Die Jugend von Heute

  • Okay, bitte keine Überinterpretation. Ich hatte nie gesagt, dass ich Ohrfeigen bekommen habe. Und wie streng es bei mir abging weißt du auch nicht.


    Ich pack den Rest mal in den Spoiler damit der Thread hier nicht von der eigenen Thematik abschweift.


  • Ich meinte nicht, dass du welche bekommen hättest. ^^"

    Viele Leute reden sich Ereignisse und zumindest Teile ihrer Erziehung schön, einfach weil Erinnerungen mit dem Alter immer verzehrter werden und man sich einreden möchte, dass dieses und jenes eh gut gewesen wäre oder einem nichts ausgemacht hätte. Da muss man eben auch seine eigenen Erinnerungen objektiver analysieren. Sonst überträgt man das auf andere, in dem Fall die heutigen Kinder, die sich im Großen und Ganzen nicht anders benehmen als die Kinder vor Jahrzehnten.


    Sunaki

    Ja, ich weiß, kann man aber beides verwenden. Hab ich schon einige Male gehört. ^^" Dialekt wird auch örtlich sehr unterschiedlich verwendet.

  • in dem Fall die heutigen Kinder, die sich im Großen und Ganzen nicht anders benehmen als die Kinder vor Jahrzehnten.

    Moment mal, da muss ich einfach dazwischengrätschen. Du behauptest allen Ernstes, dass die Kinder von früher noch vergleichbar mit denen von heute sind? Dann lass mich dir mal eine kleine Geschichte erzählen: Ich bin vor einiger Zeit durch die Stadt gelaufen, als mir ein vllt. 14-Jähriger entgegenkam, der eine alte Dame (so um die 75) als "hässliche Fotze" (sorry für den Ausdruck, ist nur ein Zitat) bezeichnet hat. Ohne Grund. Keine Ahnung, was mit diesem Arschloch (dafür entschuldige ich mich nicht) los war, auch mich ist er angegangen und hat gesagt, ich soll nicht so blöd glotzen, obwohl ich ihn (mit Absicht) nicht mal angesehen habe (denn solche Idioten bekommen von mir keine Aufmerksamkeit). Und das ist nur EIN Bespiel. Nein, ich kann wahrhaftig nicht behaupten, dass die Kinder von früher genau so schlimm waren wie die von heute. Und komm mir jetzt nicht mit "Einzelfall", es ist kein Geheimnis, dass solche Fälle zunehmen (und oftmals nicht nur bei verbalen Attacken bleiben).

    Wie oft steht man im Bus oder der Bahn und alle starren BEWUSST auf ihre Bildschirme, um nicht aufstehen zu müssen? Ich könnte jedes Mal kotzen.

    Ein anderes Beispiel, das aufzeigt, wie sich diese Dinge verändern werden und schon haben, sind kleine Kinder, die sofort anfangen zu flennen, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Heute ist es schlimmer als früher, da bin ich einfach der Meinung, Eltern sind zu nachgiebig und schieben ihren Kindern regelrecht alles in den Arsch. Und wenn sie einmal ihren Willen nicht kriegen, randalieren sie. Ich könnte dir 1000 Beispiele nennen, bei denen ich es schon erlebt habe (und fast täglich erleben darf, da meine Nachbarn solche Bälger haben).

    Sowas macht mich einfach wahnsinnig, wenn man solche respektlosen und verwöhnten Kids noch in Schutz nimmt.

  • Ich stimme zwar zu, dass schon immer die "vorherige" Generation über die aktuelle Jugend gesagt hat, dass die "Jugend von Heute" viel schlimmer ist als man selbst.

    Dennoch stellen viele Personen, einschließlich mir, fest, dass es einen klaren Wandel/Unterschied zwischen bspw "meiner" Generation als auch der Generation, die "nach mir" gekommen ist.
    Das beste Beispiel kann ich dabei von meiner ehemaligen Grundschullehrerin erzählen, die immer noch unterrichtet. Sie selbst hat die Erfahrung gemacht, dass die Kinder "heutzutage" nicht mehr viel Respekt besitzen, sowohl älteren Schülern als auch Lehrern gegenüber.

    Ich selbst hab auch in der 10. Klasse (vor knapp 4-5 Jahren) die Erfahrung gemacht, dass die "aktuellen" 5.-Klässler sich immer mehr gegen die Klassen der Oberstufen "aufmucken". Und wir waren keine Haupt- oder "Volksschule", sondern eine Realschule und Gymnasium.

    "Zu meiner Zeit" hatten wir noch "Angst" vor den Oberstüflern, einmal natürlich weil sie deutlich älter waren als wir selbst, und auch weil sie deutlich größer waren.
    Dieser "Respekt" ist einfach verschwunden. Nicht selten sind die 5.-Klässler auf uns 10.-Klässler "losgegangen", haben uns getreten und geschubst, und wenn wir sie nur von uns weggeschubst haben, sind sie schreiend zu den Lehrern gelaufen und behauptet, die "großen 10.-Klässler würden die armen 5.-Klässler schikanieren".

    Ist wirklich so passiert


    Woran das nun liegt, kann ich nicht zu 100% sagen, ich kann nur mutmaßen, dass es einerseits eine Mischung aus der heutigen Internetkultur und den dortigen "Vorbildern" liegt (Leon Machere, ApoRed, etc), andererseits zu einem großen Teil daran, dass viele Eltern sich nicht mehr die Zeit nehmen können/wollen, ihre Kinder zu erziehen.
    Im Spiegel von vor 4 Jahren wurde mal erörtert, dass viele Eltern ihre Kariere/Job über die Familie setzen und dementsprechend weniger Zeit/Nerven haben, weswegen so "Dauerbeschäftigungen" wie Smartphones und dortige Spiele sehr willkommen sind

  • in dem Fall die heutigen Kinder, die sich im Großen und Ganzen nicht anders benehmen als die Kinder vor Jahrzehnten.

    Moment mal, da muss ich einfach dazwischengrätschen. Du behauptest allen Ernstes, dass die Kinder von früher noch vergleichbar mit denen von heute sind? Dann lass mich dir mal eine kleine Geschichte erzählen: Ich bin vor einiger Zeit durch die Stadt gelaufen, als mir ein vllt. 14-Jähriger entgegenkam, der eine alte Dame (so um die 75) als "hässliche Fotze" (sorry für den Ausdruck, ist nur ein Zitat) bezeichnet hat. Ohne Grund. Keine Ahnung, was mit diesem Arschloch (dafür entschuldige ich mich nicht) los war, auch mich ist er angegangen und hat gesagt, ich soll nicht so blöd glotzen, obwohl ich ihn (mit Absicht) nicht mal angesehen habe (denn solche Idioten bekommen von mir keine Aufmerksamkeit). Und das ist nur EIN Bespiel. Nein, ich kann wahrhaftig nicht behaupten, dass die Kinder von früher genau so schlimm waren wie die von heute. Und komm mir jetzt nicht mit "Einzelfall", es ist kein Geheimnis, dass solche Fälle zunehmen (und oftmals nicht nur bei verbalen Attacken bleiben).

    Wie oft steht man im Bus oder der Bahn und alle starren BEWUSST auf ihre Bildschirme, um nicht aufstehen zu müssen? Ich könnte jedes Mal kotzen.

    Ein anderes Beispiel, das aufzeigt, wie sich diese Dinge verändern werden und schon haben, sind kleine Kinder, die sofort anfangen zu flennen, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Heute ist es schlimmer als früher, da bin ich einfach der Meinung, Eltern sind zu nachgiebig und schieben ihren Kindern regelrecht alles in den Arsch. Und wenn sie einmal ihren Willen nicht kriegen, randalieren sie. Ich könnte dir 1000 Beispiele nennen, bei denen ich es schon erlebt habe (und fast täglich erleben darf, da meine Nachbarn solche Bälger haben).

    Sowas macht mich einfach wahnsinnig, wenn man solche respektlosen und verwöhnten Kids noch in Schutz nimmt.

    Ja, das behaupte ich ernsthaft. Wenn solche Dinge passieren, hab ich auch immer gedacht "die erlauben sich immer mehr", aber glaubst du wirklich, es gab früher nur absolute Einzelfälle von rotzigen Kindern? Die andere Frage ist doch, wieso sich Erwachsene das gefallen lassen und so jemandem nichts entgegnen?

    Und tritt das wirklich so häufig auf? Mir fällt sowas auch heute eher als Einzelfall ein. Mir fallen sogar viel Erlebnisse mit total unhöflichen und einfach nur arschlochigen, ältere Leute ein, die sich entitled fühlen mit jedem Jüngeren so umzugehen, wie sie es ihnen gerade in den Kram passt. Der Respekt vor'm Alter existiert nicht, wenn diese Menschen keinen Grundrespekt vor anderen aufbringen können. Dieses Mindset hat sich glücklicherweise schon seit langem geändert.


    Und wie viele Erwachsene tun dasselbe? Viele denken sich "soll doch der andere aufstehen" und ehrlich, weißt du von einmal hinsehen, wie es anderen geht, in dem Fall, wie es dem Kind oder Teenie gerade geht? Ich bin eigentlich immer schon oft für ältere Leute aufgestanden, aber wenn ich erstmal angefaucht wurde und manchmal eben auch nicht, wenn ich etwa starke Regelschmerzen hatte. Gerade dann wurde ich damals von einer Mittdreißigerin angefaucht, dass ich doch aufstehen könnte, obwohl ich mich vor Schmerzen hätte krümmen und heulen können. Wollte ich in Ruhe erklären, war die beinahe hysterisch geworden. Auch mit 30 ist man keine Oma und könnte es ja selbst tun, wenn man schon andere anschreit, nicht?


    Mir hat schon ein alter Greis den Gehstock von hinten ins Kreuz gestoßen. Man könnte ja fragen, aber nein, man wird gleich gewalttätig lol Ich hatte eben zu Schulzeiten die Angewohnheit mich mit Kopfhörer zuzustöpseln und auf mein Handy zu sehen, während ich zur Schule fahren. Wenn jemand nicht sofort reagiert, kann man denjenigen, auchmal normal an der Schulter berühren. Haben ein paar andere, ältere Leute, die ich nicht sofort gesehen haben, auch geschafft gehabt. Spoiler: Nein, ich bin dann nicht aufgestanden, weil sich junge Menschen, egal ob sie 10, 15 oder 25 sind, auch nicht alles bieten lassen.


    Noch ein Spoiler mehr: Es ist auchmal keiner in einer Bahn aufgestanden, in der ein alter Typ erstmal einen schwarzen Jungen rassistisch angegangen ist und dann noch den Nerv hatte sich über "die Jugend" aufzuregen, die "zurückredet" und dann "steht keiner auf für mich, obwohl ich mit dem Gehstock dastehe und mich kaum noch halten kann".

    War letztens auch so, als ich die Rede einer Karen unterbrochen und sie zur Rede gestellt habe, die sich irrsinnig laut über spielende, ausländische Kinder ausließ. Sowas ist mir tatsächlich öfter passiert, als dass ich Kinder und Halbstarke gesehen habe, die Fremde aus dem Nichts beschimpfen.


    Und willst du erzählen, dass du immer engelsgleich als Kind warst und nie Wut- und Weinanfälle hattest, oder alle anderen aus deinem Jahrgang?

    Und stell dir vor, ich kenne schon Söhne und Töchter von viel wohabenderen Familien, die auch einfach mal alles bekommen haben, was sie wollten. Auch zu ihrer Matura einfach mal so ein sehr schönes Auto und die Miete einer Wohnung. Die sind vollkommen normale Menschen.

    Auch wenn es nicht so große Werte sind, hab ich auch immer wieder einfach zwischendurch Geschenke von meiner Mom bekommen, eben "Kleineres".

    Ich sehe nicht, wie es überhaupt und andauernd Fremde etwas anzugehen scheint, was andere Menschen mit ihrem Geld machen?


    Dann macht es dich halt wahnsinnig, wenn dich jemand aus deiner Bias reißt. :unsure:

  • Muss da immer an die Geschichten meiner Eltern und Tanten/Onkel denken. Da hört man öfters auch, wie die jungen Leute schlechter erzogen sind, aber in lockerer Runde, wenn dann über die eigene Kindheit gesprochen wird … Manchmal fragte man sich, wie aus ihnen überhaupt vernünftige Erwachsene geworden sind. Mehr als nur frech, teilweise kriminell und alles wurde eher als "Kinderei" gesehen, obwohl es aus meiner Sicht einfach nicht in Ordnung ist.

    Bei Gesprächen zu dem Thema merkt man einfach ganz oft, wie schwierig es ist als Mensch, der seine Jugend hinter sich hat, den Wandel der Zeit richtig einzuordnen. Kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede werden als "alles geht den Bach unter" gesehen, dabei kann es einfach sein, dass ein völlig legitimer, aber anderer Blickwinkel auf vieles herrscht. Mein Vater musste seine Eltern noch siezen, das war Respekt. Heute wird man dich etwas beäugeln, wenn du das von deinen Kleinkindern verlangst und sagen, dass das etwas kalt oder distanziert ist.


    Kann aus meinen Erfahrungen nicht bestätigen, dass es vor 20 Jahren, und von den Erfahrungen meiner Eltern/Verwandten, dass es vor 50 Jahren nicht genau solche Jugendliche gab. Tatsächlich empfinde ich die heutige Generation insgesamt als sensibler und aufgeklärter. Aber vielleicht ist das auch der Grund, wieso sie aufmüpfiger sind/wirken?

  • Bei Gesprächen zu dem Thema merkt man einfach ganz oft, wie schwierig es ist als Mensch, der seine Jugend hinter sich hat, den Wandel der Zeit richtig einzuordnen. Kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede werden als "alles geht den Bach unter" gesehen, dabei kann es einfach sein, dass ein völlig legitimer, aber anderer Blickwinkel auf vieles herrscht.

    Ich kann das zum Teil bestätigen. Ich hab die Woche schockiert festgestellt, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann, was ich im Alter von 8-9 Jahren in meiner Freizeit gemacht hatte.


    Dennoch ist dieser "Wandel" nicht eingebildet, wie ich finde.

    Wenn mir im Alter von 17 mit vielen gleichaltrigen und Lehrern auffällt, dass sich die zehnjährigen deutlich respektloser verhalten (wie von mir beschrieben) dann ist das meiner Meinung nach nicht einfach damit begründet, dass das zum "normalen" Generationwechsel gehört

  • Cassandra


    Ich glaub auch, dass dieses idyllische Bild der unglaublich glücklichen Kindheit und Jugend fest in den Köpfen der Leute drinnen ist, die da schon lange raus sind. Viel Freude, viel Freizeit, Schule ist auch ein Spaziegang und Familie ist bis auf KLEINIGKEITEN immer happy... ach ne, stimmt ja gar nicht. So viel Erfahrung, wie ich in meiner eigenen Schulzeit und in der Arbeit mit Kindern gemacht habe und da ich die Zahlen und Fakten so kenne, frage ich mich, WER diese unglaubliche glückliche Kindheit und Jugend überhaupt haben soll? Wo gibt es die bitte zu kaufen?

    Jedes Kind und jeder Teenie, den ich bisher kannte, hatte mit seinen eigenen, größeren Probleme zu kämpfen.

    Deswegen frag ich ja: Haben diese Leute wirklich eine Bilderbuchkindheit erlebt oder bilden sie sich später ein, man hätte es sehr viel leichter als Kind oder Jugendlicher?


    Auch Schule ist sehr anstrengend, aber das vergessen viele, sobald sie aus den Türen draußen sind.

    Dann sieht man in Kindern plötzlich Minimenschen, die man unglaublich beneidet, weil sie es sooo leicht und sooo "gut" hätten. In Wahrheit ist man geistig total erschöpft, wenn man zwischen vier bis halbacht Schule hat und funktioniert nicht wie ein Roboter, der alles in der Umgebung sofort aufnimmt. Oder man hat Stress in der Schule oder Familie (bishin zu sehr großen Problemen) oder man ist in der Früh nervös vor der Schularbeit ...

    Und ehrlich, viele Menschen tun sich halt auch selbst oft gerne leid, und bilden sich gerne mal ein, andere hätten es so viel "besser" als sie.

    Das bezieht sich ja natürlich nicht nur auf Kinder und Teenager, manche Leute fühlen sich gerne als Einziger, der gerade nach der Arbeit erschöpft ist, sich nicht wohlfühlt, krank ist, Probleme hat, etc...


    Was mich letztens entsetzt hat war von Mittzwanzigern- Mittdreißigern zu lesen: "Lol, 12jährige Kinder, die Selbstmord begehen. Hat ihnen jemand das Eis geklaut?" Das ist einfach nur komplette Ignoranz und das auf der widerlichsten Stufe.


    Zitat von Cassandra

    Kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede werden als "alles geht den Bach unter" gesehen, dabei kann es einfach sein, dass ein völlig legitimer, aber anderer Blickwinkel auf vieles herrscht. Mein Vater musste seine Eltern noch siezen, das war Respekt. Heute wird man dich etwas beäugeln, wenn du das von deinen Kleinkindern verlangst und sagen, dass das etwas kalt oder distanziert ist.


    Kann aus meinen Erfahrungen nicht bestätigen, dass es vor 20 Jahren, und von den Erfahrungen meiner Eltern/Verwandten, dass es vor 50 Jahren nicht genau solche Jugendliche gab. Tatsächlich empfinde ich die heutige Generation insgesamt als sensibler und aufgeklärter. Aber vielleicht ist das auch der Grund, wieso sie aufmüpfiger sind/wirken?

    Das natürlich auch.

  • Die andere Frage ist doch, wieso sich Erwachsene das gefallen lassen und so jemandem nichts entgegnen?

    Vielleicht, weil sie Angst haben, sofort eine auf's Maul zu kriegen, wenn sie den Mund aufmachen?

    Und tritt das wirklich so häufig auf? Mir fällt sowas auch heute eher als Einzelfall ein.

    Vielleicht ist es in Österreich anders? Mir ist auch schon aufgefallen, dass es in anderen Ländern (in denen ich auch schon war) noch deutlich gesitteter zugeht.

    Und willst du erzählen, dass du immer engelsgleich als Kind warst und nie Wut- und Weinanfälle hattest, oder alle anderen aus deinem Jahrgang?

    Ja. Bei den anderen habe ich mir auch damals schon die Frage gestellt, was das jetzt soll.

    Es ist auchmal keiner in einer Bahn aufgestanden, in der ein alter Typ erstmal einen schwarzen Jungen rassistisch angegangen ist und dann noch den Nerv hatte sich über "die Jugend" aufzuregen, die "zurückredet" und dann "steht keiner auf für mich, obwohl ich mit dem Gehstock dastehe und mich kaum noch halten kann".

    Eben. Die ältere Generation ist es von jeher gewohnt, dass die Jüngeren ihnen einen Platz anbieten, weil es früher selbstverständlich war. Ich denke auch nicht, dass die Herkunft oder Hautfarbe dabei eine Rolle gespielt hat (dem Herren aber wohl gerade nichts Besseres eingefallen ist).


    Respekt, wem Respekt gebührt, unabhängig vom Alter. Aber wenn ich einen alten Mann mit Gehstock sehe, kann er sich noch so arschig verhalten, ich mache ihm Platz, weil es der Anstand von mir verlangt. Da brauch ich nicht trotzig sein, weil mein Stolz vielleicht verletzt ist.

    Bei Gesprächen zu dem Thema merkt man einfach ganz oft, wie schwierig es ist als Mensch, der seine Jugend hinter sich hat, den Wandel der Zeit richtig einzuordnen. Kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede werden als "alles geht den Bach unter" gesehen, dabei kann es einfach sein, dass ein völlig legitimer, aber anderer Blickwinkel auf vieles herrscht.

    Das ist Quatsch. Es sei denn, du möchtest behaupten, dass Respekt heute halt nicht mehr als so wichtig gesehen wird. Dann könnte ich dir sogar zustimmen. Aber genau da liegt das Problem: wenn die Anzahl derer, die es einfach sein lassen, immer weiter sinkt, IST es irgendwann einfach nicht mehr wichtig, weil... "macht ja keiner mehr, warum sollte ich es dann?"

    Dabei will ich aber nochmal ausdrücklich betonen, dass ich nicht der Meinung bin, dass es immer mehr werden, die sich danebenbenehmen. Aber einfach die Extreme ist das, was mir Sorgen macht. (Das ist ja das, was ich sage: wenn du mit einer Beleidigung davonkommst, hast du noch Glück gehabt. Darauf kannst du dich heute nämlich nicht mehr verlassen.)

    Was mich letztens entsetzt hat war von Mittzwanzigern- Mittdreißigern zu lesen: "Lol, 12jährige Kinder, die Selbstmord begehen. Hat ihnen jemand das Eis geklaut?" Das ist einfach nur komplette Ignoranz und das auf der widerlichsten Stufe.

    Finde ich auch furchtbar. Weil ich glaube, gerade als junger Mensch kannst du das noch nicht richtig verkraften und siehst dich eher so, wie andere es dir einreden.

  • Nachtgestalt

    Zitat

    Vielleicht, weil sie Angst haben, sofort eine auf's Maul zu kriegen, wenn sie den Mund aufmachen?

    In seltenen Fällen vielleicht, aber doch nicht in allen?


    Zitat

    Vielleicht ist es in Österreich anders? Mir ist auch schon aufgefallen, dass es in anderen Ländern (in denen ich auch schon war) noch deutlich gesitteter zugeht.

    Das denk ich nicht, gibt auch hier genügend Jugendliche, die sich nicht benehmen können. Bloß gibt es genauso viele pöbelnde, ältere Leute, sodass ich da wirklich keinen Unterschied erkenne. Und auch wenn man sowas öfter im Jahr erlebt, so ist es nichts Alltägliches, weder von der einen oder anderen Seite.

    Btw gerade Kellner*Innen und andere Leute im Dienstleistungssektor sagen, dass Kinder bis junge Erwachsene viel freundlicher sind als Ältere. Ältere kommen oft rein "Ich bin's! Der Kunde ist König!" (Und König bedeutet dann Despot oder so...)


    Zitat

    Eben. Die ältere Generation ist es von jeher gewohnt, dass die Jüngeren ihnen einen Platz anbieten, weil es früher selbstverständlich war. Ich denke auch nicht, dass die Herkunft oder Hautfarbe dabei eine Rolle gespielt hat (dem Herren aber wohl gerade nichts Besseres eingefallen ist).


    Respekt, wem Respekt gebührt, unabhängig vom Alter. Aber wenn ich einen alten Mann mit Gehstock sehe, kann er sich noch so arschig verhalten, ich mache ihm Platz, weil es der Anstand von mir verlangt. Da brauch ich nicht trotzig sein, weil mein Stolz vielleicht verletzt ist.

    Ja doch, jeder hat seinen Stolz, egal wie alt er ist. Dann muss man "trotzig" sein, weil man sich in seinem Stolz verletzt fühlt.

    Er hat den Jungen noch in einer abwertenden Tonlage als Neger, "Negerbuam" oder was ähnlichem bezeichnet, ich weiß nicht mehr genau, und da spürte man genau, wie der Junge innerlich ganz klein wurde und ihm schlussendlich sogar den Platz anbieten wollte. Bis ihm andere, inkl. aber nicht alleinig mir, gesagt haben, dass er das nicht zu tun braucht, wenn er es nicht möchte.


    Zitat

    Ja. Bei den anderen habe ich mir auch damals schon die Frage gestellt, was das jetzt soll.

    Wenn das stimmt... haben sich alle anderen auch so gut benommen? Und oft zeigen sich Kinder ja vor anderen von der Schokoladenseite und daheim haben sie ihre Trotzanfälle - oder genau umgekehrt. xD


    Zitat

    Das ist Quatsch. Es sei denn, du möchtest behaupten, dass Respekt heute halt nicht mehr als so wichtig gesehen wird. Dann könnte ich dir sogar zustimmen. Aber genau da liegt das Problem: wenn die Anzahl derer, die es einfach sein lassen, immer weiter sinkt, IST es irgendwann einfach nicht mehr wichtig, weil... "macht ja keiner mehr, warum sollte ich es dann?"

    Dabei will ich aber nochmal ausdrücklich betonen, dass ich nicht der Meinung bin, dass es immer mehr werden, die sich danebenbenehmen. Aber einfach die Extreme ist das, was mir Sorgen macht. (Das ist ja das, was ich sage: wenn du mit einer Beleidigung davonkommst, hast du noch Glück gehabt. Darauf kannst du dich heute nämlich nicht mehr verlassen.)

    Ich will sogar behaupten, dass Respekt heute noch viel wichtiger ist als damals. Bloß nicht der Respekt, der eigentlich Angst und Unterwürfigkeit bedeutet und auch nicht der schleimige Respekt, der eigentlich bedeutet anderen ins Gesicht zu lachen, sich umzudrehen und dann das Maul zu zerreißen.

    Junge Leute unter 30 trauen sich (kommt mir so vor) bloß viel mehr den Mund aufzumachen und Respekt zu verwehren, wenn sie selbst erniedrigt wurden.


    Zitat

    Finde ich auch furchtbar. Weil ich glaube, gerade als junger Mensch kannst du das noch nicht richtig verkraften und siehst dich eher so, wie andere es dir einreden.

    Ja eben, aber viele Leute denken halt, die führen alle ein traumhaftes Leben. :/

  • In seltenen Fällen vielleicht, aber doch nicht in allen?

    Wie soll man das beurteilen, wenn man nicht weiß, wie viele tatsächlich aus Angst nichts sagen? Aber ich gehe einfach mal davon aus, sonst würde man es wohl deutlich öfter hören, aber viele halten dann eben lieber den Mund.

    Junge Leute unter 30 trauen sich (kommt mir so vor) bloß viel mehr den Mund aufzumachen und Respekt zu verwehren, wenn sie selbst erniedrigt wurden.

    Ich glaube, es kommt sowieso darauf an, ob du schon mal eine Frau oder ein Mann bist, ob du ein Kind oder schon älter bist etc. Wenn du so etwas schon einmal erlebt hast, wirst du es nur höchstwahrscheinlich kein 2. Mal versuchen. Ich widerspreche ja nicht, dass man seine Meinung sagen soll, wenn einem etwas nicht passt oder man sich wehren soll (und man als Jüngerer dann eben auch als "frech" oder sonstwie angegangen wird). Aber warum willst du dich gegen einen alten Mann von 70 Jahren wehren? Indem du das tust?

    Ja doch, jeder hat seinen Stolz, egal wie alt er ist. Dann muss man "trotzig" sein, weil man sich in seinem Stolz verletzt fühlt.

    Und damit leben kannst, wenn der Herr aufgrund deiner Trotzigkeit eventuell fällt, wenn die Bahn bremsen muss? Also ich könnte das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

    Das denk ich nicht, gibt auch hier genügend Jugendliche, die sich nicht benehmen können. Bloß gibt es genauso viele pöbelnde, ältere Leute, sodass ich da wirklich keinen Unterschied erkenne. Und auch wenn man sowas öfter im Jahr erlebt, so ist es nichts Alltägliches, weder von der einen oder anderen Seite.

    Ja, manche ältere Leute haben dann halt auch den Glauben an die Menschheit verloren. Gerade wenn sie den Respekt aus ihrer Zeit mit dem heutigen vergleichen müssen. Und überhaupt glaube ich, dass der Respekt, der sich auf Ältere bezieht nicht so ganz vergleichbar mit dem ist, den du Jüngeren entgegenbringst. Aber nur um nochmal auf das Beispiel zurückzukommen: einer Schwangeren würdest du doch auch den Sitzplatz anbieten, genau wie einem Älteren.

    Wenn ich den Respekt von früher mit dem heutigen vergleiche, sehe ich eindeutig mehr Gewalt.

    Ich will sogar behaupten, dass Respekt heute noch viel wichtiger ist als damals. Bloß nicht der Respekt, der eigentlich Angst und Unterwürfigkeit bedeutet und auch nicht der schleimige Respekt, der eigentlich bedeutet anderen ins Gesicht zu lachen, sich umzudrehen und dann das Maul zu zerreißen.

    Eben. Respekt soll man sich verdienen, aber nicht, indem du andere zusammenschlägst. Und das ist ja das, worauf ich hinaus will: damit musst du heutzutage leider öfter rechnen als früher.

    Wenn das stimmt... haben sich alle anderen auch so gut benommen? Und oft zeigen sich Kinder ja vor anderen von der Schokoladenseite und daheim haben sie ihre Trotzanfälle - oder genau umgekehrt. xD

    Ich will wirklich nicht behaupten, dass sich manche meiner Klassenkameraden damals vorbildlich verhalten haben. Da gab es natürlich auch welche, die den Bogen WEIT überspannt haben (was eben auch zu Gesprächen mit dem Direktor geführt hat). Aber sie haben mir kein bisschen leid getan, so sehr sie auch geheult haben. Verdient hatten sie es allemal, gerade weil sie sich so danebenbenommen haben. Nur dass sie gewalttätig geworden wären? Niemals.

    Kann aber auch daran gelegen haben, dass sie auf einer angesehenen Schule waren. Auf meinem Heimweg kam ich immer an einer Schule vorbei, wo es deutlich schlimmer war. Und selbst in der Grundschule gab es den ein oder anderen, der Wörter kannte, von denen wir zuvor noch nie gehört hatten. Aber auch das fand ich schon seltsam. Ausnahmen gibt und gab es schon immer.

    Nur wie gesagt beziehe ich mich darauf, dass die Gewalt zugenommen und der Respekt abgenommen hat. Aber nicht, dass es mehr oder weniger Leute geworden wären.


    Edit:

    Er hat den Jungen noch in einer abwertenden Tonlage als Neger, "Negerbuam" oder was ähnlichem bezeichnet, ich weiß nicht mehr genau

    Ich weiß ja nicht, wie alt der Mann war, aber es kann durchaus sein, dass er das Wort noch von früher kannte, wo es nicht wie heute als Schimpfwort gesehen wurde. "Neger" leitet sich eigentlich nur von "negro" ab, was "schwarz" oder "Schwarze/r" bedeutet und erst die Geschichte hat dafür gesorgt, dass es heute als das angesehen wird, was es ist.

  • Ich bin da etwas zwiegespalten. Das die Jugend immer gegen die älteren rebiliert haben ist ganz normal, genauso wie auch Generationskonflikte ganz normal sind. Aber denke auch das die Erziehung deutlich "freier" ist als damals, obwohl das kann man auch zu Beziehungen zwischen Angestellter und Arbeitgeber, Studenten und Profs, Lehrer und Schüler etc. sehen.


    Das es freche Kinder gibt den in meinen Augen den Arschvoll verdient haben stimme ich zu, aber das gab es auch schon zu damaliger Zeit. Mein Vater ist selber 61 Jahre alt und wurde damals als 10 Jähriger Grundschüler von anderen Schülern übelst gemobbt, erst als meine Oma etwas Druck in der Schule gemacht hat wurde es besser. Solche Sachen gab es schon damals zuhauf, blos hat das niemanden gekümmert und die Leute hat man einfach gesagt das sie sich nicht so anstellen sollen.


    Ich weiß ja nicht, wie alt der Mann war, aber es kann durchaus sein, dass er das Wort noch von früher kannte, wo es nicht wie heute als Schimpfwort gesehen wurde. "Neger" leitet sich eigentlich nur von "negro" ab, was "schwarz" oder "Schwarze/r" bedeutet und erst die Geschichte hat dafür gesorgt, dass es heute als das angesehen wird, was es ist.

    Weist du, es ist ein Unterschied ob jemand in einen neutralen Ton so etwas sagt weil er nicht weiß das soetwas eine Beleidigung ist, oder ob das wie Bastet schon geschrieben hat in einem verächtlichen Ton sagt. Ich kann da schon verstehen wenn dann Leute die Dunkelhäutig sind da sauer werden.

  • Und willst du erzählen, dass du immer engelsgleich als Kind warst und nie Wut- und Weinanfälle hattest, oder alle anderen aus deinem Jahrgang?

    Ja. Bei den anderen habe ich mir auch damals schon die Frage gestellt, was das jetzt soll.

    Dann kannst du dich offensichtlich nicht mehr dran erinnern. Jedes gesunde Kind macht die sogenannte Autonomiephase durch, früher auch Trotzphase genannt. Passenderweise zeigt die Umbenennung deutlich, wie sich die Wahrnehmung dieser Phase verändert hat. Früher haben Eltern und Erziehungsratgeber eben "Trotz" des Kindes wahrgenommen, sie interpretierten, die Kinder würden gegen die Eltern agieren und bewusst Dinge tun, um die Eltern zu ärgern. Heute weiß man, dass es dabei nicht um solchen Trotz geht, sondern um Erkennen des eigenen Willens. Während Erwachsene allerdings wissen, dass der eigene Wunsch, das eigene Begehren nicht jederzeit und überall das wichtigste auf der ganzen Welt ist, müssen Kinder das eben noch lernen. Dann werfen sie sich heulend auf den Boden und betteln. Wenn du den Eltern jetzt zum Vorwurf machst, dass sie in dieser Situation nachgeben, dann bist DU daran mitschuld. Weil es die Mitmenschen sind, die die Eltern böse anschauen, weil "sie ihr Kind nicht richtig erzogen haben", weil sie es sind, die Druck aufbauen, dass man diese Situation möglichst schnell und unauffällig lösen möge. Weil die Mitmenschen es sind, die nicht verstehen können, dass das Verhalten der Kinder kindgerecht ist. Die Mitmenschen zerreißen sich das Maul, obwohl sie einen minimalen Ausschnitt aus dem Leben von Eltern und Kind sehen. Das ist der Spießrutenlauf, den Eltern leider durchmachen müssen, weil in der Beziehung immer die andern eh alles besser wissen.

    Du behauptest allen Ernstes, dass die Kinder von früher noch vergleichbar mit denen von heute sind?

    SALADIN. Die Ringe! - Spiele nicht mit mir! - Ich dächte,

    Dass die Religionen, die ich dir

    Genannt, doch wohl zu unterscheiden wären.

    Bis auf die Kleidung; bis auf Speis und Trank!

    NATHAN. Und nur vonseiten ihrer Gründe nicht.


    Aus "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing, die Ringparabel.

    Was hier auf Religion bezogen wird, passt doch hervorragend auf "die Jugend". Natürlich unterscheiden sich Jugendliche von heute von denen von vor 20, 50, 100, 1000 Jahren. Aber eben vor allem in Äußerlichkeiten, denn ihr Wesen, die Rebellion, beklagte man schon vor Christi Geburt. Ich spar mir mal das übliche Zitat wiederzugeben.

    Dann lass mich dir mal eine kleine Geschichte erzählen: Ich bin vor einiger Zeit durch die Stadt gelaufen, als mir ein vllt. 14-Jähriger entgegenkam, der eine alte Dame (so um die 75) als "hässliche Fotze" (sorry für den Ausdruck, ist nur ein Zitat) bezeichnet hat. Ohne Grund.

    Ich kann es nur immer und immer wiederholen: Anekdoten sind Anekdoten sind Anekdoten sind Anekdoten. Ich habe vor einiger Zeit Jugendlich darüber diskutieren gehört, ob Angela Merkel die richtige Kanzlerin ist (ich glaube das war kurz vor der Bundestagswahl 2017), sollte ich daraus schließen, dass alle Jugendlichen viel politikinteressierter sind als "früher"? Natürlich nicht. Und so gibt es ständig diese "Wir sind verloren"-Anekdoten, weil fatalistische Fehlleistungen wiederzugeben Likes bringen, während "Die Jugend macht ganz normale Dinge, die Jugendliche so tun" das eben nicht tut.

    Wie oft steht man im Bus oder der Bahn und alle starren BEWUSST auf ihre Bildschirme, um nicht aufstehen zu müssen? Ich könnte jedes Mal kotzen.

    Willkommen in der Welt von Smartphones. Tatsächlich sagst du es: Alle tun es. Vom Jugendlichen bis zum alten Menschen, alle starren auf ihr Smartphone und hoffen, dass jemand anders aufsteht. Aber Die JugendTM, die müsste völlig anders handeln, als man es ihr vorlebt, is klar.

    Ein anderes Beispiel, das aufzeigt, wie sich diese Dinge verändern werden und schon haben, sind kleine Kinder, die sofort anfangen zu flennen, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen

    Wie ich oben schon erklärte, die Autonomiephase. Die Kinder müssen noch lernen, wie sie mit ihrem gewonnenen Willen umgehen müssen.

    Mir hat schon ein alter Greis den Gehstock von hinten ins Kreuz gestoßen. Man könnte ja fragen, aber nein, man wird gleich gewalttätig lol Ich hatte eben zu Schulzeiten die Angewohnheit mich mit Kopfhörer zuzustöpseln und auf mein Handy zu sehen, während ich zur Schule fahren. Wenn jemand nicht sofort reagiert, kann man denjenigen, auchmal normal an der Schulter berühren. Haben ein paar andere, ältere Leute, die ich nicht sofort gesehen haben, auch geschafft gehabt. Spoiler: Nein, ich bin dann nicht aufgestanden, weil sich junge Menschen, egal ob sie 10, 15 oder 25 sind, auch nicht alles bieten lassen.

    Habe ähnliches erlebt, und kenne inzwischen eine plausible Erklärung, die mich im Normalfall, wenn auch zähneknirschend aufstehen lässt: In der Erziehung wurde lange Zeit ein völlig irrationaler Respekt vor alten Menschen gepredigt. Es war völlig egal, ob sich die alte Person respektvoll verhielt, als jüngerer Mensch musste man respektvoll sein. Du hast ja selbst festgestellt:

    Ich will sogar behaupten, dass Respekt heute noch viel wichtiger ist als damals. Bloß nicht der Respekt, der eigentlich Angst und Unterwürfigkeit bedeutet und auch nicht der schleimige Respekt, der eigentlich bedeutet anderen ins Gesicht zu lachen, sich umzudrehen und dann das Maul zu zerreißen.

    Die Schwierigkeit ist nun: Diese alten Menschen kennen es leider nicht anders. Für diese Menschen ist dann unvorstellbar, dass ihnen, nachdem sie jahrzehntelang den Kopf einziehen mussten und nun endlich selbst alt sind, nun nicht völlig selbstverständlich mit Respekt begegnet wird, wie sie es gelernt haben. Da gab es so lang diese Spielregeln, an die man sich gehalten hat und nun sind die Regeln plötzlich anders. Das erklärt dann eben, dass alte Menschen völlig respektlos einfordern, was ihnen als selbstverständlich beigebracht wurde, während wir heutzutage viel stärker wahrnehmen, dass Respekt auf Gegenseitigkeit beruht. Entsprechend erwarten auch junge Menschen, dass man sie freundlich um den Sitzplatz bittet statt mit dem Behindertenausweis vorm Gesicht rumzufuchteln. Entsprechend würde ich in der hier geschilderten Situation:

    Respekt, wem Respekt gebührt, unabhängig vom Alter. Aber wenn ich einen alten Mann mit Gehstock sehe, kann er sich noch so arschig verhalten, ich mache ihm Platz, weil es der Anstand von mir verlangt. Da brauch ich nicht trotzig sein, weil mein Stolz vielleicht verletzt ist.

    wohl, vielleicht nicht direkt zustimmen, dennoch entsprechend handeln. Mir gefällt nicht, dass alte Menschen den von ihnen eingeforderten Respekt nicht aufbringen, da mir aber bewusst ist, dass sie es eben nicht anders kennen und kennen können, beuge ich mich und freue mich über einen jeden alten Menschen, der sich respektvoll verhält.

    Wenn ich den Respekt von früher mit dem heutigen vergleiche, sehe ich eindeutig mehr Gewalt.

    Das sehe ich nicht. Sieht man von Horrormeldungen, die es halt früher einfach nicht aus der Regionalpresse herausgeschafft hätten, ab, ist die Jugend unter normalen Umständen relativ friedlich. Alkoholisierte Jugendliche (und Erwachsene) waren noch nie besonders angenehm, aber das ist auch nichts, was neu ist.

    Respekt soll man sich verdienen

    Das ist so ein Satz, den ich einfach nicht teilen kann. Denn verdienen muss ihn sich nur, wer ihn vorher verloren hat, indem er respektlos aufgetreten ist. Wenn Menschen sich immer mit dem gleichen Respekt, den sie für sich einfordern, begegnen würden, müsste sich niemand Respekt verdienen.

  • QueFueMejor

    Jein, meistens steht man ja auf, ohne dass man darum gebeten wurde und fragt. Da man aber hinten nunmal keine Augen hat, tut man das nicht.

    Wenn du das so fortlebst, zeigst du doch nur allen anderen, dass das heute immer noch gilt und ehrlich, man muss bei einer bestimmten Behandlung nicht nachgeben. Die Begründung dafür ist erstmal irrelevant und genauso, ob die betroffene Person es selbst versteht.


    Zitat von Nachtgestalt

    Und damit leben kannst, wenn der Herr aufgrund deiner Trotzigkeit eventuell fällt, wenn die Bahn bremsen muss? Also ich könnte das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

    Und ich kann es nicht damit vereinbaren, wenn ein ~ 14jähriger hier lernt, dass es allgemein akzeptiert wird, wenn er so behandelt wird, als würde man eine Fliege verscheuchen wollen.


    Zitat von Nachtgestalt

    Ich weiß ja nicht, wie alt der Mann war, aber es kann durchaus sein, dass er das Wort noch von früher kannte, wo es nicht wie heute als Schimpfwort gesehen wurde. "Neger" leitet sich eigentlich nur von "negro" ab, was "schwarz" oder "Schwarze/r" bedeutet und erst die Geschichte hat dafür gesorgt, dass es heute als das angesehen wird, was es ist.

    Siehe oben.


    Zitat von Nachtgestalt

    Ja, manche ältere Leute haben dann halt auch den Glauben an die Menschheit verloren. Gerade wenn sie den Respekt aus ihrer Zeit mit dem heutigen vergleichen müssen. Und überhaupt glaube ich, dass der Respekt, der sich auf Ältere bezieht nicht so ganz vergleichbar mit dem ist, den du Jüngeren entgegenbringst.

    So wie sich manche benehmen, sind sie auch selbst der Grund dafür den Glauben an die Menschheit zu verlieren, zunindest für alle anderen. xD

    Vor allem ist das auch etwas, das man dahersagt und eigentlich keinen Sinn ergibt. Ist am Ende auch viel typische Verdrossenheit und Selbstmitleid dabei, die man schnell wieder loswird, wenn es mal etwas objektiver überdenkt.


    Zitat von QueFueMejor

    Willkommen in der Welt von Smartphones. Tatsächlich sagst du es: Alle tun es. Vom Jugendlichen bis zum alten Menschen, alle starren auf ihr Smartphone und hoffen, dass jemand anders aufsteht. Aber Die JugendTM, die müsste völlig anders handeln, als man es ihr vorlebt, is klar.

    Das Problem ist aber nicht das Smartphone: Viele Leute sind müde und gestresst, und wollen grundsätzlich zufriedengelassen werden, egal wie alt sie sind.


    Zitat von Nachtgestalt

    Ich will wirklich nicht behaupten, dass sich manche meiner Klassenkameraden damals vorbildlich verhalten haben. Da gab es natürlich auch welche, die den Bogen WEIT überspannt haben (was eben auch zu Gesprächen mit dem Direktor geführt hat). Aber sie haben mir kein bisschen leid getan, so sehr sie auch geheult haben. Verdient hatten sie es allemal, gerade weil sie sich so danebenbenommen haben. Nur dass sie gewalttätig geworden wären? Niemals.

    Kann aber auch daran gelegen haben, dass sie auf einer angesehenen Schule waren. Auf meinem Heimweg kam ich immer an einer Schule vorbei, wo es deutlich schlimmer war. Und selbst in der Grundschule gab es den ein oder anderen, der Wörter kannte, von denen wir zuvor noch nie gehört hatten. Aber auch das fand ich schon seltsam. Ausnahmen gibt und gab es schon immer.

    Nur wie gesagt beziehe ich mich darauf, dass die Gewalt zugenommen und der Respekt abgenommen hat. Aber nicht, dass es mehr oder weniger Leute geworden wären.

    Wie gesagt, du kannst dich dann wohl nicht erinnern. Jedes gesunde Kind ist auchmal "trotzig" und wenn man ehrlich ist, kann man sich nur an wenige Auszüge aus der gesamten Kindheit erinnern und was den Klassenkameraden daheim passiert ist, weiß man erst recht nicht.

    Egal wen du fragst, viele wollen selbst gut darstehen, damit sie auf heutige Kinder schimpfen können.

    Sieh, ich schau Kinder mit einem Wutanfall an und denk: Ich war auch son Arschloch. ¯\_(ツ)_/¯

  • Eben. Die ältere Generation ist es von jeher gewohnt, dass die Jüngeren ihnen einen Platz anbieten, weil es früher selbstverständlich war.

    Naja, früher war es auch selbstverständlich, seine Kinder im Zuge von "Erziehung" zu schlagen, es war üblich, sich auf eine bestimmte Weise zu kleiden, es war üblich, sonntags im feinsten Anzug in die Kirche zu gehen... aber nur, weil etwas früher selbstverständlich war, muss es das heute noch lange nicht sein. Und darüber bin ich ehrlich gesagt teilweise wirklich froh.




    Respekt, wem Respekt gebührt, unabhängig vom Alter. Aber wenn ich einen alten Mann mit Gehstock sehe, kann er sich noch so arschig verhalten, ich mache ihm Platz, weil es der Anstand von mir verlangt.

    Gerade solche Leute hätten in dem Moment meinen Respekt verloren, indem sie sich so benehmen und nein, ich mache nicht Platz, wenn derjenige zwar alt ist, sich aber wie der letzte Idiot verhält. Das hat nichts mit Anstandslosigkeit oder dergleichen zu tun, aber Menschen dürfen sich nicht alles herausnehmen, nur, weil sie alt sind und meinen, die jüngeren Generationen schulden ihnen etwas à la "Ich hab mir für euch den Rücken krumm geschuftet!!!!" . Habe ich darum gebeten? Nein. Schulde ich irgendjemand Fremdem etwas, der den Staat, also nicht nur mich, mitfinanziert, auf sehr indirekte Weise? Erst recht nicht .



    Wie hier schon oftmals gesagt wurde, man kann sich einfach nicht wirklich daran erinnern, weil es für einen selbst als Jugendlicher normal war, sich so und so zu verhalten. Wenn ich laute und kichernde Jugendliche im Bus oder Zug sehe, bin ich natürlich auch erstmal genervt, aber der zweite Gedanke ist dann eben "Oh, vor zehn Jahren war ich das und andere waren vermutlich auch genervt" . Aber in diesem Alter stört man sich nicht an anderen Fahrgästen in Bus oder Bahn, wenn man auf dem Heimweg oder auf Klassenfahrt ist, weil man meistens diesen Weitblick noch gar nicht besitzt.

    Ich meine, als ich beispielsweise das erste Mal in Gelsenkirchen war, sind auch so ein paar Sechsjährige in mich reingelaufen und haben nur so "Hey, Puppe" gerufen, aber hell, es war Gelsenkirchen :assi: Und die merken schon noch, dass sie so nicht mit anderen umgehen können. Man tut ja leider nur immer so, als sei Hopfen und Malz verloren, wenn das schon im jungen Alter nicht funktioniert, aber wer von uns ist schon als perfekter oder perfekt erzogener Mensch auf die Welt gekommen? Für dieses eine schlechte Beispiel könnte ich dir viele nennen, bei denen Jugendliche für Ältere aufgestanden sind, ihnen beim Einpacken im Laden geholfen haben oder Ähnliches. Es kommt halt immer darauf an, auf welche Sichtweise man sich dann fokussieren möchte, dann fallen einem natürlich viele Beispiele auf und ein. Und wer weiß, wenn man für jemanden in der Bahn aufsteht, wie viele Kinder oder Jugendliche das sehen, denken 'oh, das war aber nett' und es dir dann beim nächsten Mal gleichtun?

  • Was ich nicht so ganz verstehe, Kinder sind ja häufig rücksichtsloser zu Anderen. Schreien gerne rum, Schlagen gerne mal..machen halt oft Unsinn. Das habe ich als Kind auch getan. Das ist nunmal die Kindheit. Aber wenn Schüler Schulschluss haben, warum müssen dann gerade die jüngeren Schüler mit den anderen Menschen wie Rentner, Arbeiter, Hartzer usw.. Bus und Bahn fahren? Ich habe schon Dinge erlebt, da werden einfach Schüler in der Bahn gemobbt, indem sie zum Beispiel nicht in die Bahn gelassen werden. Oder es wird mit Wasser gespritzt und so einen Kram..gerade für diese Schüler in diesem Alter sollte man lieber Schulbusse ordern und zwar nur für die Schüler. Ich habe ja auch ein Recht darauf, friedlich und besonnen mitzufahren, ohne dass man genervt wird. Aber es ist jedes Jahr das Selbe und nichts passiert.

  • Dann kannst du dich offensichtlich nicht mehr dran erinnern. Jedes gesunde Kind macht die sogenannte Autonomiephase durch, früher auch Trotzphase genannt. Passenderweise zeigt die Umbenennung deutlich, wie sich die Wahrnehmung dieser Phase verändert hat. Früher haben Eltern und Erziehungsratgeber eben "Trotz" des Kindes wahrgenommen, sie interpretierten, die Kinder würden gegen die Eltern agieren und bewusst Dinge tun, um die Eltern zu ärgern.

    Sieh, ich schau Kinder mit einem Wutanfall an und denk: Ich war auch son Arschloch. ¯\_(ツ)_/¯

    Wie hier schon oftmals gesagt wurde, man kann sich einfach nicht wirklich daran erinnern, weil es für einen selbst als Jugendlicher normal war, sich so und so zu verhalten.

    Owaia, ihr kennt mich wohl besser als ich selbst und mein Umfeld. :rolleyes: Nein, ich war nicht "trotzig" und nein, ich habe keine "Phasen" durchgemacht, mein ganzes Umfeld kann dies bestätigen und ich selbst weiß, dass ich mich von anderen Kinder unterschieden habe. Ob ihr das nun glauben wollt, ist eure Sache.

    Und so gibt es ständig diese "Wir sind verloren"-Anekdoten, weil fatalistische Fehlleistungen wiederzugeben Likes bringen, während "Die Jugend macht ganz normale Dinge, die Jugendliche so tun" das eben nicht tut.

    Genau, die "Jugend von heute" verprügelt dann halt einfach mal jemanden, weil es die "Jugend ja so macht".

    Alle tun es. Vom Jugendlichen bis zum alten Menschen, alle starren auf ihr Smartphone und hoffen, dass jemand anders aufsteht.

    Warum sollte ein alter Mensch für einen alten Menschen aufstehen?


    Finde es schon arg heftig, dass hier Egoismus und Trotz rechtfertigen, Ältere so zu behandeln. So habe ich es in meiner Erziehung nicht gelehrt bekommen und ich habe mich auch schon mit anstrengenderen Älteren abgeben müssen. Naja, bestätigt ja eigentlich nur, was ich sage: dass der Respekt abgenommen hat.