"Im Anfang war das Wort" - Wenn Worte Einfluss nehmen

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  • "Wenn das Denken die Sprache korrumpiert, korrumpiert die Sprache auch das Denken."
    Georg Orwell


    Sprache ist etwas selbstverständliches, das uns in vielerlei Formen tagtäglich begegnet. Ob durch die verbale Kommunikation oder auf schriftlichem Wege. Wir alle nutzen Worte. Dabei dient die Wortwahl nicht einfach nur zur Verständigung, sondern trägt oft Welten an Bedeutung mit sich. Wir können andere damit trösten, verletzten, verärgern, diskriminieren und sogar beeinflussen. Und darüber möchte ich gerne mit euch in diesem Thema reden.


    In der Politik ist der Einfluss von Worten schon lang kein Geheimnis mehr. Wer das Volk erreichen will, wird so gut es geht mit Metaphern und passenden Begriffen rumhantieren. Oft genug hat man damit auch Erfolg und verdeckt damit Missstände oder appelliert an die Emotionen des Volkes anstatt an die Vernunft. "Rettungsschirm", "Krieg gegen Terror", "Klimawandel", "soziale Gerechtigkeit" usw. Wie uns eine Sachlage näher gebracht wird, ist entscheidend darüber, wie wir über sie urteilen. Wir assoziieren automatisch Begriffe positiv oder negativ, sind emotional an diese gebunden und das wirkt sich auch auf die Wahrnehmung aus. George Lakoff, ein Linguist, behauptet, dass die Formulierung "Krieg gegen den Terror" in den USA von Anfang an das amerikanische Volk positiv gestimmt hat und Bush alle Wege offen gelassen hat (Quelle). Doch auch innerhalb Deutschlands gibt und gab es Politiker, die durch den Sprachgebrauch manipulieren woll(t)en. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Buchstabier-Alphabet tatsächlich verändert (Quelle). Heute ist es für uns völlig normal N wie Nordpol, S wie Siegfried und D wie Dora zu sagen. Doch der Grund dafür ist, dass die Nationalsozialisten schlicht und ergreifend die jüdischen Namen daraus entfernt und das Alphabet "arisiert" haben.


    In Bayern durften viele Hauptschulen mitten im Schuljahr ihr Konzept auf den Kopf stellen, nur weil sie unbedingt den Begriff "Mittelschule" zugeteilt bekommen wollten (Quelle). Schließlich ist der Begriff Hauptschule mittlerweile nur noch diskriminierend für viele Menschen. Ähnliches gilt für die alten Hilfsschulen, die zu Sonderschulen und dann zu Förderschulen wurden. Immer bemüht Begriffe zu nehmen, die positiv klingen. Doch ändert das etwas an der Realität?


    Letztes eröffnete mir doch tatsächlich ein Diplom-Pädagoge, dass ich mich "diskriminierend über Russen mit deutschen Wurzeln" äußern würde, weil ich den Begriff "Russlanddeutscher" gebraucht habe (anstelle von Aussiedler bzw. Spätaussiedler). Als Betroffene musste ich natürlich schmunzeln, weil ich es ganz und gar nicht als diskriminierend empfinde. Aber so etwas ist keine Ausnahme. Vor kurzem wurde der Begriff "Neger" aus dem Kinderbuch Jim Knopf gestrichen (Quelle), da dieser schon lange als abwertend gilt. Ein Begriff, der im Laufe der Geschichte viele Synonyme hervorgebracht hat, die trotz Bemühungen immer wieder als diskriminierend gesehen werden. Im Kinderspiel "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann" wurde dieser zum "bösen Mann" aus diesen Gründen. "Behinderte" heißen politisch korrekt "Menschen mit Behinderung" oder noch besser "Menschen mit körperlichen/geistigen Einschränkungen". Verhaltensgestörte Kinder wurden zu verhaltensauffälligen und dann zu verhaltensoriginellen Kindern. Politische Korrektheit entsteht aus dem Glauben, dass Worte Einfluss nehmen und so wird oft versucht alles so positiv wie möglich auszudrücken.


    Doch weg von der Manipulation zu etwas positiveren Theorien:
    Wissenschaftler gehen stark davon aus, dass unser Sprachgebrauch und unsere Muttersprache unsere Art zu denken beeinflussen. Steven Levinson untersuchte den Sprachgebrauch eines australischen Urvolkes, das keine Richtungsangaben wie rechts, links, geradeaus, hinten, vorne usw. hatte, sondern das alles mit Himmelsrichtungen ausdrückte (Quelle). Die Ureinwohner müssen sich selbst bei Smalltalk sofort orientieren können um so simple Dinge wie "Da vorne liegt mein Messer" zu sagen, was natürlich die Denkprozesse beeinflusst.
    Abhängig von der Muttersprache werden Begriffe unterschiedlich assoziiert, allein deswegen, weil sie schon unterschiedliche grammatikalische Geschlechter haben. So kann eine Mond-Metapher bei deutschen und russischen Muttersprachlern unterschiedliche Assoziationen wecken, weil der Mond im deutschen männlich ist und im russischen weiblich. Guy Deutscher legt nahe, dass unsere Farbwahrnehmung sehr stark von unserer Muttersprache beherrscht wird (Quelle), da es in einigen Sprachen mehr oder weniger Bezeichnungen für bestimmte Farben oder Farbtöne gibt.
    Beleidigungen oder Flüche erhöhen den Stresspegel, während positiv assoziierte Wörter und tatsächlich auch beruhigen können und angenehme Emotionen wecken.


    Unsere Worte nehmen Einfluss auf andere und auf uns. Angefangen bei offensichtlichen Dingen wie Beleidigungen bis hin zu subtil formulierten Aussagen. Viele Theorien und Studien belegen, dass man die selbe Sache unterschiedlich ausdrücken kann und unterschiedliche Erfolge damit hat. Doch wie weit geht das tatsächlich? Kann man sich selber dabei ertappen, dass man Einfluss nimmt oder beeinflusst wird?


    In diesem Thema möchte ich mich aus diesen Gründen mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

    • Erfüllt Politische Korrektheit ihr Ziel und ab wann wird es nur noch eine Farce?
    • Kann die Wahl der Worte Konflikte verhindern oder entstehen lassen? (siehe das Beispiel mit Bush und der Metapher "Krieg gegen Terror" oder als positives Beispiel Martin Luther Kings Rede "I have a dream")
    • Sollten wir vorsichtiger mit bestimmten Begriffen umgehen, die tagtäglich sehr leichtsinnig gebraucht werden? (Begriffe wie Idiot, Spast, behindert, die z. B. aus Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen resultiert sind)
    • Kann man ein ganzes Volk manipulieren, wenn man Redewendungen ändert (z. B. entstanden Redewendungen wie "Glänzen wie ein Judenei" in der nationalsozialistischen Zeit und sollten das Volk feindselig gegenüber Juden stimmen) oder Begriffe aus der Sprache verbannt (wie Worte aus dem Buchstabier-Alphabet)?
    • Ist das legitim oder unerwünschte Manipulation, wenn die Macht der Worte genutzt wird?
    • Habt ihr schon alltägliche Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Zum Beispiel bei der Kommunikation mit Menschen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben oder beim Erlernen von Fremdsprachen. Oder auch in völlig anderen Situationen.
    • Wie nutzt ihr die Sprache und Worte für euch? Überdenkt ihr eure Aussagen? Wählt ihr eure Worte gewissenhaft oder spontan? Versucht ihr mit den richtig gewählten Worten andere zu verletzten oder eure Zuneigung zu zeigen? Und wie funktioniert das?


    Das ist ein sehr breit gefächertes Thema und ich freue mich neben Diskussionsbeiträgen auch über Input für den Startpost, wenn euch noch wichtige Themen im Bezug zur Sprache einfallen. Ansonsten habe ich nur kurz und knapp viele unterschiedliche Themen angeschnitten. Wer gerne mehr lesen will, kann ja die folgenden Links nutzen:


    Deutschlandfunk - Die subtile Macht des Wortes
    Universität Siegen - Orientierung oder Manipulation - Metaphern in der politischen Kommunikation
    Zeit Online - Die Macht der Worte
    Spektrum.de - Wie die Sprache das Denken formt
    Tagesspiegel - Dem Gefängnis der Sprache entfliehen
    bpb - Politische Korrektheit


    .: Cassandra :.

  • Es kommt immer darauf an, was man wie zu wem sagt. Wenn Freunde untereinander sagen: "Du bist ja auch'n Idiot" ist selbstverständlich nicht der Idiotismus gemeint, ein Begriff, der meines Wissens nach ohnehin schon veraltet ist. Freunde von mir sagen auch zueinander spaßhaft "Mongo", trotz dass wir im Sozialbereich Praktika absolviert haben. Das Eine hat mit'm anderem nichts zu tun. Man kann keinen lockeren Dialog führen, wenn man jedes Wort dreimal überdenken muss.
    Wichtig ist, dass der Empfänger weiß, wie man etwas meint und dass er einen kennt.
    Es liegt mir fern irgendjemanden belehren zu wollen, ua. weil ich es selbst öfter so sage und niemandes Spielverderber und kein erhobener Zeigefinger sein will.


    Wenn jemand sagt "das ist ja voll schwul", ist das nicht schön, aber zweckentfremdet.
    Anders sieht es mit eindeutig beleidigenden Bezeichnungen wie Neger, Polacke, Kanacke etc… aus.


    Mit der political correctness kann man es trotzdem übertreiben. Sobald man angehalten wird starkpigmentiert oder maximalpigmentiert zu sagen (bin ich die Einzige, die diese Worte iwie diskriminierender als alles andere findet? Oo), anstatt einfach den Ursprungskontinent/land zu benennen (ich bin genauso Österreicherin/Europäerin wie jemand anders Afrikaner oder Asiate), stellt sich schon ein WTF-Gefühl ein.
    Genauso wie man Texte dank des neuen Trends namens Gendern fast unleserlich machen kann. Für uns war immer klar, dass die Phrase "Die Ärzte beschlossen..." die Berufsschicht der gesamten Ärzteschaft gemeint war und nicht nur männliches Personal. :rolleyes:
    Desto abstruser und konstruierter Phrasen und Wörter wirken, desto unehrlicher erscheinen sie. Einen schönen Schein kann ich schnell schaffen, ob da wirklich Sein dahinter ist, ist sehr fraglich.


    Menschen ohne Bildung sind übrigens die bildungsferne Schicht.
    Schönreden mag ich nicht. Das ist wie "das Hotel mit guter Verkehrsanbindung" (Hauptstraße, 10 Uhr nachts brettern die LKWs vorbei) oder die "Wohnung mit dem rustikalen Charme" ( = Du hast Glück, wenn dir nicht die Decke auf'm Kopf fällt :X).

  • Wow, ein Thema bei dem ich sofort ewig viele Ideen habe und sie mir mit Sicherheit wieder entfallen, bis ich am Ende angelangt bin...


    Erfüllt Politische Korrektheit ihr Ziel und ab wann wird es nur noch eine Farce?
    Politische Korrektheit ist wichtig, vor Allem wenn sich die Menschen durch Worte diskriminiert fühlen. Sie werden dadurch verletzt und ich denke schon, dass man sich da zusammenreißen kann und nicht Neger oder Japse oder was weiß ich was, sagen muss. Eine Farce wird es mMn aber, wenn Gerichte umbenannt werden. Ob nun Negerküsse (Schaumküsse) oder Zigeunersauce, was daran dann so schlimm ist, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Mit den Gerichten verbinde ich persönlich nun nicht gerade die Rasse der Menschen, die so benannt werden. Im Endeffekt kann man sich doch eh nicht komplett korrekt ausdrücken, irgendein Wort wird immer dabei sein, dass als rassistisch angesehen werden kann, oder eben eine Formulierung. Allein schon Gesten...Wenn ich da spontan an die WM denke, wo unsere Fußballer wegen dem Gaucho Siegtanz angekreidet wurden...Ich habe das eher als Spaß gesehen und den Hintergrund gar nicht verstanden, bis ich mal einen fairen Artikel dazu gefunden habe der mir erstmal gezeigt hat, was mit Gauchos gemeint ist...Vielleicht war ich in der Hinsicht auch einfach zu unwissend, aber mir kam es eher so vor wie Fehler gesucht, Fehler gefunden...



    Kann die Wahl der Worte Konflikte verhindern oder entstehen lassen? (siehe das Beispiel mit Bush und der Metapher "Krieg gegen Terror" oder als positives Beispiel Martin Luther Kings Rede "I have a dream")
    Kann sie, die Sprache ist eigentlich unser wichtigstes Werkzeug. Denkt mal an Bücher, die Emotionen und Fantasie hervorrufen, nur durch die Kraft von passenden Worten und Formulierungen im richtigen Moment. Wenn ich aggressiver schreibe, wird die Reaktion entsprechend sein. Wenn ich aber versuche, es freundlich zu verpacken wird auch die Reaktion angenehmer und Missverständnisse müssen gar nicht erst entstehen. Meine Mama sagte immer: "Wie man in den Wald reinruft, so schallt es auch heraus" und genau so ist es auch. Wenn ich die Reden von Hitler denke, die voller Hass und Verachtung waren, zu überspitzt aber eben genau so sollten sie auch sein. Man läuft eher dem Überzeuger hinterher als dem, der sie nicht extrem genug darstellt. Demnach bin ich schon davon überzeugt und würde eher dafür einstehen, als wenn er nur die bösen bösen gesagt hätte. Er hat Argumente gebracht, von denen er überzeugt war und seine Harten Worte waren richtig gewählt, um die Menschen zu manipulieren.
    Nicht das jetzt jemand denkt, dass ich ihn gut fand oder rechtsextrem bin, aber ganz ehrlich, diese Wortwahlen und Überzeugungen von ihm und ich muss das jetzt so formulieren, hätten jeden Menschen überzeugt, der nur leichte Zweifel hatte. Allein schon seine Stimmführung dazu...Auch wenn er als Mensch unterste Schublade war, aber er wusste genau, was er wie sagen muss und konnte die Macht der Worte nutzen.



    Sollten wir vorsichtiger mit bestimmten Begriffen umgehen, die tagtäglich sehr leichtsinnig gebraucht werden? (Begriffe wie Idiot, Spast, behindert, die z. B. aus Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen resultiert sind)
    Man sollte sich immer vor Augen führen, wie man sich selbst fühlen würde, wenn man so beleidigt wird. Es muss einem bewusst sein, wie sehr es verletzen kann und was es zerstören kann. Da das Denken heutzutage aber eher "Nach mir die Sinnflut" ist, ist es den Meisten eh wurst und sie sprechen "Frei nach Schnauze" und scheren sich überhaupt nicht um die Folgen. Ich bewundere dann die Menschen, die Ihre Fehler einsehen und sich entschuldigen, denn das macht mMn erst wahre Stärke aus.



    Kann man ein ganzes Volk manipulieren, wenn man Redewendungen ändert (z. B. entstanden Redewendungen wie "Glänzen wie ein Judenei" in der nationalsozialistischen Zeit und sollten das Volk feindselig gegenüber Juden stimmen) oder Begriffe aus der Sprache verbannt (wie Worte aus dem Buchstabier-Alphabet)?
    Auf jeden Fall, was man jeden Tag hört, sieht und liest, brennt sich ein und wird zur Normalität, es gehört irgendwann einfach dazu und wird, ohne nachzufragen, anerkannt und auch selbst verwendet. Für mich ist das geänderte ABC das Normale, ich kenne ja gar kein Anderes, warum also sollte ich es hinterfragen?



    Ist das legitim oder unerwünschte Manipulation, wenn die Macht der Worte genutzt wird?
    Im Endeffekt kann man da gar nicht so unterscheiden...Um ein Ziel zu erreichen, muss man überzeugend sein. Natürlich wird das auch missbraucht, keine Frage, aber abschalten kann man es ja auch nicht...Wie soll ich Menschen von einem guten Projekt überzeugen ohne Sprache? Nahezu unmöglich...



    Wie nutzt ihr die Sprache und Worte für euch? Überdenkt ihr eure Aussagen? Wählt ihr eure Worte gewissenhaft oder spontan? Versucht ihr mit den richtig gewählten Worten andere zu verletzten oder eure Zuneigung zu zeigen? Und wie funktioniert das?
    Ich versuche eigentlich immer mit Bedacht zu reden und die Worte so zu wählen, dass sie direkt, aber nicht verletzend sind. Klappt logischerweise nicht immer. Beim Schreiben ist es leichter, da habe ich mehr Zeit zum Nachdenken und eventuell zum Überarbeiten als beim Reden...Sehr schwer ist es für mich, wenn ich gereizt bin, dann denke ich nicht mehr an die Andere Seite und baller raus, was mich gerade stört und das ist dann auch verletzend und meine Absicht. Meine Emotionen lenken mich ungemein und ich kann es auch nicht abstellen. Ich versuche dann einfach, Leute zu meiden oder hier nicht online zu sein...Um gewissen Wörtern die Schärfe zu nehmen, oder um zu zeigen, dass es jetzt mehr Humor als ernst ist, wähle ich in der Schriftsprache Smileys. Zwinkern für "Nicht so ernst nehmen", oder den :assi: um zu zeigen, dass ich das witzig finde. Um das deuten zu können, muss man schon etwas mit mir geschrieben haben. Sobald die Smileys verschwinden, bin ich auch nicht in guter Stimmung und bin dann eh nur kurz da, da ich das auch niemandem antun will.

  • Zitat

    Kann die Wahl der Worte Konflikte verhindern oder entstehen lassen? (siehe das Beispiel mit Bush und der Metapher "Krieg gegen Terror" oder als positives Beispiel Martin Luther Kings Rede "I have a dream")
    Kann sie, die Sprache ist eigentlich unser wichtigstes Werkzeug. Denkt mal an Bücher, die Emotionen und Fantasie hervorrufen, nur durch die Kraft von passenden Worten und Formulierungen im richtigen Moment. Wenn ich aggressiver schreibe, wird die Reaktion entsprechend sein. Wenn ich aber versuche, es freundlich zu verpacken wird auch die Reaktion angenehmer und Missverständnisse müssen gar nicht erst entstehen. Meine Mama sagte immer: "Wie man in den Wald reinruft, so schallt es auch heraus" und genau so ist es auch.


    Denk aber auch daran, dass man mit den schönsten und auch kriecherischten Worten jemanden durch die Blume durch und durch beleidigen oder angreifen kann, wenn man denn zwischen den Zeilen liest. Ich versuch so etwas, wenn es passiert, so gut wie möglich zu ignorieren und ebenfalls einen süffisanten Tonfall anzuschlagen - ja, oder es einfach zu ignorieren, nett lächeln und winken und sich seinen Teil dazu denken.


    Im Prinzip hast du Recht, aber Bushs "Krieg gegen Terror" beispielsweise zeigt nur offen seinen Charakter. Eine diplomatische und freundliche Wortwahl wäre bei ihm nur eine Riesenfarce gewesen. Das Gefährliche ist, dass sich andere mitreißen lassen können, weshalb ich auch die Riesenfarce bevorzugt hätte.


    Edit://
    Beim gesprochenen Wort ist weniger das, was man sagt, das Ausschlaggebende, sondern die Mimik und Gestik dazu. Deswegen stört es mich nicht, wenn Leute, die ich kenne oder gut einschätzen kann, politisch unkorrekt sind, weil ich weiß, dass sie es nicht ernst meinen.
    Beim geschriebenen Wort sieht es anders aus. Im Internet ist es wiederrum anders als in Büchern. Im Internet kann ich Smilies anfügen. Beim Schreiben kann ich das nur, wenn ich gerade ein WhatsApp/Chat-Gespräch darstelle. Deswegen halte ich vor allem beim Storyschreiben inne und überlege, wie etwas ankommt.
    Mir ist auch beim Lesen wichtig, dass Dialoge relativ authentisch wirken. Im Fließtext muss aber wirklich nicht stehen: "X hatte eine Hautfarbe, die mich an Milchschokolade erinnerte". Dass der Autor keine bösen Absichten hat, ist mir klar, es wirkt nur nicht gut. Wenn Freunde einander im Dialog necken, ist das wieder etwas anderes. Da kann vieles gesagt, aber nicht so gemeint werden, wenn Mimik und Gestik beider beteiligten Personen zeigen, dass es beide nicht ernst nehmen. (Mein Paar nennt sich auch scherzhaft Idiot, Depp oder so, wenn der andere was Dummes sagt. Kitsch ist meeeh.)
    Auch oder gerade beim Lesen ist die Wortwahl wichtig. Ich glaube, ich stehe mit meiner Ansicht mehr oder minder alleine da, aber desto kitschiger eine Liebesszene geschrieben ist, desto weniger kann ich sie ernstnehmen. Ich hab noch nie in meinem Leben Kitsch erlebt, ich sehe auch an den Beziehungen anderer echter Menschen keinen Schmalz. Die Wortwahl ist wichtig, eines der wichtigsten Dinge überhaupt, für die Charakterisierung von Personen, weshalb ich eher ein Problem damit habe, wenn Jugendliche aus dem 21. Jahrhundert ihren Freund Geliebten nennen oder hochtrabend sprechen wie "ich vermag nicht zu sagen...", als wenn sie normale Umgangssprache wie "cool", "Schwarm" etc. in den Mund nehmen, solange es nicht zu viel des Guten wird.

  • Hier kann man soviel sagen, vielleicht tue ich das später mal, aber zumindest dazu:


    Heute ist es für uns völlig normal N wie Nordpol, S wie Siegfried und D wie Dora zu sagen. Doch der Grund dafür ist, dass die Nationalsozialisten schlicht und ergreifend die jüdischen Namen daraus entfernt und das Alphabet "arisiert" haben.


    Ja, ist heute normal geworden und warum sollte mans wieder ändern? Wenn ich in dem verlinkten Artikel lese: 'Noch heute wird die Nazi-Form des Alphabets angewendet. Wann wird die DIN 5009 entnazifiziert?!', kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Also ich kann in den heute gebräuchlichen Wörtern nichts finden, was ich irgendwie mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringe. Das Z wie Zacharias kommt mir sogar nicht ganz unbekannt vor, aber ganz ehrlich ist der Zeppelin eindeutig passender. Solche Dinge sind für mich eigentlich ein Paradebeispiel für viel Lärm (obwohl, soviel Lärm ist es garnicht, sonst hätte ich früher wohl schonmal davon gehört) um nichts. Wie gerade zufällig gesehen habe, war das übrigens nicht die erste Änderung in unserem Buchstabieralphabet...
    Ganz abgesehen davon mag ich das NATO-Alphabet eh lieber, von daher: N wie November, S wie Sierra und D wie Delta. :)

    Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kehren die Toten auf die Erde zurück! (DotD)


    Per aspera ad astra!
    Momentan kein Partneravatar mit Missy!

  • (...) das Problem an langen Antworten - sie sind veraltet bevor sie zuende geschrieben wurden...


    Ich habe drei Sprachen studiert (Französisch, Germanistik, Russisch), was ich schon zu Schulzeiten ausgebaut habe (zweisprachiges Abi) und bin jetzt das, was man "Einsteiger in der PR-Branche" nennt. Vergesst mal die Angeberei, aber ich glaube, ich darf mich sprachtechnisch durchaus als Fachidiot bezeichnen. ;)


    Als solcher sehe ich Diskussion über und mit Sprache immer mit einem drittel spöttischen, drittel amüsierten und drittel verzweifelten Auge. Spöttisch und verzweifelt, weil jeder glaubt, Ahnung von Sprache zu haben, und Ich meine es doch gar nicht böse, wenn ich Zigeunerschnitzel sage tatsächlich für ein solides Argument hält ^^ Amüsiert, weil diese Diskussion zwar noch nicht sonderlich alt ist (weil Sprache als Werkzeug erst im Zuge der großen Massenmedien entdeckt wurde), aber die Menschheit mit Sicherheit noch ein wenig beschäftigen wird. ;) Aber fangen wir von vorne an.

    Erfüllt Politische Korrektheit ihr Ziel und ab wann wird es nur noch eine Farce?

    Wir haben im Grundgesetz so etwas ähnliches wie die Menschenwürde und die ihre Unantastbarkeit stehen. Dass dieses Gesetz für alle Menschen, nicht nur für Bürger arischen Aussehens gelten, haben bis auf leider viel zu viele Bekloppte immerhin schon einige begriffen.
    Dass es nicht okay ist, jemanden wegen seiner Brille, Aussehens, Herkunft, Aussprache, Hobbys, Religion ... wasauchimmer auszulachen und zu verspotten, sollte spätestens mit Abschluss der Grundschule ins eigene Verhaltensmuster eingeflossen sein.
    Dazu gehört auch der sprachliche Ausdruck.


    Wenn sich nun ein dunkelhäutiger Mensch zurecht aufgrund der Vergangenheit dieses Wortes durch "Neger" beleidigt fühlt, hat man dieses Wort nur noch in besonderen Kontexten zu gebrauchen, etwa auf der Metaebene, wie ich es gerade tue. Dass "Mongo" nicht nur sachlich falsch, sondern als Lächerlichmachung eines angeborenen Gendefekts auch vor betroffenen Personen nicht benutzt werden sollte, könnte man sich auch so denken.


    Großer Aufreger war letztes Jahr die Streichung des erwähnten "Negers" aus Pipi Langstrumpf-Übersetzungen und aus Jim Knopf. Was waren die Leute erbost darüber (als ob das irgendwen wirklich interessieren würde, ob da "Südsee-König" steht oder "Neger-König"), weil ohohoh, da ist ja wieder die böse Tugendpolizei.
    Eine elementare Unterscheidung zwischen den beiden Fällen wurde letztes Jahr so gut wie gar nicht vorgenommen, obwohl sie für die Angelegenheit - wie schon betont - elementar ist. Pipi Langstrumpf ist ein aus dem Schwedischen übersetztes Jugendbuch. Nun haben viele Leute nicht so ganz auf dem Schirm, dass Übersetzungen eine gewisse Art von Freiheit besitzen, weil sie stets Zeugen ihrer Zeit sind. 1970 übersetzte man den Begriff eben noch sehr wortwörtlich aus dem - im heutigen Schwedischen übrigens auch politisch nicht eben korrekten - "Negerkönig". Jetzt haben wir aber nicht mehr 1970 und distanzieren uns zumindest in der Öffentlichkeit von der Vorstellung, dass Schwarze Halbaffen mit dicken Lippen sind, die ihre Stammesfeinde in einem großen Topf über dem Feuer kochen und verzehren. Das sind nur leider alles Attribute, die man jahrhundertelang mit dem Begriff "Neger" verband. Insofern handelt der Übersetzer / die Übersetzerin nur folgerichtig, wenn er/sie die eigene Freiheit nutzt und das inhaltlich ebenso korrekte "Südseevolk" verwendet, denn Ephraim Langstrumpf herrscht als König in der Südsee auf Taka-Tuka-Land (der kulturelle Rassismus, der dieser Konstruktion innewohnt, lasse ich jetzt mal bleiben, das sprengt hier den Rahmen).


    Jim Knopf ist ein deutsches Jugendbuch, womit wir als Muttersprachler den Diskurs tatsächlich führen können, weil sich jetzt tatsächlich eine gesellschaftlich relevante Frage stellt. Haben wir das Recht, aus anderen historischen Zusammenhängen kommende - aber immer noch verbreitete - Texte zu verändern, um der heutigen Zeit Rechtschaft zu tragen? Wo zieht man die Grenze?
    Ein kulturwissenschaftlich höchst interessante Konstellation, über die man Abende mit viel viel Wein lange trefflich streiten könnte.
    Ich persönlich erlaube mir kein Urteil, das ich als gewichtig genug erachte, um es als das Maß aller Dinge zu betrachten - schlage mich aber erst einmal auf die Seite der Verneiner. Nicht etwa, weil mir das Wort so wichtig wäre, sondern, weil es sich mit Originaltexten eben auch verhält wie mit Übersetzungen: In ihrer Sprache sind sie Zeitzeugen. Jetzt verstehe ich auch, dass man Kinder nicht so unbedingt auf derlei Wörter stoßen möchte, ohne ihnen klar zu machen, dass dieses Wort zu Michael Ende's Zeiten noch gebräuchlich für dunkelhäutige Menschen, aber heute nicht mehr zum feinen Ton gehört. Darum kann ich die Bedenken des Verlags gut nachvollziehen, wie so oft werden aber Kinder unterschätzt. M.E. ist es eine durchaus gute Alternative, durch Asteriske derlei Begriffe in einer Fußnote kindgerecht zu erklären, dass dieses Wort halt hier steht, weil man das früher so gesagt hat, aber dass die Vorstellung von Schwarzen, die man damals hatte und damit beschrieben hat, keinerlei Bezug zur Realität hat und damit nicht mehr mit diesem Begriff verwendet werden sollte.


    Heulen und Schreien gab es auch beim "Zigeunerschnitzel". Soßenhersteller weigerten sich, ihre Soßen umzunennen, weil das angeblich "schon immer so geheißen" hat. Anatol Stefanowitsch, ein Sprachwissenschaftler aus Berlin, dessen Positionen ich zwar nicht immer uneingeschränkt unterstütze, hat sich mal schlau gemacht, wie alt das Wort eigentlich ist. Das Ergebnis? Das Wort gibt es seit etwa (sprachlich) läppischen 60-70 Jahren, weil auch die Kombination aus Paprika und Soße erst Ende des 19. Jahrhunderts bekannt wurde. Vor den 1950er Jahren hieß das Gericht: Paprika-Schnitzel.
    In aller kürze das kulturwissenschaftliche Konstrukt dahinter: Europäische Kulturen neigen zum so genannten Exotismus, da die zentralistische Stellung Europas über Jahrhunderte des Mittelalters die Kulturen stark beeinflusst hat. Wir sind kulturell also recht überheblich eingestellt, weswegen alles, was nicht christlich-europäisch geprägt ist, ein wenig verkitscht-exotisch dargestellt wird, allerdings häufig mit einem europäischen Hegemonie-Gedanken dahinter. Der Orient ist ein ganz klassisches Beispiel dafür. Im Frühmittelalter waren das den europäischen Herren und Gelehrten absolut ebenbürtige Gesellschaften, die im Bereich Medizin und Frauenrechte (!) viel weiter waren als das Römisch-Katholische Abendland. Ist im europäischen Kollektivgedächtnis bis heute nicht präsent. Das trägt sich weiter bis heute und lebt in Worten wie "Zigeunerschnitzel" weiter, weil das ja diese putzig-lustigen, aber wie die Raben klauenden wandernden "Zigeuner" gegessen haben.



    Kann die Wahl der Worte Konflikte verhindern oder entstehen lassen? (siehe das Beispiel mit Bush und der Metapher "Krieg gegen Terror" oder als positives Beispiel Martin Luther Kings Rede "I have a dream")


    Bei den Griechen war Rhetorik die höchste aller Künste. Gutes Reden war gewissermaßen die Königsdisziplin aller Fächer, weswegen auch in Griechenland so gerne Theaterstücke geschrieben wurden ;)  
    Als PR-Beraterin in spe kann ich das nur so unterschreiben. Es ist immer die Frage, wie ein Sachverhalt formuliert wird. Der Euphemismus ist zum Glück beruflich nicht mein bester Freund geworden, weil wir von der Agentur keine thematisch heiklen Kunden haben. Allerdings beobachte ich typische PR- und Marketing-Aktionen und Konferenzen mittlerweile mit einem starken, beruflichen Interesse, und da zeigt es sich natürlich immer wieder. Sind die Hamas "Freiheitskämpfer" oder "Terrormiliz"? Ist IS ein "Göttliches Kommando" oder "Brutale Schlächter in Allahs Namen"? In der Ukraine - sind das nun "Russlandfreundliche Separatisten" oder "Kämpfer für regionale Minderheiten"? ^^ Politik definiert sich ganz stark über Worte. Auch Unternehmen arbeiten damit. Es gibt zum Glück einige Grundprinzipien im menschlichen Umgang, die auch die besten PR-Akrobaten respektieren müssen (So ist das A und O jeder Krisen-PR schonungslose Ehrlichkeit, weil die Guttenbergsche Salamitaktik oder das Hoenessche Abstreiten es nur noch schlimmer machen). Transparenz zum Beispiel. Ehrlichkeit, Rücksicht, (Kunden-)freundlichkeit (die auch ehrlich gemeint ist!).
    Herzblut merkt man einer Rede an (so bei Martin Luther). So etwas kann man nicht künstlich erzeugen. Und darauf kommt es bei brisanten Themen letztlich drauf an.



    Sollten wir vorsichtiger mit bestimmten Begriffen umgehen, die tagtäglich sehr leichtsinnig gebraucht werden? (Begriffe wie Idiot, Spast, behindert, die z. B. aus Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen resultiert sind)
    Im öffentlichen Diskurs ja. Aber privat kann man dann doch wieder etwas lockerer sein. Ich bezeichne meine Freunde auch als "Depp" oder "Idiot", und jeder weiß wie es gemeint ist. "Mongo" oder "Spast" finde ich aber schon echt hart und nehme sie auch nicht zum Spaß her. "Neger" oder "Kanacke" geht gar nicht, da verstehe ich auch keinen Spaß mehr.
    Allerdings gibt es bei manchen Bezeichnungen echt regionale Unterschiede, so versteht man in Hessen das "Luder" als freches Mädchen, das eine große Klappe hat, aber auch irgendwo Mut. Als mein Freund mich (aus Westfalen/Niederrhein) damals so bezeichnete, hätte ich ihm bald eine geklatscht, weil das bei uns so das Äquivalent zur "Schlampe" war.
    Wer jetzt wissen will, woher das Wort kommt: Ein "Luder" ist ein Tieraas, das von Jägern vor Fallen ausgelegt wurde, um Füchse, Wölfe und Bären anzulocken. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde die Bezeichnung nicht eben schmeichelhaft...


    Kann man ein ganzes Volk manipulieren, wenn man Redewendungen ändert (z. B. entstanden Redewendungen wie "Glänzen wie ein Judenei" in der nationalsozialistischen Zeit und sollten das Volk feindselig gegenüber Juden stimmen) oder Begriffe aus der Sprache verbannt (wie Worte aus dem Buchstabier-Alphabet)?
    Das funktioniert nur in einem wirklich groß angelegten Maßstab wie in 1984 geschildert. Sprache ist das urdemokratischste aller Prinzipien.
    Kleiner Exkurs für Nicht-Sprachwissenschaftler:


    Ist das legitim oder unerwünschte Manipulation, wenn die Macht der Worte genutzt wird?
    Gegenfrage: In welchem Kontext? Das ist doch eine typische Einzellfallsentscheidung. Ich reagiere allergisch darauf, wenn von "Vorratsdatenspeicherung" die Rede ist, wo doch nur "Kriminalisierung aller Bürger" gemeint ist. Umgekehrt ist es aber okay, von Großmutters "sanftem Entschlafen" zu sprechen, auch wenn das genau so eine (emotionale) Manipulation der Rezipienten ist.
    Als PR-Beraterin werde ich das sowieso regelmäßig machen müssen, das gehört dazu. Aber man sollte prinzipiell schon hinter der Sache stehen können, die man vertritt. Ich könnte nie Pressesprecher der Bundesregierung oder von einem Atomkraftwerk werden.

    Habt ihr schon alltägliche Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Zum Beispiel bei der Kommunikation mit Menschen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben oder beim Erlernen von Fremdsprachen. Oder auch in völlig anderen Situationen.

    Deutsch als Nicht-Muttersprachler ist ja eh so ein Thema für sich ^^ Ich bin Muttersprachlerin, habe aber auch für Slawistik etwas Polnisch lernen müssen und das war der absolute Alptraum. Ich kann außer Dzien dobry bis heute faktisch nix, weil ich das ganze so unlogisch fand. Und das muss ja ein harmloser Vorgeschmack auf das sein, was Menschen erfahren, wenn sie Deutsch lernen müssen...

    Wie nutzt ihr die Sprache und Worte für euch? Überdenkt ihr eure Aussagen? Wählt ihr eure Worte gewissenhaft oder spontan? Versucht ihr mit den richtig gewählten Worten andere zu verletzten oder eure Zuneigung zu zeigen? Und wie funktioniert das?

    Ja, beruflich halt. Da muss man teilweise auch schon die hohe Kunst der (sprachlichen) Diplomatie anwenden, weil Kunde A will unbedingt ein bestimmtes Projekt durchführen, aber man weiß als Außenstehender genau, dass das ein PR-Desaster wird und muss denen das mit viel gutem Willen und Geduld ausreden .... andererseits sich auch mit Journalisten gut stellen, weil die sollen ja mit einem zusammenarbeiten und über die Kunden berichten ... dann bei organisatorischen Dingen hat man immer P***nelken am Telefon, wo ebenfalls viel Fingerspitzengefühl gefragt ist. Ich versuch viel über die "Mensch, wir können doch beide auf Augenhöhe miteinander freundlich kommunzieren und ich will auch gar nicht lange stören"-Schiene zu meistern. Klappt auch meistens, aber bei besagten anstrengenden Ansprechpartnern musst du dann halt auch mal umschalten. Manche wollen "hart rangenommen werden" (kleine Aufgabe zwischendurch: Was beabsichtige ich mit dieser agressiv-sexuellen Wortwahl?) und andere ein bisschen hofiert. Den Dreh bekommt man in aller Regel schon beim ersten Gespräch raus, wenn man die Antennen dafür ausfährt.
    Privat bin ich sehr spontan und denke auch nicht groß nach beim Reden, das muss ich auf der Arbeit schon genug ^^ Meine Sozialisation reicht aus, damit ich Menschen nicht dauernd auf die Füße trete, aber ich packe auch nicht alle mit Samthandschuhen an. ;)


    Tjo. .... und jetzt kann ich ja gleich mal lesen, was ihr so geschrieben habt, während ich hier meinen Kurzroman verfasst habe ;)

    Sie finden mich für gewöhnlich zwischen zwei Buchdeckeln, so ca. Seite 213 bis 345. Es ist der gemütlichste Platz für einen Bücherwurm, wo die Geschichte noch nicht vorbei ist und sich die Hauptpersonen schon anfühlen wie alte Bekannte.

  • Taka-Tuka-Land (der kulturelle Rassismus, der dieser Konstruktion innewohnt, lasse ich jetzt mal bleiben, das sprengt hier den Rahmen)


    Gibt kein Taka-Tuka-Land mehr. Das wurde offenbar komplett gestrichen.


    Das trägt sich weiter bis heute und lebt in Worten wie "Zigeunerschnitzel" weiter, weil das ja diese putzig-lustigen, aber wie die Raben klauenden wandernden "Zigeuner" gegessen haben.


    Ironischerweise bezeichnen Zigeuner sich selbst als Zigeuner und sind stolz darauf. Nee, dafür habe ich keine Quelle, habe ich vor einer Weile mal in irgendeinem Fernsehbericht gesehen. Also ist das wohl eher eine, von wem auch immer, an den Haaren herbeigezogene Sache. Und zumindest momentan gibts ja auch noch welche zu kaufen.
    Ansonsten ist hier auch noch ein netter Artikel zu dem Ganzen (ja, vor einer Weile habe ich mich mal ein bisschen damit beschäftigt, weil ich das Thema selbst interessant fand bzw. immernoch finde).

    Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kehren die Toten auf die Erde zurück! (DotD)


    Per aspera ad astra!
    Momentan kein Partneravatar mit Missy!


  • Ironischerweise bezeichnen Zigeuner sich selbst als Zigeuner und sind stolz darauf. Nee, dafür habe ich keine Quelle, habe ich vor einer Weile mal in irgendeinem Fernsehbericht gesehen. Also ist das wohl eher eine, von wem auch immer, an den Haaren herbeigezogene Sache. Und zumindest momentan gibts ja auch noch welche zu kaufen.
    Ansonsten ist hier auch noch ein netter Artikel zu dem Ganzen (ja, vor einer Weile habe ich mich mal ein bisschen damit beschäftigt, weil ich das Thema selbst interessant fand bzw. immernoch finde).


    Der Artikel (den ich damals auch gelesen habe) ist genau das Paradebeispiel an Arroganz, die mir in dieser Diskussion so sauer aufstößt. Das ist diese ganz klassische Kombination aus Wir meinen das doch gar nicht böse und Mein Freund ist auch Zigeuner und der fühlt sich davon nicht diskriminiert!!!1!einself.
    Wer schonmal beim Geschenke verteilen ordentlich auf die Schnauze gefallen ist mit der Wahl des Geschenks, weil der Empfänger sich dadurch tiefstens beleidigt gefühlt hat, weiß, wieviel der Vorsatz "Habe es nur gut gemeint/nicht bös gemeint" in der Realität wert ist. Es ist vollkommen wurscht, wie etwas gemeint ist, das Kernkriterium ist, wie es beim anderen ankommt. Und sorry - eine lokale Vertretung der Sinti und Roma, also Mitglieder des fahrenden Volks, fühlen sich von "Zigeuner" offenbar durchaus diskriminiert, da würde ich mich jetzt nicht hinstellen und sagen, dass die Angelegenheit "an den Haaren herbeigezogen" ist ;)
    Ich habe auch mal von Hörensagen die Bezeichnung Tzigani als Eigenbezeichnung mitbekommen, kann dies aber ebenfalls nicht belegen. Auch der Begriff Sinti und und Roma ist sachlich falsch, weil nicht alle zu der Ethnie der Sinti oder Roma gehören. Deswegen verlege ich mich auf's "Fahrende Volk".
    Edit: Oder hab ich dich da zu 180° missverstanden und du meintest, die Behauptung, sie bezeichneten sich selber so, sei an den Haaren herbeigezogen? :confused:


    Und die Argumentationskette Mein Freund ist schwarz/Zigeuner/schwul/wasauchimmer und fühlt sich davon nicht diskriminiert! Möchte ich an der Stelle auch kurz angesprochen haben, weil sie früher oder später garantiert hier wieder auftauchen wird ;) . - Das ist ja schön für "deinen Freund". Es soll aber Menschen geben, die sich durchaus durch derlei Begriffe durchaus diskriminiert fühlen und ein ebensolches Recht haben, um Rücksichtnahme zu bitten. Zumal das immer abhängig davon ist, welche Lebenserfahrungen man machen musste. Ein hier geborener Schwarzer, der schonmal mit Steinen beschmissen wurde, während ihm so beknackte Nazis ein "Geh wo Du herkommst, Du Nigger-Sau" an den Kopf werden, wird mit Sicherheit etwas empfindlicher reagieren als jemand, der das Glück hatte, solche Erfahrungen nicht zu machen.
    Zumal ich gerne wüsste, in wievielen Prozent der Fälle es tatsächlich diesen ominösen "Freund" gibt.


    Besagter Artikel schmeißt auch mal gerne die Bezeichnung "Serbisch" mit in den Topf, obwohl die "Serben" und der "Balkan" jetzt ja für "Bandenkriminalität und ethnische Säuberungen" stehen. Und dass sich Erasco noch traut, serbische Bohnensuppe auf die Packung zu schreiben...! - Dass "serbisch" ein geografisch und weltpolitisch weitgehend neutraler Begriff ist, hat Herr Heine wohl noch nicht mitbekommen. Das Land heißt tatsächlich noch "Serbien". ;) Und hat, im Gegenteil zu "Zigeuner", keine jahrhundertealte Tradition von ethnischer Verfolgung und Diskriminierung hinter sich. Äpfel und Birnen.


    Zu der "Ochsenschwanzsuppe" sage ich jetzt mal lieber gar nichts. Außer, dass ich die WELT wirklich nur ungern lese, wenns ums Feuilleton geht, weil da sich nun wirklich nicht eben die crème de la crème der deutschen Journalisten umtreibt.
    Granatsplitter gibt es hier in Franken übrigens immer noch unter diesem Namen zu kaufen (aber ich finde das Zeug sowieso widerlich übersüßt).


    Dafür offenbart er seine offenbar nicht allzu weit reichenden Gedankengänge auch an anderer Stelle:

    Zitat

    Und im Nordosten nennt man seit Kolonialzeiten eine Krapfensorte "Kameruner".


    Ja, genau das ist das Problem. Kolonialzeiten. Wir transportieren seit Jahrhunderten völlig veraltete Begriffe ohne Nachzufragen weiter, nur weil "unsere Großeltern das auch schon so gemacht haben". Ist der "Kameruner" jetzt schon beinahe harmlos (weil Kamerun ebenfalls ein geografisch neutraler Begriff ist), liegt der Fall beim "Negerkuss" dann doch etwas anderes. Gäbe es das Wort "Neger" nur in diesem Zusammenhang, würde um die ganze Sache kein großer Aufwand betrieben werden, weil die Assoziationen größtenteils positiv sind (wenn auch da immer noch der weiße Hegemonie-Gedanke dahinter steht). Aber nun ist "Neger" lange Zeit mehr oder minder ein Schimpfwort gewesen, weswegen ich es völlig legitim finde, derartige Begriffe aus falschen Zusammenhängen herauszustreichen.

    Sie finden mich für gewöhnlich zwischen zwei Buchdeckeln, so ca. Seite 213 bis 345. Es ist der gemütlichste Platz für einen Bücherwurm, wo die Geschichte noch nicht vorbei ist und sich die Hauptpersonen schon anfühlen wie alte Bekannte.

    Einmal editiert, zuletzt von Silverchen ()

  • Geniales Thema :D


    Erfüllt Politische Korrektheit ihr Ziel und ab wann wird es nur noch eine Farce?


    Ehrlich gesagt, ich finde den Redestile manche Politiker sehr grausam und teilweise sehr gehobelt/ignorant.
    Ich finde, man kann auch darüber normal reden, dkass es jeder versteht.
    Ich bin von Politik nicht allzu sehr begeistert - sie reden, reden und reden, nix passiert.
    Wenn die Kacka am Dampfen ist, dann liegen sie ordentlich Tempoi zu und versuchen es zu retten, was zu retten.
    Zur eine Farce wird es wenn sie sich dumm stellen oder etwas verbergen, was eh schon publik ist :D


    Kann die Wahl der Worte Konflikte verhindern oder entstehen lassen?


    Es kommt auf die Wahl der Worte an und wie es der Zuhörer aufnimmt.
    Natürlich können Worte allein nicht Frieden oder Krieg erzeugen. Erst wenn man den Worten Taten folgen lässt, kann das Ergebnis sehen :D

    Sollten wir vorsichtiger mit bestimmten Begriffen umgehen, die tagtäglich sehr leichtsinnig gebraucht werden? (Begriffe wie Idiot, Spast, behindert, die z. B. aus Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen resultiert sind)


    Ja, Damit sollte man vorsichtiger sein. Ich fühl mich etwas irritiert, wenn jemand sagt "Das ist voll behindert" und frage "Bin ich gemeint?"

    Kann man ein ganzes Volk manipulieren, wenn man Redewendungen ändert (z. B. entstanden Redewendungen wie "Glänzen wie ein Judenei" in der nationalsozialistischen Zeit und sollten das Volk feindselig gegenüber Juden stimmen) oder Begriffe aus der Sprache verbannt (wie Worte aus dem Buchstabier-Alphabet)?


    Du kannst jedes Volk mit Worten maniplulieren - das beweist allein die Lauf der Zeit!

    Ist das legitim oder unerwünschte Manipulation, wenn die Macht der Worte genutzt wird?


    Tja für uns ist das illegal, doch für die großen sind wir blöde Schafe, einfache dumme Bauern oder so - die wird kaum das kaum interressieren, was das Volk davon hält :D

    Wie nutzt ihr die Sprache und Worte für euch? Überdenkt ihr eure Aussagen? Wählt ihr eure Worte gewissenhaft oder spontan?


    Ich bin ein Spontaner Mensch, der redet ohne groß nachzudenken, allerding denk ich auch nach, wie was sage :D

  • Zitat

    Der Artikel (den ich damals auch gelesen habe) ist genau das Paradebeispiel an Arroganz, die mir in dieser Diskussion so sauer aufstößt. Das ist diese ganz klassische Kombination aus Wir meinen das doch gar nicht böse und Mein Freund ist auch Zigeuner und der fühlt sich davon nicht diskriminiert!!!1!einself.
    Wer schonmal beim Geschenke verteilen ordentlich auf die Schnauze gefallen ist mit der Wahl des Geschenks, weil der Empfänger sich dadurch tiefstens beleidigt gefühlt hat, weiß, wieviel der Vorsatz "Habe es nur gut gemeint/nicht bös gemeint" in der Realität wert ist. Es ist vollkommen wurscht, wie etwas gemeint ist, das Kernkriterium ist, wie es beim anderen ankommt.


    Anderen wegen Kleinigkeiten Arroganz zu unterstellen, ist aber auch nicht grade die feine Art. ;) Ich weiß nicht, woher dein leicht aggressiver Diskusionsstil kommt, aber ich finde ihn absolut unangebracht, da niemand hier was getan hat.
    und ja, Freunde nennen sich auch scherzhaft selbst Jugo!!11


    Der Vorsatz "es nicht böse meinen" ist übrigens was wert und sollte von anderen auch akzeptiert werden, anstatt darauf rumzureiten.
    Man darf nicht immer nur einer Seite verlangen, dass sie sich korrekt verhält. Es ist auch ein meilenweiter Unterschied, ob jemand, den es betrifft, in Ruhe sagt "das Wort finde ich nicht in Ordnung/nenn mich bitte nicht so", dann ist die Sache auch gegessen - oder ob derjenige vollkommen aus der Haut fährt und mit Unterstellungen um sich wirft.


    Was mich oder andere betrifft, hab ich es noch nie erlebt, dass Geschenke jemanden dermaßen tief verletzt haben. Beispiele?
    Jemand hat mal einer muslimischen Familie Alkohol mitgebracht, mehr außer: "Den saufte jetzt aber selbst" war da nicht.


    Zitat

    Ja, genau das ist das Problem. Kolonialzeiten. Wir transportieren seit Jahrhunderten völlig veraltete Begriffe ohne Nachzufragen weiter, nur weil "unsere Großeltern das auch schon so gemacht haben". Ist der "Kameruner" jetzt schon beinahe harmlos (weil Kamerun ebenfalls ein geografisch neutraler Begriff ist), liegt der Fall beim "Negerkuss" dann doch etwas anderes. Gäbe es das Wort "Neger" nur in diesem Zusammenhang, würde um die ganze Sache kein großer Aufwand betrieben werden, weil die Assoziationen größtenteils positiv sind (wenn auch da immer noch der weiße Hegemonie-Gedanke dahinter steht). Aber nun ist "Neger" lange Zeit mehr oder minder ein Schimpfwort gewesen, weswegen ich es völlig legitim finde, derartige Begriffe aus falschen Zusammenhängen herauszustreichen.


    Nur dass sich Begriffe mit der Zeit wandeln und neutraler werden.
    Genauso wie das Luder, das du angesprochen hast. Ich kenn es auch nur als Schlampe und würde deswegen erstmal verwundert sein. Mir ist aber bewusst, dass Worte regional anders verwendet werden und würd das recht lustig finden.
    Die ursprüngluche Wortherkunft kann einem recht gleich sein. Meine Oma nennt mich und viele junge Mädchen Madl, Menscherl oder … Dirnderl, was nicht überall positiv aufgefasst werden kann.
    Die Wortherkunft der Palatschinke ist extrem, extrem ekelhaft, trotzdem isst man sie, auch wenn man Bescheid weiß, was sie… darstellen soll. @.@


    Zitat

    Wir sind kulturell also recht überheblich eingestellt, weswegen alles, was nicht christlich-europäisch geprägt ist, ein wenig verkitscht-exotisch dargestellt wird

    Weil vieles für uns das ist, was wir exotisch verstehen.
    Dabei sollt man nicht vergessen, dass andere uns aus denselben Augen sehen, was auch absolut okay ist. Österreich ist für viele Touristen, je weiter weg, desto mehr, noch immer das edle Land von Sissi, Mozart und klassischer Musik. Sollen sie's halt so sehen.

  • Ich empfinde manche Wortkonstellationen in meine Muttersprache sehr hart und fragwürdig.


    Ich finde die Wortverfremdungen teilweise sehr übel, wenn man versucht alles zu germanisanieren.
    Chips - Kartoffelscheibe
    online - anschnur
    Internet - Internetz
    Im Internet surfen - stehsegeln


    Solche Begrifflichkeiten sind noch relativ harmlos, aber stark verfremdet. Ich hab zwar keinen Plan, was das soll. Mein bester Freund ist hin und wieder auf Deutschtrip und verwendet "deutsche" Worte wie Portmonnaie / Geldbörse oder Handy/Mobiltelefon. Er war ja auch zeitweise gegen englische Chatjargonbegriffe wie LoL, btw, ftw oder Rofl.


    Was ich allerdings schlimmer finde sind jene Begriffe aus der rechten Szene ´wie bspw.
    Ebola - Negerseuche, wandelnde Biobombe oder son Kram.


    Ich weiß nicht,aber ich empfinde solche Begriff für andere Menschen sehr beängstigend, Diejenigen, die sowas empfänglich sind, könnte man die Seiten wechseln. Ich kann definitiv sagen, man kann mit Worten angst erzeugen oder jemanden bekehren.

  • Mein bester Freund ist hin und wieder auf Deutschtrip und verwendet "deutsche" Worte wie Portmonnaie / Geldbörse oder Handy/Mobiltelefon.


    Ich benutze die Begriffe auch ganz gern mal, weil ich sie hin und wieder ganz angenehm klingend finde.


    Er war ja auch zeitweise gegen englische Chatjargonbegriffe wie LoL, btw, ftw oder Rofl.


    Ich find es lediglich albern, wenn sie in die Umgangssprache übernommen werden. Wenn jemand einfach nur "lol" sagt, dann lügt er ja quasi. Er lacht nämlich eben nicht laut. Aber das ist ein wenig Korinthenkackerei, ich werd niemanden zusammenstauchen, weil diese Begriffe verwendet werden.


    Was ich allerdings schlimmer finde sind jene Begriffe aus der rechten Szene ´wie bspw.
    Ebola - Negerseuche, wandelnde Biobombe oder son Kram.


    Das ist ja immerhin noch recht offen, man merkt sofort, dass es sich um Rechte handelt. Schlimmer finde ich so manche Begriffe der Neuen Rechten. Ethnopluralismus klingt für mich nicht annähernd so rassistisch, wie der Begriff eigentlich gemeint ist.

  • Er war ja auch zeitweise gegen englische Chatjargonbegriffe wie LoL, btw, ftw oder Rofl.



    Ich find es lediglich albern, wenn sie in die Umgangssprache übernommen werden


    Es ging eher im Zusammenhang im Chat als im Real Life :D
    Es ist nurmal ein Faktum, dass die meisten Jargonbegriffe aus dem Englischen entsprungen sind.
    Er kommt damit nicht klar, dass englisch immer mehr Einfluss in Deutschland gewinnt, sei es im virtuellen Reich oder im realen Leben.
    Dies ist nurmal der Lauf der Dinge, damit kommt er nicht klar, dass englische Begriffe immer mehr im Alltag zu hören ist.


    Was ich allerdings schlimmer finde sind jene Begriffe aus der rechten Szene ´wie bspw.
    Ebola - Negerseuche, wandelnde Biobombe oder son Kram.



    Das ist ja immerhin noch recht offen, man merkt sofort, dass es sich um Rechte handelt. Schlimmer finde ich so manche Begriffe der Neuen Rechten. Ethnopluralismus klingt für mich nicht annähernd so rassistisch, wie der Begriff eigentlich gemeint ist.


    Ich finde, dass beides gefährlich ist, denn der Unterschied ist, dass man bei Negerseuche sofort erkannt, dass Fremdenhass dahinter steckt.
    Beim anderen muss man erst nachforschen um die wahre Bedeutung zu erkennen.

  • Wenn man permanent Begriffe wie Internet oder online eindeutscht, denke ich - ohne deinem Freund was unterstellen zu wollen -, auch unterbewusst, dass derjenige rechts ist. Schließlich bestand ein Teil der Nazipropaganda daraus auch die Sprache zu "säubern".

    Zitat von Aus Wiki

    Einflüsse der als „fremd“ betrachteten Gesellschaften werden als Gefährdung der „eigenen Identität“ verstanden; Fremdenangst gilt als natürliche Reaktion darauf. Anstelle von historisch durch den nationalsozialistischen Völkermord belasteten Begriffen wie „Lebensraum“ sprechen Ethnopluralisten von „angestammten Territorien der Völker“.


    Schon lustig, dass weder Identität noch das Wort sozial zB. deutsche Wörter sind. Nichtmal das Wort Ethnopluralist ist Deutsch. ='D


    Wenn ich denjenigen nicht für rechts halte, denke ich, dass er arrogant ist und sich nur mit seinem "schönen Sprachgebrauch" hervorpudeln will. Meistens klingt das aber gekünstelt und etwas robotermäßig. ^^"
    Ich find es mittlerweile generell seltsam, wenn Leute weder beim Schreiben (da ist's verständlicher) noch beim Sprechen weder ihren regionsüblichen Dialekt noch umgangssprachliche Phrasen verwenden. Das hat was von "schau mal, Dialekt und Umgangssprache sind primitiv, mein Deutsch ist schöner als deins!"
    Auch bei Hobbyautoren zu entdecken, die so sprechen, als würden sie grade 'n Buch schreiben. X)
    Oder wenn man dauernd ausgebessert wird. Bei manchen ab und zu Freunden süß, bei Fremden No-Go. XD Vor allem, wenn man von Fremden im Dialekt ausgebessert wird, obwohl der seine eigenen "grammatikalischen, ungeschriebenen Regeln" hat.


    Ich finde Deutsch oft nichtmal wirklich schön. Es ist hart, es ist nicht fließend genug, selbst das Wort Deutsch an sich hat einen merkwürdigen Klang.


    Punkto Sprachgebrauch: es gibt auch einen "geschlechterüblichen" Sprachgebrauch. So tendieren Frauen viel eher zu genauen Farb- und Kleidungsbeschreibungen. (mintgrün, aquamarin, lachsfarben, veilchenfarben, …), während alle Typen, die ich kenn: Die Hose ist grün, die Frau hat blonde Haare… - die Hose ist mint und die Frau ist goldblond, damn D:
    Haben auch mal im Deutschuntericht 'n witzigen Test gemacht, wir sollten anhand eines Absatzes sagen, ob er von Mann oder Frau geschrieben wurde und lagen fast immer richtig. :D

  • Freut mich, dass das Thema so breit diskutiert wird und so viele Ansichten hier stehen. Dann werfe ich mich mal mit ins Getümmel :3


    Sobald man angehalten wird starkpigmentiert oder maximalpigmentiert zu sagen (bin ich die Einzige, die diese Worte iwie diskriminierender als alles andere findet? Oo)

    Muss ehrlich gestehen, dass mir diese Begriffe auch schon immer sehr suspekt waren. Ich fühle mich unglaublich unwohl dabei "stark Pigmentierter" zu sagen. Die Formulierung erscheint für mich so erzwungen, dass man nur noch mehr vor Augen geführt wird, dass Menschen mit dunkler Haut mal diskriminiert wurden. In dem Moment, in dem ich die Formulierung nutze, habe ich deswegen eher das Gefühl jemanden zu diskriminieren oder zu beleidigen.


    Das ist auch ein Problem, dass ich an Politischer Korrektheit sehe. In meinen Augen wird manches so weit getrieben, dass man dann nur noch die Wirkung, die man umgehen wollte, verstärkt. Mir wäre es bei einigen begriffen lieber, man würde Aufklärung betreiben und gegen die negativen Klischees vorgehen, nicht diese unter den Teppich kehren. Und mit manch einer Formulierung hab ich aber das Gefühl, dass hier Geschichte unter den Teppich gekehrt wird. Schwarzer, Afrikaner, Dunkelhäutiger ... für mich sind das einfach die Begriffe, die man nicht leugnen sollte, sondern säubern. Ich bin womöglich auch nicht in der Position hier zu urteilen, aber bei so etwas wie "stark pigmentiert" frage ich mich ehrlich, wer genau dafür war. Wenn es lediglich eine Institution ist, die eine unglaubliche Mehrheit vertritt, dann muss man sich fragen, inwiefern das Wort der Wenigen, die Wahrnehmung der Mehrheit repräsentiert.



    Auf jeden Fall, was man jeden Tag hört, sieht und liest, brennt sich ein und wird zur Normalität, es gehört irgendwann einfach dazu und wird, ohne nachzufragen, anerkannt und auch selbst verwendet. Für mich ist das geänderte ABC das Normale, ich kenne ja gar kein Anderes, warum also sollte ich es hinterfragen?

    Beim Alphabet sag ich noch "okay". Da wurden lediglich neutrale Begriffe durch andere neutrale Begriffe ersetzt. Der Hintergrund ist zwar nicht schön, aber ja, der Hintergrund geht mit den Jahren verloren. Aber wir gewöhnen uns auch an Sprache. An Redewendungen. Würdest du das als okay ansehen eine Redewendung, die eine Rasse/ein Volk/eine Religion in irgendeiner Weise diskriminiert, zu benutzen? Weil die Redewendung nun mal "normal" für uns ist und wir diese eigentlich nicht mehr mit ihrem Ursprung in Verbindung setzen. Mal weg von Völkern und Religion zu einer Minderheit, die eigentlich in unserer Gesellschaft nicht mehr diskriminiert wird: Die Linkshändler.


    Das mache ich doch mit links.


    Eine Formulierung, die nichts anderes aussagen soll als "Die Aufgabe ist so einfach, dass ich das sogar mit der nichtdominanten Körperseite schaffe". Kurz: links ist nichtdominant, auch wenn du Linkshändler bist. Die Diskussion habe ich hier entdeckt. Ich habe jetzt auch absichtlich ein Thema genommen, dass uns allen wohl sehr nebensächlich erscheint. Doch im Prinzip geht es ja nur darum, dass eine Minderheit in irgendeiner Weise als negativ dargestellt wird. Egal, ob man das so meint oder nicht. Die Intention ist hier nicht ausschlaggebend.


    Im Prinzip hast du Recht, aber Bushs "Krieg gegen Terror" beispielsweise zeigt nur offen seinen Charakter. Eine diplomatische und freundliche Wortwahl wäre bei ihm nur eine Riesenfarce gewesen. Das Gefährliche ist, dass sich andere mitreißen lassen können, weshalb ich auch die Riesenfarce bevorzugt hätte.

    Wenn das nur so wäre, aber die Sache ist die: Die Formulierung hat nichts mit seinem Charakter zu tun, sondern ist schlau und manipulativ gewählt. Denn "nur" Krieg will niemand. "Krieg mit wirtschaftlichen Hintergründen" wird ganz schnell zu einer moralischen Debatte. Aber "Krieg gegen Terror" ist gut. Das ist kein Krieg gegen ein Volk oder Zivilisten. Da wird niemandem das Land weggenommen. Du kannst nicht Nein zu Krieg gegen Terror sagen. Das war, soweit ich mich erinnere, sogar Thema in den Medien. Europa wusste nicht damit umzugehen, weil Bush sagte, wer ihn nicht unterstützt, der unterstützt den Terror. Was macht man mit so einem Begriff? Wenn der erstmal innerhalb des Volkes Fuß gefasst hat, muss man den Krieg nicht mehr mit anderen Gründen legitimieren. Krieg gegen Terror ist im Prinzip Grund genug.


    M.E. ist es eine durchaus gute Alternative, durch Asteriske derlei Begriffe in einer Fußnote kindgerecht zu erklären, dass dieses Wort halt hier steht, weil man das früher so gesagt hat, aber dass die Vorstellung von Schwarzen, die man damals hatte und damit beschrieben hat, keinerlei Bezug zur Realität hat und damit nicht mehr mit diesem Begriff verwendet werden sollte.

    Da wäre ich in vielen Fällen auch eher dafür. Wie ich weiter oben in meinem Beitrag erwähnt habe, halte ich Aufklärung in einigen Fällen für die bessere Lösung. Ich denke auch, wenn Kinder sehr früh schon viele Begriffe in einem neutraleren Kontext kennenlernen, werden sie später weniger dazu neigen diese als Schimpfwörter zu missbrauchen.



    Heulen und Schreien gab es auch beim "Zigeunerschnitzel". Soßenhersteller weigerten sich, ihre Soßen umzunennen, weil das angeblich "schon immer so geheißen" hat. Anatol Stefanowitsch, ein Sprachwissenschaftler aus Berlin, dessen Positionen ich zwar nicht immer uneingeschränkt unterstütze, hat sich mal schlau gemacht, wie alt das Wort eigentlich ist. Das Ergebnis? Das Wort gibt es seit etwa (sprachlich) läppischen 60-70 Jahren, weil auch die Kombination aus Paprika und Soße erst Ende des 19. Jahrhunderts bekannt wurde. Vor den 1950er Jahren hieß das Gericht: Paprika-Schnitzel.

    Das ist eine der Situationen wo ich sage, dass nur aufgrund von Prinzipien rumgemeckert wird. Es tut keinem weh das Zeug umzubenennen. Der Name hat auch keine große historische Bedeutung. Trotzdem wird sofort losgeheult, wenn sich eine angesprochene Minderheit meldet. Nur weil die Mehrheit sich nicht betroffen fühlt ... lol. Und dann wird auch noch gesagt "Man muss sich doch nicht wegen jeder Kleinigkeit aufregen". Eben. Das gilt dann aber auch für die Seite, die sich aufregt, weil eine Sauce umbenannt werden soll.


    Gegenfrage: In welchem Kontext? Das ist doch eine typische Einzellfallsentscheidung. Ich reagiere allergisch darauf, wenn von "Vorratsdatenspeicherung" die Rede ist, wo doch nur "Kriminalisierung aller Bürger" gemeint ist. Umgekehrt ist es aber okay, von Großmutters "sanftem Entschlafen" zu sprechen, auch wenn das genau so eine (emotionale) Manipulation der Rezipienten ist.

    Ist das nicht sehr subjektiv? Oder geht es dir um die ehrliche Intention hinter der Wortwahl? "Vorratsdatenspeicherung" kann ja schließlich mit der Intention genutzt werden, dass sich das Volk nicht gleich wie ein krimineller behandelt fühlt; dass man "die Gefühle" des Volkes nicht verletzt. Ähnlich wie in deinem zweiten Beispiel. Einfach der Versuch etwas vorsichtiger näher zu bringen. Man kann auch beides negativ sehen, nämlich dass die Wahrheit verschleiert wird. Das ist wohl dann etwas sehr subjektives und hängt von jedem Menschen individuell ab. Ich für meinen Teil ertrage es nicht, wenn so etwas wie der Tod eines Menschen mit Metaphern rübergebracht wird. ich will das als Faktum hören, alles andere erscheint mit entwürdigend.


    Es ist also die Frage, ob man überhaupt sagen kann, wann sowas legitim ist und wann nicht. Es gibt wohl immer irgendeine Seite, die gute Gründe hat genau diese Worte und keine anderen zu nutzen.


    Der Vorsatz "es nicht böse meinen" ist übrigens was wert und sollte von anderen auch akzeptiert werden, anstatt darauf rumzureiten.

    Beim ersten Mal ist er vielleicht etwas Wert. Aber nicht mehr beim zweiten oder dritten Mal. Sobald man weiß, dass sich jemand verletzt fühlt, wenn man bestimmte Worte gebraucht, und man nutzt sie trotzdem weiterhin, verletzt man die Person bewusst. Für mich ist das einfach ein Zeichen dafür, dass man nicht ausreichend Respekt vor den Gefühlen des anderen hat, wenn man seine Wortfreiheit kein bisschen einschränken will. Gerade bei solchen Dingen, die halt tatsächlich ihren Ursprung in einem negativen Kontext haben. Wenn dein Freund jemanden aufgrund von krebs verloren hat und du trotz Bitte es nicht zu tun, weiter mit dem begriff "Boah, das ist voll cancer" kommst, dann ist ein "Ist nicht so gemeint" absolut nichts wert, sondern nur eine Floskel. Leider beobachte ich das sehr oft, dass Menschen diese Floskel nutzen, um sich sprachlich alles erlauben zu dürfen.

  • weil Sprache als Werkzeug erst im Zuge der großen Massenmedien entdeckt wurde


    Sprache als Werkzeug wurde erst im Zuge der großen Massenmedien entdeckt? Was ist mit Sokrates' Apologie während des großen Prozesses, dessen Resultate sein Leben enden lassen würden? Schon dort wird schließlich angesprochen, welche Macht die verschleierten Worte der Advokaten haben. Das ist ja nicht nur Entdecken des Werkzeugs "Sprache", sondern der Versuch, dieses Werkzeug während seiner Rede abzuschwächen oder sogar vollkommen außer Kraft zu setzen. Dass er dafür dann selbst stilistische Mittel genutzt hat, um klar und ehrlich zu sein, ist wohl bekannt. Aber gerade da würde ich sagen, dass die Sprache als Werkzeug schon viel früher entdeckt wurde.


    Im Internet surfen - stehsegeln


    Ich will gar nicht so viel sagen, außer dass ich diese Übersetzung so genial finde, weil sie so kaum passt, dass ich kurz lachen musste. Vielen Dank dafür!


    Erfüllt Politische Korrektheit ihr Ziel und ab wann wird es nur noch eine Farce?
    Selbst wenn ich gegen jemanden (oder gar eine ganze Volksgruppe/Minderheit/Religionsgemeinschaft/etc.) eine Abneigung hege, ist es nicht mein Recht, mir offen ein Urteil über sie zu erlauben. In erster Linie geht es natürlich an sich schon um Toleranz und Akzeptanz, wenn das als zweites Genannte wohl auch sehr viel schwerer umzusetzen ist als das Erstere. Gerade in Fällen, wo die zweite oder gar beide Grundlagen einer friedlichen Koexistenz fehlen (denn ohne Toleranz hält uns ohne Moral und damit verbunden "Politische Korrektheit" nichts auf, um nicht einfach (verbal) mit Steinen zu werfen), ist es nur diese Korrektheit, die dafür sorgt, dass wir zumindest den Mund nicht aufreißen. Natürlich ist es eine Farce, wenn nur diese Korrektheit uns dazu bringt, nicht beleidigend zu werden, aber ich würde diese Farce sehr viel lieber auf mich nehmen als eine Beleidigung, wie fett oder mager, viel zu klein oder viel zu groß ich (ich hierbei nicht ich als Person, sondern als reine Verdeutlichung) bin, dass ich asexuell oder schwul oder lesbisch oder was auch immer bin. Dass das eigentlich sowieso nicht wichtig ist, um zu sehen, wie großartig ein Mensch ist, muss ich wohl nicht erwähnen, jene, die es aber anders sehen und trotzdem politisch korrekt bleiben, mich also nicht als "Schwuchtel", "Fettsack" oder "Mischlingsschwein" bezeichnen, sind mir deswegen nicht unliebsam. Eher habe ich Respekt davor, dass sie sich zusammenreißen und ihre Worte bedacht auswählen. Also stimmen beide Möglichkeiten der Frage: Ja, politische Korrektheit erfüllt in den meisten Fällen ihren Zweck; und: Ja, sie ist trotzdem eine Farce.



    Kann die Wahl der Worte Konflikte verhindern oder entstehen lassen? (siehe das Beispiel mit Bush und der Metapher "Krieg gegen Terror" oder als positives Beispiel Martin Luther Kings Rede "I have a dream")

    Das haben wir doch schon im Kindergarten oder spätestens in der Schule bemerkt.
    Jemand, sagen wir eine Mitschülerin, spricht mich (wieder nur zur Verdeutlichung) an und spricht darüber, dass meine Schuhe total scheiße aussehen. Das sagt sie dabei jedoch nicht nett und freundlich, sondern benutzt Wörter wie "billig", "hässlich" oder andere Wörter mit negativer Konnotation. Natürlich sind das für jemanden, der darauf nicht so viel Wert legt oder dem es schlicht egal ist, kaum angreifende Worte und er kümmert sich nicht weiter darum. Ist es jedoch jemand, dem diese Schuhe entweder besonders zusagen, eine besondere Bedeutung vermitteln oder jemand, der sich sowieso unsicher war, können schon diese relativ schwachen Worte einen schwerwiegenden Effekt erzielen und natürlich zu einem Konflikt führen.
    Wenn ein wunder Punkt getroffen wird, reichen schon wenige Worte, die ungern gehört werden, und es entsteht ein Konflikt. Bei anderen Themen sind es dann eben umso mehr Worte, die nötig sind. Aber grundsätzlich ist es natürlich möglich, mit der Wortwahl einen Konflikt entstehen zu lassen oder eben zu beruhigen. Zeige ich Verständnis für meine beiden Gegenüber, ohne dabei eine klare Seite zu ergreifen (d.h. ich lasse Worte aus wie "Schuld" oder "Verursacher", bleibe stets neutral und höflich), dann ist die Wahrscheinlichkeit, einen Konflikt zu lindern, durchaus hoch. Und das besonders durch Worte (wenn natürlich auch durch das Aussprechen - auch eine verbale Interaktion).


    Sollten wir vorsichtiger mit bestimmten Begriffen umgehen, die tagtäglich sehr leichtsinnig gebraucht werden? (Begriffe wie Idiot, Spast, behindert, die z. B. aus Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen resultiert sind)
    Du beantwortest die Frage ja eigentlich schon selbst innerhalb des Nebensatzes. Die Menschen benutzen diese Worte leichtsinnig, machen aus Behinderungen oder Begriffen, die Minderheiten "beschreiben" sollen, Beleidigungen und kümmern sich gar nicht darum, was Beteiligte - Empfänger der Beleidigung und Gruppe, für die dieser Begriff (auf neutraler Ebene) eigentlich konzipiert wurde (natürlich zählen Idiot und Spast nicht dazu, weil Idiot einfach ist, was es ist, und Spast für mich nicht gleichbedeutend mit Spastiker ist, weil seine Bedeutung wirklich nur noch beleidigend ist). Ich kann mich jetzt nicht davon freisprechen, dass ich manche Worte (Idiot bspw.) nicht auch benutze, aber das wirklich selten und meist mit einer nachfolgenden Entschuldigung verbunden.


    Kann man ein ganzes Volk manipulieren, wenn man Redewendungen ändert (z. B. entstanden Redewendungen wie "Glänzen wie ein Judenei" in der nationalsozialistischen Zeit und sollten das Volk feindselig gegenüber Juden stimmen) oder Begriffe aus der Sprache verbannt (wie Worte aus dem Buchstabier-Alphabet)?


    Ich kannte die Redewendung jetzt gar nicht, aber da könnte ich eigentlich nur die Aussage von Silverchen wiederholen, die so ungefähr besagte: Wenn es sich um eine große Gruppe handelt, die es mit aller Kraft etablieren möchte, dann wird es über kurz oder lang auch geschehen. Dass das damit verbundene häufige Gebrauchen dieser Redewendung innerhalb einer Gesellschaft dann dazu führt, dass man sich davon manipulieren lässt, halte ich für sehr gut möglich und durch die Vergangenheit durchaus bestätigt, wobei man da auch bedenken muss, dass es in dieser Zeit einfach auch eine Menge Groll innerhalb der Gesellschaft gab, der von (das muss man ihnen einfach auf neutraler Ebene zugestehen) sprachlich intelligenten Menschen in gewisse Bahnen gelenkt wurde. Ansonsten ist es wohl etwas schwieriger, so zu manipulieren, aber dennoch nicht unmöglich.


    Ist das legitim oder unerwünschte Manipulation, wenn die Macht der Worte genutzt wird?
    Worte sind Worte. Egal, was man macht, man wird immer durch seine Aussagen eine gewisse Manipulation erzielen wollen, wenn es sich jetzt nicht gerade um Antworten auf Fragen wie "Wie geht es dir?" handelt; und selbst da kann es zu einer Manipulation kommen, weil wir mit einer negativen Antwort uns vertraute Menschen runterziehen oder sie dazu bringen, zu fragen, wieso es uns schlecht gehe, während wir mit einer besonders positiven Antwort eben erzielen, dass man nachfragt, wieso es uns besonders gut gehe. Das ist einfach der Lauf der Sprache und deswegen genauso legitim wie sinnvoll. Denn wie sonst sollten wir andere Menschen von einer Meinung überzeugen, welchen Sinn hätten Diskussionen dann noch? Schließlich ist ein schön formulierter Text viel einflussreicher als ein ohne Gedanken an den Stil vergeudetes Werk, das vielleicht die gleichen Aussagen enthält, aber nicht so viele Menschen erreicht. Es hat natürlich auch seine Schattenseiten, aber grundsätzlich sehe ich es als alltäglich und nur natürlich an, dass die Macht der Worte genutzt wird. Dass zu erkennen und möglichen sprachlichen Fallen zu entgehen, lernen wir schließlich auch passiv in der Schule, während wir uns mit Kommunikationsmodellen, Sprache, informativen, appellativen oder argumentativen Texten beschäftigen. Deswegen sind diese Lerneinheiten im Unterricht auch so wichtig.


    Wie nutzt ihr die Sprache und Worte für euch? Überdenkt ihr eure Aussagen? Wählt ihr eure Worte gewissenhaft oder spontan? Versucht ihr mit den richtig gewählten Worten andere zu verletzten oder eure Zuneigung zu zeigen? Und wie funktioniert das?
    Zwar überdenke ich meine Aussagen gerne mal, aber das sorgt jetzt eigentlich auch nicht dafür, dass ich diese im Nachhinein noch ändere. Natürlich gibt es Situationen, in denen ich sehr wohl nachdenke und gewissenhaft entscheide, welche Worte ich nun wähle. So musste ich beispielsweise in Deutsch immer darauf achten, dass ich nicht "rüberbringen", sondern beispielsweise "darstellen" oder "illustrieren" sage, was zwar jetzt keine emotionale Ebene mit sich bringt, jedoch durchaus auch dafür sorgt, dass man von Leuten anders wahrgenommen wird. Habe ich in der Schule die richtigen oder gar professionellen Begriffe für etwas genutzt, waren Menschen teilweise erstaunt und es kam Lob, weswegen ich mir immer mehr Mühe gab, meine Worte gewissenhaft auszuwählen und zu kombinieren.
    Auf Dauer klingt das jedoch relativ stockend und wirklich schön ist es auch nicht immer. Im Unterricht und im Studium mag das ja auch durchaus sinnvoll sein, so etwas ist aber unwichtig, wenn ich mit Freunden spreche. Da kann es auch mal sein, dass ich nicht ganz so lange gewissenhaft aussuche, welches Wort ich nun nutze, aber da man sich im Freundeskreis kennt, ist die Macht eines Worts ja auch eine ganz andere als bei einem Fremden.
    So wirkt das, was ich manchmal sage, auf Bekannte teilweise arrogant und hochnäsig, andere erkennen dabei aber auch ganz andere Eigenschaften. Die Macht der Worte ist also gar nicht immer gleich und hat nicht bei jedem die gleiche Wirkung. Man kann zwar relativ sicher sagen, dass eine gewisse Gruppe an Leuten mit gleichen Eigenschaften, die man bspw. während einer Rede erreichen möchte, immer relativ ähnlich auf etwas reagieren, mit einer Ansammlung verschiedenster Typen von Menschen kann man das jedoch nicht, weswegen man hier nicht von einer wirklichen Macht sprechen kann. Es kommt immer auf den Empfänger an, ob er nun von der Macht eines Wortes gefesselt ist oder einfach nur gelangweilt.

  • Wenn man permanent Begriffe wie Internet oder online eindeutscht, denke ich - ohne deinem Freund was unterstellen zu wollen -, auch unterbewusst, dass derjenige rechts ist. Schließlich bestand ein Teil der Nazipropaganda daraus auch die Sprache zu "säubern".


    Er ist definitiv kein Nazi, aber es ist nurmal so, dass er sehr bekannt dafür ist, die falsche Wortwahl zu treffen. Er überlegt nicht, was die Bedeutung oder die Folgen seiner Sätze sind oder sein könnten.
    Manchmal ist das echt gequälte Scheisse, die er redet :S  
    Er hat halt einen Deutschfetisch, würde ich sagen.

    Wenn ich denjenigen nicht für rechts halte, denke ich, dass er arrogant ist und sich nur mit seinem "schönen Sprachgebrauch" hervorpudeln will. Meistens klingt das aber gekünstelt und etwas robotermäßig. ^^"
    Ich find es mittlerweile generell seltsam, wenn Leute weder beim Schreiben (da ist's verständlicher) noch beim Sprechen weder ihren regionsüblichen Dialekt noch umgangssprachliche Phrasen verwenden. Das hat was von "schau mal, Dialekt und Umgangssprache sind primitiv, mein Deutsch ist schöner als deins!"


    Wie oben erwähnte er hat einen Deutschfetisch, aber wie gesagt.


    Ich hab beispielsweise extreme Probleme Dialekt zu verstehen, aber das liegt an meiner Schwerhörigkeit.
    Es gibt durchaus schöne Dialekt, denen man gern zuhört, aber es gibt auch welche, die klingen einfach nur Absurd und hässlich.
    Ich sag nur


    Ich mag diesen Dialekt nicht wirklich, aber lustig isser trotzdem

    Ich finde Deutsch oft nichtmal wirklich schön. Es ist hart, es ist nicht fließend genug, selbst das Wort Deutsch an sich hat einen merkwürdigen Klang.


    Jup, Deutsch ist eine hartklingende Sprache, aber was meinst du mit fliessend?
    Dafür ist ja Deutsch berühmt, dass so hart klingt wie Stahl, was meinste, warum Japaner so sehr auf Deutschland stehen.
    Das merkt man an diversen Animes, ich sag nur Shinji und die Baumkuchen-Szerne, die Eisenwaldgilde aus Fairy Tail oder die Quincyarmee in Bleach.


    Ich empfinde, meine Mutztersprache als Hart und Kalt, das merkt man hieran :D



    IMan hätte auch Germanisch nehmen können



    Die Sprache war schon immer da, nur dsiejenigen, die der Sprache mächtig waren, könnten Leute manpuliert werden.


    Mit dem Erscheinen der Radiotechnik und der Propagandatechnik konnten viele Leute überzeugt werden, das weil die Propaganda gut in den Ohren der Menschenm klingt :D

  • Cass hatte mich schon drauf angesprochen, dass sie das Thema hier machen will und ich finde es wirklich super, dass du dir die Zeit genommmen hast :3 (Props an dieser Stelle mal an alle Themenersteller hier, die Topics sind so ausgereift und toll geworden, es macht echt Spaß. Nur ein bisschen anstrengend ist es immer zu antworten xD)
    Ich habe ein Germanistikstudium hinter mir und mache jetzt gerade ein spezielles KommWi-Studium, hoffe also, dass man mit meinem Beitrag was anfangen kann.


    Erfüllt Politische Korrektheit ihr Ziel und ab wann wird es nur noch eine Farce?


    Ich finde politische Korrektheit wichtig und sinnvoll. Tatsächlich kommt es manchen Menschen so vor, als sei sie absolut unangebracht an einigen Stellen des täglichen Lebens, aber das liegt meistens an der Tatsache wie Menschen mit Veränderungen umgehen, weniger an der Sprache, zumindest meiner Meinung nach.


    Kann die Wahl der Worte Konflikte verhindern oder entstehen lassen? (siehe das Beispiel mit Bush und der Metapher "Krieg gegen Terror" oder als positives Beispiel Martin Luther Kings Rede "I have a dream")


    Ja, Worte können massiv Einfluss darauf nehmen ob eine Diskussion eskaliert und zu einem Streit wird, oder ob Verhandlungen erfolgreich sind oder nicht. Übrigens ein Grund, warum so viele Politiker und politische Angestellte ein Jura-Studium hinter sich haben: Gesetzessprache achtete sehr darauf keine Schlupflöcher zu lassen. Das macht sie nicht gerade schön, aber es hilft dabei Missverständnisse zu umgehen – sofern ebenso geschulte Menschen auf der anderen Seite der Kommunikationsverbindung sitzen. Ich hatte es erst neulich wieder davon mit jemandem: Tatsächlich würde ich mich selbst als sehr direkten Menschen bezeichnen. Trotzdem stoße ich eher selten Leute vor den Kopf, da ich glaube, dass man seine Worte einfach nur anständig („weise“) wählen muss, damit sich da niemand angegriffen fühlt. Wie von @Bastet weiter oben schon erwähnt kommt natürlich auch Mimik und Gestik dazu, vielleicht ein Smiley, aber nicht immer bewege ich mich in einem Sprachformat in dem sowas möglich oder angebracht ist. Trotzdem ist es möglich Kritik zu äußern oder Probleme anzusprechen ohne jemanden anzugreifen. Meistens zumindest.
    Umgekehrt ist das natürlich genauso der Fall. Manchmal kann ein falsches Wort viel kaputt machen. In großen, komplexen Zusammenhängen, genauso wie in einfachen Dialogen zwischen Freunden. Missverständnisse sind die Hölle für jedes freundliche oder produktive Thema und führen oft zu tiefgreifenden Problemen.


    Sollten wir vorsichtiger mit bestimmten Begriffen umgehen, die tagtäglich sehr leichtsinnig gebraucht werden? (Begriffe wie Idiot, Spast, behindert, die z. B. aus Erkrankungen und körperlichen Einschränkungen resultiert sind)


    Ja, sollten wir. Nicht nur bei Worten, die ein Krankheitsbild verunglimpfen, sondern bei allen Begriffen, die jemanden beleidigen. Das Beispiel „schwul“ wurde ja ebenfalls bereits genannt. Ich ertappe mich selbst dabei, gelegentlich solche Worte zu nutzen und auch, wenn es dann in dem Moment absolut in Ordnung war und sich niemand angegriffen gefühlt hat, merke ich, wie ich mich selbst und andere dadurch für die Begriffe desensibilisiere. Auch wenn es mit Freunden mal im Spaß gesagt wurde, zu schnell schleicht sich so etwas in den allgemeinen Sprachgebrauch ein und verletzt am Ende jemanden, wie es ja bei den genannten Beispielen tatsächlich bereits der Fall ist.


    Kann man ein ganzes Volk manipulieren, wenn man Redewendungen ändert (z. B. entstanden Redewendungen wie "Glänzen wie ein Judenei" in der nationalsozialistischen Zeit und sollten das Volk feindselig gegenüber Juden stimmen) oder Begriffe aus der Sprache verbannt (wie Worte aus dem Buchstabier-Alphabet)?


    Ich bin mir nicht sicher, ob die Formulierung „ein ganzes Volk“ manipulieren, für mich zur Einschätzung nicht etwas zu hoch gegriffen ist. Hab einfach keine Ahnung, ich bin doch kein Volk :D Und ich kenne mich auch nicht genug damit aus. Dass Sprache Menschen manipulieren kann glaube ich auf jeden Fall, subjektiv gesehen würde ich sogar am liebsten „weiß ich“ schreiben – aber das bringt ja nix, wenn das jemand anders sieht, wa? Das Beispiel mit dem Telefon-Alphabet ist besonders happig, finde ich, da der Unterschied bzw. die Änderung für uns heute nicht mehr eindeutig faschistisch konnotiert ist. „Ist ein bisschen wie mit den Autobahnen, die hat ja auch keiner abgerissen, obwohl die Nazis sie veranlasst haben, sind halt praktisch.“ <--- Hab das jetzt mal bewusst in Anführungszeichen gesetzt, weil es definitiv eine nicht völlig durchdachte, streitbare Aussage ist, die als Vergleich sehr überspitzt daher kommt. Ich kann den Wunsch diese Änderung zurückzunehmen prinzipiell nachvollziehen, weil es nunmal eine Änderung war, die keinerlei menschlich vertretbare Begründung hatte. Allerdings sind Menschen faul, leider auch wenn es um so etwas geht, ich bezweifle also, dass sich da nochmal was tut.
    Für mich persönlich wirkt es schon so, dass Sprache ein ganzes Volk manipulieren kann (unterstützt durch andere Medien), aber ich bin mir nicht sicher, ob die Beispiele, die mir für diese Annahme einfallen, ausreichen würden um eine objektive Stellungnahme zu geben. Trotzdem bringe ich mal eines, falls sich jemand dafür interessiert: Das Wort „Reichskristallnacht“ das heutzutage leider selbst von Geschichtslehrern immer noch verwendet wird, wurde von der NSDAP geprägt. Kristalle gelten als schön und so soll die Formulierung auch dementsprechend verknüpft werden. Die ‚korrekte‘ Bezeichnung ist „Reichsprogromnacht.“ Und ja, das könnte man jetzt als Erbsenzählerei werten und sagen „aber es weiß doch jeder, dass das nix Positives war“ – tut es nicht (bildungsferne Schicht und so?); außerdem zählt für mich persönlich auch die Tatsache, dass ich selbst es jetzt auch nicht gut finden würde (Achtung: wieder Polemikalarm), wenn jemand das Leben meiner Großeltern ruiniert und die Bezeichnung dafür positiv klingen würde.


    Ist das legitim oder unerwünschte Manipulation, wenn die Macht der Worte genutzt wird?


    Ich halte es für legitim, Worte sind ein Zusammenspiel aus Werkzeug und emotionaler Komponente (meistens); allein dadurch bedingt ist es unmöglich eine Grenze zu ziehen. (Es gab mal die Idee alle Adjektive zu verbannen, aber selbst das hat nix gebracht. GG)


    Habt ihr schon alltägliche Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Zum Beispiel bei der Kommunikation mit Menschen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben oder beim Erlernen von Fremdsprachen. Oder auch in völlig anderen Situationen.


    Ja gut, eh… xD
    Sag ich da jetzt einfach ja? :D  
    Ich wohne in Berlin, studiere Kommunikation und bin auch noch ne Laberbacke. Außerdem bringt es wahrscheinlich herzlich wenig meine Meinung mit einem Schwank aus meinem Leben zu unterstreichen x3 Höchstens ein für mich positives Erlebnis hätte ich: Ein Freund von mir ist Ungar und hat in unserem Freundeskreis eine gewisse Begeisterung für seine Muttersprache ausgelöst (nicht zuletzt, weil es wahnsinnig viele Optionen gibt die Mutter von jemandem zu beleidigen *hust*) ABER der gute Marci studiert selbst Deutsch und hat ne ziemlich interessante Welle bei uns ausgelöst: Anstelle von Begriffen wie „schwul“, „behindert“ oder Spast sagt er IMMER „Baran“. Das heißt nix anderes als „Schaf“ auf Ungarisch und tut niemandem weh. Man kann es phonetisch angelegt super zum Fluchen nutzen tatsächlich haben das viele Leute bei uns übernommen. (Gruppenzwang und so… jemand ne Kippe? ;) ) Ist zumindest eine, für mich, amüsante Alternative und zeigt mir, dass es wirklich auch einfach anders geht, wenn man sich ein bisschen bemüht.


    Wie nutzt ihr die Sprache und Worte für euch? Überdenkt ihr eure Aussagen? Wählt ihr eure Worte gewissenhaft oder spontan? Versucht ihr mit den richtig gewählten Worten andere zu verletzten oder eure Zuneigung zu zeigen? Und wie funktioniert das?


    Boa hey Hilfe, Cass, deine Fragen xD
    Ja, ich überdenke beim Schreiben sehr stark meine Aussagen und selbst beim Sprechen und bei Kurzzeit-Kommunikation mit anderen gebe ich mir meistens Mühe. Zwar ist das manchmal anstrengend und ich schaffe es auch nur zum Teil, aber ich fühle mich persönlich besser damit, wenn ich weiß, dass es „sauber“ bei meinem Gegenüber ankommt. In meinem Wortschatz befinden sich durchaus Floskeln aus dem allgemeinen Sprachgebracht, die relativ oberflächlich oder alltäglich wirken, aber durch mich und die Art und Weise wie ich sie wähle und rüberbringe was besonders Schönes (oder auch Übles) heißen können :3
    Wie das funktioniert kann ich zwar erklären, aber das führt hier dann ein bisschen zu weit. Evtl. kann man einfach sagen, dass ich versuche keine Feststellungen zu machen oder jemanden zu verurteilen, sondern immer zeige und sage, dass es meine persönliche Meinung/ Erfahrung ist. Außerdem gebe ich mir Mühe nachzuvollziehen wie jemand zu seiner Einstellung kommt und das zu respektieren.


    Wenn jemand sagt "das ist ja voll schwul", ist das nicht schön, aber zweckentfremdet.


    Ich gebe dir Recht, dass das nicht schön ist :D Und ja, es dürfte fast jedem bewusst sein, dass es anders gemeint ist als es im Lexikon steht. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich persönlich der Meinung bin, dass es auch anders geht und vor allem, dass ich bei mir selbst merke, dass es mich dessensibilisiert, wenn ich zu oft solche zweckentfremdeten Wörter nutze. Nur weil man es nicht „böse meint“, heißt das nicht, dass es nicht falsch/ böse ankommt. Und auch wenn ich selbst damit niemanden vor den Kopf stoße, wenn es nicht so viele Menschen gäbe, die es wirklich aktiv negativ zweckentfremdet haben, dann wäre man mit dem Wort heute nicht da, wo wir sind.
    tl;dr – Meiner Meinung nach muss es einfach nicht sein, also bemühe ich mich es zu lassen. Ich spreche nicht jeden darauf an, wobei ich das wahrscheinlich bei meiner Einstellung tun sollte, und glaube, dass es die Mühe wert ist „dagegen zu stehen“ (vgl. „zu etwas stehen“ x3).


    Genauso wie man Texte dank des neuen Trends namens Gendern fast unleserlich machen kann. Für uns war immer klar, dass die Phrase "Die Ärzte beschlossen..." die Berufsschicht der gesamten Ärzteschaft gemeint war und nicht nur männliches Personal.
    Desto abstruser und konstruierter Phrasen und Wörter wirken, desto unehrlicher erscheinen sie. Einen schönen Schein kann ich schnell schaffen, ob da wirklich Sein dahinter ist, ist sehr fraglich.


    Du sagst hier „unehrlich“ und das verstehe ich tatsächlich nicht ganz ^^“ – Klar, es sieht komisch aus, aber ich hoffe ja, dass das vor allem daran liegt, dass sowas in unserer Gesellschaft neu ist. Nur weil ich weiß, was gemeint ist, ist es noch lange nicht korrekt formuliert. Gender sind ein sehr komplexes Thema, aber ich bin der Meinung, dass sowas nicht verkehrt ist :) Klar, es ist aufwendig bzw. „erscheint nicht nötig“, aber das liegt eben daran, dass wir eine andere Prägung gewohnt sind, für mich heißt das aber nicht, dass diese Prägung wirklich gut ist :s Sprache ist ein Werkzeug um das zu vermitteln, was man ausdrücken will. Und wenn es nun mal nicht nur um das männliche Personal geht, dann finde ich das absolut angebracht, dass man das heutzutage auch ausdrücken möchte.



    Deswegen halte ich vor allem beim Storyschreiben inne und überlege, wie etwas ankommt.
    Mir ist auch beim Lesen wichtig, dass Dialoge relativ authentisch wirken. Im Fließtext muss aber wirklich nicht stehen: "X hatte eine Hautfarbe, die mich an Milchschokolade erinnerte". Dass der Autor keine bösen Absichten hat, ist mir klar, es wirkt nur nicht gut. Wenn Freunde einander im Dialog necken, ist das wieder etwas anderes. Da kann vieles gesagt, aber nicht so gemeint werden, wenn Mimik und Gestik beider beteiligten Personen zeigen, dass es beide nicht ernst nehmen. (Mein Paar nennt sich auch scherzhaft Idiot, Depp oder so, wenn der andere was Dummes sagt. Kitsch ist meeeh.)


    Verstehe ich voll, wenn ein Jugendlicher in einem Buch nicht so spricht wie ich es (statistisch) von ihm erwarten würde oder kenne, dann irritiert mich das. Abgesehen von der wörtlichen Rede bin ich da ähnlich eingestellt wie du und lehne ich mich jetzt mal damit aus dem Fenster, dass es noch mehr Synonyme gibt, man also nicht auf ‚angreifende‘ (negativ behaftete) Worte hinaus muss.
    Trotzdem hat ein Autor immer eine gewisse Außenwirkung und ich persönlich denke schon, dass man, wenn man etwas veröffentlicht, auch die Wahl (und ein Stück weit die Verantwortung) hat, wie man wirken möchte bzw. sich damit auseinandersetzen sollte, ob ein Dialog vllt wirklich SO und nicht anders laufen könnte :3


    “Der Artikel (den ich damals auch gelesen habe) ist genau das Paradebeispiel an Arroganz, die mir in dieser Diskussion so sauer aufstößt. Das ist diese ganz klassische Kombination aus Wir meinen das doch gar nicht böse und Mein Freund ist auch Zigeuner und der fühlt sich davon nicht diskriminiert!!!1!einself.
    Wer schonmal beim Geschenke verteilen ordentlich auf die Schnauze gefallen ist mit der Wahl des Geschenks, weil der Empfänger sich dadurch tiefstens beleidigt gefühlt hat, weiß, wieviel der Vorsatz "Habe es nur gut gemeint/nicht bös gemeint" in der Realität wert ist. Es ist vollkommen wurscht, wie etwas gemeint ist, das Kernkriterium ist, wie es beim anderen ankommt.“


    Anderen wegen Kleinigkeiten Arroganz zu unterstellen, ist aber auch nicht grade die feine Art. Ich weiß nicht, woher dein leicht aggressiver Diskusionsstil kommt, aber ich finde ihn absolut unangebracht, da niemand hier was getan hat.
    und ja, Freunde nennen sich auch scherzhaft selbst Jugo!!11


    Der Vorsatz "es nicht böse meinen" ist übrigens was wert und sollte von anderen auch akzeptiert werden, anstatt darauf rumzureiten.
    Man darf nicht immer nur einer Seite verlangen, dass sie sich korrekt verhält. Es ist auch ein meilenweiter Unterschied, ob jemand, den es betrifft, in Ruhe sagt "das Wort finde ich nicht in Ordnung/nenn mich bitte nicht so", dann ist die Sache auch gegessen - oder ob derjenige vollkommen aus der Haut fährt und mit Unterstellungen um sich wirft.


    Ich persönlich könnte jetzt zurückgeben, dass deine Reaktion auch nicht gerade dazu beiträgt die Aussagen zwischen euch beiden zu entspannen ^^
    Die Arroganz war ja zum Glück auf den Artikel bezogen, nicht auf eine Person (außer vielleicht den Autor des Artikels) und die Unterstellung sehe ich hier fast gar nicht; für mich hat Silverchen sich da nur verhältnismäßig emotional zu einer Thematik geäußert, die ihr wichtig ist, aber hat das nur überspitzt gemacht um ihren Standpunkt zu unterstreichen („1!einself“ und so, ne? :D). Im Gegenzug finde ich persönlich deine Antwort jetzt auch nicht so sympathisch und etwas bissig. Aber ich kenne dich nicht und kann das nicht einordnen und ich will damit jetzt auch nicht angreifen, bitte versteh mich nicht falsch, Bastet <3 Aber das ist so ein klassischer Fall von Emotionen im Text, die missverständlich ankommen können – auf beiden Seiten.
    Ich finde es mega schwer, sowas zu vermeiden, leider T_T Dementsprechend find ich den Weg „Lieber erstmal locker nehmen und sich nicht angegriffen fühlen“ ganz angenehm, weil sich damit seltener was hochschaukelt.
    Allgemein gesagt: Lieber versuche ich an mir selbst zu arbeiten und zu reflektieren, was ich tue, als dass ich perfektes Verhalten von der Gegenseite erwarte (hatten wir das nicht eh vorhin? :D) oder jemanden verletze. (Bin btw. massiv für eine Kennzeichnungsmöglichkeit im Bereich Ironie, Sarkasmus und Polemik als Stilmittel :love: ). Konsequent bedeutet das: Bevor ich mich mit „War nicht böse gemeint“ rechtfertigen muss, weil was anders ankam als gedacht, denke ich lieber zweimal nach und versuche Missverständnisse zu vermeiden. Klar sollte es einen Wert haben, wenn man sich entschuldigt, aber Konflikte oder Beleidigungen - im weitesten Sinne – prägen Menschen. Manchmal macht man so eben den berühmten ersten Eindruck kaputt oder sowas ^^“


    Nur dass sich Begriffe mit der Zeit wandeln und neutraler werden.


    Das passt iwie ganz gut zu meinem Abschluss – sorry, dass ich dich jetzt so viel zitiert habe und die anderen weniger, ich will keine Gegenposition annehmen, mich nur an was ranhängen <3
    Ich glaube, dass sich nicht die Bedeutungen der Begriffe ändern sondern das Verständnis der Menschen dafür. Das macht sie in meinen Augen nicht „neutraler“ sondern bringt mich wieder zum Thema Desensibilisierung. Sprache lebt und wandelt sich, da hast du absolut Recht und das ist wichtig. Sind ja Menschen, die sie benutzen. Aber ich hab manchmal so meine Probleme mit Menschen *hüstel* Für mich also wieder dieses


    Zitat von Kuschelkrähe

    tl;dr – Meiner Meinung nach muss es einfach nicht sein, also bemühe ich mich [sowas] zu lassen. Ich spreche nicht jeden darauf an, wobei ich das wahrscheinlich bei meiner Einstellung tun sollte, und glaube, dass es die Mühe wert ist „dagegen zu stehen“ (vgl. „zu etwas stehen“ x3).

  • Sprache als Werkzeug: Der einzige Existenzgrund für Sprache ist der, um als Werkzeug gebraucht zu werden. Egal, ob man sich die Sprache von Tieren oder Menschen ansieht, sie dient in ihren Grundzügen als Werkzeug der Informationsübertragung.


    Ne, gendern wirkt unehrlich, weil es wirkt wie "Hauptsache wir gendern, der Schein bleibt schön gewahrt". Wie gesagt wurde, andere Sprachen haben es auch nicht nötig. Mal davon abgesehen, dass es sich stockend lesen lässt. ^^


    Zitat

    Verstehe ich voll, wenn ein Jugendlicher in einem Buch nicht so spricht wie ich es (statistisch) von ihm erwarten würde oder kenne, dann irritiert mich das. Abgesehen von der wörtlichen Rede bin ich da ähnlich eingestellt wie du und lehne ich mich jetzt mal damit aus dem Fenster, dass es noch mehr Synonyme gibt, man also nicht auf ‚angreifende‘ (negativ behaftete) Worte hinaus muss.
    Trotzdem hat ein Autor immer eine gewisse Außenwirkung und ich persönlich denke schon, dass man, wenn man etwas veröffentlicht, auch die Wahl (und ein Stück weit die Verantwortung) hat, wie man wirken möchte bzw. sich damit auseinandersetzen sollte, ob ein Dialog vllt wirklich SO und nicht anders laufen könnte :3


    Wie man wirken möchte? Natürlich.
    Negativ sind Worte nur, wenn der Angesprochene sie negativ aufnimmt. Ich mag dieses "wir müssen uns alle positiv und lieblich ausdrücken" nicht, weil das keiner so in der Realität sagt. Freundschaft und Paare, die einander mit Samthandschuhen anfassen, finde ich seltsam, gekünstelt, aufgesetzt, gefühllos. ^^"
    Meine Lebenserfahrung sagt, dass sich Paare, die sich pausenlos Schatzi, Mausi, Bärli, alles-was-einen-zum-Augenrollen-bringt, nennen und sich mit Komplimenten überhäufen, viel schneller trennen als solche, die nicht miteinander rumkitschen und sich mehr oder weniger wie beste Kumpels behandeln, da das Ganze Schatzi-Mausi-Bärli oft nur eine Farce ist.
    Das wirst du doch bestimmt auch nachvollziehen können, liebe Kuschelkrähe. <3


    Real läuft's eher so ab: *man kennt sich zwei Wochen* Könntest du das bitte kurz für mich halten? *nimmt es wieder* Danke, lieb. =)
    Fester Freund/beste Freunde: Halt das amal! *nimmt es wieder* war ja klar, kurz den Kaffee halten und fast nix mehr drinnen… pff, Idiot! :(  
    Wörter wie "Mongo", die Leute oft zueinander sagen, lass ich aber aus, da sie aktuell eine andere gesellschaftlich Bedeutung haben, als "Beleidigungen", die niemanden mehr treffen (sollten). Wer verbindet Idiot noch mit Idiotismus? Selbst in Fachkreisen ist das Wort altmodisch.


    @Windmond
    Gääanssseppplümmchen! X'D

  • Bin am Handy, deswegen kurz so: Beim Gendern gehen unsere Meinungen wohl auseinander, aber jetzt weiß ich, was du meinst. Danke!


    Bezüglich Pärchen und Authentizität gebe ich dir btw. voll recht, ich war immer noch bei den "verfremdeten" Wörtern wie "Spast" und "schwul" - ich nenne meinen Freund auch Arschkeks und er mich Miststück xD


    Mir gings bloß drum, dass ein Autor nicht zwingend auch so zweischneidige Worte verwenden muss, ob da sich wer liebevoll anpöbelt ist mir egal/ find ich gut :D