Kurz und scherzlos

  • Kurz und schmerzlos

    Mein Schreibstil identifiziert sich meistens dadurch, dass ich relativ kurze prägnante Texte schreibe. Geschrieben habe ich irgendwie schon immer, begonnen mit Romanen, die ich nach mehreren Kapiteln dann doch, wieso auch immer, verworfen habe. Damit ich nie wieder einen Text verwerfen werde, versuche ich jetzt möglichst kurze Texte zu perfektionieren und ihnen meinen persönlichen aussagekräftigen Touch zu geben.

    Ich schreibe Texte nicht nur der Gestaltung wegen, manchmal gefallen mir die Inhalte so sehr, dass ich auch einen Prosatext mit großen Freuden hier veröffentlichen kann.

    Disclaimer: Falls hier mal ein sensibler Text veröffentlich werden sollte, entspringt dieser rein meiner Fantasie und hat wahrscheinlich absolut nichts mit meiner Persönlichkeit zutun.


    Meine favorisierten Werke habe ich für interessierte Leser mit einem Band der Schönheit Band der Schönheit Hoenn gekennzeichnet.





    #01

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    Prosa: Reizüberflutung (Kurzbeschreibung)
    Ich liege da, im Warmen. Es ist völlig lautlos um mich herum und ohne einen Moment ans Nachdenken zu verlieren, laufe ich dem Horizont entgegen. Ich spüre eine Veränderung, ein Kribbeln verbreitet sich in meinem Körper. Ich versuche einen weiteren Atemzug zu nehmen. Doch es geht nicht. Mein Körper wird schwerer und ich sinke herab. Eine ruhige Panik macht sich bemerkbar.
    Ich öffne meine Augen. Es ist schwarz.


    #02

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    Gedicht: Wie es ist zu schweben (Kurzbeschreibung)
    Ein weiterer Atemzug.
    Meine Lungen, voll von nichts.
    Ich schwebe in Gedanken
    Und mein Kopf denkt nur an dich.

    Schweb' vorbei an weißen Zwergen,
    Ziemlich weit entfernt von dir.
    Weiß nicht: Was soll ich noch denken?
    Spiel' für mich doch am Klavier.

    Hab die Melodie im Kopf,
    Werd' von keinem Lärm gestört.
    Wieso bist du nicht bei mir?
    Wieso hab' ich nichts gehört?

    Und der nächste Atemzug.
    Meine Lungen machen dicht.
    Und ich blicke tief ins Licht.
    Wieso spüre ich es nicht?

    Wieso macht es keinen Sinn?
    Warum weiß ich nicht wohin?
    Warum schweb' ich nur umher?
    Warum sehe ich nicht mehr?

    Doch jetzt fang' ich an zu spüren.
    Um mein Herz wird mir ganz warm.
    Und ich denke nur an dich.
    Mein letzter Herzschlag ist getan.

    Ja, jetzt bin ich gar nicht mehr.
    Nein, ich wusste nicht woher
    Ich all die Kräfte nehmen sollte
    Dich noch einmal anzusehen...


    #03

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    Band der Schönheit Hoenn Drehbuch: Einmal vegetarischen Auflauf, bitte
    Milan: Klara, du müsstest es doch am besten wissen. Ohne sie läuft in meinem Leben nichts mehr, absolut nichts. Ich weiß nicht mal, ob ich es dann noch Leben nennen würde.
    Klara: Aber du willst mir jetzt nicht weismachen, dass sie dir wichtiger ist als ich, oder?
    Milan: Nein, niemals. Ich doch nicht. Es ist nur so... weißt du... Ich glaube es ist eine Art Sucht, eine Abhängigkeit.
    Klara: Und weil du von ihr abhängig bist, soll ich mir jetzt unseren gemeinsamen Abend zerstören lassen?
    Milan den Rücken zu ihr drehend: Nein...
    Klara : Mein Schatz, ich stehe jetzt seit über einer Stunde in der Küche, um dir einen gesunden vegetarischen Auflauf zu kochen, der noch irgendwie essbar ist und du könntest mir mal etwas entgegenkommen und für diesen einen Abend auf deine blöde Tüte Gummibärchen verzichten.
    Milan: Aber...
    Klara unterbricht ihn: Und jetzt würde ich mich sehr freuen, wenn du schon mal den Tisch deckst.

    „Und wie hätte es anders sein können, Milan deckte den Tisch, wie gebeten, und versuchte den ganzen restlichen Abend ihr zuliebe kein einziges Wort mehr über seine tägliche Tüte Colafläschen zu verlieren.“


    #04

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    Gedicht: Am Ende des Weges im Wald

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    Man sagt, es sei am Ende des Weges im Wald
    Nichts, nur dunkel, windig und kalt
    Auch am helllichten Tag dunkel und leer
    Die Uhurufe sind alleine zu hören
    Und Menschen hört man schon lang nicht mehr

    Da erscheinen zwei Gestalten in des Gerüchtes Taverne
    Die Erste berichtet, sie besuchte die Ferne
    Des Waldes Ende hat sie gesehen
    Vor Schauer und Schock blieb sie fern davon stehen

    Der Zweite, ganz stolz und mit kräftiger Stimme:
    Er war ganz am Ende und besiegte die schlimme
    Angst, die alle fernhielt von dort
    Es war schrecklich und grässlich,
    Doch er lebte noch

    Hansi, ein Stammgast, trat durch die Tür
    Sagte den Beiden, sie könnten nichts dafür
    Eigentlich stand dort sein Haus im Sonnenschein
    Eine Lichtung war am Ende des Weges im Wald
    Und die Beiden waren doch nicht, was sie versuchten zu sein


    #05

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    Band der Schönheit Hoenn Drabble: Versteckspiel
    Versteckend hinter Bäumen und hoffend nicht gefunden zu werden. Solche Momente stelle ich mir gerne vor, wenn ich an meine Kindheit zurückdenke. Aber was hat sich daran denn geändert? Was unterscheidet mich von meiner kleinen, kindlichen und unerfahrenen Version? Die Bäume. Ich sah lange Zeit den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich habe nicht gemerkt, dass ich selbst nur Teil eines Schauspiels war. Ich spielte mich selbst, ohne zu erkennen, wer ich wirklich bin. Ich habe mich versteckt vor der Realität, versteckt vor der Gemeinschaft und den anderen Menschen. Ich möchte gefunden werden, gefunden von den Menschen, die mich suchten.

    #06


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    Elfchen: Atemlos
    Schnappend
    Nach Luft
    In der Nichtigkeit
    Ich weiß nicht weiter
    Stille

    #07


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    Kurzgeschichte: Rot wie ein überteuerter Mac-Lippenstift

    #08

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    (abstraktes) Gedicht: In einer Nacht
    In einer Nacht können sich Welten verschieben, wie Steine zum Sand.
    Und meine Perspektive schwebt von innen nach außen,
    von der Mitte zum Rand, wie ein Schloss aus Wolken.

    Und auch wenn wir das nicht wollten,
    so glitten unsere Ansichten aneinander vorbei
    wie zwei Kometen im Nichts der Zeit.
    Und kein Ort fühlt sich mehr an, als wäre er geborgen
    oder sicherer als die Zuflucht im Nirgendwo.

    Und irgendwo fang ich an zu suchen,
    nach einem Raum voll Licht, der mehr strahlt als ich.
    Ich suche nach einem Sinn, den ich fühlen will,
    in jeder Sekunde meiner Existenz.

    Ich möchte leben und irgendwann nicht mehr,
    Zufriedenheit über mich ergehen lassen müssen
    und Unglücklichkeit genießen.
    Ich will Steine gießen, Pflanzen werfen und mich selbst nie verlieren.

    In einer Nacht, die viel mehr sein kann als das,
    sei die Unendlichkeit nur ein Tropfen auf das Heiß.
    In dieser Nacht ist der Abschied viel mehr als es heißt ein Abschied zu sein.
    Und kein Abschied wäre ein Leben ohne Tag.
  • Salut! :)

    Ich habe gerade dein neues Topic gesehen und würde dir gerne ein bisschen Feedback zu deinen beiden Werken dalassen!


    Laternenlichter

    Ich fange mal beim Titel an: Laternenlichter können einen recht unterschiedlichen Eindruck vermitteln. Sie können als romantische Kulisse dienen oder genauso als störendes Licht in der eigentlich dunklen Nacht empfunden werden. Es ist definitiv spannend zu sehen, was daraus gemacht wird. Für so kurze Gedichte finde ich solche Titel auch immer ganz schön, weil damit einfach wunderbar ein Moment aufgefangen werden kann; sowas schreibe ich selbst ganz gerne! :)

    Der erste Vers vermittelt gleich einen sehr direkten Einstieg. Das lyrische Ich scheint schnell unterwegs zu sein, vielleicht fühlt es sich auch etwas unwohl im "Dunkel der Nacht". Auch der zweite Vers unterstützt diesen Gedankengang. Szenen, in denen es an Licht mangelt, sind ja meistens irgendwie ein bisschen bedrohlich. Im dritten Vers betont das lyrische Ich schließlich, dass es es darauf wartet, sein Ziel zu erreichen, bevor es im letzten Vers ein "du" anspricht, das es beim Laufen begleitet und ihm hilft, die Zeit zu ertragen. Meine nahelegende Vermutung wäre, dass das lyrische Ich auf dem Weg zu einer geliebten Person ist und die Gedanken an diese Person helfen, die Zeit in der nur von Laternen beleuchteten Dunkelheit zu ertragen. Da ich eingangs aber ja schon die unterschiedlichen Bilder angesprochen habe, die Laternen vermitteln können, würde ich auch noch einen zweiten Gedankengang nennen, nämlich dass das lyrische Ich gar nicht schnell, sondern in Anlehnung an den dritten Vers vielmehr langsam durch die Straßen wandert und gar nicht so recht weiß, wo es eigentlich hin will. Es wartet sozusagen auf ein Ziel, wo es im Leben angelangen möchte. Während es so über das Leben nachdenkt, betrachtet es die Laternenlichter und spricht im letzten Vers dann genau diese an, wenn es sagt, dass nur sie ihm das Warten auf sein Ziel erleichtern. Damit bin ich vermutlich weit daneben, aber den Gedankengang fand ich gerade so toll, haha.

    Formal ist das Gedicht recht frei gehalten. Ein etwas einheitlicheres Metrum und vielleicht doch der ein oder andere Reim wären bei einem so kurzen Gedicht vielleicht eine Überlegung wert, zumal mit dem unreinen Reim Straßen/Warten schon ein bisschen die Tendenz zu erkennen ist. Ist aber nur ein Vorschlag, sicher kein Muss! Das Gedicht gefällt mir auch so wirklich gut! :)



    Winter

    Gleich mal vorweg: Den Begriff "Kurzgeschichte" finde ich doch etwas gewagt, weil damit im Deutschen ja doch eigentlich eher ein recht klar definiertes Genre gemeint ist, haha. Das soll nicht heißen, dass ich den Text schlecht finde; es ist nur nicht das, was man unter dem Begriff Kurzgeschichte erwartet. Ansonsten jetzt aber nur ein paar kurze Gedanken dazu.

    Zunächst einmal mag ich, wie auch hier einfach so eine alltägliche Szene aufgefangen wurde. Je kürzer man wird, desto schwieriger ist es irgendwann auch, das Bild noch so zu vermitteln, wie man es eigentlich im Kopf hat, das ist dir aber gut gelungen! Insbesondere die letzte Beschreibung, also das Verschmelzen mit "dem weißen Meer" sticht wirklich positiv heraus. Worauf du beim nächsten Mal noch etwas achten könntest, ist dass sich trotz der Kürze einige Begriffe doppeln; so ist beispielsweise zwei Mal von Stühlen die Rede und auch "klein" verwendest du zwei Mal zur Beschreibung. Sind aber nur Kleinigkeiten. :)


    Beide Werke haben mir wirklich gut gefallen, gerne mehr davon! Ohh, und Willkommen im FF-Bereich natürlich! :)

    Au revoir!

  • Ein etwas einheitlicheres Metrum und vielleicht doch der ein oder andere Reim wären bei einem so kurzen Gedicht vielleicht eine Überlegung wert

    Bei dem Metrum kann ich dir zustimmen, weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Irgendwie lässt es sich trotz total willkürlicher Betonungsreihenfolge in meinem Kopf aber trotzdem flüssig lesen und hat dadurch irgendwie einen besonderen Charakter für mich. Was die Reime angeht, weiß ich gar nicht wo ich stehe. Ob der Reim den Inhalt nicht etwas hintenanstellen würde, wenn das Gedicht so kurz ist, kann ich mir in diesem Fall irgendwie schlecht vorstellen, aber vielleicht würde es ja wirklich besser passen.


    Gleich mal vorweg: Den Begriff "Kurzgeschichte" finde ich doch etwas gewagt, weil damit im Deutschen ja doch eigentlich eher ein recht klar definiertes Genre gemeint ist, haha.

    Und ich hab mich beim Schreiben der Geschichte sogar an die Merkmale des Genres gewagt, du darfst mir also gerne weitere Details zu der Vermutung geben. Vielleicht kennst du ja sogar die viel kürzere Kurzgeschichte von Ernest Hemingway:

    For sale: baby shoes, never worn.

    Also an der Länge scheitert es meiner Meinung nach nicht.


    Worauf du beim nächsten Mal noch etwas achten könntest, ist dass sich trotz der Kürze einige Begriffe doppeln; so ist beispielsweise zwei Mal von Stühlen die Rede und auch "klein" verwendest du zwei Mal zur Beschreibung.

    Das stimmt, danke für den Hinweis. Eventuell werde ich das noch überarbeiten, wenn ich eine bessere Möglichkeit finde.


    Gruß,

    Tide

  • Neu!


    Prosa: Reizüberflutung
    Ich liege da, im Warmen. Es ist völlig lautlos um mich herum und ohne einen Moment ans Nachdenken zu verlieren, laufe ich dem Horizont entgegen. Ich spüre eine Veränderung, ein Kribbeln verbreitet sich in meinem Körper. Ich versuche einen weiteren Atemzug zu nehmen. Doch es geht nicht. Mein Körper wird schwerer und ich sinke herab. Eine ruhige Panik macht sich bemerkbar.
    Ich öffne meine Augen. Es ist schwarz.


  • Neu!

    Gedicht: Wie es ist zu schweben
    Ein weiterer Atemzug.
    Meine Lungen, voll von nichts.
    Ich schwebe in Gedanken
    Und mein Kopf denkt nur an dich.

    Schweb' vorbei an weißen Zwergen,
    Ziemlich weit entfernt von dir.
    Weiß nicht: Was soll ich noch denken?
    Spiel' für mich doch am Klavier.

    Hab die Melodie im Kopf,
    Werd' von keinem Lärm gestört.
    Wieso bist du nicht bei mir?
    Wieso hab' ich nichts gehört?

    Und der nächste Atemzug.
    Meine Lungen machen dicht.
    Und ich blicke tief ins Licht.
    Wieso spüre ich es nicht?

    Wieso macht es keinen Sinn?
    Warum weiß ich nicht wohin?
    Warum schweb' ich nur umher?
    Warum sehe ich nicht mehr?

    Doch jetzt fang' ich an zu spüren.
    Um mein Herz wird mir ganz warm.
    Und ich denke nur an dich.
    Mein letzter Herzschlag ist getan.

    Ja, jetzt bin ich gar nicht mehr.
    Nein, ich wusste nicht woher
    Ich all die Kräfte nehmen sollte
    Dich noch einmal anzusehen...



    Postskriptum: Außerdem folgt gerade noch eine Überarbeitung meines Startbeitrags! :blush:


    /e: Kurzgeschichte: Winter hat eben in Folge dieser Aktion eine Überarbeitung erhalten.

  • Neu!

    Etwas experimenteller habe ich mich diesmal an eine kürzere Szene im Drehbuch-Format gewagt und irgendwie ist es was für mich ganz untypisches geworden, irgendwie sogar ein bisschen witzig.


    Drehbuch: Einmal vegetarischen Auflauf, bitte
    Milan: Klara, du müsstest es doch am besten wissen. Ohne sie läuft in meinem Leben nichts mehr, absolut nichts. Ich weiß nicht mal, ob ich es dann noch Leben nennen würde.
    Klara: Aber du willst mir jetzt nicht weismachen, dass sie dir wichtiger ist als ich, oder?
    Milan: Nein, niemals. Ich doch nicht. Es ist nur so... weißt du... Ich glaube es ist eine Art Sucht, eine Abhängigkeit.
    Klara: Und weil du von ihr abhängig bist, soll ich mir jetzt unseren gemeinsamen Abend zerstören lassen?
    Milan den Rücken zu ihr drehend: Nein...
    Klara : Mein Schatz, ich stehe jetzt seit über einer Stunde in der Küche, um dir einen gesunden vegetarischen Auflauf zu kochen, der noch irgendwie essbar ist und du könntest mir mal etwas entgegenkommen und für diesen einen Abend auf deine blöde Tüte Gummibärchen verzichten.
    Milan: Aber...
    Klara unterbricht ihn: Und jetzt würde ich mich sehr freuen, wenn du schon mal den Tisch deckst.

    „Und wie hätte es anders sein können, Milan deckte den Tisch, wie gebeten, und versuchte den ganzen restlichen Abend ihr zuliebe kein einziges Wort mehr über seine tägliche Tüte Colafläschen zu verlieren.“
  • Tidy

    Hat den Titel des Themas von „Kurz und schmerzlos“ zu „Kurz und scherzlos“ geändert.
  • Neu!

    Drabble: Versteckspiel
    Versteckend hinter Bäumen und hoffend nicht gefunden zu werden. Solche Momente stelle ich mir gerne vor, wenn ich an meine Kindheit zurückdenke. Aber was hat sich daran denn geändert? Was unterscheidet mich von meiner kleinen, kindlichen und unerfahrenen Version? Die Bäume. Ich sah lange Zeit den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich habe nicht gemerkt, dass ich selbst nur Teil eines Schauspiels war. Ich spielte mich selbst, ohne zu erkennen, wer ich wirklich bin. Ich habe mich versteckt vor der Realität, versteckt vor der Gemeinschaft und den anderen Menschen. Ich möchte gefunden werden, gefunden von den Menschen, die mich suchten.


    Werk #06 (Gedicht: Am Ende des Weges im Wald) aus dem letzten Wettbewerb wurde in die Sammlung übernommen.


    Achtung: Ich habe begonnen meine favorisierten Texte mit Bändern zu kennzeichnen, mehr dazu im Startbeitrag.

  • Thrawn

    Hat das Label Sammlung hinzugefügt
  • Neu!


    Kurzgeschichte: Rot wie ein überteuerter Mac-Lippenstift



    Mit meiner letzten Abgabe für den #03-Wettbewerb letzten Jahres würde ich hiermit gerne die Neueröffnung meiner Sammlung starten. Ich hoffe in nächster Zeit kommen wieder ein paar schöne Texte dazu. Lasst gerne einen Kommentar da!

  • Neu!

    (abstraktes) Gedicht: In einer Nacht
    In einer Nacht können sich Welten verschieben, wie Steine zum Sand.
    Und meine Perspektive schwebt von innen nach außen,
    von der Mitte zum Rand, wie ein Schloss aus Wolken.

    Und auch wenn wir das nicht wollten,
    so glitten unsere Ansichten aneinander vorbei
    wie zwei Kometen im Nichts der Zeit.
    Und kein Ort fühlt sich mehr an, als wäre er geborgen
    oder sicherer als die Zuflucht im Nirgendwo.

    Und irgendwo fang ich an zu suchen,
    nach einem Raum voll Licht, der mehr strahlt als ich.
    Ich suche nach einem Sinn, den ich fühlen will,
    in jeder Sekunde meiner Existenz.

    Ich möchte leben und irgendwann nicht mehr,
    Zufriedenheit über mich ergehen lassen müssen
    und Unglücklichkeit genießen.
    Ich will Steine gießen, Pflanzen werfen und mich selbst nie verlieren.

    In einer Nacht, die viel mehr sein kann als das,
    sei die Unendlichkeit nur ein Tropfen auf das Heiß.
    In dieser Nacht ist der Abschied viel mehr als es heißt ein Abschied zu sein.
    Und kein Abschied wäre ein Leben ohne Tag.


    Ich hatte lange, lange Zeit eine Inspirations- und Schreibblockade. Mit diesem zugegebenermaßen sehr abstrakten Gedicht melde ich mich aber mal zurück und hoffe, dass es vielleicht den ein oder anderen irgendwie berührt, so wie es mich beim Schreiben und Lesen berührt.


    Es ist meiner Meinung nach kein technisch herausragendes Gedicht, aber hinter der Abstraktheit verstecken sich so viele meiner Gefühle und ich denke, dass es deshalb auch hier seine Daseinsberechtigung hat.


    Liebe Grüße und hoffentlich bis zum nächsten Werk!

    Tide

  • Hallo, Tidy!

    Ich finde dein Gedicht sehr schön, vor allem wenn du schreibst, dass es ein sehr persönliches Gedicht ist. Es scheint mir auch nicht ein bestimmtes Thema zu haben, sondern es gleitet mehr so vor sich hin.

    Die erste Strophe beschreibt, wie man manchmal vom Mittelpunkt wegkommt, von da, wo es laut ist, wo die Musik spielt, wo viele Menschen sind, wo sich der Alltag abspielt, wo man viel Zeit verbringt. Aber in der Nacht kommt das Ich dazu, seine Perspektive auch mal auf etwas anderes zu richten, weg von sich selbst und weiter hinaus.

    In der zweiten Strophe kommt eine zweite Person ins Spiel, die ebenfalls "im Nichts der Zeit" unterwegs ist, aber die beiden begegnen sich nicht. Es ist dort so weitläufig, dass man sich geborgen fühlt in der Isolation, in die man fliehen kann. Das beziehe ich einfach mal auf den "Rand" aus Strophe 1, denn es passt gut zusammen. In der Mitte hätte das Ich Gelegenheit, vielen Menschen zu begegnen, aber es möchte sich davon distanzieren, flieht an den Rand und hofft, dort auf niemanden zu treffen, auch nicht auf das Du, das ebenfalls von der Mitte wegstrebt. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich mit dieser zweiten Person anfangen soll, weil sie danach nicht mehr vorkommt. Ist es vielleicht der Leser, der seine Gedanken ebenfalls schweifen lässt?

    Strophe 3 klingt sehr mystisch, das Ich merkt, dass es nicht vollkommen ist, und sucht etwas, das vollkommener ist, einen "Raum voll Licht, der mehr strahlt als ich".

    Die nächste Strophe mag ich sehr, auch wenn ich etwas verwirrt war, als ich das Komma am Ende der ersten Zeile nicht gleich entdeckt habe. Ein unbeschwertes Leben, mit Albernheiten ("Steine gießen, Pflanzen werfen") wird hier beschrieben. "Zufriedenheit über mich ergehen lassen müssen" ist eine tolle Formulierung, ich denke an einen Schwall kühles Wasser, der erfrischt. Und irgendwann ist das Leben eben vorbei, und das ist dann auch okay, man braucht keine Angst davor zu haben.

    Das Gedicht endet, indem es noch mal auf das Motiv mit der Nacht zurückkommt. In der Nacht sind all diese Gedanken entstanden, das Ich hat sich von der Mitte distanziert, war auf Sinnsuche und hat sich dann mit dem unbeschwerten Leben abgefunden. Sogar die Unendlichkeit ist dagegen "nur ein Tropfen auf das Heiß". Aber nun muss es sich davon verabschieden, kehrt wieder ins Leben zurück, in den Tag, in die Mitte. Die letzte Zeile ist übrigens toll, mein Lieblingszitat aus dem Gedicht.


    Du schreibst selbst, dass das Gedicht technisch ein paar Macken hat, und weil mir das beim Lesen unabhängig davon ebenfalls aufgefallen ist, schreibe ich noch ein paar Worte dazu. Zuerst fiel mir auf, dass die Form sehr frei ist und scheinbar keine wirkliche Bedeutung hat. Es gibt keine Reime und die Zeilen und die Strophen sind unterschiedlich lang, ohne dass sich mir ein System dahinter erschließt. Aber das ist völlig in Ordnung und mir lieber als irgendwelche kryptischen Hintergedanken. Bei einigen der Metaphern bin ich mir aber doch unsicher, wie ich sie zu verstehen habe.

    In einer Nacht können sich Welten verschieben, wie Steine zum Sand.

    An was ich dabei denken musste, ist, dass Steine zu Sand zerrieben werden. Ähnlich könnte es mit den Welten sein, die zunächst groß und wichtig sind für das Ich und sein Leben, aber dann, über einen längeren oder einen kürzeren Zeitraum hinweg, klein und unbedeutend werden, so dass sie gar keine Rolle mehr spielen und etwas anderes an ihre Stelle tritt (oder auch nichts? Ein Vakuum entsteht?). Dass sich Steine zum Sand verschieben, bleibt für mich aber unverständlich. Wie können sich denn Steine von selbst verschieben, und warum ausgerechnet zum Sand. In die Wüste? And den Strand?

    von der Mitte zum Rand, wie ein Schloss aus Wolken.

    Hier bin ich mir auch nicht sicher, ob das Schloss aus Wolken besteht (aber warum ist das ein Vergleich zu "von der Mitte zum Rand") oder ob sich das Schloss aus den Wolken hinausbewegt. Eigentlich sind Wolken doch der Ort von Phantasien, Unerklärlichem und Träumen, wo man die Gedanken schweifen lässt. Entsprechend passt es ja eigentlich zum Thema, aber der Vergleich ist merkwürdig.


    Ein paar der Formulierungen habe ich ja oben schon hervorgehoben, die ich richtig klasse fand, andere fand ich dagegen eher fragwürdig, undurchsichtig und nicht ganz ausgereift.

    Aber du hast mir Gelegenheit zum Nachdenken gegeben, und dafür bedanke ich mich recht herzlich!

  • Hallo Mandelev ,


    nun die versprochene Antwort!


    Grundsätzlich erstmal: Das Gedicht war auch nicht dazu bestimmt wirklich eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Dafür ist es viel zu frei geschrieben. Viel mehr habe ich darin einige Gefühle (und ich hatte tatsächlich eine Geschichte im Kopf, die mich inspiriert hat) zum Ausdruck gebracht. Beim Lesen des Gedichts soll man im besten Fall einfach ein bisschen vor sich hin lesen und das gedankliche Kino genießen.

    Da du schon sehr detailliert auf deine Interpretation des Inhalts eingegangen bist, will ich soweit mir das möglich ist, ohne euch meine tiefsten Gedanken mitzuteilen, versuchen den Inhalt etwas zu erklären.

    Zum Technik-Aspekt: Innerhalb der Verse gibt es wirklich gar kein System. Das Gedicht gehört wohl eher gesprochen und ich habe versucht die Verse irgendwie so zu gestalten, dass der Sprechfluss dementsprechend nachvollziehbar bliebe. Reime sind zwar auch vorhanden, aber eher versteckt bzw. beziehen sich auch viele Wörter aufeinander und stehen teils in antithetischen Beziehungen zueinander.


    Warum das Gedicht allgemein so frei und wirr scheint: Meine Persönlichkeit ist total paradox und teilweise auch verwirrend, dementsprechend beschreibt mich diese wirre und systemlose Struktur ziemlich treffend.








    Ich hoffe, das macht das Gedicht etwas transparenter. Das ist auch nur eine meiner vielen Interpretationen des Gedichts. Inspiration waren unter Anderem zwei meiner Lieblingsfilme und teils auch Ereignisse aus meiner eigenen Vergangenheit.


    Liebe Grüße

    Tide