in den überfüllten Straßen suchen? Eigentlich wusste sie, dass sie genau das tun sollte, aber so langsam hatte sie absolut keine Lust mehr. Bei den anderen schien es immer so einfach, und bei ihr wollte es einfach nicht klappen. Vielleicht war sie doch nicht die Richtige für das alles.
    Sie setzte sie auf einen kahlen Ast, seufzte und ließ den Blick schweifen. Da war ein älteres Ehepaar, welches gemütlich auf einem Kiesweg um den großen See spazierte, welcher das Zentrum des Parks zu sein schien. Dann war da noch eine Familie mit einem Hund. Sie wurfen immer wieder einen Stock und dem kleinem schwarzem Fellknäul schien es nicht langweilig zu werden, die dünne Schneeschicht aufzuwühlen und dem Ball hinterherzujagen. Und dann war da noch ein kleiner Junge. Vivien stutze, er schien allein zu sein und war bestimmt nicht älter als 7. Zudem kniete er in seinem knallroten Skianzug direkt am Rand des zugefrorenen Sees. War das nicht gefährlich. Unschlüssig, was genau sie jetzt tun sollte - denn um ihn im Notfall aus dem Wasser zu fischen, dürfte ihr definitiv die Kraft fehlen - näherte sie sich ihm langsam. Hinter einem nahen Stück Holz konnte sie sich wunderbar verstecken und ihn beobachten. War das eine Träne, die da in seinem Augenwinkel blitzte? Er saß einfach nur da und blickte auf den See. Nein, das traf es nicht ganz, er starrte geradezu auf das Eis.
    „Da bist du ja“, erschrocken blickte sie auf und entdeckte einen Mann mit schwarzem Wintermantel und Schal, der auf den Jungen zukam. Vielleicht Ende dreißig und vermutlich der Vater des Kleinen. Beruhigt entspannte sie sich. Jetzt, wo er nicht mehr alleine war, würde sie wieder an ihre Suche gehen können und hoffentlich bald fündig werden, denn langsam wurde es bereits etwas düsterer. Aber es war sicherlich auch nicht verwerflich, noch einen Moment zu verweilen. Der Junge hatte ihre Neugierde geweckt und eigentlich wollte sie ihn noch nicht verlassen, auch wenn dies vernünftig wäre, nun wo er nicht mehr alleine oder in Gefahr war.
    „Ich hab es versucht, ich hab es wirklich versucht!“, der Kleine schien nun den Tränen noch näher zu sein, als er sich zu seinem Vater umdrehte, „Aber ich sehe ihn nicht. Mach, das ich ihn sehen kann. Bitte!“
    „Ach Felix, wen wolltest du denn sehen?“ Er ging in die Hocke und nahm seinen Jungen sanft in den Arm.
    „Mama sagt, Eisflächen sind ein Spiegel in den Himmel. Wieso sehe ich Streuner dann nicht?“
    „Du musst mit dem Herzen gucken, mein Schatz.“
    „Aber das hab ich doch!“, Nun liefen ihm tatsächlich Tränen über die von Kälte geröteten Wangen und er zog sehr geräuschvoll die kleine Nase hoch.
    „Vielleicht ist er heute ja nicht im Himmel, sondern will uns zu Hause besuchen, weil Weihnachten ist. Ja, ich bin mir ganz sicher, dass er heute bei uns sein wird und du ihn spüren kannst“
    „Hmpf“ Er schien noch nicht ganz so glücklich mit dieser Antwort zu sein, aber zumindest für den Moment versiegten die Tränen und er ging widerstandslos mit seinem Vater mit.
    Es war merkwürdig. Als Vivien diese Szene beobachtet hatte, erfüllte sie mit der Zeit eine innere Wärme, die sie nicht zuordnen konnte. Aus irgendeinem Impuls heraus folgte sie den beiden aus dem Park heraus und durch die nassen Straßen. Sie waren bereits ein paar Mal um Ecken gebogen, als sie plötzlich wusste, dass sie die zwei unbedingt dazu bewegen musste, gleich rechts abzubiegen. Sie wusste nicht warum, aber sie spürte tief in sich, dass es wichtig war. Nur wie konnte sie das anstellen? Sie war nur eine kleine Fee, die sich den Menschen nicht zeigen durfte. Wie sollte eine wie sie Menschen dazu bewegen, einen Umweg zu nehmen? Ein Plan musste her und zwar schnell.
    Rufen? Man würde sie kaum hören. Schnee vom Baum fallen lassen? An sich keine schlechte Idee, nur war sie inmitten von hohen Häusern und in der Nähe stand einfach kein Baum. Da! Eine leere Dose lag im Rinnstein genau in der Straße, in die sie gleich einbiegen sollte?Sie beeilte sich, dort hin zu kommen, aber Vater und Sohn überquerten bereits die Straße. Aber das war doch die falsche Richtung, konnten sie das nicht auch einfach spüren? Endlich kam sie bei der Dose an, aber sie war um einiges schwerer, als sie gedacht hätte. Mühsam hob sie die Dose bestimmt nen Meter über den Boden, bevor sie sie fallen ließ und schnell hinter der nächsten Laterne verschwand. Die zwei waren bereits auf der anderen Straßenseite angekommen, aber tatsächlich, sie blickten sich um. Der Vater sah ziemlich verwirrt aus, konnte er doch keinen entdecken, von dem das Geräusch hätte verursacht worden sein.
    „Hallo?“, rief er in die leere Gasse und zog seinen Sohn an sich. Es schien ihm unheimlich zu sein und er machte Anstalten mit dem Jungen weiter zu laufen und schnell von dieser merkwürdigen Straße weg zu kommen.
    Genau in dem Moment geschah es. Ein Schaben erklang und der kleine Junge zeigte nach kurzem Suchen auf einen umgestürzten Karton im Eingang eines der Häuser, von dem das Schaben zu kommen schien.
    „Ist das ein Geist?“, fragte er seinen Vater.
    „Nein, das war nur der Wind. Komm, du kannst nachsehen“, antwortete dieser, der nun auch eine logische Erklärung für ein Scheppern aus der Gasse gefunden zu haben schien.
    Zusammen bogen sie in Viviens Straße ein und näherten sich dem Karton. Sobald sie da waren, hob Felix den Karton hoch und zum Vorschein kam ein brauner Welpe mit Schlappohren.
    „Papa, guck mal!“, rief Felix begeistert.
    „Wer hat dich denn hier vergessen?“ Auch der Vater schien dem Zauber der treuen Augen des Tieres nicht entgehen zu können.
    „Können wir ihn mitnehmen? Bitte, bitte!“
    „Nun“, setzte der Vater etwas zögerlich an, „er hat kein Halsband und jemandem aus diesem Haus scheint er auch nicht wirklich zu gehören. Aber hierlassen können wir ihn auch nicht. Ich denke, bis wir seine Besitzer gefunden haben, kann er bei uns bleiben“
    Die Augen von Felix strahlten und freudig streichelte er den kleinen Hund, der ihn auch sofort zu mögen schien. Der Vater nahm den Hund auf den Arm und ging mit seinem Sohn weiter in Richtung zu Hause.
    „Papa, ich glaube, da war doch ein Geist. Streuners Geist“, hörte Vivien den kleinen Jungen noch zu seinem Vater flüstern, bevor sie dafür zu weit weg waren. Sie wusste, dass der Hund in dieser Nacht ein neues zu Hause gefunden hatte und sie dem Jungen den Wunsch eines gemeinsamen Weihnachtsfestes erfüllt hatte. Woher sie das wusste? Es erfüllte sie ein warmes Kribbeln und sie war durch die Erfüllung eines Weihnachtswunsches nun zu einer richtigen Wunschfee geworden. Es konnte also gar nicht anders sein.


    Es war so weit, sie musste wieder zurück in den Wald zu den anderen. Aber nun war alles anders. Nun würde sie wiederkommen und einem anderen Menschen einen Wunsch erfüllen. Denn sie war eine Wunschfee, das war ihre Bestimmung und sie fühlte sich ziemlich gut an.




    Eigentlich hatte ich vor das versprochene Update dann auch zeitnaher zu posten, allerdings ist mein Kopf zur Zeit meistens mit Jordanbasen und impliziten Funktionen beschäftigt, deswegen kam ich bisher noch nicht dazu und auch dieser Text ist auch schon etwas älter (wer hätte das bei dem Titel wohl erraten können xD). Entstanden ist diese Erzählung Ende 2016 als Wichtelgeschenk für den lieben @Rusalka, wobei ich die Idee zu einer Geschichte über Wunschfeen bereits Anfang 2016 für den Wettbewerb "Wünsch dir was!" entstanden ist. Allerdings hatte ich damals keine Zeit, die Idee auch als Abgabe umzusetzen und als ich dann überlegt hab, was ich Rusalka wohl schreiben könnte, kam sie mir wieder in den Sinn, da er für mich einfach wie eine gute Fee ist.


  • Hallo Caroit,


    als Vivien wieder im Wald ankam, brannte sie schon darauf, den anderen Feen von ihrem Erlebnis zu erzählen. Gefühlt alle Anwesenden gesellten sich zu ihr und versuchten, jedes Wort aufzunehmen, um am Ende eine Frage stellen zu können.
    "Aber hattest du denn keine Angst, dass du gesehen werden könntest?", fragte Tira und Vivien schüttelte den Kopf.
    "Nein. Und wie ich gemerkt habe musst du dich auch nicht vor ihnen fürchten oder ihnen ausweichen. Meist richten sie ihren Blick nur auf ihre Dinge anstatt auf übersinnliche Dinge und da ist es leicht, sie zu beobachten. Aber jetzt wo du es sagst wäre es sicherlich interessant gewesen, wenn wir einfach unsichtbar wären."
    "Kaum zu glauben, dass du doch so schnell einen Menschen gefunden hast, dem du helfen kannst", meinte daraufhin Pani.
    "Mich auch", lachte Vivien und machte einen entschlossenen Eindruck. "Plötzlich war dieses Gefühl einfach da und ich konnte nicht anders, als mich anzustrengen! Es war bei der Geräuschkulisse aber alles andere als leicht, etwas Passendes ausfindig zu machen. Ich frage mich, ob eine Art telepathische Stimme eher geholfen hätte als eine simple Dose. Aber das können wir ja leider nicht."
    "Ja, leider", stimmten einige Feen mit ein, bevor sich Toko zu Wort meldete.
    "Möchtest du diesen Menschen und dem Hund wieder begegnen?"
    Vivien überlegte kurz und verschränkte dabei die Arme. "Du weißt, das ist schwierig, weil wir doch alle Wünsche erfüllen sollen. Aber wenn ich ehrlich bin, würde ich mich darüber freuen, sie irgendwann vielleicht wieder zu sehen. Das wird aber wohl eher Stoff für eine andere Geschichte. Und wenn ich sie mir selbst ausdenken muss!"
    "Bei deiner Kreativität freue ich mich schon drauf!", sagte Toko schließlich begeistert und verabschiedete sich, wie auch die anderen Feen, für diesen Abend von Vivien. Sie blickte noch einmal zu den Baumkronen und sah durch die Blätterdächer die Sterne des Nachthimmels. Sie lächtelte und freute sich schon darauf, ihren nächsten Wunsch zu erfüllen.


    In diesem Sinn: Wir lesen uns!

  • Hoothoot, Caroit !


    Wie, ich hab in deinem Topic noch nichts kommentiert? Das muss aber schleunigst berichtigt werden!


    Zunächst muss ich leider sagen, dass die weißen Passagen sich nicht so gut lesen lassen. Vielleicht liegts auch am Monitor, aber das Grün ist zu hell, um mit der weißen Schrift gut zu wirken. Vielleicht kann man die Schriftfarbe ja einen Hauch verdunkeln, wenn sie denn insgesamt hell bleiben soll?


    Ich hab mich dafür entschieden, einen kleinen Kommi zu "Waldgeist" dazulassen. Das Verfassungsdatum ist ja doch schon eine Weile her, darum möchte ich auf Fehlerchen und so nicht eingehen :3



    Jemand, der an einer Weggablung steht und sich nicht entscheiden kann, wohin das Leben führen soll. Und letztendlich lieber vergeht, als etwas, dass sie liebt, zurücklassen zu müssen. Einerseits ist diese Geschichte sehr tragisch, andererseits auch sehr hoffnungsvoll - je nach dem, wie man es liest. Mir hat das thematisch jedenfalls sehr gut gefallen!


    Ich hoffe, dass du bald mal wieder weiter schreibst!


    glg


    ~ Sheo

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